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| Schloss Staufenberg hoch über dem Durbachtal. In der Ferne die Rheinebene. | ||||||||||||||
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| Schloss Staufenberg und die schöne Melusine* 48° 30.155' N, 8° 1.766' O
*Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Melusine |
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Feenweg Als noch auf das Bergschloss Staufenberg nur ein Fußpfad führte, wohnte dort ein reicher Freiherr, der nur ein einziges Kind, eine schöne Tochter, hatte. Um sie bewarben sich viele Edle; aber er wollte sie nur Demjenigen geben, der ihm in einer Stunde einen guten Fahrweg auf die Burg herstellte. Betrübt über die Unerfüllbarkeit dieser Bedingung, wandelte ein junger Ritter am waldigen Fuß des Schlossbergs und da begegnete ihm die dortige Fee Melusine. Sie fragte Ihn, warum er so traurig sei und als sie es erfahren hatte, bestellte sie ihn gegen Mitternacht wieder her, wo ihm geholfen werden würde. Nachdem er zur bestimmten Zeit sich eingefunden, hieß ihn die Fee die Herstellung des verlangten Weges getrost beginnen. Er tat es und bemerkte bald, dass eine Menge Unsichtbarer ihm Hilfe leistete. In einer Stunde war der Fahrweg zum Schlosse fertig und voll Freude und Hoffnung ritt der Ritter auf seinem Schimmel hinauf. Gleichwohl ward ihm das Fräulein von ihrem Vater verweigert und er dadurch so empört, dass er denselben erschlug und ihn in den tiefen Burgbrunnen hinab warf. Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden Bd. II, Karlsruhe 1859 |
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![]() Blick in das Brunnenhaus der Burg. Im Hintergrund das Laufrad, mit dem das Wasser aus der Tiefe heraufgezogen wurde. Es wurde vermutlich durch einem Esel angetrieben. |
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| Der Geisterweg
Durch jene Rebgelände, wo der köstliche, weitberühmte Klingelberger wächst, führt ein hübscher Weg hinauf zum alten Schloss Staufenberg. Unsere Alten haben von je große Stücke auf einen guten Trunk gehalten, darum gaben sie auch gar oft den anmutigen Höhen, darauf sie ihre Burgen bauten, den Namen Staufen, das ist Trinkhorn. Und so ist wohl dieser Staufenberg heutzutage noch einem rebenbekränzten Trinkhorn vergleichbar; denn in dem Burgkeller seines fürstlichen Besitzers mag manch ein Schoppen edlen Traubenblutes liegen. - In alten Tagen lebte dort auf dem Schlosse Ritter Grimmo von Staufenberg, der ein wunderschönes Töchterchen hatte. Um die holde Berta warb schon längere Zeit ein junger Edelmann, der wohl dem Mädchen, aber keineswegs dem Vater gefiel. Und als der Alte einst des unbequemen Freiers überdrüssig ward, da scheuchte er ihn mit harten Worten zur Burg hinaus: "Der Teufel!" rief er, "du Hungerleider bekommst mein einzig Kind nicht und wenn ich sie mit dir verderben muss." Aber wiederum verlegte sich der Jüngling aufs Bitten: "Edler Herr! Verlangt von mir was ihr wollt, um Bertas Willen will ich sogar den Tod leiden." "So viel verlang" ich nicht," rief höhnisch der Ritter, "wenn du aber bis morgen früh eine hübsche Straße herstellst vom Tal hinauf zum Schlosse, so sollst du mein Kind haben." Da ging der Freier davon und lief betrübt am bewaldeten Fuß des Schlossberges herum. Auf einmal sah er vor sich im dunkelgrünen Tannenbusch ein wunderschönes Mädchen stehen, welches ihn teilnehmend nach seinem Kummer fragte. "Ich bin die Fee Melusina und will dir helfen," sprach sie. Darauf erzählte ihr der Junker von seiner Liebe zu des Staufenbergers Tochter und von der schnöden Hartherzigkeit Grimmos und seinem unausführlichen Verlangen. Da tröstete ihn die Fee: "Sei fröhlichen Mutes und beginne rastlos an dem Werke, ich will dir dabei helfen." Als die Nacht anbrach, kam der Junker mit Spaten und Hacke und begann einen Weg zu schaufeln. Unsichtbare Geisterhände halfen ihm dabei und ehe der Morgen graute, war der Weg fertig und er lief mit lautem Jubelgeschrei den erstaunten Ritter herbei, welcher sich jetzt nicht mehr weigerte, ihm seine Tochter zum Weibe zu geben. Der in einer Nacht entstandene Weg heißt jetzt noch der Feenweg, obwohl die geheimnisvolle Melusine längst aus dem Gebiet verschwunden ist. Aurelias Sagenkreis, Baden-Baden o. D. |
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![]() Das Fachwerkbrunnenhaus. |
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![]() Blick in den Tiefbrunnen. |
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![]() Nur wenige hundert Meter zu Fuß, oberhalb der heutigen Burganlage lag sich die ursprüngliche Burg Staufenberg. Hier spielte die Geschichte von der schönen Melusine. Die Festung wurde 1329 durch den Bischof von Straßburg zerstört. Heute zeugen lediglich ein paar überwachsene Steinwälle von der alten Burganlage. |
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| Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach
Vor etwa fünfzig Jahren kam ein österreichischer Geistlicher nach Durbach und miethete sich eine Wohnung. Nachdem er mit mehreren Männern aus dem Orte bekannt geworden war, eröffnete er ihnen, daß auf dem alten Schlosse ein großer Schatz vergraben sey, den sie mit ihm heben und theilen sollten. Gerne willigten die Männer ein und gingen mit ihm mehrere Nächte auf das alte Schloß, wo sie, nach seiner Anleitung, gewisse Gebete verrichteten. In der letzten Nacht wurde von einem Priester aus der Gegend, welchen der Geistliche auch für die Sache gewonnen hatte, eine Zwangsmesse gelesen, worin dieser den Diener machte. Kaum war sie zu Ende, so erhob sich aus dem Boden ein großer Haufe glänzenden Geldes, das die Männer schweigend auf den mit vier Rappen bespannten Wagen eines von ihnen luden und damit nach dessen Haus fuhren. Als sie darin waren, vergaß einer, daß vor der Vertheilung des Schatzes kein Wort gesprochen werden dürfe, und rief: "Jetzt haben wir das Geld, jetzt sind wir reich!" Da lag im Augenblick, statt des Schatzes, ein Haufe Sand auf dem Wagen und der österreichische Geistliche war auf immer verschwunden. Aus dem alten Schlosse fährt um Mitternacht eine gespenstige Kutsche, die mit sechs Rappen oder Schimmeln bespannt ist und von einem grauen Mann gelenkt wird. Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden Bd. II, Karlsruhe 1859 |
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![]() Melusines Geheimnis wird entdeckt. Buchmalerei aus 'Le Roman de Mélusine' von Guillebert de Mets, um 1410. |
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| Paracelsus über die Melusine vom Staufenberg
[...] Also ist auch eine wahrhafte Historie von der Nymphe in Staufenberg, die sich mit ihrer Schöne in den Weg gesetzt hat und ihren Herrn, den sie sich vornahm, erwartet. Nun ist zwar bei den Theologen solch Ding ein Teufelsgespenst; aber fürwahr nicht bei den rechten Theologen. Was ist in der Schrift größer denn nichts verachten, alle Dinge wohl ermessen, mit zeitigem Verstand und Urteil, und alle Dinge ergründen, und unergründet nichts verwerfen? Da sich denn wohl zeigt, dass sie wenig in den Dingen verstehen, überhobelns mit der Kürze, sagen es seien Teufel, so sie doch den Teufel selbst auch nicht wohl kennen. Das sollt ihr aber wissen, dass Gott solche Mirakel geschehen lässt, nicht dass wir alle dermaßen sollen zu Nymphen weiben, oder bei ihnen wohnen, sondern etwa einer zu einem Anzeigen der seltsamen Werke in göttlichen Kreaturen, und dass wir sehen die Werke seiner Arbeit. So es aber ein Werk vom Teufel wäre, so soll’s verachtet werden; das es aber nicht ist, denn das kann er nicht, allein Gott kann’s. Nun war dieselbige Nymphe eine Wasserfrau, versprach sich demselbigen von Staufenberg, blieb auch bei ihm, so lange bis er ein anderes Eheweib nahm, und sie für eine Teufelin hielt. Da er sie dafür achtete und nahm ein anderes Weib, so brach er ihr folglich das Gelübde: darum sie ihm auf der Hochzeit Wahrzeichen gab durch die Bühne, auf seinem Tisch, bei ihrem Schenkel, und er also am dritten Tag tot war. In solchen Dingen zu urteilen, braucht große Erfahrenheit; denn Gelübde brechen bleibt nicht ungerochen, sie geschehen wie sie wollen, zu Ehren und Ehrbarkeit, und zu Nutz, vorzukommen anderem Übel und Laster. So sie ein Gespenst gewesen wäre, woher hätte sie Fleisch und Blut genommen? So sie ein Teufel gewesen wäre, wo wären denn die teuflischen Zeichen geblieben, die allemal mitlaufen? Ist es denn ein Geist gewesen, was hat er der Dinge bedurft? Es ist ein Mensch gewesen und eine Nymphe, wie beschrieben ist, eine Frau zu Ehren, und nicht zu Unehren; darum sie die Pflicht und Treue hat wollen gehalten haben. Da es aber nicht geschehen war, da strafte sie den Ehebruch aus göttlicher Verhängnis selbst; denn kein Richter urteilte auf ihr Begehren, weil sie nicht von Adam war. Solchem nach ward ihr von Gott die Strafe, so einem Ehebruch gebührt, zugelassen, und selbst da Richter zu sein, dieweil die Welt sie verwarf als einen Geist oder Teufelin. Solcher Dinge sind viele mehr geschehen, die von Menschen in Verachtung gestellt sind, ist aber übel geschehen, und eine Anzeige großer Torheit. Nicht minder ist mit der Melusina ein trefflich Aufmerken zu haben: denn sie ist nicht der Art gewesen, als sie geachtet worden von den Theologen, sondern eine Nymphe. Aber, das ist wahr, besessen mit dem bösen Geist, den sie von sich gebracht hätte, so sie geblieben wäre bis zum Ende bei ihrem Herrn. Denn dermaßen ist der Beelzebub, dass er die Dinge verwandelt in andere Form, wie er das auch den Hexen tut, sie in Katzen, Werwölfe, Hunde etc. verwandelt; also ist auch ihr geschehen, denn der Hexerei ist sie nicht los gewesen, sie hat ein Teil damit gehabt. Daraus denn gefolget ist eine Superstition, dass sie hat müssen am Samstag ein Wurm sein, welches ihr Gelübde gewesen ist gegen Beelzebub, auf dass er ihr hinter den Mann hälfe. Außerdem ist sie eine Nymphe gewesen mit Fleisch und Blut, fruchtbar und bärhaft, von den Nymphen gekommen zu den Menschen auf Erden, und hat also da gewohnt. Und weiter, wie denn die Superstitio alle Dinge verführt und ärgert, ist sie in der Superstition wieder hinweggefahren von den Ihrigen, in die Orte, da die verführten Leute, die in Superstitionen verzaubert und inkantiert sind, hinkommen; wohl zu achten, sie sei derselbige Wurm geblieben bis zu Ende ihres Lebens, das Gott weiß wie lange währet. Also sind uns diese Dinge Exempel, dabei wir verstehen sollen, was wir auf Erden sind, und mit was seltsamer Art der Beelzebub in allen Winkeln mit uns handle und auf uns stelle, dass in Mitte des Meers ihm nichts verborgen ist, noch in Mitte der Erde, da er sich versäumte. Aber wo wir sind, da ist auch Gott, der erlöst die Seinen an allen Orten. Dass aber deswegen solche Frauen, weil sie nicht aus Adam sind, wollen für Teufel und Gespenster geachtet werden, ist töricht, nämlich dass Gott in seinen Werken für so klein gehalten wird; wie auch