Blick auf das Nordufer des Sees.
Der Feldsee im Schwarzwald

Der Feldsee

Hat man von dem furchtbar schönen Todtnauer Tal aus über Brandenberg den Feldberg erstiegen, so zieht sich der Weg eine Zeit lang auf der fast wellenförmigen Hochebene fort bis zu dem östlichen Abhange desselben. Nun erblickt man auf einmal in einer schauerlichen Tiefe von mehr als 2.000 Fuß unter sich, jedoch noch in einer Höhe von 2.287 Fuß über dem Meeresspiegel, einen schwarzgrauen, kleinen, kreisförmigen See, mit düsteren Tannen und Föhren begrenzt, von welchen viele Stämme, teils vom Blitze verkohlt, teils vom Sturme hierher geschmettert, umherliegen. Dieser See heißt der Feldsee, ist über 13 Morgen groß und soll gute Lachsforellen enthalten. Seine schwarze Tintenfarbe, in Verbindung mit der finsteren Nadelwaldung und den zerklüfteten Felsenhängen, welche sein Ufer bilden, die tiefe Einsamkeit der Gegend und schauerliche Natur, bilden hier eine grauenhaft schöne Naturszene.

Außer den Naturfreunden, worunter namentlich die Liebhaber der Botanik hier eine schätzbare Ausbeute finden, wendet nur dann und wann ein Bäuerlein in frommer Einfalt und mit scheuem Herzen sich diesen unheimlichen Gestaden zu. Denn – so geht die Sage – seit undenklichen Zeiten wurden böse Geister oder Dämonen in die unergründliche Tiefe des Feldsees versenkt. Spukt ein solcher Kobold in irgendeinem Hause in der Umgegend, so wird er von dem nächsten besten Geistlichen beschworen, in eine Flasche gebannt, dieselbe, wenngleich nicht mit dem Siegel Salomonis, doch fest genug verspundet, in aller Stille zum See getragen und darin versenkt. Jetzt, nachdem er das geheimnisvolle Werk vollbracht und dem See wieder den Rücken gewandt, jetzt – nimm dich in Acht! Blicke ja nicht zurück! Denn seltsame Stimmen in wirrer Tonmischung rufen dir zu, rufen dir nach. Du bist verloren, wenn du dich umschaust – die noch freien Geister ergreifen dich und stürzen dich in den nächtlichen Abgrund des Sees.

An den Ufern desselben spukt auch zuweilen der durch Hebel berühmt gewordene Denglegeist. (Siehe das Gedicht: 'Geisterbesuch auf dem Feldberg'.) Schon mancher, der z.B. von Todtnau her aus dem Wirtshaus einen anderen Geist im Kopf mitgeschleppt, welche Art der Denglegeist nicht ausstehen könne, soll's übel empfunden haben. Er sei im Nebel herumgeführt worden die ganze Nacht hindurch; ja, einst habe derselbe einen Wildfrevler, der schon viel Schlimmes begangen und über die Neckereien des Denglegeistes entsetzlich geflucht hatte, in seinem Grimm in den See hinuntergestürzt. Auch die geistlichen Herren von St. Blasien sollen ihm verhasst gewesen sein, weil ihn einige zu beschwören und zu bannen versucht hatten. Sie seien einst ausgegangen und hätten auf dem Gipfel des Feldbergs ein Feuer angezündet, um ihm auf die Spur zu kommen. Da habe der Denglegeist es sogleich wütend ausgeblasen und die Mönchlein mit einer fürchterlichen, von einem Stein- und Hagelregen begleiteten Windsbraut den Berg wieder hinuntergejagt. Zwei Professoren oder weisen Meistern von der Freiburger Universität, welche bald nachher denselben Versuch anstellen wollten, sei es nicht besser ergangen.

