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Von der heiligen Quelle auf Fosetisland - Heiligland - Helgoland Sagenhaftes |
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Anmerkungen zur heiligen Quelle auf Fosetisland (Helgoland)
Früheste menschliche Spuren lassen sich auf Helgoland bis weit in die Jungsteinzeit zurückverfolgen. Auf dem Oberland sind mehrere Hügelgräber nachweisbar. Die älteste schriftliche Überlieferung über die Insel soll in der Naturgeschichte von Plinius dem Älteren (23 v.Chr. - 79 n.Chr.) zu finden sein. Dieser zitiert einen heute nicht mehr im Original erhaltenen Reisebericht des griechischen Seefahrers Pytheas von Massilia (325 v.Chr.), bei dem man davon ausgeht, dass er sich auf das heutige Helgoland bezieht: "Pytheas gibt an, ein germanisches Volk, die Guionen, wohne an einer Versumpfung des Ozeans, eine Tagesreise von da liege die Insel Abalus; dorthin werde der Bernstein im Frühling von den Wellen getrieben und sei eigentlich eine geronnene Ausscheidung der See; die Anwohner gebrauchten ihn statt Holz zum Feuer und verkauften ihn an die benachbarten Teutonen. Timaeus stimmt ihm darin bei, nennt aber die Insel Basileia." Ein Hain oder eine heilige Quelle ist in dem Pytheas-Bericht nicht erwähnt. Göttern geweihte Bezirke und Quellenverehrung waren in Griechenland eine Selbstverständlichkeit und somit auch nicht erwähnenswert. Demgemäß finden sie erst in den Zeiten der Christianisierung als zu bekämpfende Relikte des alten Glaubens schriftliche Beachtung. Ein glücklicher Zufall hat uns den 1200 Jahre alten Reisebericht des angelsächsischen Missionars Willibrord über seinen wenige Tage dauernden Aufenthalt auf der Insel Fosetisland bewahrt. Er beschreibt den heiligen Hain und die von den Insulanern verehrte Quelle aus der Sicht des christlichen Missionars. Es ist einer der seltenen Texte, der uns Näheres über die vorchristliche Quellenverehrung mitteilt. Reduziert man den Text auf seine rein sachlichen Aussagen, beschreibt er eine heilige Stätte voller Frieden und feierlichem Ernst. Die Tiere weideten in sakraler Unverletzbarkeit. Alles was sich innerhalb des geweihten Bezirkes befand, galt als unberührbar und verblieb auf seinem angestammten Platz, während die Menschen kamen und gingen. Man bewegte sich in frommem Schweigen zur heiligen Quelle Forsites, die inmitten des Hains lag, schöpfte wortlos Wasser und verließ den Ort in stiller Andacht. Es herrschte Frieden und unbedingte Waffenruhe an diesem Ort. Wir erfahren auch, dass die Menschen davon überzeugt waren, dass dieser Ort die Macht besitze, seine Heiligkeit ohne jedes menschliche Zutun zu behaupten. Denn als der Missionar und seine vermutlich bewaffneten Begleiter mit überheblicher Arroganz und missionarischem Eifer in den geheiligten Bezirk trampelten, die dort friedlich weidenden und als unberührbar geltenden Tiere schlachteten sowie die heilige Quelle als Taufbecken missbrauchten, erwarteten die Einwohner der Insel zu Recht, dass die Übertreter auf der Stelle einen plötzlichen Tod erleiden oder doch wenigstens den Verstand verlieren müssten. Doch die Geschichte wollte es anders. Willibrod und seine Leute wurden zwar gefangen genommen und vor König Redbold gebracht, doch das dreimal über sie geworfene Los rettete ihnen das Leben. Grimm und auch die moderne Wissenschaft stellen einen direkten Zusammenhang zwischen der Helgoländer Gottheit Forsite und dem skandinavischen Gott Forseti her, von dem auch der norwegische Ortsname Forsetlund abgeleitet ist. Man schließt daraus, dass in frühen Zeiten sehr rege kulturelle Beziehungen zwischen Friesland und Südnorwegen bestanden. Gerne wird der friesische Gott auch als ein Schirmer des Rechts und des Gesetzes aufgefasst, doch dies ist lediglich eine nicht beweisbare Folgerung aus dem Namen Forseti, der