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![]() Am oberen Neckar. |
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Vom Neckargeist
Jacob Grimm berichtet im dritten Band seiner 1875 erschienenen 'Deutschen Mythologie': "In der Pfalz sagt man vom Neckar: Wenn das Wasser reißt, hebt sich eine Hand aus dem Strom und zieht ihr Opfer weg. Der Neckargeist verlangt in der Johannisnacht eine lebendige Seele, drei Tage und Nächte findet man den Ertrunkenen nicht, erst in der vierten Nacht taucht er aus dem Grund, um den Hals einen blauen Ring." |
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Die Neckarsage In des Sommers Johannisnacht hört man oft an den kühlen Ufern des Neckars ein eigentümliches Singen und Rufen aus den Tiefen des Wassers. Zuweilen ist es dem einsamen Wanderer auch, als vernehme er den ängstlichen Hilfeschrei eines dem Ertrinken nahen Menschen. Er hüte sich aber, dem Geschrei nachzugehen oder zu antworten. Denn der Rufer ist der uralte Neckargeist, der in jener Nacht auf ein Menschenleben ausgeht. Wer seinem Rufe folgt, den lockt er mit zauberischem Singsang in den Fluss und zieht ihn zu sich in die kalte Tiefe. Umsonst erwarten ihn seine Lieben zu Haus; der Geist lässt ihn aber nicht lebendig entkommen. Wer aber gar in jener Nacht in den frischen Fluten ein Bad sucht, der ist fast unrettbar verloren. Einzig ein besonderer Schutz Gottes vermag ihn vor dem tollen Wüten des aufgebrachten Geistes zu wahren. Mit wilder Gewalt ergreift es ihn an den Füßen und zieht ihn nieder zum steinigen Grunde des Flusses. Nur die Kleider finden die Seinen am anderen Morgen am Ufer liegen; denn erst am dritten Tage wirft er den Leichnam ans Land. Um den Hals des Toten sieht man dann einen blauen Ring. Das ist ein sicheres Zeichen, dass ihn der Neckargeist in der Johannisnacht erwürgt habe. Alexander Würtenberger: Schwarzwaldsagen und Geschichten, Baden-Baden 1881 |
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Der Hakenmann
Im Neckar lebt der Neckargeist, der Hakenmann. Wenn Kinder nahe am Flussufer spielen, zieht sie der Hakenmann mit einer langen Stange in die Tiefe. Auch den Schiffern kann er gefährlich werden, wenn er das Schiff an den vielen Felsen anstoßen und leck werden lässt. Früher opferten die Schiffer dem Hakenmann einige Hölzer ihrer Ladung oder zahlten ihm am ‚Zollstein’, der am Haarlass am rechten Ufer vor Heidelberg lag, einige Münzen. Damit stimmten sie den Neckargeist gütig, um ungehindert durch das ‚Steingerümpel’, das sich zwischen Haarlass und Hackteufel befand, hindurchzukommen. Willibald Reichwein: Altgermanische Verehrung von Wassergottheiten am Neckar |
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Anmerkung zur Neckar-Sage Bei der Erzählung von dem Neckargeist handelt es sich vermutlich um eine Abschreckungssage, die das Volk von unerwünschten Bräuchen fernhalten sollte. Die Religion unserer Vorfahren gründete auf den Veränderungen in der Natur und dem Wechsel von Sonne und Mond. Als wichtigste Feiertage galten die Tage und Nächte der Sonnenwenden und Tag- und Nachtgleichen. Am 24. Juni wurde der Mittsommer- oder Sonnenwendtag begangen, dessen Feiern mit allerlei heidnischen Bräuchen verbunden waren. Noch heute kann man vielerorts Sonnenwendfeuer sehen. So wie das christliche Weihnachtsfest die heidnischen Winter-Sonnenwendfeiern ersetzte, wurde der Geburtstag Johannes des Täufers auf das vorchristliche Sonnenwendfest gelegt. Das Bad in Fluss und See während der kürzesten Nacht des Jahres, bzw. Johannis, spielte im Volksglauben eine zentrale Rolle. Die Menschen vieler Kulturen, nicht nur die germanischen Völker, schrieben dem Johannisbad eine besonders große Heilwirkung zu. "Ein einziges Bad in der Johannisnacht", hieß es im Württembergischen, wo der Neckar fließt, "wirkt so viel als neun Bäder zu anderer Zeit". Auch Baseler Akten berichten noch 1600: "Im Bad zu Ramseln wird auf St. Johannis Abend und Nacht neben großem Mutwillen Superstition und Aberglauben getrieben, sonderlich von unsern Leuten (d.h. denen aus dem Basler Gebiet) welche dies tags halben dem Bad große Kraft zuschreiben." Der italienische Dichter Petrarca (1304-1374) hat uns in einem Brief aus dem Jahre 1330 den ältesten Bericht von einem Bad in der Johannisnacht auf deutschem Boden hinterlassen. Er schreibt: "Kaum war ich bei meiner Ankunft zu Köln in der Herberge abgestiegen, wo meine Freunde mich empfingen, als sie mich an den Rhein führten, um ein eben an diesem Tage bei Sonnenuntergang aus dem Altertume überkommenes Schauspiel in ihrer Gesellschaft anzusehen. Das ganze Ufer war mit einer langen Reihe von Weibern bedeckt. Ich stieg auf einen Hügel, um eine bessere Aussicht zu gewinnen. Unglaublich war der Zulauf. Ein Teil der Frauen war mit wohlriechenden Kräuterranken geziert, mit zurückgeschobenem Gewande fingen Weiber und Mädchen plötzlich an, ihre weißen Arme in den Fluss zu tauchen und abzuwaschen. Dabei wechselten sie in ihrer mir unverständlichen Sprache lächelnd einige Sprüche miteinander. Man antwortete mir, dass dies ein uralter Brauch unter der weiblichen Bevölkerung Kölns sei, die in der Meinung lebt, dass alles Elend des ganzen Jahres durch die an diesem Tage bei ihnen gewöhnliche Abwaschung im Flusse weggespült werde und gleich darauf alles nach Wunsch gelinge. Es sei also ein jährliches Reinigungsfest, welches von jeher mit unverbrüchlicher Pünktlichkeit gefeiert werde." Weitere Belege über die Badebräuche in der Johannisnacht ließen sich beliebig viele hinzufügen. Die Kirche mühte sich redlich und über Jahrhunderte vergeblich, die im heidnischen Glauben fest verankerten Badebräuche auszumerzen. Hierzu werden auch Gruselsagen, wie die vom bösen Neckargeist, ihren Teil beigetragen haben. Auch am badischen Schwarzwaldflüsschen Murg erzählte man sich eine nahezu gleichlautende Sage von einem Wassergeist, der die an Johannis Badenden zu sich in die Tiefe riss und ihre Leichen drei Tage später, ebenfalls mit "blauen Streifen" um den Hals, wieder ans Ufer warf. So richtig schaurig werden diese Sagen jedoch erst, wenn man darüber nachdenkt, ob vielleicht tatsächlich drei Tage nach Johannis Leichen mir Würgemalen an die Flussufer angeschwemmt worden sein könnten. kk |
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