Die Verehrung der Quellen in Deutschland

Von Karl Weinhold

Wer jemals durstig und müde auf langer Wanderung aus sprudelnder Quelle Erquickung und Stärkung der Glieder und der Gedanken schöpfte; wer je durch eine von Sonnenglut versengte Landschaft ging, die nur an den Rändern des Flusses noch Leben zeigte; wer es mit empfunden, wie der Gewitterregen die stickende Luft reinigte, duftige Frische ausströmte und wie sich dann Tiere und Pflanzen dankbar aufrichteten, oder wer aus heilsamem Brunnen und Bade die Hoffnung, wohl auch die Gewissheit neuer Gesundheit empfing, der hat an sich erfahren, was von Weltanbeginn die Völker der Erde zu dankbarer Verehrung des Wassers getrieben hat, vor allem zur Verehrung der Orte, an denen das wunderbare Element aus dem Schoße der Erde springt, wo die κεφαλή τοū ποταμοū, das caput aquae nach römischem, das Brunnenhaupt (nd. burnhôved, ahd. Brunnhoubit1) nach deutschem Ausdruck liegt. Als ein Göttliches erschien die Quelle den Völkern. Hier wohnte das übermenschliche Wesen. Gebet zu Bitte und Dank, weihende Opfergaben brachte der Mensch dar, heitere Feste schlossen sich der Spende an. Der Kultus der Brunnen und Quellen geht als uralter Gottesdienst durch die Geschichte der Völker, mit Änderung der Empfänger der Verehrung, aber mit den gleichen Grundzügen von unberechenbaren Anfängen bis in die Gegenwart. Das will diese Abhandlung für Deutschland aufzeigen, nicht mit der Meinung, Unbekanntes zu bringen, aber mit der Hoffnung, durch eine umfassende Behandlung des reichen Stoffes nützlich zu sein.


I.

Woher kommt das Quellwasser? - Die Mythe antwortet, aus dem Sitze der Götter, dem wolkensammelnden Himmel. Der Blitz spaltet die Wolken und die himmlischen Wasser strömen zur Erde; der Blitz fährt in den Erdboden und der Quell springt hervor. Dem dürstenden Herakles schuf nach hellenischer Sage Zeus durch seinen Blitz die lebende Quelle, die λιβάs Ήρακηοs. Bei den Germanen ist Thunar der Quellenschöpfer gewesen – ein Doneres brunno wird im 9. Jahrhundert in einer fuldischen Urkunde erwähnt. Sagen von dem Ursprunge irdischer Wasser durch den Blitz haben sich im Elsass erhalten. Vor dem Weißturmtor in Straßburg liegt ein quellreicher Sumpf, das Dunderloch2). Es rührt von einem gewaltigen Blitz her, der in den Wiesengrund schlug und einen verborgenen Born aufriss. Die Quelle des Bades von Dorf Sulz im Unterelsass kommt aus dem Donnerloch, das durch einen Blitzschlag ausgewählt worden ist. Die Heilkraft des Wassers erkannte man, als bei einer Viehseuche eine Kuh, die aus diesem Loche trank, allein von allen Rindern des Dorfes gesund blieb.3)

Ich glaube, dass auch eine kärntische Sage auf den Gewitterursprung der Quelle zurückgeht. Vor Jahrhunderten sah ein Hirt in der Nähe von St. Leonhart im Lavanttal bei Sonnenuntergang einen blauen Schleier sich auf die Erde herabsenken. Am anderen Morgen grub ein Rind an selber Stelle einen Brunnen aus. Der blaue Schleier ist die dunkle Wetterwolke. Es sind der Zahl nach wenige Sagen, aber ihr Inhalt genügt durchaus zum Zeugnis für den Blitz als Quellerzeuger, zumal viele andere deutsche Sagen die bekannten Vertreter des Blitzes in der Mythensprache, Waffe und Stab, in gleicher Tätigkeit kennen. Am vollsten entspricht die Wurfwaffe, der Speer, dem Blitz. Odin ist der Speerschleuderer, wie die nordgermanische Mythologie noch überliefert.

In Nassing (Nassonge) im Luxemburgischen heißt eine Quelle La Pépinelle, die Pippin der Kurze durch einen Lanzenstoß hervorgeholt haben soll. Graf Arnold III. von Holland stieß im Kriege mit den Westfriesen, um seinem dürstenden Heere Wasser zu schaffen, nachdem er gebetet, seine Lanze in die Erde und frisches Wasser sprang hervor. In verderblicher Dürre bringt der verschmachtenden Kreatur das Gewitter erquickendes Leben.

Von Karl dem Großen erzählt Einhart in den Annalen zu 772, dass nach der Eroberung der Eresburg und der dreitägigen Zerstörung derselben das fränkische Heer in Durstesnot kam, weil alle Brunnen ringsum versiegt waren. Während des Mittagschlafes4) des Königs sei nun durch göttliche Gnade aus einem nahen Berge eine so starke Quelle hervorgekommen, dass aller Durst gestillt werden konnte. Seit Reineccius (1594) ist die Erzählung auf den Bullerborn bei Oldenbeke, in der Nähe der Lippequellen, bezogen worden, der eine aussetzende Quelle ist. Einhart lässt den König untätig; die Volkssage aber machte eine Tat Karls daraus und heftete sich an den Quickborn südwestlich des Karlssteins: sie weiß, dass der König mit seinem Schwerte das Wasser aus dem Berge schlug. So wird auch in der Dordogne von dem Brunnen an der Karlskirche bei Toulon erzählt, dass ihn Karl einst im Kriege bei großer Wassernot mit dem Schwerte aus der Erde stieß, als er verzweifelnd sich auf dasselbe stemmte.

Die Wassernot ist in diesen Sagen treu überliefert. In anderen wird sie durch ein jüngeres, unechtes Motiv verdrängt. Der starke Born nördlich von Jemke im Braunschweigschen soll entstanden sein, als ein Feldherr in der Schlacht ausrief: „Wir gewinnen so sicher als ich den Degen hier in die Erde stoße.“ Die Quelle am Bruderhäuschen im Kastenwald bei Widensolen im Oberelsass stieß ein Graf mit seinem Schwerte aus dem Boden, der im Zweifel an der Treue seiner Frau zu ihr sprach: „Ist das Schwert, das ich hier in die Erde stoße, trocken, so ist deine Unschuld bezeugt; kommt es feucht heraus, so bist du schuldig.“ Eine Quelle floss hervor.

Am häufigsten vertritt ein Stab den wasserweckenden Blitz. Moses in der Wüste und Rhea, die in Arkadien mit einem Stabe (σκήπτρψ) eine starke Quelle aus einem Berge schlug, sind die ältesten Beispiele. Erinnern darf man auch an die Quellenfindung durch die aufschlagende haselne Wünschelrute, sowie an eine südslawische Sage von der dalmatinischen Halbinsel Sabbioncello, wonach eine Vila (Elbin) einem Jüngling die Gabe verlieh, durch Klopfen mit einem Holzstabe überall, wo er wolle, Wasser zu finden.

In den deutschen Sagen ist es in der Regel ein Kirchenheiliger, der in dürrer Zeit oder in dürrer Gegend seinen Stab in die Erde stößt, um Menschen und Vieh, zuweilen sich selbst, Wasser zu schaffen, das meist auch mit Heilkraft begabt, also ein heilwàc ist. So der heilige Willehad in Niedersachsen, der hl. Ludger in Westfalen, der hl. Wilfrid und der hl. Goar in der Eifel, der hl. Willibrord in Luxemburg, der hl. Bonifaz im Fuldischen, der hl. Ulrich in Schwaben und Elsass, der hl. Erhart und der hl. Wolfgang in Bayern; dann der hl. Gangolf und im Elsass ein namenloser Kapuziner. In der Schweiz wird von St. Himerius, St. Gingolf und St. Lupicius Gleiches erzählt. St. Himerius berührte mit einem Baumschössling die Erde und eine Quelle nahe bei seiner Einsiedelei im St. Immertale sprang hervor.

Verdorben ist der Bericht über den Braunsborn bei Querfurt in Thüringen, der durch einen Herrn von Brauns mit dem Stabe aus der Erde gestoßen sein soll. Gemeint ist Bruno von Querfurt, Apostel der Preußen, der am 14. Febr. 1009 zu Braunsberg den Märtyrertod erlitt.

Auch die Sage vom Nikolausbrunnen zwischen Namlos und Fallerschein im Allgäu gehört hierher, den St. Nikolaus aus dem wilden Gewände geschlagen hat, als er den Namloser Kindern an seinem Tage Gaben beschert hatte. Ein paar entsprechende Sagen aus der Bretagne und Cornwall seien beigefügt. In der Haute Bretagne erzählt man von dem dort sehr beliebten St. Roch, dass er in wasserarmer Gegend einer Bäuerin, die ihm von weither Wasser geholt, mit seinem Stabe einen Brunnen aus dem Boden stieß. In Cornwall soll der Jesuswell bei St. Minver durch zwei durstige Pilger erweckt worden sein, die mit ihren Stäben den reichen Quell aus dürrer Erde schlugen.

Das mythische Wesen, das durch die Kirchenheiligen aus diesen Sagen verdrängt ist, taucht noch in einer oberösterreichischen aus dem Ipstal auf, nach der ein Seemännchen einem dürstenden Hirten Wasser aus dem Felsen schlug.

In manchen Sagen ist der stabführende Quellenschöpfer ein Hirt.

Der Lutterspring am Elm ist von einem Schäfer durch den Stoß seines Stabes aus dem Boden geholt worden. Der Schönberger Gesundbrunnen in der Oberlausitz entsprang 1643, als zwei Hütejungen mit ihren Stöcken auf die Erde schlugen, um sich im Dreschen zu üben. Der heiße Quell von Baden im Aargau sprang aus dem warmen Sumpf, als ein Hirtenbube seinen Stachelstock nach einem Eber warf, der sich im Sumpf wälzte. Er fehlte, der Stock fuhr in die Erde, und der heiße Strahl stieg empor. Das Motiv der dörrenden Hitze fehlt in diesen Sagen und ist zum Teil durch andere ersetzt, aber sie gehören doch wohl hierher.

Die Vergleichung der Waffen der Himmelsgötter, der heißen Sonnenstrahlen und der Blitze, mit Hand und Fuß, gehört uralter Mythensprache an. Als der hl. Olaf mit seinen Leuten einst gegen ihren Durst kein Wasser fanden, steckte der König seine Hand in den Hügel (i bakken) nahebei und sofort entsprang ein klarer Quell (die St. Olafsquelle in Vikingstadvaagen auf Karmöen), der noch um 1840 gegen Augenleiden benutzt ward. Durch das Eindrücken des Hutes in den Berg soll St. Olaf die Quelle in Grinnem, nahe dem Hofe Refsnäs, erweckt haben, als er einst dort vorbeizog. Auch hier ist die Hand das schaffende Glied. In der Schweiz heißen die sogenannten Donnerkeile, die Belemniten, noch Teufelsfinger. Und so finden wir denn die Finger heiliger Leute als Quellenwecker. Der bretonische St. Anai steckte seinen Finger in einen Felsen und eine Quelle schoss heraus. Sta. Verena, die Wetterheilige der Schweiz, hub in der sumpfigen Aarniederung bei Klingau drei Finger gen Himmel, steckte sie in den Ufersand, und eine klare, heilkräftige Quelle entsprang. Das ist eine deutliche Umschreibung des vom Himmel in den Sand fahrenden Blitzes.

Den Fuß als Vertreter des Wasser schaffenden Wetterstrahls überlieferte die Legende öfter. St. Olaf stampfte mit seinem Fuße, als er durstig war und Wasser mangelte, einen Brunnen aus dem Berge, die St. Olafsquelle in Birkelandsskoven in Konnesmo.

Der Ottenbrunn im Dorfe Zirkefitz bei Treptow a. d. Rega entstand, als Bischof Otto für die Taufe der heidnischen Pommern dort kein Wasser fand. Er seufzte gen Himmel, stieß mit dem Fuße in die Erde und Wasser quoll heraus. Die hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, soll auf polnischem Boden bei einer Wallfahrt nach Harbelin (Kr. Schmiegel) einen Brunnen, den noch heute fließenden augenheilenden Hedwigsbrunnen erweckt haben. Eine ihrer Frauen fiel in Ohnmacht und da kein Wasser zur Labung dort war, scharrte die Herzogin mit ihrer Ferse eine Grube in den Sand, aus der Wasser floss. Bei dem Kirchlein zu Munzach in Baselland erschien einst die Muttergottes und wo sie ihren Fuß hingesetzt hatte, entsprang ein Heilquell, zu dem die Pilger durch Jahrhunderte kamen. Ganz ähnlich wird in Posen erzählt, dass die Muttergottes einst bei der Kreuzkirche vor dem Städtchen Neustadt erschienen sei und wo sie stand, sprudelte ein heilkräftiger Quell hervor. Bei Pierric in der Oberbretagne ist eine 20-25 cm tiefe Felsgrube, die immer Wasser hat, La fontaine du pas du Saint, auch bloß ‚Pas du Saint’ geheißen, die entstand, als der Leib des hl. Guingalois in schwerer Kiste bei großer Hitze dort von Mönchen hindurchgetragen ward. Der Führer des Zugs bat den hl. Leib um Fürbitte bei Gott und stieß darauf mit dem Fuße an den Felsen. Der Tritt machte eine Vertiefung und daraus kam das Wasser.

Einige Sagen verbinden die Quellerweckung durch Finger oder Fuß noch mit einem Sprunge: hier ist der niederspringende Blitz noch deutlicher. In der Pfalz erzählt man, dass eine Schäferin von einem Jäger verfolgt ward und bei Dahn von einem Felsen heruntersprang. Sie verletzte sich nur an einem Finger (sie stieß mit dem Finger in die Erde) und wo sie niederfiel, entsprang ein Brunnen5). Vergessen sind Finger und Zehe in der thüringischen Sagenform. Oberhalb Brotterode am Walde verfolgte ein Jäger oder Köhler ein Mädchen. Es sprang in die Schlucht hinab und verschwand, wo die Brautquelle noch heute hervorkommt. Wir erinnern uns hier der Verwandlung von Mädchen in Quellen in hellenischen erotischen Nymphensagen und der Geschichte vom Ungetüm Lamia oder Sybaris, das verschwand (άфανήs έvετο) als es von der Höhe herabgeworfen den Kopf am Felsen zerschlug und dass dafür eine Quelle aus dem Gestein hervorbrach.

In den eben erwähnten deutschen Sagen veranlasst die Verfolgung unschuldiger Mädchen den Ursprung von Brunnen. Ein Schritt weiter ist, dass Quellen an der Todesstelle unschuldig Getöteter hervorbrechen.

Nach der Legende sprangen da, wo das abgeschlagene Haupt des Apostels Paulus mit drei Sätzen die Erde berührte, drei starke Quellen hervor6). Im langen Holz zu Hünenberg im Kanton Zug quillt das Jungferbrünnlein. Dort sind vor Zeiten einige Jungfrauen von einem Zwingherren ermordet worden. Ihren seligen Tod zu bezeugen, entsprang das Wasser. Das Schongauer Bad auf dem Lindenberge im Schlattholze (Aargau) kommt aus dem Mordbrunnen, an dem ein reicher Mann von Schongau elf Mädchen aufgehängt hatte. Bei dem zwölften missriet es ihm. Der Bruder eilte herbei und tötete den Bösewicht. An dem Mordbaume entsprang damals die Heilquelle.