dass sie verworfen werden, weil sie Superstitiones haben: so doch der Superstitionen in der Römischen Kirche mehr sind, denn bei allen diesen Frauen und Hexen. So mag es denn wohl sein, dass es ein Exempel sei, so die Superstition einen Menschen zu einem Wurm macht, dass sie ihn auch zu einem Teufel machen kann; das ist, geht es den Nymphen also, so wird es euch in der Römischen Kirche auch also gehen, ihr werdet auch in solche Würmer verwandelt werden, die ihr jetzt hübsch und schön seid, mit großen Diadematen und Geschmucken geziert, welches wird zuletzt in einen Wurm und Drachen geraten, wie die Melusina und andere ihresgleichen. Darum ermesset alle wohl solche Dinge, und seid nicht blind mit sehenden Augen, und stumm mit guten Zungen, dieweil ihr doch nicht stumm noch blind geheißen sein wollt. Paracelsus (eigentlich Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 1493-1541), Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus. |
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![]() Der Bruch des Tabus: Raymond überrascht seine Frau Melusine im Bad und entdeckt ihren Schlangenleib. Illustration aus dem 'Le livre de Mélusine' von Jean d'Arras, 1478. |
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| Die Zimmersche Chronik über die schöne Melusine und den Ritter zu Staufenberg Also finden wir, das ain theurer, fürnemer ritter ußer der Ortnow, genannt herr Petter Diemringer von Staufenberg, vor vilen jaren ain solche merfainen zu weib überkomen, wiewol sie ime kain kindt geboren. Der ritter, herr Petter, hat von jugendt uf den höfen nachgewandlet, er ist zum hailigen grab zu ritter geschlagen worden, hernach hat er in Ungarn und Preußen, dergleichen in Engellandt und Frankreich, auch in teutschen und welschen landen die ritterschaft gesucht und sich allenthalben also erwisen, das sein lob und preis für andere ritter derzeit weit erschollen und übertroffen. Uf ahn zeit ist er nach langem wider haim geen Staufenberg zu baiden seinen brüedern kommen, und unlangs do gewest, ist er an aim pfingstag mit ainem vertrawten diener in ain dorf unter dem schloß, genannt Nußbach, zur kirchen geritten. Underwegen findt er ain schöne frawen, dergleichen er seins erachtens nie gesehen haben vermaint. Er sprücht ir zu; sie erzellt im, welcher gestalt sie im in ferren landen in nöten, gleichwol seinethalben unbewist, beigestanden, in aller gefahr darvon geholfen; kompt dahin nach vilen reden und zusprechen, das sie im bewilliget, zu allen zeiten er allain ir beger, sie bei im sein, auch ehren und guets biß an jungsten tag genug zubringen und fertigen welle, iedoch mit der beschaidenhait, das er ir verhaiß, sein leben lang [1346] kain eheweib zu nemen; dann wa das beschehen, werde er am dritten tag darnach one alles felen sterben müeßen, bei dem warzaichen, das sie uf den hochzeittag in beisein menigclichs ain bloßen fueß und schenkel biß an das knie sichtbarlichen erzaigen werd. Der ritter, der ain sonder wolgefallens ab solcher schönen creatur, verhaist ir nach allem irem begern, darauf sie auch im vilmals, zu aller zeit er ir begern was, beiwonung thuet, gibt im auch gelt und guet so vil, das er mit verwundern menigclichs ein so großen stat über sein und seiner gebrüeder vermegen füeren kont. Das werdt nun so lang, das ain großer hof geen Frankfuert an Main wardt ußgeschri-ben, und wardt auch aldo ein römischer künig erwelt. Dieweil aber dieser herr Petter Diemringer sich so ritterlichen mit allen ritterspillen zu Frankfurt erwisen, auch die dänk alle vor allen andern erworben, also das alles lob und der rum er allain erlangt, do gewann der römisch künig ain solliche gnad zu im, das er im ain schöne junkfraw, seiner basen aine, war ain geborne her-zogin von Kernten, mit ainem großen heiratguet, auch irer zugehörigen landtschaft zu vermeheln anbot. Herr Peter entschuldiget sich lang, das er nit willens sich zu verheiraten; zudem erkannt er sich zu schlecht und kleinfüeg, ein solchen hochen heirat zu bewilligen, welche entschuldigung doch der rö-misch künig von ime nit annemen wolt, zudem au ander fürsten und herren darzu redten. Damit wardt der ritter dermaßen geengstiget, das er inen bekennen muest, wie er ahn schöne fraw, die im in allen landen beiwonung thet, auch het er von ir ehr und gut, der het er verhaißen sich nit zu verhei-raten, darauf stüende im auch sein leben, das er gewisslichen, da er sein versprechen nit halten, am dritten tag darnach verlieren wurde. Hiebei waren etlich bischof und priester, die hörten alle wort und wie es im biß daher ergangen; die sprachen, es were kain rechtes naturlichs weib, sonder ain böser gaist, der hett sich also, ine zu betrüegen und letzstlich umb sein leib und seel zu bringen, verstellt und ains weibs form an sich genommen, und triben das arguirn mit ime so lang, das er sich doch nach langem verwilliget, des künigs basen zu nemen, die ime der künig verlobet, auch ehrlichen von hof wider abfertigt. Es wardt baldt hernach die hochzeit geen Staufenberg ins schloß angeschlagen. Dahin pracht man die jung herzogin von Kernten uf die be-stimpt zeit; so kamen auch vil grafen, herrn, ritter und knecht im zu ehren und zu gefallen, deren ainstails ire frawenzimmer und weiber mitprachten. Wie nun die hochzeit mit großer kostlichait wardt angefangen und der hoch-zeiter und die braut sampt der ganzen messanei ob disch saßen in frewden, einstmals, da man sich dessen am wenigisten versahe, so sickt man