Die Wallfahrtskirche auf dem Brunnenberg in Munderkingen.
Die große Schlange im Brunnen

Die Marchtaller Chronik S. 61 erzählt, dass in der (zur Zeit der Abfassung) neu erbauten Kirche zu Munderkingen eine Malerei sei, folgende Geschichte darstellend: A. 1498 habe die Frau des Messners der Kapelle auf dem Berge aus dem dortigen Brunnen Wasser geschöpft und getrunken. Bald darauf sei sie wie eine Schwangere geworden und hätte vieles zu leiden gehabt. Vertrauend auf Gott, die göttliche Mutter um ihre Fürbitte anrufend, gab sie endlich 62 Schlangen von sich. Im Brunnen fand man darauf ein 20 Fuß 3 Zoll langes Schlangengetier.

Anton Birlinger, Sagen, Märchen, Volksaberglauben, Freiburg 1861

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Das heute noch in der Kirche befindliche Ölgemälde sollte die Frauen vor dem Trank aus dem Brunnen abschrecken. Links im Bild die durch das Brunnenwasser schwanger gewordene Mesnerin mit ihrem schweren Leib. Sie ist heute als "Die Rond von Munderkingen" sprichwörtlich. Zu ihren Füßen wimmeln die 57 Schlangen, die sie in ihrem Leib trug. Aus dem heiligen Brunnen im Mittelgrund bleckt die große Schlange ihre Zähne gegen die Priesterschaft und die Prozession, die die Schlange durch Gebete und wehende Fahnen zu vertreiben sucht. Vor den weiß gekleideten Priestern rennt eine schwarze Katze, als Symbol des Bösen, davon. Im Hintergrund die erste steinerne Kapelle mit Einsiedlerhaus, gebaut um 1340. Das Gebäude brannte 1715 ab und wurde 1721 durch die heutige Frauenberg-Kirche ersetzt.

Der heilige Brunnen neben der Wallfahrtskirche auf dem Brunnenberg bei Munderkingen

Besonders in Süddeutschland findet man viele Wallfahrtskirchen und Kapellen neben altheiligen Quellen. Ein typisches Beispiel ist die Wallfahrtskirche auf dem Brunnenberg bei Munderkingen. Schon der Flurname weist darauf hin, dass sich an dieser Stelle einst ein bedeutendes alemannisches Quellheiligtum befand. Die ausgestreuten Sagen und Legenden lassen vermuten, dass das Trinken des Quellwassers aus dem heute noch vorhandenen Brunnen den Frauen Kindersegen versprach.

Spätestens um 1340 entstand auf dem Brunnenberg eine Kapelle, mit der man dem heidnischen Brunnenkult entgegenzuwirken versuchte. Den Bau des Gotteshauses an diesem Platz erklärte man den Menschen mit folgender Legende: Ein frommer Bauer namens Hess habe beim Pflügen seines Feldes am Brunnenberg ein Marienbild gefunden. Als er dieses von seinem Feld fortbringen wollte, kehrte es auf wundersame Weise immer wieder an den Fundort zurück. Die Figur wollte scheinbar ausschließlich an diesem Ort verehrt werden. (Eine solche Begründung für den Bau von Kapellen auf vorchristlichen Kultplätzen findet man vielerorts.) Wie die erste Kapelle mit angebauter Klause und der Brunnen ausgesehen haben mag, kann man auf dem unten gezeigten Ölbild erkennen.

Trotz Kirchenbau und Anwesenheit eines Klausners wird die Anziehungskraft des alten Heiligen Brunnens auf die Frauen der Umgebung nicht nachgelassen haben. Trotz christlicher Verbote und Warnungen pilgerten die Frauen auch weiterhin zum Fruchtbarkeit verheißenden Frauenbrunnen, um dessen Wasser zu trinken.

Nun wurde eine weitere Legende verbreitet: 1498 habe auch die Frau eines Mesners aus dem Brunnen getrunken um Kinder zu bekommen. Hierbei habe sie mit dem Wasser auch Schlangenlaich heruntergeschluckt, der sich im Brunnen befand. Ihr Leib sei daraufhin so prall und schwer geworden, dass sie die hl. Maria in der Brunnenbergkapelle um Hilfe angefleht habe. Dank ihrer inbrünstigen Gebete und Marias Hilfe seien schließlich 57 junge Schlangen aus dem Leib der Mesnerin gekrochen. Beim anschließenden Ausräumen des Brunnens soll man darin eine mächtige 'alte Schlange' von '20 Werkschuh und 3 Zoll' Länge gefunden haben.

