Es herrscht eine geheimnisvolle Stimmung auf der Oberburg, wenn die tief stehende Sonne am späten Nachmittag durch den Felsbogen des Heidentors wandert.

Vom 'Millbrönnle' und dem frühkeltischen Kultplatz Heidentor bei Egesheim

"... die altberühmte Quelle, Millbrönnle genannt" verkommt im Kuhdreck.

Das Millbrönnle

In der Nähe von Egesheim ist 'Oberburg', darauf ein Felsen in Gestalt eines Scheuertores. Daneben ist eine Quelle. Der Fels heißt 'Heidentor'. 'Hainrain' heißt ferner ein Platz dort und da ist die altberühmte Quelle, 'Millbrönnle' genannt. Aus diesem Millbrönnle holt man seit alters Wasser für Krankheiten. - In der Nähe ist auch 'Hebersloch', wo es nicht geheuer ist.

Anton Birlinger, Volksthümliches aus Schwaben, Freiburg 1861.


Das alte Heilquelle Millbrönnle dient heute als Kuhtränke. Trotzdem wird das Wasser auch heute noch gerne von Anwohnern für verschiedene Anwendungen verwendet.
Anmerkungen zum Millbrönnle bei Egesheim

N 48° 06.914', E 08° 51.748', Alt. 699 m

Das einstmals in der ganzen Region weit bekannte und wegen seiner Heilkraft verehrte Millbrönnle, muss man heute suchen. Es sprudelt hinter einem Viehzaun und ziemlich heruntergekommen, südwestlich der Oberburg, in der Nähe des Sportplatzes, am linken Ufer des Mühlenbachs. Ein 'säkularisiertes' Marterl, neben dem landwirtschaftlichen Fahrweg, weist den Weg. Seine weiße Marmortafel erinnert an das Hochwasser vom 24.06.1975. Der Grundeigentümer nutzt den ehemaligen Heilbrunnen heute als Viehtränke. Bei meinem Besuch im Sommer 2007 war der kleine Sandsteintrog zur Hälfte in Schlamm und Kuhkot eingesunken. Die auf der Weide grasenden Rinder und Pferde genossen das kühle Nass. Doch die alte Quelle hat auch heute noch ihre Verehrer. Nutzer haben einen kleinen Steg zur Quelle über das Bächlein geschlagen. In alten Zeiten wurde das Quellwasser gegen Hautauschläge und andere Krankheiten angewandt. Noch heute schwört man auf die Reinheit und die konservierenden Eigenschaften des Wassers und verwendet es gerne zum Einlegen von Lebensmitteln.

Die Quelle befindet sich am so genannten 'Hainrain'. Dieser alte Gewannname weist auf einen, sich früher hier befindlichen, heiligen Hain hin. kk

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Ein altes steinernes Marterl mit weißer Marmortafel weist auf den kleinen Steg hin, den Anwohner über die Bära geschlagen haben, um das Wasser des Millbrönnle auch weiterhin nutzen zu können.

Anmerkungen zum Heidentor auf der Oberburg

N 48° 7,412', O 08° 50.685', Alt. 908 m

Ende November 1990 wurde den Archäologischen Sammlungen des Württembergischen Landesmuseums, Stuttgart, durch einen Münzhändler ein Aluminiumkoffer zugestellt, der es in sich hatte. Darin befanden sich zwischen Schaumstoff, dicht gepackt und zum Teil ausgezeichnet erhalten, 114 archäologisch bedeutende Kleinfunde aus Bronze, Gold und Eisen.

Alle diese Gegenstände, so hieß es, sollten aus Baden-Württemberg stammen. Da es sich bei archäologischen Funden nach § 23 des Denkmalschutzgesetzes grundsätzlich um Landeseigentum handelt, bemühte sich das Landesmuseum den Ausgräber zu ermitteln. Man musste mehr über den Fundort und die Fundumstände erfahren, um die Funde wissenschaftlich einordnen zu können. Mit Hilfe des Händlers konnte der Kontakt zum Finder hergestellt werden. Bald stellte sich heraus, dass sämtliche Objekte von der Oberburg bei Egesheim stammten und im Umfeld des so genannten 'Heidentores', gefunden worden waren. Der Finder gab an, die Objekte seien durch Zufall bei einem Geröllrutsch ans Tageslicht gekommen. Ermittlungen des Landesdenkmalamtes ergaben jedoch, dass der gesamte Berghang unterhalb des Heidentores großflächig und tiefgründig umgegraben worden war. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet und der Raubgräber wurde zusammen mit dem Münzhändler wegen Hehlerei und Fundunterschlagung angeklagt. Doch aufgrund der unklaren Beweislage wurde das Verfahren bald wieder eingestellt.