sichtbar-lichen ein mentsch, oder wer es dann gewest, ein zarten schneweißen fueß biß an die knie durch den soler oder boden herab lassen. So baldt das der theur ritter, herr Petter, ersicht, schreit er überlaut: "Wee mir armen man, das ich hab mich und euch verderbt! dann über drei tag kan ich nit mer leben und wurd müeßen sterben." Es liefen iren vil eilends uf den soler, aber sie konten niemands finden, vil weniger den riß oder spalt in dem estrich. Zu dem, so baldt das gespenst den fueß widerumb über sich gezogen, da konte man im sal auch nichs mehr sehen, und sprach menigclich, es were des bösen gaist geferdt und betrüegnus. Nichs destoweniger als der ritter ein geschwin-den scharpfen siechtagen an ime selbs empfande, do hieß er im ahn priester holen, legt sich in ahn bett nider, beichtet seine sünde mit großem ernst, ließ sich darauf mit allen sacramenten versehen, und als es an dritten tag kam, auch seiner vertrawten und seinen brüedern gnadet, do starb er mit rew und andacht ganz seliglichen. Froben Christoph von Zimmern, Zimmerische Chronik, 1540/1558-1566 |
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![]() Melusine überreicht dem Ritter von Staufenberg den Ring. Nach einem Druck aus dem 15. Jh. in der Wolfenbütteler Bibliothek. |
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| Melusine im Stollenwald
Im Durbacher Tale sieht man noch im großen Stollenwald die Trümmer einer alten Burg, am Eingang des Tales aber erhebt sich links das Schloss Staufenberg. Von jener alten Burg geht folgende Sage. Einst wohnte ein Amtmann zu Staufenberg, der hatte einen Sohn Sebald. Dieser liebte den Vogelfang und begab sich im Herbste oftmals an den Fuß des großen Stollenwaldes, um Meisen zu kloben. Da hörte er einmal vom Berg herab so lieblich singen, dass er hinaufging, um zu sehen, was es wäre. Auf dem Gipfel des Stollenberges erblickte er in einem Busche ein wunderschönes Weib, das zu ihm sagte: "Erbarme dich meiner, und erlöse mich; ich bin verwünscht, und harre seit langer Zeit auf dich, erhöre meine Bitte, du darfst mich nur dreimal dreifach küssen, so bin ich erlöst." Sebald fragte sie, wer sie denn sei? und sie gab zur Antwort: "Ich bin Himmel-Stollens Tochter, und heiße Melusine, ich habe einen großen Brautschatz, und wenn du mich erlösest, so bin ich und der Schatz dein eigen. Du musst mich drei Morgen nacheinander, um neun Uhr in der Frühe, auf beide Wangen und auf den Mund küssen, dann ist die Erlösung vollbracht. Fürchte dich nicht, besonders nicht am dritten Tag." Sebald betrachtete Melusinen, die aus dem Busch hervorkam, sehr genau. Sie war blond, hatte blaue Augen und ein schönes Angesicht, aber an ihren Händen keine Finger, sondern eine trichterartige Höhlung, und statt der Füße einen Schlangenschwanz. Sebald gab ihr die ersten drei Küsse, worüber Melusine sehr froh war und ihn bat, am zweiten und dritten Tag wieder zur rechten Zeit da zu sein. Sie kroch in ihren Busch zurück und sang: "Komm und erlöse deine Braut, hüte dich wohl zu erschrecken, Sebald, nimm dich wohl in acht, einmal war es recht gemacht." Da versank sie in die Erde und Sebald ging heim. Am andern Tage kam er zur rechten Zeit wieder in den Stollenwald und hörte sie auf der Höhe singen. Dieses Mal hatte sie Flügel und einen Drachenschweif, aber Sebald nahte sich ohne Furcht und gab ihr die drei andern Küsse. Sie sang ihm wieder dankbar zu, wie am ersten Tage und bat ihn wieder zu kommen, worauf sie wieder in die Erde verschwand. Sebald konnte die Nacht kaum ruhen, er ging wieder früh in den Stollenwald und hörte ihr Lied, wie an den vorigen Tagen. Aber diesmal hatte sie einen Krötenkopf und der Drachenschwanz umschlang furchtbar ihren Leib. Es graute dem Sebald vor dieser giftigen Gestalt und er sprach zu ihr: "Kannst du dein Antlitz nicht entblößen, so kann ich dich nicht küssen." "Nein", rief sie, und schlug mit einem lauten Schrei ihre Arme empor. Die Angst ergriff den Sebald, er sprang den Berg hinab und gerade schlug es neun Uhr, als er im schnellen Laufe in der Burg bei seinem Vater ankam. Diesem erzählte er, was ihm begegnet war, und er wurde über seine Furchtsamkeit von dem Vater gescholten, der die Geschichte zum ewigen Andenken aufschreiben ließ, wodurch sie bis auf den heutigen Tag bekannt ist. So vergingen zwei Jahre. Sebald ging nicht mehr in den Stollenwald und dachte wohl manchmal daran, dass er die Melusine betrogen habe. Doch war ihm seitdem nichts geschehen. Als er nun den Dienst seines Vaters bekommen sollte, da sah sich dieser um eine Frau für seinen Sohn um, und gab ihm die Tochter eines Amtsvogtes. Bei der Hochzeit im Schlosse Staufenberg war alles recht fröhlich am Tische, als auf einmal die Decke des Saales einen Spalt bekam, woraus ein Tropfen in den Teller Sebalds fiel, der, ohne es zu wissen, die Speise aß, und sogleich tot niedersank. Man sah zu gleicher Zeit einen kleinen Schlangenschweif sich in die Decke zurückziehen. Noch ist die Geschichte in Stein gehauen auf dem Staufenberg zu sehen. Heinrich Medicus (1743-1828) |
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| Ritter Peter von Stauffenberg und die Meerfeie
Von Achim von Arnim (1781-1831) I. Romanze II. Romanze III. Romanze IV. Romanze V. Romanze VI. Romanze So nun dein Aug den auch ersieht, Mit nassem Aug sie zu ihm sprach: Dem Ritter liefen die Augen über: Sie küßte ihn auf seinen Mund, VII. Romanze Achim von Arnim und Clemens Brentano, Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder [1806-08]. |
