Die Milseburg um 1910.
Vom Gangolfbrunnen auf der Milseburg in der Rhön

Historische Anmerkungen zur Milseburg:

Sagenhaftes von der Milseburg:


Lithographie der Milseburg um 1850.

Die Lage der Quellen auf der Milseburg. Aus dem Buch von Joachim Jenrich, 'Die Milseburg, Perle der Rhön', Verlag Parzeller, Fulda. Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Die Quellen der Milseburg in vorgeschichtlicher Zeit
Von Joachim Jenrich

Vonderau berichtet Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Quelle zwischen dem Bergfuß im Osten und dem Hauptwall, deren Lage aber in zeitgenössischen Karten nicht verzeichnet ist.

Das Quelleinzugsgebiet der auf der Milseburg entspringenden Quellen ist klein, wodurch die Quellen auch damals schon in niederschlagsarmen Perioden austrocknen konnten. Die Wasseraustritte wurden nicht durch vorgeschichtliche Siedlungsstrukturen überlagert, teilweise wurde der Verlauf der Befestigungsanlagen sogar den Quellstandorten angepasst. Deswegen existierten die Wasseraustritte sicherlich bereits in prähistorischer Zeit.

Im Norden bestand in unmittelbarer Nachbarschaft zur Nordquelle eine Siedlungsstelle ('Dörfchen'), von der die Reste künstlicher Böschungen sowie kleiner Terrassen (Podien), auf denen ehemals die Häuser standen, erhalten geblieben sind. J. Vonderau datierte das Dörfchen aufgrund verschiedener Funde in die ausgehende jüngere Eisenzeit (Spätlatènezeit).

Der Gangolfsborn liegt in einer Höhe von ca. 750 m ü NN, die drei übrigen liegen am Bergfuß im Höhenbereich zwischen 620 und 740 m ü NN.

Im Westen des Plateaus findet sich der Gangolfsborn. Diese Quelle ist in ein ausgedehntes Podienareal eingebettet. Der gesamte Hang ist durch Terrassen stufenförmig aufgegliedert. Die Quelle stellte die einzige Wasserstelle auf der Hochsiedlung dar. Sie war im 19. Jahrhundert mit einer einfachen Holzröhre gefasst. Im Jahr 1892 ersetzte der Rhönklub die Holzröhre durch eine Steinumfassung.

Am südöstlichen Hangfuß der Milseburg liegt der Gänsborn. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft finden sich am nördlich darüber gelegenen Hang ebenfalls Podien für eine Wohnsiedlung. Außerdem wurden durch die Grabungen 2003/2004 westlich des Walles und östlich der Quelle weitere Siedlungsspuren entdeckt. Grabungen und Bohrungen belegen in diesem Areal menschliche Aktivitäten von der ausgehenden Bronzezeit (Urnenfelderkultur, 1200-800 v. Chr.) bis zur jüngeren Eisenzeit. Das Quellwasser tritt am Gänsborn aus und staut sich hangabwärts westlich des Wallversturzes in einer Senke von mindestens 14 m Durchmesser. Sie wird im Osten von einem künstlichen Damm gefasst und hatte so die Funktion eines Wasserspeichers. Darin wurde das ansonsten ungenutzt abfließende Wasser des Gänsborns aufgefangen. Heute versickert es und tritt östlich des Damms und südlich des Walles in einer Nässestelle aus. In welcher Zeit der Damm errichtet wurde, ist bislang unbekannt.

Die Westquelle liegt abseits des eigentlichen Siedlungsbereiches im Nordwesten. Sie wurde separat befestigt.

Im Osten und im Süden finden sich am Fuße des Berges vernässte Areale. Sie sind zum Teil heute noch flächig ausgedehnt und waren zumindest in historischer Zeit kennzeichnend für den gesamten Unterhang im Osten und Süden: Flurnamen wie 'Mooren' belegen die starke Bodenfeuchte am Ostunterhang. Die Bezeichnung 'Erleswiesen' am Südunterhang der Milseburg lässt dort ebenfalls auf vernässte Verhältnisse schließen, da die Erlen hohe Bodenfeuchtigkeit benötigen. Nässestellen entstehen durch eine oberflächennahe Stauschicht oder durch flächige Grundwasseraustritte. Ist der eigentliche Quellaustritt verschüttet, kann das Quellwasser hangabwärts in einer Nässestelle austreten.

Am Südrand des Areals, das von einem zusätzlichen Wall umgeben ist, der an den Hauptwall anschließt (Südannex), wurde schon in früheren Untersuchungen von J. Vonderau eine 160 m lange wasserführende Mulde festgestellt. Sie kann auf einen verschütteten Wasseraustritt hangaufwärts hinweisen.

Die von der Siedlungsgemeinschaft erba uten Umwehrungen der Quellen bezeugen den Besitzanspruch der Bewohner auf diese Wasseraustritte. Die Quellen lagen innerhalb der Siedlungsgrenze, die durch die Wallanlagen markiert war und sicherten das Überleben der Gemeinschaft. Durch die Wallanlagen waren sie vor äußerem Zugriff geschützt.

Die Betrachtung der Quellen mit dem zugehörigen Befestigungsabschnitt ergibt ein vielschichtiges Bild: Der Gangolfsborn liegt am Hochplateau, das, durch natürliche Hänge geschützt, am einfachsten zu verteidigen war. Die Nordquelle und der Gänsborn liegen innerhalb des massiven Hauptwalls, der sich an die Ostseite des Berges anschmiegt und alle Aufgänge und Auffahrten zum Hochplateau schützte. Durch die Errichtung des Hauptwalls war die Milseburg von allen Seiten unzugänglich. Die Erbauung der Wallanlagen um die Westquelle und den Südannex hatte den Zweck, die Quellen zu schützen. Vielleicht wurde die Sicherung der Wasseraustritte zu einem späteren Zeitpunkt nötig. Gründe hierfür könnten in der nachlassenden Wasserschüttung der Quellen liegen. Denkbar ist auch ein gestiegener Verbrauch durch eine angewachsene Bevölkerung in der Siedlung auf der Milseburg.