Wo ein kirchliches Wunder das Wasser hervorruft, tritt die Naturmythe ganz zurück. Das wundertätige Marienbild in der Rosenweiler Kirche im Unterelsass war von den Schweden bei Zerstörung des Gotteshauses vergraben worden. Als die Einwohner es nach Abzug der Feinde suchten, sprang plötzlich eine Quelle dort hervor, wo das Bild lag. Sie fließt heute noch reichlich. Bei Öffnung des Grabes einer heiligmäßigen Ordensschwester in der Klosterkirche auf der Au bei Steinen im 14. Jh. soll ein tiefer Sodbrunnen mit wunderbarer Heilkraft sich aufgetan haben.

Dass frommer kirchlicher Glaube, brünstiges Gebet die Wasser der Erde und Steine hervorrufen lässt, darf nicht befremden; auch unser Heidentum kann ihn gehegt haben.

Jene drei oberdeutschen heiligen Jungfrauen7), die in der Tiroler Überlieferung Sta. Anbetta, Sta. Wilbetta, Sta. Werbetta heißen, litten Hunger und Durst, als sie den steilen Weg von Mühlbach am Pustertal nach Meransen hinaufstiegen. Da wuchs auf ihr Gebet ein Kirschbaum mit reifen Früchten aus dem Boden und ein frischer Quell sprang hervor.

Als der heilige König Olaf von Norwegen mit seinem Heere einmal vor Durst verschmachten wollte, betete er zu Gott und es entsprang die St. Olafsquelle bei Klingen im Waerdal. Verwandt damit ist die Sage von der Quelle an der Vatnaaskirche im Sigdal. St. Olaf verirrte sich einmal auf der Jagd und war müde und von Durst verschmachtet. Da gelobte er, eine Kirche an der Stelle zu bauen, wo er Wasser fände. Sofort entsprang ein Born aus dem Felsen und der König löste sein Gelübde.

Von dem hl. Ulrich, der mit seinem Stabe mehrere Brunnen hervorbrachte, wird erzählt, dass er den Ulrichsbrunnen von Möggers im Allgäu durch sein Gebet erweckte, als er auf der Schülerwanderung von St. Gallen nach seiner Heimat Dillingen hier starken Durst litt. In der Kirche von Biberbach bei Beilngries in Bayern hängen Bilder der hl. Gundhilt, welche von Gott zweimal Brunnen erbetete, die sie und ihr Vieh tränkten. Als Menschen und Vieh in Dürre verschmachten wollten, rief das Gebet der hl. Adelheid, Äbtissin von Vilich, einen Brunnen, das Adelheidispüzchen zwischen Beuel und Siegburg im Bergischen Lande, hervor, einen Heilborn, zu dem noch jetzt am 2. September gewallfahrtet wird.

Die heilige Hedwig dürstete einmal im Buchenwalde bei Trebnitz in Schlesien. Da betete sie zu Gott und warf ihren goldenen Ring hinter sich und wo derselbe niederfiel, entstand der Brunnen, in dem man noch jetzt den Ring sehen kann. Im Syrtal im Luxemburger Lande ist der Märtesburn, der auf das Gebet des hl. Martin hervorkam, als ihn und sein Pferd sehr dürstet. Es ist ein Heilbrunn mit viel Wallfahrt.

Im Kloster Raute in Schwaben ist der Betenbrunnen. Weil es kein Wasser auf dem Klostergrunde gab, betete die gute Bete (Elisabeta bona) zu Gott, er möge ihr einen Brunnen schenken. Im Traum sah sie die Stelle, wo sich Wasser fand. Sie war bescheidener als der hl. Ludgvan, der irische Missionar, der in Cornwall gepredigt und eine Kirche gebaut hatte. Er wollte ihr aber eine einträgliche Wallfahrt schaffen, darum betete er zu Gott um einen Brunnen neben der Kirche, und als er gegeben war, betete er weiter um drei Gaben für denselben: Heilkraft namentlich der Augen; Beredsamkeit für jeden, der daraus trank, und drittens, dass keiner, der aus dem Brunnen getauft sei, dem Stricke des Henkers verfalle.

Als einmal in Olsberg im Aargau großer Wassermangel und dadurch Krankheit unter Vieh und Menschen herrschte, hielt man öffentliche Gebete. Während da ein Kaplan am Klosteraltar die Messe las, hörte er plötzlich Wasser rauschen. Hinter dem Altar war ein Loch im Boden entstanden, aus dem ein starker Quell herausbrach.

In der Sage vom Trebnitzer Hedwigsbrunnen ist der Wurf des goldenen Ringes bedeutsam: eine Erinnerung an den Blitz. In der Allgäuer Sage vom hl. Ulrich ist der Stab nur vergessen, mit dem dieser Heilige sonst seine Quellen hervorstößt. Der Martinsbrunnen in Luxemburg wird in älterer Überlieferung durch den Hufschlag des Rosses St. Martins herausgeschlagen worden sein. Genug, das bloße Gebet scheint nur ein Niederschlag, der beim Vertrocknen der vollen Überlieferung oder bei Entlaugung der heidnischen Substanz übrig blieb.

In der norwegischen Sage von der St. Olafsquelle bei Lauvaas in Övrebö ward selbst das Gebet vergessen; man weiß nur, dass sie entsprang, als St. Olaf mit dem Heere vorbeizog und das Wasser mangelte.

Ich gehe nun zu den Tiergestalten über, denen die Mythe die Entstehung von Quellen zuschreibt; zunächst zu dem Rosse, unter dem die windgetriebene Wolke, besonders die fruchtbare dahinjagende Gewitterwolke, oft zu verstehen ist8). Wir deuten nur auf die griechischen Hippokrenen auf dem Helikon, in Korinth und Troizene, um an das Alter und die Verbreitung jener Vorstellung zu erinnern.

Germanische Sage erzählt von Rossquellen öfter. Saxo Grammaticus berichtet in seinen dänischen Geschichten in seinem geschraubten Latein, dass Held Baldr seinen fast verschmachtenden Kriegern die Erde öffnete; an der herausströmenden Quelle labte sich das gesamte Heer. Ein Ortsname habe das Andenken festgehalten. Wie P. E. Müller hierzu anmerkt, ist damit Baldersbrönd (Baldersbrunn) gemeint, ein Dorf mit starker Quelle, eine Meile von Roskilde an der Straße nach Kopenhagen gelegen. Dort lebt noch die Sage, König Balders Ross habe das Wasser mit seinem Hufe aus dem Boden geschlagen. Den Huf soll man vorzeiten dort ausgegraben haben.

Von dem tapferen Sachsenherzog Widukind und seinem großen Feinde Karl wird Entsprechendes erzählt.

Die herrliche wundersame Quelle in der Kirche von Bergkirchen in Westfalen hat König Wekings Ross aus dem Felsboden gescharrt; die einen sagen, als derselbe in Zweifeln über den Vorzug des Väterglaubens und des fränkischen Christentums über den Berg ritt und ein Zeichen verlangte; nach anderen habe, als ihn ein bekehrender Mönch aufforderte, seinen Göttern zu entsagen, Wedekind gesagt: „Schaff mir Wasser aus diesem Stein und ich will mich taufen lassen.“ Da habe sein Ross mit den Hufen die Quelle herausgestampft.

Die Karlssage hält sich in uns bekanntem Zuge. Der König war mit seinem Heere in das Gudensberger Gebirge in Hessen gekommen. Er saß auf einem weißen Pferde und sein Volk schmachtete in der Sonnenhitze. Da schlug des Königs Ross einen Stein aus dem Felsen und aus dem Loche sprang eine starke Quelle heraus. Das ist der Glisborn zwischen Besse und Dissen, dem große reinigende Kraft zugeschrieben wird, aus dem aber die Bauern nicht trinken. Jener Stein mit dem Hufschlag ist noch in der Gudensberger Kirchhofsmauer zu sehen9).

Auch die heiße Quelle in Aachen soll König Karls Ross aus der Erde geschlagen haben.

Den Landgrafenborn bei Metze am Kammersberge hat eines hessischen Landgrafen Pferd, als es an Wasser fehlte, aus dem Felsen geschlagen10).

Von der Bergkirchener Quelle (vgl. oben) hörten A. Kuhn und W. Schwartz eine andere als die Wittekindsage. Auf der Egge, wo Bergkirchen liegt, sind einmal zwei Brüder feindlich zusammengetroffen. Der eine kannte den anderen nicht wegen langer Trennung. Aber der andere sagte ihm, er sei sein Bruder; doch jener sprach: „So gewiss mein Ross kein Wasser aus diesem Felsen schlägt, so gewiss bist du mein Bruder nicht.“ Aber in dem Augenblicke hieb das Pferd mit dem Hufe auf den Stein und der Quell entsprang11).

Endlich die Sage von einem Grafen von Daun, der die Botschaft bekam, sein ganzes Schloss sei mit der Frau, den Kindern, Dienern und allem versunken. Ungläubig ruft er: „Das ist so unmöglich als dass mein Falchert (das falbe Ross), auf dem ich sitze, hier einen Born herausscharre!“ Doch das Pferd scharrte wirklich eine Quelle aus der Erde, die noch heute der Falchertsborn heißt. Man kann ihn auf dem Mäuseberg unweit Daun in der Eifel aufsuchen (Schmitz, Sagen und Sitten des Eifle).

An die Stelle der Götter und Helden drängen sich auch in diesen Sagen die Kirchenheiligen ein.

Den Wilibaldsbrunnen bei dem Kloster Bergen im Eichstädter Sprengel schlug das Pferd des Heiligen aus dem Felsen. Als der hl. Bonifaz in Thüringen die Heiden bekehrte, scharrte sein Pferd, das ein krankes Bein hatte, einen Quellbrunnen aus der Erde, der so heilkräftig war, dass das Bein sofort gesund ward. Ebenso ist die Martinsquelle zwischen Le Clion und Pornic in der Haute Bretagne, die aus einem Steine fließt, durch einen Hufschlag des Pferdes des Heiligen entstanden. Auf der Insel Man (zwischen Irland und Schottland) ist eine der berühmtesten Quellen die des hl. Maughold, der zu den ältesten Heiligen des Eilands zählt. Es ist eine künstliche Zisterne, die nur durch einen steilen Abhang vom Meere getrennt ist. St. Maughold sprengte auf seinem Rosse von Irland nach Man hinüber und das Tier hieb auf dem Ufer der Insel seine Hufe so kräftig ein, dass der Quell heraussprang, aus dem der Heilige und sein Gaul alsbald tranken. Das Wasser heilt alle Krankheiten.

Auf derselben Insel, auf Corrinshill, südlich von Peel ist St. Patricks Quelle, die ganz wie Maugholds Brunnen entstand. Als St. Patrick das erste Mal auf dem Rücken seines Gauls von Irland nach Man schwamm, verfolgte ihn ein Meerungeheuer. Da sprengte er sein Tier den steilen Corrinshill hinauf, und wo es stillstand, entsprang unter seinen Hufen eine schöne Quelle, aus der St. Patrick und das Ross sich erfrischten. Sie heißt auch die gesegnete Folklore V, 225.

Wir dürfen wohl auch die friesische Sage hierher bringen, dass, als auf der Marterstelle des hl. Bonifaz Kirche und Kloster gebaut werden sollten, die gesuchte Süßwasserquelle dadurch zutage kam, dass das Pferd eines Reiters mit den Vorderfüßen einsank.

In den norwegischen Olafsagen, die diesen Heiligen häufig mit Quellen in Beziehung setzen, wird merkwürdigerweise nie erzählt, dass sein Ross das Wasser herausgestampft habe, sondern es ist davon nur der Rest übrig, dass es St. Olaf in der Quelle getränkt habe.

Für das Pferd tritt in diesen Geschichten zuweilen der Esel ein.

Die heiligen drei Geschwister Sta. Walburgis, St. Oswald und St. Wilibald reisten zusammen in Ostfranken und hatten einen Esel bei sich. Derselbe scharrte drei Quellen aus: eine in Heidenheim, wo Walburgis ein Kloster baute, die andere in Auhausen, wo Oswald eins gründete, die dritte in Heilsbronn, wo Wilibald das Gleiche tat. Bischof Adolf von Metz befahl, seinen Leichnam auf einen Esel zu laden und dort zu begraben, wo das Tier stehenbleiben werde. Auf einer Wiese vor Neuweiler im Unterelsass, wo Adolf Pfarrer gewesen, machte der Esel halt und scharrte eine Quelle aus, das unversiegbare Adolfibrünnlein. In Neuweiler begrub man den Bischof. Ganz verwandt ist die elsässische Sage vom St. Autorsborn. Der Bischof Drogo von Metz schenkte der Stadt Straßburg die Leiber der Heiligen Castulus und Autor. Als aber der mit Ochsen bespannte Wagen bis zur Abtei Mauersmünster kam, blieben die Zugtiere auf einer Wiese stehen und waren nicht weiterzubringen. Ein Ochse schlug mit dem Hufe dabei so gewaltig auf, dass eine wasserreiche Quelle aufsprang, das noch heute als heilsam bekannte Autorsbrünnlein.

In der Eifel wird erzählt, dass beim Bau der Kirche von Münstermaifeld zwei durstige Zugochsen bei großer Hitze eine Strecke fortliefen und eine Quelle ausscharrten, den St. Severusborn.

Wie bei St. Leonhart in Kärnten ein Rind eine Quelle aufgrub dort, wo sich tags vorher ein blauer Schleier vom Himmel niedergelassen hatte, ward früher berichtet.

Die Rinder sind bekannte Wolkensymbole der indogermanischen Mythologie und daher auch Verkörperungen der Wassergeister. So erscheinen sie auch in einer polnischen Sage. Nahe bei Bentschen in der Provinz Posen sind vorzeiten ein Paar Kühe aus der Erde gestiegen und ebenda entsprang dann eine Quelle, die gegen Augenleiden sehr half. Ein Kreuz richtete man dabei auf.

Nicht wenige Brunnen werden auf Eber oder Schweine zurückgeführt, ganz mythengerecht, denn der Eber, das wühlende Schwein, ist ein Tierbild für die Wetterwolke, die Eberzähne sind die Blitze12). Namentlich sind es Warm- und Salzbrunnen, die nach der Sage von Schweinen aufgewühlt wurden: so die Teplitzer Quelle in Böhmen, die heiße Schwefelquelle von Baden im Aargau, das Wildbad im Schwarzwald, die Salzquellen von Halle a. d. S., der Salzborn von Salzderhalden. In ganz Schwaben heißt es von allen Gesundbrunnen, dass sie von Ebern oder Schweinen aufgewühlt seien.

Dasselbe erzählt man von der Grönnerkeel in Flensburg auf dem Habermarkt, einem Kinderbrunnen, ebenso von dem Brunnen unter dem Kiffhäuser. Die starke Quelle unweit Rübelands im Unterharz auf der braunschweigschen Grenze grub ein Schwein zugleich mit einer Glocke aus. Von den Glockenbrunnen und Glockenteichen handelte P. Sartori in meiner Zeitschrift für Volkskunde VIII, 115. 276.

