Sehenswert ist das Münster des ehemaligen Zisterzienserklosters Heilsbronn. Neben dem Hochgrab der Kurfürstin Anna führen Stufen zu einer Quelle, die in einer kleinen Gruft inmitten der Kirche entspringt. Das Grab der Kurfürstin ist das älteste der Hohenzollerngräber im Heilsbronner Münster. Die christliche Legende berichtet: Als die heiligen Geschwister Walburgis, Oswald und Wilibald in Ostfranken reisten scharrte ihr Esel drei Quellen aus: in Heidenheim, wo Walburgis ein Kloster baute, in Auhausen wo Oswald, und in Heilsbrunn, wo Wilibald ein Kloster baute (siehe K. Weinhold, Verehrung der Quellen). Es gibt jedoch auch anders lautende Erklärungen.

Blick in das alte Brunnenhaus im Kloster Heilsbrunn. Kupferstich aus: Feuerlein, Heylsbronnisches Zeugnuß der göttlichen Güte und Vorsorge. Nürnberg, 1732.
Zur Geschichte Heilsbronns

Der Sage nach sollen die Gesellen des heiligen Kilian hier Christen getauft haben, wonach die Quelle den Namen Heiligbronn erhielt. Tatsächlich kommt in Urkunden seit der Karolinger Zeiten bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts nach Jäger1 sogar ausschließlich die Bezeichnung Heiligbrunn (z. B. 841 Hailigbrunno) vor, 1225 aber auch 'Heilesbrunnen' und 1338 'Heylprunnen'. Schon 745 übergab Karlmann eine dem Erzengel Michael geweihte Kirche zu Heilbronn dem neu errichteten Bistume Würzburg. Nach einer Urkunde von 1132 erhielt das Kloster vom Heilbrunnen seinen Namen. Es sind auch Heilungen aus alter Zeit bekannt. Man hielt sie jedoch, wie den Zusammenhang vom Kloster mit seinem Namen, für Sage, weil kein Brunnen vorhanden war. Als man aber 1729 in dem im alten Kloster gelegenen Brauhof einen bis dahin öden Brunnen ausräumte, um einen Fischbehälter daraus zu machen, zeigte es sich, daß man nicht nur vier oder fünf Treppen hinab gehen, sondern auch um denselben her in ausgerundeten Steinen sitzen und das daneben gefasste Wasser bequem schöpfen konnte. Das war das ehemalige Badebassin. Man suchte auch nach der Quelle und fand sie in ihrer alten Einfassung, nämlich in schön zusammengeklammerten Quadersteinen in ein längliches Viereck gefasst, fünf Schuh tief unter der Erde. Bei diesen Arbeiten wurden, wie das nach den älteren Bäderberichten öfters zu geschehen pflegte, zwei zufällig mit Krankheiten behaftete Tagelöhner sofort gesund und nun war der Ruf der alten Quelle wieder hergestellt. Bis dreißig Meilen weit wurde das Wasser fortgeführt, oft badeten an einem Tage mehrere hundert Personen. Man leitete aus der alten, unverändert gelassenen Fassung die Quelle in einen Neubau (Abb. 94), der für Trinkkuren und zum Schöpfen von Badewasser eingerichtet war. Nach vielen, auch im Druck veröffentlichten Heilungen schwand der Ruf der Quelle, die fortan gutes Trinkwasser lieferte und gegen 1854 auch eine kleine Badeanstalt für Gesunde erhielt.

1 Jäger, Geschichte der Stadt Heilbronn. Heilbronn, 1828

Aus: Alfred Martin, Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen, Jena 1906

Heilsbrunn (heute Heilsbronn)