Es ist anzunehmen, dass die Quellbereiche baulich verändert wurden, zum Beispiel durch Vergrößerung und Überdachung des Wasseraustritts. Die Sauberkeit der Wasserstelle musste gewährleistet sein, indem Vieh durch Zäune ferngehalten wurde. Ähnlich wie am Gänsborn nachgewiesen, ist auch für die anderen Quellen denkbar, dass Sammelbehälter in Quellnähe als Speicher erbaut wurden. Sie könnten, ähnlich dem latènezeitlichen Bassin auf dem Dünsberg bei Gießen, aus Holz gefertigt worden sein. Weiterhin sind Zisternen für die Versorgung der Bewohner auf den Hochlagen der Milseburg denkbar.

Quellen hatten nicht nur für die lebensnotwendige Wasserversorgung der Bevölkerung und des Viehs große Bedeutung. Quellen waren lange Zeit Orte mit starkem emotionalem Bezug, die geachtet, kultisch verehrt und vor Schaden bewahrt wurden. Kirchen, Kapellen und Wallfahrtsorte befinden sich oft an Quellen. Nixen, Nymphen oder Heilige zieren sie mancherorts. Quellwasser wurde und wird als Wunder- und Heilmittel verwendet, gilt als Symbol für Reinheit, Frische, für Lebensursprung und Lebendigkeit. Noch heute werden an einigen Brunnen Opfergaben in Form von Geldstücken gebracht, um Glück zu erbitten.

Sicherlich wurden die Wasseraustritte auf der Milseburg, wie an anderen prähistorischen Kulturstätten, verehrt. Die Quelle symbolisierte den Zugang zur Unterwelt. Gleichzeitig verband das aus der Quelle sprudelnde Wasser die Menschen mit der Überwelt, aus der es als Regen auf die Erde niederging und versickerte. Hinzu kommt die häufige Naturerscheinung, dass das Milseburgplateau von Wolken eingehüllt ist und im Dunst verschwindet. Vielleicht erkannten darin die prähistorischen Menschen eine größere Nähe zur Götterwelt.

Joachim Jenrich, Die Milseburg, Perle der Rhön, Fulda 2005. (Mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

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Reste der keltischen Wohnsiedlung an der Milseburg
Die Entstehung der Milseburg

An dem Platze der jetzigen Milseburg stand früher ein Schloss, das der Teufel einem Riesen aus dem schwarzen Steine gebaut hatte, damit der mächtige Heide das hier eindringende Christentum bekämpfe, was dieser denn auch nach besten Kräften tat. Als aber das Kreuz über das Heidentum und dem Teufel obsiegte und der gewaltige Riese zuletzt selbst unter den Mauern seiner Burg zusammenbrach, da raffte der Teufel diese auf, bedeckte den Leichnam mit den Trümmern der Burg und gab dem Felsengrabe die Form eines Sarges. So entstand die Milseburg.

Ch. Ludwig Wucke, Sagen der mittleren Werra, der angrenzenden Abhänge des Thüringer Waldes, der Vorder- und der Hohen Rhön, sowie aus dem Gebiete der fränkischen Saale, Eisenach 1891

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Vom Gangolfsborn an der Milseburg

Wer von der südwestlichen Seite den Felsenkoloss, die Milseburg, besteigt, trifft über der Mitte des Berges eine starke Quelle: den ‚Gangolfsbrunnen’, dessen Wasser frei von allen fremdartigen Bestandteilen sein soll. Die Sage lässt den kinderlosen Frauen, die zu ihm wallen und sein Wasser trinken, ihre sehnlichsten Wünsche unfehlbar in Erfüllung gehen, während er jungen Mädchen Unheil bringen soll. Über die Entstehung der Quelle berichtet die Sage weiter:

Als sich der heilige Gangolf, der es bei seiner bitterbösen Frau zuletzt nicht mehr aushalten konnte, zu dem Milseburger Hans, dem Einsiedler auf der Milseburg, geflüchtet hatte und sah, dass es diesem in der Nachbarschaft an einem Brunnen mangelte, ging er zurück nach Fulda, wo er vor dem Hutzeltore, in dem derzeitigen Wahlerischen Garten eine besonders gute Quelle wusste, fing diese in seinem Sacktüchlein auf und trug sie in demselben nach der Milseburg, wo sie noch heute unter dem Namen 'Gangolfsborn' lebendig sprudelt. Die Vertiefung, aus der er die Quelle auffing, wird heute noch in dem erwähnten Wahlerischen Garten zu Fulda gezeigt.

Andere erzählen, der heilige Gangolf habe den Brunnen in Fulda gekauft, in einen hölzernen Trog geschöpft und diesen auf seinen Schultern nach der Milseburg getragen.

Noch andere wollen wissen, Gangolfus sei früher ein Reitersmann gewesen und mit einem Trupp Reiter ganz durstlechzend an der Milseburg angelangt und da sie samt ihren Rossen dort vor Durst beinahe umgekommen wären, so hätten sie talwärts nach einer Quelle gesucht und diese gefunden. Der Eigentümer jenes Borns aber, ein habsüchtiger Bauer, habe ihnen das Wasser nicht ohne Geld verabfolgen wollen, worauf denn der Heilige dem Bauer einen Helm voll abgekauft hätte. Aus diesem habe Gangolf seinen und seiner Leute Durst gelöscht, den Rest aber in dem Helme an die Milseburg getragen, hier in eine Vertiefung ausgegossen und den Herrn inständig gebeten, das Wasser zur Labung durstiger Wanderer auf ewige Zeiten als Quelle sprudeln zu lassen und Gott habe das inbrünstige Gebet des Heiligen erhört.

