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| Von den Nürnberger Brunnen | ||||||||||
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Sagenhaftes: |
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Anmerkungen zu den Nürnberger Brunnen Ihren Reichtum verdankte die Stadt Nürnberg im Mittelalter ihrer verkehrsgünstigen Lage und dem großen Können der hier ansässigen Handwerker. Bekannt waren unter anderem die Nürnberger Rot- und Gelbgießer, die Waren aus Bronze- und Messingguss in die ganze damals bekannte Welt lieferten. Hahnenmacher fertigten Wasserhähne aus Bronze. Nürnberg war Zentrum der damaligen Eisen- und Weißblechherstellung und des Eisen- und Weißblechhandels. Die repräsentativen und prächtigen Brunnen zeugten vom Reichtum und handwerklichen Können seiner Einwohner. kk |
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![]() In Nürnberg, so erzählt man sich, kommen die kleinen Kinder aus dem Schönen Brunnen auf dem Nürnberger Marktplatz. Auch an der Frauenkirche im Hintergrund sprudelte einst eine viel besuchte Heilquelle. Foto um 1910. Der Schöne Brunnen zählt zu den ältesten Röhrenbrunnen der Stadt. Er wurde seit 1388 durch eine eigene Wasserleitung versorgt. Diese erhielt das Wasser aus zwei Quellen in Gleishammer. Der Brunnen selbst soll um 1385 entstanden sein. Er besteht aus einer 19 m hohen Steinpyramide, die sich aus einem achteckigen Brunnenstock erhebt und in vier Reihen übereinander mit 40 Steinfiguren geschmückt ist. Es heißt, wer am goldenen Ring dreht, dessen Wünsche würden sich erfüllen. Wer dreimal dreht, bekommt viele Kinder, so die Sage. 1587 wurde von Paulus Kuhn ein schmiedeeisernes Schutzgitter für den Brunnen geschaffen. Die Legende besagt, dass der dunkle Eisenring, der drehbar in das Gitter eingearbeitet ist, das Werk eines enttäuschten Schmiedgesellen ist, der diesen Ring als Beweis seines Könnens in das schmiedeeiserne Gitter eingefügt hat, weil ihm sein Meister verboten hatte, um die Hand der Meisterstochter anzuhalten. Der Volksglaube besagt, man würde so viele Kinder bekommen, wie oft man an dem Ring drehe. 1902 wurde zusätzlich ein goldener Ring eingefügt. Das schmiedeeiserne Gitter soll die Entnahme von Brunnenwasser verhindern, da der Inhalt des Brunnens als Löschwasserreservoir und Wasservorrat für Notzeiten diente. 1902/1903 wurde der verwitterte alte Brunnen aus Sandstein durch eine Kopie aus Muschelkalk ersetzt. |
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Der Schöne Brunnen
Nach Franz Bauer, Alt Nürnberg - Sagen, Legenden und Geschichten, Freising 1955. Der Schwarze Tod hatte furchtbar in der Stadt Nürnberg gewütet, und die Stadt drohte völlig auszusterben. Die Alten lagen auf den Friedhöfen in ihren Pestgräbern und hatten die Häuser verwaist und öde zurückgelassen. Nur noch ganz selten drang Kinderlachen durch die bedrückende Stille der verlassenen Straßen. Es gab fast keine Kindlein mehr in der Stadt. Der Rat war in größter Besorgnis und man fürchtete, die ganze Stadt könnte aussterben. In unendlich langen Sitzungen redete man sich die Köpfe heiß, wie man das drohende Unglück abwenden könne. Da bat ein kleines Schreiberlein ums Wort und da man selbst bisher keine Lösung für das Problem gefunden hatte, ließ man ihn des Spaßes halber reden; zumal er behauptete, er wisse, wie man der Stadt aus ihrer Bedrängnis helfen könne. Hochachtbare, edle Herren! begann er, Eure Gelehrtheit weiß wie ich, dass in Franken seit Jahr und Tage der Storch die Kindlein aus den klaren Gewässern holt und in die Häuser trägt. Wo aber, so frage ich, gibt es noch klare Bächlein rings um die Stadt? Die Flüsse ersticken im Schlamm, die Seen sind eingetrocknet oder mit Schlingkraut über und über zugewachsen. Niemand konnte die Wässerlein hegen und pflegen, so, wie es vor dem großen Sterben