Die Pfingstweide vor Klein-Eichen

Wenn man die Anhöhe herabsteigt, die zwischen Groß- und Klein-Eichen liegt, so hat man eine grasige Niederung vor sich, welche die 'Pfeingstweide' heißt. Nebenan hat früher das Vornwäldchen gestanden und in dieser Gegend sollen anfangs die Leute von Klein-Eichen zuerst angesiedelt gewesen sein, ehe sie neben Lardenbach in den Grund bauten. An diesem Platze ist's nie recht geheuer gewesen. Ehemals stand daselbst ein uralter, unten geborstener Lindenbaum, gerade über einer Quelle, deren Wasser durch den hohlen Stamm sich zuletzt einen Ausweg suchte und mit leisem Gemurmel weiter floss. Aus diesem Born kam immer im Herbst um die Mittagszeit ein grau oder weiß gekleidetes Weibchen hervor, das sah man dann in dem Wässerlein des Tales seine Wäsche halten. Jetzt ist's aber schon gar lange her, seitdem man von diesem Naschweibchen nichts mehr gesehen und gehört hat.

Theodor Bindewald, Oberhessisches Sagenbuch, Frankfurt 1873

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