Ch. Ludwig Wucke, Sagen der mittleren Werra, der angrenzenden Abhänge des Thüringer Waldes, der Vorder- und der Hohen Rhön, sowie aus dem Gebiete der fränkischen Saale, Eisenach 1891

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Die Milseburg

Milseburg will so viel sagen als Melusinenberg und hat seinen Namen von der Fee Melusine, der er in uralten Zeiten geweiht war. Noch geht die Sage, dass sich auf diesem Berg häufig eine Jungfrau sehen lasse, deren untere Hälfte eine Schlange ist und die ein rechtes Ungeheuer darstellt.

Alexander Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande, München 1852-1953

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Das Schloss des Riesen Mils

Da wo jetzt die Liebfrauenkapelle auf der Milseburg steht, erhob sich vorzeiten das Schloss des Riesen Mils, der ein arger Heide und ein geschworener Feind alles Christlichen war. Als er sah, wie sich die ganze Gegend zum Kreuz wandte und von den Göttern abfiel, erboste er so sehr, dass er tot am Fuß seiner Burg hinfiel. Der Teufel begrub ihn unter den Trümmern seiner Burg und gab dem Berg Gestalt und Form eines Sarges. Später errichteten die Christen zuerst ein Kreuz, dann die Muttergotteskapelle auf seinem Gipfel.

Johann Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Göttingen 1853

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Vom Milseburger Hannes und dem heiligen Gangolf

Nach einer anderen Erzählung war der Riese, der auf dem Berge wohnte, ein Einsiedler und hieß in der Gegend schlechthin der Milseburger Hannes. Zu ihm flüchtete sich der heilige Gangolf, als er es bei seinem bitterbösen Weibe nicht mehr aushalten konnte. Und der Einsiedler richtete dem Heiligen auch eine Klause her, mit einem kleinen Beetgärtchen daneben. Ebenso war der Milseburger Hannes sogleich willig, dem Heiligen zu helfen, als dieser sich vornahm, hoch oben auf dem Berge dem Herrn eine Kapelle zu bauen. Und hielt auch getreulich Wort. Noch heute erzählen sie um die Milseburg herum: Wenn die beiden zusammen einen schweren Stein oder Balken nach der Höhe getragen hätten und an eine gefährliche Stelle des Weges gekommen wären, hätte der Riese den Gangolf, der ja viel schwächer war, immer gewarnt und gerufen: "Hopp, Gangel, hopp." Die Spuren der Klause und des Beetgärtchens sind noch auf dem Berge zu sehen und auf den Beeten blühen heute noch die schönsten und duftigsten Blumen, ohne durch Menschenhand angesät oder gepflanzt zu sein.

Paul Zaunert, Hessen-Nassauische Sagen, Jena 1929

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Die Milseburg. Foto: Tourist-Information Hofbieber.
Sankt Gangolf und die Milseburg

Die Milseburg ist ein mächtiger Klingsteinberg der Rhön, den man in weiter Ferne mit seiner eigentümlichen Form über seine Nachbarberge emporragen sieht. Diese Form gleicht einem der hochgetürmten Heuwagen, welche im Juni so zahlreich von den grasreichen Flächen des Hochgebirges in die näheren und ferneren Talorte fahren, und heißt deshalb das Heufuder. Er gleicht aber auch einem Sarge und wird darum vom Volk 'die Totenlade' genannt. Gleich anderen Hochgipfeln dient der Berg den Umwohnern als Wetterprophet, und diese sagen stets richtig Regenwetter voraus, wenn die Milseburg raucht oder, nach dem Ausdruck des gemeinen Mannes, Klöße kocht. Viele Heilkräuter und sonstige seltene Pflanzen wachsen auf diesem Berge und viele Sagen gehen von ihm im Munde des Volkes um. Dass aber der Berg eigentlich Melusinenberg heiße, wie einige geschrieben haben, ist ein ersonnen Märlein und ein Diftlerlug; das Rhöngebirge kennt keine Melusine und Melusine war eine Wasserfeine, keine Bergidise oder Waldividie. Da der heilige Gangolfus diesen Berg zum Lieblingsaufenthalt erwählt haben soll, so heißt er auch der Gangolfsberg, und es wurde die auf seiner Höhe stehende kleine Wallfahrtkapelle, welche im Jahre 1493 erbaut sein soll, diesem Heiligen geweiht. Vor langen Zeiten stand auf der Höhe des Berges eine Ritterburg, bewohnt von wilden Raubgesellen, die auf dem von der Natur durch fast unersteigliche Klippen geschirmten Felsenhorst lange ungestraft ihre Untaten zum Schrecken der ganzen Gegend verübten.

Wer diese Burg erbaute, und wann sie zuerst erbaut wurde, weiß niemand zu sagen. Der heilige Gangolf brachte auch einen gar schönen, frischen und heilkräftigen Quellbrunnen auf die Milseburg und es trug sich damit gerade so wunderbarlich zu wie mit dem Grafen Gangolf in Languedoc, sodass die Sage jenes Landes hier am hohen, felsreichen Rhöngebirge ein treu erwiderndes Echo gefunden hat. Auf der Milseburg befindet sich auch des heiligen Gangolfs Keller, aber an welcher Stelle, weiß niemand zu sagen. Er ist voll großer Schätze, aber verwunschen und verschlossen. Keiner weiß ihn zu finden. Einst war eine alte Frau so glücklich, mittels einer Schlüsselblume, die sie zufällig pflückte, diesen Keller zu entdecken. Sie sah ihn plötzlich offen stehen, doch ging sie nicht hinein, denn es kam ihr ein Grauen an und sie ging von dannen, anderen anzusagen, was ihr begegnet war und was sie gesehen hatte. Alle, welche die Mär hörten, verwunderten sich und viele folgten der Alten an den Ort, aber da war der Keller wieder verschwunden, und nimmermehr fand die Alte jene Stelle wieder.