August Schnetzler, Badisches Sagenbuch, Karlsruhe 1846

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Der Feldsee auf einer Darstellung des 19. Jahrhunderts. Künstler unbekannt.
Feldsee

Der Feldsee hat eine düstere, geheimnisvolle Lage und ist mit seiner zauberischen Umgebung die Wohnstätte so vieler geistiger Wesen, die uns überall an ähnlichen Orten begegnen. Es sind dies wohl die Geister, die durch Gebete und Zeremonien heiliger oder frommer Personen aus verschiedenen Orten dorthin verbannt wurden. Als nun jemand so neugierig war und die Größe des Geisterschlosses erforschen wollte, sollen jene aus der Tiefe gerufen haben: "Wenn du mich willst messen, so will ich dich fressen", worauf dieser von seinem Vorhaben abließ und seitdem bleiben die Wesen daselbst in Ruhe.

J. Waibel u. H. Flamm, Badisches Sagenbuch, Freiburg 1899

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Umgehende Mönche

Ein Fürstabt und zwei andere Benediktiner von St. Blasien, welche zusammen die Untertanen der Abtei unbarmherzig gedrückt und benachbarte Gemeinden übervorteilt hatten, mussten nach ihrem Tode im Kloster umgehen. Um sie fortzuschaffen, berief man den Kapuziner-Guardian von Staufen, der wegen seiner Frömmigkeit weit und breit bekannt war. Derselbe beschwur die Geister in Säcke und trug sie mit zwei Männern auf den Feldberg, wo er und die beiden andern, rückwärts gehend und ohne sich umzuschauen, sie in den Feldsee abluden. In diesen und in einem weiten Bezirk umher bannte er die Gespenster, welche daselbst in den heiligen Zeiten sich zu zeigen pflegen. Zuweilen fischen sie am See, oder jagen, in Jagdkleidung, im Walde. Einem Löffelschnitzer von Menzenschwand begegneten sie in ihrer Ordenstracht, einer hinter dem andern gehend, auf der Bärhalde. Der vorderste, durch sein goldenes Kreuz als Abt1.) kenntlich, sprach: "O weh!" der zweite: "Die Armut!" Der dritte: "Das ungerechte Gut!" Mit diesen Worten gingen sie an dem Manne vorüber, wobei er bemerkte, dass ihre Gesichtshaut wie Tannenrinde aussah.

Zu drei andern Menzenschwandern, die am Vorabend des Christtags über den Feldberg gingen, kamen sie, in ihren schwarzen Kutten, auf Kohlrappen geritten. Sie sprengten um die Männer, die keine Köpfe an ihnen wahrnahmen, her und riefen stets: "Unrechtes Gut, du hast uns betrogen!" Nachdem sie so die davoneilenden Männer eine gute Strecke begleitet hatten, verschwanden sie an einem Kreuzwege.

1. Nach Steindorf, Tannenrauschen, soll der umgehende Fürstabt der berüchtigte Abt Coloman sein.

Bernhard Baader, Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden. Karlsruhe 1851

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Flaschengeister (1.)

1. In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigentümer so arg, dass die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zwecke ließen sie nacheinander etliche Geistliche kommen, aber keiner derselben vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich sagte: "Was willst du mit mir, hast Du nicht auch einmal beim Vorbeigehen an einem Rübenacker eine Rübe herausgezogen?" "Ja, das habe ich getan", antwortete der Geistliche, "aber weißt Du nicht, dass ich nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?" Auf dieses musste das Gespenst schweigen und dann auf des Priesters Beschwörung sich in die Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem Bestimmungsort des Geistes getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde. Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme: "He, ihr geht da fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müsst ihr den anderen Weg einschlagen!" Betroffen schaute er sich um und erblickte niemand; aber im selben Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Haus.

Aufs Neue musste er sie von dort forttragen; diesmal jedoch machte er alles recht und gelangte von seiner Last fast erdrückt auf den Gipfel des Feldberges, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. - Auf diesem Berg sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung nachts das Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen.

J. Waibel u. H. Flamm, Badisches Sagenbuch, Freiburg 1899

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Flaschengeister (2.)

