Die trutzige Dorfkirche aus dem 13. Jh.
Der Gott Thor in Thossen

S. XVII. Jahresbericht des Alterth.-Vereins in Hohenleuben S. 81 fgg.

Die Kirche des Dorfes Thossen bei Plauen, welche Filiale von Rodersdorf ist, wurde auf der Stelle eines heidnischen Opferplatzes erbaut und der Altar unmittelbar über die heilige Quelle gesetzt. Um aber die heidnischen Slaven mit desto besserem Erfolge zu dieser Kirche zu bekehren, erlaubte man sich den frommen Betrug, die auf dem Altar aufgestellten Heiligenbilder mit slavischen Gottheiten zu verschmelzen. Man schrieb deshalb an das Gewand des hl. Martin, welchem die Kirche geweiht war: ToR E WoR (d.h. Thor est voster, noster: er ist Euer und unser Thor) und auf das Kleid der in der Mitte stehenden Jungfrau Maria schrieb man: MARIA OM WRA EYA NORA E WORRA (d.h. Maria Om Vostra est, Yr nostra et vostra: die Maria ist Euere Om1 und unsere und Euere Hira).

1 Hom wird unter den ältesten Genien der Zend-Avesta der Baum des Lebens genannt und Om ist noch jetzt der buddhistische Begriff von der höchsten und heiligsten Intelligenz des Weltalls und über den Kreislauf der Seelenwanderung erhaben (S. Variscia Bd. IV. S. 57. Nork, Mythol. Wtbch. Bd. II. S, 236, Coleman, Mythology of the Hindus. Lond. 1832 p. 136) die höchste Gottheit, deren Namen man nicht laut aussprechen darf.

Johann Georg Theodor Gräße, Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen Bd. 2, Dresden 1874

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Sage vom Entstehen des Stelzenbaumes

Nach mündlicher Überlieferung bearbeitet von Julius Schanz.

In dem Dorfe Thossen war einmal ein guter ehrlicher Schäfer, der schon manchen Winter erlebt hatte, ohne dass sein Haar grau geworden wäre, und der manchen heißen Sommer hindurch die Schafe mit seinem Spitz treulich bewacht hatte. Noch niemals hatte er ein Schaf durch den räuberischen Wolf verloren, als er endlich doch von diesem heimgesucht ward. Der Alte hatte sich ein wenig niedergelegt, um zu schlafen, der Hund war einer Hasenspur gefolgt, und der Wolf, der im Busche gelauert hatte, raubte zwei Schöpse, ohne dass es jemand bemerkte. Als der Hirt am Abend heim trieb und der Herr unter der Türe des Schafstalles stand, und die Herde musterte, vermisste er die zwei Schöpse und ließ den Alten hart an. Betrübt lief dieser davon, die Verlorenen zu suchen. Da kam ein Knecht des Herrn, der dem Schäfer feind war, und verkündete mit geheimnisvoller Miene, dass der Fleischer soeben zwei Schöpse von der Herde nach der Stadt getrieben. Der Herr glaubte steif und fest, es seien die seinigen gewesen und lief stracks dem Schäfer nach. Als er seiner von Ferne ansichtig wurde, schrie er wütend: "Du heuchlerischer Spitzbube, was suchst Du noch, wenn Du sie dem Fleischer verkauft hast?" - Der Alte wusste nicht, wie ihm geschehen war, und beteuerte hoch und heilig seine Unschuld. Der Herr aber schrie und tobte und drohte ihm, noch heute all seine Habe zu nehmen, wenn er die gestohlenen Schöpse nicht ersetze. Da hub der Alte feierlich an: "Gott im Himmel, erzeige Gerechtigkeit Deinem unschuldigen Knechte!" - Und er steckte seinen Stab in die Erde und schwur dreimal und sprach: "Dieser dürre Stab soll wurzeln, wachsen und gedeihen, wenn ich ohne Schuld bin. Ist aber der Diebstahl an mir, so zerfalle er jetzunder in Asche." - Als der Herr am andern Tage wieder auf denselben Platz kam, stand der Stock und hatte bereits Knospen und schlug aus. Er wuchs empor zu einem großen, seltenen Baum und steht bis auf diesen Tag, ringsum sichtbar, auf einer Hochebene, damit Jedermann sehe, wie der Herr die Unschuld beschützt.

Johann Georg Theodor Gräße, Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen Bd. 2, Dresden 1874

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Unter den Fresken auch die Abbildung eines Hirsches, dessen Geweih auch als Symbol der Quellen und unterirdischen Wasseradern gilt.

Außerhalb des Chores ein Brunnen, in den das Wasser heute geleitet wird.
Wasser ist mehr als H2O.

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