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Die heiligen Quellen unter dem Dom zu Paderborn |
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Das Rossbad in der Pader und der Paderborner Dom. Fritz Geschwendt schreibt: "In der Kathedrale gibt es einen Brunnen, die angebliche Quelle der Pader, in der man Gold und Edelsteine gefunden haben soll. Der Dom steht angeblich über den 200 Quellen der Pader. Neben der Kathedrale steht eine kleine Berg- und Waldkapelle, die anscheinend eine Brunnenkapelle war."1) 1) Fritz Geschwendt, Der vor- und frühgeschichtliche Mensch und die Heilquellen, Hildesheim 1972. |
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| Der Brunnen im Dome
Im Dome zu Paderborn quillt ein tiefer kühler Brunnen, die Pader, von welchem die Stadt ihren Namen hat. Unten in dem Brunnen ruhen Schätze von Gold und Edelsteinen, die mehr wert sind als das ganze Paderbornsche Land, aber niemand vermag sie zu heben, denn ein schwerer Bann hält sie von alten Zeiten her gefangen. Aber auch ein steinernes Muttergottesbild ruht unten in der Tiefe. Über dieses hat der Zauber keine Macht und jeder, der das rechte Wort und die rechte Zeit weiß, kann das Bild herausheben. Wenn aber das Bild gehoben sein wird, kommt alles nur erdenkliche Glück über Haus, Stadt und Land, wo es sich befindet. Ein Bischof von Paderborn hatte von diesem Segen spendenden Muttergottesbilde gehört und ihn verlangte gar sehr danach. Er begann also die Magie zu studieren und las alle Bücher über Zauberei und Schatzgräberei, die er nur bekommen konnte, aber nirgends fand er das rechte Mittel, wie er den Schatz im Brunnen heben könnte. Darüber wurde er zuletzt ganz traurig und missmutig. Da meldete sich eines Tages ein Mann, der versprach ihm, das Bild aus dem Brunnen heraufzuholen und verlangte als Entgelt nur die Erlaubnis, in dem von der Muttergottes gesegneten Lande wohnen zu dürfen. Der Bischof ging voller Freude darauf ein, gewährte auch dem Manne die dreitägige Vorbereitungsfrist, die er sich ausbat und schritt am dritten Tage mit ihm in den Dom. Gerade als Mittag war, stellten sie sich an den Rand des Brunnens und der Fremde fing an, nachdem er dem Bischof das größte Stillschweigen auferlegt hatte, aus einem Buche halblaut zu lesen. Nachdem er drei Zauberformeln, die eine noch stärker als die andere, gebraucht hatte, versiegte das Wasser im Brunnen, das erst sehr unruhig geworden war und eine Treppe wurde sichtbar, die auf vielen Stufen hinabführte. Auf dieser stieg der Zauberer hinunter und verschwand am Ende durch eine kleine Tür im Brunnen. Es dauerte gar nicht lange, da kam er zurück und trug das schwere Steinbild, das ganz grau und verwittert aussah, auf seiner Schulter. So wie er heraufstieg, kam das Wasser langsam hinter ihm her und als er oben war, stand es gerade wieder so hoch im Brunnen wie vor der Beschwörung. Ein unbeschreiblich angenehmer Duft ging von dem Muttergottesbilde aus, mit eigenen Händen stellte es der Bischof auf den Hochaltar. Dann aber fragte er den Zauberer nach Schätzen unten im Brunnen. Und als der Fremde anfing zu erzählen von den wunderbaren Dingen, die er unten in der Tiefe gesehen, da erfasste den Bischof das Verlangen, diese Schätze auch zu schauen. Der Zauberer warnte ihn eindringlich, er möge doch sein Leben und seiner Seele Heil nicht aufs Spiel setzen, aber der Bischof wollte nicht von seinem Vorhaben abstehen und der Fremde musste die Beschwörung zum zweiten Male beginnen. Dies geschah auch, aber das Wasser war diesmal viel unruhiger als das erste Mal. Als der Brunnen leer und die Treppe wiederum sichtbar war, stieg der Bischof hinab. Er ist aber nicht wiedergekehrt. Zugleich waren auch der Fremde und das steinerne Marienbild verschwunden. Der Brunnen quillt nach wie vor. Von diesem Born geht auch die Sage, er stünde in Verbindung mit Wassern des Teutoburger Waldes, besonders dem Gewässer im Hohlenstein, der bei Veldrom (zwischen Horn und Paderborn) liegt. Vor vielen Jahren hat man einmal in diese Höhle zwei Enten gesetzt, um zu erfahren, wie weit dieser Spalt wohl ginge. Und die sind unter dem Dome in der Paderquelle wieder zum Vorschein gekommen. Paul Zaunert, Westfälische Sagen, Jena 1927 |
