Der Herrenwieser See oder Nonnensee bei Forbach im Schwarzwald

Sagenhaftes vom Herrenwieser See

Die guten Seejungfrauen

Um die Herrenwiese liegen einige Seen auf hohen Gebirgen, in Wald und Felsen versteckt. Nicht weit von jenem Dörflein, am Abhang des Berges Seekopf und nicht weit vom Heidenberg, liegt der Herrenwieser See, der auch Hummelsee und der kleine Mummelsee heißt, weil man glaubt, er habe sein Wasser aus dem großen Mummelsee, der drei Stunden südwärts liegt und woraus die Acher fließt. Der Herrenwieser See soll unergründlich tief sein. Ein Jäger schoss einmal ein Reh an seinem Ufer, das ins Wasser fiel und am dritten Tag ganz zerquetscht bei der Seebachbrücke wieder ausgestoßen wurde. – In diesem See wohnten einst wohltätige Jungfrauen; sie kamen nachts ins Tal herab und wuschen frommen und redlichen Leuten die Wäsche aus, die sie dort in den Zubern stehen hatten. Wo sie den Teig in der Mulde fanden, da buken sie das Brot, ehe die Leute wach wurden; sie fegten die Häuser, während die Leute schliefen; im Herbst schnitten sie nachts die reifen Trauben ab und trugen sie zusammen in die Bütten; die schlechten aber ließen sie für die Vögel hängen, darum gab es auch in alten Zeiten so guten Wein. Damals waren die Leute treu und redlich, deswegen haben ihnen auch die Seefräulein bei ihrer Arbeit geholfen; wenn es wieder bessere Menschen gibt, werden sie’s auch wieder tun.

August Schnezler, Badisches Sagenbuch, Karlsruhe 1846

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Zwölf Seeweiblein in Forbach

Auf einer großen Wiese, zwei Stunden von Forbach entfernt, haben die badischen Markgrafen oft Tänze und Lustbarkeiten ausgeführt. Daher hat man sie 'Herrenwiese' genannt. In der Nähe liegen mehrere Seen, darunter der kleine Mummelsee, in dem ehedem zwölf Seeweiblein wohnten. Sie sollen den Leuten bei der Arbeit fleißig geholfen und vor allem immer Brot gebacken haben. Zweimal des Jahres, zu Fastnacht und zu Martini, kamen sie nach Forbach zum Tanz. Die Burschen pflegten sie dann abends gewöhnlich bis zum See heimzubegleiten. Einst hatte sich ein Bursch mit seinem Seeweible verspätet und war hinter den übrigen zurückgeblieben. Als die beiden endlich ankamen, hatten die anderen Seeweiblein am Ufer schon lange gewartet; sie freuten sich nun sehr und schenkten dem Burschen zur Belohnung ein Büschel Stroh. Das nahm er ein Stück weit mit, dachte dann aber ‚Was sollst du dich mit dem Stroh abschleppen?’, und warf es weg. Ein Halm blieb zufällig an seinen Kleidern hängen und der war eine schwere Goldstange geworden, als er heimkam. Die hat er dann um gutes Geld an den Markgrafen von Baden verkauft.

Andere Leute wussten zu erzählen, dass die Seejungfrauen auch an hohen Festtagen zur Forbacher Kirche kamen. Sie waren zart und schön wie Milch und Blut und trugen die Tracht der Schwarzwaldmaidle, mit Röslein auf den Strohhüten. Eine von ihnen, die mit einem Forbacher Burschen eine Liebschaft anfing und sich verspätete, ging es wie denen aus dem Huzenbacher und Wild-See; sie musste ihr Versäumnis mit dem Tode büßen.

Johannes Künzig, Schwarzwaldsagen, Leipzig 1930

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Herrenwies.

