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Die Kelle bei Nordhausen
Sagenhaftes |
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Anmerkungen zum einstigen Höhlenheiligtum Kelle bei Nordhausen
Unter den großen Höhlen und Erdfällen des Südharzes gehört die etwa 2 km nördlich des Örtchens Woffleben liegende Gipshöhle Kelle zu den bekanntesten. Der Name lässt sich auf die althochdeutsche Bezeichnung kela, oder mittelhochdeutsch kel(e) für Kehle (Gurgel, Höhlung, Vertiefung) zurückführen und beschreibt anschaulich die Höhlenform. Ein eindrucksvoller Bericht aus dem 16. Jahrhundert beschreibt den damaligen Zustand wie folgt: Oben hat die Höhle ein natürliches Gewölbe. Ihre Länge, soweit sie geschätzt werden kann, beträgt 18 Ruten, wie sie die Landmesser benutzen (82 m), die Breite 16 Ruten zu 16 Fuß (73 m). Vom Eingang ist ein Hang bis zum Wasser hinunter; der Abstieg ist gefährlich und so tief, dass ein Mensch, der am Wasser steht, von oben wie ein Rabe erscheint. Das Wasser ist klar und ruhig, es steigt und fällt nicht. Es ist so kalt, dass es keine Fische oder Lebewesen darin gibt. Seine Tiefe könnte niemand erkunden. Mitten durch die Höhle ragen der Länge nach Felsen, welche das Wasser in der Mitte teilen. Wenn ein Stein über diese Felsen geworfen wird, so hört man ihn mit Geräusch in ein jenseitiges Gewässer fallen. Noch um 1800 hatte die Höhle die dreifache Größe von heute. Innerhalb weniger Jahrzehnte brach bis 1840 der größte Teil in sich zusammen und bildete einen großen Erdfall, durch den man heute das Mundloch erreicht. Wie Ausgrabungen des Thüringischen Museums für Ur- und Frühgeschichte belegen, wurde die Höhle wenigstens seit der frühen Bronzezeit zu kultischen Handlungen aufgesucht. Am gesamten Kyffhäuser ist Schachthöhlenkult und ritueller Kannibalismus der Aunjetitzer Kultur bis in die Späthallstatt-/Frühlatenezeit nachgewiesen. Das vorchristliche Höhlenheiligtum Kelle soll für die Region von zentraler Bedeutung gewesen sein. Der bis ins 19. Jahrhundert gültige Volksglaube, dass die Wassergeister der Höhle jedes Jahr ein Menschenleben fordern, sofern man dem nicht durch Bittprozessionen entgegenwirke, geht vielleicht auf alte heidnische Kulthandlungen zurück. Die vorchristliche Bedeutung der Höhle bestätigt indirekt auch die lokale Kirchengeschichte, denn im Zuge der Christianisierung wurden besonders bei heidnischen Kultstätten christliche Altäre oder Gotteshäuser errichtet. Ihre Aufgabe war es, die alten Götter zu bannen und das Volk vor Ort an der Ausübung alter Riten zu hindern. Bereits im ersten schriftlichen Bericht aus dem Jahre 1591 wird eine Johanniskapelle bei der Höhle erwähnt. Heinrich Eckstorm, damals Pfarrer im benachbarten Ellrich, berichtet von alljährlichen Prozessionen zu dieser Kapelle. Im Anschluss an den Gottesdienst habe der Priester das Kreuz in das Wasser der Kelle getaucht und den Gläubigen zugerufen: Kommt und kucket in die Kelle, dann kommt ihr nicht in die Hölle! Nach der Reformation wurde die Johanniskapelle aufgegeben und verfiel. kk |
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| 256. Die Kelle.
Mündlich. Bei Werna liegt ein Erdfall und Teich, die Kelle; da soll es nicht recht richtig sein, denn oft hat man dort Reiter auf weißen Pferden gesehen, die haben die Leute mit hinabgezogen ins Wasser und sie dort furchtbar gequält. Kuhn: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche. Deutsche Märchen und Sagen, S. 29427 (vgl. Kuhn-NdS, S. 230-231) |
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| 662) Der Einsiedler bei Ellrich1.)