heute 'Vorsitzender' bedeutet. Rund neunzig Jahre nach Willibrord beendete der friesische Missionar Liudger, was jener begonnen hatte. Liudger zerstörte die Heiligtümer des Forsite und taufte den Häuptlingssohn Landrich in der heiligen Quelle seiner Vorfahren. Dort errichtete Liudger eine Kirche. Wie damals üblich, folgten die übrigen Bewohner Helgolands ihrem Anführer in den neuen Glauben und ließen sich ebenfalls in der Quelle taufen. Es ist anzunehmen, dass die Quelle auch von den christianisierten Bewohnern noch lange Zeit weiter verehrt wurde. Um 1076 beschrieb der Theologe und Kleriker Adam von Bremen die Insel Farria, mit der ebenfalls Helgoland gemeint war. Während dieser Zeit führten hier christliche Einsiedler ein friedliches und gesegnetes Leben, unberührt von den stürmischen Zeiten, welche die Insel umbrandete. Nun nahmen die christlichen Bewohner der Insel dieselbe heilige Unverletzbarkeit des Ortes für sich in Anspruch, die zu Zeiten ihrer heidnischen Ahnen von christlicher Seite mit Füßen getreten wurde. Man gewährte räuberischen Wikingern Schutz und erhielt dafür von den Seeräubern den zehnten Teil der Beute. Jetzt sorgten Gott und die guten Heiligen für den Schutz des Landes und man war der festen Überzeugung, dass jeder, der gegen den Inselfrieden verstieß oder auch nur den kleinsten Diebstahl auf der Insel verübte, beim nächsten Kampf erschlagen oder auf See umkommen würde. kk |
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![]() Felsenpartie 'Predigerstuhl'. |
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Willibrord auf Forsetisland
Der erste christliche Missionar, der an der Quellenverehrung auf Helgoland religiösen Anstoß nahm, war der Angelsachse Willibrord, der die Insel vermutlich in den ersten Jahren des 8. Jahrhunderts während seiner offenbar fluchtartigen Rückreise aus Dänemark aufsuchte Nachdem Pippin der Mittlere (635-714) Westfriesland 689 in der Schlacht gegen Friesenkönig Radbod bei Duurstede für die Franken erobert hatte, war unter dem Schutz seiner Waffen mit den ersten Missionaren auch Willibrord in das Land gekommen, den man später auch den 'Apostel der Friesen' nennen sollte. 690 war Pippin in Kämpfe mit den Bayern verwickelt, ein Jahr später schlugen sich seine Truppen mit den Alemannen. In der Folge ließ der militärische Druck Pippins gegen die Friesen nach. Daraufhin erhoben sich diese und jagten zusammen mit den Franken auch die christlichen Missionare aus ihrem Land. 696 zog Pippin wieder gegen die Friesen und nahm Westfriesland erneut in Besitz. Unter seinem weltlichen Schutz konnte auch die Missionierung wieder Erfolge zeigen. Um 700 konnte Willibrord melden, dass der Westen Frieslands christlich geworden sei. Was die Friesen zum Religionsübertritt bewegt hatte, war allerdings nicht ihre Begeisterung für die christliche Lehre, sondern brutaler Zwang. Denn das Einverständnis zur Taufe war Vorbedingung dafür, dass die Menschen ihren Besitz und ihr Leben behalten konnten. Die Taufzeremonie selbst war ein rein formaler Akt, dem kaum eine Bekehrung im heutigen Sinne vorausging. Erst rund 100 Jahre später sollte der Priester Alkuin und Biograph Willibrords den Vorschlag machen, dass man die Täuflinge vor ihrer Taufe doch wenigstens mit den Grundgedanken der christlichen Lehre vertraut machen sollte. Außerhalb Pippins Machtbereichs fand Willibrord kaum Gehör bei den Friesen. Daher machte er sich auf 'zu den überaus wilden Völkern der Dänen', wie Alkuin sie nannte. Man empfing den Missionar zwar ehrenvoll und mit der bei germanischen Völkern üblichen Toleranz gegenüber fremden Religionen, doch darüber hinaus schlug Willibrord nur wenig Begeisterung entgegen. Der Missionar bedankte sich dagegen für die empfangene Gastfreundschaft auf niederträchtige Art. Er entführte dreißig dänische