Die Saalenixe

Mündlich.

Am grünen Ufer der Saale saß eine liebreizende Nixe, beschäftigt, mit ihrer Angel Fischlein zu fangen. Diese sah von Weitem ein Jäger und war entzückt von der Schönheit des Angesichts und dem Liebreiz der Gestalt. Schnell eilte er hinunter ins Tal und gesellte sich zur anmutigen Fischerin. Er bewunderte ihr Geschick, die Fischlein zu angeln und schmeichelte ihr mit schönen Worten. Das Mägdlein aber lächelte schalkhaft und meinte, dass es wohl noch bessere Angeln als diese verwahre: wer damit gefangen werde, der könne sich nimmer befreien.

Das verstand der Jäger gar wohl, denn er merkte bereits, dass er selbst mit seinem Herz an dieser Zauberangel gefangen worden war. Indessen schätzte er sich glücklich, die Liebe der holdseligen Wasserjungfrau gefunden zu haben und wollte ihr eben den ersten Kuss auf die Lippen drücken, als in demselben Augenblick die Nixe in den Fluten der Saale verschwand. Da stand nun der arme Liebesjäger und sah der Treulosen nach und erzählte den Erlen und Saaleweiden sein Herzeleid

Und noch heute wandelt der Jäger einsam das Tal auf und ab und klagt in vernehmbaren Tönen sein Schicksal.

Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayerischen Lande, aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, München 1852

Wasser ist mehr als H2O.

Bitte unterstützen Sie uns, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu komplettieren.

Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben.

Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und sein Team.