geschah. Mein Vorschlag ist, man sollte einen Brunnen bauen, in den das reinste Wasser fließt und glaubt mir: Aus diesem Born wird alsbald der Storch wiederum die Kindlein bringen wie in alten Zeiten. Dann wird wieder Glück und Friede erblühen in unserer verlassenen Stadt. Das waren die Worte des Schreibers. Da fielen die Ratsherren voll Hochmut über ihn her und verspotteten ihn. Und doch hatte der Vorschlag des Schreiberleins etwas bewirkt! Der Rat fasste den Beschluss, einen Brunnen zu errichten, der von ganz besonderem Aussehen und seltener Pracht sein sollte. Der Brunnen ward gebaut. Und kaum plätscherte das Wasser silberhell und die kunstvoll gearbeiteten Figuren strahlten in ihrem Goldglanze auf dem Hauptmarkt, da zog auch das Glück wieder in die Stadt ein. In manchem Haus erklang wieder frohes Kinderlachen und herziges Babygeschrei erfüllte die ehedem todstillen Gemächer. Zum Dank dafür hat man dem Storch ein Denkmal an diesem Brunnen gesetzt. Habt Ihr es gesehen? Sucht es! Ihr werdet Meister Adebar finden, wie er ein winziges Kindlein im langen Schnabel trägt. Wer wird es wohl bekommen? kk |
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Der Ring im Gitter des Schönen Brunnens
Nach Franz Bauer, Alt Nürnberg - Sagen, Legenden und Geschichten, Freising 1955. In der Werkstatt von Schlossermeister Köhn glühte die Esse und der Gießofen dampfte vom frühen Morgen bis spät in die Nacht. Köhn hatte ein großes Werk in Arbeit: Der Rat der Stadt hatte ihn beauftragt, das schmiedeeiserne Gitter für den im Bau befindlichen Schönen Brunnen zu schmieden. Der Termin war knapp gesetzt, die Arbeit erforderte eifrige Hände. So durften er und seine Gesellen keine Zeit verlieren. Man arbeitete, dass der Schweiß nur so herunterrann, und wenn man spät am Abend die Werkstatttür hinter sich schloss, waren der Meister und seine Gesellen schwarz vom Ruß und erschöpft von der schweren Arbeit. Doch selbst am Abend konnte der Lehrbub kein Ende finden. Er war morgens immer der Erste in der Gießhütte und der Letzte, der sie verließ. Nicht selten musste ihm des Meisters junges Töchterlein das Essen an die Werkbank bringen, weil er sich nicht einmal die Zeit gönnte, um gemeinsam mit den anderen am Tisch zu sitzen. Eines Tages fiel der Meisterin auf, dass sich das Mädchen eigentlich länger als notwendig in der Werkstatt aufhielt und oft auch nach einer halben Stunde noch nicht wieder zurück war, als müsste sie das Essen erst dreimal um die Stadtmauer tragen. Sie schlich ihrem Töchterchen nach und schaute durchs Fenster in die Werkstatt. Da sah sie den Lehrbuben und ihre Tochter zusammen sitzen und recht fröhlich miteinander plauschen. Sofort rannte die Meisterin in die Stube, um den Meister zu holen. Sie keifte ihm dermaßen die Ohren voll und beschimpfte den Lehrbuben, dass er das Mädel völlig verhext habe. Sie war so sehr erregt, dass der Meister zornrot in die Werkstatt stürzte. Da saßen die beiden noch immer einträchtig miteinander und plauderten so vertieft miteinander, dass sie die beiden Alten überhaupt nicht kommen hörten. Der Bursche sprach gerade davon, dass auch er einmal ein tüchtiger Meister werden wolle und sein größter Herzenswunsch sei es, dass Margarete, des Meisters Tochter, seine Frau werden möchte. Platsch! bekam er vom Vater des Mädchens eine so deftige Ohrfeige, dass er von seiner Bank purzelte und der Länge lang auf dem schmutzigen Werkstattfußboden landete. Meister Köhn aber stand wie der Riese Goliath bedrohlich über ihm, strich sich durch den Bart und schimpfte: Du Lausejunge! Lass die Finger von meiner Tochter. Ich werde dir den Blödsinn schon aus deinem Schädel schlagen! Der Junge erhob sich mühsam: Es ist die Wahrheit, Meister, und es ist mein ehrlicher Wunsch, dass ihre Tochter meine Frau wird, entgegnete er demütig. Halts Maul! brüllte