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Die versunkene Glocke im Illmensee Im Kirchturm von Illmensee hing vor dem Schwedenkrieg eine große Glocke, die aus dem edelsten Metall gegossen war, so dass sie einen wunderbaren Ton hatte und man ihre feierlichen Klänge weit in der Runde hören konnte. Als nun die Schweden ins Land kamen, war man in großen Nöten, weil man fürchten musste, sie würden die kostbare Glocke wegführen. Die von Illmensee beschlossen deshalb, sie vom Turm herabzuholen und im Illmensee zu versenken. In ruhigeren Zeiten gedachte man sie zu bergen und wieder an ihren alten Platz zu tun. Was man beschlossen hatte, wurde ausgeführt, und die Schweden erfuhren nicht, dass in der Tiefe des Sees die herrliche Glocke ruhte. Die Feinde blieben jedoch länger im Land, als man gedacht hatte; viele Leute starben darüber hin, und als der Friede im Jahr 1648 geschlossen worden war, lebte niemand mehr, der sagen konnte, an welcher Stelle im See man die Glocke versenkt hatte. Eine Aufzeichnung darüber war nicht vorhanden. So behalf man sich notgedrungen mit den geringeren Glocken. |
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Da kam eines Tages ein fahrender Schüler in den Ort, ihm fiel das schwache Geläut auf, und als er die Leute nach dem Grund fragte, erzählten sie, wie es ihnen mit ihrer schönen Glocke ergangen war. Der 'Fahrende' erbot sich, die Glocke ausfindig zu machen und wieder heraufzubringen; hierzu brauche er aber dreißig starke Männer mit eisernen Haken, und bei der Arbeit dürfe kein Wort gesprochen werden. Alles wurde nach den Anordnungen des fahrenden Schülers bereit gehalten, und am andern Morgen ging man daran, die Glocke ausfindig zu machen. Die Männer hatten Glück, bald war die Stelle gefunden. Als man die Glocke schon zur Hälfte aus dem Wasser gezogen hatte - es war mittags zwölf Uhr, und auf dem Turm wurde geläutet - forderte einer der Männer die andern voll Freude zu einem Dankgebet auf. Während er aber noch sprach, sank plötzlich die Glocke wieder in die Tiefe hinab. Bis auf den heutigen Tag hat man sie nicht wieder ge¬funden. Nur des Nachts hört man bisweilen wundervolle Klänge, die aus den Tiefen des Sees emporsteigen. Theodor Lachmann, Sagen und Bräuche vom Überlinger See, Weißenhorn 1976 |
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