Der Wassermann

Es sind nun schon viele Jahre her, da befand sich eine Anzahl Mönchguter Mädchen am Strande. Sie hatten sich bei den Händen gefasst und drehten sich im fröhlichen Reigen. Plötzlich erschien mitten unter ihnen ein Fremder: der war wie ein Rittersmann gekleidet und trug ein goldenes Geschmeide am Halse. Er grüßte die Mädchen und schaute sie der Reihe nach an. Der Schönsten von allen reichte er die Hand, setzte ihr einen meergrünen Kranz aufs Haupt und begann mit ihr einen Tanz, der, je länger er dauerte, umso schneller und leidenschaftlicher wurde. Zuletzt rief das atemlose Mädchen: "„Der Tanz dauert zu lang, Herr Ritter; lasst mich los und gebt mich frei!“ Der Fremde aber hielt das Mädchen fest und sprach: „Nimmermehr geb' ich dich frei. Du bist des Wassermanns Weib!“ Und damit entführte er sie und riss sie mit sich in die wogende Flut hinab. Noch lange hörten die Gefährtinnen die angstvollen Rufe der Entführten; wieder gesehen hat sie niemand.

Prof. Dr. Alfred Haas, Rügensche Sagen, Bergen auf Rügen 1939

Wasser ist mehr als H2O!

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