ihn Kohn an. "Lerne erst einmal deinen Beruf und wenn du irgendwann einmal was kannst, dann magst du vielleicht ans Meisterwerden und ans Heiraten denken, doch keinen Moment eher! Die aufgebrachte Meisterin riss die Tochter fort von dem Jungen und stieß sie zornig vor sich aus der Werkstatt. Margretlein, sag doch deinen Eltern, dass du einmal meine Meisterin werden willst! rief ihr der Junge verzweifelt nach. Doch sein Meister lachte nur voller Hohn, dass die Werkstattscheiben klirrten. Bist du denn vollständig verrückt? schrie er in seiner poltrigen Art. Ein Hungerleider bist du und ein Dummkopf. Niemals wirst du meiner Tochter Gemahl. Und damit du dies auch wirklich begreifst, kündige ich dir hier auf der Stelle deinen Dienst in meinem Hause. Morgen wirst du deinen Krimskrams zusammenpacken und verschwinden, ist dies klar? Krachend fiel die Werkstatttür hinter ihm ins Schloss. Der Lehrbub brauchte eine ganze Weile, um seine neue Situation zu begreifen. Was hatte der Meister gesagt? fragte er sich immer wieder. Ein Hungerleider sei ich. Ist es denn meine Schuld, dass ich ein Kind armer Leute bin? Aber dass mich der Meister einen Nichtskönner schimpfte, das tut in der Seele weh. Ich werde ihm beweisen, dass ich kein Dummkopf bin! Was er gesagt hat, das soll er noch bereuen. Und sofort machte er sich an die Arbeit. Er blies in die Kohlen und ließ die Esse aufglühen, schmiedete das Eisen, hämmerte und feilte. Vor lauter Arbeit vergaß er, wie unter seinen Hammerschlägen die Zeit verrann. Erst als früh am Morgen ein verschlafener Hahn den neuen Tag verkündete, legte der Junge den Hammer aus der Hand und blickte müde, aber zufrieden auf sein Werk, das er in dieser Nacht vollendet hatte. Als die Gesellen morgens die Werkstatt betraten, fragten sie: Was arbeitest du denn schon hier? Was hast du geschafft in aller Herrgottsfrühe? Er zeigte ihnen einen Ring, der von vier Ösen gehalten im Gitter hing und der sich in seiner Fassung leicht drehen ließ. Alle standen um das kleine Wunderwerk herum und starrten ihn voller Fragen an. Auch als Meister Köhn dazukam, schüttelte dieser verständnislos den Kopf; dergleichen hatte er noch nie gesehen. Und obwohl er wirklich ein erfahrener Mann in seinem Fache war, konnte er sich nicht erklären, wie der geschlossene Metallring ins Eisengitter kommen konnte. Er fragte nach dem Lehrbuben. Doch dieser war inzwischen verschwunden. In seiner Kammer fand man einen Zettel, auf dem die Worte standen: Leb wohl, mein liebes Margretlein, vergiss mich bitte! Nun mag dein Vater hoffentlich erkennen, dass nicht ich der Dummkopf bin! Da fielen dem Meister die hässlichen Worte ein, mit denen er den Jungen im Zorn beschimpft hatte, und sein überstürztes Verhalten tat ihm nun von ganzem Herzen leid. Wäre der Bub jetzt da, er würde ihn über die Maßen loben und hätte wohl gesagt: Du sollst nach mir die Werkstatt bekommen und für meine Tochter wüsste ich keinen tüchtigeren und besseren Mann als dich! Der Lehrbub hatte die Stadt jedoch für immer verlassen und Margaretle weinte noch lange Zeit bittere Tränen nach ihm! Das Werk des Jungen jedoch, der drehbare Ring im schmiedeeisernen Gitter des Schönen Brunnens, sollte in der weiten Welt bekannt werden. Denn wenn früher ein Handwerker erzählte, dass er in Nürnberg gewesen sei, wurde er nach diesem Ring gefragt. Wenn er tatsächlich dort gewesen ist, konnte er etwas darüber erzählen, andernfalls glaubte man seine Worte nicht. Auch sagt man, dass dieser Ring geheime Kräfte besäße: Wenn eine Frau sich ein Kindlein wünscht und doch keins bekam, dann solle sie nur den Ring drehen, dann würde das Glück sie schon heimsuchen. Soweit die Sage von dem Ring im Gitter des Schönen Brunnens. Heute gehört natürlich keine besondere Handwerkskunst dazu, einen drehbaren Ring in ein schmiedeeisernes