In einem Hause zu Todtnau soll einst ein Geist gegangen sein. Um denselben zu befreien, wurde ein Kapuziner berufen, der ihn beschwören sollte. Nachdem dieser die bezüglichen Gebete und Zeremonien verrichtet hatte, wurde der Geist in eine Flasche gebannt. Derselbe sollte nun mit der Flasche in den Feldsee verbracht werden, allein niemand wollte trotz hoher Belohnung dieses besorgen. Endlich fasste ein Mann hierzu den Mut, besprengte sich mit Weihwasser und trug in den drei höchsten Namen die Flasche dem Feldberg zu, um sie in dem See zu versenken. Je länger und weiter er ging, umso schwerer wurde der Geist, dass es dem Manne fast nicht mehr möglich war, denselben weiter zu tragen, um ihn vor Sonnenuntergang an sein Ziel zu bringen. Dem See bis auf einige Schritte nahe gebracht, zersprang die Flasche und der Geist konnte entweichen. Er sprach noch zu dem Träger: "Wenn du dich nicht so gut gesegnet hättest, oder dich umgeschaut, so könntest du jetzt schauen, wie es dir gehen würde."

J. Waibel u. H. Flamm, Badisches Sagenbuch, Freiburg 1899

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Nach dem Inhalt der vorstehenden Sagen könnte sich auf den Feldsee beziehen, was der Chronist der Zimmerschen Chronik I. 475 erzählt:

Herr Ludwig von Liechtenberg im Elsass hat einen 'spiritum tamiliarem' in einer Lade gehabt, den hat er bei seinen Lebzeiten einem Pfaffen zugestellt. Nach desselbigen Pfaffen Absterben hat ihn Herr Wilhelm von Rappolstein überkommen. Der hat viel Wunders damit getrieben und so ihn was von seinem Frauenzimmer gewundert, hat er diesen spiritum deshalb befragt. Damit hat er sich gegen denselbigen nit fast holdselig gemacht. Nachdem die Familie von Liechtenberg ausgestorben, da hat Herr Schmasman von Rapolstain bemeldeten Herrn spiritum, den sie verschlossen gehabt, an sich gebracht und damit mancher Abenteuer sich unterstanden. Aber als er einstmals gebeichtet, da ward er vom Priester dahin beredt, so dass er zusagte, sich dieses unchristlichen Wesens zu entschlagen und den bösen Geist zu verlassen. Deshalb entschloss er sich, den Geist in einen See, liegt bei . . . . in aller Höhe, wird genannt der . . . . See, zu versenken. Wie er nun in dieser Meinung im Kloster zu . . . . übernachtet und des andern Tags ohne alle Gesellschaft oder Gefährten auf den Berg zum See ging, da befahl er seinen Dienern und männiglich, dass sich bis zu seiner Wiederkunft niemand um ihn kümmern oder annehmen, viel weniger ihm nachfolgen sollte. Diesem Befehle kamen die Diener nach. Aber es war ein junger Mönch im Kloster, der ließ sich von seinem Fürwitz überwinden und schlich ihm heimlich nach. Der ward unterwegs am Berg vom bösen Geist umgebracht. Wie nun Herr Schmasman den Geist in der Höhe versenkt und am Umkehren war, findet er unterwegs den toten Mönch. Das sagt er im Kloster, sie sollten am Berg sehen, da würden sie ihrer Brüder einen finden, den der Geist umgebracht habe und sollten ihn begraben."

Zimmersche Chronik I, 47f

Wenn mit dem nicht genau bezeichneten Kloster St. Blasien gemeint wäre, wie es nötig wäre, wenn sich der Bericht auf den Feldsee bezieht, so ließe sich ein Aufenthalt des Herrn von Rapolstain im Schwarzwald wohl durch den Umstand erklären, dass seine Sohnsfrau eine Gräfin von Fürstenberg und überdies seinem abenteuerlichen Treiben feind war.

J. Waibel u. H. Flamm, Badisches Sagenbuch, Freiburg 1899

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Über Hebels Denglegeist auf dem Feldberg

"Hani gmeint, der Denglegeist, ihr Chnabe vo Todtnau, seig e böse Geist, iez wüßti andre B'richt z'ge."