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![]() Peter Dimringer von Staufenberg bricht zum Turnier nach Frankfurt auf. Holzschnitt aus dem 'Volksbuch von der schönen Melusine', Augsburg 1474, |
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| Herr Peter Dimringer von Staufenberg
In der Ortenau unweit Offenburg liegt Staufenberg, das Stammschloss Ritter Peters Dimringer, von dem die Sage lautet: Er hieß einen Pfingsttag früh den Knecht das Pferd satteln und wollte von seiner Feste gen Nußbach reiten, daselbst Metten zu hören. Der Knabe ritt voran, unterwegs am Eingang des Waldes sah er auf einem Stein eine wunderschöne, reich geschmückte Jungfrau mutterallein sitzen; sie grüßte ihn, der Knecht ritt vorüber. Bald darauf kam Herr Peter selbst daher, sah sie mit Freuden, grüßte und sprach die Jungfrau freundlich an. Sie neigte ihm und sagte: "Gott danke dir deines Grußes." Da stund Peter vom Pferde, sie bot ihm ihre Hände, und er hob sie vom Steine auf, mit Armen umfing er sie; sie setzten sich beide ins Gras und redeten, was ihr Wille war. "Gnade, schöne Frau, darf ich fragen, was mir zu Herzen liegt, so sagt mir, warum Ihr hier so einsam sitzet und niemand bei Euch ist." - "Das sag ich dir, Freund, auf meine Treue: weil ich hier dein warten wollte; ich liebe dich, seit du je ein Pferd bestiegest; und überall in Kampf und in Streit, in Weg und auf Straßen hab ich dich heimlich gepfleget und gehütet mit meiner freien Hand, dass dir nie kein Leid geschah." Da antwortete der Ritter tugendlich: "Dass ich Euch erblickt habe, nichts Lieberes konnte mir geschehen, und mein Wille wäre, bei Euch zu sein bis an den Tod." - "Dies mag wohl geschehen", sprach die Jungfrau, "wenn du meiner Lehre folgest: Willst du mich lieb haben, darfst du fürder kein ehelich Weib nehmen, und tätest du's doch, würde dein Leib den dritten Tag sterben. Wo du aber allein bist und mein begehrest, da hast du mich gleich bei dir und lebest glücklich und in Wonne." Herr Peter sagte: "Frau, ist das alles wahr?" Und sie gab ihm Gott zum Bürgen der Wahrheit und Treue. Darauf versprach er sich ihr zu eigen, und beide verpflichteten sich zueinander. Die Hochzeit sollte auf der Frauen Bitte zu Staufenberg gehalten werden; sie gab ihm einen schönen Ring, und nachdem sie sich tugendlich angelacht und einander umfangen hatten, ritt Herr Peter weiter fort seine Straße. In dem Dorfe hörte er eine Messe lesen und tat sein Gebet, kehrte alsdann heim auf seine Feste, und sobald er allein in der Kemenate war, dachte er bei sich im Herzen: Wenn ich doch nun meine liebe Braut hier bei mir hätte, die ich draußen auf dem Stein fand! Und wie er das Wort ausgesprochen hatte, stand sie schon vor seinen Augen, sie küssten sich und waren in Freuden beisammen. Also lebten sie eine Weile, sie gab ihm auch Geld und Gut, dass er fröhlich auf der Welt leben konnte. Nachher fuhr er aus in die Lande, und wohin er kam, war seine Frau bei ihm, sooft er sie wünschte. Endlich kehrte er wieder heim in seine Heimat. Da lagen ihm seine Brüder und Freunde an, dass er ein ehelich Weib nehmen sollte; er erschrak und suchte es auszureden. Sie ließen ihm aber härter zusetzen durch einen weisen Mann, auch aus seiner Sippe. Herr Peter antwortete: "Eh will ich meinen Leib in Riemen schneiden lassen, als ich mich vereheliche." Abends nun, wie er allein war, wusste es seine Frau schon, was sie mit ihm vorhatten, und er sagte ihr von neuem sein Wort zu. Es sollte aber damals der deutsche König in Frankfurt gewählt werden; dahin zog auch der Staufenberger unter viel andern Dienstmännern und Edelleuten. Da tat er sich so heraus im Ritterspiel, dass er die Augen des Königs auf sich zog und der König ihm endlich seine Muhme aus Kärnten zur Ehe antrug. Herr Peter geriet in heftigen Kummer und schlug das Erbieten aus; und weil alle Fürsten darein redeten und die Ursache wissen wollten, sprach er zuletzt, dass er schon eine schöne Frau und von ihr alles Gute hätte, aber um ihretwillen keine andere nehmen dürfte, sonst müsste er tot liegen innerhalb drei Tagen. Da sagte der Bischof: "Herr, lasst mich die Frau sehen." Da sprach er: "Sie lässt sich vor niemand denn vor mir sehen." - "So ist sie kein rechtes Weib", redeten sie alle, "sondern vom Teufel; und dass Ihr die Teufelin minnet mehr denn reine Frauen, das verdirbt Euren Namen und Eure Ehre vor aller Welt." Verwirrt durch diese Reden sagte der Staufenberger, er wolle alles tun, was dem König gefalle, und alsobald war ihm die Jungfrau verlobet unter kostbaren, königlichen Geschenken. Die Hochzeit sollte nach Peters Willen in der Ortenau gehalten werden. Als er seine Frau wieder das erste Mal bei sich hatte, tat sie ihm klägliche Vorwürfe, dass er ihr Verbot und seine Zusage dennoch übertreten hätte, so sei nun sein junges Leben verloren. "Und zum Zeichen will ich dir folgendes geben: Wenn du meinen Fuß erblicken wirst und ihn alle andere sehen, Frauen und Männer, auf deiner Hochzeit, dann sollst du nicht säumen, sondern beichten und dich zum Tod bereiten." Da dachte aber Peter an der Pfaffen Worte, dass sie ihn vielleicht nur mit solchen Drohungen berücken wolle und es eitel Lüge wäre. Als nun bald die junge Braut nach Staufenberg gebracht wurde, ein großes Fest gehalten wurde und der Ritter ihr über Tafel gegenübersaß, da sah man plötzlich etwas durch die Bühne stoßen, einen wunderschönen Menschenfuß bis an die Knie, weiß