Die Quelle der Wipper in Hinterpommern, ebenso den Ursprung des Wodscheinesees soll ein Wildschwein aufgewühlt haben. Durch einen Drachen ist nach der Sage der Drachenbrunnen in der Nähe der Starzlachbrücke bei Wertach im Allgäu entstanden. Ein Drache soll sich dort in den Boden eingewühlt und dem verborgenen Wasser den Abfluss verschafft haben. Die vollständige Sage wird wohl erzählt haben, dass der Drache vom Himmel herunterstürzte und in die Erde fuhr, gleichwie Strabo (Geogr. XVI, 2) von dem Flusse Orontes in Syrien berichtet, dass der von den Blitzen getroffene Drache Typho in die Erde herunterfuhr, um sich zu verbergen und die Quelle des Orontes aufriss. Ebenso brach die Quelle Sybaris bei Delphi heraus, als das Ungeheuer Sybaris oder Lamia, vom Felsen herabgestürzt, den Kopf an dem Felsen zerschmetterte, wie oben schon erzählt ist.

Eine Luxemburger Sage berichtet von dem Schlossbrunnen der Ruine Falkenstein, der in hartem Schiefer ausgehauen ist, dass eine Taube einen Tropfen Wasser aus ihrem Schnabel auf den Fels fallen ließ, der den Fels aushöhlte und mit Wasser füllte. Die Taube ist eine der Vogelgestalten, welche die Wolkenfrauen annehmen13); jener Schlossbrunnen wird also unmittelbar als Wirkung einer der Regen- oder Wassergöttinnen bezeichnet. Jedenfalls ist diese Sage von denen zu trennen, in denen eine Taube als Wegzeigerin zu einer Quelle auftritt. Auf die Entdeckung der Salzquelle in Salza bei Soden in Hessen soll eine Taube geführt haben. Ein Taubenborn, ein starker Quell mit geringem Salzgehalt, entspringt bei Witzenhausen.

Von dem Taubenbrünnlein bei Feuchtwangen erzählt man, dass Karl d. Gr. einst dort auf der Jagd von Durst totmatt war, aber niemand wusste einen Brunnen in der Nähe. Da flog eine Wildtaube aus dem Gesträuche und als man dort nachsuchte, fand man eine schöne Quelle. Einem Einsiedel in der Wildnis des Gschnait im Allgäu wiesen Raben einen Brunnen.

In unseren Tagen hat der schwedische Reisende Svend Hedin im inneren Asien Gleiches erlebt. Als er mit dem einzig übrig gebliebenen Manne seiner Karawane verschmachtet in das vertrocknete Bett des Khotan kam, rettete ihn und den halbtoten Gefährten eine Wildente, die aus dem Schilf aufflog und ihn dadurch einen kleinen Wassertümpel finden ließ.

1. Brunhoubit, Kaltenbahhes houbit (9. sæc.) Horiginpahes houbit (11. Jh.): Förstemann, Altd. Namenbuch II. 307.704. Eine Anzahl anderer Ortsnamen, die von Flussquellen benannt sind, z. B. Bachhaupten, Schamhaupten, verzeichnete Schmeller, Bayr. Wörterbuch I, 1143

Außer in den deutschen Mythologien ist über deutschen Quellenkult gehandelt von H. Runge. Der Quellenkultus in der Schweiz: Monatschrift des Wissenschaftlichen Vereins in Zürich, IV. Jahrgang. Zürich 1859, S. 103-104, 202-206. – K. Lyncker, Brunnen- und Quellenkult in Hessen: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte. VII. Band. Kassel 1858. S. 193-239 – O. Schell, Quellen- und Brunnenkultus am Niederrhein: Barmer Zeitung vom 1. und 8. April 1893. – H. Pfannenschmid. Das Weihwasser im heidnischen und christlichen Kultus, Hannover 1869. S. 79-96. Über den norwegischen: A. Chr. Bang, Norges hellige Kilder efter Reformation in den Forhandlinger i Videnskabs-Selskabet i Christiania, Aar 1885. Christiana 1886, Nr. 6.

2. Dem entspricht in einer östergötländischen Grenzurkunde ein Tors mâse, Grimms Mythol.1.169. 2.A.

3. Von dem oberelsäss. Dorfe Sulz geht eine gleiche Sage, nur ist hier die Hauptsache, der Blitz, vergessen, ebd. 1, Nr. 113.

4. In ähnlicher Art lässt die norwegische Sage von der heiligen Lidvorsquelle im Saetersdal für den frommen Lidvor der stets nüchtern zur Vallekirke ging und einst auf dem Heimweg matt und durstig mit dem Wunsche, etwas Wasser zu haben, eingeschlafen war, während des Schlummers die Quelle entspringen. Bang. Norges heilige Kilder S.6.

5. Nach anderem Bericht war das Mädchen zum Tode verurteilt und hatte die Wahl zwischen dem Sprung und der Hinrichtung. Es sprang und verletzte sich nur an der Zehe. Wo es auf den Boden kam, quoll der Brunnen.

6. Nach Runge, Quellenkult 109, entstand der Brunnen der drei hl. Angelsachsen zu Sarmanstorf in der Schweiz da, wo ihre abgehauenen Köpfe zur Erde fielen. Nach Rochholz, Sagen 2, 282, lautet die Geschichte aber anders. Die starke Quelle von Corsica, die der hl. Juliana geweiht ist und unter dem Altar der Kirche hervorstürzt, wird auf die Blutströme zurückgeführt, die aus den abgeschnittenen Brüsten der Heiligen flossen (Meine Zeitschrift VIII, 97).

Nonza auf Philos.-histor. Abh. 1898. 1.

7. Vgl. J. Zingerle, Sagen aus Tirol, 2. A. S. 596 f. Panzer, Bayr. Sagen 1, 281-286, 378-380, 2, 548. J. W. Wolf, Beitr. 2, 175f. Weinhold, Riesen d. germ. Mythus, 26.

8. A. Kuhn in seiner Zeitschr. f. vergleich. Sprachforsch. 1, 451 und in der Herabkunft des Feuers 132.

9. Vgl. oben S. 5 die Erzählung Einharts und die Sage von Bullerborn.

10. Landgrafenbrunnen finden sich in Hessen noch bei Helsa, bei Ziegenhain und im Burgwalde zwischen Rosenthal und Münchhausen. Auch die Quelle der Nidda am Vogelsberge heißt der Landgrafenborn.

11. Die an die Hildebrand- und Hathubrandsage erinnernde Geschichte von zwei Brüdern, die sich zu kennen kämpfen mit tragischem Ausgang, ist in Norddeutschland nicht selten: Kuhn-Schwartz Nr. 254, 273, 285 (294, 319, 328).

12. A. Kahn, Herabkunft des Feuers, S. 202. W. Schwartz, Heutiger Volksglaube und das alte Heidentum 2, A 61 f.

13. Adalb. Kuhn, Herabkunft des Feuers, 88, 91








II.

Ein göttliches Geheimnis umgab die Quelle, aus der das Wasser floss, das durch den Blitz vom Himmel zur Erde gekommen war, und umso geheimnisreicher war diese Stätte, weil sie auch der Eingang zu den Mysterien der Unterwelt schien. Darum glaubte man in den Quellen ein göttliches Wesen wohnend, nicht eine große Gottheit, aber einen jener Ausflüsse der gotterfüllten Natur, wie sie den Menschen zum Heil und zur Hilfe sich in persönlicher Gestalt vielerorten offenbarten, ein numen, wie die Römer es nannten. Diese Quellgeister nun sind überwiegend weiblichen Geschlechtes14), entsprechend den nährenden, reinigenden, heilenden, begeisternden Eigenschaften des Wassers. Von ihnen ging Fruchtbarkeit aus über Menschen, Tiere und Pflanzen; bei ihnen suchte man Reinigung von den Leiden des Leibes, die als Flecken des Lebens erschienen; zu ihnen, den Geheimnisvollen, gingen die Gläubigen, um Aufschluss und Rat über die dunkle Zukunft und die Rätsel des Daseins zu erhalten. Göttliche Frauen belebten auch die deutschen, im Dunkel der Wälder sprudelnden Brunnen und sie haben sich durch undenkliche Zeiten im Besitz ihrer alten Orte erhalten, wenn sie auch die Tracht und die Namen wechselten. In Legende und Volkssage leben sie noch heute fort15) und genießen selbst kirchliche Verehrung.

Nur tun wir gut, die Quell- und Brunnfrauen von den Nixen der Flüsse und Seen zu scheiden, die zwar mit ihnen verwandt, aber nicht eins sind. Eine Nymphe Egeria und eine Nereide sind sehr verschiedene Wesen.

Auffallen könnte nun, dass in Hessen und Mainfranken, auf dem Harz, im Mansfeldischen, auch hier und da in Schlesien, Frau Holle, der Niederschlag der großen vielnamigen Germanengöttin, an Stelle der namenlosen Wasserfrauen niederen Ranges auftritt. Aber auch Aphrodite ist an Quellen, z. B. am Ursprung des Hyllikos, als Nymphe verehrt worden, nach Pausanias II, 32, 7 und als Wolkengöttin, welche Regen und Schnee zur Erde schickt, konnte Frigg-Holle mit den Brunnen und den fließenden Wassern sehr leicht in Verbindung gesetzt werden.

Im unteren Berge bei Hasloch am Main wohnt Frau Holle; nahe dabei im Main ist ihr Badeplatz, wo sie in der Stunde vor Tagesanbruch oder auch zur Mittagzeit badet, meist allein, zuweilen mit zwei anderen Frauen. Besonders auf dem Weißner (oder Meißner) in Hessen war ihre Kultstätte. Dort ist noch der Frau-Hollen-Teich, welcher unter dem wilden Felsgerölle der Kalbe tief und heimlich in einer Schlucht des Gebirges gebettet, sonnig zugleich und vom Schatten hoher Bäume umgeben, von einem verwitterten Steindamme eingeschlossen, in einer grünen Wiese liegt. Weil man sie darin zur Mittagszeit hat baden sehen, heißt er auch Frau-Hollen-Bad. In Oberhessen liegt zwischen Frischborn und Hopfmansfeld an einer steinfichtenen Erhöhung ein Born, der Frau-Holle-Loch geheißen, aus dem sie zuweilen mittags herauskommt und im Wirbelwind herausfährt. Eine Höhle, nicht eine Quelle, ist das Wildhollloch in einer Schlucht bei Seibertenrod, woraus die wilde Holle, weiß gekleidet und freundlich, mittags hervorkommt. Die Wildfrau im Wildfrauborn bei Eckarthausen, die sich den Menschen, namentlich den Weibern, freundlich erweist, ist ohne Zweifel auch die Holle.

Im salzigen See bei Eisleben badete sich Frau Wolle (so ist der Name in der Gegend entstellt); sie kam von einem steinigen Berge bei Aseleben herab. In den Harzsagen tritt Frau Holle meist mit einer anderen weißen Frau auf und auch hier finden wir ihr Bad. Wenn erzählt wird, im Brunnen auf dem Harzburger Burgberge sitze eine weiße Jungfer mit Kaiser Rotbart zusammen, so ist das Frau Holle, wie die Kiffhäuser Sage beweist, die Frau Holle zur Haushälterin Kaiser Friedrichs macht. In der Lauterberger Sage wird Frau Holle zur Kammerfrau der Lutterjungfer gemacht und wäscht ihren Schleier drunten in der Lutter.

Das Herabsteigen von dem Berge zum Bade oder zum Waschen im Born oder Fluss findet sich stehend auch von einer oder mehreren weißen Frauen erzählt: es ist der Ausdruck für die weiße Wolke, die sich aus der Höhe in den feuchten Waldgrund oder zum Fluss herabsenkt.

Zum Herlingsbrunnen am Ohrdrufer Schlossberge in Thüringen steigt um Mittag die Schlossjungfer nieder und badet sich drinnen; dann steigt sie wieder hinauf. Gleiches erzählt man von der Liebensteiner weißen Frau, die sich alle sieben Jahre im Auborn, nach anderen im Glücksbrunner Teiche badet; von der Seejungfer am böhmischen Erzgebirge, die sich im Queckbrünnel badet, von der Bornjungfrau, welche es alle hundert Jahre in der Aare tut.

Von dem Schlossberge bei Landeck in Mittelfranken stiegen einst zwei weiße Fräulein herunter und badeten im Brünnle im Bilzgarten. Zu dem Jungfernborn bei Hirzenheim in Oberhessen kommen nach dem Volksglauben immer noch drei Jungfrauen mittags zwischen elf und zwölf Uhr und baden darin. In Mittelfranken erzählt man Gleiches von dem Brunnen der Altenbirg bei Hofstetten und dem alle sieben Jahre ausbleibenden Jungfernbrünnle bei Herrieden. Im Eitale im Aargau baden sich in einem Becken der Ergolz öfter drei Fräulein der Oedenburg. Es ist ein Zeichen für gutes Heuwetter, denn die Nebel und Wolken haben sich gesenkt und der Himmel ist rein. Zu dem Bache auf der Hollerwiese am Fuße des Engelberges bei Hirschau kamen weiße und schwarze Jungfrauen singend, badeten sich und kämmten ihre langen Haare.

Elsässische Sage lässt eine ganze Schar weißer Jungfrauen alle sieben Jahre aus dem Gespensterfelsen bei Alberschweiler herauskommen und sich in der nahen Quelle waschen. Klagend gehen sie darauf in den Stein zurück, wie das auch die weiße Jungfer der Hohenburg in den Vogesen tut, die lächelnd zu dem Maidenbrunnen herabkommt, die langen Haare darin wäscht, und weinend wieder hinaufsteigt. Das Weinen (ursprünglich der Regen nach dem Sonnenschein) entspringt dem Schmerz der in der Hoffnung auf Erlösung getäuschten Wolkenfrau.

In der Hohenburger Sage, in der Aargauer vom Boddenmeitschi bei Oberlengnau, auch in der österreichischen vom Jungferbrünnlein am Kahlenberge ist das Strählen und Waschen des langen Haares für das Baden der Jungfrau eingesetzt. Gleiche Vertretung dafür ist, wenn die Weiße Frau der Burg Königstein im Aargau sich Wasser heraufholt vom Kuhrütlibrünnli am Berge Egg, oder wenn die Weiße Frau des Bilsensteins in der Rhön mit zwei Katzen zum Bilsenborn, dem Ursprung des Baches Öchse kommt und daraus trinkt, oder wenn die Weiße Frau im Pilster bei Kothen auf der Rhön, die sich alle sieben Jahre zeigt, an dem Sauerbrunnen verschwindet.

Eine Menge Sagen erzählen von einer Weißen Frau, die an einer Quelle erscheint oder aus derselben steigt, ohne nähere Angaben, was sie tue; so in Niedersachsen, in Brandenburg, im Vogtlande, in der Oberpfalz, Böhmen, Graubünden. Andere bezeichnen sie als die zu erlösende Frau, so in Niedersachsen, in Mecklenburg, in Ostpreußen (an der Quelle am alten Ordensschlosse in Kreuzburg, mündliche Mitteilung), am Harz. Man kann ja diese Brunnenfrauen den Wolkenfrauen ganz gleichsetzen und die Erlösung gehört dann zu ihrem Mythus. Aber auch auf die Nixen der Teiche und Seen ist Schatzhütung und Erlösungsbedürfnis16) übertragen. Denn nach der Bekehrung zum Christentum erschienen alle Dämonen des Heidenglaubens verflucht. Der Volksglaube gab ihnen aber das Bedürfnis nach Versöhnung und Erlösung und hielt sie auch für fähig der Erlösung, knüpfte dieselbe aber an schwere Bedingungen.

