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| Der Schreckerbrunn bei Schröck, Marburg | ||||||||||||||
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| Über den Schreckerbrunn
Von Pfarrer K. Jüngst, 1893. Schröck ist einer der ältesten Orte des Hessenlandes. Schon der Name führt uns in die graue Vorzeit. In den ältesten Urkunden wird das Dorf Scrikede, Scirckede, Schrickede genannt und Schrighede im 13.-15. Jahrhundert. Der Name wird von scric, Erhöhung und der verallgemeinernden Silbe ede abgeleitet, so dass er etwa 'hügelige Gegend'1 bedeutet. In der Nähe von Schröck führte die uralte 'Heerstraße' aus der Wetterau nach Westfalen vorbei. Sie teilte sich hier in zwei arme. Der eine setzte bei Anzefahr (Furt der Ansen, Götter, Riesenstraße), über die Ohm ins Tal der Edder; der andere führte an der Ameneburg vorbei über Langstein zur Schwalm. [...] Der Ort, wo später die Kreuzkapelle sich erhob, zu welcher die hl. Elisabeth so gern pilgerte, war schon im Altertume berühmt. Zeuge dessen ist die beständige Überlieferung, welche einst der Poet Kirchner in seinem langen lateinischen Lobgedicht ausgesprochen hat, dass aus diesem Brunnen die alten Helden getrunken haben (heroas bibisse); Zeuge dessen ist die Sage, dass hier einst der Sachsenherzog Widukind sich lagerte; Zeuge dessen ist eine ganze Anzahl Gespenstergeschichten, welche von diesem Orte im Munde der Umgebung fortleben. Nahe bei Schröck liegt ein sog. Riesenstein, den der Unhold vom Frauenberge im Kampfe hierher geschleudert haben soll und ganz besonders bemerkenswert ist ein altheidnischer Opferstein, der noch jetzt wegen Größe und Form angestaunt wird und eine Viertelstunde vom Brunnen nach Moischt zu liegt. Es ist ein großer rechteckiger Stein, mit vielen künstlich angebrachten Vertiefungen. Dazu kommt das bekannte größte altdeutsche Totenfeld in Hessen, unmittelbar am Brunnenbezirk, das sog. Hemmerich. Daran schließen sich nach Moischt zu die Hünengräber an. Es war eine ständige Gewohnheit der Glaubensboten in Deutschland, überall dort christliche Gotteshäuser zu erbauen, wo das Heidentum Spuren zurücklassen konnte. Daher erklärt sich der Ursprung unserer Kreuzkapelle. An der Grenze zwischen Mainzer Land und hessischem Gebiete, am steilabfallendem Berghange, von Buchen und Eichen überschattet, sprudelt eine mächtige Quelle. Ungewöhnliche Heilkräfte schrieb man ihr zu. Schreibt doch noch der alte Winkelmann in 'Hessenlands Beschreibung' I, S. 63: "Dieser Schreckerbrunnen ist der fürnehmste, berühmste und ädelste Brunn Hessenlands. Er quillet an einem sehr lustigen, ganz mit Bäumen bedeckten Ort aus einem Felsen mit angenehmem Gelispel herfür in einen steinern Kumpf. Daher die Fürsten von Hessen vor diesem oftermals Lusten halber daseibsten hingereiset, Mahlzeiten und Banqueten gehalten, bevorab weil es um Diesen Brunnen eine große Menge der wilden Thieren und wohlsingenden Vögel gibt. Es pflegen sich auch die Professores und Studenten oft darselbsten zu ergötzen und zu erlustigen, dahero ich fast sagen dörfte, dass derjenige, der diesen Brunnen nicht gesehen, zu Marburg nicht studiert hätte." Der obgenannte Kaiserliche gekrönte Poet Kirchner recitirte bei einer dort stattgehabten 'fürstlichen Lustgasterei' 1595 seine 50 Hexameter, worin er zum Schlusse besingt, dass ein Hirsch während der Mahlzeit in die Küche gesprungen sei und sich als trefflichen Braten für die fürstlichen Herren dargeboten habe. Zur Jetztzeit kennt man die Heilkräfte des Brunnens nicht mehr. Bekannt ist nur für jede Hausfrau der benachbarten Dörfer, dass farbige Zeuge, "Halstücher" und "Zwickelstrümpfe" in diesem Wasser niemals "die Farbe verlieren". Wäscherinnen sieht man daher stets an sonnigen Tagen in der Nähe des Brunnens. Aus der nahen kleinen Quelle benutzt man noch jetzt das Wasser zum "Waschen der Augen". Möglich, dass auch wegen der Heilquelle zur Zeit der hl. Elisabeth viele Kranke und Arme hierher kamen. Nach der Überlieferung soll die hl. Elisabeth an diesem Brunnen die Kreuzkapelle erbaut haben. So heißt es in der Brunneninschrift: "Sie hat Gott, der Natur, und mir dankbar, ein Kapellchen neben mir erbaut und mich zuerst mit einfachem Bau nach dem Stil jener Zeit ausgeschmückt." - Auch den Steinweg von Marburg über den Lahnberg nach jener Kapelle soll Elisabeth angelegt haben. Nach Justi, 'Leben der hl. Elisabeth', hat die Heilige hier "während ihres Witwenstandes öfter ihre Andacht verrichtet und sich in dieser anmutigen Einsamkeit dem helldüsteren Vergnügen religiöser Gefühle überlassen". [...] Aus: K. Jüngst, Die Kreuzkapelle der heil. Elisabeth am Lahnberg, Fulda 1893. 1 oder auch 'd e r Berg' im Sinne von einem besonderen, einem heiligen Berg. |
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| Die heilige Elisabeth
Mündlich. Eine Stunde von Marburg quillt unter einem zierlichen, von Bäumen beschatteten Gewölbe der 'Schröckerbrunnen', auch 'Elisabether Brunnen' genannt, welcher sehr häufig von Marburg aus besucht wird. Der Sage nach ging die heilige Elisabeth oft dahin, um in der Einsamkeit zu beten und um in dem klaren Wasser des Quells ihr Weißzeug zu waschen wenn es rein gewaschen war, warf sie es nur in die Luft, da blieb es sogleich auf den Sonnenstrahlen hängen. Lange gingen seitdem die Frauen und Mägde aus den nahen Dörfern hierher, um zur Pfingstzeit gleichfalls ihr Weißzeug am Schröckerbrunnen zu waschen, und das taten sie noch vor etwa 50 Jahren, denn ohne Seife wäscht, so sagen sie, das Wasser dieses Brunnens rein. Einmal begegnete der heiligen Elisabeth ein Verbrecher, der zur Richtstätte geführt werden sollte. Einige Leute, die gerade vorüberkamen, bedauerten den Verbrecher; doch Elisabeth sagte: "Er wird es verdient haben." Und alsbald fiel alle ihre Wäsche aus der Luft. Karl Lyncker, Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen. Kassel 1854 |
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