Der obere Teufenbach im Raureif. (48° 11' 10" N, 8° 29' 59" O, Alt. 719 m)

Die Sage vom Täufermännle

Nach Albert Hiß, Brunnengeister und Feenquellen, in: Badische Heimat 1969.

Ein Bauer ging jeden Samstag nach Rottweil. Auf seinem Weg musste er das Täuferbächle überqueren, das in Schönbronn nahe Schramberg entsprang. Auf dem Steg hielt ihn jedes Mal das Täufermännle an, das in dem Bach zu Hause war. Es wollte den Bauern nicht hinüberlassen, bis dieser endlich zu dem Bachgeist sagte: "Wer immer du auch sein magst, lass mich doch bitte hinübergehen! Ich will dir auch gerne einen Wecken mitbringen." Daraufhin ließ ihn das Männlein passieren und ebenso, als er wieder zurückkam und dem Geist den versprochenen Wecken gab. Der Bauer merkte sich dies und brachte seitdem immer einen Wecken für das Täufermännle mit, wenn er nach Rottweil ging oder von dort kam. Und jedes Mal ließ ihn der Bachgeist dafür ungehindert den Bach überqueren. Eines Tages meinte er jedoch, es sei nun wohl nicht mehr notwendig etwas mitzubringen, zumal er ja nun schon so manches Gebäck für das Täufermännle gekauft hatte. Also kam er dieses Mal mit leeren Händen. Dafür wurde der Bauer, als er mitten auf dem Steg war, vom Täufermännle ins Wasser geworfen.

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Anmerkungen zur Sage vom Täufermännle

Die Sage vom Täufermännle wurde, wie wohl die meisten deutschen Volkssagen, im 19. Jahrhundert niedergeschrieben. Damals nannte man das Gewässer 'Täuferbächle'. Ursprünglich wird das kleine Bächlein, das im Schramberger Ortsteil Schönbronn entspringt und das bereits in rund 9 km Luftlinie in den Fischbach mündet, einem Naturgeist oder einer vorchristlichen Gottheit geweiht gewesen sein und Schönbronn war der schöne Born in dem das Bächlein entsprang. Und vielleicht stand auf der Höhe, keine 50 m von der Quellwiese entfernt, ein heidnischer Altarstein. Die römisch-katholische Kirche negierte die alten Götter nicht, sie dämonisierte sie und nannte sie 'Teufel'. Aus dem heiligen Bächlein wurde ein Teufelsbächlein und der Ort an dem vielleicht der Weihealtar gestanden haben mag, wird heute Geisterstein genannt. Bis zum 19. Jahrhundert hat sich der Name des Bachs religionsverträglich zum Täuferbächle gewandelt. Seitdem wurde der Namen weiter verfremdet. Auf aktuellen topografischen Karten wird er 'Teufenbach' geschrieben.

Die Sage vom Täufermännle erzählt in verschlüsselter Form von den Gewässeropfern, die man Gewässern in vorchristlicher Zeit darbrachte.

Albert Hiß schreibt 1969 in der 'Badischen Heimat' über die oben beschriebene Sage: "Das Täufermännle personifiziert wie viele andere im und am Wasser lebende volkstümliche Sagengestalten den Bach und dessen 'Seele'. Der Wecken (= kleines Brot) ist nichts anderes als ein 'Wasseropfer' an das vielleicht auch die ursprüngliche Bedeutung des 'Brückenzolls' an Flussübergängen erinnert. Ob Wecken, Münzen, Salz oder andere 'Opfer' - sie werden dem Wasser übergeben, um den darin wohnenden Kräften seine Verehrung zu erweisen, sie sich wohlgesinnt zu machen und Unheil, das sie bringen könnten, abzuwenden." kk

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Der Schramberger Ortsteil Schönbronn. Neben der Baumgruppe im Vordergrund der alte 'schöne Born'.

Der Quellteich ist heute der Löschteich des Weilers.

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