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Anmerkung zu den heiligen Quellen unter dem Paderborner Dom "Es wurde bereits an anderer Stelle erwähnt, dass in der Vorzeit Quellen mit der Verehrung von heiligen Quellen in Verbindung standen. Eine solche heilige Quelle hat in germanischer Vorzeit auf dem Grund und Boden bestanden, wo der heutige Dom von Paderborn erbaut wurde. Die geschichtliche Überlieferung berichtet, dass Karl der Große diesen an der gleichen Stelle habe erbauen lassen, an der ein heidnisches Heiligtum gestanden habe, und die Legende fügt hinzu, dass unter ihm 500 Quellen entsprungen seien. Noch heute besteht als Erinnerung an den altgermanischen Kult der Brauch, dass die Fuhrleute ihre Pferde in die dortige Quelle, aus der seinerzeit von Wotan heiligen Rosse getränkt wurden, ziehen, da diese die wunderbare Eigenschaft besitzen soll, die Sehnen der Tiere zu stärken." Georg Buschan: Altgermanische Überlieferungen in Kult und Brauchtum der Deutschen, München 1936 |
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![]() Rosstränken in den so genannten 'Paderquellen' am Abdinghof. Das Wasser soll die Sehnen der Pferde stärken. Im Hintergrund der Paderborner Dom, in dessen Krypta die einstigen heiligen Quellen der Pader entspringen. Nach einem Gemälde von H. Killian. |
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Der Name der Stadt Paderborn Die Stadt Paderborn hat ihren Namen von dem Flusse Pader, der daselbst unter dem Choraltar im Dome aus drei unterschiedenen Brunnen entspringt. Die kleinen Bäche nun, die aus diesen Brunnen fließen, laufen mitten in dieser Stadt zusammen und darum wird dieselbe Paderborn genannt. Der Fluss selbst soll aber von Karl dem Großen den Namen Pader erhalten haben, der in seinem Kriege wider die Sachsen bei Wassermangel durch die Einpfählung seines Zeltes die Quelle desselben entdeckte und zur Erinnerung an den italienischen Fluss Padus (Po) ihn so nannte. Johann Th. Grässe, Sagenbuch des Preußischen Staats. Glogau 1868 |
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Der Brunnen im Dom zu Paderborn1
Im Dom zu Paderborn quillt ein tiefer, kühler Brunnen. Kein Fremder, der sich den alten Dom zeigen lässt, versäumt es, sich diesen Brunnen anzusehen, denn an ihn knüpft sich eine wunderbare Sage. Man glaubt nämlich, dass auf dessen Boden Schätze von Gold und Edelsteinen ruhen, die mehr wert sind als das ganze Paderbornsche Land, aber niemand vermag sie zu heben, denn ein schwerer Bann hält sie von alten Zeiten her gefangen. Nur über eins hat der böse Zauber keine Macht, und das ist ein steinernes Muttergottesbild. Jeder, der das rechte Wort und die rechte Zeit weiß, kann das Bild heraufholen. Wem dies aber gelingt, der hat das größte Kleinod der Welt in seinem Besitze. Sobald nämlich das Bild aus dem Brunnen gehoben ist, wird das Haus und die Stadt und das Land, wo es sich befindet, mit allem nur erdenklichen Glücke gesegnet. Nun begab es sich einstmals, dass auf dem Bischofsstuhle zu Paderborn ein Bischof saß, den es gar sehr verlangte, in den Besitz dieses Marienbildes zu kommen. Er beschloss also, die Magie zu studieren, um imstande zu sein, den Schatz heben zu können. Er las also alle Bücher über Zauberei und Schatzgräberei, die er nur bekommen konnte, durch, aber nirgends fand er etwas angemerkt, was er hätte auf die Hebung der Schätze des Brunnens anwenden können. Darüber ward er denn zuletzt ganz traurig und missmutig, allein siehe, da fand sich plötzlich bei ihm ein Mann ein, der ihm verhieß, das Bild aus der Tiefe hervorholen zu wollen. Der Bischof war natürlich über dieses Anerbieten hocherfreut, allein noch weit mehr darüber, dass derselbe auf seine Frage, was er dafür für Lohn begehre, erwiderte: "Nichts als die Erlaubnis, in diesem von der Muttergottes gesegneten Lande wohnen zu dürfen." Natürlich versprach ihm dies der Bischof und noch weit mehr, wenn er sein Wort halte. Der Mann bat sich nun drei Tage Zeit aus, um