Kinder, um sie in seiner Missionsschule zu Utrecht oder Echternach als Missionare auszubilden zu lassen, um sie später zur Bekehrung ihres Volkes nach Dänemark zurücksenden zu können. Alkuin umschreibt den vermutlichen Kindesraub und die Rückreise Willibrords über Helgoland wie folgt: "... er fürchtete sich nicht, Rabbod, damals König der Fresonen, der mit seinem Volke noch ein Heide war, aufzusuchen und überall, wohin er kam, verkündete er das Wort Gottes mit aller Zuversicht. Aber der Friesenkönig nahm zwar den Mann Roms in Demut freundlich auf, doch konnte er mit keinerlei Lebenswort sein steinernes Herz erweichen. Und als der Mann Gottes erkannte, dass er bei ihm keine Frucht erzielen könne, wandte er sich mit dem Wort des Evangeliums zu den überaus wilden Völkern der Dänen. Da aber herrschte, wie man berichtet, Ongenus, ein Mann, der grausamer war als jedes wilde Tier und härter als jeder Stein; aber dennoch empfing er, auf Gottes Geheiß, den Verkünder der göttlichen Wahrheit ehrenvoll. Als dieser erkannte, dass das Volk in seinen Sitten verhärtet war, dem Götzendienst ergeben und ohne Hoffnung auf ein besseres Leben, nahm er dreißig Knaben aus diesem Lande zu sich und beeilte sich, mit diesen zu den von Gott ausgewählten Völkern des Frankenreiches heimzukehren. Schon auf der Reise selbst unterrichtete er die Knaben und wusch sie rein in dem Quell des Lebens, damit er nicht wegen der Gefahren der langen Seereise oder durch Nachstellungen der wilden Bewohner jenes Landes irgendeinen Verlust an ihnen erlitte, indem er den Listen des alten Feindes zuvorkomme und die neu gewonnenen Seelen mit den Sakramenten des Herrn sichern wollte. 10. Und während der fromme Prediger des Wortes Gottes auf dieser Reise sich befand, kam er an die Grenze zwischen den Dänen und den Fresonen (Friesen) zu einer Insel, welche nach einem Gott Fosite, den sie verehren, von den Bewohnern Fositesland genannt wurde, weil auf ihr Heiligtümer dieses Gottes erbaut waren. Dieser Ort wurde von den Heiden mit solcher Verehrung betrachtet, dass keiner von ihnen etwas von dem Vieh, welches dort weidete, oder von anderen Dingen zu berühren wagte, noch auch aus der Quelle, welche dort sprudelte, das Wasser anders als schweigend zu schöpfen sich erlaubte. Dorthin wurde der Mann Gottes durch einen Sturm verschlagen und blieb einige Tage da, nachdem der Sturm sich gelegt, günstiges Wetter zur Fahrt wiederkehrte. Er verachtete aber die törichte Scheu vor der Unantastbarkeit jenes Ortes und fürchtete nicht den wilden Sinn des Königs, welcher jeden Verletzer der Heiligtümer jenes Ortes dem grausamsten Tode zu weihen pflegte, sondern taufte drei Menschen in jener Quelle unter Anrufung der heiligen Dreieinigkeit und ließ von dem Vieh, welches dort weidete, zu seinem Bedarf schlachten. Als die Heiden das sahen, glaubten sie, dass sie entweder in Wahnsinn verfallen oder durch plötzlichen Tod zugrunde gehen würden. Da sie aber sahen, dass ihnen nichts Übles widerfuhr, ergriff sie Schreck und Staunen, sie berichteten jedoch dem König Rabbod, was sie gesehen hatten. 11. Dieser geriet in große Wut gegen den Priester des lebendigen Gottes und gedachte die Beleidigungen seiner Götter zu rächen. Drei Tage lang warf er immer dreimal nach seiner Gewohnheit das Los1.); niemals aber konnte, da der wahre Gott die Seinigen verteidigte, das Los der Verdammten auf den Knecht Gottes oder auf einen der Seinigen fallen; nur einer von seinen Gefährten wurde durch das Los bezeichnet und mit dem Martyrium gekrönt. Der heilige Mann aber wurde zum König berufen und viel von ihm gescholten, warum doch er seine Heiligtümer verletzt und seinen Gott beleidigt habe." 714 wurde Willibrords Friesenmission durch Pippins Tod jäh unterbrochen. Friesenkönig Radbod gelang es, unter Ausnutzung der innerfränkischen Wirren, große Teile Westfrieslands zurückzuerobern. Erst als sich Karl Martell (714-741) als fränkischer Hausmeier durchgesetzt hatte, gelang 722-734 die erneute Rückeroberung des ehemals fränkisch besetzten Frieslands. Unter dem Schutz Karl Martells konnte die Missionierung der widerspenstigen Friesen durch Willibrord und besonders durch seine Helfer und Nachfolger wieder aufgenommen werden. Willibrord starb 739 in seinem Kloster zu Echternach, wo er gemäß seinem Testament begraben und bald darauf als Heiliger verehrt wurde. 