Aber nicht allein auf der Milseburg hat Sankt Gangolf seine geweihten Stätten, zwischen Hildenburg und Oberelsbach liegt der Gangolfsberg mit den Trümmern des Gangolfsklosters unter einer natürlichen Felsengrotte, welche auch der Gangolfsbergkeller heißt. Auch dieses Kloster wurde im Bauernkriege zerstört. Nicht weit davon ist die Teufelskirche oder das steinerne Haus, über dem Dörfchen Ginolfs bei Weißbach gelegen. Es stellt sich hier eine Basaltzertrümmerung in höchst malerisch übereinander aufgehäuften Säulen in großer Regelmäßigkeit des fünf- und sechskantigen Gesteins dar, das bis zu vierzig Fuß hoch aufgestapelt ist. Davon meldet die Sage des Volks: Einst wollte man drunten im Tale eine Kirche erbauen und fuhr fleißig Steine zu dem Bauplatz hin. Darüber erzürnte sich der Teufel mächtiglich und trug jede Nacht ebenso viele Steine vom Platz hinweg und auf diese Berghöhe, wo er sie also neben- und ineinander schichtete, dass man keinen davon hinwegnehmen konnte, und kein Mensch vermochte die Steine wieder herunterzuschaffen. Man spricht insgeheim, dass da, wo der Teufel seinen Stein hinlege, es vergeblich sei, diesen hinwegzunehmen, denn sooft das auch geschehe, ebenso oft lege der Teufel denselben Stein oder einen anderen an die nämliche Stelle.

Wo aber der Teufel sich also eingenistet, dass er, wie hier, sogar eine Kirche hat, da hat er auch, wie auf dem Harz und dem Thüringerwalde, insgemein noch sonstige Besitztümer und Errungenschaften, so auch auf dem Rhöngebirge, von denen manche Sagen gehen.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

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Der St. Gangolfsbrunnen

Der heilige Gangolf belagerte die Milseburg, welche drei Stunden von Fulda entfernt ist. Seinen von Durst ermatteten Kriegern wollte der Bauer, der sich im Tal angesiedelt hatte, nur gegen Bezahlung einen Trunk gestatten. St. Gangolf zahlte, schöpfte seinen Helm voll und ließ die Krieger trinken. Was sie darin ließen, nahm er mit, bis sie an einen ausgehöhlten Stein kamen. Hier hinein goss er den Rest des Wassers und bat Gott, dass er es frisch erhalten möge. Da sprang eine Quelle aus dem Stein, welche als St. Gangolfsbrunnen noch heute weit und breit bekannt ist. Von Stund an aber blieb der Brunnen im Tale aus. Man sagt auch, dass unfruchtbare Frauen, die aus diesem Brunnen trinken, fruchtbar werden.

J. G. Grässle, Sagenbuch des Preußischen Staats, Glogau 1871

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Der St. Gangolfsbrunnen

Frauen, welchen der Kindersegen versagt war, gingen zum Frauhollenteiche, um darin zu baden (s.o. Nr. 19). Auch die Quelle des heiligen Gangolf an der Milseburg, drei Stunden von Fulda, machte die Frauen fruchtbar, welche daraus tranken.

Karl Lyncker. Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen, Kassel 1854

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Die Quelle auf der Milseburg

Wie die Quelle auf der Milseburg entstanden ist, davon gibt es noch eine andere Sage. Dem heiligen Gangolf lag es sehr in dem Sinn, dass für die Pilger und Bittfahrer, die auf den heiligen Berg kamen, ein Brunnen mangelte. Eines Tages kam er nach Fulda und sah dort in dem Garten eines Bürgers einen trefflichen Brunnen springen, der hätte ihm gut für seine Milseburg getaugt. Er ging zu dem Manne, dem der Garten gehörte und fragte, was der Brunnen kosten solle. Der Fuldaer dachte bei sich: "Den Brunnen willst du ihm wohl verkaufen, aber nicht den Platz", forderte also einen leidlichen Preis für den Brunnen und der gute Heilige zahlte, was er verlangte und sprach: "Nun ist der Brunnen mein!" - "Ja, der Brunnen ist dein", sagte der Bürger höhnisch, "aber der Platz, worauf er springt, bleibt mein, den habe ich dir nicht mitverkauft", und meinte Wunder wie er den Gangolf angeführt hätte. Doch der heilige Mann ging hin und kaufte sich einen Kasten oder Trog von Holz, den ließ er volllaufen von dem Wasser des Brunnens und sowie der Kasten voll war, hörte der Brunnen auf zu fließen zum großen Schrecken des Bürgers. Der Heilige aber, ohne weiter den Mann eines Wortes zu würdigen, trug den Kasten zur Milseburg hinauf und goss ihn eine gute Strecke unterhalb des Gipfels aus. (Andere erzählen, er habe das Wasser vor dem Hutzeltor zu Fulda aus dem derzeitigen Wahlerischen Garten in seinem Sacktüchlein geholt.) Da entstand alsbald jener kühle und erquickende Brunnen, der unversiegbar ist und vom Volke als Heilbrunnen verehrt wird; besonders soll er die Frauen fruchtbar machen, die davon trinken. Das Wasser soll sich, wenn man es wohlverschlossen aufbewahrt, jahrelang frisch erhalten, auch heilkräftig für die Augen sein.