In dem heutigen bayrischen Kreise Mittelfranken zeigen sich nicht selten drei Jungfrauen am Brunnen, ebenso im Werratal und im Vogtland. In der Oberpfalz wird mit märchenhafter Ausführung von drei Fräulein erzählt, die in einem Schlosse an einem Weiher wohnten. Sie gingen oft singend zu dem Teiche, legten ihre Schleier ab und schwammen als Enten darin herum. Ein Prinz vom Glasberge verliebte sich in die Jüngste und gewann sie mit Hilfe einer Hexe.

In der Schweiz auf dem Rigi wohnten drei Schwestern in einer Berghöhe bei dem Heilbrunnen zum kalten Bad. Auf die drei hl. Jungfrauen Anbet, Wilbet, Werbet wird der Brunnen zwischen Mühlbach und Meransen in Tirol zurückgeführt. Die als Schwestern gedachten drei Jungfrauen leben namentlich noch auf altbayrischem Boden und ergeben sich als Wolken- und Wasserfrauen, gleich den nordgermanischen drei Nornen, die den Brunnen unter dem Weltbaume hüten. Die Dreizahl ist die mystische beliebte Vervielfachung einer ursprünglichen Eins, so wie die 3 häufig zu 3 x 3 = 9 sich steigert.

Auf die ursprüngliche Wolkennatur aller dieser weiblichen Quellgeister deuten besonders die Sagen von den geisterhaften Wäscherinnen. Sie treten einfach auf, dreifach, auch zu mehreren.

W. Mannhardt und Grohmann, später auch L. Laistner haben bereits die von diesen Frauen aufgehängte oder über das Gebüsch gebreitete Wäsche zutreffend auf die Nebel und Wolken gedeutet, die an den Bergen und Wäldern streichen. Sie geben auch Wetterzeichen: wenn sie ihre Wäsche spülen oder trocknen, ändert sich das Wetter. Besonders im Frühjahr und Herbst bemerkt man sie. Aus dem Born unter der alten Linde im Bornwäldchen bei Elchen in Oberhessen steigt im Herbst das grau und weiß gekleidete Weibchen heraus und wäscht sein Leinenzeug. Dagegen kommt das Müselifräuli im Freiamt im Aargau im Frühjahr aus dem Muselibrunnen zum waschen.

Die Handlung des Waschens selbst dieser geisterhaften Weiber ist von dem Plätschern des fließenden Wassers17) abgeleitet. Und nicht bloß die deutsche Phantasie tat so, sondern auch die der benachbarten Slawen, der Polen und der Tschechen. Die bretonische Phantasie, die unaufhörlich sich mit den Schrecken des Todes beschäftigt, hat diese Wäscherinnen (kanorez-noz, maoués-noz) zu bösen Nachtgespenstern gemacht.

Da wir fast überall nur aus jüngerem Volksaberglauben schöpfen können, finden wir manche Verwirrung und Entstellung in den Überlieferungen von den Quellgöttinnen. Sie werden zu Truden und Hegen herabgedrückt, die ihre Versammlungen an den Quellen halten, oder gar wie bei dem Kronenbrünnli ob Sarmenstorf im Aargau zu schwarzen Heiden. Heidenbrünnlein heißen mehrere Quellen in der Schweiz: zu Grindelwald, zu Holee bei Binningen, zu Oberhof im Aargau.

Unter den schwarzen Heiden sind freilich die Unterirdischen, die Zwerge gemeint, welche in den Sagen sehr oft mit den Wassergeistern vermengt werden18). Diese Erdmännlisbronnen, Zwerg- oder Quargbrunnen, Wichtelbrunnen19), Doggelibrunnen bezeugen, dass die Quellen als die Pforten zur Unterwelt und damit auch zur Totenwelt gedacht wurden. Die Erd-, Wasser- und die Luftgeister bilden mit den Menschenseelen, den ungeborenen und den vom Leibe wieder geschiedenen, eine große Gemeinschaft. Gespenstische Züge längst Verstorbener verschwinden in den Gewässern.

Von gewissen Brunnen glaubt das Volk, dass sie der Eingang zur Hölle seien, wie die Düwelskule in der Schwaner Heide, oder dass sie bis zur Hölle hinabgehen: so vom Kessel, einer großen Quelle in Zwifalten. Bei dem großen Gumpen (Stromwirbel) in der Donau hört man gar die Teufel drunten in der Hölle sprechen. In Hessen gibt es mehrere Teufelsborne: so der Brunnen, der die Stadt Schwarzenborn mit Wasser versorgt, dann einer unter dem Burghasunger Berge, in der Flur von Iestädt der Diebelsborn. Manche Brunnen heißen die Hölle: so zu Inzikofen in Hohenzollern und der Höllbrunnen bei Böhmenkirchen auf der Alb, beide als Kindlesbrunnen bekannt, was weiter auf ihren alten mythischen Ruf deutet. Auch der Hellbrunnen im Hellgraben im Walde Walern bei Waldsassen in der Oberpfalz gehört vielleicht hierher20). Ein altes Zeugnis für die hier behandelte Vorstellung gibt das Gedicht Heinrichs des Gleichsners Reinhart Fuchs: Bei einer Äffung des Wolfes durch den Fuchs wird die Tiefe des Brunnens als das Himmelreich der Verstorbenen vorgespiegelt. Märchen kennen die Brunnen als Einfahrtschächte zur geheimnisvollen Unterwelt. Aus dieser herauf hört man in den Brunnen die Hähne krähen, wovon denn solche Brunnen Hahnenbrunnen heißen, wie der bei Schlehenhof, Bezirk Falkenstein in der Oberpfalz.

Nach allem Gesagten versteht es sich leicht, dass die Quellen und Brunnen mit gespenstischen Erscheinungen in Verbindung gebracht werden; davon kommen auch die Benennung „der enterische brunne“ unweit Niedertann in Oberbayern und „der ungehiure brunne“.

Am Capellerborn in Aargau wohnt der Dürst oder Wilde Jäger und beim Bachteler oder Allerheiligenbad seine Geliebte. Der Stiefelireiter, eine Art wilder Jäger, der auf dem Maiengrün haust, tränkt sein Pferd im Brunnen des dortigen Bauern. Aus dem Bache im Momerbusche zwischen Knesebeck und Vorhop in Niedersachsen steigt in der Nacht ein Schimmelreiter ohne Kopf heraus. Der kopflose Schimmelreiter von Bilstein bei Ilefeld verschwindet am Brunnen auf dem Burgberge, ein anderer am Teiche vor dem Wolfsholze bei Wernigerode. An Wuotan21) selbst bei diesem wilden Jäger oder unseligen Schimmelreiter zu denken, überlasse ich anderen; ich finde nur ein dämonisches Naturwesen, einen weißen Wolkengeist, der sich auf die feuchte Stelle senkt und sich von ihr wieder erhebt. So erscheint auch das Birkefraeche im Birkenmoor bei Mutfort in Luxemburg zuweilen als Schimmel.

Jene mysteriösen Tiergestalten, in die sich die Wassermänner der Flüsse und Seen gern wandeln, kommen zuweilen auch aus Quellen. So der Wasserstier aus dem Fatabrunnen in Mettersdorf in Siebenbürgen und aus dem Gespreng (Quelle) in Kronstadt. In Hosterschlag in Böhmen stiegen aus dem Kellerbrunnen grünröckige Männer mit einem Pferdefuße, ursprünglich also Wassermänner in Rossgestalt22). Das Schwein, das in deutscher Mythe als Unterweltstier auftritt, lässt eine polnische Sage aus Niechanowo bei Gnesen auch aus einer Quelle kommen.

Bei dem Siegenborn am Siegenberge bei Vacha liegt der gespenstische Siegenhund. Eine der Solquellen von Reichenhall hieß im 12. Jh. der Huntesprunne. Ein Hundsborn quillt auch bei Ruhlkirchen in Hessen. Der Hund ist ein Unterweltstier.

Noch andere Tiergestalt nehmen die proteusartigen Quellgeister an. So zeigt sich an einer Quelle auf dem Pilatusberge in fruchtbaren Jahren eine Frau mit zwei weißen Geißen, in unfruchtbaren mit zwei schwarzen. An dem Dosbrunnen bei Wemdingen im bayrischen Kreise Schwaben erscheint eine weiße Frau mit dreibeinigen Hasen.

Mit der göttlichen Belebung der Brunnen hängt die Leben schaffende Kraft derselben genau zusammen. Von dem göttlichen Wesen geht alle Befruchtung aus: das Wasser ruft nicht bloß Gras und Laub hervor, es hegt auch die Keime der Menschen.

Frauen, die unfruchtbar waren, werden durch Trunk und Bad in gewissen Quellen fruchtbar. Heute gilt das als Wirkung besonderer chemischer Substanzen; die Vorzeit schrieb es göttlichen Mächten zu.

Das warme Verenabad zu Ballen im Ergäu heißt das heilige. Mitten im Becken steht das hölzerne Bild der hl. Verena, dem junge Ehefrauen Wachskerzen opfern und es mit Blumen bekränzen. In der Nacht stecken sie heimlich ein Bein in die heiße Quelle, das Verenenloch. Die jetzt versiegte Quelle in der Gemeindemark des Dorfes Büttisholz im Entlebuch besaß gleiche befruchtende Kraft. Auch sie hieß Verenenloch. Die Schweizer Heilige Verena vertritt nur eine heidnische germanische Göttin, deren Name in Hessen sich erhielt. Dort stiegen die Weiber, die Kindersegen begehrten, auf die Höhe des Weißner und badeten im Frau-Hollen-Teich (vgl. oben).

In der Oberlausitz badeten die Bewohner von Rauschwitz und Kindisch am Ostermorgen sich und ihr Vieh in der aufgestauten Quelle am Kochstein, weil das fruchtbar mache.

Häufiger knüpft der Glaube die segnende Wirkung an Trinkquellen.

Wenn eine Frau gern ein Kind hätte, so braucht sie nur vor Sonnenaufgang zu dem Wildfrauborn bei Einartshausen in Oberhessen zu gehen und schweigend dreimal daraus zu trinken, „so battets ihr gewiss“. Gleiche Wirkung schreibt man zu der Gangolfsquelle an der Milsenburg in der Rhön; dem nun versiegten Born bei Bimbach im Grunde; dem heiligen Born bei Zierenberg in Hessen; dem Kinderbrunnen in Goslar, der Quelle Groesbeek in Spaa (bei der die Frauen einen Fuß in des hl. Remaclus Fußstapfen setzen), dem Queckbrunnen in Dresden; dem Born an der Annenkapelle über Seidorf im schlesischen Riesengebirge23).

Auch in anderen Ländern sind die fruchtbaren Bäder und Trinkbrunnen bekannt.

Tiefen mythischen Grund haben die Kinderbrunnen, jene Quellen also, aus denen nach dem über ganz Deutschland verbreiteten Glauben die kleinen neugeborenen Kinder gefischt oder vom Storch oder der Hebamme geholt werden. Hier und da hat sich die Überlieferung erhalten, dass sie von Frau Holle kommen, zu der (oder zu der nur anders benannten Frau Perchte) auch die Seelen der sterbenden Kinder zurückkehren und ihr Gefolge bilden. Holle wird als mütterliche Beschließerin der Kinderseelen im Wasser noch genannt in Hessen, am Harz und in Schlesien. Die Weiße Frau ist zuweilen an ihre Stelle getreten. Nach einer niedersächsischen Sage aus Klein-Lengden bringt die Wasserjungfer den Eltern die Kinder. Wie nicht selten, ist auch in dieser Vorstellung die Heilige Jungfrau für die heidnische Göttin eingetreten. So werden die Kölnischen Kinder aus dem Brunnen der St. Kunibertskirche geholt: da unten sitzen sie bei der Jungfrau Maria, die sie mit Brei füttert. Im Brunnen im Balkhäuser Tale unweit Jugenheim an der Bergstraße sitzen die Kinder bei der Muttergottes und dem hl. Johannes, die mit ihnen spielen.

Nach anderer Überlieferung wohnen die Unterirdischen mit den kleinen Kindern im Wasser zusammen: so im Gütchenteiche24), der noch vor fünfzig Jahren einsam in einer Senkung an der Nordseite von Halle a. d. S. lag und für einen Wohnort elbischer Geister galt.

Die Elben und die menschlichen Seelen (ungeborene und abgeschiedene) gehen überall nach den indogermanischen Mythen ineinander über. Eine beliebte Tiergestalt der Seele ist die Maus. Daher werden auch die Teiche mancher schlesischer Städte, die den Namen Mäuseteiche führen, als Kinderteiche zu deuten sein: der Mäuseteich vor Reichenbach i. Schl. gilt ausdrücklich als Kinderquelle der Stadt.

Der Volksglaube an die Herkunft der Kinder aus den Wassern25) ist bei uns besonders lebendig in Hessen, von wo eine Menge Kinderbrunnen genannt werden, in Nassau, in Niedersachsen, auf dem Harz, in Schwaben, in der Schweiz26). Der Glaube ist auch aus dem Elsass, dem Vogtlande, aus Schlesien, aus Schleswig (Flensburg) nachzuweisen. Aus den Ländern bajuwarischen Stammes kenne ich ihn nicht. Im tschechischen Böhmen glaubt man, dass das ungeborene Kind als Fisch im Wasser lebe und von der Hebamme im Netz gefischt werde, oder auch, dass die Kinder vor der Geburt als kleine Frösche auf einer grünen Wiese herumspringen und vom Tau leben. Sind sie größer geworden, so schwimmen sie auf dem Bache, der durch die Wiese fließt, zu den Wohnungen der Menschen, oder auch eine Krähe nimmt sie und trägt sie an ein Fenster.

In manchen Orten kommen die Knaben und die Mädchen aus verschiedenen Brunnen: so in Odagsen und in Vardeilsen, in Gelnhaar in Oberhessen, zu Schleiz im Vogtland.

In Kürze sei hier auch über die Augurien und die Losungen einiges gesagt, die sich bei den Deutschen, welche nach Tacitus die Erforschung der Zukunft sehr liebten, an die Quellen und die Gewässer überhaupt knüpften. Plutarch bereits erzählte, dass die germanischen Seherinnen durch Beobachtung des Drehens und Rauschens der Stromwirbel die Zukunft erforschten und was Agathias über die Verehrung der ρεϊθρα ποταμών bei den Alemannen sagt, wird damit zusammenhängen. Papst Gregor III. verbietet 731 in seinem Erlass an die Fürsten und an das Volk der germanischen Provinz unter anderem auch die fontium auguria. Dieselben konnten sehr verschieden sein. Die Bewegungen der Wellen, die Töne, die man zu hören glaubte, der hohe oder niedere Wasserstand, das Aussetzen des Zuflusses der Quellen auf kürzere oder längere Zeit in den zahlreichen sogenannten Hungerquellen, dann die eigentliche Losung durch Pflanzen, Kränze, Stäbe, Steine und andere Dinge, boten viel Mittel, um den Ausgang wichtiger Sachen, Lebensdauer, Zeit der Verheiratung oder sonstiger Ereignisse zu erkunden. Doch auch zur Erforschung der Wahrheit, wie bei der keltischen Wasserprobe echter Geburt und der späteren Hexenprobe musste das Wasser dienen.

Uralt ist die Weissagung von der Wasserfrau unmittelbar.