1. Tacitus beschreibt in seiner Germania die Losziehung bei den germanischen Völkern: Auf Wahrzeichen und Losen achten sie so sehr als nur irgendein Volk. Beim Losen halten sie es einfach. Von einem Fruchtbaum hauen sie einen Zweig ab, zerschneiden ihn in Reiser, unterscheiden diese durch gewisse Zeichen voneinander und streuen sie dann über ein weißes Tuch hin ohne Plan und nach bloßem Zufall. Sodann spricht, wenn sich die Befragung auf öffentliche Angelegenheiten bezieht, der Priester der Gemeinde, wenn auf persönliche, der Hausvater selbst ein Gebet zu den Göttern, richtet seinen Blick zum Himmel empor, hebt dreimal je eines auf und gibt dann entsprechend dem vorher darauf eingedrückten Zeichen die Deutung. Ist ihre Antwort abschlägig, findet für diesen Tag keine Befragung über den gleichen Gegenstand mehr statt; ist sie zustimmend, wird noch überdies die Bestätigung der Vorzeichen erfordert. Aus der 'Vita Willibrordi' über das Leben des heil. Willibrord von Alkuin , übersetzt von W. Wattenbach, Leipzig 1941 |
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Liudger zerstört die Heiligtümer Forsetis und tauft die Helgoländer in der heiligen Quelle
Einen weiteren Hinweis über die heilige Quelle und den Hain auf Helgoland beinhaltet die um 840 verfasste 'Vita S. Liudgeri' von Bischof Altfrid von Münster. Er beschreibt hierin Leben und Wirken des friesischstämmigen Missionars Liudger. Karl der Große hatte Liudger 787 zum Missionsleiter für Mittelfriesland ernannt. Während seiner Friesenmission war Liudger um 791 auch auf Helgoland tätig: "Er (Liudger) war aber, nachdem ihm (von Karl dem Großen) die Herde Gottes zu sorgfältigem Unterricht übergeben worden, bemüht, ihr das Wasser der reinen Lehre zu spenden, die Götzentempel zu zerstören und allen Schmutz des früheren Irrglaubens zu entfernen. Auch strebte er, den Strom der Lehre weiter zu verbreiten, und fuhr, nachdem er mit dem Kaiser darüber Rat gepflogen, nach einer kleinen, zwischen den Friesen und Dänen gelegenen Insel, welche nach dem Namen ihres falschen Gottes 'Fosete' Fosetesland heißt. Als er derselben schon nahe war und das Kreuz in der Hand, dem Herrn Bitt- und Dankgebete darbrachte, sahen die, welche im selben Schiffe waren, einen dichten schwarzen Nebel von der Insel abziehen, nach dessen Abzug sich große Heiterkeit über dieselbe verbreitete. Da sprach der Mann Gottes: "Seht ihr, wie durch die Barmherzigkeit Gottes der Feind vertrieben wurde, der früher diese Insel mit seinem Nebel verfinstert hat?" Nachdem sie aber auf der Insel angekommen waren, zerstörte er die Tempel des Fosete, welche dort erbaut waren, und errichtete an ihrer statt eine Kirche Christi. Und nachdem er die Bewohner im Glauben an Christus unterrichtet hatte, taufte er sie, den Namen der heiligen Dreifaltigkeit anrufend, in der Quelle, die dort sprudelte, in welcher der heilige Willibrord früher drei Menschen getauft hatte und aus der bis dahin kein Einwohner anders als stillschweigend Wasser zu holen wagte. Denn er hob den Sohn eines Fürsten mit Namen Landrich aus dieser Quelle, den er in der Lehre des Heils unterrichtete und zum Priester weihte und der jahrelang bemüht war, die Friesen zu unterrichten. Darauf kam auf Anstiften der Bösen wieder die Nacht eines weitverbreiteten Abfalls über die östlichen Friesen, dessen Anstifter Unno und Eilrat waren; die Kirchen wurden verbrannt und die Diener Gottes vertrieben." Aus: Das Leben Liudgers, Bischofs von Münster, von Altfrid. Übersetzt von G.Grandaur, Leipzig 1941 |