Paul Zaunert, Hessen-Nassauische Sagen, Jena 1929

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Die Milseburg. Foto: Tourist-Information Hofbieber.
St. Gangolfsbrunnen

Auf der Milseburg stand vor sehr langer Zeit ein Schloss, welches einmal von einer Schar von Kriegern, geführt vom heiligen Gangolf, belagert wurde. Eines Tages litten die Krieger großen Durst, denn es war sehr heiß. Sie suchten deshalb einen Brunnen auf, welcher unter der Milseburg hervorsprudelte; der Bauer aber, der dort wohnte, verlangte, dass sie ihm den Trunk bezahlten. Da schöpfte St. Gangolf seinen Helm voll, zahlte dem Bauern, was er verlangte und ließ die Kriegsleute trinken. Den Rest, der im Helme zurückblieb, nahm er mit, um ihn in einen ausgehöhlten Stein zu gießen. Nachdem er dies getan, bat er Gott, dass er das Wasser für spätere Not ihnen erhalten möge. Alsbald sprang ein klarer lebendiger Quell aus dem Steine, während gleichzeitig der Brunnen im Tale zu fließen aufhörte.

Karl Lyncker. Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen, Kassel 1854

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Der Brunnen des hl. Gangolfus

Der heilige Gangolfus hatte die Milseburg zum Lieblingsort seiner Verehrung ausersehen und es war sein Wunsch und Wille, dass viele Menschen auf den geheiligten Berggipfel wallfahrten sollten, daher schien es nötig, dass zur Labe der frommen Pilger und Bittgänger mindestens ein Brunnen am Berge fließe. Da kam nun eines Tages der Heilige nach Fulda und sah da in dem Garten eines Bürgers einen überaus frischen und klaren Brunnenquell springen, den er für geeignet hielt, auf der Milseburg zu fließen. So trat er denn zu dem Eigentümer des Gartens und redete ihn an mit der Frage, was der Brunnen kosten solle. Der Bürger zu Fulda war ein Schalk; er lachte innerlich über diese Frage und dachte bei sich selbst: "Den Brunnen willst du ihm wohl verkaufen, aber nicht den Platz!", forderte daher einen leidlichen Preis für den Brunnen, und der gute Heilige zahlte, was jener forderte, und sprach: "Nun ist der Brunnen mein!" - "Ja, der Brunnen ist dein", antwortete der Bürger höhnisch, "aber der Platz, darauf er quillt, ist mein und bleibt mein, den habe ich dir nicht verkauft." Meinte Wunder wie er den Gangolfus angeführt habe. Doch der heilige Mann ging hin und kaufte sich einen Kasten von Holz, den ließ er voll von dem Wasser des Brunnens laufen und so wie der Kasten voll Wasser war, so hörte der Brunnen auf zu fließen, zu des Bürgers großem Schrecken. Ohne diesen weiter eines Wortes zu würdigen, trug der Heilige seinen Kasten auf die Milseburg und goss ihn eine gute Strecke unterhalb des Gipfels aus. Da entstand alsbald jener kühle, klare und erquickende Brunnen, der unversiegbar und weit und breit in der ganzen Gegend berühmt ist und bis auf den heutigen Tag der Gangolfsbrunnen heißt. Er wird als ein Heilbrunnen vom Volke verehrt, sein Wasser soll sich wohlverstopft jahrelang frisch und gut erhalten und besonders heilsam für die Augen sein, aber auch noch die Eigenschaft haben, unfruchtbaren Frauen zu Kindersegen zu verhelfen.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

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Die alte Kapelle auf der Milseburg. Nach einem Gemälde von R. Schmiegelow, um 1910.
Der Gangolfsbrunnen

Von J. N. Vogl. - Sage der Milseburg; ob sie auch in Burgund heimisch ist, das unser Dichter nennt, ist mir unbekannt. Nach Campanien versetzt sie Jac. a. Voragine leg. aur., c. 204.

Des langen Weges müde,
Im heißen Sonnenbrand,
Der heil'ge Gangolf wandert
Durchs ferne Heidenland.

Wie brennen die Sandalen
So schmerzlich ihm am Fuß,
Der Glühwind von der Wüste
Haucht seinen Feuergruß,

Am Gaumen klebt die Zunge,
Und jeder Nerv erschlafft,
Sich aufrecht zu erhalten
Hat kaum er noch die Kraft.

Da sieht er todesmüde
Mit einmal einen Quell
Aus einer Felswand sprudeln
Wie Silber rein und hell.

Und zu der Stelle schleppt er
Sich hin mit neuem Mut
Und schöpft vom kühlen Brunnen
Mit seinem Pilgerhut.

Und schlürft und schlürft, als gäbe
Der Quell den besten Wein,
Und schlürfet Mut und Stärke
Aufs Neu' in sich hinein.

Da tritt aus naher Höhle,
Die er erst jetzt erblickt,
Zu ihm ein finstrer Heide,
Der höhn'schen Gruß ihm nickt.

"Behagt dir so die Quelle",
Spricht der, "in Javas Sand,
So kauf sie dir, und bringe
Sie heim ins Christenland.

Ihr sprecht ja doch, des Glaubens
Bedürf's ein Körnlein bloß,
Um Berge zu versetzen
Von ihrem Mutterschoß."

"So ist es", spricht der Pilger,
"Ob ihr es gleich verlacht,
Allmächtig ist der Glaube,
Allmächtig Gottes Macht.

Drum nenn den Preis der Quelle,
Ich geh' den Handel ein;
Was soll ich dir bezahlen?
Sag an, damit sie mein." -

"So meinst du's, Tor, im Ernste",
Der Heide drauf; "wohlan,
Gib hundert Silberheller,
Und nimm die Quelle dann.

Doch kommst du heim, so ziehe
Die Stirne nicht zu kraus,
Im Fall nicht wohlbehalten
Den Kauf du bringst nach Haus!"

Allein des Hohnes achtet
Der fromme Pilger nicht
Und reicht ihm dar die Summe
Mit ernstem Angesicht.

Drauf zieht er wieder weiter
Des Weges nach Burgund,
Von manchem Spott begleitet
Noch aus des Heiden Mund,

Und zieht wohl manche Monde,
Durchschiffet Meer und Fluss,
Bis in die ferne Heimat
Ihn wieder bringt sein Fuß.