Im Krimelloche, einer Quelle zwischen Ranis und Pöseck im Vogtlande, wohnte eine Weiße Frau (mit Ketten angeschlossen), zu der die Leute der Gegend gingen, um sich Rat bei ihr zu holen. Bei einer Quelle am Pilatus erscheint jedes Frühjahr eine „Fee“ und verkündet durch die Farbe ihrer zwei Geißen, ob das Jahr fruchtbar oder unfruchtbar sein werde (s. oben). Im Weizelsdorfer Moor zwischen Hollenburg und Feistritz in Kärnten hausten einst Frauen, die den Leuten singend verkündeten, welche Getreideart in dem Jahre besonders gedeihen werde. Von den Teichen um Policka in Böhmen wird erzählt, dass sich die Wasserfrau bei Mondschein in ihnen zeige. Wer sie zuerst erblickt, wird das ganze Jahr Glück haben. Wenn sie singt, trifft den, der sie hört, Unglück. Kommt sie ans Land, so steht der Gegend Überschwemmung oder anderes Unheil bevor.

Der Wassergeist zeigt in Fischgestalt Tod an. Wenn sich im Ülmener Moor in der Eifel die großen Hechte sehen lassen, so stirbt nach Seb. Münsters Cosmographie S. 720 ein Ganerbe des Hauses Ülmen. In dem Rotsee bei Luzern erscheint ein ungeheurer Fisch, wenn der Herr des Sees im selben Jahr sterben soll. Im Fischteiche von St. Moriz zeigt eine tote Forelle den nahen Tod eines Chorherrn an, im Zuger See, ein Fisch groß wie ein Einbaum Krieg, Pest und Teuerung.

Die Fulda steht nach alter Sage im Laufe still, wenn ein regierender Fürst des Landes Hessen oder eine Fürstin sterben sollen. Auf einem Berge in Franken quillt bei einem adligen Stammschlosse ein reichlicher Brunnen; derselbe hört zu fließen auf, wenn eins aus dem Geschlechte sterben muss.

14. Auch die Namen der deutschen Flüsse, soweit sie germanisch sind, gehören zum Genus Femininum.Philos.-histor. Abh. 1898, 1.

15. Was E. Curtius, Quellinschriften S. 173 über die hellenischen Quellnymphen und ihr Fortleben sagte, gilt auch für die deutschen Wasserfrauen.

16. J. Grimm. D. Mythologie, S. 461, 2. A. Weinhold, in d. Zeitschr. für Volkskunde V. 123. Bartsch, Mecklenb. Sagen 1, Nr. 352, 546. Pröhle, Harzsagen S. 203 (1886).

17. Wenn die Wurzel von nich-us, nic-or, nich-esa wirklich germ. nik ist, das mit νιγ in νίζειν, νιπ in νίπ-τειν sich deckt, so würde nichesa, Nikse „die Wäscherin“ bedeuten.

18. Kuhn, Westfäl. Sagen 1, 51, 21. Jahrn, Pommersche S. Nr. 193. Schell, Bergische Sagen, S. 521. Witzschel, Sagen a. Thüringen I, Nr. 149. Wucke Nr. 639. v. Pfister, Sagen, S. 45, 47. Zeitschr. f. Volksk. VII, 444. Grohmann, Sagen 141. Rochholz, Sagen I, 313. Vernaleken, Mythen 171, 175.

19. Der Wichtelborn auf der Wichtelwiese am Wichtelberge in der Sandershauser Flur in Hessen. In dem Brunnen haben einst die Wispelmännchen gewohnt, Lyncker a. a. O.

20. Es sind durchaus nicht alle Ortsbenennungen und Namen von Schluchten, Gründen, Bächen, Brunnen, Wegen, die mit Helle oder Hölle zusammengesetzt sind, auf Tod und Teufel zu beziehen.

21. Noch weniger darf bei den Donnersbrunnen oder Thorsquellen daran gedacht werden, dass man den Donnergott darin hausend glaubte. Sie weisen nur darauf, dass der Donnergott sie entstehen ließ.

22. Grimm, Mythol. 458. H. Meyer, Germ. Mythol. 105. Liebrecht, Gervasius 132 f. Philos.-histor. Abh. 1898, 1.

23. Lyncker Nr. 120, 119. Wolf, Hess. Sagen Nr.16, Harzsagen S. 87. Wolf, Niederl. Sagen Nr. 143. Schäfer, Städtewahrzeichen 1, 120.

24. Vielleicht sind der Güty- oder Göttelbrunnen zu Ufhausen in Baden, im 15. Jh. erwähnt (Mon. Anzeiger VI, 228, und die beiden Goedebrunnen in Braunschweig, aus denen die dortigen Kinder kommen, auch auf die Guten Elben („good people“) zu beziehen.

25. Er herrschte ebenso in Griechenland: XXXX XXXX XXX XXXXXX XX XXX XXXXXXXX XXXXXXX XXXX XXXXX XXXX Artemid. 2, 38.

26. Die Angabe Runges, Quellk. 122, in der Schweiz kenne man keine Kinderbrunnen, war unrichtig.








III.

Aus dem Glauben der heidnischen Deutschen an göttliche Wesen in den Quellen folgt die Verehrung, die den Quellen erwiesen ward. Der lebendige Glaube an die Gottheit fordert ihren Kultus, die Götter leben von den Opfern.

Man kennt den Kultus der Quell- und Brunnennymphen bei Griechen und Römern: die ihnen gewidmeten Bauten, die Pflege der Heiligtümer durch Priester, den Schmuck durch Pflanzen, die Weihegaben, die Opfer und Opferschmäuse. In ähnlicher und gleicher Art haben die Deutschen diesen Kultus geübt. Denn wenn uns auch die Inschriftsteine als Beweise fehlen, so erkennen wir doch durch alte Nachrichten, durch manche Funde und die bis zur Gegenwart erhaltenen Volksgebräuche die Grundzüge jenes religiösen Dienstes, und die Vergleichung desselben mit dem der urverwandten Völker beleuchtet ihn.

Die ältesten Nachrichten über den Quellenkult der Deutschen verdanken wir der kirchlichen Polizei, das heißt den Maßregeln der Kirche gegen die fortlebende heidnische Verehrung der Quellen, Bäume und Steine in allen Provinzen des römischen Staates. Der hl. Augustin predigte gegen die abergläubischen Bäder am Johannistage, und die gallischen und spanischen Konzile verboten im 6., 7., 8. Jahrhundert in formelhaften Erlassen den heidnischen Götzendienst in Wäldern und an den Wassern. Von der Kirche übernahm Karl d. Gr. diese Verbote fast mit denselben Worten. Wenn Gregor III. sich auch unmittelbar an die optimates et populum provinciae Germaniae in der Epistel von 731 wendet, um das Losen, und die Totenopfer und die Gebräuche in den Wäldern und an den Quellen zu verbieten, so könnte auch das für eine allgemeine Formel gelten, wenn wir nicht bestimmte Zeugnisse hätten, dass das Verbot für Deutschland Not gewesen wäre. Das beweist schon der Indiculus superstitionum et paganiarum von 743, da derselbe genauer in das Einzelne eingeht und einzelne niederdeutsche Glossen den heidnischen Handlungen einmischt. Geschichtliche Zeugnisse fehlen nicht: das älteste ist Prokops Erzählung über das große Menschenopfer der Franken beim Übergang über den Po 739, dann des Agathias Bericht über die Tieropfer der Alemannen, die sie den Bäumen, Strömen, Hügeln und Bergschluchten brachten. Rudolf von Fuld spricht von dem Kultus, den die Sachsen den Laubbäumen (frondosis arboribus) und Quellen (fontibus) widmeten und Helmold noch weiß, dass die Bewohner des Gau Faldara in Holstein, die nur Christen dem Namen nach waren, den Wäldern und Quellen abergläubischen Dienst erwiesen. Bekannt ist dann die von Alkuin zuerst in seinem Leben des hl. Willibrord c. 10 gegebene, von Altfrid in der Vita des hl. Liudger und von M. Adam (Gesta Hamab. eccl. pontific. IV. 3) wiederholte Nachricht über die heilig verehrte Süßwasserquelle auf Fositesland (Helgoland).

Heilig, geweiht und heilbringend waren im Grunde alle Quellen, so gut als im 1. Liede von Helgi dem Hundingstöter der vom Himmel strömende Regen ‚die heiligen Wasser’ (heilog votn) heißt. Besonders waren es die nie versiegenden, wasserreichen, die auch im Winter nicht zufroren und als heilsam für Gesunde und Kranke galten. Manche Brunnen, die altes, großes Ansehen wegen ihrer Eigenschaften genossen, führten noch später stehend jenes Beiwort: so der heilige Brunnen bei Sursee (1408 genannt), der im Dorfe Ittigen bei Sissach, das heilige Brünneli zu Ossingen Kanton Zürich, das Heiligbrünnli an der Züricher Wasserkirche. In den fünf Orten der Urschweiz werden mehrere Brunnen noch jetzt als heilige bezeichnet, nämlich der im Luthernbad, der zu Wertenstein, auf St. Jost, zu Einsiedeln der Vierzehnröhrenbrunnen, am Ezel der Meinhartsbrunnen, das Kaltbrünneli beim Kloster Engelberg, die Quelle im Sakramentswald bei Giswil, das Bruder-Klausen-Brünnele bei Sachseln, der St. Columbansbrunnen zu Tuggen. Im elsässischen Sundgau finden wir den Helgenbronn im gleichnamigen Orte bei Leimen, in Schwaben das hl. Brünnlein am Braunertsberge ganz nahe am Zollern, in Bayern den hl. Brunnen zu Hohentann und das Heiligebrünnel unter dem Margaretenberge an der Alz; in Hessen den heiligen Born unweit Großenritte und weniger bekannte heilige Brunnen im Reinhartswalde am Fuße des Gahrenberges, ferner bei Zierenberg, Oberlistingen, Philippinenhof bei Kassel, und bei Nordeck, in Thüringen den Wihbrunnen bei Tieffurt, im oberen Vogtlande den hl. Brunnen auf dem Radersberge bei Raasdorf, in der Mark Brandenburg die heiligen drei Pfühle bei Wandelitz unweit Bernau, im Bergischen die heilige Quelle oder der Wihborn am Schlossberge von Hückeswagen, in Holstein der heilige Born auf dem Wellenberge bei Itzehoe. Gewiss lassen sich noch mehr auffinden. In Norwegen hießen nicht wenige in großem Heilrufe stehenden Quellen hellige Kilder. Zur Vergleichung sei bemerkt, dass in Cornwall es mehr als neunzig holy wells gibt und dass auch in Irland die Zahl der so benannten Quellen sehr groß ist. Erhalten ward der Ruf der Heiligkeit durch die Heilkraft derselben, an die vielerorten noch heute geglaubt wird: ferner dadurch, dass Kirchenheilige als Patrone dieser Quellen eingesetzt wurden und gewöhnlich eine Kirche oder Kapelle daneben oder darüber erbaut worden ist. Aber die meisten gewiss sind älter als die Heiligen, sie wurden aus dem Heidentum übernommen. Das könnte schon die Vergleichung mit den griechischen und römischen Verhältnissen beweisen, wenn wir nicht schon in dem 1. und 2. Abschnitt dieser Abhandlung nachgewiesen hätten, dass der Germane die Brunnen als gotterzeugte und von göttlichen Wesen bewohnte betrachtete.

So gehörte denn auch eine Quelle zu der Stätte des Gottesdienstes, die gewöhnlich unter Bäumen oder ganz im Walde lag; oft genug mag die Quelle der Ausgang der heiligen Anlage gewesen sein. Für Nordgermanien wissen wir, dass sich bei den heidnischen Tempeln ein tiefer Brunnen oder Pfuhl (kelda) befand, der zur Weissagung und zur Aufnahme der lebenden Opfer bestimmt war. Für den Tempelbrunnen in Uppsala wird auch der Baum bezeugt. Aus der Gegenwart noch haben wir merkwürdige Verbindungen von Baum und heiliger Quelle erhalten. In Weihenlinden bei Högling in Oberbayern kommt aus dem Stamm der Linde, in deren Ästen ein Marienbild befestigt ist, ein Wasserstrahl in Röhren gefasst, der in einen Brunnen von großer Heilkraft fließt. Aus der Kapelle, die daneben stand, ist eine Kirche mit starker Wallfahrt geworden. Bei Miesbach in Oberbayern stand gegen Parsberg zu früher eine Linde, unter deren Wurzeln eine Quelle herausfloss27). An der Linde war ein Marienbild, dem Wachs und Geld geopfert ward. Der Pfarrer von Miesbach aber zog Ende des 17. Jh. die Opfer an seine Kirche, indem er das Volk beschwor, von der Baum-Maria zu lassen und zu der Kirche zu wallfahrten.

An den germanischen heiligen Brunnen werden sich nicht wie an den hellenischen und italienischen zierliche Bauten erhoben haben. Aber irgendeinen Schutz gegen das herabfallende Laub und gegen Verunreinigung dürfen wir wohl annehmen, da das heilige Wasser rein bleiben musste. Wie in Griechenland die Quelle als eine παρθένοs galt, in Rom als eine Aqua Virgo, wie das fließende Wasser nur mit reinen Händen und mit Gebet von Hellenen und Römern durchschritten werden durfte und wie im Flusse der obere reine Lauf als sacrum von dem unteren verunreinigten, dem profanum, geschieden ward, so forderte auch das deutsche religiöse Gefühl die Reinheit der Brunnen und knüpfte daran die Erhaltung ihrer geheimnisvollen Kraft. Finden sich auch keine alten Beweisstellen dafür, so leiten doch die vorhandenen durch ihre ganze Art in hohes Alter zurück.

Wenn in den einst berühmten Engstlenbrunnen auf der Engstlenalpe im Kanton Bern, der nur vom Mai bis zum Herbst fließt, aus Mutwillen Unreines geworfen wird, so bleibt er, wie Scheuchzer in der fünften Bergreise erzählte, mehrere Tage aus: die Quellgöttin ist beleidigt und hält ihre Gabe zurück. Die heilige Lidvorquelle im norwegischen Saeterdal versiegte, als sie verunreinigt wurde. Der Salzbrunnen, der aus dem Berge zwischen Flühli und Sörenberg floss, vertrocknete, als der Besitzer einen Frevel beging. Verbreitet sind die Sagen, dass Brunnen ihre Heilkraft verloren, wenn Tiere darin gebadet oder auch nur daraus getränkt wurden28). Im März ist nach der Volksmeinung in den Urkantonen das Wasser überhaupt unrein, denn dann baden und reinigen sich alle Tierlein drinnen.

Die Quellen verlieren ihre Kraft oder versiegen ganz, wenn Wäsche darin gewaschen wird, wie das auch altgriechischer Glaube war. Wenn eine Schwangere oder eine Wöchnerin, die beide für unrein gelten, daraus schöpfen, vertrocknet der Brunnen, nach der über Bayern, Franken, Thüringen, Schlesien verbreiteten Meinung. Nach böhmischem Glauben muss die Wöchnerin drei Brotkrumen als Opfer hineinwerfen, wenn der Brunnen bleiben soll, wie er war. Auch Streit der Besitzer oder ihre Habsucht nehmen den Quellen ihre guten Eigenschaften: die Gottheit entzieht den Unwürdigen ihre Gaben.

