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Die Jungfer vom Sachsenstein Bei den Zwergen vom Sachsensteine wohnte auch die Frau Holle und eine Jungfer mit Schlüsseln. Seit die Zwerge abgezogen sind, ist ein fahles Männchen im Sachsensteine gesehen worden; ein Eingang in den Sachsenstein, der aber schwer zu finden ist, führt in die Wohnung der Jungfer und des fahlen Männchens, und gleich vorn in der Höhle steht ein Tisch mit verschimmeltem Brot und mit Wein. Die Jungfer erscheint entweder am hellen Mittag oder um Mitternacht. Ein Schäfer hütete einst seine Herde mittags auf dem Sachsensteine droben, da erschien ihm die Jungfer mit dem Schlüsselbunde. Er sah sie Klängeflachs, d.i. Lein, den die Sonne aufziehen soll, in der Sonne ausbreiten und auseinanderharken, dabei half er ihr und ihm kamen einige Leinknoten in seine weiten Schuhe. Als er des Abends in seiner Schäferkarre die Schuhe auszog, fielen laute Pistoletten heraus. Ein andermal hütete auch ein Schäfer da, der schlief beim Hüten ein. Als er erwachte, erblickte er neben sich ein hübsches Blümchen, welches eine Lilie gewesen ist, pflückte es und steckte es, wie es Schäfer tun, an seinen Hut. Gleich darauf erschien die Jungfer mit Schlüsseln und fragte, ob er mitgehen wolle. Als er nun mit ihr vor dem Eingange stand, gingen sie zuerst vor eine große eiserne Tür und an zwei Hunden mit glühenden Zungen vorbei. In dem Schlosse aber lag nichts als Gold und Silber und die Jungfer sagte zum Schäfer, er möge sich so viel hinnehmen als er möchte. Da füllte er zuerst seinen großen Schäferranzen, dann nahm er den Schäferhut ab und wollte ihn füllen. Dabei ließ er die Lilie fallen und die Jungfer rief dreimal, er solle das Beste nicht vergessen. Er achtete aber dessen nicht und ging ohne die Blume fort. Als er aus dem Schlosse war, schlug die Tür ihm fast die Hacken ab, da dachte er an die Blume, mit der er die Jungfer hätte erlösen können, aber nun war es zu spät. Ein anderer Schäfer sah einst in einer Klippe des Sachsensteines Kirche, Altäre und Prediger. Auch ein Geigenspieler wollte einst das verwünschte Schloss auf dem Sachsensteine mit seinem Spiel erlösen. Heinrich Pröhle, Harzsagen, zum Teil in der Mundart der Gebirgsbewohner gesammelt und herausgegeben, Leipzig 1886 |
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