Das einstige Kloster St. Ulrich im unteren Möhlintal bei Bollschweil im Schwarzwald.
Das Brunnenbecken von St. Ulrich
47° 54' 29,4" N, 7° 58' 14" O, Alt. 586 m üNN

Sagenhaftes:


Die Südseite des Brunnensteins.
Der Springbrunnen zu St. Ulrich

Von Heinrich Helmle.

Als der hl. Ulrich, so erzählt die Sage, mit seinen frommen Mönchen in dem einsamen Tälchen sein Kloster erbaute, schlich sich eines Nachts der Teufel, dem das fromme Treiben schon längst ein Dorn im Auge war, mit einem gewaltigen Felsblock herbei, um es bei günstiger Gelegenheit zu zerschmettern. Da jedoch die Mönche Tag und Nacht eifrig im Gebete verbrachten, sah er sich nach vergeblichem Warten genötigt, den ungeheuren Stein im Klostergarten niederzulegen und sich eiligst davon zu machen. Am folgenden Morgen war alles erstaunt einen so gewaltigen Steinblock in der Mitte des Klostergartens zu finden.

Doch den nicht nur frommen, sondern auch praktischen Mönchen kam dieser Stein höchst erwünscht, indem sie denselben in ein kunstreiches Wasserbecken umwandelten. Oft saß der hl. Ulrich in seinen Erholungsstunden, sich frommen Betrachtungen hingebend, an dem frischen Quell und freute sich an dem heimischen, traulichen Plätschern, des, im Regenbogenglanze, schimmernden Springbrunnens. Da sandte der Teufel, erbost über das Misslingen seines Vorhabens, ein paar Elstern, um durch deren Geschrei den hl. Ulrich in seiner Ruhezeit zu stören. Doch auch diese neckischen Abgesandten des Teufels wusste der Heilige endlich durch sein Gebet zu verscheuchen.

Soweit die Sage, die leicht im Folgenden ihre Erklärung findet. Die Schale von rotem, ziemlich festem Sandsteine, einem Gestein welches sich in nächster Nähe nicht vorfindet, hat einen Durchmesser von ungefähr zwei Metern und 60 Zentimetern und eine Höhe von 72 Zentimetern. Wenn nun die Herbeischaffung eines Steins in dieser Größe grade auch keine Unmöglichkeit war, so musste es zu jener Zeit, als die enge Talschlucht noch sehr unwegsam war, immerhin eine beschwerliche Aufgabe gewesen sein; Ursache genug, um in dem abergläubischen Volke die Ansicht auftauchen zu lassen, als habe ein überirdisches Wesen und was zunächst lag, der böse Feind, seine Hand im Spiel gehabt, welcher Glaube von den schlauen Mönchen aber unterstützt und in ihrem Interesse ausgedeutet, statt unterdrückt wurde.

Ähnliche Sagen finden sich übrigens auch anderwärts. In dem, im Verlage von Ignaz und Anton Wagner in Freiburg, 1756 erschienenen Buch, 'Leben und Wanderfahrten des hl. Ulrich ect.', verfasst von einem Priester des Gotteshauses St. Peter, findet sich die originelle Stelle: "Wie aber dieser ungeheuer große Stein nach St. Ulrich gekommen sei, wird vieles von gemeinen Leuten erzählt welches ich zwar aus Abgang bewährter schriftlicher Urkunden nit glaube; kann jedoch nit begreiffen, auf was Art derselbe in dieses enge Tal habe können gebracht werden; dann in selbiger Gegend gibt es gar keine Hau- oder Sandstein. Will also anderen hiervon zu urteilen überlassen." Die Schale, über die früher ein gotischer Kreuzgang führte, steht seit der Mitte des letzten Jahrhunderts frei und trocken inmitten des östlich gelegenen Klostergartens. 1746 ward, soviel uns bekannt, zum letzten Male ein Quell in dieselbe geleitet. Die byzantinische Ornamentik und die Figurenreliefs welche ringsum die Schale angebracht sind, haben, da der Stein seit beinahe anderthalb Jahrhunderten Wind und Wetter vollständig ausgesetzt ist, bedeutend gelitten und sind in Folge dessen ziemlich undeutlich. Nach einem Kupferstich aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, zu welcher Zeit die Einzelheiten noch besser zu erkennen waren, befindet sich in der Mitte der dem Kloster zugewandten, also westlichen Seite (A) eine Figur, die ein Muttergottesbild vorstellen könnte und unter derselben liegen, in Anbetung in den Staub versunken, zwei Mönche. Was die zu beiden Seiten befindlichen Figuren vorstellen sollen, ist uns unbekannt. Auf der entgegengesetzten Seite (B) befindet sich in der Mitte Christus, umgeben von den Zeichen der vier Evangelisten; zu Füßen gleichfalls zwei betende Mönche. Die zu beiden Seiten sitzenden Figuren stellen wohl die 12 Apostel vor, was schon die darüber stehende, nicht mehr ganz leserliche Schrift "+ ORDO. DEO. PLENUS. MUNDO. CLAMAT. OVO. DENVS. QUOD. VERBO. FIDEM" andeutet. In der oben schon genannten, 1756 gedruckten Lebensbeschreibung des hl. Ulrich wird diese Inschrift, die nur noch ein Bruchstück ist, dahin gedeutet: "Es haben die zwölf Apostel das Evangelium Christi der ganzen Welt verkündet." Gegenwärtig, wo die Inschrift nach mehr als 120 Jahren durch die Zeit gelitten hat, lässt sich einmal kein besserer Sinn herausfinden. In dem Generalbericht der Direktion des bad. Altertumvereins vom Jahre 1858 wird dieser Trog für ein aus der ältesten christlichen Zeit stammendes Taufbecken erklärt, ohne jedoch nähere Gründe dafür anzugeben. Das Wahrscheinlichste bleibt immer die Annahme, der Stein habe von jeher als Wasserbecken gedient.