Bei dem Städtchen Ellrich liegt eine Höhle, schauerlich-romantisch-schön, zwischen dunklen Gebüschen und bemoosten Felsen, die eine weite tiefe Kluft bilden. Im Innern befindet sich ein Teich klaren Wassers, das aus einer verborgenen Quelle entspringt. Vor dieser uns schon bekannten Höhle, der sogenannten Kelle (s. oben S. 581) saßen einst zwei Liebende, die man für das schönste Paar im ganzen Gau hielt. Sie sprachen von der Zukunft und das Mädchen, Mechtild genannt, äußerte ihre Besorgnis, dass ihr ihr Konrad, so hieß ihr Geliebter, doch wohl nicht immer treu bleiben und sein Herz einer anderen, Schöneren zuwenden werde. Allein ihr Bräutigam fand sich ob dieses Misstrauens schwer beleidigt und schwor ihr bei allen Heiligen, dass er nie ein anderes Mädchen als sie lieben werde. Aber auch diese erneuerten Liebesbeteuerungen vermochten sie nicht zu beruhigen, sie blieb traurig und in ihrem Auge standen Tränen. Da kniete Konrad vor ihr nieder und flehte aufs Innigste, sie möge ihm doch Vertrauen schenken. Sie versprach es auch und so schieden sie versöhnt. Allein das arme Mädchen hatte sich nicht getäuscht, der Flatterhafte verließ sie und suchte sich eine andere Braut, Mechtild aber härmte sich zu Tode. Wieder kam aber der Tag, wo ein Jahr vorher Konrad seinem Mädchen ewige Treue geschworen hatte, und sonderbarerweise führte er seine neue Geliebte wieder an denselben Ort, um dort im traulichen Abenddunkel mit ihr zu kosen. Sie weilten, bis die Nacht heranbrach und der Mond im ersten Viertel am westlichen Himmel matt zu leuchten begann. Da weckte aus der Höhle ein zarter Lichtschein die Liebenden aus ihren Umarmungen. Sie fuhren erschrocken in die Höhe und vor ihnen stand im Totenkleide Mechtild und sprach: "Konrad, hast du vergessen, dass du vor einem Jahre mir an diesem Orte Treue für die Ewigkeit geschworen hast? Und jetzt sagst du ganz dasselbe einer anderen Braut. Mich hat der Gram zum Selbstmord getrieben, mein Leib liegt hier unten im Wasser, dort lass mich ruhen!" Konrad wollte ihre Hand fassen, allein er griff nur in leere Luft, die Gestalt seiner Braut entflog wie ein Wölkchen in die Höhe. Da sank Konrad auf seine Knie, klagte sich als ihren Mörder an und schwor, der Hingeschiedenen doch seine Treue bis zum Tode zu bewahren. Diesmal hielt er redlich Wort, sofort trennte er sich von seiner Braut, verkaufte all sein Eigentum und baute sich bei Mechtilds Grabe eine ärmliche Hütte, in der er als Einsiedler lebte. Alles Übrige schenkte er den Armen, denn zum Leben brauchte er nur wenig, weil er nur von Brot und Wasser und groben Hülsenfrüchten lebte. Nach wenigen Jahren starb er und ward neben dem Leichnam seiner Mechtild, den er aus dem Wasser hatte nehmen und bei seiner Hütte begraben lassen, zur Erde bestattet. Diese Begebenheit hat die Sage unter dem Namen des Einsiedlers in der Kelle erhalten. 1. Nach Ziehnert Bd. I. S. 153 etc. Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats. Deutsche Märchen und Sagen, S. 18857 |
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| Nr. 238. Die Kelle. (I-III.)
