|
|
|
|
||||||||||||
![]() Der heutige Siebenröhrenbrunnen Anfang des 20. Jahrhunderts, vermutlich kurz nach seiner Rekonstruktion im Jahre 1904. Der ursprüngliche Kirchbrunnen fasste das Wasser der altheiligen Quelle, die der Stadt Heilbronn ihren Namen gab. Der eigentliche Quellort soll sich ursprünglich unter dem Altar der Kilianskirche befunden haben und das Wasser von dort zum Brunnen geleitet worden sein. Dies würde sich mit anderen Quellenkirchen decken. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
| Der Kirch- oder Siebenröhrenbrunnen von Heilbronn Der Vorgänger des heutigen Siebenröhrenbrunnens, die ursprünglich 'Kirchbrunnen' genannte Brunnenanlage, war um 1541 von Balthasar Wolff im Bereich der Kirchbrunnenstraße errichtet worden. Der Brunnen fasste die einstige heilige Quelle, die namengebend für die Stadt Heilbronn war. Kennzeichnend für diesen Brunnen waren seine sieben Röhren. Die Brunnenanlage befand sich etwas vertieft unterhalb des Straßenniveaus der Kirchbrunnenstraße und war von einer größeren Brunnenanlage mit Wasserbassins umgeben, die den Frauen zum Waschen und Bleichen der Wäsche dienten. Die ganze Anlage war von einer Mauer umgeben. Der der Kilianskirche zugewandte Niedergang zum Brunnen war von zwei massiven Säulen flankiert. Zwischen den Säulen führten Treppenstufen zur Brunnenanlage hinab. Alten Berichten nach hat der Brunnen im Jahr 1680 rund 1235 Kubikmeter Wasser pro Tag (etwa 14 Liter pro Sekunde) geschüttet. Die eigentliche Quelle soll sich hierbei ursprünglich unter dem Altar der Kilianskirche befunden haben. Ottmar Schönhut schreibt in seinem Buch 'Die Burgen, Klöster und Kapellen Württembergs', 1863, dass man das Quellwasser einst unter dem Altar rauschen hören konnte. Durch die zunehmende Industrialisierung und Ausdehnung der Stadt war der Grundwasserspiegel im Bereich der Heilbronner Altstadt um rund zwei Meter abgesenkt worden. Hierdurch ließ die Schüttung der Quelle nach. Während der 1830er Jahre versiegte die Quelle des Kirchbrunnen vollständig und die Anlage wurde im Jahr 1868 ersatzlos abgebrochen. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() Dieser Stadtplan aus dem Jahre 1852 zeigt den ursprünglichen Standort des Kirchbrunnens und die Ausmaße der umfangreichen Brunnenanlage am Eingang der Kirchbronnenstraße. Der zu dieser Zeit bereits trocken gefallene Brunnen wurde 1868 abgerissen, um mehr Platz für den Verkehr zu gewinnen. Bei dem heutigen Siebenröhrenbrunnen handelt es sich um eine Rekonstruktion des so genannten Kirchbrunnens, die man direkt neben der Kilianskirche errichtete. |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
1904 erstand der Kirchbrunnen wieder neu. Es war eine Rekonstruktion als reiner Schmuckbrunnen, ohne die ursprünglichen Waschbassins. Im Gegensatz zum ursprünglichen Kirchbrunnen drehte man den neuen Siebenröhrenbrunnen um 180 Grad und rückte ihn näher an die Kilianskirche heran. Auf die umgebende Brunnenanlage wurde verzichtet. Den sieben Röhren des Brunnens dichtete man nun Heilbronns Zugehörigkeit zu den 'Sieben guten Städten' des Königreichs Württemberg an. Der Nachbau erhielt als Bekrönung ein Tympanon, in dessen halbkreisförmigen Aufsatz folgende Inschrift zu lesen war: Fonte salutifero bullanteis undique veane/ Monstrant aeterni munera sancra Dei ([Das] aus dem heiligen Quell entsprudelnde