Die Verunreinigung des Wassers gilt für eine Sünde, über die sich der Teufel freut. Kinder werden in Süddeutschland gewarnt ins Wasser zu sehen oder Steine in den Brunnen zu werfen, denn Gottes Auge ist darin.

Wohl erklärlich ist nun auch die feierliche Reinigung der Brunnen, die heute noch im Elsass, in Thüringen, in Anhalt (und vielleicht auch sonst) geschieht, zu Pfingsten und Johannis besonders, in Böhmen zu Ostern, also in den Hauptzeiten des alten Brunnenkults.

Am Johannistage werden im Elsass die Brunnen noch an vielen Orten gereinigt und mit Maien geschmückt. Im Sundgau geschieht es am Pfingstmontag.

In Thüringen wird das Fest der Brunnenfege am Mittwoch nach Pfingsten gehalten. Nachmittags holen die Burschen die Mädchen zum Tanz ab und halten sie frei, die Dorfgenossen trinken das Pfingstbier, zu dem jeder Gerste zuschießt nach Vermögen. Der Braunsborn bei Querfurt ward jährlich an einem bestimmten Tage von den Thaldorfern gereinigt, die dafür vom Amte bewirtet wurden.

Am Mittwoch nach Pfingsten (der „Knoblauchsmittwoch“) reinigten im Dorfe Krosigk bei Halle a. d. S. die jungen Burschen bis zu dreißig Jahren hinauf die offenen Brunnen, streuten Salz hinein und bekamen dafür von den Haus- und Hofbesitzern jeder einen Lohn von 75 Pfennig bis 1 Mark 50 Pf. Nach der Arbeit mussten ihnen die jungen Mädchen die nassen Füße mit ihren Schürzen abtrocknen. Nachmittags ward vor der Pfarre auf dem mit Maien besteckten Platze ein Fest gefeiert. In den Anhaltischen Dörfern geschieht es zu Johannis. In Hinsdorf und Biendorf z. B. wird am Johannistage von Mitternacht ab der Dorfbrunnen gereinigt und bis Sonnenaufgang muss die Arbeit getan sein, weil sonst Maden und Würmer ins Wasser kämen. Das ausgeschöpfte Wasser bekommt das Vieh zum trinken, damit es gesund bleibe. In Radegast wird um Johannis im ältesten Teile des Städtchens ein Brunnenfest mit Musik und Tanz auf dem maiengeschmückten Platze gehalten. Zu dem Freibiere schießen alle nach Belieben zusammen29).

In Böhmen, im Budweiser und Prachiner Kreise, wird die Brunnenreinigung von den Mädchen der Dörfer im April, also zur Osterzeit, vorgenommen. Nachdem das Wasser abgelassen, ziehen die Mädchen abends zum Brunnen und räumen mit ihren Händen den Schlamm heraus, ergänzen auch das Pflaster. Sie hielten es für eine Schande, dem Brunnen diesen Dienst nicht zu leisten. Bei dem Zuge zur Arbeit und während derselben singen sie alte böhmische Lieder. Auf dem Rückwege begleiten die Burschen die Mädchen. Die Quellen Svetica bei Duschnik, Rueka bei Draheliz und Keltna bei Auhoniz werden von den Mädchen dieser Dörfer jährlich gereinigt, damit die Gegend immer Wasser bekomme. Kein Mann und keine Gefallene dürfen bei dieser Handlung, bei der auch gebetet wird, zugegen sein. Die Folge ist Wasserreichtum selbst in trockenen Jahren.

Diese Gebräuche sind besonders wichtig. Wir können das alte Fest der Brunnenfege daraus aufbauen, indem wir bei der starken Durchsetzung der westslawischen mit deutschen uralten religiösen Gebräuchen die böhmische Überlieferung zur Ergänzung der deutschen, namentlich der thüringischen benutzen. Es ging die Reinigung der Quellen einem Brunnenfeste im Frühjahr oder zur Sommersonnenwende als Einleitung in der Nacht vor dem Festtage voran. Die Reinigung vollzogen die Jungfrauen des Ortes unter Gebet und Gesang; kein Mann durfte zugegen sein, es kann daher ursprünglich auch die Nacktheit der Mädchen bei dieser Kulthandlung gefordert worden sein30). Bis Sonnenaufgang mussten sie die Reinigung beendet haben. Der Brunnen ward dann bekränzt, der Festplatz geschmückt, die Gemeinde versammelte sich, Opferschmaus (wenigstens Opfertrank), Tanz und Spiel folgten. Reicher Wasserfluss durch das ganze Jahr war der Dank der Quellgöttin.

An die Stelle der Mädchen traten später die jungen Burschen. Dass die Mädchen, wie es noch in Böhmen geschieht, früher überall die Handlung ausführten, begründet sich schon in dem weiblichen Geschlecht der Quellgottheiten. Wir würden aber zu weit gehen, in ihnen gewissermaßen eine Brunnengilde zu sehen; ebensowenig wie die Zunft der ehemaligen Reichsstadt Heilbronn, deren Aufsicht und Schutz der Siebenröhrbrunnen übergeben war, eine sakrale Bedeutung hatte, sondern nur die bürgerliche Pflicht übte, den wichtigen Brunnen zu erhalten und bei Kriegsgefahr zu schützen, ähnlich dem collegium fontanorum in Rom.

Bäche und Flüsse, die durch Städte hindurchfließen, erfahren heute noch gleich den Quellen und Brunnen aus Gesundheitsrücksichten eine jährliche zeitweise Ableitung und Säuberung, eine Kehr oder Abkehr, wie es bajuwarisch heißt: so die Stadtbäche in München, der Almbach in Salzburg, die Talfer in Bozen, der Surbach in Aarau. An die Rückkehr des Surbachs hat sich ein fröhliches Stadtfest angeschlossen, das örtlichen Ursprungs scheint. Es findet im September statt, wie auch in Salzburg die Almabkehr im September geschieht und die Müller im Aargauer Surtal die Mühlbäche am Verenentag (1. Sept.) putzen müssen.



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Ich hatte die Vermutung vorhin ausgesprochen, dass zur Reinhaltung der Quellen und Brunnen ein kleiner Holzbau, wenn auch nicht immer, so doch oft über dem Wasserspiegel errichtet worden sei. Als nun die mönchischen Missionare ins deutsche Land kamen, die Quellgöttinnen bannten und den dreieinigen Christengott predigten, aus den heiligsten Heidenbrunnen die Bekehrten tauften und das Kreuz darüber errichteten31), wie sie es auf anderen geweihten Stätten taten, so erbauten sie an oder über den am höchsten von den Heiden verehrten Quellen kleine Kapellen von Holz. Sie wurden vornehmlich dem Schutze der Muttergottes übergeben, die über die heidnischen dämonischen Weiber am leichtesten siegen konnte, manche auch Christo geweiht32) oder den kräftigsten Aposteln Petrus oder Paulus und dann einer Unzahl heiliger Männer und Frauen, je nachdem sie in der Landschaft zu besonderem Ansehen gekommen waren. Alle diese traten die Erbschaft der örtlichen Numina an und sie wurden gleich diesen verehrt mit Gebet und Opfergaben. Nur die Namen hatten sich verändert, die Sache selbst war die alte. Und es ist nur folgerichtig, wenn zu unserer Zeit die Ortsheiligen, die durch Jahrhunderte in den Kapellchen über den heilkräftigen Quellen verehrt worden sind, durch die modernste Brunnengöttin, die französische Dame von Lourdes, vertrieben werden, wie z. B. im Salzburger Lande und in Tirol mit Hilfe der Geistlichkeit geschieht. Eine Reihe von Brunnenheiligen möge nun aufziehen, die ich aus dem deutschen Sprachgebiete gesammelt habe. Für vollständig gebe ich sie nicht aus; die häufiger erscheinenden sind gesperrt gedruckt.

Die Dreifaltigkeit, Jesus Christus, die hl. Maria, die zwölf Apostel. Adalbert, Adelheid oder Olitte, Adolf, Agnes, Alene (Flandern), Anna, Amalaberga (Flandern), Apollonia, Autor (Elsass), Barbara, Bonifaz, Burghart, Christian oder Kersten, Coloman (Bayern, Salzburg), Columban, Edeltrut, Elisabeth, Erhart, Felix (Schweiz), Florian, Gallus, Gangolf, Georg, Gertrud, Goar, Gothart, Günther, Gundhilt, Hedwig, Himerius, Jacob (Schweiz, Bayern, Vogtland), Jost, Katharina, Kilian (Franken), Leonhart (Bayern), Lucius, Ludger, Magnus oder Mang, Magdalena, Margareta, Martin, Mechtilt (Oberbayern), Meinhart (Schweiz), Nikolaus oder Klaus, Odilia, Oswalt, Paul, Peter, Pirmin, Primus, Quirinus (Luxemburg), Regula (Schweiz), Stephan, Ulrich (Schwaben, Bayern, Österreich), Veit (Böhmen), Verena (Schweiz), Veronica Verone, Walburgis, Wilfried, Willebrord, Willehad, Wolfgang (Bayern, Salzburg, Oberösterreich, Vogtland, Thüringen). – In Norwegen ist vor allen St. Olaf Quellenpatron; einzelne heilige Quellen sind nach Sta. Agathe, Sta. Eve, St. Halward, Sta. Helene, Sta. Margrethe, St. Nicols benannt. Es würde vergeblich und nutzlos sein, alle Kirchen und Kapellen in Deutschland (Deutsch-Österreich natürlich eingerechnet), der Schweiz, in Luxemburg und den Niederlanden aufzählen zu wollen, bei denen eine Quelle fließt33), die eben schon durch diese Lage als heilig und mit wunderbaren Kräften gesegnet erscheint, und daher auch mit Bitte und Dank aufgesucht wird. Zuweilen ist die Quelle in der Verehrung hinter ein Gnadenbild zurückgetreten, aber ganz vergessen ist sie nirgends.

Ich beschränke mich zunächst darauf, die mir bekannt gewordenen Kapellen und Kirchen anzuführen, die über altheiligen Brunnen errichtet worden sind. Kleine Berg- und Waldkapellchen finden wir da neben den Kathedralen von Freiburg, Straßburg, Regensburg und Paderborn.

Nach der Sage stehen die Münster von Freiburg und Straßburg auf Rosten über unterirdischen Gewässern. Weltbekannt war der 34 Fuß tiefe Kindelsbrunnen im Straßburger Münster, der 1766 vermauert wurde, ein schöner Ziehbrunnen mit steinerner Einfriedung und tabernakelartigem Überbau34). Bis zur Reformation wurden alle Straßburger Kinder, sowie die der Landpfarren aus dem Erzpriestersprengel von St. Laurentien mit Wasser aus diesem Brunnen getauft. Im Regensburger Dom errichtete Matth. Roritzer 1500 den kunstvollen Brunnenbau mit den Statuen Christi und der Samaritanerin. Im Korumgang des Freiburger Münsters ist der von Theodos. Kauffmann 1511 gebaute Brunnen. Gefasste Quellen finden sich in den Krypten der Wasserkirche von Zürich, der Burkartskirche von Beinweil im Aargauer Freiamt, des Würzburger Neumünsters, der Michaeliskirche in Hildesheim, des Domes von Paderborn, der Peterpaulskirche in Görlitz, der Klosterkirche von Trebnitz in Schlesien. Sonst weiß ich Brunnen innerhalb der Kirchen in der Stiftskirche von Corvey, zu Buchsweiler im Elsass, in der Klosterkirche auf der Au bei Steinen am Rigi, in der Wallfahrtskirche St. Oswald bei Grafenau im Bayrischen Walde. Von dem Glockenbrunnen zwischen Weimar und Dörnberg in Hessen heißt es, dass über ihm die Kirche des verschwundenen Dorfes Sirsen gestanden habe.

Quellen innerhalb von Kapellen finden sich in der Wand bei Linz a. D., nahe dem Kalvarienberge; in der Einsiedelei am Falkenstein bei St. Wolfgang am Abersee (Oberösterreich); in der Colomannskapelle in der Taugl (Salzburg); in Maria-Elend bei Embach im Salzburgischen, wo die Quelle aus der Brust des Gekreuzigten springt; in der Heiligwasserkapelle bei Innsbruck; in einer jetzt zur Lourdeskapelle verwelschten Kapelle oberhalb Mühlau bei Innsbruck; in der Barbarakapelle bei Jettenberg unweit Reichenhall; ferner das Heiligbrünnel in der Kapelle unter dem Margaretenberge an der Alz im Passauischen. In der Schlucht zwischen Hallein und den Barmsteinen, unweit des Salzbergwerks Dürrenberg, steht eine Kapelle über den Bach gebaut mit vielen Votivgaben.

Auch außerhalb der bajuwarischen Länder sind und waren Quellen innerhalb von Kapellen vorhanden: ich nenne den heiligen Brunnen auf dem Radersberge im Vogtlande, über dem einst eine Kapelle stand. Nach Volksglauben wird in der katholischen Hofkirche in Dresden so wie in böhmischen Kirchen für dieses verlassene hochheilige Brünnlein gebetet. Dann die längst verschwundene Kapelle über dem Dresdener Queckbrunnen; die hölzerne Kapelle zu Wagstadt im österreichischen Schlesien. Zur Vergleichung will ich die zahlreichen Brunnenkapellen in Cornwall herbeiziehen: es sind kleine steinerne Bauten über der Quelle, eigentlich Brunnenhäuschen mit offenem Eingang, zuweilen mit einer Mauernische, worin ein Heiligenbild stand oder noch steht, ganz wie es auch bei uns oft sich findet.

Besondere Erwähnung verdienen die Brunnen, welche unter dem heiligsten Orte, dem Altar hervorquellen: so in den Kirchen von Olsberg im Aargau, von Hohentann in Niederbayern, im Ulrichskirchlein bei Graz, Laibach in Krain, Maria Schein bei Teplitz, Stoboric in Böhmen, kath. Kirche von Waldenburg in Schlesien, Olitten und Oschitz im Vogtlande, in den Kapellen von Zöbingen in Schwaben und Chelcic in Böhmen. In der Kirche von Dänschenburg bei Ribnitz in Mecklenburg entsprang unter der Kanzel eine viel besuchte Heilquelle, ebenso wie in der Kirche von St. Lormel in der Haute Bretagne ein Heilquell unter der Kanzel hervorkommt.

Häufiger noch als die Brunnen innerhalb des geweihten Gebäudes sind die, welche neben oder nahe bei einer Kapelle oder Kirche hervorquellen. Der Brunnen ist geschichtlich betrachtet die Mutter des gottesdienstlichen Gebäudes. Sie sind in den katholischen Landschaften noch häufig und auch in den evangelischen nicht ganz vergessen. Die Kapellen sind von der verschiedensten Art, oft sind es nur Bildstöcke oder es ist ohne einen besondern Bau an einem Baum oder einer Wand ein Heiligenbild befestigt, unter dem eine Brunnenröhre das Wasser in ein Becken oder einen Trog spendet. Das gibt oft ein kleines anmutendes Bild, und die Dankbarkeit des Menschen für das unentbehrliche Element gegen das göttliche Wesen, sei es nun als Nymphe, als Wasserfrau oder als Heilige gedacht, behält etwas Kindliches und Rührendes.

