Die Burg bei Wöhr1 nahe Abensberg in Niederbayern

Mündlich.

Die Burg bei Wöhr in dem Überschwemmungsgebiet der Donau ist ein runder, nicht sehr hoher, mit einem Graben umgebener Hügel, dessen kreisrunde Fläche etwa 200 Fuß im Durchmesser hat. Auf demselben stand ein gemauertes Gebäude, wie die noch sichtbaren Fundamentmauern zeigen. Man fand auf diesem Hügel, auf welchem früher große Eichen mit dichtem Gesträuch standen Urnentrümmer, Eberzähne und dergleichen. Nunmehr wird er angebaut.

Auf diesem Hügel, so geht die Sage, stand eine Burg, in welcher drei Fräulein1 wohnten, welche die umliegenden gegen achtzig Tagwerk großen Wiesen verschenkten. In der Nacht des Fronleichnamtages sahen die Leute oft das Schloss voll Feuer, welches aus den Kreuzstöcken sprühte. Das Schloss ist aber später versunken. In der Tiefe liegt ein Schatz verborgen und oft sieht man nachts auf dem Hügel einen tiefschwarzen Pudel mit feurigen Augen. Einst warf ein Fischer in das nahe Altwasser der Donau sein Netz und zog eine Truhe heraus. Er rief: "Nun habe ich den Schatz!" Aber die Kiste versank.

Friedrich Panzer, Bayerische Sagen und Bräuche, München 1848



1 Die drei Beten: Ambet als jungfräulich-mütterliche Erdgöttin, Borbet als mütterliche Sonnengottheit und Wilbet als Glücksgöttin und Mondfrau. Die drei Beten galten ursprünglich als vorgeschichtliche bäuerliche Göttinnen der Fruchtbarkeit, Ernte und Helferinnen gegen Krankheit, Viehseuche und Kindsnöte.
Mitunter werden die Beten auch als Schicksalsfrauen nach dem Vorbild der germanischen Nornen oder als Totengöttinnen angesehen. Heute werden sie jedoch eher der keltischen Mythologie zugerechnet oder werden als Hauptgottheiten einer matriarchalisch ausgerichteten Religion angesehen.
Das Wort 'beten' lässt sich auf die drei Göttinnen zurückführen.


Siehe auch die Sage von der Insel Wörth im Würmsee (Starnberger See).

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