Wasser verkünde, dass der ewige Gott heilige Gaben uns gebet). Auf der Rückseite ist der Aufbau mit anno domini 1541 datiert. Unterhalb des Aufsatzes war ein Relief Jesus und der Samariterin zu sehen. Die Darstellung zeigte Jesu mit der an einem Ziehbrunnen mit Schöpf- und Tonkrug Wasser holenden Samariterin. Über der Samariterin findet man die an Jesus formulierte Bitte: "Her[r] gib mir dasselbige wasser das mich nicht durste." Die Antwort darauf war in folgender Inschrift bei Jesus zu lesen: "Das Wasser das ich gebe wirt ein Bron in das ewige Leben." Die Medaillonbilder am Torbogen des Brunnenhauses zeigten links den fränkischen Hausmeier Karlmann, dessen auf 741 datierte Schenkung an das Bistum Würzburg in einer Urkunde von 822 die erste urkundliche Erwähnung Heilbronns darstellt; rechts war Kaiser Karl IV. abgebildet, der Heilbronn 1371 zur Reichsstadt machte. Zusätzlich wurden auf dem Tympanon Figuren aufgestellt: links und rechts des Gesimses zwei fast lebensgroße städtische Fahnenträger und auf der Bekrönung drei Putten. Wie viele andere Baudenkmäler Heilbronns wurde der Brunnen während eines Luftangriffs im Dezember 1944 schwer beschädigt. In seiner wieder aufgebauten, heutigen Gestalt geht der Brunnen weitgehend auf die Rekonstruktion aus dem Jahr 1904 zurück, jedoch fehlen die fünf Figuren auf dem Tympanon. klaus kramer |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() Der Siebenröhrenbrunnen an der Kiliankirche heute. Foto: Gabriele Delhey |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Die Legende von der Entstehung der Stadt Heilbronn Der Legende berichtet, der iro-schottische Missionar Kilian (geb. um 640 in Mullagh, County Cavan, Irland, gest. um 689 in Würzburg) soll während seines Missionszuges an der altheiligen Quelle im Auwald nahe des Neckars eine kleine hölzerne Kapelle errichtet haben, um die von den dortigen Heiden verehrte Quelle für den christlichen Glauben zu vereinnamen. Diese Kapelle war dem Erzengel Michael geweiht, den man seit dem 5. Jahrhundert vielerorts an Quellen und Bergheiligtümern verehrte.1 Kilian soll den umliegenden Bewohnern an der Quelle gepredigt und das Quellbecken zur Taufe benutzt haben. Nach einiger Zeit verließ Kilian die Gegend wieder und gab den Kapelle in die Obhut eines Begleiters. Schon bald erhielt bei der Bevölkerung der alte Glaube wieder die Oberhand und die Kapelle verfiel. Kilian wurde schließlich in Würzburg ermordet. Rund einhundert Jahre später später soll sich Karl der Große (geb. 747, gest. 814 in Aachen) in dieser Gegend aufgehalten und in den Eichenwäldern am Neckar gejagt haben. Er kan zu einer kleiner Lichtung mit den kläglichen Resten einer frühereren Besiedlung und einer ärmlichen, halb verfallenen Kapelle bei der eine kräftige Quelle sprudelte. Karl und die Seinen erquickten sich an dem kühlen Nass. Und als sie das Gewässer verlassen wollten, das mit leisem Rauschen und Glucksen zwischen den Kräutern dahin floss, trat aus dem dämmrigen Licht des Waldrandes ein einzelner Mann hervor. Sein äußeres war ehrwürdig, ein weißer langer Bart floss auf seinen Gürtel hinab, sein Haupthaar war weiß. Seine Kleidung war die eines Priesters, doch sehr ärmlich. Tiefer Kummer und Entbehrungen hatten sich in das Gesicht des Greises eingegraben. Als er die Fremden an der Quelle erblickte, stutzte er. Aber sogleich