Durch Ausplaudern und Neugier vertrieben

Einem Forbacher Holzbauern, der beim Herrenwieser See beschäftigt war, brachte ein Seeweiblein monatelang das Mittagessen; er durfte das aber, wie sie ihm das gleich anfangs gesagt hatte, niemand offenbaren. Seiner Frau fiel endlich auf, dass er das mitgenommene Essen meistens zurückbrachte und sie fragte ihn so lange und dringend um die Ursache, bis er ihr dieselbe entdeckte. Als er am anderen Tag wieder beim See arbeitete, kam das Weiblein mit zwei Gebund Stroh und sagte, dass sie ihm kein Essen mehr bringe, weil er die Sache ausgeplaudert habe. Jedoch zum Abschied wolle sie ihm noch die zwei Gebund Stroh schenken, er solle sie nur sorgfältig aufbewahren. Hierauf ging sie nach dem See zurück. Trotz ihrer Ermahnung warf der Mann auf dem Heimweg das Stroh weg: ein Hälmchen aber blieb ihm am Ärmel hängen und zu Haus fand er es in Gold verwandelt. Eilig begab er sich auf den Platz zurück, wo er das Stroh hingeworfen hatte, allein da war nichts mehr zu finden.

Johannes Künzig, Schwarzwaldsagen, Leipzig 1930

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Unermesslich tief

Auch der Herrenwieser See oder der kleine Mummelsee (auch Hummelsee genannt), von dem man glaubt, er stehe in unterirdischem Zusammenhang mit dem großen, drei Stunden entfernten Mummelsee und erhalte sein Wasser von dort, gilt als unermesslich tief. Ein Jäger schoss einmal an seinem Ufer ein Reh, das aber ins Wasser fiel. Am dritten Tage wurde es ganz zerquetscht an der Seebachbrücke wieder ausgestoßen.

Johannes Künzig, Schwarzwaldsagen, Leipzig 1930

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Die Seejungfrauen

Der Herrenwieser See im badischen Gebirge heißt auch der Hummelsee oder der kleine Mummelsee, zum Unterschiede von dem großen Mummelsee, der drei Stunden südlicher gelegen ist.

Dieser kleine Mummelsee ist unergründlich wie der große, und auch in ihm wohnten vorzeiten Seejungfrauen, Seeweiblein genannt, die waren gut und hilfreich, kamen zur Nacht herab ins Seeland, wuschen frommen Leuten ihre Wäsche, bleichten sie zur Nacht im Mondschein und trockneten sie, buken auch Brot, fegten die Häuser und hatten sich ganz wie die guten hilfreichen Erdmännele und Erdwichtele. Auch den guten Wein schnitten sie zur Herbstzeit ab und trugen ihn in die Bütten, aber den sauren ließen sie hängen für die Vögel, darum gab es in den alten Zeiten besseren Wein und süßeren als jetzt und auch die Menschen waren besser, denn seit sich hie und da so ganz miserable Banden zusammengetan, denen Treue und Glaube nichts mehr gilt, welche Gott leugnen und seine Diener verhöhnen, da kommen auch die Seejungfrauen nicht mehr zum Vorschein und helfen nicht mehr, nur allenfalls kommen noch schlimme, wie jene Nixe im Hutzebacher See, die wechselte einer Köhlersfrau ihr Knäblein gegen einen abscheulichen Balg aus, während die Mutter ins Holz gegangen war. Selbiger Wechselbalg hatte einen Kopf wie ein Sester (Gefäß, das sechzehn Maß Wein fasst) und Kalbsaugen und war dabei hässlich wie ein Kanker, und hatte auch so dünne Beine. Er schrie beständig wie ein Rabe und wie ein Frosch. Wie der Mann heimkam und den Balg fand und seiner Frau Wehklage vernahm, strich er den Balg mit Ruten – da hörten beide ihr Kind am Seeufer weinen. Eilend holte es die Mutter und der Vater nahm den Wechselbalg und warf ihn in den See. Da fuhr gleich die Nixe herauf, zerriss den Wechselbalg und fraß ihn mit Stumpf und Stiel, dabei wallte und wogte und rauschte und brauste der See und schlug hohe Wellen. Vom Hutzebacher See gibt es viele Sagen.

Ludwig Bechstein, Aus dem Sagenschatz der Alemannen, Stuttgart 1982

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Der Nonnensee

Einige Stunden hinter der Herrenwiese befindet sich der Nonnensee, der manchmal mit dem Mummelsee verwechselt wird. Zu beiden Seiten erheben sich der Schwarzkopf und der Seekopf, auf deren Kuppen einst die Schwarzburg und die Seeburg standen. Auf der Seeburg lebten zwölf Brüder, die sich vom Raube nährten, mit ihrer einzigen, aber wunderschönen Schwester. Auf der Schwarzburg aber wohnten zwölf Schwestern, eine reizender als die andere, mit einem einzigen, aber heldenkühnen Bruder.

