Der Heilige See bei Spandau

Bei dem Dorfe Heiligensee, unweit Spandau, liegt dicht an der Havel ein kleiner See, welcher dem Dorfe seinen Namen gegeben hat. Man erzählt sich hier habe vor Zeiten ein Schloss gestanden, in dem eine Prinzessin gewohnt, die sei aber verwünscht worden und das Schloss in den See gesunken.

In früheren Zeiten soll der See alle hundert Jahre mit einem silbernen Heiligen eingeweiht worden sein und das Wasser dann weit und breit als heilkräftig gegolten haben.

Die Dorfbewohner dagegen erzählen, es habe vor alter Zeit im Dorf zwischen dem Hause des Schmieds und der Kirche ein Heiligtum gestanden, das eine große Heilkraft besessen habe, und die älteren Leute können sich noch gar wohl entsinnen, dass eine große Anzahl von Krücken, welche die geheilten Kranken zurückließen, in der jetzigen Kirche hing. Daher soll es auch kommen, dass der Küster des Ortes noch bis auf diesen Tag alljährlich sieben Scheffel Roggen für das frühere Metteleuten und Beiern erhält.

Ferner sind in uralter Zeit alljährlich an einem bestimmten Tage, den jedoch keiner mehr weiß, zwei schwarze Stiere vor einen Wagen geschirrt worden, und, sobald dies geschehen war, sind die Tiere nicht mehr zu bändigen gewesen, sondern sind mit aller Kraft aus dem Dorfe hinaus und gerade in den See hineingestürzt, aus dessen grundloser Tiefe sie nie wieder zum Vorschein gekommen sind.

Tief auf dem Grunde des heiligen Sees liegen Glocken, die vor alter Zeit untergesunken sind. Zuweilen kommen Sie zum Vorschein und namentlich sieht man sie dann mitten im See auf einer Untiefe, wo sie sich mittags im Strahle der Sonne wärmen. Einige Leute haben sie auch schon sprechen hören und zwar war es gerade am Johannistag, als sie aus dem See herauskamen und die eine zur anderen sagte:

"Anne Susanne,
Wiste mett to Lanne?"

Worauf die andere sagte: "Nimmermeh!" Dann sanken sie, nachdem sie noch einmal angeschlagen haben, wieder in die Tiefe.

Ohne Angaben

Top

Wasser ist mehr als H2O!

Bitte unterstützen Sie uns dabei, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen.

Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben.

Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und sein Team.