Der Teufelssee bei Potsdam
Großer Müggelsee. Karte für Wassersportler, um 1890.
Der Große Müggelsee bei Berlin

Sagenhaftes

Der Große Müggelsee liegt im Südosten Berlins. Mit 7,4 Quadratkilometern Wasserfläche ist es der größte See innerhalb des Stadtgebietes. Seine größte Tiefe wird mit acht Metern angegeben, seine durchschnittliche Tiefe liegt bei 4,9 Metern.

Durch den Müggelsee fließt die Spree, die hier auch Müggelspree genannt wird.

Das Gebiet um den Müggelsee ist altes Siedlungsland. Bei Ausschachtungsarbeiten für den Müggelturm stieß man auf vorgeschichtliche Funde. Man geht davon aus, dass sich auf dem Kleinen Müggelberg eine große Halle stand, die vermutlich den Spreewanen als Kultstätte diente. Die hier gemachten archäologischen Funde wurden jedoch bei einem Bombenangriff während des letzten Krieges zerstört.

Der Namensbestandteil 'Müggel' wird erstmals 1394 im 'Codex diplomaticus Brandenburgensis' genannt. Die traditionelle Forschung führt 'Müggel' auf den urslawischen Begriff mogyla = Grab, Grabhügel zurück. Neuere Theorien möchten das Wort auf eine vorslawische, germanische Herkunft aus der indoeuropäischen Wurzel migh-, mighla = Nebel, Wolke zurückführen, wozu zum Beispiel auch das niederländische miggelen = staubregnen gehört.

Der Müggelsee ist heute ein beliebter Freizeitsee. Jeder kann hier seine Lieblingsbadestelle finden. FKK ist unterhalb des Steilufers westlich des Strandbades Müggelsee möglich. Segeln und Surfen ist über die gesamte Breite des Sees möglich. Motorsboote müssen dagegen markiertes Fahrwasser benutzen.

Am Nordufer des Sees entnimmt das Berliner Wasserwerk Friedrichshagen dem Müggelsee einen Großteil seines Rohwassers. Das Wasserwerk wurde 1893 in Betrieb genommen und ist heute der zweitgrößte Trinkwasserlieferant Berlins.

In den historischen Wasserwerk-Gebäuden befindet sich ein Museum zur Wasserversorgung Berlins und das historische Archiv der Berliner Wasserbetriebe. kk

Top

Theodor Fontane über den Müggelsee

Der Müggelsee
Glatt ist der See, stumm liegt die Flut,
So still, als ob sie schliefe,
Der Abend ruht wie dunkles Blut
Rings auf der finstern Tiefe;
Die Binsen im Kreise nur leise
Flüstern verstohlenerweise.
Schnezler

Die Spree, sobald sie sich angesichts der Müggelsberge befindet, bildet oder durchfließt ein weites Wasserbecken: die Müggel oder den Müggelsee, der mit zu den größten und schönsten unter den märkischen Seen zählt.

Da, wo die Spree den Müggelsee betritt, und ebenso da, wo sie ihn wieder verläßt - also durch die ganze Länge des Sees voneinander getrennt -, erheben sich die beiden einzigen Dörfer dieser Gegenden: Rahnsdorf und Friedrichshagen, jenes ein altes Dorf, das mutmaßlich bis in die Wendenzeit zurückreicht, dies eine Kolonie aus der Zeit des großen Königs, der es sich zur Aufgabe stellte, die bis dahin unbewohnten Müggelforsten oder, was dasselbe sagen will, die große Waldinsel zwischen der Deutschen und Wendischen Spree zu kolonisieren.

Rahnsdorf und Friedrichshagen blicken mit ihren schmucken roten Dächern auf den See hinaus, aber es sind nicht eigentliche Seedörfer; sie liegen am Ufer der Spree, nicht am Ufer der Müggel. Am Müggelsee selber, den nichts wie Sandstreifen und ansteigende Fichtenwaldungen einfassen, erhebt sich oder erhob sich wenigstens in den sechziger Jahren, als ich den See zum ersten Male sah, ein einziges Haus: die Müggelbude. Auf einer vorspringenden Sanddüne gelegen, die sich vom Westufer aus in die Müggel hinein erstreckt, ist sie oder war sie der geeignetste Punkt, um den See und seine Ufer zu überblicken.