Die Seeburger zwölfe brüteten schon längst über dem Plan, das Schwestern-Dutzend aus der Schwarzburg zu entführen; der Ritter von der Schwarzburg hingegen beredete die Seeburger Jungfrau, deren Brüder sie ihm nicht zur Gattin verwilligen wollten, zur Flucht und die Stunde war festgesetzt, wo er sie heimlich abholen sollte. Da beide Teile dieselbe Nacht zur Ausführung ihrer Anschläge gewählt hatten, stießen sie mitten auf dem Wege, der ins Murgtal führt, aufeinander. Verzweifelt war der Widerstand, welchen der Ritter von Schwarzburg leistete, aber er wurde von der Menge seiner Gegner überwältigt, gefesselt und zusammen mit der Geliebten und seinen Schwestern in das feindliche Raubnest geschleppt, in dessen Verließ, bei Fackelschein, jeder der zwölf Ritter ihm einen Dolch in die Brust stieß. Hierauf töteten sie ebenso ihre einzige Schwester, nachdem sie den grässlichen Tod ihres Buhlen hatte mitansehen müssen. Die geraubten zwölf Jungfrauen mussten sich mit den zwölf Seeburger Rittern vermählen. Sie erhoben sich aber in der Hochzeitsnacht leise von ihrem Lager und durchbohrten die schändlichen Mörder ihres Bruders mit denselben Dolchen, die sein Blut vergossen hatten. Nach der Befriedigung ihrer Rache wollten die zwölf Schwestern wieder auf die Schwarzburg zurückkehren, doch sie wurden von den Knechten der Seeburger überfallen und auf der Stelle getötet.

Bald darauf brach in der Seeburg eine Feuersbrunst aus. Da sah man unter den stürzenden Balken und berstenden Mauern zwölf weibliche Gestalten in weißen Gewändern durch die Feuersbrunst schreiten, jegliche ein Kindlein auf dem Arm, hinaus zu dem Nonnensee und in dessen Tiefe sich stürzen. Dumpf brausten die Wasser auf und von dieser Zeit an nahmen sie die Farbe Schwarz wie Tinte an.

Jeden Tag nun, sobald die Dämmerung herabsinkt und das Abendglöcklein im nächsten Dorfe geläutet wird, kommen dreizehn Stücke Rotwild aus dem verfallenen Tore der Seeburg hervor und nehmen den Weg zu der Ruine der Schwarzburg. Kecke Wildschützen haben es bisweilen gewagt, auf diese Tiere zu schießen; aber wenn auch das eine oder andere zusammenstürzte und der Jäger sich der Beute bemächtigen wollte, war sie plötzlich spurlos vor seinen Blicken verschwunden; ja, einmal soll die Kugel zurückgeprallt sein und den frechen Schützen selbst getötet haben. Bloß am Freitage oder dem so genannten Jägersabbat, lässt sich der Zug des Wildes nicht sehen; aber um Mitternacht wandeln dann zwölf weiße Nonnen aus einem Turme der Seeburg und in ihrer Mitte wankt ein hoher bleicher Mann, in dessen Brust zwölf Dolche stecken. Während sie durch den Schlosshof dahinschreiten, kommt ihnen aus der Hauptpforte ein Zug von zwölf schwarzen Männern entgegen, ihre Gestalten mit brennenden Flecken übersäht, in ihrer Mitte geht ein weiß verschleiertes Weib. In tiefer Stille schreiten sie an den Nonnen vorüber und verschwinden, zu gleicher Zeit wie jene, in der Begräbniskapelle.

Ein alter Mann, der in der Nähe des Nonnensees wohnte und Kruzifixe aus Holz schnitzte, die er in der Umgebend verkaufte, hörte manchmal in der Nacht ein Gestöhne, wie von Sterbenden, das aus den Fluten zu kommen schien. Dann warf er sich auf die Knie und betete für die Ruhe der Abgeschiedenen, welche dort in der Tiefe ihr Grab gefunden. Als ihm seine Frau starb, vernahm er in der Kammer, worin sie auf Streu lag, eine sanfte Musik. Leise öffnete er die Türe und erblickt dreizehn weiße Jungfrauen mit Lichtlein in den Händen, um die Leiche stehend zu bewachen.