Doch wie er nun erreichet
Sein Haus, von Moos bedeckt,
Da steht der fromme Pilger
Mit einmal froh erschreckt.

Denn seinen Glauben sieht er
Verwirklicht nun zur Stell':
Zunächst dem Hause sprudelt
Ein lustig frischer Quell.

Der sprang mit einem Male
Dort aus des Berges Wand,
Zu selber Zeit, als jener
Versiegt in Javas Sand.

Alexander Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande, München 1852-1953

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Ludwig Bechstein kennt die Gangolf-Sage ebenfalls aus dem französischen Languedoc:

Gangolfs Brunnen

Im Lande Languedoc war ein Graf, Gangolf mit Namen, der zog gegen die Sarazenen und Vandalen und kam in Welschland auf ein Brachfeld, wo ein klarer Brunnen sprang. Dort ließ er sich nieder und ließ Gezelte schlagen und trank mit all seinen Wappnern aus dem Brunnen und ließ auch die Tiere tränken. Da kam des Feldes Eigentümer daher und schalt und sagte, das sei nicht des Landes Gewohnheit und Sitte, den Leuten das Gras zu vertreten und sich ungefragt niederzulassen und Menschen und Vieh aus fremden Brunnen zu tränken. Darauf sprach Gangolf sanftmütig und freundlich also: "Es tut mir leid, mein guter Herr, dass es geschehen, doch zürnet nicht allzu sehr. Wenn es Euch genehm, so kaufe ich Euch den Brunnen ab." - Das, meinte jener Mann, sei ein Wort, das sich hören ließe und lachte in seinem Herzen als ein Schalk, indem er meinte, den Brunnen möge der Fremde immerhin kaufen, wenn nur der Platz sein bliebe, auf dem er quelle. Und heischte des Geldes nicht allzu viel und Gangolf zahlte es und hob sich hinweg mit den Seinen, nachdem er seinen Stab in den Quell eine Weile gestellt hatte.

Da nun Gangolf wieder in seine Heimat nach der Grafschaft Burgund kam, stieß er seinen Stab in seinem Hof in den eigenen Grund und Boden, da sprang alsbald ein heller, wasserreicher Quell, und jener Brunnen den Gangolf im welschen Lande gekauft, versiegte auf immerdar.

Diese burgundische Sage würde nicht unter den deutschen Sagen dieses Buches stehen, wenn sich nicht von ihr ein auffallender Widerhall, sogar bis auf den Namen, im östlichen Frankenlande fände.

Am Felsenberge Milseburg im Rhöngebirge springt der von allem Volke wertgehaltene Gangolfsbrunnen. Da war ein Heiliger, Gangolf geheißen, der liebte diesen Berggipfel wegen seiner Einsamkeit und kam hinab nach Fulda, die uralte Bischofstadt und fand bei einem Bürger einen klaren Brunnen, kaufte den dem Bürger ab und derselbe meinte, Wunder wie er den frommen Mann überlistet; "denn", dachte er, "der Brunnen mag immerhin sein Eigen sein, mein bleibt doch der Platz, wo er quillt." Aber St. Gangolf ließ sich einen kleinen hölzernen Brunnenkasten machen, füllte den mit Wasser aus dem Brunnen, trug ihn eigenhändig auf die Milseburg, stellte dort den Kasten hin und durchstieß mit seinem Stabe den Boden. Siehe, da quoll das Wasser fort und fort von unten herauf in den Kasten, dass dieser überfloss, der Brunnen des Bürgers drunten in Fulda aber versiegte. Der Gangolfsbrunnen aber quillt noch unversiegbar fort bis auf den heutigen Tag, sein Wasser, wohlverstopft, soll sich jahrelang frisch erhalten, auch die sondere Tugend haben, für Frauen ein Kindleinsbrunnen werden zu können.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

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Die Danzwiese heute. Foto: Tourist-Information Hofbieber.
Die Tanzwiese

Am Fuß der Milseburg liegt eine Wiese, auf welcher einst in gewissen Nächten die Hexen ihre Tänze und ihre Mahle hielten. Ein Ritter von einer nahen Burg wurde von ihnen zu dem Tanz verlockt und er fand so große Wonne daran, dass es seitdem ihn jeden Abend zu ihnen zog, wo er sich dann ganz der Lust überließ. Seiner Frau fielen bald diese heimlichen Gänge auf, sie schlich ihm nach und kam mit ihm zugleich an. Als sie sich mit im Tanz drehte, trat er zu ihr, ohne dass er sie erkannt hätte, fasste sie und raste in tollem Wirbel mit ihr umher. Dann sprach er seufzend: "Wie viel wollte ich darum geben, wenn ich dich, Schönste, für immer besitzen könnte!" Da sprach sie mit fröhlichem Blick: "So schau mich doch recht an; hast du mich nicht für immer und bin ich nicht ganz dein Eigen?" Da wurde des Ritters Auge klar und er sah voll Beschämung sein Weib vor sich. Seitdem ging er nie mehr zum Tanz der Hexen und blieb ihr treu bis in den Tod.

Johann Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Göttingen 1853

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Die alte Kapelle auf der Milseburg um 1906. Die Außenkanzel macht deutlich, dass das kleine Kirchlein an diesem alten Kultort vor allem der Heidenmissionierung diente. Den Altgläubigen war eine Gottesverehrung in geschlossenen Gebäuden fremd. So konnte der Priester im Freien predigen.
Von einem frommen Einsiedel auf der Milseburg

Bechstein S. 84.