wie Elfenbein. Der Ritter erblasste und rief: "Weh, meine Freunde, ihr habt mich verderbet, und in drei Tagen bin ich des Todes." Der Fuß war wieder verschwunden, ohne ein Loch in der Bühne zurückzulassen. Pfeifen, Tanzen und Singen lagen darnieder, ein Pfaff wurde gerufen, und nachdem er von seiner Braut Abschied genommen und seine Sünden gebeichtet hatte, brach sein Herz. Seine junge Ehefrau begab sich ins Kloster und betete zu Gott für seine Seele, und in allen deutschen Landen wurde der mannhafte Ritter beklaget. Im XVI. Jahrhundert, nach Fischarts Zeugnis, wusste das Volk der ganzen Gegend noch die Geschichte von Peter dem Staufenberger und der schönen Meerfei, wie man sie damals nannte. Noch jetzt ist der Zwölfstein zwischen Staufenberg, Nußbach und Weilershofen zu sehen, wo sie ihm das erste Mal erschienen war; und auf dem Schlosse wird die Stube gezeigt, da sich die Meerfei soll unterweilen aufgehalten haben. Die deutschen Sagen der Brüder Grimm, Leipzig o. D. |
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![]() Die schöne Melusine. Nach einem Gemälde von Julius Hübner (1806-1886) |
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| Melusine
Im badischen Lande heißt ein Wald der Stollenwald, darin auf dem Stollenberge eine alte Burg in Trümmer liegt. In der Nähe aber steht Schloss Stauffenberg. Auf letzterem Schloss lebte eines Amtmanns Sohn, der hatte seine Lust am Vogelfang und ging einstmals in den Wald, Meisen zu kloben. Da vernahm er vom Stollenberg herab gar eine liebliche Stimme, welche sang und ging ihr nach und sah im Gebüsch ein holdselig Frauenbild, das rief ihm zu: "Erlöse mich, erlöse mich! - Wer bist du denn? rief der Jüngling, und die Erscheinung sprach: "Melusine heiß' ich, Da sich nun der Jüngling das wunderbare Wesen näher besah, so befand er, dass Melusine wunderschönen Angesichts sei, blaue Augen und blondes Gelock habe, auch um den Oberleib gar lieblich und wohlgetan sei, aber mit Händen und Füßen war es nicht also beschaffen. Die Hände hatten keine Finger, sondern glichen offnen Tüten, und Füße waren gar nicht vorhanden, sondern ein Schlangenleib. Dennoch gab der Jüngling der Erscheinung die ersten drei Küsse ohne Bangen, und sie äußerte eine Freude darüber, wie die Jungfrau im Heidenloch über den ersten einen Kuss und dann verschwand sie. Am andern Morgen kam der Liebhaber wieder, zog ihrem verlockend süßen Liede nach, das ihm entgegen klang, und fand sie jetzt geflügelt und der Schlangenleib war grün geschuppt und lief in einen Drachenschwanz aus. Die Augen und das Antlitz Melusinens aber waren so wunderbar schön und strahlend, und es blühte ihm daraus und von dem kussigen Munde alles Verlangen so verführerisch entgegen, dass er dennoch ihr wieder die drei Küsse gab, und sie erzitterte vor Lust und Verlangen und rauschte mit den Flügeln ihm ums Haupt. Kaum konnte der Jüngling in der folgenden Nacht ein Auge schließen, alle seine Gedanken waren bei der glühenden, sinnlich schönen Gestalt, und früh vor Tage schon stieg er durch den Wald und zog der süßen Liedesstimme nach. Aber o weh - wo war das liebreizende Engelangesicht? - verwandelt war's und glich aufs Haar dem der Jungfrau auf dem Krötenstuhl, denn Melusine hatte jetzt einen Krötenkopf, und den mochte der Liebhaber mitnichten küssen, vielmehr gab er Fersengeld und lief, was er laufen konnte und hörte sie lange hinter sich drein rascheln und ihn wehklagend rufen. Nimmermehr ging er wieder auf den Stollenberg, vielmehr freite er ein Mädchen, das, wenn es auch nicht so zauberschön war wie Melusine, doch keinen Krötenkopf und keinen Schlangenleib hatte. Da nun das Hochzeitsmahl auf Schloss Stauffenberg bereitet war und alles recht fröhlich, spaltete sich oben in der Zimmerdecke ein klein wenig das Getäfel, und es fiel in des Hochzeiters Teller ein Tröpfchen wie Tau, und niemand sah es, und wie jener den Bissen, darauf der Tropfen gefallen war, in den Mund steckte, sank er tot nieder, und oben zog sich ein kleiner Schlangenschweif durch die Ritze der Decke hinein. Aus war es mit der Hochzeit. Zu andern Zeiten ist Melusine einem Hirtenmädchen erschienen und hat es endlich in den Stollenberg hineingeführt, ihr die unterirdischen Schätze gezeigt und ihr die Bedingungen gesagt, unter denen diese Schätze der Hirtin werden sollten, wenn sie das Werk der Erlösung vollbringe. Aber das Mädchen hielt nicht reinen Mund, und der Pfarrer bedrohte sie mit Kirchenbuße, wenn sie mit dem Gespenste sich einlasse, da ist die Hirtin still geworden, hat nie mehr davon gesprochen und hat das Werk der Erlösung nicht vollbracht. Noch steht ein doppelter Tannenbaum aus einer Wurzel da, wo man es bei den zwölf Steinen nennt, der heißt der Melusinenbaum. Nach dieser schwäbischen Sage ist der Name Melusine doch auch Berg- und Waldfeinen eigen und nicht Wasserfeinen allein. Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Merseburg 1853 |
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| Staufenberg in der Ortenau