Der Denglegeist ist durch Hebels 'Geisterbesuch' weltbekannt geworden. Was durch Nachfragen bei Bewohnern der Umgegend des Feldbergs in Erfahrung gebracht werden konnte, passt indes nicht im Entferntesten zu der lieblichen Hebelschen Beschreibung, die übrigens auch gar nicht recht zu den überlieferten Sagen stimmt. Nach einer Aussage ist der Dengele "schwarz und sieht aus wie der Tod", nach anderer ist er wie ein großer Holzhauer und trägt die Sense geschultert. Sogar zum gewöhnlichen Klopfgeist1.), der durch sein Klopfen den Tod ankündigt, ist er sicher schon seit den Dreißigerjahren dieses Jahrhunderts [das 19. Jh.] herabgesunken. Die meisten Leute wussten indes gar nichts Näheres mehr anzugeben, weder von seinem Aussehen noch von seinen Taten. Von einem Begleiter, dem Puhu, wie im Wiesental die feurigen Männer heißen, wissen die Leute nichts. Man darf daher wohl annehmen, dass Hebel den Dengle dichterisch frei behandelt hat. Wie er in dieser Beziehung dachte, ergibt sich aus folgender Stelle seiner Werke, G. A. VII 242: "Indessen ist es nun mit unserem Volksaberglauben, wie es ist, und die Zeit, die ihn uns gegeben hat, lässt sich nicht mehr zurückspinnen. Aber ich glaube, es wäre dem Beruf weiser Volkslehrer angemessener, ihn einzuschränken, ihn wo möglich zu verschönern und zu veredeln und durch besonnene Leitung unschädlich zu machen und zu moralischen Zwecken zu benutzen."

Lassen wir Hebel sprechen, was er mit dem Denglegeist verhandelt hat, den er um elf Uhr nachts im Gespräch mit einem anderen Geist belauschte.

1. "Wenn sich der Dangelmann in der Wand hören lässt, stirbt bald jemand aus der Freundschaft" (Verwandtschaft), heißt es in: A. Birlinger, Volkstümliches aus Schwaben I, Nr. 700.

J. Waibel u. H. Flamm, Badisches Sagenbuch, Freiburg 1899

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Geisterbesuch auf dem Feldberg

Johann Peter Hebel (1760-1826)

