Das frühere Zisterzienserkloster Reifenstein (Rivenstein, Riphenstein, Rifenstein) liegt in einer engen Waldschlucht am Fuße des Dün. Das Kloster war 1162 gegründet worden und wurde 1803 säkularisiert und in eine Domäne umgewandelt.
Die verstopfte Quelle beim Kloster Reifenstein
51°20'49.10"N, 10°21'47.59"E, Alt. 355 m

Einst kam der Heerführer Rive in diese Gegend und das Land gefiel dem Gefolgsmann Attilas so gut, dass er sich hier niederließ. Er suchte sich einen Berg aus, baute auf ihm eine Burg und nannte sie Rivestein. Sie befand sich an jener Stelle, die heute noch die Alte Burg heißt und von der man noch immer deutliche Reste sehen kann. Ein Teil des Waldes führt auch noch den Namen Burghagen.

Man erzählt, dass sich unter der Alten Burg eine gewaltige Quelle befand. Ihr klares Wasser hatte man zum Kloster geleitet. Eines Tages hörte man im Berg ein fürchterliches Krachen und Donnern und aus einer großen Öffnung schoss eine mächtige Wasserflut zu Tal, die Wiesen und Felder zu überfluten drohte. Die völlig verängstigten Menschen versuchten, die Quelle zu verstopfen, doch sämtliche Mühen und Arbeit waren vergebens. Die Kraft des Wassers war so stark, dass alles von seiner Flut mit fortgerissen wurde. Durch die Wassermassen entstand ein großer See, aus dem die Dörfer mit ihren Baumkronen wie Inseln hervorragten. Da wussten die Menschen keinen Rat und verließen mit ihrer Habe Haus und Hof.

Zu dieser Zeit lebte im Kloster Reifenstein ein alter Mönch. Dieser flehte Tag und Nacht zum Herrn und bat, das Übel abzuwenden. Eines Nachts träumte ihm, die Quelle lasse sich mit einem weißen, zur Primiz getragenen Messgewand verstopfen.

Der Tag hatte noch nicht begonnen, da ging der fromme Bruder zum Abt des Klosters und erzählte diesem seinen Traum. Der Abt lächelte nur und sprach: Träume sind Schäume! Aber dein Wunsch soll erfüllt werden. Wir verfügen im Kloster über ein solches Messgewand.

Der Mönch bekam das Gewand und eilte damit zur Quelle. Hier beschwerte er es mit einem großen Stein und ließ es in die Quelle sinken. Ab diesem Moment hörte der mächtige Wasserstrom auf zu fließen und es floss wieder ein leise plätscherndes Bächlein dem Kloster zu.

Von dem Messgewand vergeht alle tausend Jahre ein Faden. Sobald der letzte vergangen ist, wird das Wasser wieder mit unwiderstehlicher Gewalt hervorbrechen und alles weit und breit überfluten.

Nach: Helmut Riedel und Martin Sünder, Sagen aus Mühlhausen und seiner Umgebung, Mühlhäuser Beiträge, Sonderheft 4, Mühlhausen 1982

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