Auf der alten Burg Staufenberg, die der Großherzog Leopold von Baden wieder in gewöhnlichen Stand hat setzen lassen, hatte Peter Dimringer, der stattliche Ritter, einst seinen Sitz. Eines Pfingsttages früh hieß er der Sage nach den Knecht das Ross satteln, um gen Nussbach hinab zur Metten zu reiten. Unterwegs, am Eingange des Waldes, da wo drei alte Eichen einen Brunnen überschatten, sah er auf einem Stein eine wunderschöne, reich geschmückte Jungfrau mutterseelenallein sitzen. Er grüßte und sie erwiderte den Gruß, ihn holdselig anblickend. Da ging dem Ritter das Herz alsbald in Liebe auf und er schwang sich rasch von seinem Ross, ihr die Hand bietend und setzte sich neben sie zu traulichem Gespräch. Die Schönheit ihrer Gestalt und die sinnigen Reden, die ihr lieblich über die Rosenlippen flossen, bestrickten sein Herz nach kurzem so, dass er von seiner Liebe zu ihr sprach. „Ich bin keine von den Töchtern der Menschen“, erwiderte sie ihm, „sondern eine Wasserjungfrau. Wer sich mit mir verbindet das merkt wohl, Herr Ritter! -, dessen Treue muss rein bleiben wie die Quelle hier, die meine Wohnung ist und fest wie der Stahl Eures Schwertes! Untreue brächte Euch den Tod und mir unendlichen Jammer. Denn ewig, wie unsere Liebe, so ist auch unser Schmerz!“ Da schwor der Ritter ihr ewige Liebe, ewige Treue. Hierauf reichte die Jungfrau, die ihn schon lange heimlich geliebt hatte, ihm einen kostbaren Ring und er schloss sie entzückt in seine Arme, an seine Brust. Als der Morgen des Tages erschien, an welchem der Staufenberger die Geliebte als Hausfrau heimführen wollte, fand er, aus dem Schlafgemache tretend, auf dem Tische des Saals drei zierlich geflochtene Körbchen mit Gold, Silber und Edelsteinen glänzend angefüllt. Es war die Morgengabe seiner Braut, die bald darauf, von mehreren Gespielinnen begleitet, zur Trauung erschien. Vorher aber gab sie dem Ritter in einem Nebengemache noch einmal zu bedenken, welchen Schritt er tue und dass, wenn sein Herz je gegen sie erkalte und für eine andere warm werde, sein Leben verwirkt sei. "Als Zeichen des nahen Verderbens", sagte sie, "werdet Ihr dann nichts weiter von mir sehen als diesen rechten Fuß." Der Ritter wiederholte den früheren Schwur in trunkener Liebe und die Trauung wurde nun vollzogen. Schöne Tage voll Lust und Heiterkeit flogen an den Glücklichen vorüber. Ehe die Sonne noch ihren Jahreslauf zurückgelegt hatte, beschenkte die junge Frau den Ritter mit einem herrlichen Knaben. Bald darauf sollte in Frankfurt ein neuer König für Deutschland gewählt werden. Dahin zog auch der Staufenberger mit vielen anderen Dienstmännern und Edelleuten, nachdem er von der weinenden Gattin beschworen worden war, ihrer und ihres Säuglings nicht zu vergessen. Hier tat er sich im Ritterspiel und auf andere Weise so hervor, dass er die Augen des Königs auf sich zog und dieser ihm endlich sogar seine Nichte, die ein wahrer Ausbund von Schönheit war, zur Ehe antragen ließ. Obschon nicht gleichgültig gegen die Reize der schönen Fürstentochter und gegen die Ehre, in so hohe Verwandtschaft zu kommen, war er doch redlich genug, zu gestehen, dass er bereits verheiratet sei. Da wünschte der König die Geschichte seiner Verheiratung zu vernehmen und er erzählte sie ihm offenherzig. "Hier", sagte der König kopfschüttelnd, "hat der böse Geist sein Spiel und Ihr, Ritter, müsst um Eurer Seele willen den heillosen Bund so schnell als möglich aufzulösen suchen." Dasselbe bestätigte der herbei gerufene Hofkaplan und versicherte zugleich, der Zauber werde schwinden, sobald der Ritter von des Priesters segnender Hand eine christliche Gattin empfange. Also wurde der Staufenberger leicht beredet, sich mit der schönen Fürstentochter zu verloben und die Zeit der Trauung festzusetzen. Aber wenige Tage nachher brachte ein Knecht ihm die Botschaft, dass seine Gemahlin und sei Kind plötzlich von der Burg verschwunden seien und zwar, wie sich bei weiterem Nachforschen ergab, gerade an dem Tag ind in der Stunde, wo er seine neue Verlobung gehalten. Hierdurch fast noch mehr in dem Glauben an höllischen Trug bestärkt, sah er der Hochzeit, die nach seinem Willen in der Ortenau gefeiert werden sollte, mit ziemlich leichtem Herzen entgegen. Der festliche Zug brach an. Als die Gäste fröhlich bei der Tafel saßen und auch der Ritter lustig und guter Dinge war, fiel sein Auge von ungefähr auf die Wand und siehe da! Plötzlich kam ein niedlicher Frauenfuß, weiß wie Elfenbein, zum Vorschein und blieb eine geraume Zeit sichtbar. Da erblasste der Ritter, denn die Warnung der Wasserjungfrau stand furchtbar vor seiner Seele. "Freunde!", rief er verstört aus, "ich bin des Todes!" indem er mit der hand auf die Erscheinung hindeutete. Da überfiel alle schauriges Grauen, die Musik verstummte und nach wenigen Augenblicken brach sein Herz, dass die versprochene Liebe und Treue nicht zu bewahren gewusst hatte. J. B. Rothacker, Deutsches Sagenbüchlein, Stuttgart 1859. |
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![]() Melusine im Bade. Buchmalerei zu Thüring von Ringoltingen, Nürnberg 15. Jh. aus dem Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. |
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| Melusine rächt sich für die misslungene Erlösung
