Die Saalenixe verlangt ihr Opfer

Es ist eine allgemeine Sage, dass die Nixe der Saale jedes Jahr an einem bestimmten Tage ihr Opfer haben wolle. Darum vermeiden die Anwohner des Flusses, an diesem Tage zu baden; namentlich unterlassen es die Fischer zu derselben Zeit, ihrem Gewerbe nachzugehen. Schon mancher, der das nicht glauben wollte und darum nicht beachtet hat, musste seinen Vorwitz mit dem Tode im Wasser büßen. – Ein Fleischer, der vom Paradiese bei Jena nach der Schneidemühle geschwommen war, wurde, als er zurückwollte, bei den Füßen festgehalten und unter das Wasser gezogen. Er rief um Hilfe und einige weiter unten badende Leute schwammen heran. Sie ergriffen ihn und versuchten durch gemeinsame Anstrengung, ihn loszumachen. Das gelang endlich und nun sah man an den Beinen den mit Blut unterlaufenen Abdruck zweier großer Krallen. Die Nixe hatte ihn niederziehen wollen.

An derselben Stelle wollte ein Maler die Nixe kennenlernen. Er ging deshalb am Ufer hin und her und lockte sie durch Weisen auf der Gitarre, von denen er wusste, dass sie ihr eigen waren. Eines Abends sah er die Nixe in ihrer Schönheit hinter sich herkommen und floh in der Verwirrung nach der Saale zu, wo er verschwand. Sein Gefährte, ein Jenaer Maler, hatte es gesehen, rief und suchte ihn aber vergebens; so auch andere Leute, die dazukamen. Dann eilten sie zum Fischer, der auch sogleich mit seinem Sohne anfing zu suchen, doch wieder umsonst. Erst am anderen Tage sahen sie nahe dem Ufer einen Gegenstand gleich einem Hühnerkorbe. Sie ruderten hin und wurden gewahr, dass es die von dem Wasser ausgebreiteten Haare des Malers waren.

August Witzschel, Sagen aus Thüringen, Wien 1866

Wasser ist mehr als H2O!

Bitte helfen Sie uns, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen.

Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben.

Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und Team.