Ebendiese Müggelbude, nach der von Köpenick aus ein reizender Spaziergang durch den Wald führt, ist Leuchtturm, Fischerwohnung und Fährhaus zugleich, aber vor allem ist sie doch Gasthaus. Sie ist es nach jenem überall hervortretenden Gesetze, welches in unwirtbaren Gegenden ein jedes einzeln stehende Haus zum Gasthause macht. Die oft angerufene und oft gewährte Hülfe führt schließlich dazu, die Hülfe zu einem Geschäft zu machen. So auch die Müggelbude. Freilich ist es ein wild-verwogenes Geschlecht, das hier anpocht, um Unterkommen oder Hülfe zu finden, und der Fährmann, der erfahren haben mag, daß uns das Unglück nicht bloß zu seltsamen Schlafkameraden führt, sondern uns auch umgekehrt ebenso seltsame Schlafkameraden bringt, hat wohlweislich Vorkehrungen getroffen, um sein eigentliches Haus vor ihnen sicherzustellen. Seine Müggelbude repräsentiert ein »Gasthaus erster Klasse«; für die Unbekannten und Schlechtlegitimierten aber hat er abwärts auf dem untersten schmalen Uferstreifen eine Art Schifferghetto aufgeführt. Hier, auf einem Terrain, das sich See und Sand beständig streitig machen, erheben sich flachgewölbte Holzhütten, die sich bei näherer Besichtigung als ausrangierte Schiffskajüten erweisen. Durch die halb offenstehende Tür gewinnt man Einblick in das Innere derselben: auf vier hohen Pfosten ruht ein roh zusammengenagelter Kasten, groß genug für zwei oder drei Schläfer und mit nichts ausgestattet als mit etwas niedergelegenem Stroh. Das ist alles, was die Gastlichkeit der »Dépendance« der Müggelbude bietet. Und doch muß es hier ein wunderbares Schlafen sein, wenn in Winternächten die glitzernden Sterne durch die halbhandbreiten Ritzen in dies Schlafgemach hineinblicken und der See, als woll er sich warm schlagen, seine Wellen bis an die hochaufgezimmerte Bettlade treibt. Schade nur, die Schifferknechte, die hier einen Unterschlupf suchen und finden, sind wohl die letzten, sich dieses Zaubers zu freun.

Die Müggelbude steht hoch, ihr zu Füßen aber zieht sich ein Sandgürtel, der, nach vorn hin aufs neue steil abfallend, den See in seiner ganzen Ausdehnung umzirkt. Auf diesem Sandgürtel nehmen wir Platz, und eine knorrige Kiefer im Rücken, deren vorgebeugter Schirm schon halb über dem Wasser schwebt, sitzen wir jetzt auf einer Art Moos- oder Erdbank und blicken auf die weite Wasserfläche hinaus, die, leise brandend, ihre Wellchen bis unter unsre Füße schickt. Der See gleicht hier einem Haff, und sooft die Wellen zurückrinnen, blinken die weißen Muscheln, die das bewegte Wasser ans Ufer geworfen.

