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Der Bonifaziusbrunnen bei Horas
Bonifazius befand sich einst nahe bei Fulda in der Gegend, wo jetzt Horas steht. Über seinen andächtigen Betrachtungen kam die Mittagszeit heran; die Sonne warf sengende Strahlen zur Erde und den heiligen Mann dürstete es sehr. Da nirgends in der Nähe ein Brunnen zu entdecken war, so musste Bonifazius eine Strecke gehen, um zu einem Bache zu gelangen. Ermattet griff er nach seinem Stabe, den er neben sich in die Erde gestoßen hatte, um, auf ihn gestützt, den Weg zum nächsten Bächlein einzuschlagen. Doch wie er den Stab aus der Erde zog, sprang ein silberner Quell aus der Öffnung hervor. Bonifazius beugte sich nieder mit frommem Danke, netzte sein heißes Antlitz und trank aus dem herrlichen Brunnen, der seitdem Bonifaziusbrunnen genannt wird und noch jetzt den Bewohnern der Umgegend labenden Trank spendet. - Der Kinderglaube in Fulda lässt auch die neugebornen Kinder aus diesem Brunnen hervorgehen. Karl Lyncker, Deutsche Sagen und Sitten in hessischen Gauen. Kassel 1854 |
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