Mit dieser Geschichte dürfte die Wallfahrt der Frauen zum heiligen Brunnen beendet gewesen sein. Denn wer wollte schon statt eines gesunden Kindes eine vielköpfige Schlangenbrut gebären?

Um das Volk vor den bösen Schlangen im Brunnen zu 'beschützen', wurde der heilige Brunnen mit einer Haube abgedeckt. Das in der Kirche gezeigte Ölgemälde, bei dem eine gefährlich aussehende Schlange aus dem Brunnenschacht blickt, warnte die Bevölkerung fortan in anschaulicher Weise davor, den Brunnen zu benutzen. Unter der Empore wurde die große Schlange, die man angeblich im Brunnen fand, in voller Länge abgebildet. Selbst der einfältigste Analphabet war so in der Lage, die eindeutige Bildersprache zu lesen, um das Dargestellte zu glauben. kk

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Der Text auf dem Ölgemälde lautet:
"Als dan der Ewige, Gnädige, Güttige und Barmhertzige Gott dies einen, so In trübsal. Jamer Angst und Rott in von hertzen Anruoffen und Bitten, zu keinen Zeiten Nie verlasen hat und noch nit Verlasen würdt, sonder die sich des rechten mittels gebräuchen als durch Gebirt seiner hochgebendeyten Muoter und sieben hailligen Engeln. Wie dan diese fraw in Ihrem Anligen auch für genomen hat, dem Ist wahrhaftig also wie volgt. Nach Christi Geburt als da man zahlt 1498. Jahr, hat aines Mesner Hausfraw alhie auf dem Brunnen Gottes Marie als ein geschreiwe für sprecherin In der Kapel alda angeruofft und gebeten das sie beij Ihrm Lieben kündt wolle Erwerben und bitten, dass sie Ihres schweren Leibs Endeledigt würde, derowegen sie Gott erhört und ist, von gedachtefrauwen ohne allen schaden 57 junge schlangen also das sie Vernach noch zwei ganze Jarlang gelebet hat. Ist man endlich verursacht woeden, den gemalten Brunen Alda zue Entschöpfen und saubern darin ein Alteshlang gefunden worden welche in der Lenge helt oder Ist 20 gemmainder werckhshuo und 3 zohl."

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Das barocke Brunnenhäuschen mit großer Zwiebelhaube von 1731, das den Zugang zu dem heiligen Brunnen verhindert. Heute wird der Brunnen auch 'Marienbrunnen' genannt.

In der Türnische wachte bis 1980 eine Figur des Erzengels Michael als Drachenbezwinger über die Schlangen. Die Statue wurde gestohlen.

Die vorderen Eckpfeiler des Brunnenhäuschens sind mit Schlangenfiguren geschmückt. Die Schlange gilt in der Mythologie als ein Symbol des Wassers. In vorchristlicher Zeit standen Schlangen als Glücksbringer und Beschützer des Hauses in hohem Ansehen. Erst die katholische Kirche verteufelte das Tier und machte es, ebenso wie die Katze, zum Symbol des Bösen.

Unter der Empore windet sich diese gemalte Schlange. Beschrieben ist sie wie folgt: "1498 ist diese hier angemalte Schlange in dem Brunnen nächst der Kapelle gefunden worden, hat in der Länge gehabt 20 gemeine Werkschuhe und 3 Zoll."

Das Rosenkranzbild aus dem Jahre 1689 an der Nordwand der Kirche zeigt Munderkingen zu dieser Zeit.

Noch heute strahlt der Platz vor der Kirche Ruhe und Kraft aus.

Der sogenannte 'Kerkerchristus' in einer Nische neben dem Kanzelaufgang.

Die Wallfahrtskirche auf dem Brunnenberg mit Einsiedlerhaus heute.

Wie das Hinweisschild an der Kirchentür zeigt, fühlen sich heute noch schwarze Katzen auf dem Brunnenberg wohl. - Freija lässt grüßen.

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