Hani gmeint, der Denglegeist, ihr Chnabe vo Todtnau,
seig e böse Geist, iez wüßti andre B'richt z'ge.
Us der Stadt das bini, und wills au redli bekenne,
mengem Chauf-Her verwandt, "vo siebe Suppe ne Tünkli",
aber e Sunntig-Chind. Wo näume luftigi Geister
uffem Chrüzweg stöhnt, in alte G'wölbere huse,
und verborge Geld mit füürigen Augen hüete,
oder vergoße Bluet mit bittere Thräne wäsche,
und mit Grund verscharre, mit rothe Nägle verchratze,
siehts mi Aug, wenns wetterleicht. Sie wimsle gar sölli.
Und wo heiligi Engel mit schöne blaue Auge
in der tiefe Nacht in stille Dörfere wandle,
an der Fenstere lose, und, höre sie liebligi Rede,
gegen enander lächlen, und an de Husthüre size,
und die frumme Lüt im Schlof vor Schade bewahre,
oder wenn sie, selb ander und dritt, uf Gräbere wandle,
und enander sage: "Do schloft e treui Muetter,
do en arme Ma, doch het er niemes betroge.
Schlofet sanft und wohl, mer wennich wecke, wenns Zit isch",
siehts mi Aug im Sterneliecht, und höri si rede.
Menge chenni mit Namen, und wemmer enander bigegne,
biete mer is d'Zit, und wechsle Reden und Antwort:
"Grüeß di Gott! Hesch guti Wacht?" - "Gott dank der! so zimli."
Glaubets oder nit! Ne mol, se schickt mi der Vetter
Todtnau zu, mit allerhand verdrießliche G'schäfte;
wo mer's Kaffi trinken und Ankeweckli drin tunke:
"Halt er si nienen uf, und schwetz er nit was em ins Muul chunnt",
rüeft mer der Vetter no, "und loß er si Tabatiere
nit im Wirthshus liege, wie's sust bim Here der Bruch isch."
Uf und furt, i gang, und was mi der Vetter ermahnt het,
hani richtig versorgt. Jez sitzi z'Todnau im Adler -
und iez gang i spaziere und mein i chönn nit verirre,
mein, i seig am Dorf; z'lezt chresmi hinten am Feldberg,
d'Vögel hen mi g'lockt, und an de Bächlene d´Blüemli.
Selle Fehler hani, i cha mi an allem verthörle.
Drüber wird es chüel und d'Vögel sitzen und schwige.
's streckt scho dört und do e Stern am düstere Himmel
's Chöpfli use, und luegt, öb d'Sunn echt aben ins Bett seig,
öb es echt dörf cho, und rueft de andere: "Chömmet!"
und i ha kei Hoffnig meh. Druf leg i mi nieder.
's isch e Hütte dört, und isch en Aerfeli Strau drinn.
"O du liebe Zit", so denki, "wenn i deheim wär!
Oder es wär scho Mitternacht.Es wird doch e G'spenstli
näume dohinte sy, und z'Nacht um Zwölfi verwache,
und mer d'Zit vertribe, bis früeih die himmlische Liechter
d'Morgeluft verlöscht, und wird mer zeige, wo's Dorf isch."
Und iez, woni 's sag , und mittem vordere Finger
's Zitli frog, wo's Zeigerli stand, 's isch z'finster für's Aug gsi,
und wo's Zitli seit, 's gang ab den Oelfen, und woni
's Pfifli use leng, und denk: Jez trinki no Tubak,
aßi nit vertschlof - by'm Bluest, se fangen uf eimol
ihrer zwee ne Gespröchli a. I mein, i ha g'loset. -
"Gell, i chumm hüt spoot? Drum isch e Meiddeli g'storbe
z'Mambach. 's het e Fieberli g'ha und leidige Gichter.
's isch em wohl. Der Todesbecher hani em g'heldet,
aß es ringer gang, und d'Augen hani em zudruckt,
und ha g'seit: Schlof wohl! Mer wen di wecke, wenns Zit isch. --
Gang, und biß so gut, und hol mer e wengeli Wasser
in der silberne Schaale , i will iez mi Sägese dengle."
Dengle? han i denkt, e Geist? und düsele use.
Woni lueg, so sizt e Chnab mit goldene Fegge
und mit wiißem G´wand und rosefarbigem Gürtel
schön und lieblig do, und nebenem brenne zwei Liechtli.
"Alle gute Geister", sagi; "Her Engel, Gott grüeß di!"
"Loben ihre Meister!" seit druf der Engel, "Gott dank der!" -
"Nüt für übel, Her Geist, und wenn e Frögli erlaubt isch,
sag mer, was hesch du denn z'dengle? - "d´Sägese", seit er.
"Jo, sel siehni", sagi, "und ebe das möchti gern wisse,
wozu du ne Sägese bruuchsch." - "Zum Meihe. Was hesch g'meint?"
seit er zu mer. Druf sagi: "Und ebe das möchti gern wisse."
Sagi zuenem: "Ischs verlaubt? Was hesch du denn z´meihe?" -
"Gras, und was hesch du so spoot do hinte z'verrichte?"
"Nit gar viel", hani g'seit, "i trink e wengeli Tubak,
wäri nit verirrt, wohl wärs mer z'Todtnau im Adler.
Aber mi Red nit z'vergesse, se sag mer, wenn d'witt so gut sy,
was du mittem Gras witt mache." - "Futere", seit er.
"Eben und das nimmt mi Wunder, de wirsch doch, Gott will, ke Chue ha?"
"Nei, ne Chue iust nit, doch Chalbele", seit er, "und Esel."
"Siehsch dört selle Stern?" Druf het er mer obe ne Stern zeigt.
" 's Wienecht-Chindli's Esel, und 's heilige Friedeli's Chalble
othme d'Sterne-Luft dört oben, und warten ufs Futter.
Und dört wachst kei Gras, dört wachse numme Rosinli",
het er g'seit, "und Milch und Honig rieseln in Bäche,
aber's Vieh isch semper, 's will alli Morge si Gras ha,
und e Löckli Heu, und Wasser us irdische Quelle.
Dordurwille dengli iez, und willi go meihe.
Wärsch nit der Ehre werth, und seisch de wellsch mer au helfe?"