Das Heidentor von oben gesehen. Bei dem Felsbogen soll es sich um den stehen gebliebenen Eingang einer eingebrochenen Höhle handeln.

Im Einzelnen waren dem Landesmuseum 68 Fibeln und Fibelbruchstücke, 27 Ringe, sieben Tüllenspitzen, zwei Pfeilspitzen, Bronzeknöpfe, Blechperlen, Bronzezwingen und verschiedene Bruch- und Einzelteile angeboten worden. Die Patina der Bronzestücke schien einheitlich zu sein, was einen gemeinsamen Fundort bestätigte, die Fundstücke aus Eisen waren stark korrodiert und teilweise gebrochen. Da die Fibeln zum Fundzeitpunkt geschlossen waren, ist es möglich, dass sie zusammen mit den Kleidungsstücken niedergelegt worden waren.

Die Zeitspanne der Deponierungen erstreckt sich über einen Zeitraum von 400 Jahren und reicht vom Beginn der jüngeren Hallstattzeit bis in die Mittellaténezeit. Der lange Deponierungszeitraum, die hauptsächliche Zusammensetzung der Fundstücke aus Trachtbestandteilen, sowie die Besonderheit des Fundortes lassen auf einen keltischen Opferfund schließen. Durch das planlose Durchwühlen des Hanges, ohne gewissenhafte Funddokumentation, ist es jedoch nahezu unmöglich die genauen Fundorte und Fundlagen der einzelnen Objekte nachzuvollziehen, um daraus genaue Schlüsse ziehen zu können.


Phallusartiger Nadelfelsen unterhalb des Heidentores - Symbol eines alten Fruchtbarkeitskultes?

Neben dem Heidentor auf der Oberburg sind nördlich der Alpen lediglich zwei vergleichbare Deponierungen von Fibeln bekannt: der Brodelbrunnen von Bad Pyrmont und die Riesentherme von Duchcov (ehem. Dux, heute Tschechei). In beiden Fällen waren die hauptsächlich aus Trachtbestandteilen bestehenden Opfergaben im Bereich einer Heilquelle gefunden worden. Vor allem der Deponiefund im Brodelbrunnen von Pyrmont weist eine große Ähnlichkeit mit den Opfergaben am Heidentor auf. Quellen und Wasserläufe waren ein notwendiger Bestandteil von heiligen Orten der Kelten. In der Nähe des Heidentores wird von Anton Birlinger eine Quelle erwähnt, von deren Existenz die volkstümliche Überlieferung im 19. Jahrhundert noch wusste und an die heute vielleicht noch einige feuchte Stellen im Erdreich in der Nähe des Heidentores erinnern. Der Opferplatz am Heidentor gehört zu den ältesten keltischen Kultplätzen im süddeutschen Raum. Die Opferhandlungen fanden während einer Epoche statt, aus der uns andere Opferplätze so gut wie unbekannt sind. Der Kultort Heidentor markiert somit die Zeit des Übergangs von der Verehrung reiner Naturheiligtümer, abseits der Siedlungen, hin zum Kult um personifizierte Gottheiten, in eigens dafür errichteten Bauten. Umso bedauerlicher ist es, dass die Raubgräber das Gelände, nur auf Funde erpicht, lediglich planlos durchwühlt haben, ohne auf eine sorgfältige Funddokumentation Wert zu legen. Hierdurch lassen sich, von den Funden ausgehend, nur wenig Rückschlüsse auf die Kulthandlungen ziehen.



Eine rund zehn Meter hohe Felsenformation im Bereich des Heidentores nahe Egesheim.


Sicher ist es kein Zufall, dass die Opfertätigkeit am Heidentor in die Gründungszeit der Heuneburg (16.-13. Jahr. v. Chr.) fällt. Die Opferhandlungen am Heidentor reichen jedoch auch noch mehrere Generationen über das Ende der Keltensiedlung bei Hundersingen hinaus und enden erst in der Zeit, als die ersten keltischen Viereckschanzen entstanden. Zugleich erfolgte in dieser Zeit auch ein Umbruch im keltischen Bestattungswesen. Die Fibeln vom Heidentor weisen darüber hinaus eine große Formenähnlichkeit zu archäologischen Funden auf dem 55 km entfernten Fürstensitz Heuneburg auf. Aus diesem Grund vermutet man, dass es sich um die gleichen Bevölkerungsgruppen handelte.