August Schnezler, Badisches Sagenbuch, Karlsruhe 1846

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Schwarzkopf und Seeburg am Mummelsee

Der Mummelsee (Herrenwieser See) liegt im tiefen Murgtale rings von ehemaligen Burgen umgeben; gegeneinander stehen die Überreste der ehemaligen Festen Schwarzkopf und Seeburg. Die Sage erzählt, dass jeden Tag, wenn Dämmerung die Bergspitzen verhüllt, von der Seite des Seeburger Burghofes dreizehn Stück Rotwild zu einem Pförtchen herein-, über den Platz und zu dem entgegengesetzten flügellosen Burgtore hinauseilen. Geübte Wildschützen bekamen von diesen Tieren immer eins, aber nie mehr in ihre Gewalt. Die anderen Kugeln gingen fehl oder fuhren in die Hunde. Kein Jäger schoss seit der Zeit auf ein anderes Tier als das in diesem Zuge lief und sich durch Größe und Schönheit auszeichnete. Von diesem täglichen Zuge ist jedoch der Freitag ausgenommen, der deswegen den noch jetzt üblichen Namen Jägersabbat erhielt und an welchem niemand die Seeburg betritt. Aber an diesem Tage, um die Mitternacht, wird eine andere Erscheinung gesehen. Zwölf Nonnen, in ihrer Mitte ein blutender Mann, in dessen Leib zwölf Dolche stecken, kommen durch die kleine Waldpforte in den Hof und wandeln still dem großen Burgtore zu. In diesem Augenblick erscheint aus dem Portale eine ähnliche Reihe, bestehend in zwölf ganz schwarzen Männern, aus deren Leibern Funken sprühen und überall brennende Flecken hervorlodern; sie wandeln dicht an den Nonnen und ihrem blutigen Begleiter vorüber, in ihrer Mitte aber schleicht eine weibliche Gestalt. Dieses Gesicht erklärt die Sage auf folgende Weise: In der Seeburg lebten zwölf Brüder, Raubgrafen, und bei ihnen eine gute Schwester; auf dem Schwarzkopf aber ein edler Ritter mit zwölf Schwestern. Es geschah, dass die zwölf Seeburger in einer Nacht die zwölf Schwestern vom Schwarzkopf entführten, dagegen aber auch der Schwarzkopf die einzige Schwester der zwölf Raubgrafen in seine Gewalt bekam. Beide Teile trafen in der Ebene des Murgtales aufeinander, und es entstand ein Kampf, in welchem die Seeburger die Oberhand erhielten und den Schwarzkopfer gefangen nahmen. Sie führten ihn auf die Burg, und jeder von den zwölfen stieß ihm einen Dolch vor den Augen seiner sterbenden Geliebten, ihrer Schwester, in die Brust. Bald darnach befreiten sich die zwölf geraubten Schwestern aus ihren Gemächern, suchten die zwölf Dolche aus der Brust ihres Bruders und töteten in der Nacht sämtliche Mordgrafen. Sie flüchteten nach der Tat, wurden aber von den Knechten ereilt und getötet. Als hierauf das Schloss durch Feuer zerstört ward, da sah man die Mauern, in welchen die Jungfrauen geschmachtet, sich öffnen, zwölf weibliche Gestalten, jede mit einem Kindlein auf dem Arm, traten hervor, schritten zu dem Mummelsee und stürzten sich in seine Fluten. Nachher hat das Wasser die zertrümmerte Burg verschlungen, in welcher Gestalt sie noch hervorragt.

Ein armer Mann, der in der Nähe des Mummelsees wohnte und oftmals für die Geister des Wassers gebetet hatte, verlor seine Frau durch den Tod. Abends darauf hörte er in der Kammer, wo sie auf Spänen lag, eine leise Musik ertönen. Er öffnete ein wenig die Tür und schaute hinein und sah sechs Jungfrauen, die mit Lichtlein in den Händen um die Tote standen; am folgenden Abend waren es ebensoviel Jünglinge, die bei der Leiche wachten und sie sehr traurig betrachteten.

Gebrüder Grimm, Deutsche Sagen

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