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Der Fettborn zu Meiches Wer kennt nicht die Meicheser Totenkirche? Sie liegt einsam auf der Höhe über dem Orte und wenn man an das Erzählen kommt, könnte man von ihr ein ganzes Reff voll erzählen, dass einem das Maul nicht still stünde. Vor ihr im Freien steht der alte heilige Taufstein, der ist jetzt zerborsten, seitdem einmal, Mutwillen halber, die Heidenleute (Zigeuner) bei nächtlicher Weile darin Feuer angezündet haben. Ehedem sammelte sich darin Regenwasser, das war allezeit heilkräftig gegen die Augenkrankheiten und die Alten haben es hehlings gar dick oben geholt. Seit selbiger Zeit aber ist seine Wunderkraft auf den Fettborn übergegangen, der im Grunde unter der Totenkirche springt und er ist um deswillen "erüm und die düm" hoch berühmt. Nun war auch einmal ein Mann dort gewesen und hatte aus der Quelle sich ein Glas voll gefüllt und dasselbe dann unter sein Wams gesteckt. Auf dem Rückweg, denn es wurde damals Heu gemacht, begegnete ihm einer mit der Sense auf dem Buckel, der sprach mit Spott zu ihm: "Nun, warst Du auch über dem Born?" Da schämte er sich, dass jener ihn für abergläubisch und nicht für aufgeklärt hielt und sagte mit saurem Gesichte: "Ich will's nur gestehen, ja, ich hab auch ein Glas voll von dem schlechten Wasser mitgenommen!" Wie er aber das Wort "schlecht" aussprach, zersprang ihm von selber klirrend das Glas unter dem Wams und das Wasser lief ihm kalt über den ganzen Leib hinab bis in die Stiefel. Man sieht, das Gute soll man nicht verachten vor bösen Menschen! Theodor Bindewald, Oberhessisches Sagenbuch, Frankfurt 1873 |
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