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Der Gesundbrunnen 'Mariahilf' bei Stelzen
Unter einer von ehrwürdigen Linden beschatteten Grotte bei der Kirche des meiningischen Dörfchens Stelzen entspringt der Gesundbrunnen Mariahilf, welche Quelle wegen ihrer Heilkraft Stelzen in früheren Jahren zu einem viel besuchten Wallfahrtsorte machte. Ein reicher Mann der Stadt Würzburg lag schwer krank seit vielen Jahren auf dem Siechenbette. Als er nun einst in der Nacht vor großen Schmerzen nicht schlafen konnte, bat er inbrünstig im Gebet Gott um Heilung. Da wurde plötzlich sein Zimmer von himmlischem Glanz erleuchtet, und vor ihm stand die Heilige Jungfrau in himmlischer Klarheit, angetan mit kostbarem glänzendem Gewande und ihr Haupt umgeben mit einem Heiligenschein. Leisen Schrittes näherte sie sich dem Schmerzenslager und sprach: An der Quelle des Dörfleins Stelzen wirst du Genesung finden. Als der Mann durch das Wasser dieser Quelle gesund geworden war, baute er aus Dankbarkeit eine Kapelle, die er Mariahilf nannte. Aus allen Ländern aber strömten nun Lahme und Gichtbrüchige herbei, die hier alle Genesung suchten und fanden, wie die vielen an der Wand des Kirchleins von den Gesundgewordenen aufgehängten Krücken bezeugten. Denn die auf Krücken und Stelzbeinen gekommen waren, konnten ohne solche den Heilort verlassen. Von den vielen im Kirchlein aufgehängten Stelzen erhielt das Dörflein, das später hier erbaut wurde, den Namen Stelzen. Als jedoch die vom Geldteufel angesteckten Bauern sich das Heilwasser, das bisher umsonst verabfolgt worden war, von den Kranken bezahlen lassen wollten, da verschwand plötzlich die Wunderkraft des Wassers. Die Quelle versiegte zwar nicht, aber ihr Wasser heilte nicht mehr. Infolgedessen blieben nun auch die Fürsten, Grafen, Ritter und Herren, die alljährlich nach ihrer Genesung der Kapelle reichliche Spenden geopfert hatten, weg. Noch bis zum Jahre 1830 befanden sich auf dem Dachboden der auf der Stelle der Kapelle erbauten Pfarrkirche viele alte Stelzen als Wahrzeichen der einstigen Wunderkraft dieser Quelle. Nach einer alten Sage soll unter dem Altar der Kirche ein goldenes Hirschgeweih verborgen liegen, das aber bis zum heutigen Tage noch nicht aufgefunden werden konnte. Hermann Wettig, Die schönsten Sagen und historischen Erzählungen aus dem Herzogtum Coburg und seiner Umgebung, Coburg 1899 |
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