Die Elbjungfer und das Saalweiblein

Zu Magdeburg weiß man von der schönen Elbjungfer, die zuweilen aus dem Fluss heraufkam, um an dem Fleischermarkt einzukaufen. Sie trug sich bürgerlich, aber sehr reinlich und sauber, hatte einen Korb in der Hand und war von sittsamer Gebärde. Man konnte sie in nichts von anderen Mädchen unterscheiden, außer, wer genau achtgab und es wusste, der eine Zipfel ihrer schloßenweißen Schürze war immer nass, zum Zeichen ihrer Abkunft aus dem Fluss. Ein junger Fleischergesell verliebte sich in sie und ging ihr nach, bis er wusste, woher sie kam und wohin sie zurückkehrte, endlich stieg er mit ins Wasser hinab. Einem Fischer, der den Geliebten beistand und oben am Ufer wartete, hatte sie gesagt, wenn ein hölzerner Teller mit einem Apfel aus dem Strom hervorkomme, sei's gut, sonst aber nicht. Bald aber schoss ein roter Strahl herauf, zum Beweis, dass den Verwandten der Elbjungfer der Bräutigam missfallen und sie ihn getötet. Es gibt aber hiervon auch abweichende andere Erzählungen, nach welchen die Braut hinabgestiegen und der Jüngling am Ufer sitzen geblieben war, um ihren Bescheid abzuwarten. Sie wollte unten bei ihren Eltern um die Erlaubnis zur Heirat bitten, aber die Sache erst ihren Brüdern sagen; statt aller Antwort erschien oben ein Blutflecken; sie hatten sie selbst ermordet.

Aus der Saale kamen auch zuweilen die Nixfrauen in die Stadt Saalfeld und kauften Fleisch auf der Bank. Man unterschied sie allein an den großen und grässlichen Augen und an dem triefenden Schweif ihrer Röcke unten. Sie sollen vertauschte Menschenkinder sein, statt deren die Nixen ihre Wechselbälge oben gelassen haben. Zu Halle vor dem Tore liegt gleichfalls ein rund Wasser, der Nixteich genannt, aus dem die Weiber kommen in die Stadt, ihre Notdurft zu kaufen, und ebenmäßig an ihren nassen Kleidersäumen zu erkennen sind. Sonst haben sie Kleider, Sprache, Geld wie wir anderen auch.

Unweit Leipzig ist ein Nixweiblein oft auf der Straße gesehen worden. Es ist unter anderen Bauersweiblein auf den Wochenmarkt mit einem Tragkorbe gegangen, Lebensmittel einzukaufen. Ebenso ging es auch wieder zurück, redete aber mit niemandem ein einziges Wort, grüßte und dankte auch keinem auf der Straße, aber, wo es etwas einkaufte, wusste es so genau wie andere Weiber zu dingen und zu handeln. Einmal gingen ihr zweie auf dem Fuß nach und sahen, wie sie an einem kleinen Wasser ihren Tragkorb niedersetzte, der im Augenblick mit dem Weiblein verschwunden war. In der Kleidung war zwischen ihr und anderen kein Unterschied, außer dass ihre Unterkleider zwei Hände breit nass waren.

Die deutschen Sagen der Brüder Grimm, Berlin o.D.

Wasser ist mehr als H2O!

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