Gitter einzufügen: Man muss lediglich die geschmiedeten Lochungen aufsägen, den Ring hineinlegen und anschließend die Lochstücke wieder nahtlos zusammenschweißen. Doch so einfach ging das zu Meister Köhns Zeiten nicht. Eisen mit einer Schweißflamme zu verschmelzen, hat man erst im 19. Jahrhundert gelernt. Und allein mit der herkömmlichen Schmiedekunst war dies Kunststück nicht zu vollbringen. Dies hat natürlich auch der Lehrbub gewusst. Er hat auch gar nicht erst versucht, das spröde Eisen aufzutrennen. Ihm war bekannt, dass Messing weicher und leichter zu formen war als gegossenes Eisen. Deshalb hatte er den Ring aus Messing geschmiedet, ihn an einer Stelle durchtrennt, auseinandergebogen und ihn so in die Lochungen im Gitter eingeführt. Anschließend wurde die Schnittstelle wieder verlötet, die Naht verhämmert und glatt gefeilt. Jetzt sah der Ring wieder aus als wäre nichts mit ihm geschehen und dennoch lag in ihm und nicht in dem Gitter des Rätsels Lösung. Selbst der erfahrene Meister Köhn war nicht in der Lage, sich den Fertigungshergang zu erklären, und dies, obwohl er den Lehrjungen im Zorn einen Dummkopf gescholten hatte. |
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![]() Noch älter als die Wasserleitung, die den Schönen Brunnen versorgte, war die Deichelfahrt, die das Wasser in das 1339 gestiftete Heilig-Geist-Spital zum sogenannten Hanselbrunnen führte. Der kunstvoll gestaltete Brunnen stand ursprünglich im ersten Hof des Spitals. Die Brunnenfigur stellt einen in Erz gegossenen Schalmeispieler in der um 1400 üblichen Tracht der damaligen Spitalinsassen dar. Die originale Brunnenfigur befindet sich heute im Germanischen Museum in Nürnberg. |
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![]() 1558 entstand der Gänsemännchen-Brunnen auf dem heutigen Obstmarkt. Die Brunnenfigur zeigt einen Bauern, der unter jedem Arm eine Gans trägt, um sie hier, auf dem ehemaligen Gänsemarkt, feilzubieten. Die in Messing gegossene Figur wurde vermutlich von dem Nürnberger Bronzegießer Pankratz Labenwolf geschaffen. Bei der heutigen Brunnenfigur handelt es sich um einen Nachguss aus dem 19. Jahrhundert. Das originale Brunnenmännlein befindet sich im Germanischen Museum in Nürnberg. |
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Das Gänsemännlein
Nach Franz Bauer, Alt Nürnberg - Sagen, Legenden und Geschichten, Freising 1955. Es war einmal ein Bäuerlein im Knoblauchland, das liebte den Wein und das Bier mehr als das klare Wasser. Das tat seinem Geldbeutel gar nicht gut und er hatte nicht einmal mehr die kleinste Münze in seinem Säckel. Bier muss her, Schnaps will ich dudeln, dachte der Bauer und schaute sich verzweifelt auf seinem Hof um, ob er noch irgendetwas zu Geld machen könnte er hatte inzwischen fast all sein Hab und Gut für den Suff hergegeben. Selbst seinen Pflug hatte er gegen einen Krug Branntwein eingetauscht. Nun, dann müssen eben die beiden Gänse daran glauben! sagte unser Bauer zu sich. Nichts Böses ahnend kamen ihm gerade die beiden Tiere vor die Füße gelaufen. Er schnappte sie bei den Flügeln, presste sie unter die Arme und eilte auf die Straße hinaus. In der Ferne konnte er bereits die Türme von Nürnberg sehen, aber der Weg war noch lang und beschwerlich. Die Sonne brannte glühend vom Himmel herab und brachte das Bäuerlein ins Schwitzen. Wartet nur, sprach er zu seinen Gänsen, in Nürnberg werde ich euch auf dem Gänsemarkt feilbieten und der Erlös wird mir ein Krüglein leckeres Braunbier bringen, vielleicht sogar auch zwei. Ich freue mich schon darauf, wie das schwere Bier mir wie Öl die Gurgel hinabrinnen wird! Das Juchhu! brachte er nicht mehr über die Lippen, weil ihm die Zunge in der staubigen Hitze am Gaumen klebte. Völlig ermattet lehnte er sich an einen schattigen Baum und schaute sich um, ob er