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Das Poppenroder Brunnenfest von Christian Gottlieb Altenburg, 1824. Mit freundlicher Genehmigung der Stadtbibliothek Mühlhausen.
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| Poppenroder Quelle, Mühlhausen/Thüringen 51° 12' N, 10° 24' E, Alt. 238 m Sagenhaftes |
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Der Quelltopf in Poppenrode bei Mühlhausen/Thüringen. |
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Anmerkungen zum Poppenroder Quellbrunnen
An den Poppenroder Quellen in Mühlhausen/Thüringen hat sich bis heute ein eindrucksvoller Quellenkult mit Weihegaben und religiösem Charakter erhalten. Zwischen grauem Felsgestein und grünen Wasserpflanzen steigt hier eine spiegelklare kräftige Quelle auf, die einst die Stadt mit Wasser versorgte. Die leicht vitriolblau schimmernde Flut wurde bereits 1610 in einem kreisrundem Becken von rund fünf Meter Durchmesser mit Kalksteinquadern gefasst. Das kristallklare Wasser lässt auf dem etwa vier Meter tiefen Quellengrund jedes Detail erkennen. Die Quellfassung ist von mehreren ansteigenden, kreisrunden Bankreihen umgeben, die den Brunnen wie eine Arena umfassen. Vier Treppen durchbrechen die runden Sitzreihen und führen zum Wasserspiegel. Noch heute gilt das alljährlich Ende Juni stattfindende Mühlhäuser Brunnenfest als ein Höhepunkt eines jeden Schuljahres. Die Kinder der Grundschulen ziehen an diesem Tag mit Blumensträußen an bunt geschmückten Stöcken zur festlich mit Blumen dekorierten Quelle. Mädchen tragen bunte Sträuße in den Händen und Blumenkränze im Haar. Während der Quellfeier spricht der Direktor der das Fest ausrichtenden Schule und mit Liedern wird für das köstliche, lebensspendende Wasser gedankt. Auf die Bitte "Quelle versiege nie!" werden die Blumengebinde, an die man zuvor als Beschwerung einen Stein gebunden hatte, in die Quelle versenkt. In dem starken Auftrieb des kristallklaren Quellwassers bleiben die Blumensträuße knapp unter dem Wasserspiegel aufrecht schweben und entfalten in dem blaugrünlich schimmernden, kalten Wasser viele Tage lang eine eigentümlich mystische Farbenpracht. Das Mühlhäuser Brunnenfest ist eines der ältesten Volksfeste dieser Region. Seine früheste Erwähnung ist uns aus dem Jahre 1605 überliefert. Der Ursprung des Festes wird im vorchristlichen Quellopferkult vermutet. Neben der Quelle befindet sich eine dreibogige steinerne Halle mit einem Fachwerküberbau, die 1614 eingeweiht wurde. Im Zentrum des Obergeschosses ist an dem Gebäude eine Außenkanzel angebracht, von der während des Brunnenfestes gepredigt wird. Die Poppenroder Quelle ist eine sogenannte Erdfallquelle, die angeblich im Jahr 1199 durch eine große Erderschütterung entstanden sein soll. Der Ort Poppenrode fand 1292 erstmals Erwähnung. Die Schüttung der Quelle liegt bei 29 - 46 Liter/Sekunde. Sie besitzt eine durchschnittliche Wassertemperatur von 10,5 - 11,5° C. Dem Quelltopf entspringt ein kräftig fließender Bach, der neben der Wasserversorgung von Mühlhausen auch mehrere Mühlen antrieb. Einzugsgebiet der Quellen sind die Höhenzüge des heutigen Nationalparks Hainich, dem größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet Deutschlands. kk |
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![]() Aus den 'Mühlhäuser Geschichtsblättern' 1926. |
