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| Der Bodenlose See bei Empfingen | ||||||||||||||
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![]() Der heute zum Teil verlandete und weitgehend verwilderte Bodenlose See im Seewald nahe Empfingen. |
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Der Bodenlose See Mündlich aus Empfingen im Fürstentum Hechingen. Zwischen Empfingen und Nordstetten, in dem sogenannten Seewald, liegt ein kleiner See, der ist nicht zu ergründen und heißt deshalb der 'Bodenlose See'. An der Stelle des Sees soll früher ein Kloster gestanden haben. Die Nonnen darin führten aber ein schändliches Leben und tanzten mit den Buben aus Empfingen und Nordstetten und liebten sie. Dafür traf bei einem Gewitter ein Blitzstrahl das Kloster, worauf es mitsamt den Nonnen in die Tiefe gesunken ist. Wenn ein Unglück bevorsteht, sieht man eine kleine nackte weibliche Figur, die bis an die Brust im Wasser schwimmt, in diesem See und bemerkt deutlich, dass sie weint. Man vermutet, dass die untere Hälfte dieses Seeweibchens, die noch niemand gesehen hat, die Gestalt eines Fisches habe. Andere sagen, auf dem Platze des Sees sei ein Wirtshaus gestanden, in welchem man immer nur sonntags getanzt und allerlei Gottloses verübt habe. Deshalb sei es versunken. In dem See aber wohnen drei weiße Fräulein, die seien schon oft um den See herum gewandelt und nach Empfingen zu Hochzeiten und Tänzen gekommen. Es gibt noch jetzt einen Platz in Empfingen, auf dem sonst eine alte Linde stand, der so genannte 'Tanzplatz', wo sie oftmals getanzt haben. Einst fragte aber jemand, woher sie denn eigentlich kämen? Da haben sie es zwar gesagt, sind aber seitdem weggeblieben. Nur zur Adventszeit soll man sie noch immer im Seewald sehen können. Ernst Meier, Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, Stuttgart 1852 |
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Für die Vorfahren ein unheimlicher Ort Bodenloser See hat auch heute noch seine Geheimnisse - Sagen erzählen von seiner Entstehung Das Waldgebiet östlich der Straße von Empfingen nach Nordstetten nennt man den 'Seewald'. Wenige hundert Meter von seinem nördlichen Rand entfernt liegt der 'Bodenlose See', der bei der Benennung des Waldstücks Pate gestanden hat. Das stille Gewässer erhält wenig Besuche; schließlich ist es auch nicht ganz leicht zu finden. Außer dem künstlich angelegten Köhlersee kennt die Gegend um Empfingen keine größeren stehenden Gewässer. Das mag seine Gründe im geologischen Untergrund haben. Die aus verschiedenen Erdzeitaltern stammenden Gesteinsformationen und -schichten liegen schräg im Erdboden, sie sind nach Südosten geneigt. Gerade um Empfingen wird der wasserdurchlässige, wenig kompakte Muschelkalk mit Höhlen, Gängen und Spalten von dem jüngeren Keuper mit tonigen und sandigen Böden allmählich überlagert. Ton und Lehm aber verhindern, dass Oberflächenwasser nach unten wegsickert. Im weiten Umkreis des 'Seewaldes' scheint die Keuperdecke noch ziemlich dünn zu sein. War kann das Wasser nicht überall abfließen, was auf Keuper hinweist, aber immer wieder auftretende Erdfälle und Dolinen verraten den Zusammenbruch unterirdischer Höhlen im Muschelkalk, der an der Erdoberfläche als Vertiefung auftritt. Sollte das Seebecken eine wassergefüllte Doline sein, deren Durchmesser fast zweihundert Meter beträgt und deren Tiefe zwar nicht bodenlos, aber doch unnatürlich tief sein soll, müßte darunter eine Höhle von gewaltigen Ausmaßen zusammengestürzt sein. Vielleicht ist tatsächlich etwas daran, wenn erzählt wird: Der See fülle den Einschlagstrichter eines großen Meteoriten, der hier vor Menschengedenken heruntergekommen wäre. Die fast kreisrunde Form des Sees und die wulstartigen Geländeformen am südlichen Gewässerrand fänden damit eine Erklärung. Da ein solcher Himmelskörper in Keuper und Muschelkalk verhältnismäßig wenig Widerstand gefunden hätte, wäre es ihm möglich gewesen, ziemlich tief in die Erdoberfläche einzudringen. Dax würde die Tiefe des Sees erklären. Die Wucht des Einschlags könnte auch das lockere Gestein durch seitliche Verdrängung derart