Die Ilmnixe

Die Sehnsucht der Unbeseelten nach schönen Menschenkindern führte zu seltsamen Bünden. So geht die Sage, dass die Ilmnixe im Weimarischen Park bei 'Tucks Garten' vor Jahrhunderten ein Liebesverhältnis angeknüpft habe mit einem Grafen von Weimar und Orlamünde, der schon ehelich versprochen war. Sie erhielt von ihm das Zugeständnis, er wolle alle Jahre elf Monate mit seiner Gemahlin, den Monat Mai aber mit ihr im Nixenschlosse der Ilm zubringen. Außer köstlichen Geschenken gab sie ihm einen Ring, den er unter Anrufung ihres Namens nur in die Ilm zu werfen brauchte, um ihr Erscheinen zu bewirken. Viele Jahre lang teilte der Graf seine Liebe. Nach dem Tode seiner Gemahlin aber soll er aus Reue über sein doppeltes Spiel den Umgang mit der Nixe vermieden haben und zur Sühne in ein Kloster gegangen sein.

Einst hat es einem kaum verheirateten jungen Bauer in Wilhelmsdorf eine Saalenixe so angetan, dass er eine Liebschaft mit ihr begann. Seine junge Frau merkte aber Unrat, beschlich beide und wollte sich darüber die Augen bald aus dem Kopfe heulen. Da sprach die Nixe zu ihr: "Da du deinem Manne so gar gut bist, so nimm ihn mit; ich will keinen Teil an ihm haben. Aber das mache ich mir aus dabei: Wenn du in die Wochen kommst und Zwillinge kriegst, so musst du mich zum Gevatter bitten."

Ellen und Paul Mitzschke, Sagenschatz der Stadt Weimar und ihrer Umgebung, Weimar 1904

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