Es freut das Herz, so an der Müggel zu sitzen und, die leise Musik von Wald und Wasser um sich her, die Stunden zu verträumen. Die Sonne sinkt, und das Bild, das beim ersten Anblick, aller eigentümlichen Schönheit unerachtet, eine gewisse Monotonie zeigte, gewinnt mehr und mehr Gewalt über uns und spinnt uns in den alten Müggelzauber ein. Die Kähne mit ihrer weißen Kalksteinladung, deren aufgeschichtete Blöcke das Kajütendach in ein kleines Kastell verwandeln, ziehen geräuschlos vorüber, die Dächer des gegenüberliegenden Rahnsdorf glühen noch einmal auf, und der See selber wechselt von Minute zu Minute seine Stimmung und seine Farbe. Aber mit halbem Auge nur verfolgen wir das Farbenspiel; unser Auge richtet sich immer wieder nach rechts hin, wo die Müggelsberge steil aufsteigen und ihre wachsenden Schatten bis weit in den See hinein werfen. Ein dünner Nebel zieht um den Berg, und wenn es dann und wann aufblitzt, fahren wir zusammen und blicken nach der Prinzessin aus, der zweiten Prinzessin dieser Gegenden, von der es heißt, sie käm allabendlich mit vier goldfarbenen Pferden von den Müggelsbergen herab, um die Durstigen im See zu tränken. Sie kommt freilich nicht, und auch der große Heuwagen bleibt aus, der, von vier weißen Mäusen gezogen, der Prinzessin entgegenfährt, um ihr den Weg zu sperren, aber eingewiegt in phantastisches Träumen, könnte jetzt eine ganze Zauberwelt vor uns ausgeschüttet werden, wir würden ihre Wunder ohne Verwunderung entgegennehmen. Die Müggel und ihre Ufer sind Märchenland.

Noch einmal fährt ein Glutstreifen über den See; nun aber schwindet die Sonne, beinah plötzlich bricht die Dämmerung herein, und bleifarben liegt die weite Wasserfläche da. In seiner Mitte beginnt es wie ein Kreisen, wie ein Quirlen und Tanzen; sind es Nebel, die aufsteigen? oder sind es die alten Müggelhexen, die lebendig werden, sobald das Licht aus der Welt ist?

Der Fährmann von der Müggelbude hat sich zu mir gesetzt, und ich dringe jetzt in ihn, mich über den See zu fahren, aber statt jeder Antwort zeigt er nur auf eine grauweiße Säule, die mit wachsender Hast auf uns zukommt. Wie geängstigte Schwäne fahren die Wellen der Müggel vor ihr her, und während ich meinen Arm fester um die Fichte lege, bricht vom See her ein Windstoß in Schlucht und Wald hinein und jagt mit Geklaff und Gepfeif durch die Kronen der Bäume hin. Einen Augenblick nur, und die Ruh ist wieder da - aber die Bäume zittern noch nach, und auf dem See, der den Anfall erst halb überwunden, jagen und haschen sich noch die Wellen.

Die Müggel ist bös. Es ist, als wohnten noch die alten Heidengötter darin, deren Bilder einst die Hand der Mönche von den Müggelsbergen herab in den See warf. Die alten Mächte sind besiegt, aber nicht tot, und in der Dämmerstunde steigen sie herauf und denken, ihre Zeit sei wieder da.

Parallel mit diesem Wege, der sich durch die Heide zieht, läuft die Spree, hinter Bäumen verborgen. An einigen Stellen des Weges, und zwar in der Richtung auf den Fluß zu, hat man den Wald gelichtet und nur gerade noch Bäume genug am Ufer hin stehen lassen, um als grüner Schirm für die Spree zu dienen. Diese stehengebliebenen Bäume sind ziemlich hoch, aber die Masten der Spreekähne sind doch noch höher, und so wachsen denn die Obersegel der vorüberkommenden Schiffe weit über die grünen Kronen hinaus. Was diesen Anblick doppelt schön macht, ist, daß die Kiefern am jenseitigen Ufer etwas höher stehn und nun wiederum ihrerseits einen dunklen Hintergrund für die Segel bilden. Wer im Zwielicht hier des Weges kommt glaubt weiße Riesenvögel langsam und geräuschlos über und an den Wipfeln hinschweben zu sehn.

Rahnsdorf liegt der Müggelbude gegenüber, ziemlich nah jener malerischen Stelle, wo die Spree von Osten her in die Müggel eintritt.