So het der Engel g'seit. Druf sagi wieder zum Engel:
"Lueg, 's isch so net Sach. Es sott mer e herzligi Freud sy,
d'Stadtlüt wisse nüt vo dem; mer rechnen und schribe,
zähle Geld, sel chönne mer, und messe und wäge;
laden uf und laden ab, und essen und trinke.
Was me bruucht ins Muul, in Chuchi, Cheller und Chammer,
strömt zu alle Thoren i, in Zeinen und Chretze;
's lauft in alle Gassen, es rüeft an allen Ecke:
Chromet Chirsi, chromet Anke, chromet Andivi!
Chromet Ziebele, geli Rüebe, Peterliwurze!
Schwebelhölzli, Schwebelhölzli, Bodekolrabe!
Paraplü, wer koof? Reckholderberi und Chümmi!
Alles für baar Geld und alles für Zucker und Kaffi...
Hesch du au scho Kaffi trunke, Herr Engel, wie schmeckt's der?"
"Schwez mer nit so närsch", seit druf der Engel und lächlet.
"Nei, mer trinke Himmelsluft und esse Rosinli,
vieri alle Tag, und an de Sunntige fünfi.
Chumm jez, wenn de mit mer witt, iez gangi go meihe,
hinter Todtnau abe, am Weg, an grasige Halde." -
"Jo, Her Engel, frili willi, wenn de mi mitnimmsch,
's wird afange chüel. I will der d'Sägese trage.
Magsch e Pfifli Tubak rauche, stohts der zu Dienste."
Sieder rüeft der Engel: "Puhuh!" Ne füürige Ma stoht,
wie im Wetter, do: "Chumm, zündis abe go Todtnau."
Seits, und voris her marschiert der Puhuh in Flamme,
über Stock und Stei und Dorn, e lebigi Fackle.
"Gell es isch chummli so", seit iez der Engel: "was machsch echt?
Worum schlagsch denn Füür? Und worum zündisch di Pfifli
nit am Puhuh a? De wirsch en doch öbbe nit förchte,
so ne Fraufaste-Chind, wie du bisch - het er di g'fresse!"
"Nei, Her Engel, g'fresse nit. Doch mußi bikenne,
halber hani'm numme traut. Gut brennt mer der Tubak.
Seile Fehler hani, die füürige Manne förchi;
lieber sieben Engel, äs so ne brennige Satan." -
"'s isch doch au ne Gruus", seit iez der Engel, "aß d'Mensche
so ne Furcht vor G'spenstere hen, und hätte's nit nöthig.
's sind zwee einzigi Geister de Mensche gfährli und furchtbar:
Irrgeist heißt der eint', und Ploggeist heißt der ander;
und der Irrgeist wohnt im Wi. Us Channe und Chruse
stigt er eim in Chopf, und macht zerrütteti Sinne.
Selle Geist führt irr im Wald uf Wegen und Stege,
's goht mit eim z'unterst und z'öberst, der Bode will unter eim breche!
d'Brucke schwanke, d'Berg biwege si, alles isch doppelt.
Nimm di vorem in Acht!" Druf sagi wieder zum Engel:
" 's isch e Stich, er blutet nit! Her Gleitsma, i merk di.
Nüechter bini gwis. I ha en einzig Schöpli
trunke g'ha im Adler, und frog der Adlerwirth selber.
Aber biß so gut und sag mer, wer isch der ander?"
"Wer der ander isch", seit iez der Engel, "das frogsch mi!
's isch e böse Geist, Gott well di vorem biwahre.
Wemme früeih verwacht, um vieri oder fünfi,
stoht er vorem Bett mit große füürigen Auge,
seit eim gute Tag mit glühige Ruthen und Zange.
's hilft kei das walt Gott, und hilft kei Ave Maria!
Wemme bete will, enanderno hebt er eim's Muul zu.
Wemmen an Himmel luegt, se streut er Aeschen in d'Auge;
het me Hunger, und ißt - er wirft eim Wermuth in d'Suppe;
möcht me z'Obed trinke, er schüttet Gallen in Becher.
Lauft me wie ne Hirz, er au, und blibt nit dehinte.
Schlicht me wie ne Schatte, so seit er: Jo mer wen g'mach thue.
Stoht er nit in der Chilchen, und sizt er nit zu der ins Wirthhuus?
Wo de gosch und wo de stohsch, sin G'spenster und G'spenster.
Gösch ins Bett, thuesch d'Auge zu, se seit er: 's preßirt nit
mittem Schlofe. Los, i will der näumes verzehle:
Weisch no, wie de g'stohle hesch, und d'Waisli betroge,
So und so, und das und deis, und wenn er am End isch,
fangt er vorne a, und viel wills Schlofe nit sage."
So het der Engel g'seit, und wie ne füürige Luppe,
het der Puhuh g'sprüzt. Druf sagi wieder: "I bi doch
au ne Sunntig-Chind, mit mengem Geistli befründet,
aber b'hüt mi Gott der Her!" Druf lächlet der Engel:
"B'halt di G'wiße rein, s'goht über b'siebnen und b'segne,
und gang iez das Wegli ab, dört nieden isch Todtnau.
Nimm der Puhuh mit, und lösch en ab in der Wiese,
aß er nit in d'Dörfer rennt, und d'Schüüre nit azünt.
B'hüt di Gott, und halt di wohl!" Druf sagi:" Her Engel!
B'hüt di Gott der Her, und zürn nüt! wenn de in d'Stadt chunnsch,
in der heilige Zit, se b'suech mi, 's soll mer en Ehr sy,
's stöhn der Rosinli z'Dienst und Hypokras, wenn er di annimmt.
D'Sterneluft isch rau, absunderlig nebe der Birsig."
Drüber graut der Tag, und richtig chummi go Todtnau,
und gang wieder Basel zu, im líeblige Schatte.
Woni an Mambach chumm, so trage sie 's Meiddeli use,
mittem heilige Chrüz und mit der verblichene Fahne,
mittem Chranz am Todtebaum und brieggen und schluchze.
Hent ders denn nit g'hört! Er wills io wecke, wenns Zit isch.
Und am Zistig druf, se chummi wieder zum Vetter,
d'Tubak- Dose hani richtig näume lo liege.

