Die Kinderliebe der Wasserfrau

Die tiefe Liebe der Wasserfrau zu ihrem Kind kommt wie im alten Lied von der schönen Hannale auch in der Sage zum Ausdruck: Ein Bauer von Wilhelmsdorf zog mit Vieh und Ackerpflug von seinem Tagewerk nach Hause. Als er an einer Berggrube vorüberkam, saß da eine Wassernixe, rang die Hände und jammerte, dass ihr die hellen Tränen aus den Augen traten. Das ging dem Manne zu Herzen. Er hielt stille und fragte, was es denn gegeben habe. Da erfuhr er, der Nixe sei ihr Kindlein gestorben und sie wisse nicht, was sie damit anfangen solle. "Wenn es Euch um weiter nichts zu tun ist", sagte der Bauer, "so legt das tote Kind auf meinen Ackerpflug! Ich will es mit ins Dorf nehmen und es auf unserem Kirchhofe wie ein Christenkind begraben." Die Wassernixe wischte sich die Augen aus und fragte, was er für solchen Liebesdicht für Lohn begehre. Im Augenblicke wusste sich der Bauer nicht zu besinnen, was ihm fehle. Dann fiel ihm ein, dass er ein Loch im Strumpfe habe und also ein paar Fäden Zwirn gebrauchen könne. Wenn die Nixe ihm damit aushelfen wolle, wäre ihnen beiden geholfen. Das war freilich ein bescheidener Wunsch und die Nixenmutter zögerte nicht, ihn zu erfüllen. Sie drückte dem Mann einen Zwirnknäuel in die Hand mit der Weisung, er solle nach keinem Ende suchen, dann werde, solange er lebe, der Knäuel kein Ende nehmen.

Robert Eisel, Sagenbuch des Voigtlandes, Gera 1871

Wasser ist mehr als H2O!

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