I. Ein Mädchen war so elend, dass es sich wünschte, lieber in die Erde zu versinken als auf der Erde zu sein. Da nahm ein Maurergeselle, der das hörte, seine Kelle, warf sie zur Erde und sie versank tief in die voneinander gespaltene Erde. Die Kelle kam nicht wieder zum Vorschein und soll der Stelle den Namen gegeben haben, in der nun auch das Mädchen sitzet. - Einige sagen, es wohne eine Nixe in der Kelle. II. Auf dem Berge gegen über der 'Höhle' oder 'Kelle' war eine Kapelle dem St. Johannes geheiligt, in diese ist ein papistischer Priester aus Ellrich alle Jahre zu gewisser Zeit in Begleitung seiner Pfarrkinder und anderen Benachbarten der Höhle in voller Prozession mit vorhergetragenem Kreuz, Fahnen und Bildern der Heiligen gegangen; sobald nun daselbst der heilige Johannes, papistischem Gebrauche nach, genugsam verehret worden, hat der Priester sich fort nach der Höhle gemacht, und in dieselbe ein Kreuz hinabgelassen, auch wieder herausgezogen. Als nun solches geschehen, hat er dem umstehenden Volke diese Reime zugerufen: III. In der Kelle hat es einst gebrannt, wie ein Frachtfuhrmann aus Ilfeld da vorbeigefahren ist. Er hatte Lust zum Rauchen, stopfte sich eine Pfeife und dachte: Da kannst du Feuer bekommen. Er ging auf das Feuer zu, da lag ein großer Hund da und bewachte es. Sowie er zugreifen wollte, sprang ihm der Hund entgegen und fasste ihn vor die Brust. Eine halbe Stunde hat er ihn so gehalten. Wie ihn nun der losließ, wollte er nach seinen Pferden zurück. Er ging an die Stelle, wo er sie stehen gelassen hatte, fand sie aber nicht wieder. Da lief er nach dem Feuer zurück, da standen seine Pferde mitten in der Kelle und er musste sie mit großer Mühe wieder herausziehen. Pröhle: Harzsagen. Deutsche Märchen und Sagen, S. 40343 |
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| 624) Die neue Kelle bei Bischoffenroda1.)
Eine Meile von der Stadt Nordhausen und nicht weit von der Stadt Ellrich liegt das Gut Bischoffenroda, und in der Nähe desselben ein Wäldchen, in welchem sich eine Höhle befindet, welche die Bewohner der Umgegend die Neue Kelle heißen, zum Unterschied der alten Kelle, so nicht weit davon unter freiem Himmel gelegen und ein Erdfall voll Wasser ist, da hingegen die Neue Kelle unter einem mit Bäumen dicht bewachsenen Berge liegt. Der Eingang zu dieser Höhle ist sehr weit und offen, daher auch so viel Licht hineinfällt, dass man zur Beschauung derselben keiner künstlichen Beleuchtung bedarf. Von diesem Eingang aus muss man einen tiefen und steilen Berg bis auf das Wasser herunterklettern; ist man unten angekommen, so sieht man die eigentliche Höhle, deren oberer Teil von der Natur mit einem starken Steinfelsen geschlossen und gleichsam zugewölbt ist. Vor sich aber sieht man ein Wasser, welches sich auf dem ganzen Boden der Höhle ausbreitet, hell, still, kalt und unergründlich ist. Mitten durch die Höhle der Länge nach über dem Wasser sind Felsen, welche wie eine Mauer aussehen und das Wasser voneinander teilen, sodass man, wenn man einen Stein über diese Felsen wirft, man denselben wohl in das andere jenseits dieses Felsens befindliche Wasser fallen hört, es aber nicht sehen kann. Zu den Zeiten des Papsttums ist in diese Höhle alljährlich eine Prozession angestellt worden, weil man geglaubt hat, es müsse in derselben jährlich ein Mensch umkommen, wenn ihr nicht auf solche Weise ein Genüge geschehe. Es ist aber diese Versöhnung auf folgende Weise geschehen: Auf dem Berge der Kelle gegenüber hat eine dem heiligen Johannes geheiligte Kapelle gestanden, in diese ist ein papistischer Priester aus Ellrich alle Jahre zu gewissen Zeiten in Begleitung seiner Pfarrkinder und mit andern Nachbarn der Höhle in voller Prozession mit vorhergetragenem Kreuz, Fahnen und Bildern der Heiligen gegangen; sobald nun daselbst der heilige Johannes dem papistischen Gebrauch nach genugsam verehrt worden, hat derselbe mit eben derselben Prozession sich fort nach der Höhle gemacht und in dieselbe ein Kreuz herabgelassen, auch wieder herausgezogen. Als nun solches ebenfalls geschehen, hat er dem umstehenden Volke diese Reime zugerufen: "Kommt und kucket in die Kelle, 1. s. Behrens S. 82. Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats. Deutsche Märchen und Sagen, S. 18704 |