Auf der Milseburg lebte vor langen Jahren ein frommer Einsiedel mit Namen Johannes. Das Volk, das häufig zu ihm auf den Berg kam, um seinen Segen wie seinen guten Rat und heilsame Kräuter von ihm zu empfangen, nannte ihn nur den Milsehans. Er war es, der zuerst auf dem einsamen Gipfel des Berges aus rauen Steinen und Felstrümmern eine kleine Kapelle baute. Mühsam trug er die schweren Steine zusammen und rief dabei oft den Beistand des heiligen Gangolf an. Wenn ein Block ihm zu schwer war, dann rief er munter: „Hopp! Gangolf! Hopp!“, und da hopste und hüpfte der Stein von selbst empor. Nahe am Brunnen des heiligen Gangolfs hatte der Eremit seine Zelle erbaut. Als die kleine Steinkapelle fertig war, beschloss der Einsiedler, auch ein mächtig hohes Kreuz auf der Milseburg zu errichten, ließ das in Fulda zimmern und den steilen Berg hinauffahren. Vierundzwanzig Stiere zogen den Wagen mit dem schweren Kruzifix. Als dieses auf der Höhe ankam, offenbarte sich ein großes Wunder. Schon am Fuß der Milseburg war, ohne dass es von jemand bemerkt worden wäre, der Felgnagel verloren gegangen und erst oben wurde man gewahr, dass er fehlte. Und dennoch hatte der Wagen mit dem schweren Kreuz auf den Berg gefahren werden können. Solches Wunder tat der heilige Gangolfus dem frommen Waldbruder zu Liebe und Dank, damit das Kruzifix durch den Fall nicht Schaden leide und unversehrt von der geweihten Höhe als ein Gnadenzeichen emporrage. Und als die Kapelle fertig und das Kreuz errichtet war, ist der fromme Einsiedel auf dem Berge gestorben. Niemand weiß sein Grab.

Alexander Schöppner, Sagenbuch der Bayerischen Lande, München 1852-1953

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Teufelsbauten im Rhöngebirge

Als der Teufel sah, dass man auf der Milseburg eine Kirche baute, verhieß er einem Bewohner der Gegend, auf einem Nachbarberg ein Wirtshaus zu erbauen und dieser gelobte ihm sich und seine Seele, wenn er das Wirtshaus nur einen Tag eher vollende als die Kirche. Da aber beim Bau des Milseburgkirchleins der heilige Gangolfus selbst behilflich war und auf dessen Gebet die Steine sich schneller fügten wie auf des Teufels Flüche, so wurde das Kirchlein fertig, eben als der Teufel mit dem letzten Stein durch die Lüfte geflogen kam. Kaum sah er, dass er seine Wette und obendrein eine Seele verloren hatte, so schleuderte er den mächtigen Felsstein auf das Wirtshaus herab und zertrümmerte seinen ganzen Bau, der noch also zu sehen ist. Die Felsen liegen übereinander her wie gespaltene Eichstämme in einem Holzhaufen.

Der Teufelswand, auch Steinwand, wird ähnlicher Ursprung zugeschrieben. An ihr stehen Säulen von Basalt achtzig bis neunzig Fuß hoch senkrecht empor, und sie gleicht einer großen alten Mauer. Dort finden sich auch die Teufelskanzel und seiner Großmutter Milchkammer, Felsenbildungen eigentümlicher Form und ungeheuere Trümmermassen, mit basaltischem Gerölle durchmischt, verkündigen die unheimliche Einöde, in deren Schoße die Tradition gern den einst so fest geglaubten Feind des Menschengeschlechts heimisch sein lässt.

Eine Stunde von Bischofsheim liegt in einer schauerlichen Gebirgsschlucht an einem Bergbach, der sich zwischen dem Holzberg und Bauernberge über eine achtzig Fuß hohe Felswand als Kaskade herabstürzt und das Schwarzbacher Wasser bildet, ein mehrere Schuh tiefes Felsenbecken, die Teufelsmühle. In demselben werden oft große Steine bei angeschwollener Flut malmend und unter wildem Strudeln und Wirbeln umgetrieben. Man will bei Gewittern oft einen schwarzen, riesenhaft gebauten Mann geschäftig die Felswand auf- und abklimmen und in wilden Sprüngen um seine Mühle rennend gesehen haben.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

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Gangolfskeller

Bechstein S. 82.

Auf der Milseburg befindet sich auch des heiligen Gangolfs Keller, aber an welcher Stelle, weiß niemand zu sagen. Er ist voll großer Schätze, aber verwunschen und verschlossen. Keiner weiß ihn zu finden. Einst war eine alte Frau so glücklich, mittels einer Schlüsselblume, die sie zufällig pflückte, diesen Keller zu entdecken. Sie sah ihn plötzlich offen stehen, doch ging sie nicht hinein, denn es kam ihr ein Grauen an und sie ging von dannen, anderen anzusagen, was ihr begegnet war und was sie gesehen hatte. Alle, welche die Mär hörten, verwunderten sich und viele folgten der Alten an den Ort, aber da war der Keller wieder verschwunden und nimmermehr fand die Alte jene Stelle wieder.

