|
|
|
|
||||||||||||
![]() Es fällt schwer sich vorzustellen, dass die versteckt gelegene Laubwaldkapelle und ihre heilkräftige Quelle einst zu den meistverehrten Wallfahrtsorten in der Region gehörten. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Zur Geschichte der Laubwaldkapelle und der dort entspringenden Quelle Die Verehrung der Quelle an der heutigen 'Laubwaldkapelle', früher auch 'Kapelle im Holz' oder auch 'Holz-Joggeleskapelle' genannt, reicht weit in eine Zeit zurück, als schriftliche Aufzeichnungen noch unbekannt waren. Erste Nachrichten erreichen uns aus dem 18. Jahrhundert. Am 1.10.1742 erließ Kardinal Damian Hugo, Bischof von Konstanz, wegen des abergläubischen Treibens der einfachen Leute an der Quelle nahe der Laubwaldkapelle ein scharfes Dekret, in dem es heißt, "dass das Ordinariat nicht ohne große Sorge erfahren hat, dass vom einfachen Volk in der Pfarrei Schonach ohne Untersuchung der Sache und ohne Erlaubnis des Ordinariats eine gewisse Quelle als wunderbar und ihr Wasser als heilkräftig angesehen werden, dass zugleich bei der Quelle das Bild des Gekreuzigten errichtet worden sei, aus dessen fünf Wunden Wasser fließe um so wirksamer zur Heilung sei." Damit sich der "abscheuliche Aberglaube" nicht weiter ausbreite, erging an den Pfarrer des Ortes unter Androhung strengster Beugestrafen der kirchliche Befehl, den sündigen Ort so bald als möglich aufzusuchen und, falls dies notwendig sei, das Kruzifix mit Hilfe weltlicher Gewalt dort aus der Mitte zu entfernen und den abergläubischen Kult um dieses Wasser aufs strengste zu unterbinden. Sofern das Volk nicht von seinen Handlungen abließe, habe der Pfarrer darüber zu berichten, damit von höherer Stelle wirksamere Mittel eingeleitet werden können! Auf das Schreiben eines Bauern aus Wittenbach hin, schaltete sich auch der Obervogt von Triberg in die Angelegenheit ein und verfasste ein vermutlich abschätziges Schriftstück über Geschichte der Quelle und die in deren Nähe errichtete geheimnisvolle Waldkapelle. Es lag in seinem wirtschaftlichen Interesse, dass neben der eigenen einträglichen Wallfahrtskirche in Triberg keine Konkurrenz-Wallfahrt im benachbarten Schonach erwachsen würde. Der Vogt von Schonach hatte dagegen die Jungfrau Sabine Schandelmayerin vorgeladen und ließ diese zu Protokoll geben, wie sie wegen ihrer schweren Krankheit, gegen die ihr kein Arzt helfen konnte, vergeblich nach Triberg gewallfahrtet war und dort keine Hilfe gefunden hatte. Das Wasser der Quelle an Blasius Kienzlers Kapelle, nämlich der Laubwaldkapelle, habe sie dagegen von ihrer Krankheit genesen lassen und später auch noch ihre Augenkrankheit geheilt. Daraufhin habe sie das Gelübde getan, an der Quelle ein Kreuz zu errichten und das Wasser in Röhren aus den fünf Wunden Christi laufen zu lassen. Die Schandelmayerin schilderte, wie ihr die Leute wegen ihrer Armut von ihrem Vorhaben abgeraten hatten, wie sie jedoch keine Ruhe gefunden hatte, bis ihr Versprechen schließlich erfüllt war. Sie sei es gewesen, die das Wasser der Quelle in Deicheln zur Kapelle geleitet habe, hier ein Kreuz erricht und es durch fünf Röhren aus den fünf Wunden fließen ließ. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() Der Kreuzesbrunnen an der Laubwaldkapelle. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Am 09.11.1742 erging ein zweiter Erlass von Konstanz, der Pfarrer möge über den Stand der Sache berichten. Am 03.12.1742 schrieb der Ortspfarrer Simon Xaverius Veltin an seine Vorgesetzten, dass die Wallfahrt zur Brunnenkapelle vor etwa 50 Jahren begonnen habe. Die kleine, nur sechs Leute fassende Kapelle mit einem Bild des Gekreuzigten und zwei weiteren Bildern befinde sich auf dem Grundstück des Blasius Kienzler. Er berichtet auch von der angeblichen Heilung der Salome Kienzler (er meinte vermutlich die Schandtelmayerin). Zeugen hätten ihm von einem merkwürdigen Glockenläuten aus der Tiefe erzählt. Und beschwichtigend vermerkte er am Schluss, seiner Pfarrgemeinde genüge die Wallfahrt nach Triberg, sie benötigte keine weitere und seine Gemeindemitglieder seien ausreichend unterrichtet. Am 13.05.1743 kam eine erneute Mahnung des bischöflichen Ordinariats in Konstanz zur Unterdrückung jeglicher Pilgerzüge und Wallfahrten zur Laubwaldkapelle. Wieder drohte man dem Ortsgeistlichen mit Beugestrafe. Am 19.05.1743 antwortete Pfarrer Veltin, dass die Anordnung der bischöflichen Behörde wegen Entfernung des Kruzifixes und der Bilder in der Kapelle erfolgt seien, dass aber trotzdem ganze Pilgerzüge aus St. Märgen, Furtwangen und Gütenbach zur Quellenkapelle wallfahrten und er keine Möglichkeit habe, dies zu verhindern. Sogar von Löffingen sollen die Leute in großen Scharen gekommen sein. Das Wasser soll als Heilwasser sogar ins Ausland gebracht worden sein. Schließlich wurde das Kreuz und der Brunnen von Pfarrer Veltins Hauskaplan, dem Diakon von Niederwasser, mit Hilfe eines schlecht beleumundeten Menschen zertrümmert worden. In einem weiteren Erlass der bischöflichen Behörde vom 10.06.1743 wird das Interdikt über den Ort ausgesprochen und alle Besucher wurden suspendiert, d.h. sie wurden von den Gottesdiensten ausgeschlossen. Auch wurde gefordert, dass die Übeltäter dem weltlichen Arm zur Bestrafung übergeben werden müssten. In einem Schreiben vom 15.06.1743 an den Obervogt in Triberg beklagt sich Pfarrer Veltin über dessen wahrheitswidrigen Bericht über ihn in der Sache der Kapelle im Holz und beteuert, dass er alles getan habe, was möglich war. Dies ließ er sich durch die Unterschriften folgender glaubwürdiger Männer bezeugen: Johann Scherer, Vogt in Schonach; Bernhard Kayser, Messner allda; Johann Baptist Ketterer, Bürger in Triberg; Blasius Kienzler, Besitzer des Hofs bei der Kapelle und sämtliche Schonacher Bürger. Der Pfarrer Veltin hatte einen sehr schweren Standpunkt in der ganzen Sache. Er verhörte eine Anzahl glaubwürdiger und vertrauenswürdiger Männer und er konnte ihren Aussagen nicht jeglichen Wert absprechen. Er verhörte auch die Schandtelmayerin und konnte an ihrem guten Glauben nicht zweifeln. Auch andere Leute außer ihr sagten aus, dass sie in der Laubwaldkapelle Gnaden empfangen hätten. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() Das lebensspendende Quellwasser rinnt aus fünf Röhren aus dem Kreuzesstamm ins Brunnenbecken. Die fünf Röhren symbolisieren die fünf Wunden Christi am Kreuz. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Am 17.06.1743 richtete der Obervogt von Triberg an den Vogt in Gütenbach ein Schreiben mit folgendem Inhalt: "Alle Wallfahrten zu der Kapelle im Holz bei Schonach haben aufzuhören. Die Widerspenstigen sind mit Geld nebst anderen Leibstrafen zu belangen. Es müsse dies öffentlich bekannt gemacht und nach Triberg berichtet werden!" Tatsächlich wurden Leute, die trotz der Verbote die Laubwaldkapelle aufsuchten, in der Folge aufgegriffen und bestraft. Das rigorose Vorgehen blieb nicht ohne Erfolg. Ein Schriftstück des Obervogts von Triberg vom 21.07.1745 schließt die Akten über die Laubwaldkapelle:
In anderen noch folgenden 11 Punkten beschäftigt sich das Schriftstück, das übrigens sehr schwer zu entziffern ist, mit anderen Sachen, auch mit dem eingegangenen Opfergeld. In einer Nachschrift wird das Opfergeld mit 16 Gulden und 6 Kreuzer angegeben. Noch einmal werden Anordnungen gegeben:
Nun wird es zunächst einmal ruhiger um die Quellenkapelle. Doch trotz rigoroser Bekämpfungsmetoden lässt sich die Verehrung des Quellortes nicht lange unterdrücken und der Volksglaube setzt sich schließlich durch. 1870 wird die kleine Vorgängerkapelle vergrößert und am 22. Oktober 1871 durch den Ortspfarrer geweiht, der Altar war voll gestifteter Statuen, an den Wänden waren Votivbilder mit Widmungen über Gebetserhörungen ausgehängt, auch Krücken vom Wasser Geheilter waren als Dank für erhaltene Hilfe zurückgeblieben. Hin und wieder wurden Andachten darin gehalten. Doch die offizielle kirchliche Erlaubnis zur Feier der hl. Messe wurde nie erteilt. Der Brunnen mit den 5 Röhren aus dem Stamm des Kreuzes und den Leidenssymbolen wurde neu errichtet und aus einem Holzkreuz fließt auch wieder das Wasser der nahen Quelle. Und noch immer werden die Quelle und Kapelle viel besucht. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Ungeklärt bleibt nach wie vor, wie die ganze Angelegenheit zu Ohren der bischöflichen Behörde in Konstanz kam. In den Schriftstücken aus jener Zeit wird die Vermutung ausgesprochen, dass die Anzeige von den Geistlichen in Triberg ausgegangen sei, die Konkurrenz zu der Wallfahrt in ihrer eigenen Gemeinde und damit zu ihrer eigenen Pfründe ausschalten wollten. Etwas Sicheres geht aus den Akten jedoch nicht hervor. Die abseits gelegene Kapelle oberhalb von Schonach ist heute ein beliebtes Ziel für Wanderer, die an dem klaren Quellwasser Erfrischung für Leib und Seele finden. Und man darf allen Göttern und Heiligen danken, dass dieser wunderbare Quellort bis heute seine natürliche Unschuld bewahren konnte und nicht im banalen Wallfahrtsrummel verkommen ist. kk Verwendete Literatur: |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
| Die Sage vom Schloss, das dort gestanden haben soll, wo heute die Laubwaldkapelle steht Die Sage, die sich um die stille Kapelle spinnt, ist wieder dieselbe, die sich noch um zahlreiche andere Plätze, Berge und Wildwasser des Schwarzwaldes webt. Sie ist auch dieselbe Sage, die vom Althornberger Stammschloss erzählt wird; eine ähnliche geht auch über den Glaswaldsee beim Kniebis im Nordschwarzwald. Als Ursprung und Entstehungsursache ist ihr wohl die jahrhundertelange Knechtung der einheimischen Bevölkerung seitens der weltlichen und geistlichen Obrigkeit in vergangenen Jahrhunderten zugrunde zu legen, denen gegenüber der Glaube an eine einstige Vergeltung im Volke nie erlosch. Es darf somit darin das letzte Echo eines lang währenden Schreies nach Vergeltung für erduldete Drückung durch "Zins und Zehnten, Buß und Brüchte" gesucht werden. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() Blick in die Kapelle. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
| Der Volksmund erzählt: Einst stand auf der Stelle, wo heute eine friedliche Kapelle die Pilger aufnimmt, ein stattliches Schloss. Lange Jahre hatten die Inhaber in treuer Sorge für ihre Untertanen gewacht, für sie gekämpft und die Herrschaft gut verwaltet. Der aber mit der Zeit immer größer werdende Wohlstand und schließlich der Luxus hatten nach und nach den Schlossbewohnern die edle Gesinnung genommen, und die zuletzt dort ansässige Generation kannte nur noch den Taumel des Vergnügens und der Wohlsucht. Um mit ihren Zechgenossen auf Althornberg jenseits der Gutach stets gute Verbindung zu haben, ließ man zwischen dem Felsen auf Althornberg und dem gegenüberliegenden Schanzenberg diesseits des Tales eine lederne Brücke spannen, wozu die Bauern aus der Umgebung eine Unmenge