nicht irgendwo ein Bächlein finden könnte. Doch alle Gräben waren in dieser heißen Jahreszeit ausgetrocknet. Ich bin zwar kein Freund von dünnem Wasser, seufzte der Bauer, aber bei dieser Hundstagshitze gäbe ich etwas darum, wenn ich nur einen Schluck davon haben könnte. Da drehten die Gänse ihre Köpfe schief zur Seite das tun Gänse immer, wenn ihnen etwas Kluges durch das Köpfchen geht und guckten ihn mit ihren kleinen Punktaugen gutmütig an. Auf einmal begannen sie lustig zu schnattern und er hörte aus ihrem Gänsegeschnatter deutliche Worte heraus: Höre, liebes Bäuerlein, sagten sie, du sollst uns gackgack! behalten und nicht verkaufen; denn in der Stadt wird man uns gackgack! mit dem Messer die Gurgel durchschneiden und das soll nicht angenehm sein. Wenn du uns jedoch wieder nach Hause trägst, dann würden wir dir gackgack! aus deinen Nöten helfen und dir das reinste Wasser herbeischaffen. Hast du dies begriffen? gackgack! Da standen dem Bauern sämtliche Haare zu Berge. Er hatte überhaupt nichts begriffen, doch er stammelte: Ich ich will euch behalten; ihr seid ja richtige Wundergänse! "Gackgack!" meinten die beiden und das hieß: Recht so oder einverstanden. Die Gänse sperrten ihre Schnäbel weit auf und huppdich, wuppdich! floss das reinste Wasser heraus. Der Bauer hielt ihnen seine Mütze unter und trank. Das Wasser schmeckte ihm köstlicher als der beste Wein. Unterdessen war ein Mann des Wegs gekommen und hatte den dreien verwundert zugesehen. Er kam mit dem Bauern ins Gespräch und dieser erzählte, dass er eigentlich nach Nürnberg gewollt hatte, um sein Federvieh zu verkaufen. Doch nun werde er auf der Stelle umkehren und künftig sein Hab und Gut nicht mehr versaufen. Gerade eben habe er geschmeckt, dass auch Wasser vortrefflich gegen den Durst sei. Der Fremde lobte diese klugen Worte und sagte: Dennoch wirst du bald samt deinen Gänsen auf dem Markt stehen! "Niemals!" wehrte der Bauer ab. "Meine Gänslein gebe ich nie mehr her. Sie haben mich aus schwerer Not gerettet und ich werde ihnen dafür immer dankbar sein!" So nahm er fröhlich Abschied und ging den Weg wieder zurück, den er gekommen war. Der andere marschierte nach Nürnberg hinein. Der Bauer hielt sein Wort. Von nun an schaffte und arbeitete er redlich und bald hatte er wieder so viel Geld beieinander, dass er sich einen neuen Pflug kaufen konnte. Deshalb machte er sich eines schönen Tages wieder auf den Weg nach Nürnberg. Dort kam er auch über den Gänsemarkt. Doch plötzlich hielt er erstaunt inne. Potz Blitz! Da stand er ja selbst und leibhaftig mit seinen beiden Gänsen unter den Armen mitten auf dem Platz. Man hatte ihn in Messing gegossen und aus den Schnäbeln der beiden Tiere plätscherte fröhlich glitzerndes Wasser in einen Brunnentrog. Wer hat denn diesen hübschen Brunnen geschaffen? fragte das Bäuerlein den Marktvorsteher, der gerade vorüberkam. Es soll ein gewisser Herr Labenwolf gewesen sein, ein kunstfertiger Mann und Gelbgießer ... Und ob das ein kunstfertiger Mann ist, meinte der Bauer, ich habe ihn persönlich kennengelernt, ja, ich kenne ihn sogar sehr gut. Es ist schön, dass dieser Labenwolf auch einmal einem kleinen und geringen Mann ein Denkmal gesetzt hat; denn der da droben guckt ihn euch nur an! der bin ich und das sind meine beiden Gänslein. Oh, diese Tiere sind fast so klug wie ihr Herr. Meine Tiere konnten sprechen und spieen damals köstliches Wasser auf der Landstraße, als ich im heißen Sommer unterwegs nach Nürnberg war. Wunderbar hat er uns in Erz gegossen, dieser Labenwolf, ganz großartig hat er uns getroffen! Breitbeinig stand er vor dem Brunnen und betrachtete ihn stolz von hinten und von vorn. Der Marktvorsteher ging kopfschüttelnd seines Weges und dachte bei sich: Schade! Er ist wohl ein rechtschaffener Bauer aus dem Knoblauchland. Aber im Kopf scheint er ein Rädlein locker zu haben! kk |
