Letzte Schneereste bei Frühjahrsbeginn am Wildseemoor bei Kaltenbronn.
Sagenhaftes vom Wildsee bei Wildbad
Der wilde See

Etliche Stunden von der Stadt Wildbad, deren Quellen von unterirdischem Feuer zeugen, liegt auf hoher Gebirgsfläche von etwa 50 kleineren Seen umgeben der über 30 Mrg. grose wilde See, in einer etliche 1000 Mrg. grosen Moorgegend, entfernt von allen menschlichen Wohnungen und unbeschreiblich traurig einsam, weil nur selten sich eine wilde Ente auf sein Wasser, das keine Fische enthält, verirrt, und noch seltener ein Hirte mit seinem Vieh sich dieser gefährlichen Gegend nähert. Desto auffallender ist es, daß einst ein sein Vieh in einiger Entfernung weidendes Mädchen einen vornehm gekleideten Herrn auf schönem Pferde spornstreichs durchs weiche Moor auf den See zureiten, sich in denselben stürzen und Mann und Pferd in seiner Tiefe verschwinden sah. Nur der Hut des Reuters schwamm noch etliche Minuten länger auf dem Wasserspiegel umher.

Pfarrer Friedrich August Köhler (1768-1844), Transskription Reinhard Caspers

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Der Wildsee bei Wildbad

In dem Gebirge zwischen Murg und der Enz liegt ein hoher sumpfiger Bergrücken, der sich in einer Länge von drei Stunden längs der Enz hinzieht und von den Umwohnern 'das Moos' genannt wird. Auf dieser nur mit Heidekraut und Torfmoos bekleideten Hochebene befindet sich ein ziemlich großer See, um welchen mehr denn fünfzig kleinere Teiche und Wasserbecken herum liegen. Wildsee heißt der größere See und durch ihn zieht sich die Grenze von Baden und Württemberg. In früheren Zeiten bildeten sie wahrscheinlich alle zusammen nur einen einzigen großen See. Einst hielt man ihn für unergründlich: aber ein Herzog aus Baden Württemberg ließ ihn messen und da fand es sich, dass er nicht mehr als 18 Fuß Tiefe habe. Von diesem See gehen fast dieselben Sagen im Volke, wie von dem Mummelsee, z. B. die von dem Hirtenknaben und der Wasserfee.

August Schnezler, Badisches Sagenbuch, Karlsruhe 1846

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Der Wildsee

In seinen Tiefen hausen ebenfalls schlimme Geister; diese aber sind bei Tag als schwarze Fische zu sehen. Oft auch lässt sich in seinem Grunde ein Spielmann lustig musizierend hören, worauf sich dann immer ein Unglück in der Gegend ereignet.

Auch geht die Sage, es sei einstmals ein fremder Herr in prächtigem Kleide zu Pferd auf dem Moos erschienen; der sei vor den Augen eines Hirtenmädchens spornstreichs auf den See zugesprengt, Mann und Ross alsbald in dessen Tiefe verschwunden und nur der Federhut des Kavaliers sei noch eine Zeit lang oben auf dem Wasser geschwommen.

August Schnezler, Badisches Sagenbuch, Karlsruhe 1846

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Seefräulein am Wildsee

In dem wilden See, der etwa drei Stunden von Wildbad entfernt an der badischen Grenze liegt, gab es sonnst Seefräulein, die kamen oft nach Wildbad und spannen. Andere sagen, sie seien sehr schüchtern gewesen und sobald ein Mensch sich ihnen genaht, seien sie in den See gesprungen. Sie sollen gewöhnlich nur zur 'Stierhütte', das sind drei bis vier Häuser, die eine halbe Stunde vom See entfernt liegen, gekommen sein. Sonst habe man sie nur auf der Wasserfläche sehen und singen hören können.

