Der Marienbrunnen zu Paderborn1.)

Auf dem Jesuitenhofe zu Paderborn steht ein ehernes Marienbild über einem ganz verfallenen Brunnen, von dem man Folgendes erzählt:

Es kam einmal in den heißesten Tagen des August ein Bettler nach Paderborn und flehte um Gottes Willen um einen kühlenden Trunk. Aber, sei es Zufall oder Hartherzigkeit, der Arme ward an allen Türen abgewiesen und konnte nirgends einen Trunk erhalten. So ward es Mittag und immer heißer und der Arme hatte sich immer noch nicht laben können. So schleppte er sich endlich bis zum Jesuitenkollegium hin, allein er war viel zu schwach, um die hohen Treppen zu erklimmen und die geistlichen Herren um eine Erquickung anzuflehen. Da gewahrte er im Hofe das Muttergottesbild, er hob zu ihm seine zitternden Hände und rief mit kläglicher Stimme: „Maria, du Heilige, schaffe meiner glühenden Zunge Labung oder lass mich hier sterben!“ Siehe, da kam plötzlich silberhelles, kaltes Wasser aus den Brüsten der Muttergottes hervor, der müde Greis labte sich und ging, die heilige Jungfrau preisend, von dannen. Die Väter Jesuiten aber hatten alles gesehen und beeilten sich, das wunderbare Wasser aufzufangen, auch ließen sie an der Stelle nachgraben, viele hundert Fuß tief, aber der heilige Quell war längst wieder versiegt und einen anderen fanden sie nicht. So ließen sie endlich die Arbeit liegen, der Brunnen ward nach und nach verschüttet, das Steingeländer zerfiel und verwitterte und heute sieht man kaum noch einige Spuren desselben. Das Muttergottesbild aber steht noch immer finster und ehrwürdig.

1. S. Seiler S. 69.

Johann Th. Grässe, Sagenbuch des Preußischen Staats. Glogau 1868

Wasser ist mehr als H2O! Bitte helfen Sie, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen.

Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben.

Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und Team.