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Der nachgebildete Neptunbrunnen mit der Frauenkirche im Hintergrund zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Nach Jahren des Krieges und der Entbehrungen wurde von Stadtrat der Neptunbrunnen zur Erinnerung an den Westfählischen Frieden in Auftrag gegeben. Er zeigt den Meergott Neptun umringt von seinem Gefolge. Der kunstvoll gestaltete Brunnen war ein Entwurf des Nürnberger Goldschmieds Christoph Jamnitzer. Ausgeführt wurde er um 1650/1660 in der Werkstatt von Georg Schweigger. Doch da der Rat sich nicht entscheiden konnte, auch die notwendige Wasserleitung dafür zu bauen, blieb der Brunnen eingelagert, bis er 1796 von Zar Paul I. nach Rußland verkauft wurde. Der Zar ließ das Original vor dem Palast in Peterhof aufstellen, wo der Brunnen heute noch zu bewundern ist. 1902 gab der Nürnberger Rat eine Kopie des von Jamnitzer entworfenen Brunnens in Auftrag, die ihren Platz zunächst auf dem Markt von Nürnberg fand. Seit 1938 steht der Nürnberger Neptunbrunnen in der Marienanlage. |
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Der Neptunbrunnen
Einst wollten die Nürnberger einen großen und prächtigen Brunnen besitzen, wie er auf den römischen Piazzas und in den Gärten italienischer Paläste zu finden ist: mit mächtigen Fontänen, wohlgeformten Nixen, springenden Wasserrossen und Götterfiguren. Man brachte die Mittel zusammen und das Werk wurde bei einem großen Künstler in Auftrag gegeben. Es dauerte auch nicht lange, da konnte der hohe Rat das Kunstwerk in der Werkstatt des Bildhauers bestaunen. Neptun, Gott des Meeres und aller Gewässer, stand mit seinem Dreizack hoch über seinen dienstbaren Geistern. Man sah mächtige Rosse mit breiten Flossenfüßen und wunderschöne, unbekleidete Nixen. Als die Ratsherren den Brunnen in der Werkstatt des Künstlers sahen, gefiel er ihnen über alle Maßen. Die Kommissionsmitglieder schwärmten schon davon, wie die prachtvollen Brunnenfiguren von den Fontänen der vielen Springbrunnen übersprüht würden. Aus den Mäulern der Rosse sollten armdicke Wasserstrahlen austreten, die das ganze Brunnenbecken mit Gischt erfüllen. Doch als der Brunnen auf dem Marktplatz an der Stelle eines dort befindlichen kleinen Brünnleins aufgestellt war, musste man feststellen, dass das Wasser für solche Wasserkünste nicht ausreichte. Die Springbrunnen wollten nicht springen und aus den Mäulern der Rosse traten statt der gedachten breiten Wasserstrahlen nur dünne Rinnsale, die ärmlich aus den Mäulern tropften. Es schien, als ob die armen Tiere einen jämmerlichen Schnupfen hätten. Das ganze Volk lachte die Blamage, und das Gelächter schallte so laut, dass der hohe Rat den Brunnen nach wenigen Tagen kleinlaut wieder entfernen ließ. kk |
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![]() Der mit einem Brunnenhaus überbaute Tiefe Brunnen auf der Feste zu Nürnberg. Im Hintergrund der Sinnwellturm. Die Nürnberger Burg gehört zu den bedeutendsten Kaiserpfalzen des Mittelalters. Bereits Heinrich III. hatte vermutlich ab 1039 auf dem markanten, etwa 60 m hohen, steil zur Pegnitz abfallenden Felsen des Burgbergs seinen Verwaltungssitz errichten lassen. Zwischen 1050 und 1571 haben sämtliche Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zeitweise auf der Nürnberger Feste residiert. Als Hauptwasserversorgung der Burg diente der mit einem Brunnenhaus überbaute sogenannte Tiefe Brunnen. Der Tiefbrunnen wurde im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Man vermutet jedoch, dass der Brunnen ebenso alt ist wie die Burg selbst und sein Bau vor 1000 datiert werden kann. Bergleute haben seinen Schacht 47 m tief in den gewachsenen Fels des Berges getrieben. Rechnet man die Höhe des Brunnenhauses hinzu, beträgt die Gesamttiefe des Tiefen Brunnens bis zum Grundwasserspiegel rund 50 m. Sein Durchmesser beträgt etwa 1,7 bis 2,2 m. In Kriegszeiten oder bei Belagerung war der Tiefe Brunnen die wichtigste Wasserquelle der Burg. Von ihm hing das Überleben der Bewohner ab. Im Hintergrund dieser um 1910 entstandenen Fotografie ist der aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Sinwellturm (von mittelhochdeutsch sinwell = rund, rundum) zu sehen. Ursprünglich war der Turm als Bergfried der Festung gebaut. Während der Reichstage blies man von ihm mit einem zinnernen Horn die Stunden. |