Johann Peter Hebel, Alemannische Gedichte, Arau 1820

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Blick über den Feldsee in östlicher Richtung.

Der Feldberg

Der Name Feldberg, der auch sonst noch häufig vorkommt, hat zu etymologischen Künsteleien verschiedener Art Anlass gegeben; schon der alte Gerbert von St. Blasien glaubte dagegen ein Wort sagen zu müssen. Die nüchterne Forschung unserer Tage bringt mit ihm das Wort ‚Feld’ in Beziehung zu der kahlen Kammfläche des Berges. Frühzeitig schon geschieht seine Erwähnung in Urkunden; er ist als weithin nach allen Richtungen sichtbare Erhebung Gemarkungsgrenze in alter wie in neuer Zeit. Alp- und Breisgau schieden sich an diesem Punkte. Auch der düstere, an dem steilen Nordabhang eingebettete Feldsee war wie auch heute noch hälftig geteilt. Anno 1100 erhielt das Kloster St. Peter die Hälfte davon neben anderen Gütern von einem Reginhard de Wilar als Schenkung. Südlich ragten an den Feldberg heran die Besitzungen des Albtalklosters St. Blasien, das in diesem Tal wie auch von der Expositur Todtnau aus im hinteren Wiesental die Flößerei begünstigte. Wallartige Erhebungen (Klusen genannt) zeigen noch heute in beiden Tälern von der alten Art, wie die Schwarzwaldtannen zu Tal gefördert wurden. An den westlichen Hängen des großen Bergstockes wurde im Mittelalter ein schwunghafter Bergbau betrieben; zahlreiches urkundliches Material, ein Glasgemälde im Freiburger Münster, auf dem sich die Bergwerkszunft von Todtnau verewigt, häufige Namen wie Silberberg, Poche etc., verfallene Stollen sind die letzten Erinnerungen, die uns berichten von dem verschwundenen Erwerbszweig, der einst in Todtnau und in Oberried geblüht hatte. Auf der Gemarkung von Oberried lag auch die klösterliche Niederlassung der Wilhelmiten, die dem ganzen Tal den Namen gebend als Nachfolger der nur kurze Zeit hier lebenden Zisterzienserinnen (1237-1244) von Günterstal, aller Ungunst des Klimas und der wilden Einsamkeit lange Zeit getrotzt haben.

