Der Rachelsee, 1.070 m, im Bayerischen Wald.
N 48° 58' 31'', O 13° 24' 07''. Foto Kurt Seebauer.
Der Rachelsee im Bayerischen Wald

N 48° 58' 31'', O 13° 24' 07''.

Der Rachelsee bei Grafenau in Niederbayern

Mitgeteilt vom Herrn Revierförster Franz Seninger.

An der böhmischen Grenze auf bayerischem Gebiete nächst der Grenze der Landgerichte Regen und Grafenau, liegt im Walde der etwa sieben Tagwerk große Rachelsee, gegen hundert Fuß tiefer, als der Gipfel des Rachelberges. Der Rachelsee ist auf dem Steuerblatte, Landgericht Grafenau, N. o. XLI. 58 angegeben; ferner liegt nächst diesem ein Platz Seeriegel, dann der Seebach, mit welchem sich der Rachelsee vereinigt. Auf dem Steuerblatte desselben Landgerichts N. o. XLI. 57 sind noch folgende Ortsbenennungen enthalten: Rachelschachten, kleiner Rachel, Rachelwiesen, Rachel, Rachelhäng, hinterer Riegel, Schuhnagelkopf, Holzschuhriegel.

Nach alter Sage sollen in dem Rachelsee drei verwunschene Fräulein gehaust haben, von welchen eine die Böse war. Die Böse soll eine Magd mit Pantoffeln erschlagen haben, und an dem Jahrestage, wo sie diese Tat verübt hat, sagen alle Leute, legte sie um die Mittagsstunde, auf dem Rachelsee daher schwimmend, zwei eiserne Pantoffel auf einen in der Nähe des Sees befindlichen schwarzen Stein (Granit). Ein Hirt sah diese Jungfrau, wie sie die eisernen Pantoffel auf den schwarzen Stein hinlegte und bemerkte, dass ihr oberer Körper weiß, der untere schwarz war. Das geschieht in jedem Jahre am suwendtage, (Sonnenwendtag) und an diesem Tag sah sie auch der Hirt. Herkömmlich werden die Waldstiere am suwendtage ausgetrieben; die Hirten getrauten aber nicht sich dem Rachelsee zu nähern, weil sie die drei verwunschenen Jungfrauen fürchteten, und weil sich das Vieh im Walde verirrte, in der Tiefe des Racheltest liegt ein Schatz; es wurden schon Seile hinabgelassen, um die Kiste herauf zu ziehen, aber die Leute fanden keinen Grund.

Wenn ein Mädchen schlecht spinnt, so wird ihr mit der verwunschenen Frau gedroht.

Friedrich Panzer, Bayerische Sagen und Bräuche, München 1848.

Böse Geister wurden von jeher in den Rachelsee verschafft, als einst Männer diesen See messen wollten erscholl eine Stimme aus der Tiefe: Wollt ihr mich ergründen, so werd ich euch verschlünden!

Der Rachelsee

Am Abhang des Rachels liegt in einem Kessel ein schauriger See, den die Hirten und Jäger scheuen. In diesem See sind die Seelen derer, die im Grabe keine Ruhe finden. So still und ruhig er scheinbar daliegt, so braust und schäumt er und wirft wilde Wellen, wenn ein Steinchen hineingeworfen wird und so die Geister in ihrer Ruhe gestört werden. Und es ist möglich, dass der See einmal übergeht, wenn ein Stein hineingeworfen wird; dann aber überschwemmt er ganz Böhmen und Bayern. Dorthin sind auch viele Menschen verwunschen worden; so ist von einem Priester aus Kuschwarda (heute Strážný) ein Wucherer auf den Rachel gebannt worden und einem Hirten, der einen Frevel begangen hatte, ist dasselbe geschehen. Ein Pfarrer in der Mauth (Bayern) soll vor vielen Jahren das Geheimnis gewusst haben, wie man die Verschafften bannt.

Gustav Jungbauer, Böhmerwald-Sagen, Jena 1924

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Die Geisterfische im Rachelsee

Die Fische im Rachelsee haben ein gar eigentümliches Aussehen. Nach der Volksmeinung sind sie verwunschene Menschen, die dort oben den Tag des Gerichtes erwarten müssen. Ein Bauer, der nichts davon wusste, trug einmal einige Fische mit nach Hause, um sich eine gute Mahlzeit zu bereiten. Unterwegs aber fing es in seinem Aschsack an zu weinen, so traurig und kläglich, dass er die Fische wegwarf und davonlief. Und ein anderes Mal, wie ein Mann im Rachelsee gefischt hatte und mit dem vollen Fischlagel auf dem Heimwege war, hörte er auf einmal die Fische reden und fragen: "Wo sind wir denn schon?" Da erschrak der Fischer und warf das Lagel fort. Am nächsten Tag suchte er die Stelle auf, aber fand weder Fische noch Lagel.

Einmal wollten einige junge Leute die Tiefe des Sees untersuchen; da vernahmen sie eine Stimme aus dem Wasser:

"Kommst auf mich,
So schluck' ich dich!"

Da warfen sie alles von sich und suchten den Rückweg.

Gustav Jungbauer, Böhmerwald-Sagen, Jena 1924

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Die drei verwunschenen Fräulein

Auch drei Fräulein sind in den Rachelsee verwunschen. Eine davon erschlug bei Lebzeiten ihre Magd mit dem Pantoffel, drum muss sie zur Strafe in eisernen Pantoffeln gehen. Zur Sonnwendnacht schwimmt sie ans Land und darf die eisernen Pantoffel ausziehen. Dann geht sie barfuß durch den mondscheinigen Wald und ihre Pantoffel liegen derweil auf einem Stein. Der Unterleib des Fräuleins ist schwarz, aber das Gesicht und die Brust sind schon wieder weiß, sie hat die schwere Sünde schon halb gebüßt.

Gustav Jungbauer, Böhmerwald-Sagen, Jena 1924

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