Welche Gottheiten oder Naturgeister am Heidentor verehrt wurden, ist unbekannt. Die Art und Lage des Ortes, das sich am Steilhang wölbende zehn Meter breite Felsentor in direkter Nachbarschaft von bis zu zehn Meter hoch aufragenden, phallusartigen Spitzfelsen und tiefe Höhlungen im Fels lassen auf eine keltische Fruchtbarkeits- und/oder Unterweltgottheit schließen. In Egesheim wird erzählt, dass archäologische Grabungen auf der Oberburg ein ausgedehntes Gräberfeld mit hauptsächlich Frauengräbern hervorgebracht haben. Diese ungewöhnlichen Grabungsergebnisse und die vorwiegend von weiblichen Gewändern stammenden Opfergaben, die am Heidentor deponiert wurden, legen die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Ort um ein bedeutendes frühkeltisches Frauen- und Fruchtbarkeitsheiligtum gehandelt haben muss.

Unweit des Heidentors befindet sich der Götzenaltar bei Königsheim. kk

Verw. Literatur:
A. Haffner (Herausg.), Heiligtümer und Opferkulte der Kelten, Stuttgart 1995.


Menhirartige Nadelfelsen am Heidentor.


Nur drei Kilometer Luftlinie südöstlich des Heidentors, bei Königsheim, liegt auf einem kleinen Hügel im Wald ein weiterer vorgeschichtlicher Kultplatz: der Götzenaltar bei Königsheim (N 48° 05.740", O 08 50.898"). Eine Hinweistafel des Schwäbischen Albvereins bezeichnet den Ort als vorgeschichtliche Opferstätte und Grabhügel der Bronzezeit: "Der geheimnisvolle, gesetzte Steinblock ist vermutlich ein Menhir (keltisch men=Stein; hir=lang, groß). Er diente den keltischen Priester-Astronomen um 600 v. Chr. zur Bestimmung der Jahreszeiten. Darauf weist der Spalt im Stein hin, der genau in N–S-Richtung verläuft und solche Bestimmungen ermöglicht. (Die Höhe war früher ohne Baumbewuchs). In christlicher Zeit wurden solche heidnischen Kultstätten (Bäume, Quellen, Steine) dem Götzendienst zugeordnet, daher der Name Götzenaltar. Nicht auszuschließen ist allerdings auch, dass es sich hier um eine frühmittelalterliche Mal- oder Gerichtsstätte handelt." Was die vorgeschichtliche Bedeutung natürlich nicht ausschließt. In der Umgebung des Altarsteins findet man auch hier wieder flache Grabhügel. kk

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Ein geheimnisvoller Märchenwald erwartet den Wanderer unterhalb des Heidentores.
Phallusförmige Steinformationen vor dem großen Höhleneingang.


An dieser menhirartigen Felsnadel hätte auch Obelisk seine Freude gehabt.


Überall auf der rund 300 m mal 700 m großen Hochfläche der Oberburg stößt man auf steinerne Grabhügel.

Egesheim vom Hainrain aus gesehen. Im Hintergrund die 924 m hohe Oberburg mit dem keltischen Kultplatz Heidentor.
Der 'Götzenaltar' bei Königsheim

N 48° 05.740', O 08 50.898', Alt. 928 m

Nur drei Kilometer Luftlinie südöstlich des Heidentors, nahe Königsheim, liegt auf einem kleinen Hügel im Wald ein weiterer vorgeschichtlicher Kultplatz: der Götzenaltar bei Königsheim. Eine Hinweistafel des Schwäbischen Albvereins bezeichnet den Ort als vorgeschichtliche Opferstätte und Grabhügel der Bronzezeit: "Der geheimnisvolle, gesetzte Steinblock ist vermutlich ein Menhir (keltisch men=Stein; hir=lang, groß). Er diente den keltischen Priester-Astronomen um 600 v. Chr. zur Bestimmung der Jahreszeiten. Darauf weist der Spalt im Stein hin, der genau in N-S-Richtung verläuft und solche Bestimmungen ermöglicht. (Die Höhe war früher ohne Baumbewuchs). In christlicher Zeit wurden solche heidnischen Kultstätten (Bäume, Quellen, Steine) dem Götzendienst zugeordnet, daher der Name Götzenaltar. Nicht auszuschließen ist allerdings auch, dass es sich hier um eine frühmittelalterliche Mal- oder Gerichtsstätte handelt." Was die vorgeschichtliche Bedeutung natürlich nicht ausschließt. In der Umgebung des Altarsteins findet man auch hier wieder mehrere flache Grabhügel. kk

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Der so genannte Götzenaltar bei Königsheim.

Der exakt in Nord-Süd-Richtung weisende Spalt soll zur Bestimmung der Sonnenwendzeiten gedient haben. Es ist erkennbar, dass der Stein auf seiner Grundfläche ausgerichtet wurde.

Wie viele vorchristliche Denkmale, scheint auch der Götzenaltar lieblos dem Verfall preisgegeben zu sein. Die Südwestseite des Steinpodestes war Stämmen und Bruchholz zugeworfen und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der angeschlagene Baum im Vordergrund auf den Altarstein stürzt.

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