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Die Unstrutnixe
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Vom Wesen der Unstrutnixe
Die Unstrutnixe, so erzählte eine alte Frau, ist ein gar gutes und böses Ding. Sie hat lange und triefende Haare, die vom Kopf bis auf die Ferse herunterhängen. Ihre Augen sind klein und wässerig und wenn sie freundlich gesinnt ist, so blinzelt sie mit denselben wunderbar schelmisch. Ihr Antlitz ist schön und einnehmend, doch blass vom Wasser. Ihre ganze Gestalt ist wohlgeformt und regelmäßig. Ihr Kleid rauscht wie Seide, ist aber aus Stoffen gewebt, die tief unter den Wellen begraben liegen. Zuweilen steigt sie an das Ufer, aber nur in den Dämmerstunden und lustwandelt auf und nieder. Sie ist trotz ihrer Einsamkeit im Wasser eitel; denn nicht selten lächelt sie wohlgefällig, wenn der glatte ruhige Spiegel der Flut ihr Bild zurückstrahlt und in solchen Augenblicken beglückt sie die Menschen gern mit ihrer Gunst. Aus: Thuringia, Zeitschrift zur Kunde des Vaterlandes, Arnstadt 1843 |
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Die Unstrutnixe
Die Unstrut ist ein gefährliches Gewässer, denn in ihr lebt eine Nixe. Besonders vor dem Johannistag zieht sie unvorsichtige Kinder, die sich in die Nähe des Flusses wagen, in ihre Fluten hinab. Die Nixe der Unstrut kann sehr böse sein, aber auch viel Gutes tun. Sie hat lange, triefende Haare, die ihr bis zu den Fersen reichen. Ihre Augen sind klein und wässerig. Ist sie freundlich gesinnt, so blinzelt sie mit ihnen wunderbar schelmisch. Ihr Antlitz ist schön und ihre Gestalt wohlgeformt. Ihr Kleid rauscht wie Seide, es ist aus Stoffen genäht, die tief unter den Wellen begraben liegen. Zuweilen steigt sie in der Dämmerung ans Ufer und spaziert am Wasser entlang. Sie ist trotz ihrer Einsamkeit im Wasser eitel, denn nicht selten lächelt sie wohlgefällig, wenn der glatte Wasserspiegel ihr Bild treulich zurückstrahlt. In solchen Augenblicken beglückt die Nixe die Menschen gern mit ihrer Gunst. I. Einst wollte ein Müller sein Wehr an der Unstrut, das die Fluten schon zweimal hinweggerissen hatten, wieder aufbauen lassen. Er fragte deshalb einen Baumeister um Rat. "Unsere Mühe ist umsonst", flüsterte dieser dem Müller ins Ohr, "wenn Ihr nicht heimlich ein Kind kauft, das noch an der Mutterbrust trinkt." "Was soll damit geschehen?", fragte neugierig der Müller. "Wenn das Wehr der Gewalt des Wassers widerstehen soll, muss dieses Kind lebendig hineingemauert werden", war die Antwort des bösen Ratgebers. Der Müller lächelte anfangs nur über diese unsinnige Forderung. Doch der Baumeister sprach so lange auf ihn ein, bis er sein Ziel erreicht hatte. Mit Eifer war er nun darauf bedacht, ein Kind zu kaufen. Tatsächlich fand sich eine Mutter, die für schnöden Lohn zu diesem unmenschlichen Geschäft bereit war. Nun ging man ans Werk. Unter allerlei Zaubersprüchen mauerte der Baumeister den Säugling ein, und niemand erfuhr von diesem Verbrechen. Übers Jahr hatten starke Regenfälle den Flug bis zum Rand gefüllt, aber das Wehr trotzte den Wogen, als sei es aus Quadern von Porphyr und Granit gebaut. In dieser Zeit geschah es, dass die Mutter des Kindes in die Nähe des Wehres kam. Sogleich brauste und tobte das Wasser ganz fürchterlich. Das Wehr wankte und barst; krachend sanken die Trümmer auf den Grund. Da stieg die Nixe mit einem wunderschönen Mädchen aus dem Wasser empor, in welchem die Rabenmutter sogleich