Die frühesten Nachrichten über dies Dorf gibt das Landbuch vom Jahre 1375, nach welchem Rahnsdorf an Schloß Köpenick einen Schoß oder Zins für die Fischereigerechtigkeit auf dem See zu zahlen hatte. So ging es durch Jahrhunderte hin. Erst 1722 kam es durch Tausch an den damals alle Territorien an der Nordostecke der Müggel innehabenden Geheimen Oberfinanzrat von Marschall, bei dessen Nachkommen es bis 1832 verblieb. In letztgenanntem Jahr erwarb es Heinrich von Treskow auf Dahlwitz, in dessen oder seiner Familie Besitz es sich auch gegenwärtig noch befindet.

Rahnsdorf hatte, seiner schönen Lage halber, immer eine Anziehungskraft für die Residenzler, die hier, in einer zerstreuten Villenkolonie, die heiße Jahreszeit, insonderheit auch die Ferienwochen ihrer Kinder zuzubringen liebten.

Im Geleite solcher Sommergäste befand sich in den letzten fünfziger Jahren auch ein hübscher, hoch aufgeschossener Blondkopf, von dem ich in nachstehendem erzählen möchte. Er war ein Wildfang, eitel und übermütig, und über den See schwimmen oder bei heraufziehendem Unwetter einen Kahn nehmen und windan rudern, all das zählte so recht eigentlich zu seinem Ferienglück. Einmal wollte man's verbieten, aber einer der zufällig anwesenden Freunde des Hauses legte sich ins Mittel und sagte: »Wozu verbieten? Glauben Sie mir, es ist gleichgültig, was wir tun. Es gibt keine Sicherheiten und eigentlich auch keine Unsicherheiten. Unser Schicksal findet uns und faßt uns zu bestimmter Zeit und an bestimmter Stelle.«

Dies sollte sich in Leben und Tod Alexander Anderssens bewähren. [...]

Theodor Fontane, Wanderung durch die Mark Brandenburg, Erster Teil: Die Grafschaft Ruppin

Top


Ausschnitt aus einer Berliner Gewässerkarte mit dem Großen Müggelsee um 1897.

Der Müggelberg bei Cöpenik.

Vor dem Städtchen Cöpenik, zwei Meilen von Berlin, liegt ein sehr fischreicher See, eine halbe Meile lang und eine viertel Meile breit, durch den die Spree, wie ein breiter Fahrweg, mitten durchfließt, der "Müggelsee" oder auch kurzweg die "Müggel" genannt. An demselben ist eine aus vielen Hügeln zusammengesetzte Anhöhe gelegen, mit vielen schlanken Eichen und Fichten besetzt, der "Müggelberg" genannt. In diesem Berge findet man einen weißen Stein, der ungefähr sieben Fuß lang und sechs Fuß breit ist. Von demselben erzählt man, daß darunter ein großer Schatz verborgen liege, der von einer Jungfrau verwahrt wird, und nicht eher gehoben werden kann, als bis die Jungfrau erlöset ist. Vor langen Zeiten hat sich diese einmal sehen lassen. Sie ist schön und ansehnlich von Gestalt gewesen, sie hat gesagt: daß sie verwünscht sei, und hat gebeten, sie zu befreien; dazu solle man sie um die Kirche zu Cöpenik herumtragen. Es hat das aber keiner thun wollen.

Auch hört man in dem Müggelberge oft des Nachts ein sonderbares Getöse von Jagdhörnern und bellenden Hunden.

Jodocus Deodatus Hubertus Temme, Die Volkssagen der Altmark. Berlin, 1839.