Es war ein Ritter aus dem Geschlecht derer von Heideck, den peinigte ein jahrelanges Siechtum. Einst ritt er in einem Walde umher, und die Macht der Krankheit befiel, brennender Fieberdurst quälte ihn aufs Neue. Da kam er auf eine Waldblöße, auf der ein frischer Brunnquell zutage kam, wo die Vögel lieblich sangen und die Bäume kühl schatteten. Da warf sich der lechzende Ritter vom Ross, kniete hin an die frische Quelle, rief die Mutter des Heilandes an und trank in vollen Zügen. Und da ging es ihm wie dem Ritter Heinz Teufel, die Königin der Engel erhörte ihn, und der Brunnen half und heilte ihm sein Gebrest und da nannte er die Quelle seinen Heilsbrunnen und erbaute an ihr eine Kapelle. Bald kamen die Pilger in Scharen gezogen, tranken und genasen, und bald faßte das Kirchlein nicht die Zahl der Beter. Da gründeten dann die Brüder Rapoto und Konrad, Grafen zu Abenberg, mit dreien ihrer Schwestern eine große Kirche und ein Kloster in Gemeinschaft mit Bischof Otto zu Bamberg, der ein Graf von Andechs und der Pommern Apostel war, im Jahre des Herrn 1132 und weihten es in die Ehre der Gottesmutter und St. Jakobs Zebedeus, und das Kloster wurde mit Zisterziensermönchen besetzt und eine Enkelin Morimonts genannt. Kaiser Ludwig der Bayer setzte die Burggrafen von Nürnberg zu Schutzherren des Klosters ein und diese erkoren es zu ihrem Erbbegräbnisse, daher die Fülle herrlicher Denkmäler der Zollern in der noch wohlerhaltenen Klosterkirche. Diese Kirche hatte nicht weniger als achtundzwanzig Altäre, davon der Hochaltar, ein überreiches Schnitzwerk von eines Heilsbrunner Mönches Hand, den ganzen Chor einnahm. Dieser mönchische Künstler fertigte infolge eines Gelübdes den Altar und vermaß sich, nichts zu vergessen, allein da das Werk vollendet war, so fand sich, daß die eine Hand der Figur der heiligen Jungfrau nur vier Finger hatte. Dafür hat des Mönches Leib keine Rast im Grabe finden können und ist sein Gebein unbegraben aufbewahrt worden. Dieser Bildschnitzer war aber wohl ohne Zweifel ein Schalk; er brachte nicht nur irgendwo in der Kirche eine Schweinsmutter an, welche Juden an ihren Zitzen saugen ließ, sondern auf der Stolspange der Statue des heiligen Bischofs Otto ein üppiges Tänzerpaar und einen Sackpfeifer, der diesem aufspielte, vor welchen prostituierlichen Figuren viele Tausende niedergekniet sind und gebetet haben.

Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Meersburg 1930 (1853)

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Kristallklar und strahlend sprudelt die heute fast vergessene Quelle in der Gruft des Münsters. Die Quelle wurde Mitte des 19. Jh. neu gefasst und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihre Lage und die vielfältigen Geschichten, die sich um ihr Wasser ranken, weisen darauf hin, dass die Quelle bereits lange bevor das Münster erbaut wurde, für das Volk eine herausragende Bedeutung hatte. Es fällt auf, dass die einzigartige Quelle in den Beschreibungen des Münsters heute meist ungenannt bleibt.
Gründung des Klosters Heilsbrunn

J.H. v. Falkenstein Hochstift. Eichstädt II., 351.

Ein Ritter von Heideck siechte schon jahrelang am Fieber. Kein Mittel half, niemand konnte raten. Nun geschah es, dass er an einem fieberfreien Tage sein Ross bestieg, um sich in der frischen Luft ein wenig zu erreiten. Als er schon lange in Feld und Wald herumgeschweift war, befiel ihn brennender Durst, so dass er verschmachten zu müssen glaubte. Endlich kam er auf einen schönen grünen Rasenplatz; da hüpften und sangen die munteren Vöglein, da warfen die hohen Bäume kühlenden Schatten und was das Beste war: da sprang ein Brünnlein des herrlichsten Wassers mit lustigem Sprudel aus dem Felsen hervor. Alsogleich war der Heidecker vom Pferde und schlürfte in langen Zügen das erfrischende Wasser. Von selber Stunde an genas der Ritter von allem Fieber. Daher nannte er die Quelle Heilsbrunnen und erbaute aus Dankbarkeit eine Kapelle zu Ehren des heiligen Michael. Bald zog die Wunderkraft des Wassers zahlreiche Pilger herbei, so dass die Kapelle nicht Raum für die Betenden hatte. Daher bauten die Brüder Rapoto und Conrad, Grafen zu Abenberg, eine größere Kirche und ein der Gottesmutter geweihtes Mönchskloster, Zisterzienserordens.

Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayerischen Lande, aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, München 1852

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Das Brunnenhaus aus dem Jahr 1735, nordwestlich der Stiftskirche, entstand an der Stelle des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Dreischalenbrunnens des Klosters. Da der rund zwei Meter unter Straßenniveau liegende Brunnen deutlich tiefer liegt als der Quellbrunnen in der Gruft des Münsters, kann man davon ausgehen, dass der Münsterbrunnen die Hauptquelle ist, deren Wasser zur allgemeinen Verwendung hierher umgeleitet wurde. Besonders während des 18. Jahrhunderts fand in Heilsbronn ein reger Kur- und Badebetrieb statt. Das Heilsbronner Brunnenwasser soll gegen nahezu alle damals bekannten Krankheiten besonders 'hülfreich' gewesen sein und brachte dem Kloster einen warmen Geldsegen.
Marienburg

Bei Abenberg. - Falkenstein Hochst. Eichstädt II., 377. Brunner ann. Boic III., 78. Vat. Mag. II., 71.