Alexander Schöppner, Bayrische Sagen, München 1852

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Muttergottesbild am Fels

Wenn man unten von der Tanzwiese und dem Hof, der denselben Namen führt, zu den schroffen und steilen Felsklippen der Milseburg emporsteigt, wo seltene Blumen und Kräuter wachsen, so führt ein schmaler und steiniger Pfad zum Gipfel, welcher Pfad der Kirchweg heißt. Dem Wanderer zur Linken steht auf diesem Pfade, ganz nahe dem Weg, frank und frei auf einem Felsblock ein kleines, farbig angemaltes steinernes Muttergottesbild, den Heiland im Schoß und mit Perlen und Kränzen von frommen Händen geschmückt, aber allem Ungestüm der Witterung auf dieser rauen Höhe ausgesetzt. Einst gedachten einige Gläubige, dieses Bild besser zu schützen, damit es nicht Schaden leide vom Sturm und Wetter und wölbten nur wenige Schritte von der Stelle, wo das Bild stand, aber zur rechten Hand des Felsenpfades, eine schützende Nische. In diese trugen sie mit Andacht das kleine Bildnis. Allein am anderen Tage, als sie nachsahen, stand es wieder an seiner vorigen Stelle. Dies geschah dreimal nacheinander; dreimal wurde das Bild in die Nische getragen, dreimal kehrte es auf den vorigen Stand zurück. Da ließ man dasselbe ferner unangetastet. Das Bild ist noch gar nicht so alt; es ist an seinem Fuße die Jahreszahl 1664 nebst dem Namen GEORG STEPLING zu lesen. Mächtig schützt der Segen der göttlichen Jungfrau den Ort und die Waller zur Höhe. Obgleich an gewissen heiligen Tagen Tausende diese steilen und zerklüfteten Klippen und Schluchten besteigen und beklettern, noch von keinem hat man gehört, dass er einen gefährlichen Fall getan und an seinem Leibe zu Schaden gekommen sei. Und noch heute sitzt die gute Jesusmutter am Felsenwege zur Kapelle unter einem kleinen Schirmdache frei und offen da, und noch nie ist von ihrem Schmuck auch nur das Mindeste entwendet worden.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

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Das 'Bubenbad' in der Nähe der Milseburg

In südöstlicher Richtung von der Milseburg lag einer jener malerischen Rhönhöfe, welcher besonders durch den wildschönen Bubenbader Stein bekannt ist. Der Name dieses Gasthofes soll, der Sage nach, von dem hinter der dortigen Scheune gelegenen kleinen Weiher herrühren, in welchem sich die Milseburger Ritter oder deren Trossbuben zu baden pflegten.

Eine andere, weniger bekannte Sage gibt die Entstehung des Namens wie folgt: In einer der Rhönburgen, unfern des Bubenbades, lebte einmal ein Ritter mit seiner jungen Gattin lange Jahre hindurch nicht in der besten Ehe. Der Ritter sehnte sich nämlich nach einem männlichen Nachkommen und sah sich in seinen Hoffnungen schon sechsmal enttäuscht, da ihm seine Gemahlin statt eines frischen Buben jedes Mal ein Mädchen überreicht hatte. Der Verdruss des Ritters darüber war von Jahr zu Jahr gestiegen und die arme unschuldige Frau hatte viel zu leiden und geriet in noch größere Angst und Not, als sie ihrer siebten Entbindung entgegensah. Sie wallte daher, so oft sie nur konnte, nach einer nahen Waldkapelle, um hier Gott und die heilige Jungfrau zu bitten, dass sie diesmal eines Buben genesen möchte. So lag sie denn eines Tages wieder inbrünstig auf den Knien, als der armen Frau plötzlich die Sinne schwanden. Wieder zu sich gekommen, wäre sie beinahe aufs Neue, und zwar vor Schrecken und Angst, in Ohnmacht gefallen, denn sie entdeckte, dass sie hier eines siebten Töchterleins genesen sei. Mit schwerem Herzen schlich die Rittersfrau jetzt an den nahe bei der Kapelle sprudelnden Born und badete und taufte das Unglückskind. Ganz erschöpft betrat sie mit dem neugeborenen Kinde die Burg und legte es hier dem ihr zufällig entgegenkommenden Gemahl mit flehendem Blick und den Worten "Nimm mir die Kleine ab!" in die Arme. Der Ritter sah finster bald auf die Mutter, bald auf das Kind. Da auf einmal leuchtete sein Auge vor Freude und jubelnd rief er: "Ha, wo bringst du mir den prächtigen Buben her?" Fast entsetzt stand die Burgfrau ihrem Gemahl bei dieser Frage gegenüber. Das Mägdlein war durch das Bad in dem gefeiten Borne bei der Waldkapelle, ohne dass es die Mutter entdeckt hatte, durch ein Wunder in einen prächtigen Knaben verwandelt worden.

Ch. Ludwig Wucke, Sagen der mittleren Werra, der angrenzenden Abhänge des Thüringer Waldes, der Vorder- und der Hohen Rhön, sowie aus dem Gebiete der fränkischen Saale, Eisenach 1891

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Auch wenn diese Sage nur am Rande mit der Milseburg zusammenhängt, sollte sie in dieser Zusammenstellung nicht fehlen:

Der heilige Gangolf und sein Weib

Von dem bösen Weib des heiligen Gangolf erzählt man in der Rhöngegend noch eine derbe Geschichte: Als er vor ihrem unaufhörlichen Schimpfen und Zanken auch nicht eine Minute mehr Ruhe hatte, warf er sich auf die Knie und bat den lieben Gott inständig um Abhilfe, damit er doch wenigstens einen Tag in der Woche ungestört sein Gebet tun und seinen sonstigen Gottesdienst verrichten könne. Und der liebe Herrgott erhörte ihn und versprach, dem Schmähen und Zanken seiner Frau jeden Freitag Einhalt zu tun. Schon am nächsten Freitag, als das böse Weib wie gewöhnlich mit Zanken und Schimpfen über den armen Heiligen herfallen wollte, begann ihr Breitteil eine so heftige und laute Kanonade, dass sie vor dem Krachen und Donnern der Windbüchse ihr eigenes Geschrei und Gekeife nicht mehr vernahm und sich wütend vor Scham und Verdruss zurückziehen musste. Am nächsten und den darauf folgenden Freitagen ging es wieder so. Da sah denn das böse Weib ein, dass es für sie am besten sei, wenn sie an diesem Tag ihren Mann gänzlich mied. So bekam der Heilige endlich wenigstens am Freitag Ruhe.

Paul Zaunert, Hessen-Nassauische Sagen, Jena 1929

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Wasser ist mehr als H2O!

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