Der Nix

Der Nix zeigt sich scheu, griesgrämig, verschlagen und grausam. In dem Streuflüsschen zwischen Mellrichstadt und Oberstreu wohnt ein bösartiger Nix mit langen geschlitzten Ohren, der zu gewissen Zeiten seine Bosheit an den Leuten ausübt, die gerade zufällig die Streu überschreiten. Er zieht sie zu sich, taucht sie unter das Wasser und hält sie da oft so lange fest, bis sie ihren Geist aufgegeben haben. Unterhalb Meilitz ist eine Stelle in der Elster, die früher öfter zum Baden benutzt wurde. Einst badeten da zwei junge Mädchen, da öffnete sich plötzlich unten im Wasser eine Tür und ein graues Männchen - es war der Nix - zog eine von ihnen hinein. Man hörte und sah nichts mehr von ihr, bis eines Tages ihre ehemalige Gefährtin einen Gevatterbrief von ihr zugeschickt erhielt. Sie stellte sich auch herzhaft an der bewussten Stelle ein und wurde alsbald in die unterirdische Wohnung eingeführt, wo es gar nicht übel aussah und die heilige Handlung vor sich ging. Den Tisch fand die Besucherin mit allerlei feinen Speisen, besonders mit Fischen, wohlbesetzt; doch gab ihr ihre Freundin einen Wink, beileibe nichts davon zu essen. Denn sähe auch alles gar appetitlich aus, wären es doch in Wirklichkeit eitel Kröten, Eidechsen und Schlangen.

Robert Eisel, Sagenbuch des Voigtlandes, Gera 1871

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