Stilla, Rapoto und Konrad, drei Kinder des edlen Grafen Wolfram II. von Abenberg, hatten jedes einen Wunsch. Erstere, dass die Kapelle, welche sie unfern Abenberg bauen ließ und Letztere, dass das Kloster in Heilsbrunn, welches sie stiften halfen, bald vollendet dastehen möchte. Im Jahr 1152 wurde der Bau dieses Klosters beendigt und schon ein Jahr früher stand Stilla's Kapelle. Bischof Otto von Bamberg (aus dem Hause der Grafen von Andechs) weihte letztere zur Ehre St. Peters und erhielt von Stilla das Versprechen ewiger Keuschheit. Von nun an sah man Stilla täglich hinab gehen zum neuen Gotteshaus, ihre Andacht dort zu verrichten. Es wurde ihr so teuer, dass der Wunsch, auch noch ein Kloster dort zu erbauen, in ihrer Seele entstand. Leider wurde dieser Wunsch zu Stilla's Lebzeiten nicht erfüllt. Die fromme Gräfin ging nie allein zu ihrem geliebten Andachtsort, sondern immer war sie, in frommer Rede sich unterhaltend, von ihren Kammerfrauen Gewehra, Widikuna und Winterbring geleitet. Einstmals verließ Stilla mit ihrem weiblichen Gefolge wieder die Kirche, ernst und wehmütig gestimmt. Tod und Grab waren der traurige Inhalt ihrer Unterhaltung, in deren Lauf die Genossinnen den aufrichtigen Wunsch äußerten, dass Gott noch lange den Augenblick ferne halten möge, wo Stilla's irdische Hülle in dem von Rapoto und Konrad gestifteten Kloster ruhen würde. »In Heilsbrunn?« fragte Stilla, »das kann nicht geschehen,« und so gingen sie schweigend vollends den Burgberg hinauf. »Nicht wahr,« sprach Stilla, »ihr lieben Jungfrauen, ihr versprecht mir getreu und fest zu halten, um was ich euch jetzt bitten werde?« Feierlich gelobten die Mädchen, dass ihnen der Wille ihrer Gebieterin heilig sein werde. »Nun seht,« sprach jene und streifte den Handschuh von der schönen Hand – »nun seht, wohin jetzt die Winde diesen Handschuh tragen werden, dort und nur dort will ich einst begraben sein.« Und der über die Burgzinne hinausgestreckten Hand entflog der Handschuh. Wie eine weiße Taube wurde er von den Winden dahin getragen und sank bei der Kapelle nieder. »Ja, so sei es,« rief Stilla entzückt über die so heiß erflehte Erfüllung ihres innigen Wunsches, »dort, wo ich mir so oft Ruhe erflehte und Trost, dort in jener Kapelle will ich einstens ausruhen von diesem Leben und harren auf den Ruf des Herrn zur Ewigkeit. Dass dieser mein Wille erfüllt werde, darauf Freundinnen, darauf haltet eures Versprechens eingedenk, wenn euch meine Ruhe im Grabe lieb ist.« Stilla starb und ihre Leiche sollte, so beschlossen die Ihrigen, im Kloster zu Heilsbrunn beigesetzt werden. Da erinnerten sich Gewehra, Widikuna und Winterbring Stilla's Wunsches und ihres eigenen Versprechens. Jetzt unverzüglich baten sie um Gehör bei dem gräflichen Familienrate, dem sie erzählten, was sie von Stilla gehört, von der Burgzinne aus gesehen und dort gelobt hatten und baten ihn flehentlich, Stilla in ihrer Kapelle ruhen zu lassen. Darauf einzugehen war man nicht geneigt und doch trug man Bedenken, Stilla's letzten Willen zu verachten. Gott möge entscheiden, war der Beschluß. Jammernd und weinend standen des andern Tages am frühen Morgen die Armen der ganzen Umgegend vor der Burg Abenberg, erwartend die Leiche Stilla's, ihrer Wohlthäterin, welche von ihren treuen Freundinnen auf einen stattlichen Wagen gehoben wurde. Mit zwei glänzend weißen Stieren wurde dieser bespannt und wohin jene die Leiche bringen würden, da sollte sie begraben werden. Niemand dürfte, so war bedungen, die Tiere leiten oder antreiben. Kaum war die Leiche auf dem Wagen, so zog das Gespann und führte diesen langsamen Schrittes zur Kapelle hin, wo er stehen blieb. »Gott hat entschieden!« rief das Gefolge und Stilla's Leichnam wurde nun der von ihr erbauten Kapelle übergeben. Still ruhte Stilla in der dunkeln Gruft, bei der mannigfache Wunder geschehen sein sollen und welche eben deswegen von zahlreichen Wallfahrten andächtiger Christen besucht worden ist. Bischof Raimbotto von Eichstädt weihte den Altar in der Kapelle zu Ehren der heiligen Stilla und Bischof Wilhelm von Reichenau erbaute 1488 an die Stelle der Kapelle ein Frauenkloster, Marienburg genannt, Augustinerordens. So wurde auch dieser im Leben oft gehegte Wunsch Stilla's erfüllt. Noch heutiges Tages, erzählt Falkenstein, sieht man ihr erhöhtes Grab linker Hand beim Eingang in die Klosterkirche.

Alexander Schöppner, Sagenbuch der bayerischen Lande, aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, München 1852

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Das Münster Heilsbronn, ehemaliges Zistertienserkloster, gegründet 1132. Das Münster diente den Hohenzollern zwischen 1297 und 1625 als Begräbnisstätte.
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