trat er furchtlos näher. "Wer bist du?", fragte Karl den Nahenden, "und was führt dich in diese Wildnis?" "Einst war dies keine Wildnis. An dieser Quelle, an der ihr euren Durst gelöscht habt, wurden viele vom Heidentum zur Lehre Christi bekehrt, doch der gute Same ist erstickt worden im Keim." "Dies hat Gott nicht gewollt", sprach da der das Christentum stets fördernde Kaiser, "Wie konnte dies geschehen in diesem entlegenen Gau?" "Wie Bonifatius im Sachsenland das Evangelium predigte und Sturmio zu Fulda die Abtei gründete, so kam in diese Gegend Kilian und machte die in den Wäldern weit zerstreut lebenden Bauern, Fischer und Jäger mit dem Evangelium bekannt. Zunächst fand er nur Gegenwehr und sah sich selbst mancher Angriffe ausgesetzt. Doch das Beispiel seines Wandels, seiner Sanftmut und Selbstverleugnung wirkten schließlich auf die rauen, unverdorbenen Gemüter und sein Wort fand Eingang in ihre Herzen. Die Menschen kamen weiterhin zu ihrer heiligen Quelle, an deren Rand ihr jetzt steht und ließen sich schließlich in dem von alters her von ihnen verehrten Wasser taufen. Bald errichtete die kleine Schar Christen, die sich hier um Kilian scharten und ihre Hütten bauten, direkt an der heiligen Quelle eine kleine hölzerne Kapelle, die sie dem Erzengel Michael weihten1. So wurde die gleiche Quelle von den altgläubigen Heiden und Christen verehrt. Bald mehrte sich in der Region die Zahl der Gläubigen. Kilian sah hier seinen Auftrag erfüllt und zog weiter um seine Arbeit an einem anderen Ort fortzusetzen. An der Quelle ließ er einen seiner Jünger zurück, der ihn vertreten sollte. Doch ohne Kilians starke Hand fielen die hier Ansässigen schon bald wieder vom Christentum ab und verehrten wieder ihre alten Naturgottheiten. Die Verehrer Kilians verließen den Ort, die Hütten verfielen und die Kapelle geriet in den Zustand, in dem ihr sie nun erblickt. Vor einigen Jahren kam ich an diesen Ort und verkündete hier erneut Gottes Wort, doch meine Bemühungen haben weniig gefruchtet." Der Kaiser war durch die Rede des Waldbruders gerührt. Ich habe, dachte er bei sich, innerhalb und auperhalb der Grenzen meines Reiches so viel getan, um dem Christentum Eingang und Aufnahme zu verschaffen, warum sollte ich die frommen Bemuhungen dieses Einsiedlers nicht unterstützen? "Fasset Mut", sagte der Kaiser, "Euer Kirchlein wird sich bald aus diesen Trümmern erheben. Das Licht, das von Osten her aufgegangen ist, soll auch die deutschen Wälder mit seinem milden Strahl erhellen." Als der Bruder von einem der Jäger vernommen hatte, wer zu ihm sprach, da erfüllte sich sein Herz mit Freude und er ergoss sich in tief gefühlten Dankesbezeugungen gegen den, der dem nun unterjochten Sachsenvolk die christliche Botschaft mit Feuer und Schwert gepredigt hatte - mehr als rächender Würgeengel, denn als Apostel. Es dauerte nicht lange, da erhob sich an diesem Ort erneuert und verschönt wieder ein St. Michaels-Kirchlein und füllte sich wieder mit Gläubigen. Christliche Ansiedler und Händler kamen von weit her und der Wald musste unter ihren Äxten weichen, Platz machend für Feldbau und Kultur. Wo einst nur vereinzelt einige Hütten standen, sah man bald ein blühendes Städtchen entstehen. Karl besuchte den aufblühenden Ort bei verschiedenen Anlässen und auf dem Markt zeigte man noch lange ein schönes altes Haus, dessen Bauart an