von Rinderfellen zu liefern hatten. Festliche Gelage, Jagden und Gestüte, die von den Untertanen unerschöpfliche Lasten an Abgaben erforderten, lösten sich fortwährend ab. Selbst die religiösen Feste arteten bei den übermütigen Hausbewohnern in wüste Zechgelage aus. Einst in einer Christnacht trieben sie es besonders toll. Mit ausgehöhlten Wecken an den Füßen, die als Tanzschuhe dienen sollten, führten Herrschaftsleute und Hausgesinde unbekleidet Tänze auf. Die Zecherei, das Gejohle und wüste Geschrei gellte in die Winternacht hinaus. Alles huldigte dem lastenhaften Treiben, nur eine fromme Dienstmagd hielt sich davon fern. Wiederholt schon hatte sie an dem Abend die Hausmitbewohner vor des Himmels Strafgericht gewarnt und das Gewitter am winterlichen Himmel als Drohung Gottes gedeutet. Hohn und Spott waren aber die Antwort, die ihr zu Teil wurde. Immer toller wurde das Treiben, immer greller zuckten die Blitze und heftiger wurde der krachende Donner in der Wintersnacht. Vom Schauer erfasst und Gottes rächende Hand für die sodomitische Stunde fürchtend, verließ die treue Schlossmagd endlich das Haus. Kaum aber hatte sie die Hoftüre hinter sich verschlossen, als ein greller Blitzschlag in das Schloss fuhr, das alsbald lichterloh in Flammen stand. Was nicht verbrannte, versank in Sumpf und Boden. Von den Hausbewohnern konnte sich niemand mehr retten, auch die Schlossmagd hat seit dem Tage niemand mehr gesehen. Kein Stein und kein Balken verriet bald mehr die Stelle, wo einst dem Laster gefrönt wurde. Auch die Schlosskapelle war verschwunden. Ihre Glocken aber will man noch wie aus einem unterirdischen Gewölbe in der Christnacht läuten gehört haben. Wenn auf dem gegenüberliegenden Jungbauernhof ein Hahn sieben Jahre alt wird, soll er die Spitze des Kirchleins wieder aus dem Boden scharren. Wiederholt schon und fest behauptet wurde, dass noch jeder Hahn auf dem Jungbauernhof eingegangen sei, ehe er das Alter von vollen 7 Jahren erreichte. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() Keine seelenlose Goldpracht, sondern ein liebevoll gestalteter Bauernaltar erwartet den Besucher in der Kapelle. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Häufig noch will man die Schlossmagd mit einem Schlüsselbund am Gürtel zur Adventszeit und an Vorabenden vor Marienfesten am Bache im Sägenloch gesehen haben. Dort kämmt sie Ihre Haare und rüstet sich zur bevorstehenden Feier. Ihr Gang ist überaus schön und anziehend, wer sie aber nach Namen und Grund ihres Aufenthaltes fragt, dem verschwindet sie unter Wehklagen aus den Blicken. Ein Hirtenmädchen beim Holzbauer hat sie oft angetroffen und kam dann immer spät mit dem Vieh nach Hause von der Weide. Befragt wegen ihres langen Ausbleibens erzählte sie von dem schönen Fräulein, das so herrlich singen konnte. Oft auch brannte in der Laubwaldkapelle abends noch ein Licht, wenn längst die Türe verschlossen war. Engelsharmonien drangen aus dem Marienheiligtum, wer aber neugierig die Türe öffnete, dem wehte aus dem dunklen Gemäuer nur ein kalter Luftzug entgegen. A. Hodapp, Ortskunde von Schonach, Schonach 1925 |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||
| Diese Aufnahme entstand knapp oberhalb der Quelle und gibt einen Eindruck von dem Blick, den man früher vielleicht auch einmal von der Quelle aus hatte. | ||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Wasser ist mehr als H2O! Bitte helfen Sie uns dabei, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen. Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben. Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und Team. |
||||||||||||||