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Das Brunnenfest an der Poppenroder Quelle Das jährlich wiederkehrende Brunnenfest beschreibt der aus Mühlhausen stammende Maler D. Carl Gottfried Pfannenschmidt in seinen 1896 erschienenen Erinnerungen wie folgt: "Höhepunkte des Schullebens waren die Brunnenfeste in Poppenrode und an der Breitsülze. Es sind dies Volksfeste im schönsten und edelsten Sinne des Wortes; denn sie ruhen auf religiösem Grunde: Lob und Dank gegen Gott ist die Grundlage dieser Feste. Eine halbe Stunde westlich von der Stadt am Fuße des quellenreichen Höhenzuges, der das Unstrut- und Werratal trennt, liegt die schönste, die Fürstin der Quellen: der Poppenroder Brunnen. Umgeben von alten Linden ruht in einer Vertiefung das ewig klare, reichlich strömende und nie frierende Wasserbecken. Während seines Laufes zur Stadt treibt der hier entspringende Bach mehrere Mühlen und in mehreren Armen durchfließt er die Stadt. An seinem Hauptarme, der Schwemmnotte, liegen die Werkstätten vieler Handwerker, so der Gerber und Färber und am Ostende der Stadt stürzt sich der Bach in die Unstrut. In grauer Vorzeit schon fühlten die Bewohner den großen Segen, der von diesem Brunnen ausfloss und verliehen diesem Gefühl Ausdruck in einem Dankfeste. Im Jahre 1614 ließ der Bürgermeister Gregorius Fleischhauer die Quelle ummauern und um sie amphitheatralische Stufen aufführen und daneben ein kapellenartiges Brunnenhaus mit einem als Kanzel dienenden Balkon bauen, von welchem aus die Reden beim Feste gehalten werden. Die ganze Anlage macht einen kirchlich-romantischen, hoch poetischen, Herz und Gemüt erquickenden Eindruck. Nie wird ein Mühlhäuser Kind seine Vaterstadt besuchen, ohne diese Stelle seiner seligsten Erinnerung zu begrüßen. Verschiedene Schulen feiern hier ihr Dankfest. Der Tag, an welchem Bürgerschule und Gymnasium das sogenannte Knabenbrunnenfest begehen, fällt gewöhnlich gegen Juni. Feld und Garten müssen ihren Blumenschmuck hergeben für Sträuße, Kränze und Kreuze, die auf hohen Stöcken getragen werden. Je kleiner die Knaben, umso größer wird der Schmuck und je größer die Schüler, umso kleiner werden die Sträußchen. Mittags versammeln sich alle Schüler und ziehen mit ihren duftenden Lasten in geordnetem Zuge geführt von ihren Lehrern, unter dem Gesange geistlicher Lieder durch die Stadt gen Westen. Hinter der Stadt löst sich die Ordnung auf. In der Nähe des Brunnens werden Steine gesucht und mit Bindfaden an die Sträuße gebunden. So werden diese in die Quelle gesenkt. Durch das kristallklare Wasser wird jede Blume verklärt und ein Blick in die mit Blumen überschüttete Quelle mutet die Seele wie ein Märchenzauber an. Mit der Jugend feiern Eltern und Geschwister. Von den untersten Stufen bis zu den obersten, auch unter den grünen Bäumen ist alles dicht besetzt. Es erschallen vielstimmige Motetten vom Chor und Choräle vom Volk gesungen, mit besonderer Vorliebe Melodien des einstigen Mühlhäuser Bürgermeisters, Organisten und Komponisten Rudolf Ahle (1624-1675). Ein Redner besteigt die Kanzel des Brunnenhauses und verleiht den Gefühlen des Lobes und Danks Ausdruck. Wiederum ertönt Gesang und dann zerstreuen sich die Massen. Die einzelnen Familien sammeln sich und Alt und Jung gibt sich der heitersten, reinsten und einfachsten Freude hin. Es kommt vor, dass beim Trubel eines der Kleinen in den Brunnen fällt, indes ohne Gefahr. Die Quelle drängt sich mit solcher Kraft aus der Erde hervor, dass sie das Kind trägt. Nach des Tages Lust und Freude wandern gegen Abend die Schüler nach der Stadt zurück. Vor derselben sammeln sie sich wieder und ziehen unter Gesängen bis zum Schulhofe. Hier wird mit dem Choral "Nun danket alle Gott!" das Fest beschlossen. Was im Jahre 1614 der Bürgermeister Fleischhauer gestiftet hat, mag gelehrten Anstrich tragen, wie seine Bandinschrift unter dem Dach des Brunnenhauses:
Aber derselben Stiftung entspringt die Stiftung und noch alljährlich wiederkehrende Feier, wie sie die in engerem Verkehr mit der Natur und in deutlicher fühlbarer Abhängigkeit von den Gaben der Schöpfung lebenden Bauern der Vorzeit empfanden: ehrfurchtsvolle Scheu vor den Segen spendenden Tiefen der Erde und Dank gegen die Schöpferkraft." D. Carl Gottfried Pfannschmidt, Ein deutsches Künsterleben, Stuttgart 1896 |
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Mühlhäuser Brunnen
Bei und zu Mühlhausen sind Brunnquellen, die sind weit und breit berühmt. Eines dieser Wasser heißt die Breitsülze und entspringt nordwestlich, eine halbe Stunde von der Stadt am Herbstberge. Die Sage geht, dass da, wo jetzt das Antoniushospital ist, ein Kloster gestanden habe, darin habe ein Mönch gelebt - andere sagen, der Mönch sei aus Kloster Reifenstein gewesen -, der habe in der Stadt ein heimlich Lieb gehabt, das er nächtlich besuchte, und wobei er durch einen Stein ging, den man noch zeigt. Endlich kam die Sache an den Tag, der Mönch wurde gefangen und auf den Adlerturm gesetzt und saß alldort auf den Tod. Da es nun der Stadt an genugsamem fließenden Wasser gebrach und jener Mönch aufs Wasserleiten sich verstand, so ward ihm die Freiheit geboten, wenn er die Quelle der Breitsülze, welche tiefer liegt als die Stadt, in diese hereinleiten wollte. Der Mönch ging an das schwierige Werk, leitete in lauter Schlangenlinien die Quelle um den Herbstberg, um den Thonberg und den Kalbberg herum, ließ sie einen Weg von siebentausendsechshundertundzehn Schritten machen, fast zwei und eine halbe Stunde, dass es oft scheint, als fließe das Wasser bergauf, und brachte das Wasser glücklich in die Stadt, worauf er seine Freiheit erlangte. Eine ganz ähnliche Sage geht in Gotha von der Leitung des Flüsschens Leine, welche auch durch einen geschickten Mönch bewirkt wurde. Wundersam schön ist der Brunnen zu Popperode (Wüstung), abendwärts der Stadt, ein mächtiger Quell und spiegelklar bis zum Grunde. Seine Nymphe spendet unerschöpflich ihren quellenden Segen; sein Wasser speist zwei Teiche und treibt zwölf Mühlen. Zum Dank dafür wird ihm alljährlich unter Reden und frommen Lobgesängen ein Doppelfest der Jugend gefeiert. Dicht am Becken, das unter uralten Lindenbäumen ruht, steht ein getürmtes Lustschlösschen von eigentümlichem Bau, in dessen kühler Halle stand und steht manch guter Spruch. Der schönste und beste dieser Sprüche ward hinweggetüncht und möchte wohl erneut werden:
Von dem Breitsülzenbrunnen geht noch diese Sage: Er ist früher der Brunnen eines Klosters gewesen. Bei dem genannten Kloster stand wie bei den meisten Klöstern eine Kirche, deren angrenzender Turm drei silberne Glocken enthielt. Zur Zeit der Mühlhäuser Kriege wurde das Kloster ganz zerstört, und um die silbernen Glocken nicht in des Feindes Hand kommen zu lassen, versenkte sie ein Mönch in den Brunnen, indem er sagte: "Diese Glocken kommen nicht eher zutage, bis drei Personen den Brunnen fegen und eine derselben ihren Tod in der Quelle des Brunnens findet." Vor vielen Jahren träumte dem Schullehrer zu Ammern, er solle nach der Breitsülze gehen, so würde er am Ufer ein Seil finden. An diesem Seile solle er ziehen, so würden drei silberne Glocken heraufkommen. Dreimal träumte der Mann das gleiche, dann machte er sich auf und ging nach der Breitsülze. Je näher er dem Brunnen kam, desto schöner hörte er schon die Silberglocken läuten. Jetzt kam er an und fand alles, wie ihm geträumt hatte. Er zog an dem Seile, und siehe, drei silberne Glocken stiegen empor. Da ritt ein Reiter vorüber, der rief: "Guten Morgen, Herr Schullehrer! Guten Morgen!" - Ganz freundlich antwortete der Gegrüßte: "Schönen Dank!" - aber bei diesen Worten versanken die Glocken mit einem grausamen Geräusch und sind nie wieder zutage gekommen. Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853 |