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Kaiser Karl im Brunnen und im Berge Eine Fürstin unter den Städten ist Nürnberg; sie war der deutschen Kaiser liebste Tochter, des fränkischen Reiches Krone und Thüringens Vormauer. Nürnberger Tand ging durch alle Land. So klang und klingt der alten freien Reichsstadt Lob von einer Zeit zur anderen. Auf dem Markt zu Nürnberg steht der schöne Brunnen, mit herrlichem Bildwerk geziert und vom künstlichen Gitter umgeben. Der Brunnen soll sechzehnhundert Schuh tief sein, nach andern nur dreihundert, die Kette, an der die Eimer hängen, wiegt dreitausend Pfund. In dieses Brunnens Tiefe hat Kaiser Carolus Magnus sich verwünscht, da drunten der Welt Ende zu erwarten. Einst ließen die Herren von Nürnberg einen Verbrecher in die Tiefe des Brunnens hinab, der sah Carolum drunten sitzen an einem Steintisch, wie den Barbarossa im Kyffhäuser. Der Bart war durch den Tisch hindurchgewachsen und reichte schon zweimal um den Tisch herum. Wenn er zum dritten umreicht, wird der Welt Ende vor der Türe sein. Nicht weit von Nürnberg erhebt sich der Kaiser-Karls-Berg, auch in diesem soll der Kaiser Karl sitzen und auf der Welt Ende harren mit allen seinen Wappnern. In früheren Zeiten ward aus dem Berge oft ein schöner Gesang vernommen da waren die Zeiten noch gut , jetzt hört man aus ihm nur noch klagendes Weinen, weil die Zeiten so schlecht sind. Damit besagtes Weltende nicht allzu schnell herbeirücke, als welches schrecklich und sehr störend wäre, so muss des Kaisers Bart siebenmal um den Tisch wachsen, und da sich nun die Leute darüber gestritten und noch streiten, ob der Bart des verzauberten Kaisers dreimal oder siebenmal um den Tisch wachsen müsse, so ist davon das Sprichwort entstanden, wenn über unausgemachte Sachen nutzlos gestritten wird: Es ist ein Streit um des Kaisers Bart. Die Sage geht, ein Bäckerjunge aus Fürth habe einst, wie dort der Semmelknabe im Guckenberge, durch einen Gang Brot in den Kaiser-Karls-Berg gebracht, es sei ihm aber auch gleich jenem ergangen, oder noch schlimmer, denn als er das Geheimnis zu entdecken gezwungen worden, sei er zum Letzten nicht wiedergekehrt, und nur seine Kleider seien zerstückt außen am Berge gefunden worden. Aus dunkler Mythenzeit klingt schon die Sage herein, dass ein König Noro im Berge verzaubert sitze, der habe der Stadt ihren alten Namen verliehen: Nor im Berg. Aus seines Namens spätem Nachhall ist aber ohne Sinn Nero geworden, ein prächtig Fündlein für die Diftler, die nun gleich die Stadt vom Römerkaiser Nero gründen ließen, denn römisch musste diesen klassischen Narren alles sein, was gelten sollte, Deutsches passte nicht in ihren gelahrten Kopf, Kropf und Zopf. Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1930 |
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Karl der Große im Tiefen Brunnen zu Nürnberg Die Sage erzählt, dass Kaiser Karl der Große sich in den 50 Klafter oder 300 Nürnberger Fuß tiefen Brunnen der Burg zu Nürnberg verflucht habe und in diesem hause, wo ihn dann ein Verbrecher, den die Nürnberger Herren in den Brunnen hinabgelassen haben, um der Sache auf den Grund zu kommen, leibhaftig gesehen haben soll, und zwar an einem Tisch sitzend, um den ihm der Bart schon zweimal herumgewachsen ist. Brüder Grimm, Die deutschen Sagen der Brüder Grimm, Berlin o.D. |