Top

Der Miggelberg bei Köpenick

Der Miggelsee in der Mittelmark liegt vor dem Städtchen Köpenick zwei Meilen oberwärts Berlin und ist von der Miggelbude bis Ransdorf eine halbe Meile ohngefähr lang. Die Spree fließt mittendurch, so dass man sie gleich einem breiten Fahrweg von dem anderen Wasser unterscheiden kann. Von diesem See hat auch die daran gelegene und aus vielen Hügeln von verschiedener und zum Teil gar merkwürdiger Höhe zusammengesetzte bergige Höhe den Namen des Miggelberges, so mit vielen schlanken Eichen und Fichten besetzt ist. Man ziehet auch von einem gewissen Stein, so daselbst auf einem etwas niedrigern Hügel liegt und sieben Fuß ohngefähr lang und sechs Fuß breit und weißlich von Farbe ist, allerhand Zeitungen von einem darunter verborgenen Schatz, welches zwar keinen Grund hat, dieses aber wohl sein kann, dass einiges Metall darinnen verborgen, weil er aus vielem Kies und dergleichen scheint zusammengesetzt zu sein, die Stücken auch in Vergleich mit anderen Steinen gleicher Größe ziemlich schwer sein. Ingleichen erzählt man, dass sich vor diesem eine ansehnliche Jungfrau daselbst sehen lasse, welche vorgegeben, verwünscht zu sein und um davon befreit zu sein, verlanget hätte, um die Kirche zu Köpenick herum getragen zu werden, so aber nicht gelingen wollen, nicht viel anders als man in den Geschichten der Melusine von dem König Hermann in Norwegen und seinen Töchtern liest. Endlich wird auch vorgegeben, dass man zu Zeiten ein Getöse von Jagdhörnern und Gebelle von Hunden daselbst gehöret. Am Fuß des Miggelberges liegt der Teufelssee, den Ursprung des Namens weiß man nicht, ist aber kein Zweifel, dass wie es hier an allerhand Erzählungen von Jagdgespenstern nicht mangelt, eine solche Gespenstergeschichte den Anlass gegeben.

Welche Bewandtnis es mit mehreren Teufelsseen der Mark Brandenburg haben mag, als mit dem Teufelssee zwischen Kolminchen, mit dem Teufelssee bei Belitz, dem Teufelssee in der Kunersdorfer Heide, dem Teufelssee bei Bötzow in der Nähe von Spandau und dem Teufelssee bei Dobbriskau im Amte Zinna.

J. G. Th. Grässe, Sagenbuch des Preußischen Staates Bd. I, Glogau 1868

Top

Die Miggelsberge bei Köpenick

Bei Köpenick unweit Berlin liegen die Miggelsberge und der große dunkle Miggelsee, in welchem die Spree, eine helle Stromlinie, sich ergießt. An diesem See und in der romantischen Waldgegend ließ sich vordem eine schöne Jungfrau sehen, bald im einfachen Frauengewand, bald im Putz des fürstlichen Standes. Sie war Ottocars, Königs aus Böhmen, Tochter, von dem sie auf einige Zeiten hierher verwünscht wurde.

Alle dreimal sieben Jahre, vom Tage ihrer Verzauberung an, zeigte sie sich in Gestalt eines lieblichen Seefräuleins und bat mit flehender Geberde den von ihr erwählten Mann, sie aus ihrem Banne zu befreien, welcher dafür in Besitz großer Schätze gelangen werde. Die Befreiung bestand darin, daß der Entschlossene sie furchtlos vor drohenden Gefahren dreimal auf dem Rücken um die Hilbertskirche zu Köpenick tragen müsse. Nur Wenige haben sich zu diesem Versuche entschlossen, Keiner hat ihn bestanden und Alle sind vor Entsetzen geflohen. Ein fremder, muthiger und entschlossener Ritter hatte einst die Jungfrau schon zweimal um das Gotteshaus getragen, das dritte Mal aber traten ihm entsetzliche Schlangen und feurige Schreckgestalten in den Weg; voll Todesahnung sank er zur Erde und Jungfrau und Erscheinungen verschwanden. Die Sage läßt einen schwarzen Wassergeist, der im Teufelssee unter den Gebirgen seine Wohnung hat, den Schatz der Prinzessin von Miggelsee bewachen, der sich zwanzig Klafter tief unter einem weißen Steine befindet. Jäger und Holzschläger vernehmen zuweilen ein grauenhaftes Geräusch von Hornblasen und Hundegebell durch die Eichwaldung brausen und sie sagen dann, der böse Geist schwärme durch's Dickicht und suche die Jungfrau auf.