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| Woher die Oberstadt Mühlhausen ihr Wasser erhält
Die Stadt Mühlhausen in Thüringen zerfällt in die Ober- und Unterstadt, Erstere ist durch die Breitsülze, Letztere durch die Schwemmotte, die vor ihrem Einflusse in die Stadt das Poppenroder Wasser heißt, bewässert. Früher litt jedoch die Stadt sehr an Wassermangel, und darum machte der Magistrat der alten Reichsstadt Mühlhausen um Pfingsten des Jahres 1292 bekannt, dass, wer vermöge, irgendeine Quelle in die Oberstadt, die aus Wassermangel nicht selten ein Raub der Flammen ward, zu leiten, reichlichen Lohn erhalten, und, falls ein schweres Verbrechen an ihm hafte, sich seines Leibes und Lebens versichert halten solle. Es saß aber zu selbiger Zeit auf dem Rabenturme, welcher jetzt der Adlerturm genannt wird, ein Mönch aus dem Eichsfeldischen Kloster Reifenstein wegen Brandstiftung und Schändung einer patrizischen Jungfrau auf Leben und Tod. In den Tagen seiner Freiheit hatte er öfter, wenn er in Angelegenheiten seines Ordens nach Pfaffenrode und St. Daniel gepilgert, zwischen einem Gehügel eine sprudelnde Quelle bemerkt. Als nun der Aufruf des Stadtrats auch in seinen Kerker drang, da dachte er, ob es nicht möglich sei, irgendeinen Plan zu ersinnen, wie das Wasser jener Quelle in die Stadt zu führen sei. Allein die Quelle sprudelte in einem tiefen Tale und zwischen ihr und der Stadt lag eine Hügelkette, also sah er wohl ein, dass ohne dämonische Hilfe ihm dieses Kunststück nicht möglich werden könne. Gleichwohl konnte er aber auch den Gedanken nicht aufgeben, der allein ihm die Möglichkeit einer Rettung von dem drohenden Tode verhieß, und so kam er auf den Gedanken, den Teufel, der schon so vielen geholfen, zu seinem Beistande anzurufen. Kaum war aber der gottlose Gedanke in seiner Seele aufgestiegen, als auch schon der Böse vor ihm stand. Zwar wollte der Mönch in seiner Herzensangst ihn durch Gebet verscheuchen, allein er war schon durch seine früheren Schandtaten zu sehr in den Klauen desselben, als dass er sich auf ein Gebet hätte besinnen können. Genug, der Teufel versprach ihm, die fragliche Quelle in die Oberstadt zu leiten, sobald der Mönch ihm seine Seele opfern werde, und nach flüchtigem Bedenken unterschrieb der leichtsinnige Mönch mit einigen Tropfen seines Blutes den vorgelegten Kontrakt. Als nun der Böse unter furchtbarem Sturmgeheul durch das enge Gitterfenster verschwand, ließ er seinem Opfer eine große Pergamentrolle zurück, und als der Mönch beim ersten Gruß des dämmernden Tages das verhängnisvolle Blatt entfaltet hatte, sah er mit freudigem Schrecken auf demselben den Weg verzeichnet, auf welchem jene Quelle ohne große Schwierigkeit über Hügel und durch Schluchten in die Oberstadt zu leiten sei. Sogleich eröffnete der schlaue Mönch dem hochedlen Rat sein Begehren; die von ihm heiß ersehnte Freiheit ward ihm zugesichert, wenn er seinen Plan ausführen könne, und ihm eine Schar rüstiger Arbeiter zu Gebote gestellt. Und siehe, bald strömte das Kristall der Breisülzenquelle durch das ihr bereitete Bett über Hügel, durch Gärten und Täler lustig dahin, und somit war die Aufgabe gelöst, der Mönch aber war sofort verschwunden und kein Auge hat ihn wieder gesehen. Jener Born aber, der in einer kaum halbstündigen Entfernung von der Stadt dem Schoße der Erde entquillt, braucht einen fast drei Stunden langen Weg, ehe er jetzt die Oberstadt erreicht. J. G. Th. Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats I., Glogau 1871 |
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