Hungerquellen in Niedersachsen

Quellen, deren Wasser zuzeiten versiegt, dann aber wieder reichlich fließt, nennt man Hungerquellen. Es ist nämlich ein sehr verbreiteter Glaube, dass teure Zeiten bevorstehen, wenn die Hungerquellen fließen (laufen). Ein Hungerborn, an dem diese Sage haftet, befindet sich bei Einbeck am Fuße der Hube. - Wenn der Weingarten bei Hohnstedt läuft, so gibt es teure Zeiten.

- Wenn de Lutterborn (bei Herberhausen oder Helperhûsen) löpe sau gift et düere tîen; bûet âwer in de Helperhüsche möle de spennen un int rad de swögelken (Schwalben), sau sint et gaue tîen.

- Bei Brüggen im Amte Alfeld befindet sich die sogenannte Sêbenbeke. In gewöhnlichen Jahren ist da trockenes Land; in nassen dagegen fließt das Wasser in sieben Furchen darin herunter. Geschieht dies, so erwartet man teure Zeiten.

- In der Nähe von Moringen liegen drei Quellen nahe beisammen, Mârsprung genannt, aus denen die More entsteht. Im hohen Sommer versiegen sie; das Wasser soll an einem bestimmten Tage ausbleiben und ebenso an einem bestimmten Tage wieder zum Vorschein kommen. Fließen sie länger als gewöhnlich, so ist das ein Vorzeichen von eintretender Teuerung. Diese Quellen sollen auch mit der etwa sieben Stunden davon entfernten Weser in Verbindung stehen. Steigt das Wasser der Weser über einen gewissen Punkt, so fangen sie an zu fließen; sinkt dagegen die Weser unter diesen Punkt, so verschwinden sie.

Georg Schambach, Niedersächsische Sagen und Märchen, Göttingen 1855

Wasser ist mehr als H2O!

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