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| 398. Die Kelle
Von der Kelle, einer viel besuchten Gipshöhle, die früher viel anders und schöner sich darstellte als jetzt, nachdem sie allmählich in sich zusammengebrochen, geht manche Sage. Der ursprüngliche Name ist "Kehle", so viel als Schlund, und die Sage will, dass dieser schöne, aber auch schaurige Schlund alljährlich ein Menschenleben zum Opfer fordere. Um ihn zu versöhnen, zog in der früheren Zeit ein Priester aus Ellrich mit voller Prozession der Gemeinde, mit Kruzifix, Kirchenfahnen und Heiligenbildern nach der St. Johanniskapelle in der Nähe der Höhle und dann nach dieser selbst, senkte ein Kreuz in den eisigkalten Wasserspiegel und zog es wieder daraus hervor, und dann rief er: "Kommt und guckt in die Kelle, Auch wohnt in der Kelle eine Nixe, und diese besonders hat es an der Art, Menschen in ihr Wasser zu locken, das kalt und giftig ist. Selbst ein Frosch, den einer hineinwirft, wird gleich starr und steif, was soll da erst ein Mensch tun, der kein Frosch ist! An jenem Tage, der Lissabon durch ein entsetzliches Erdbeben zerstörte (1. Nov. 1755), ward im Kehlholze über der Kelle ein seltsames unterirdisches Getöse vernommen, und in Ellrich hörte man ein lang anhaltendes Krachen, wie von fernem Donner, auch zeigten die Müller an, dass das Wasser urplötzlich mit ungewöhnlicher Gewalt auf die Mühlen geschossen sei. An demselben Tage ist gleicherweise der Salzunger See in heftige Bewegung geraten, das Wasser ist in die Tiefe hinab wie in einen Trichter gestrudelt und dann wieder mit Rauschen und Brausen hervorgebrochen, sodass es die Ufer überflutet hat. Das hat in den Zwanzigerjahren noch ein alter glaubhafter Mann erzählt, der es selbst gesehen, dennoch haben es Neugescheite verlacht und für Fabel erklären wollen. [Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Deutsche Märchen und Sagen, S. 8337] |
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Versöhnung mit den Wassergeistern
Von der Kelle bei Nordhausen, einer Höhle mit einem See darinnen, war der Glaube verbreitet, dass sie alljährlich ein Menschenopfer fordere. Um die Wassergeister zu versöhnen, stellte man alle Jahre Prozessionen an. Es ist aber solche vermeinte Versöhnung folgendermaßen geschehen: Auf dem Berge gegenüber der Höhle oder Kelle ist eine Kapelle St. Johanni geheiligt; in diese ist ein Priester aus Ellrich alle Jahre zu gewisser Zeit in Begleitung seiner Pfarrkinder und anderen Benachbarten der Höhle in voller Prozession mit vorhergetragenem Kreuz, Fahnen und Bildern derer Heiligen gegangen. Sobald nun daselbst der heilige Johannes genugsam verehret worden, hat derselbe mit eben der Prozession sich fort nach der Höhle gemacht und in dieselbe ein Kreuz hinab gelassen, auch wieder herausgezogen. Als nun solches ebenfalls geschehen, hat er dem umstehenden Volke diese Reime zugerufen: "Kommt und gucket in die Kelle, so kommt ihr nicht in die Hölle!" - Die Mütter in Katzhütte suchten sich durch Geld zu lösen. Wenn sie mit ihrem Kinde das erste Mal zur Kirche gingen, warfen sie dreierlei Münzen in den Fluss und sprachen: "Da hast du das Deine, lass mir das Meine!" Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten, Volkssagen und Legenden, Sondershausen 1839 |
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Eine andere Sage berichtet von einer Hebamme, welche von einem Nix zur Kelle gebeten ward, um seinem Weibe bei der Niederkunft beizustehen. Diese berichtet der Hebamme dann, dass der Nix alle ihre Kinder, sobald sie geboren wären, erwürgen würde. Tatsächlich sei wenig später ein blutroter Strahl auf der Oberfläche des Höhlensees zu sehen gewesen. Nach anderer Lesart schleift der wilde Wassermann die Nixen der Kelle, sollten sie sich bei Volksfesten unter die tanzenden Mädchen mischen, alsbald in die Fluten zurück und tötet sie aufs grausamste. Ihr Blut sei dann an der Oberfläche des Kellwassers zu sehen.
Gerhard Laub: Sagen von und um Harzhöhlen - Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde, München 1969 |
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