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![]() Hessische Kinder in Tracht vor dem Dorfbrunnen, um 1900. |
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Woher die Kinder in Hessen kommen
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Kinderbrunnen
Mündlich. In Eberstadt holt die Hebamme das Kind aus dem Brunnenkellerchen, welches ganz voll von Kindern ist. Es bringt aus demselben stets Zucker oder andere Näschereien mit, welche unter die Kinder in der Nachbarschaft verteilt werden. Auch holt man da und in Jugenheim die Mädchen in Rosenblättchen, die Buben in wilden Dornrosen. J. W. Wolf, Hessische Sagen, Leipzig 1853 |
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![]() Hessische Mädchen in Tracht am Dorfbrunnen um 1900. |
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Weitere Kinderbrunnen in Hessen
Mündlich. Im Bettengrund, nahe bei der Schießenburg (zwischen Gelnhaar und Bergheim in Oberhessen) liegt der Schwarzenborn, nicht weit davon der Erlenborn und der Königsborn. Im Ersteren holen die Frauen aus Gelnhaar die Kinder. Andere sagen, aus dem Schwarzenborn kämen nur die Knaben, die Mädchen hingegen aus dem Kästenborn, der gegenüber auf dem Betten entspringt. Die Reichelsheimer Kinder kommen aus dem Ratzenbrunnen, der dem Reichenberger Schloss das Wasser liefert. In Jugenheim holt man sie aus dem Brünnchen im Balkhäuser Tal, worin sie bei der Mutter Gottes und dem heiligen Johannes sitzen, welche mit ihnen spielen. Bei Darmstadt, nach Reinheim zu, liegen die drei Brunnen, auch Milchbrunnen und Kinderbrunnen genannt; daraus stammen alle Darmstädter. Der Bensheimer Kinderbrunnen liegt in der Hasengasse und ist ein uralter Ziehbrunnen. Wenn eine Frau gern ein Kind hätte, lässt sie nur den Eimer herab und es wird ihr drunten hineingelegt. Ein Nachtrag: Herr Pfarrer Oeser in Lindheim (Oberhessen) hat soeben die Güte, mir noch die folgenden schätzbaren Mitteilungen zu machen: "In allen Dörfern meiner Umgebung ist der Ort, woher die Kinder kommen, ein Brünnlein. In vielen heißt er kurzweg der Kindsbrunnen und wird unter den vorhandenen Quellen in dem Ort oder um denselben namentlich gezeigt; in einigen ist er nur eine objektlose Sage. In Lindheim heißt er der Herrnbrunnen, in Glauberg der Riedbrunnen, in Hainchen der Goldbrunnen (vgl. 207) auf der Pfingstweide, die anderen Dörfer führen nur die Namen Feld-, Wald-, Rainbrunnen. Überall bringt das Kindchen etwas mit, meistens Zucker oder Weck, auch Kuchen und Guts. Bei uns in Lindheim hat das Kind ein Säckchen anhängen und trägt das Gute darin. In Bernsburg bei Alsfeld heißt das Brünnchen Stichelsbörnchen und die Kinder bringen Zucker mit, in Londorf (Rabenau) Klingelbörnchen." Bedeutsam ist von diesen Brunnennamen der des Goldbrunnens auf der Pfingstweide, welcher auf alte Heiligkeit deutet, denn Gold ist das göttliche Metall. Herr Pfarrer Oeser verspricht, die Sammlung der Namen solcher Kinderbrunnen fortzusetzen und bemerkt sehr richtig: "Es wäre interessant, die Namen der Feldbrunnen im Allgemeinen einmal zusammenzustellen; wir haben sogar einen der s. v. der Farzborn heißt", wahrscheinlich von dem Ton, den das der Erde entspringende Wasser von sich gibt, oder gar von seinem Geruch? Eine solche Sammlung würde unserer Altertumskunde vielfaches Licht bringen und ich bitte alle, denen es möglich ist, für sie zu wirken, sich die Sache recht angelegen sein zu lassen. Sonderbarerweise bittet ein Graf von Assenstein seinen in den Schlossbrunnen gebannten Ahnherrn um Nachkommenschaft. (Pröhle aus dem Harz S. 93) Muss das nicht die Ahnfrau heißen? J. W. Wolf, Hessische Sagen, Leipzig 1853 |
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![]() Mädchen in hessischer Tracht am Brunnen Wasser holend. Um 1900. |
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Kinderbrunnen in Hessen Bei Wolfhagen liegt ein Flurbezirk, 'zu Todenhausen' genannt, rund um eine schöne klare Quelle. Vor langer Zeit stand hier ein Dorf Todenhausen, das durch Feuer zerstört worden sein soll; als die Flammen auch den Kirchturm ergriffen hatten, fiel die Glocke hinab in den Brunnen und versank. Seitdem heißt er 'Glockenborn'. Das Merkwürdigste an diesem Brunnen ist aber, dass unter der Wolfhager Jugend das Märchen geht, die neugeborenen Kinder stammten aus demselben und wer ein Brüderchen oder Schwesterchen haben wolle, müsse zum Glockenborn gehen und sich eines bestellen. Dass die neugeborenen Kinder aus einem Brunnen oder Teiche hervorgehen, hört man überall in Hessen. In Kassel wird der Druselteich genannt, in Waldau der Fackelteich, in Wolfsanger der Osterborn, am Weißner ist es der Frauhollenteich, in Marburg der durch die Legenden der heiligen Elisabeth bekannte Schröcker Brunnen, in Kirchhain der Klingelborn, in Fulda das Stättebrünnchen und der Bonifaziusbrunnen, in Ermschwerd der Assemannsborn, in Wettesingen der Neuborn, in Rhöda ein bei diesem Dorfe liegender Teich, in Grebenstein der Kressenborn, in Oberrieden der Schnellersborn, in Friemen der Buchborn, in Witzenhausen der Taubenborn, dessen Wasser nie gefriert und die Gelster offen hält, in Wolfershausen der Weiberborn, in Felsberg das Kinderbörnchen in der Katzbach, in Gudensberg der Buchborn, welcher diese Stadt mit Trinkwasser versorgt, in Ziegenhain das Bärbörnchen bei Treyßa, in Rodenberg der dortige Stahlbrunnen, der 'kleine Born' genannt. In Ottrau heißt es, die Kinder kommen aus dem Milchborn, ohne dass ein bestimmter Brunnen hierunter gedacht ist; anderwärts, z.B. in Treis a. d. Lumbde, gilt immer der dem Hause zunächst liegende Brunnen für den Kinderbrunnen. Karl Lyncker, Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen, Kassel 1854 |
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Der Storch
Dieser merkwürdige Vogel, welcher schon in der Kinderwelt eine so wichtige und geheimnisvolle Rolle spielt, indem er die neugeborenen Kinder aus dem Brunnen (s. oben) holt, nistet in Niederhessen hin und wieder an der Schwalm, von Rotenburg aufwärts an der Fulda, auch im Kreise Eschwege an der Werra. Man legt ihm ein Wagenrad auf das Dach oder setzt ein Balkengestell auf den Giebel des Hauses, worauf er bequem sein Nest bauen kann. Dafür wirft er jedes Jahr ein Ei aus dem Neste und der Landmann sieht das als ein Zeichen seiner Erkenntlichkeit an. Der Storch bringt Glück und Segen. Ein Haus, auf welchem er nistet, ist gegen den Blitz gesichert und der Eigentümer brauchte vormals auch keine Kontribution davon zu zahlen. Karl Lyncker, Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen, Kassel 1854 |
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