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![]() Felsenpartie ‚der Mönch’. |
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Der Bericht Adam von Bremens über den Hain und heilige Quelle auf Helgoland
Ein weiterer zuverlässiger Hinweis auf die heilige Quelle auf Helgoland findet sich bei Adam von Bremen (1050-1081/1085) in seinem Werk zur Hamburgischen Kirchengeschichte "Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontisicum". Die Schrift gilt allgemein als die verlässlichste Quelle für die Geschichte dieser Region in jener Zeit. Adam von Bremen bringt das nun christliche Helgoland mit der Piraterie in Verbindung. Auch Klaus Störtebeker und seine Likedeeler sollen die wehrhafte Felseninsel zwischen ihren Raubzügen als Stützpunkt genutzt haben. 1401 wurden Störtebeker und seine Mannen von einem Hamburger Flottenverband nahe Helgoland aufgebracht und gefangen genommen. Adam schreibt: "Der Erzbischof aber ordinierte aus der Zahl seiner Kleriker für Sliaswig den Ratolf, für Seland den Willelm, für Fune den Eilbert, der vor Seeräuber fliehend sich seitwärts wandte und die Insel Farria (Helgoland), welche in der Mündung des Elbflusses1.) in ferner Einsamkeit im Ozean verborgen liegt, zuerst entdeckt und durch Anlegung eines Klosters daselbst bewohnbar gemacht haben soll. Diese Insel liegt Hadeloe gegenüber. Die Länge derselben erstreckt sich auf kaum acht Meilen, die Breite auf vier. Die Bewohner bedienen sich zum Brennen des Strohs und der Schiffstrümmer. Es geht die Rede, dass Seeräuber, wenn sie einmal von da auch nur die geringste Beute hinweggeführt hätten, entweder bald durch Schiffbruch umgekommen oder im Kampfe erschlagen seien; keiner sei ungestraft heimgekehrt. Daher pflegen sie den dort lebenden Eremiten mit großer Ehrfurcht den Zehnten ihrer Beute darzubringen. Diese Insel aber ist sehr fruchtbar an Getreide, eine sehr reiche Ernährerin von Vögeln und Vieh. Sie hat einen einzigen Hügel, keinen Baum, ist von den schroffsten Felsen eingeschlossen, hat keinen Zugang außer nur einem, wo auch süßes Wasser sich befindet; ein allen Seefahrern, zumal aber den Seeräubern ehrwürdiger Ort. Daher hat sie den Namen Heiligland bekommen. Aus dem Leben des heiligen Willebrord lernen wir, dass die Insel Fosetisland genannt werde und auf der Grenze zwischen den Dänen und Friesen liege. Es liegen auch noch andere Inseln Friesland und Dänemark gegenüber, aber keine ist so merkwürdig." 1. In diesem Ozean, der bereits vorher erwähnt wurde, liegt die Insel, die eigentlich Fosetisland heißt, jetzt aber den Namen Farrien oder Heiligeland führt. Sie ist von England um eine Ruderfahrt von drei Tagen entfernt. Übrigens liegt sie dem Lande der Friesen nahe und unserer Wirraha (Weser), sodass man sie von da aus liegen sehen kann. Adam's von Bremen, Hamburgische Kirchengeschichte. Übersetzt von J.C.M. Laurent, Berlin 1850 |
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Fosetisland (1)
Auf Helgoland war zur Zeit des Heidentums ein Heiligtum und Tempel des Gottes Foseti. Heilige Tiere weideten dabei, die niemand auch nur berühren durfte, und eine Quelle sprudelte hervor, aus der man nur schweigend schöpfte. Jeder, der die Heiligkeit des Ortes gering achtete und irgendetwas da berührte oder gar verletzte, ward mit einem grausamen Tode bestraft. Als der heilige Wilibrord von den Tieren schlachtete, glaubten die Leute, er müsse augenblicklich entweder in Wahnsinn verfallen oder auch von einem plötzlichen Tode getroffen werden. Der heilige Liudger hat den Tempel zerstört und dafür eine Kirche erbaut. Allein noch viel