Im Durbacher Tale sieht man noch im großen Stollenwald die Trümmer einer alten Burg, am Eingang des Tales aber erhebt sich links das Schloss Staufenberg. Einst wohnte auf der alten Burg ein Amtmann zu Staufenberg. Sein Sohn Sebald liebte den Vogelfang und ging im Herbste oftmals an den Fuß des großen Stollenwaldes um Meisen zu kloben. Da hörte er einmal vom Berg herab so lieblich singen, dass er hinauf ging, um zu sehen, was es wäre. Auf dem Gipfel des Stollenberges erblickte er in einem Busch ein wunderschönes Weib, das sagte zu ihm: "Erbarme dich meiner und erlöse mich; ich bin verwünscht und harre seit langer Zeit auf dich. Erhöre meine Bitte, du darfst mich nur dreimal dreifach küssen, so bin ich erlöst." Sebald fragte sie, wer sie denn sei, und sie gab zur Antwort: "Ich bin Himmel-Stollens Tochter und heiße Melusine; ich habe einen großen Brautschatz und wenn du mich erlösest, so bin ich und der Schatz dein eigen. Du musst mich drei Morgen nacheinander um neun Uhr in der Frühe auf beide Wangen und auf den Mund küssen, dann ist die Erlösung vollbracht. Fürchte dich nicht, besonders nicht am dritten Tag!" Sebald betrachtete Melusine, die aus dem Busch hervorkam, sehr genau. Sie war blond, hatte blaue Augen und ein schönes Angesicht, aber an ihren Händen keine Finger, sondern eine Trichterartige Höhlung und statt der Füße einen Schlangenschwanz. Sebald gab ihr die ersten drei Küsse; darüber war Melusine sehr froh und bat ihn am zweiten und dritten Tage wieder zur rechten Zeit da zu sein. Sie kroch in ihren Busch zurück und sang: "Komm und erlöse deine Braut, Dann versank sie in die Erde und Sebald ging heim. Am andern Tag kam er zur rechten Zeit wieder in den Stollenwald und hörte sie auf der Höhe singen. Dieses Mal hatte sie Flügel und einen Drachenschweif, aber Sebald nahte sich ohne Furcht und gab ihr die drei andern Küsse. Sie sang ihm wieder dankbar zu wie am ersten Tag und bat ihn wiederzukommen, worauf sie abermals in der Erde verschwand. Sebald konnte die Nacht kaum ruhen, er ging früh wieder in den Stollenwald und hörte ihr Lied wie an den vorigen Tagen. Aber dieses Mal hatte sie einen Krötenkopf und der Drachenschwanz umschlang furchtbar ihren Leib. Sebald graute es vor der giftigen Gestalt und er sagte zu ihr: "Kannst Du dein Antlitz nicht entblößen, so kann ich dich nicht küssen." Da schrie sie laut auf und rang verzweifelnd ihre Hände. Voller Angst sprang Sebald den Berg hinab und gerade schlug es neun Uhr, als er atemlos bei seinem Vater in der Burg ankam. Wie er nun erzählte, was ihm begegnet war, wurde er von seinem Vater sehr gescholten. Der Vater aber ließ die Geschichte zum ewigen Andenken aufschreiben, wodurch sie bis auf den heutigen Tag bekannt ist. Es vergingen zwei Jahre. Sebald kam nicht mehr in den Stollenwald, dachte aber wohl manchmal daran, dass er die Melusine betrogen habe. Doch war ihm seitdem nichts geschehen. Wie der Vater nun seinen Dienst an seinen Sohn abtreten wollte, sah er sich nach einer Frau für ihn um und gab ihm die Tochter eines Amtsvogtes. Bei der Hochzeit im Schlosse Staufenberg war alles recht fröhlich am Tisch, als auf einmal die Decke des Saales einen Spalt bekam. Daraus fiel ein Tropfen in den Teller Sebalds, der, ohne es zu wissen, die vergiftete Speise aß und sogleich tot niedersank. Man sah zu gleicher Zeit einen kleinen Schlangenschweif sich in die Decke zurückziehen. Noch ist die Geschichte in Stein gehauen auf dem Staufenberg zu sehen. Johannes Künzig, Schwarzwaldsagen, Jena 1930. |
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![]() Blick in den Schlosshof. |
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| Der ersehnte Erlöser durch den Pfarrer abgeschreckt
Im Jahre 1779 diente ein fünfzehnjähriges Hirtenmädchen zu Durbach auf dem Eichenbühl, das hat die Melusine oft gesehen. Ein Platz hinter dem Stollenwald heißt 'Bei den zwölf Steinen', da erschien Melusine dem Mädchen und führte es beim Wolfsloch in den offenen Stollenberg hinein. Am Eingang lagen drei ungeheure Riesen, mit Speer und Harnisch bewaffnet und schliefen. Als die beiden weiter kamen, sahen sie große Kisten und auf jeder saß ein schwarzer Hund. Vor der Melusine aber sprang jeder Hund gehorsam herab und sie öffnete die Kisten mit ihrem Schlüsselbund. Es waren sechs, alle mit Geld angefüllt und dies alles versprach Melusine dem Mädchen, wenn es sie erlösen wolle. Die Kisten wurden wieder geschlossen und die Hunde sprangen wieder darauf, um sie zu bewachen. Sie gingen nun zu den 'Zwölf Steinen' zurück und der Berg schloss sich wieder hinter ihnen. Melusine aber erzählte jetzt dem Hirtenmädchen: "Wenn Du achtzehn Jahre alt bist, kannst Du mich erlösen, denn ich bin verwünscht und will Dir all das Geld geben, das Du gesehen hast. Schon lange habe ich auf Dich gewartet und schlief bis zu deiner Ankunft. Hier bei diesen Steinen musste erst ein doppelter Tannenbaum aus einer Wurzel sprossen und als er hundert Jahre alt war, mussten ihn zwei ledige Leute am Wunnibaldstage umhauen. Der stärkste Stamm wurde auf einem Schlitten hinab ins Tal geführt auf Dagobertstag und aus den Brettern dieses Stammes wurde deine Wiege gemacht." Noch oft kam Melusine mit dem Mädchen an diesem Ort zusammen und man sprach im ganzen Tale davon, dass die Verwünschte erlöst werden sollte. Viele Leute gingen zu dem Mädchen und gaben ihm Geschenke zur Aufmunterung, bis endlich der Pfarrer die Leute abmahnte und dem Mädchen mit der Kirchenbuße drohte. Da kam die Erlösung nicht zustande. Wer aber von Sünden rein ist, wird doch zuletzt die Melusine mit ihren Schätzen erlösen. Das Hirtenmädchen nähte in ihrem späten Alter um Lohn bei den Leuten und lebte zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts sehr still und zurückgezogen. Aber nicht um alles ließ sie sich dazu herbei jenes Erlebnis ihrer Jugend nochmals zu erzählen. - Bei den 'Zwölf Steinen' sind noch zwei Tannen zu sehen, die aus einer Wurzel entsprosst sind und damas hundertjährig waren. Man nennt sie den 'Melusinenbaum'. Johannes Künzig, Schwarzwaldsagen, Jena 1930. |
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