seine Vorbereitungen zu treffen. Nach Verlauf dieser Zeit kehrte er zum Bischof zurück und forderte diesen auf, mit ihm in den Dom zu gehen. Es war gerade Mittag, als sie in denselben, den sie nachher von innen verschlossen, traten. Sie stellten sich an den Rand des Brunnens und der Fremde fing, nachdem er dem Bischof strenges Stillschweigen auferlegt, an, aus einem Buche eine Beschwörung halblaut zu lesen, dann nahm er etwas wie graues Pulver aus einem Papiere und warf es unter Aussprechen verschiedener Zauberworte in den Brunnen, hierauf las er wieder ein Stück aus dem Buche und warf wieder von dem Pulver hinab und endlich wiederholte er dieselbe Prozedur zum dritten Male, indem er zugleich mit einem Spiegel und Ringe über dem Brunnen wunderliche Zeichen machte. Der Bischof, der zufällig einen Blick in den Spiegel warf, sah, wie sich plötzlich ungeheure Gestalten in demselben zu regen begannen, sie wanden und ballten und bäumten sich. Wie die Geister aber im Zauberspiegel, so bewegte sich das Wasser im Brunnen, es zischte und schäumte und gärte, dass dem Bischof ein innerliches Grauen ankam. Doch nach und nach ward es ruhiger im Spiegel und stiller in der Tiefe, die Bilder verblassten und das Wasser sank. Endlich war es ganz trocken im Brunnen und eine Treppe wurde sichtbar, die auf vielen Stufen hinabführte. "Harret meiner nur eine kleine Weile", sprach der Zauberer zum Bischof, "sogleich bin ich mit dem heiligen Bilde wieder bei Euch!" Darauf stieg er die Treppe hinunter und verschwand am Ende durch eine kleine Tür unten im Brunnen. Es dauerte gar nicht lange, so kam er zurück und trug das schwere Steinbild, das ganz grau und verwittert aussah, auf seiner Schulter. Sowie er heraufstieg, kam aber das Wasser langsam hinter ihm her und als er oben war, stand es gerade wieder so hoch im Brunnen als vorher. Ein unbeschreiblich angenehmer Duft strömte aber von dem Muttergottesbilde aus, welches der Bischof jetzt mit eigenen Händen auf den Hochaltar stellte. Derselbe fragte nun den Fremden: "Sahest du denn sonst nichts, mein Sohn, von den köstlichen Schätzen, welche der Abgrund da unten verbirgt?" Der Fremde aber fing an zu erzählen von der Tiefe, wo Paläste von Gold und Burgen von Perlen ständen, wo in duftenden Gärten Demantblumen blühten, wo die größten Kostbarkeiten bergehoch aufgestapelt lägen, fügte aber hinzu, es liege ein schwerer Bann darauf und wer die Hand darnach auszustrecken wage, dem drohe unfehlbares Verderben. Allein der Bischof war von der gemachten Beschreibung so begeistert, dass er erklärte, es möge kommen, wie es wolle, er wolle hinunter und diese Wunder sehen. Zwar bat ihn der Fremde, er möge doch sein Leben und das Heil seiner Seele nicht so leichtfertig aufs Spiel setzen, nichts half, der Bischof bestand darauf und nötigte den Fremden, die Beschwörung noch ein zweites Mal vorzunehmen. Dies geschah auch, nur mit dem Unterschied, dass diesmal das Wasser viel unruhiger ward wie das erste Mal. Trotzdem aber ließ sich der Bischof nicht abhalten hinabzusteigen. Als er durch die kleine Tür ging, trat er in ein Tal, welches wie von rosigem Morgenrot umflossen war, heiße Wohlgerüche strömten von allen Seiten auf ihn zu und obgleich er tief unten im Schoße der Erde war, war doch alles glänzend hell um ihn. Dieser Glanz ging aber von sieben goldenen Palästen aus, die in dem Zaubertal standen und mit lauter Edelsteinen und Perlen gedeckt waren. Eilig wollte er darauf zugehen, allein da nickte ihm von den Blumenbeeten eine Rose mit einem so süßen Duft entgegen, dass er sich nicht enthalten konnte, sie abzubrechen. In demselben Augenblick aber hörte er die eiserne Türe zufallen, alles ward um ihn finster und die Wasser stiegen brausend wieder in dem Brunnen empor. Der alte Bischof ist nie wieder zum Vorschein gekommen, aber auch das Marienbild und der Fremde waren aus dem Dom verschwunden, vielleicht dass Ersteres wieder in den Brunnen zurückgekehrt ist. 1. S. Seiler S. 75 etc. Johann Th. Grässe, Sagenbuch des Preußischen Staats, Glogau 1868 |
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