später glaubten die Seeräuber, wenn einer auch nur die geringste Beute von dem Lande nähme, er immer entweder bald durch Schiffbruch umkomme, oder erschlagen werde; keiner sei noch ungestraft geblieben. Den dort lebenden Einsiedlern brachten sie darum auch immer mit der größten Ehrfurcht den zehnten Teil ihrer Beute dar. Die Quelle mit süßem Wasser blieb allen Schiffern ein heiliger Ort und das Land empfing davon den Namen Heiligeland, und heißt noch heute gewöhnlich "dat hilge Lant". Sie soll die heutige Sappskuhle sein. (Eine Dame, deren Vater früher Prediger auf Helgoland war, erzählte mir, dass neben der alten Predigerwohnung, die jetzt abgebrochen ist, auch ein Brunnen, der Hartbrunnen genannt, gewesen sei. Dahin kam früher oft in der Nacht eine graue schattenhafte Gestalt mit schweren schlürfenden Schritten seufzend und stöhnend über den sogenannten Hingstplatz gegangen und man hörte sie dann etwas Schweres hinunterwerfen. Der unglückliche Geist soll später Ruhe gefunden haben.) Die Zeugnisse aus dem 8., 9. und 11. Jahrhundert bei Grimm, Mythologie, 2. Ausg. S. 210. - Mündlich. Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig Holstein und Lauenburg, Kiel 1845 |
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Fosetisland (2) Auf der Insel Helgoland stand zu Heidenzeiten das Heiligtum eines Gottes des Namens Fosite oder Fosete, der war ein Gott der Eintracht und des Friedens. Kein unreines Tier durfte seinem Tempel nahen, und wer des Ortes Heiligkeit verletzte, musste den Tod erleiden. Die Apostel dieses gottheiligen Landes waren Ludger und Wilibrord. Ludger schiffte, ein Kreuz in der Hand, auf die Insel zu und sang den sechzigsten Psalm. Da ward ein Rauch erblickt, der von der Insel aufstieg und hoch über sie sich ausbreitete und alsdann verschwand. Da sprach Ludger: "Wisset, meine Brüder, dass dieser Dampf Satan selbst war, den nun der Herr von diesem Insellande vertrieben. Und betrat das Ufer freudig und predigte Jesum Christum. Er zerstörte den Tempel Fosetis und baute an seiner Stätte die erste Kirche. Als Wilibrord eines der Tiere schlachtete, welche um Fosetes Tempel weideten und für heilig und unverletzbar galten, glaubten die Bewohner, er werde alsbald sterben, da dies aber nicht geschah, so ließen sie sich taufen. Selbst die Seeräuber in späterer Zeit achteten dieses Land also heilig, dass sie nie etwas davon hinwegführten, ja den frommen Einsiedlern, die dort wohnten, reichten sie sogar einen Teil ihrer Beute. So ist auch bis auf den heutigen Tag alldort ein tiefer heiliger Brunnen, darinnen, dem Meeresstrande so nahe, doch süßes Wasser quillt. Daraus sind die heidnischen Bewohner des Landes getauft worden. Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch. |
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Meerweibchen auf Helgoland
Herr Heikens. Auf Helgoland zeigte sich in früheren Zeiten den schwangeren Frauen, sobald es ihnen abhold war, das Meerweibchen halb als Mensch und halb als Fisch. War es ihnen aber günstig, kam es als schöne Jungfrau und stand ihnen mit freundlicher Miene bei der Entbindung bei, die dann immer durch ihre Gegenwart und Hilfe leicht und glücklich geschah. Es gab in alter Zeit auf Helgoland gewisse überaus schöne Mädchen, die man für Töchter des Meerweibchens hielt und vor denen man darum immer eine große Scheu und Verehrung hegte. Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogtümer Schleswig Holstein und Lauenburg, Kiel 1845 |
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Wasser ist mehr als H2O! Bitte helfen Sie uns, die Liste der hier aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen. Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben. Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und Team. |
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