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| Der Tiefe Brunnen
Auf der Burg ist ein 70 Meter tiefer Brunnen. Gefangene sollen ihn in mehreren Jahrzehnten gebaut haben. Unten steht immer frisches Wasser mehrere Meter hoch, und über der Wasserfläche sieht man von oben her rechts und links zwei dunkle Öffnungen in dem Felsen, durch die der Brunnen gemeißelt ist. Die zwei dunklen Öffnungen führten zu unterirdischen Gängen, die hinuntergingen zum Rathaus und hinunter in den Burggraben und unter dem Burggraben hindurch hinaus in den Wald und noch wer weiß wohin. Das weiß ja jeder, dass die ganze Nürnberger Stadt und besonders der Burgberg mit unterirdischen Gängen nach allen Seiten durchwühlt ist. Im letzten Krieg hat ein Baumeister dort bombensichere Unterstände für die gesamte Altstadt für 50.000 Menschen gerichtet. Damals kamen die Nürnberger oft in diese unterirdischen Gänge. Heute sind sie wieder wohl verschlossen, damit sich kein Gesindel darinnen festsetzen kann. In alten Zeiten soll einmal in Nürnberg ein Mann wegen mancher Verbrechen zum Tode verurteilt worden sein. Aber der Verurteilte bat so jämmerlich um sein Leben, dass die Ratsherren Mitleid bekamen. Er rief: Sperrt mich ein, so lang ihr wollt, verbannt mich, wohin euch einfällt, mauert mich meinetwegen ein, nur tötet mich nicht! Endlich beschlossen die gestrengen Ratsherren, ihm eine Gelegenheit zu geben, durch die er sich retten könnte. Man rief ihn herein und sagte zu ihm: Wenn du es wagst, in den Tiefen Brunnen hinunterzusteigen und durch die unterirdischen Gänge durchzuwandern, so weit du kannst, vielleicht hinaus bis zum Karlsberg bei Poppenreuth, wo der alte Kaiser Karl der Große sich noch verbergen soll, und wenn du davon gute und wahrhafte Nachricht bringst, dann soll dir das Leben geschenkt sein! Der Mann war es zufrieden. Er wurde noch in der Nacht hinaufgebracht zur Burg und in den Brunnen hinabgelassen. Dort begann er seine Wanderung: Eine Stunde wanderte er mit seiner Fackel durch den langen Gang; da kam er an eine großes, offenes Tor. Es war von Eisen, stand aber weit offen, sodass er hineinschauen konnte in einen großen Saal. Da saß der alte Kaiser Karl auf einem steinernen Stuhl vor einem steinernen Tisch und ringsum saßen die Herren mit reichen, prächtigen Gewändern. Und wirklich, da sah er es selbst! Dem Kaiser war sein mächtiger, weißer Bart mitten durch den Tisch gewachsen. Auf einmal bewegten sich die Gestalten. Einer nach dem anderen sah sich nach ihm um. Er erschrak heftig und wollte voll Entsetzen davonlaufen. Aber gerade noch fiel ihm ein, dass er ja einen Beweis brauchte, wenn er sein Leben retten wollte. Er sah einen glänzenden Stein am Boden liegen, hob ihn rasch auf und steckte ihn ein. Dann lief er, so schnell er konnte, zurück, dorthin, wo er seine Wanderung begonnen hatte. Er wurde heraufgezogen und musste nun den Ratsherren erzählen, was er gesehen hatte. Man wollte ihm nicht glauben, aber als er den glänzenden Stein aus der Tasche zog es war ein Diamant , da schenkte ihm der Rat das Leben. |
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| Kaiser Karl zu Nürnberg
Die Sage geht, dass Karl der Große sich zu Nürnberg auf der Burg in den tiefen Brunnen verflucht habe und daselbst aufhalte. Sein Bart ist durch den Steintisch gewachsen, vor welchem er sitzt. Brüder Grimm, Die deutschen Sagen der Brüder Grimm, Berlin o.D. |
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| Wasser ist Leben!
Helfen Sie uns, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen. Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben. Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und sein Team. |
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