Die Höhen des Feldbergs haben auf ihren grasreichen Triften schon im frühen Mittelalter eine blühende Weidewirtschaft gesehen, woran die verschiedenen, jedenfalls alten Viehhütten erinnern. Ein Absolon zahlte (1365) einen Gulden Abgabe für die Weide am Feldberg. Ohne Zweifel alten Ursprungs ist auch die feierliche Eröffnung der Sommerweide an St. Peter und Paul und der Lorenzenmarkt (10. August), welche an beiden Tage noch alljährlich viele Interessenten nach dem Feldberg führen.

Hat der Feldberg in der Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes bis ins graue Altertum hinauf eine bedeutende Rolle gespielt, so hat ihm seine weite Entfernung von jenen Straßen, auf denen die politische Geschichte wandelt, so gut wie gar keinen Anteil an bedeutsamen öffentlichen Ereignissen zugewiesen. Nur die Kriegsläufe des 17. und 18. Jahrhunderts scheinen auch bis hierher ihren Einfluss geltend gemacht zu haben. Eine kleine Verschanzung am Südhang des Herzogenhorns, Schweden- oder Franzosenschanze genannt, scheint der Überwachung der verschiedenen hier sich treffenden Passübergänge (Wiesen-, Alb- und Höllental) gedient zu haben. 1848 suchten Hecker und seine Freischärler von Todtnau aus eine Zuflucht auf dem Feldberg.

Was heute den Feldberg so beliebt macht, das kannte die frühere Zeit wohl kaum. Erst beim feinsinnigen Abt Gerbert von St. Blasien finden wir eine interessante Würdigung der landschaftlichen Schönheiten dieses Berges.1.) Rühmt er seinen Reichtum an Nutz- und Heilkräutern und an botanischen Merkwürdigkeiten, so blieb er auch für die Fernsicht nicht unempfänglich: "So schwierig auch der Aufstieg zum Gipfel ist, so erfreulich ist, namentlich bei klarem Wetter, die Aussicht nach allen Seiten, über die ganzen Schwarzwald- und die Hegauer Berge nicht nur, sondern auch auf die Höhen des Jura und der Vogesen, auf die Schweizer Alpen und die dazwischen liegenden Ebenen, in denen lachende Wiesen, üppige Weinberge, fruchtbare Äcker, weithin sich schlängelnde Flüsse, Wälder, Städte und Dörfer, und was sonst nicht alles noch dem Auge sich darbieten von dem an und für sich ungastlichen und unbewohnbaren Berg." An einem schönen Sommermorgen bei Sonnenaufgang hatte Gerbert dieses entzückende Bild geschaut, allerdings auch die Ungastlichkeit kennengelernt, da er seine vom Frost fast erstarrten Finger wieder aufwärmen musste an einem kleinen Feuerchen.

1. Iter allemanicum 1773 p. 404, 405

J. Waibel u. H. Flamm, Badisches Sagenbuch, Freiburg 1899

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Das Quellgebiet des Seebaches, der zunächst den Feldsee und später den Titisee speist.

Die Gipfelpyramide auf dem 1440 m hohen Seebruck, oberhalb des Feldsees.

Blick vom Seebruckgipfel auf den 300 m tiefer gelegenen Feldsee.

Wasser ist mehr als H2O!

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