Aus: Schau in's Land, Freiburg 1873


Christus, umgeben von den Zeichen der vier Evangelisten. Ihm zu Füßen zwei betende Mönche.
Das Brunnenbecken zu St. Ulrich (I.)

Der heilige Ulrich hatte sein kleines Kloster im Möhlingrunde ausgebaut und wünschte nun noch einen steinernen Trog zu dem Brunnen. In dem Grunde selbst konnte er keinen tauglichen Stein auffinden und anders woher, wegen der Enge des Talwegs, keinen kommen lassen. Da schlief er eines Abends im Freien ein und erblickte im Traum auf dem Meeresgrund einen runden Sandsteinblock, der zu einer Brunnenschale wie gemacht schien. Als er erwachte, war es Morgen, es kam ein Jäger, sprach mit ihm und erbot sich, nachdem er des Heiligen Traum und sein Verlangen nach dem Steinblock erfahren, diesen noch vor Abend herbeizuschaffen, wenn Ulrich ihm dafür seine Seele verschriebe. Da wusste der letztere, mit wem er es zu tun habe und sagte: "Um neun Uhr will ich Messe lesen und, wenn du den Stein vor der Wandlung zum Kloster schaffst, nach meinem Tode dein eigen sein; bringst du ihn aber erst nach der Wandlung, so gehört er mir, und ich nicht dir."1.) Mit diesem Vorschlag war der Teufel zufrieden und eilte von dannen. Zur festgesetzten Zeit las der Heilige die Messe, worin er Gott um Beistand gegen den Bösen bat. Unterdessen schwebte dieser mit dem Block auf dem Kopfe heran; aber in der Ferne tönte ihm schon das erste Läuten zur Wandlung entgegen, und bei seiner Ankunft auf dem Berg Geiersnest erklang das zweite. Da warf er voll Grimm den Stein in das Tal hinab und fuhr brüllend davon. Mit Freuden sah Ulrich, als er aus der Kirche kam, den Block beim Kloster liegen und ließ aus ihm von seinen Mönchen das kunstreiche Becken mit den Heiligenbildern machen, in welches noch jetzt der Brunnen sich ergießt.

1. Es ist auffallend, dass das katholische Volk einen Heiligen solch sündhaften Vertrag abschließen lässt.

Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden Teil I, Karlsruhe 1851

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Das Brunnenbecken zu St. Ulrich (II.)

Abweichung von vorstehender Sage.

Um den Stein zu diesem Troge seinem Kloster zu verschaffen, schloss der heilige Ulrich mit dem Teufel folgenden Vertrag ab. Er wolle eine Messe lesen, und der Böse unterdessen den Felsen vom Meeresgrund herholen; treffe er damit vor Ende der Messe ein, so erhalte er als Lohn Ulrichs Seele, komme er aber später an, dann müsse er den Stein umsonst abliefern. Die Messe las darauf der Heilige so, dass er nur ihre Hauptteile, Aufopferung, Wandlung und Kommunion, verrichtete, alles Übrige aber wegließ und daher fertig war, als der Teufel mit dem Felsen auf dem nahen Winterberg anlangte. Sich überlistet erkennend, ließ der Böse zornig den Stein in den Klostergarten hinabrollen. Wo er ihn angefasst, hatten seine Krallen tiefe Eindrücke gemacht, die noch jetzt an der Brunnenschale zu sehen sind1.

1. Diese Sage ist ebenso ungegründet, als die unter Nr. 46 des Hauptwerkes.

Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden Teil II, Karlsruhe 1859

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1711 wurde über der Quelle am Fuße des Klosters St. Ulrich die so genannte St. Ulrichsbrunnen-Kapelle errichtet. Das Wasser, dem man seit alten Zeiten Heilkraft zuschreibt, wurde früher in ferne Gegenden versandt.
Man sagt:

Pflanzt ein Kranker einen Nussbaum im Gartenfeld zu St. Ulrich, so schwindet mit dem Wachstum des Baumes die Krankheit.

Schreiber, Taschenbuch f. Geschichte und Altertum von Süddeutschland, 1839

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In der St. Ulrichsbrunnen-Kapelle.

Die Rückwand der St. Ulrichsbrunnen-Kapelle ist mit dem ehemaligen Grabdenkmal St. Ulrichs geschmückt.

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