die Zeit der Kaiserbesuche erinnerte und das die Sage als Kaiserpfalz bezeichnete. Noch bis ins 19. Jahrhundert strömte aus den sieben Röhren des Heil spendenden Kirchbrunnens jenes kristallklare Wasser, das der Stadt Heilbronn (Helicobronn) ihren Namen gab. Nach Ottmar Schönhut 1 Dass man diese Kapelle dem Erzengel Michael widmete, spricht dafür, dass hier 'böse Geister' oder alte Gottheiten gebannt werden sollten. Der Erzengel, der den Satan und Drachen bezwang, wurde gerne bemüht, wenn es galt, die vorchristlichen Götter und Naturgeister in Schach zu halten. Siehe auch Mummelsee. Verwendete Literatur: |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
| Der Siebenröhrenbrunnen
Die ersten Anfänge der Stadt Heilbronn liegen weit zurück im dämmerigen Bereiche der Sage. Wie der Name der Stadt verkündet, verdankt sie ihre Entstehung einem Wunderquell oder Heilbrunnen. Karl der Große, so berichtet die Sage, hatte einst in der Gegend eine Jagd veranstaltet; denn noch waren die Hügel rings um den Neckar mit dichtem Wald bedeckt, in den Ur und Elch, Hirsch und Eber hausten. Über Tal und Höhen ging die wilde Jagd des Frankenkaisers und seiner Begleiter. Da gelangte der lärmende Troß aus dem finsteren Dickicht der Wälder ins Tal hinab zu einer sonnigen Lichtung, wo im Schatten einer uralten Eiche ein klarer Quell zu Tage sprang. Überrascht von der Lieblichkeit des Ortes stieg der Kaiser vom Rosse, sank ermüdet vom heißen Ritte ins grüne Gras und trank in vollen Zügen das herrliche Naß. Am Quell aber stand ein Altar, auf dem die heidnischen Alemannen ihren Göttern zu opfern pflegten. Das verdroß den christlichen Kaiser und er beschloß, auch hier der Nacht des Heidentums zu steuern. Fromme irländische Mönche und Glaubensboten erschienen bald unter dem Schutz des mächtigen Kaisers im lieblichen Gelände um den Neckar, verkündigten den rauhen Söhnen Alemanniens die frohe Botschaft des Heils in Christo, zerstörten am geweihten Quell den Altar der Heidengötter und pflanzten an seiner Stelle das Kreuz auf. Von nah und fern strömten die trutzigen Recken herbei und empfingen am heiligen Brunnen die Weihe der Taufe. Bald erhob sich am geweihten Orte ein kleines Gotteshaus zu Ehren des heiligen Michael und an seiner Stelle später, als sich die menschlichen Niederlassungen ständig mehrten, die ehrwürdige Kirche zu St. Kilian. Der Heilsbrunnen aber, nach dem der rasch aufblühende Ort genannt wurde, sprudelte aus sieben Röhren im Schatten des hehren Münsters als Wahrzeichen der Stadt, bis er plötzlich im Jahre 1857 versiegte. F. H., Sagen und Geschichten, um 1922 |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
![]() St. Kilian über dem Südportal der Heilbronner Kilianskirche. Foto: Joachim Köhler |
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||
|
Wasser ist mehr als H2O! Bitte helfen Sie uns dabei, die Liste der aufgeführten und besprochenen Brunnen, Quellen und sagenhaften Gewässer zu vervollständigen. Mit Ihren Bild- und Textbeiträgen können Sie mit dazu beitragen, dass die einstige hohe Bedeutung des Wassers in Volkskunde und Religionen nicht in Vergessenheit gerät. Bitte beachten Sie hierbei, dass wir aus urheberrechtlichen Gründen ausschließlich Fotos verwenden können, die Sie selbst gemacht haben. Über Ihre Anregungen und Mitarbeit freuen sich Klaus Kramer und Team. |
||||||||||||||