J. G. Th. Grässe, Sagenbuch des Preußischen Staates Bd. I, Glogau 1868

Top

Vom Müggelsee

Unweit Berlin liegen die Miggelsberge und der große Miggelsee, in welchem die Spree, eine helle Stromlinie, siech ergießt. An diesem See und in der romantischen Waldgegend ließ sich vordem eine schöne Jungfrau sehen, bald in einfachem Frauengewand, bald im Putz des fürstlichen Standes. Sie war Ottocars, des Königs von Böhmen Tochter, von dem sie auf einige Zeiten hierher verwünscht worden war.

Alle dreimal sieben Jahre, vom Tage der Verzauberung an, zeigte sie sich in Gestalt eines lieblichen Seefräuleins und bat mit flehender Gebärde den von ihr erwählten Mann, sie aus dem Banne zu befreien. Dafür solle dieser in den Besitz großer Schätze gelangen.

Die Befreiung bestand darin, dass der Entschlossene sie furchtlos vor drohenden Gefahren dreimal auf dem Rücken um die Hilbertskirche zu Köpenick tragen müsse. Nur wenige haben sich zu diesem Versuche entschlossen - Keiner hat ihn bestanden und alle sind vor Entsetzen geflohen.

Ein fremder, mutiger und entschlossener Ritter hatte die Jungfrau einst schon zwei mal um das Gotteshaus getragen, beim dritten mal aber traten ihm entsetzliche Schlangen und feurige Schreckgestalten in den Weg. Voller Todesängste sank er zu Boden und die Jungfrau und ihre Erscheinung war verschwunden.

Die Sage lässt einen schwarzen Wassergeist, der im Teufelssee unter den Gebirgen seine Wohnung hat, den Schatz der Prinzessin bewachen, der sich 20 Klafter tief unter einem weißen Stein befindet. Jäger und Holzschläger vernehmen hier zuweilen ein grauenhaftes Geräusch von Hornblasen und Hundegebell durch die Eichwaldung brausen und sie sagen dann, der böse Geist schwärme durch’s Dickicht und suche die Jungfrau auf.

Edmund v. Felsthal, Des deutschen Volkes Sagenschatz, Schwäb. Hall um 1846

Top

Der Name von Köpenick

Vor langen Zeiten war einmal ein alter Fischer, der in der Nähe von Köpenick seinem Gewerbe nachging und namentlich am Müggelsee seine Netze auszuwerfen pflegte. Da geschah es einst, daß er auch dort war und ein großer Krebs vom See ans Ufer geschwommen kam, ihn anredete und sagte, er wolle ihm viel Glück bringen und ihn zum reichen Mann machen, wenn er ihn aus dem Wasser nähme und nach dem ersten Ort jenseits der Spree brächte. Darauf nahm der Fischer den Krebs und ging mit ihm nach Köpenick zu, wo er uneingedenk dessen, was derselbe gesagt, ihn auf den Markt brachte, um ihn zu verkaufen. Da das Tier so groß war, fand sich auch bald ein Käufer; aber da begann der Krebs auf einmal zu rufen: »Kööp nich! Kööp nich!« Nun gedachte der Fischer wieder der Bedingung, nahm seinen Krebs und ging weiter. Darauf setzte er über die Spree und kam nach Stralau, wo er den Krebs um vieles Geld verkaufte. Zum Andenken aber an die Worte, die der Krebs dort vor allen Leuten auf dem Markt gesprochen, wurde die Stadt Köpenick genannt, und die Stralauer zeigen noch alljährlich am Tag des großen Fischzugs, am 24. August, den großen Krebs, der von Köpenick dahin gebracht wurde.

Adalbert Kuhn, Märkische Sagen und Märchen, Berlin 1843

Top

Wasser ist Leben. Bitte unterstützen Sie uns , die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu komplettieren.

Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben.

Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und Team.