Viele dieser Kirchen sind Wallfahrtskirchen, denn die Quellen heilen Krankheiten, vornehmlich böse Augen und Fieber, auch Lähmungen und Ausschlag und so ziehen die Leidenden, mit ihnen auch Gesunde, hilfesuchend hin, beten zu den Heiligen der Brunnenkirchen und bringen ihnen Dankopfer, meist auch Votivbilder und wächserne, früher auch eiserne35) Nachahmungen der geheilten Leibesteile.

Die einzelnen Kranken suchten Hilfe, wenn das Leiden sie trieb, am liebsten dann donnerstags, wenigstens in Norwegen. Aber es gibt große Wallfahrten im Frühjahr, wenn nach Sprengung der Winterfesseln die Brünnlein wieder fließen und im Hochsommer, wenn das Naturleben auf der Höhe steht und den göttlichen Mächten, so auch den Wassergeistern, die höchsten Opfer gebracht wurden. Diese Wallfahrten des Volkes, diese Bitt- und Dankgänge, reichen, wie katholisch sie scheinen, in die heidnische Zeit zurück und gehen uns vornehmlich an.

In der Osterzeit, wenn das Frühjahr kommt, gilt noch heute das Wasser für besonders heilkräftig, daher am Karfreitag und am Ostermorgen die Brunnen vor Sonnenaufgang schweigend besucht werden und aus ihnen Wasser geschöpft wird. In der Regel machen einzelne den geheimen Gang zur Quelle oder zu dem Bache; zuweilen ist es aber auch eine gemeinsame Fahrt. So wird das Jungfern- oder Agnesbrünnel am Kahlenberge bei Wien am Karfreitagmorgen (mehr noch zu Johannis) von Hunderten aufgesucht. In der Eifel gehen am Ostermorgen zu der Quelle an der ehemaligen Klosterkirche von Buchholz aus der ganzen Gegend zahlreiche Pilger. Wer aus dem Brunnen trinkt, wird neu belebt und genest seiner Leiden. In der Kirche segnen die Priester das in Krüge geschöpfte Wasser. Bei der Haugsquelle an der Filialkirche von Trömborg in Eidsberg in Norwegen, die noch im vorigen Jahrhundert aus Norwegen und Schweden von ganzen Scharen namentlich zu Johannis besucht ward, gingen die, die aus der Quelle getrunken hatten, dreimal um die Kirche. Das Quellwasser, das in Krügen für Entfernte geschöpft ward, trug man auch dreimal um die Kirche.

Ohne kirchliche Färbung ist der Besuch des hohlen Steins am Fuß des Meißners bei Hilgershausen in Hessen, den er am zweiten Ostertage von den jungen Leuten der Gegend empfängt. Sie legen Frühlingsblumen an den kleinen Teich der Felshöhle, trinken daraus und nehmen Wasser in Krügen mit heim.

An einem Tage im Frühjahr geht eine Prozession um das Pulvermar in der Eifel. Einmal unterblieb sie, da ward der tiefe Wasserkessel sehr unruhig und drohte überzulaufen. Ein Schäfer, der in der Nähe hütete, sah es und zog nun singend und betend mit seinen Schafen um den See, indem er als Fahne seinen Hut auf den Stock steckte. Das Mar beruhigte sich dadurch. Ob dieser Tag in der eigentlichen Osterzeit liegt oder weiter gegen Pfingsten, wird nicht angegeben. Vielleicht ist es der 5. Sonntag nach Ostern, der Sonntag Rogate am Anfang der Bittwoche.

In Schwäbisch Hall war ein Brunnengeist in der Solquelle, der Hallgeist, der Überschwemmungen anzeigte und den man bei guter Laune erhalten musste. Wenn es daher um den Brunnen „etwan ongeheir“ ward, ging man zu Rogate mit Heiligtumb um gemelten Salzbrunnen. Auch aus Luxemburg lässt sich eine Brunnen-Wallfahrt auf Rogate nachweisen: sie geht zur Quelle und Kapelle des hl. Quirinus vor der Stadt Luxemburg. Man opfert dem Heiligen getrocknetes Schweinefleisch, der gegen Augen- und Hautkrankheiten hilft, und füllt sich Flaschen mit dem Wasser der Quelle.

Im Mai wallfahrtet man aus dem Elsass und dem Schwarzwald zur Kapelle der schmerzhaften Mutter auf dem Achenberge zwischen Zurzach und Klingau. Um die Kapelle wird Markt gehalten, die Wallfahrer bleiben über Nacht um die Feuer gelagert, an denen sie kochen. Keiner unterlässt, hinab in die Schlucht zum Verenenbrünnlein zu steigen, daraus zu trinken und einen Krug zu schöpfen, den man mit heimnimmt.

Im Puschlav in Bändten wird ein Kinderfest, der Maienbrei, gefeiert. Die Kinder ziehen auf die Höhe von Selva, wo zuerst in der kleinen Kapelle Gottesdienst gehalten wird. Dann steigen sie zu dem Sauerbrunnen ins Tal hinunter, an dem der Brei bereitet und gegessen wird. Darauf folgt Gesang, Spiel und Tanz. Die Erwachsenen nehmen an dem Frühlingsfeste teil.

Solche Wallfahrten zu Anfang Mai geschehen auch in Böhmen, unter anderem zur Quelle Sweticka bei Bubenc unweit Prag und zu dem Johannisbrunnen bei Podol.

Zu Christi Himmelfahrt ist in ganz Hessen Brauch, auf die nächsten höheren Berge zu steigen und sich dort mit Gesang und Tanz zu belustigen. Auf den Weißner gehen die Leute von der Werra auch am Pfingstmontag in Scharen. Von einem Besuch der Quellen wird nichts mehr erwähnt, ursprünglich geschah es gewiss.

Am Sonntag nach Himmelfahrt wird in Böhmen aus allen Teilen des Landes auf den Berg Tabor bei Chlum im Jiciner Kreise gewallfahrtet. Am Fuß des Berges quillt ein Born, in den kleine Holzkreuzchen geworfen werden; wessen Kreuz aus dem Wasser heraufkommt, bleibt in dem Jahre leben. Von dem Born nimmt jede Mannsperson einen Stein auf den Berg mit und legt ihn zu dem Steinhaufen bei der Kapelle. Die Frauen opfern oben lebende Hühner.

Am ersten Pfingsttage ziehen die Kinder der Stadt Steinau im Hanauischen, von den Eltern begleitet, auf die Pfingstwiese zum Pfingstborn, einer heilkräftigen Quelle. Jedes hat ein besonders dazu gefertigtes irdenes Krüglein, Pfingstinsel36) genannt, woraus es trinkt. Sie spielen und jubeln den ganzen Tag auf der Wiese. Zum vollen Verständnis gehört, dass in Rheinhessen und Nassau nach der Überlieferung die kleinen Kinder aus dem Pfingstborn37) geholt werden. Der Steinauer Brauch deutet also auf ein altes Dankfest der Kinder an der Quelle, aus dem sie sich entsprungen glaubten.

Ebenso ziehen in Mendt im Nassauschen die Kinder am Pfingstmontag zu dem Gangolfsbrunnen und bekränzen ihn.

Abgelöst von dem Kinderglauben treffen wir eine Pfingstwallfahrt zu einem Gangolfsbrunnen und seiner Kapelle in Neudenau an der badisch-württembergischen Grenze.

Pfingstbrunnen sind auch in Obersteiermark, namentlich um Murau, noch bekannt. Sie liegen meist im Walde und werden am Pfingstsonntagnachmittag in festlichen, aber nicht kirchlichen Aufzügen besucht, während sie das übrige ganze Jahr verlassen und unbeachtet bleiben. Kirchlich heißen sie Heilige-Geist-Brunnen und ihr Wasser, das an jenem Tage viel getrunken wird, der Heilige-Geist-Tau38). Das Volk belustigt sich dabei mit Gesang und allerlei Spiel.

Am Pfingstmontag gehen starke Wallfahrten aus Bayern und Böhmen zu der Güntherskirche und -quelle im Böhmerwalde. Berühmt ist auch die Pfingstmontagwallfahrt zur Kapelle St. Pirmin im luxemburgischen Kanton Wilz mit dem etwas davon liegenden Pirminsbrunnen, worein skrupulöse Kinder dreimal getaucht werden.

Wir nahen dem Sonnenwendtage, der hochheiligen Zeit der blühenden und reifenden Natur. Vorher und nachher liegen Tage, die sich zu einem Festzyklus zusammenschließen; hervorragende Kirchenheilige haben das Erbe der Heidengötter besetzt. So der Patron des 15. Juni, St. Veit, einer der Schutzherren Böhmens, dem der Prager Dom auf dem Hradschin und nicht weniger als 37 böhmische Kirchen geweiht sind. Nach dem Bericht des zuverlässigen Bienenberg zogen die Leute aus Melnik an der Elbe und vom Fuße des Riesengebirges am Veitstage zu den Elbquellen hinauf und ließen dort schwarze Hühner fliegen, damit Rübezahl die Überschwemmungen durch die Elbe hindere. Krolmus will diese Wallfahrten noch 1805 und 1814 gesehen haben; die Hähne seien freigelassen, die Hühner in den Elbquellen ertränkt worden. Die Leute blieben drei Tage oben (gleich den Wallfahrern zum See des Berges Helanus in Gallien, nach Gregors von Tours de gloria confess. K.2), sammelten Kräuter für ihr Vieh und zu Kränzen, die sie daheim aufhängen und nahmen Wasser in Krügen mit, womit sie ihr Vieh besprengten.

Der Tag vor Johannis (23. Juni) ist der hl. Edeltrut geweiht, zu deren Brunnen in Niederöfflingen im Eifelkreise Wittich viele wallfahrten, um ihre Augen in dem aschgrauen Wasser zu waschen.

Am Feste Johannis des Täufers (24. Juni) hat das Wasser ganz besondere Kräfte. Das ist nicht bloß eine deutsche Meinung, sondern eine uralte allgemein verbreitete gewesen und mag darauf gewirkt haben, dass die Kirche dem Täufer den Mittsommertag weihte, um denselben zu christianisieren. Die heidnischen Gebräuche wurden aber dadurch nicht unterdrückt und der hl. Augustin eiferte gegen den schlechten aus dem Heidentum zurückgebliebenen Brauch, in der Nacht und am frühen Morgen des Johannisfestes sich in Quellen, Teichen und Flüssen zu baden. Also in Libyen dieselbe alte Sitte im 4./5. Jahrh., die wir bei uns noch jetzt finden, gestützt auf die besondere Heilkraft des Johannisbades. Ein Bad an diesem Tage, heißt es in Schwaben, ist neunmal so stark als eines zu anderer Zeit. Bekannt ist Petrarkas anmutige Schilderung von dem Johannistage, den er in Köln verlebte, wie er die Ufer des Rheins mit ungezählten schönen Frauen besetzt fand, die bekränzt mit Blumen ihre weißen Arme in den Strom tauchten und dabei ihm Unverständliches murmelten. Im Jahr 1584 suchte der Straßburger Kirchenkonvent gegen die Johannisbäder einzuschreiten als einen abergläubischen Brauch. Er war nicht zu unterdrücken und namentlich zu den Heilbädern strömte das Volk in Scharen. In Norwegen wurden die heiligen Quellen vorzüglich am Johannisabend besucht, weil sie dann am kräftigsten sind.

Andrerseits war der Johannistag auch ein Tag, an dem die Wassergeister besondere schädliche Macht hatten und ein Menschenopfer verlangten. Wir werden darüber später handeln. Man versuchte, sie durch kirchliche Mittel unschädlich zu machen. In der katholischen Zeit, erzählt man in Thüringen, ging von der Johanniskapelle gegenüber der Kelle zwischen Nordhausen und Ellrich zu gewisser Zeit (doch wohl am Johannistage?) eine Prozession zu dem kleinen See in jener Felshöhle. Der führende Ellricher Priester ließ ein Kreuz in die Höhle hinab und zog es wieder hinauf, wahrscheinlich um den Dämon des Sees zu bannen.

Den Schluss des Mittsommerzyklus macht der Ulrichstag, der 4. Juli. In Schwaben und Bayern sowie in den bajuwarischen Ländern Österreichs gilt der Todestag des hl. Bischofs von Augsburg als kirchlicher Feiertag und der Volkskult der Ulrichsbrunnen tritt dabei stark hervor. Zu dem Ulrichsbrunnen in Seibranz geht jährlich am 4. Juli eine feierliche Prozession und zu dem Ulrichskirchlein unweit Heiligenkreuz am Wasen in der mittleren Steiermark, bei dem eine gute Quelle unter einer Ulrichsbildsäule entspringt, strömt das Volk am 4. Juli zusammen: die Kanzel steht im Freien unter einer mächtigen Linde. Ein Volksfest wird auch an jenem Tage oder am Sonntag darauf am Reunerkogel bei Graz an dem Ulrichskirchlein gehalten, unter dessen Altar eine Quelle herausfließt.

In England, wo St. Ulrich unbekannt ist, findet am Sonntag nach dem 4. Juli, dem old Midsummer day, ein gleiches Brunnenfest an mehreren Orten statt, der stärkste Beweis dafür, dass der deutsche St. Ulrich nur Erbe einer altgermanischen Sommergottheit war.

Auch bei den Tschechen ist der 4. Juli ausgezeichnet, nur ist er kirchlich dem St. Prokop geweiht, mit dessen Legende übrigens ein Herzog Ulrich verknüpft ist. Der Prokopstag wird festlich mit allerlei Volkslustbarkeiten begangen, zugleich gilt er aber auch als Feiertag des Wassermanns (vodník mužiček), an dem er nach einem Braten ausgeht, denn an diesem Tage müssen 7-9 Menschen ertrinken.

Der heidnische Grundcharakter der Johannisfestzeit bricht demnach darin noch deutlich durch, dass ein großes Opfer in ihr gebracht werden musste und dass dasselbe vornehmlich den Wassergeistern fiel, die das sommerliche Gedeihen wesentlich gefördert hatten.

Außer dem Frühling und dem Mittsommer sind über das weitere Jahr einzelne Brunnenfahrten verstreut. Sie knüpfen sich an die kirchlichen Patroziniumsfeste der Heiligen an, die zu Quellen in Beziehung gesetzt waren, so besonders an die beliebteste Schützerin, die hl. Maria, die natürlichste Nachfolgerin der alten Göttinnen.

In der thüringischen Stadt Frankenhausen, die ein Salzwerk besitzt, werden an Mariä Verkündigung (25. März) und an Mariä Himmelfahrt (15. August) die sogenannten Bornfeste gefeiert, mit Aufzügen zu den Solquellen, Gottesdienst und Geldspenden an Kinder und Arme. In der katholischen Zeit wurde neben der hl. Jungfrau besonders der hl. Wolfgang (der uns als Brunnenpatron auch sonst bekannt ist) verehrt und ihm sowie den Heiligen Petrus, Nikolaus, Martin, Severus und Margareta (wohl Frankenhauser Kirchenpatronen) wurden Opfer gebracht. Die Grundzüge eines vollen heidnischen Festes sind noch zu erkennen.

Zu Mariä Himmelfahrt geht in Böhmen eine starke Wallfahrt aus dem Markte Bründl (Dobrawoda) im Budweiser Kreise nach der Kirche Maria Trost mit ihrem Heilbrunnen.

Am Magdalenentage (22. Juli) strömen die Münchner zu dem Magdalenbrunnen im Nymphenburger Parke, über dem eine Statuette der Heiligen steht. Das Wasser hilft gegen böse Augen, die darin gewaschen werden. Auch wird es in Flaschen mit nach Hause genommen.