ihr Kind erkannte. Große Furcht und Entsetzen veranlagten sie zur raschen Flucht, doch noch am selben Tage fand man sie tot am Ufer der Unstrut auf. II. Eine kranke Witwe brachte einst ganz allein Flachs an die Unstrut zum Rösten. Sie weinte unaufhörlich, weil ihr einziges Töchterlein erst vor einigen Wochen ins Wasser gefallen und spurlos verschwunden war. Die Tränen rannen ihr hell glänzend über die Wangen und mischten sich mit den Wellen. "Oh, meine liebe Tochter, mein liebes Töchterlein", weinte sie klagend und jammernd. "Im kalten Wasser liegst du begraben, du armes Kind. Oder hat dich etwa die Nixe wegen deiner Schönheit in ihre dunkle Wohnung hinabgezogen? Nur noch einmal möchte ich dich sehen!" Herzzerreißend klangen die Klagen der Mutter. Da wurden plötzlich die Wellen ruhiger, bewegten sich leichter, und überall flüsterte und tönte es lieblich. Aus den Fluten am jenseitigen Ufer tauchte die Nixe empor und hielt in den Armen das viel beweinte Kind. "Ach, gib mir mein Kind zurück, gute Nixe, verlange mein Leben dafür!", flehte die Mutter. Die Nixe schwebte auf dem Wasser wandelnd herbei und legte das Kind in die mütterlichen Arme. Es war aber starr und tot. "Hast du es getötet?", fragte die Mutter weiter, indem sie die Nixe schmerzvoll anblickte. "Oh nein", fuhr sie fort, "so grausam kannst du nicht sein, denn du schaust mich so freundlich und teilnehmend an. Nicht wahr, es ist ertrunken? Du hättest ihm bestimmt geholfen. Nun, da ich es wiederhabe, will ich es auch feierlich begraben lassen und sein Grab mit schönen Blumen bepflanzen." "Tue das, arme Mutter", sagte die Nixe gerührt, "nimm diese Perlen und die goldene Schale; sie sind dein Eigentum. Alle deine Tränen habe ich aufgefangen und in Perlen verwandelt!" So sprach die Nixe und verschwand in den rauschenden Fluten. Aus: Helmut Riedel und Martin Sünder, Sagen aus Mühlhausen und seiner Umgebung, Mühlhäuser Beiträge, Sonderheft 4, Mühlhausen 1982 |
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Die Rache der Unstrutnixe
Ganz ganz früher wurde das Wasser der Unstrut von Nixen bewohnt. Einmal spielten Knaben in der Nähe des Flusses und einer sagte im Übermut: "Kommt, wir wollen die Nixe zu Tode steinigen, die an der Gartenecke, dort im Flusse wohnt, wo er am tiefsten ist." Schnell waren alle dabei und liefen zu der bezeichneten Stelle. Stein auf Stein warfen sie in die Tiefe und sie riefen höhnisch dabei:
Und bei jedem Steinwurf schäumte das Wasser hoch auf, ein Anblick, der die Knaben mehr und mehr reizte und sie übermütiger werden ließ. Und die Steine flogen immer schneller in die Fluten. Auf einmal, sie wussten nicht, wie ihnen geschah, stand die Nixe plötzlich unter ihnen, blickte sie zornigen Blickes an, suchte nach dem Anstifter, packte ihn bei den Haaren und zog ihn mit sich in die Tiefe. Alles Sträuben half ihm gar nichts. Vom Schrecken wie gelähmt standen die Knaben starr vor Entsetzen da und blickten ihrem Spielgefährten nach. Doch sehen konnten sie ihn nicht mehr, sie hörten aus der Tiefe des Flusses nur einen furchtbar gellenden Angstschrei und sahen bald darauf, wie sich das Wasser blutrot färbte, ein Zeichen, dass die Nixe ihr Opfer getötet hatte. Aus: Rudolf Tomaszewski, Sagen und Legenden aus Nebra, Nebra 1987 Auch bei: Helmut Riedel und Martin Sünder, Sagen aus Mühlhausen und seiner Umgebung, Mühlhäuser Beiträge, Sonderheft 4, Mühlhausen 1982 |
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