G. Burkhardt, Schwarzwalds Sagenkranz, Freudenstadt 1926

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'Die Nixe des Wildsees'. Wandmalerei in der Vorhalle der Baden-Badener Trinkhalle.
Die Nixe des Wildsees (bei Wildbad)

Tief im Gebirge und Wald liegt heimlich und still der Wildsee. Vor Zeiten lebte dort ein junger Hirte, der durch die Wälder hin seine Schafe weidete und tagelang am schilfigen Ufer saß, Hirtenflöten schnitt und muntere Lieder sang. Er war ein schöner Jüngling; anmutig umrankten sein zartes Gesicht die goldenen Locken, die ihm in reicher Fülle bis auf die Schultern fielen. Darum liebte ihn auch die Wassernixe, welche dem Seegrund entsteigend, aus heimlichem Versteck ihn tagelang schmachtend betrachtete. Einst aber, als der Knabe wieder singend am Ufer saß und in den ruhigen Spiegel des Sees blickte, trat sie hervor und schloss den Überraschten in heißer Liebesglut in ihre Arme. Da ergriff den Hirten eine rasende Liebe zu der schönen Wasserfee. Aus war’s mit seiner Ruhe und glücklichen Zufriedenheit. Er floh seine Freunde und überhaupt jedes Menschenantlitz. Sein einzig Glück war bei seiner lieben Wasserfrau, welche ihn denn auch jeden Abend singend und fröhlich am Ufer erwartete. Lange Zeit verging ihnen so in ungetrübter Sinnenfreude. Einst aber sagte die Nixe zum Buben: „Ich muss auf wenige Tage dich verlassen; erwarte mich hier, aber rufe ja meinen Namen nicht aus.“

„Seeröslein, du Liebe, komm’ bald zurück!
Ohne dich bin ich arm, du mein einziges Glück“,

antwortete flehend der Hirt und sie versprach, ihm bald wiederzukommen. Früh morgens schon ging der Knabe zum See, um zu sehen, ob sein Herzlieb noch nicht wieder zurückgekehrt sei. Aber Tag um Tag verging, ohne dass sie erschien. Da ward er traurig und bleich und gestand endlich auf vieles Zureden dem bekümmerten Vater seinen Schmerz.

„Mein Sohn, mein Sohn, geh nimmer zum See,
Dort lockt und verführt dich die Nixe, die Fee,
Dann bleibt dir im Herz ein unendliches Weh!“

So warnte der Alte eindringlich. Doch der Sohn hörte nicht darauf. Ihn zog es mächtig zu der Geliebten und er eilte an die heimliche Stelle im Schilf, wo er sie immer getroffen. Aber wieder war es dort einsam und beinahe wollte sich hoffnungslose Verzweiflung seines bangen, sehnsüchtigen Gemütes bemächtigen, da erblickte er sie plötzlich am anderen Ufer, wie sie leicht mit der einen Hand in die Saiten der Leier griff und mit der anderen ein zahmes Reh streichelte. Entzückt rief da der Jüngling alles vergessend ihren Namen, aber ein gellender Schrei war die Antwort. Die Nixe war plötzlich verschwunden, und statt ihrer lag eine ganz mit Blut bedeckte Seerose im Grase. Da sah der erschrockene Knabe ein, dass er durch seinen unvorsichtigen Ausruf den Tod der Geliebten herbeigeführt habe. Ein wilder Schmerz der Reue ergriff sein Gemüt und er floh tiefsinnig in die Wälder. Lange Jahre nachher soll er noch öfters als ein irrsinniger Bettler in der Gegend des Wildsees gesehen worden sein.

Alexander Würtenberger, Schwarzwaldsagen und Geschichten, Baden-Baden o. D.

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Bohlensteg durch das Wildseemoor.
Der Herzog lässt den Wildsee vermessen

Drei Stunden von Wildbad liegt der wilde See, nach Baden hinwärts, aus dem kamen die Fräulein ins Wildbad und spannen und sangen. Das ist vorbei mitsamt der guten Zeit, und die Zeit ist hin, wo Bertha spann. Da einmal der Karl Herzog versuchen ließ, den wilden See messen zu lassen, wie tief er sei, wie beim großen Mummelsee auch geschehen, so fand das Senkblei keinen Grund, wie tief es immer fiel, und da geschah dem Herzog Ähnliches wie jenen Vermessenen, die des Arendsees Tiefe ergründen wollten, denn es zuckte von unten an der Schnur, und wie sie das Senkblei aufzogen, hing ein Zettel daran, auf welchem geschrieben stand: Wer misset die Wasser mit der Faust und fasset den Himmel mit der Spanne? – So du mich wirst ergründen, wirst meinen Grund du selber finden. – Da erschrak der Karl Herzog und ließ ab vom Messen und ließ den Kahn zum Strande fahren.

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