zusammengestaucht und verdichtet haben, daß der Muschelkalk seine typische Wasserdurchlässigkeit in der näheren Umgebung verloren hätte Doch genug der Entstehungstheorien. Jedenfalls ist unseren Vorfahren bereits aufgefallen, daß das Gewässer seine Besonderheiten hat, sonst hätten sie ihm nicht ein solch merkwürdigen Namen gegeben. Offenbar war die Tiefe nicht auszumachen, was auf eine zumindest unnatürliche Tiefe im Verhältnis zum Durchmesser schließen läßt. Früher hatte der Bodenlose See noch einen Namensvetter, nämlich in dem Bad Uracher Stadtteil Seeburg. Bei dem dortigen Bodenlosen See verhinderte ein Kalktuffpolster den natürlichen Abfluß. Es hatte sich in unvorstellbar langen Zeiten allmählich gebildet. Unwillkürlich kommt einem in den Sinn, daß die Sage verschiedenen Seen des Schwarzwalds solche Unergründlichkeit nachsagt. Manche dieser Seen sollen sich gegen das Vermessen dadurch gewehrt haben, daß sie die Verwegenen in den nassen Tod zogen. Auf jeden Fall hatten unsere Altvorderen das Gefühl, irgendwie könne mit dem geheimnisvollen See nicht alles mit rechten Dingen zugehen: Tatsächlich wirkt das kleine, stille Gewässer ein wenig unheimlich. Die altersgrauen, mit hellen Flechten bewachsenen Tannen und Fichten, namentlich am westlichen Ufer, bilden einen seltsamen Gegensatz zu der offenen Wasserfläche, die die zunehmende Verlandung noch gelassen hat. Hier aber ist das Wasser von einer sattbraunen Farbe, die die Unergründlichkeit ahnen läßt. Von der Stimmung her wird man an die Maare der Eifel erinnert. Die Landschaft wirkt nicht trostlos, aber doch schwermütig. Mögen im Sommer Laub, Vogelsang und Seerosen das Bild noch etwas aufhellen, in den winterlichen Monaten wird die Stille zur bedrückenden Einsamkeit, fast zur Bedrohung. Das Bemühen, Sonderbares und Merkwürdiges zu deuten, unheimliche Erlebnisse und eine blühende Phantasie woben in der Geborgenheit der winterlichen Spinnstube einen Kranz von Sagen um den geheimnisvollen „Bodenlosen See". Der häufigsten Sage nach stand dort vor langer Zeit ein Kloster. Allerdings führten die Nonnen kein gottgefälliges Leben, wie es ihrem geistlichen Stande entsprochen hätte, sondern unterhielten allerlei Liebschaften mit den Burschen der umliegenden Dörfer. Der Tanzboden war ihnen lieber als der Betstuhl, und der Spiegel lieber als der Rosenkranz. Ein furchtbares Gewitter setzte dem lästerlichen Treiben ein Ende. Ein Blitz traf das Kloster, das darauf mit seinen Insassen in der Tiefe versank. Bei anderen soll es ein Wirtshaus gewesen sein, das im Erdboden verschwand, weil dort an Sonntagen getanzt und allerlei Gottloses verübt worden war. Noch zu Beginn unseres Jahrhunderts wollen Leute bei bevorstehendem Unglück eine kleine, nackte, weibliche Figur im dunklen Wasser treiben gesehen haben. Bis zur Brust war sie ins Wasser getaucht; man vermutete daß die unsichtbare untere Hälfte in einem Fischschwanz endete. Obwohl kein Laut zu hören war, konnte man dem Bildnis doch ansehen, daß es weinte. Auch sollen dort in der Gegend schon drei weiße Fräulein gesehen worden sein, die in unheimlichen Nächten um den See wandelten. Auch auf dem Empfinger Tanzplatz - es gibt ihn noch heute -, wo man sich früher unter einer mächtigen Linde vergnügte und die Hochzeiten feierte, ließen sie sich blicken. Auf die Frage nach ihrer Herkunft gaben sie zwar Bescheid, aber kamen nicht wieder. Nur zur Adventszeit zeigten sie sich manchmal zufälligen Passanten am Bodenlosen See. In früherer Zeit, als der Mensch den Winter weit mehr als heute als eine lebensfeindliche und -bedrohende Zeit ansah und die jahreszeitlich bedingte lange Dunkelheit viel bewußter empfand, kam die heidnische Furcht vor Dämonen und bösen Geistern wieder an die Oberfläche. Vielleicht hatten die Menschen dafür in der Vergangenheit mehr Sinn für die Geburt Christi, der wie ein aufstrahlendes Licht sie aus der Dunkelheit von Schuld, Furcht und Aberglauben herausführen sollte. Möglicherweise sind wir von lichterfüllten, vorweihnachtlichen Einkaufsstädten geblendet. Reinhard Caspers, Oberndorf a. Neckar, 2004 |
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