Die Aufnahme zeigt den Heiligen Teich im Osten von Gernrode nach dem Bau der Eisenbahnlinie in den 1920er Jahren. Bei dem Heiligen Teich handelte es sich ursprünglich um ein kleines natürliches Gewässer in einer Talsenke, das später zur Bereitstellung von Energie für den Harzer Bergbau durch den Bau einer Staumauer vergrößert wurde. Vorzeitfunde lassen auf eine sehr frühe Besiedlung der Region schließen. Daher ist nicht auszuschließen, dass dies Gewässer bereits vor dem Tod der Äbtissin verehrt wurde.
Der Heilige Teich bei Gernrode
51°43'13.59" N, 11° 9'48.55" O, Alt. 275 m üNN
Der heilige Teich

Um den Weiher im dichten Wald, der nun so viel gesehen wird, weil jetzt die Eisenbahn dort hindurch fährt, war es früher eine stille, einsame Gegend. Zur Zeit, da Gernrodes erste Äbtissin 'Hedwig' im Kloster von Gernrode regierte, war es ein Wallfahrtsort der Armen und Elenden. Denn hier traf man die hohe vielgeliebte Frau oftmals, welche, nachdem sie der Welt entsagt hatte, ihr Genüge im Wohltun suchte. Jeder Kranke fand Trost und Hilfe bei der edlen Frau und überall, wo sie Elend lindern konnte, dort tat sie es.

Nun lag sie selber krank danieder. Eine Nonne trat zu ihr und berichtete von einer kranken Frau, welche sich so sehr nach der Äbtissin sehne, sich auf dem Lager wälze und in Todesnot stöhnte. Da ward es der Hedwig bange. Sie dachte jetzt nur noch daran, wie nötig sie am Bette der Ärmsten gebraucht würde, die mit Sünde beladen durchs Leben gewandert war und nun weder Ruhe noch Rast fand, trotz Beichte und Abendmahl. Es duldete Hedwig nicht mehr im Bett, sie stand auf, kleidete sich warm an und eilte, so schnell es die eigene Schwäche erlaubte, zur Hütte der Kranken.

Ihrem Gebet und ihrer großen Zuversicht gelang es, die Frau zu trösten und sie sterbenswillig und glaubensfest zu machen. Und als sie gegen Morgen in Hedwigs Armen gestorben war, ging die kranke Fürstin zurück zu ihrer eigenen Lagerstätte.

Fieberschauer schüttelten sie, schwarze Schatten lagen vor ihren Augen, aber mit frohem Glauben eilte ihre Seele dem Himmel und den vorangegangenen Lieben zu. Gegen Mittag war es, zur Stunde, in der sie sonst alltäglich nach dem Waldweiher gepilgert war, da stürzte ein Blutstrom aus ihrem Munde und sterbend legte sie ihr Haupt zurück. Ihre Seele hatte sich emporgeschwungen zu Gott.

Draußen an Hedwigs Lieblingsstätte weilten die Armen und Krüppel, denen sie sonst täglich Gaben hinaus gesandt hatte. Mit Staunen sahen diese, wie sich das Wasser plötzlich blutrot färbte und wütend aufschäumte; wie es wieder blasser und klarer wurde, grün aufleuchtete und zuletzt wieder still in seiner alten Farbe, die es dem Himmel entlehnt, dalag.

Der Teich aber hieß fortan der heilige Teich.

Nach Dr. Klocke, Ballenstedt

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Die Wunder beim Tod und am Grabe der Äbtissin Hedwig I.

Hathumi (Hedwig), die Schwiegertochter des großen Markgrafen Gero, wurde nach dem Tode ihres Gemahls Siegfried, die erste Äbtissin der reichsunmittelbaren Frauenabtei St. Cyriaci zu Gernrode. Sie war 939 als die Tochter des Grafen Wichmann des Älteren, aus dem Stamm der Billunger, und der Bia, aus dem Hause des Sachsenherzogs Widekind geboren und war eine Nichte der Kaiserin Mathilde, der Gemahlin Heinrich I., des Finklers. Dem ihr anvertrauten Kloster hat sie fünfundfünfzig Jahre lang rühmlich und in Treue vorgestanden und ging am 4. Juli 1014 ins bessere Jenseits.

Ihren Tod verkündeten wunderbare Zeichen: der gegen Morgen von Gernrode gelegene Teich - die einen meinen, dass es der so genannte Heiligenteich gewesen sei, die anderen wollen in ihm den Burggraben erkennen, wahrscheinlich aber handelt es sich um die am Fuße des Osterberges gelegene Gregorgrube - erschien bis zum Mittag blutrot, dann verwandelte sich die Farbe in grün. Bestattet wurde die auserwählte Braut Christi vom Bischofe Bernhard von Oldenburg nicht an der Stelle, wo sie zu ruhen begehrt, sondern wo es wehklagend ihre Ordensschwestern erbeten hatten, mitten in der Kirche vor dem Altar des heiligen Kreuzes.

An ihrem Grabe weilte einst ein armer, lahmer Mann, der schon lange an Krücken gehen musste. Kniend lag er dort im heißen Gebete und als er sich erhob, war er gesund und kräftig und bedurfte ferner keiner Stütze beim Gehen. So hat ihm Gott der Allmächtige um der Verdienste der frommen Hedwig willen seine Gesundheit wieder beschert.

R. u. H. Siebert, Anhalter Sagenbuch, Bernburg 1927

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