Am ersten schönen Sonntage nach Jacobi (25. Juli) ziehen die Appenzeller auf den Kronberg zum Jacobsbrunnen, wohnen der Messe in der Kapelle bei und vergnügen sich dann mit Tanz und Spiel, wie das am Michaelistage (29. Sept.) auf Rigi Kaltbad bei dem Brunnen der drei Schwestern geschieht.

Am Verenentag (1. Sept.) wird zu der Verenenkapelle am Kaminstal bei Zug gewallfahrtet. Das Verenebrünnli, das unter einer Bildsäule der Heiligen daneben quoll, ist seit 1810 durch einen bösen Nachbarn abgegraben worden; aber die Wallfahrten dauern fort.

Am zweiten Sonntag im September wallen jährlich noch Tausende zu dem St. Adelheidispützchen zwischen Beul und Siegburg. Der Brunnen hilft den kranken Augen. Ein berühmter Markt wird dort gehalten.

Wie tief diese Brunnenfahrten im Volksgedächtnis haften, beweist die Wallfahrt einer größeren Menge evangelischer Bewohner der Dörfer am Lebamoor in Hinterpommern, die bei einer Epidemie an der Wunderquelle in Sullenczin Schutz und Genesung suchten.

Aber ganz besonders in Anschlag zu bringen ist, dass in dem rein lutherischen Norwegen die Wallfahrten und Besuche zu den heiligen Quellen und ihren Kirchen bis in das vorige Jahrhundert, und selbst bis in das neunzehnte gedauert haben.

In der Schweiz wurden die Kirchweihen mit Vorliebe an laufenden Brunnen oder auf Flussinseln gehalten, so zu Murten und an der Birs, ferner zu Mönchenstein und am Wasserfall des Gießen. Man zog feierlich dorthin, baute Laubhütten und belustigte sich mit Gesang, Tanz, Wettlauf und Ringkämpfen. Selbst auf Brücken ist die Kilbe gefeiert; bis auf neuste Zeit in Klein-Basel die Kalte Kilbe im Januar. Die drei Gesellschaften der Stadt feiern sie mit Festmahl, Umzug und Tanz auf der Rheinbrücke. Die Vorstädtler-Kilbe in Klein-Soloturm halten die Hausbesitzer und ihre Frauen durch ein Festmahl im Gasthause. Dann wird der Kilbetanz versteigert und der Meistbietende erkauft das Recht, mit seiner Tänzerin ganz allein den Tanz auf der Aarbrücke zu eröffnen.

Die Kirchweihen an Brunnen und Wassern führen hinüber zu den Gerichtsversammlungen an Brunnen und Flüssen. Jacob Grimm hat Rechtsaltertum 799 aus Bayern, vom Rhein, aus Elsass und Hessen Belege für die Richtbrunnen und Rechtshandlungen an Flüssen gegeben. Auch politische und militärische Sammelplätze lagen an ihnen. In Basel gab es im 14. und 15. Jh. verschiedene Richtbrunnen, bei denen Käufe und Verträge geschlossen wurden. Bäume standen über dem Richtbrunnen vor der Gerberzunftstube und bei dem Georgsbrunnen auf dem Stiftshofe. Wenn in Baden im Aargau ein bewaffneter Auszug geboten ward, sammelten sich die Leute am Brunnen, über dem die Fahne wehte. Die Landgemeinde des Ober-Engadins kam an der Fontana Merla zusammen, wo auch das Hochgericht stand. Die rätischen Bundesgesandten sollen sich zu Tavanosa im Bündtner Oberlande bei einem Felsbrunnen versammelt haben. Die altberühmte heilige Quelle in Mitte des Holstenlandes, das bornhoved, ward, als ein Kirchort daran gebaut (Bornhövd), der Sitz des overboden (senior terrae) und der virtus (doged) der Holsten. Die Mythe von dem täglichen Gericht, das die nordgermanischen Götter an dem Mimesbrunnen unter der Weltesche hielten, ist nur Abspiegelung der menschlichen Einrichtung.

Bei dem Markengang (Grenzbegang) in Greven im Münsterlande, der Ende Juli alle sechs Jahre bis 1853 stattfand, wurde dreimal um den Hocker Pütt und dreimal um den Dörferbrunnen auf dem Marktplatze von den Markgenossen gezogen.

Wie die katholischen Wallfahrer an den Gnadenorten ihre Gebete laut oder still sprechen, so ist das auch in unserm Heidentum an den Kultstätten geschehen, also auch an den Quellen, diesen Wohnorten göttlicher Mächte, den Eingängen zu einer geheimnisvollen Welt. In der pseudoaugustinischen Homilie de saerilegiis39), die nach C. P. Caspari in Niederfranken wahrscheinlich im achten Jahrhundert verfasst ist, wird als Rückfall ins Heidentum bezeichnet, wenn jemand an einer Quelle betet40). Unter den Beichtfragen des Corrector Burchardi c. LVII fehlt nicht, ob der oder die Beichtende an Quellen, Steinen, Bäumen oder Kreuzwegen gebetet habe – ein Zeugnis also vom Anfange des 11. Jh. aus Rheinfranken.

Von den zahllosen Wiener Weibern und Männern, die aus dem Schlamm oder von den Steinen des Jungfernbrünnels am Kablenberge die Glücksnummern des Lotto erfahren wollen, wird auch gebetet, aber nicht aus frommem Gemüte.

Dagegen floss aus tiefster Seele das Gebet der armen Pfarrwitwe, die in der Teuerung von 1538 mit ihren zwei Kindern an den Brunnen bei Oderwitz in der Lausitz ging und um Brot betete: sie sah dort eine Erscheinung, die ihr verhieß, sie werde zu Hause Mehl finden und so geschah es. Die gleiche Sage geht von dem Hungerbrunnen41) im Olbersdorfer Forst an der alten Leipaer Straße. In jener Hungersnot sei eine fromme Frau aus Zittau mit ihren beiden Kindern in der Herzensangst zu jenem Brunnen gegangen, habe um Brot gebetet und sei erhört worden. Der Kernpunkt dieser Sagen ist, dass die bedrängten Frauen in ihrer Not zu einer Quelle sich wandten, in demselben Glauben, wie nach Vergils Georgikon IV, 319 Aristaus, da er seine Mutter Kyrene anrufen wollte: morboque fameque tristis ad extremi sacrum caput adstitit amnis. An der Quelle schien dem Menschen die Gottheit am erreichbarsten zu sein.

Der erprobte Satz Do ut des war dem natürlichen Menschen früh auch in seinem Verhältnis zur göttlichen Macht förderlich erschienen. Er kam daher nicht mit leeren Händen auf die Stätte der Verehrung, wenn er von dem göttlichen Wesen etwas begehrte. Glaubte er dasselbe erzürnt, so suchte er es durch ein Opfer zu versöhnen. Opfer stehen in Mitte des Kultus, so auch in der Verehrung der milden Quellfrauen und der wilden Flussdämonen.

Blutige Opfer wurden den Wassergottheiten auch von den Deutschen gebracht. Menschenopfer sind an den Quellen selten gefallen, wohl aber an Strömen und Seen, also an fließendem Wasser und an tieferen und größeren Wasserbecken.

Bekannt ist von den Römern und Griechen42), wie das Überschreiten eines Flusses besondere Zeremonien forderte und daher auch die Brücken sakraler Hut unterstellt waren. Bei den Germanen wird es nicht anders gewesen sein. Jenes furchtbare Menschenopfer, das der Frankenkönig Theudebert 539 bei seinem Einfall in Italien brachte, als er mit seinem Heere über die alte Pobrücke zog, wird zwar von Prokop nicht unbegründet ein Erstlingsopfer des Krieges genannt, es ist aber zugleich ein Opfer an den Flussgott gleich den Argei auf der Tiberbrücke, dem pons sublicius. Bis in die Gegenwart erhielten sich Spuren der Brückenopfer. In Böhmen muss die Wöchnerin, wenn sie zum ersten Male über eine Brücke geht, einige Geldstücke in das Wasser werfen, damit ihr der Wassermann das Kind nicht raube. Und jene weit verbreiteten, nicht bloß deutschen, bis in die Gegenwart erhaltenen Sagen, von der notwendigen Einmauerung eines lebenden Menschen in den Brückenbau bewahrten die Erinnerung an die Brückenopfer aufs Zäheste.

Weit verbreitet und fast an jeden größeren Flusslauf oder Teich geknüpft ist der Glaube, dass der Nix oder Wassermann jährlich ein oder mehrere Menschen als Opfer fordere und wenn die Stunde dafür gekommen, durch seinen Ruf oder durch Pfeifen, durch gellendes Lachen, gleich dem isländischen Marbendill (marmennil), oder auch durch einen glockenähnlichen Klang aus der Tiefe den zum Tode bestimmten Menschen mit unwiderstehlicher Gewalt zu sich locke. „Jeder Nix hat das Recht, alljährlich einen Menschen zu ertränken“, heißt es in der Lausitz an der oberen Spree und an der Neiße. „Zeit und Stunde ist da, aber der Mensch noch nicht“, ganz ebenso dänisch: „Tiden og stunden er kommen, manden ikke“, hört man aus dem Wasser rufen und sieht dann einen Menschen herzueilen und sich in das Wasser stürzen, nach dem Volksglauben43). Selbst wenn der Gerufene mit Gewalt von dem Wasser zurückgerissen wird, stirbt er zur bestimmten Stunde, namentlich wenn er mit den Lippen Wasser berührt .

Nach jütischem Volksglauben ist Rettung nur möglich, wenn rasch ein Tier als Opfer untergeschoben wird. In der Livenå im Wendesyssel müssen jährlich zwei Menschen ertrinken. Da lagen einst Knechte in einem Heuschuppen nahebei und schliefen. Einer aber wachte und hörte eine Stimme „Peder, Peder“ rufen. Sein schlafender Gefährte hieß Peder, und da rief der Wachende: „Hier ist kein anderer, der Peder heißt, als unser Hund.“ Als er das gesagt, fuhr der Hund hinaus und war verschwunden.

An der Ryå ging ein Mädchen entlang und hörte eine Stimme sagen: „Zeit und Stunde ist kommen, der Mensch nicht.“ Da rief sie: „Nicht mich, sondern den Hund!“ Und der Hund lief sofort in die Aa und ertrank45).

Verwandt hiermit ist, dass die Müller an der Bode in Tale am Harz, wenn das Wasserhuhn pfeift, worauf immer ein Mensch ertrinken musste, dem Nickelmann ein schwarzes Huhn ins Wasser warfen, um das Opfer abzulösen. Ja die Wassergottheit begnügt sich mit einer Nachbildung des Menschen, sie verlangt nur die Anerkennung ihres Rechtes. Römische Sage berichtete, dass Herkules oder die zurückgebliebenen argivischen Genossen die bisher dem Tiberstrom gebrachten Menschenopfer durch Binsenpuppen ersetzt hätten. Jährlich am 15. Mai wurden 24 solche Binsenmänner durch die Vestalinnen in den Tiber geworfen.

Die Stroh- und Lumpenpuppe, die am Sommer- oder Totensonntage in Franken, Thüringen, Meißen, Lausitz, Schlesien, Böhmen und Mähren unter dem Namen Tod in das Wasser (oder über die Grenze) geworfen wird, ist auch nur Ersatz für einen lebenden Menschen, der beim Frühlingsbeginn geopfert wird für die Fruchtbarkeit des Jahres. Nicht minder geht der deutsche und slawische Frühlingsbrauch der Laubbekränzung eines Knaben oder Mädchens, die in das Wasser geworfen werden, auf ein Menschenopfer zurück, das der fruchtbaren Wasser- und Regengottheit gebracht worden ist.

Die Wassergeister fordern ihr Opfer meist zu Johannis, am Mittsommerfeste. Vielerorts hat das Volk das nicht vergessen, oft weiß es nur, dass alljährlich der Ruf nach dem Opfer ertönt. In Böhmen ist der Prokopitag, 4. Juli, wie früher gesagt, der Opfertag. Zuweilen ist die Zahl der verlangten Menschen eine größere. In Köln wird gesagt, St. Johann „wel hann verzehn dude Mann, siben de klemme (klimmen), siben de swemme.“ Die Leine (bei Göttingen) „fret alle Jahr teine“; der böhmische Wassermann will am Prokopitag sieben oder neune; am Rigi und um Luzern heißt es: St. Johannis fordere drei Opfer; der Tempelburger See nimmt am liebsten drei Opfer auf einmal; die Liverå in Jütland fordert zwei Opfer; der Frickenhauser See in der Rhön und der Wienfluss wollen wenigstens einen Menschen.

Eine große Genügsamkeit wird der Werra bei Lauchröden, dem Schlossweiher von Neumarkt in der Oberpfalz zugemutet, die nur alle sieben Jahre ihr Opfer haben wollten.

In dem Vorangegangenen sind bereits Namen von Gewässern genannt, die im Rufe stehen, Menschenopfer als Recht zu fordern. Indessen will ich noch eine Zusammenstellung machen, aus der hervorgehen wird, dass in Nieder- und Mitteldeutschland jener Glaube zäher haftet als in Oberdeutschland. Oder sollte das nur Schuld der oberdeutschen Sagensammler sein?

Flüsse: Trave, Elde in Mecklenburg, Rega in Pommern; Elbe, Havel, Spree, Sale, Bode, Mulde, Elster, Unstrut, Pleiße, Oder, Lausitzer Neiße, Werra, Fulda, Lahn, Haun, Löhn, Mümling, Kinzich (bei Hanau); Rhein, Neckar, Pfreimt und andere oberpfälzische Flüsse, Donau, Wienfluss, Kokel in Siebenbürgen.

Seen und Teiche: Glambecker und Wanzker See in Mecklenburg, der Demminer, Madüer, Wangeriner, Arnswalder, Nörenberger, Vilm-See in Pommern, der Moringer (Opfer-)Teich in Hannover, der Heiligensee, Mohrinersee, Lehniner See in der Mark, der Salzungersee im Werratltal, der Friekenhauser See in der Rhön, die Totenlache bei Fulda, der Schlossweiher bei Neumarkt in der Oberpfalz; der Waschteich auf dem Elbing in Breslau.

Von Brunnen fand ich nur den alten Brunnen vor dem Mainzer Tore zu Friedberg in der Wetterau als einen bezeichnet, der jährlich sein Opfer haben will.

Im Allgemeinen werden die Flüsse oder Seen dabei personifiziert; doch wird auch von dem Wassermann oder der Nixe gesprochen, die den Ruf oder ein anderes Zeichen, wovon früher schon gesprochen, geben, dass die Zeit zum Opfer gekommen sei. In der Werra bei Lauchröden erscheint ein mächtiger Fisch, der matt auf dem Wasser schwimmt und verlockt, ihn zu fangen, dabei ertrinkt der Mensch. Von dem Mohriner See in der Mark heißt es, dass eine weiße Gestalt den zum Tode bestimmten Mann in das Wasser verlocke, bei dem Mittelsee zwischen Lehnin und Schwine eine Frau mit weißer Hucke.

Erhalten ward der Glaube an die Wasseropfer durch die zahlreichen Unglücksfälle, die im Hochsommer bei dem Baden jährlich geschehen. Aber der Glaube selbst wurzelt in einer sehr alten Zeit, welche Menschenopfer auch den niederen Naturgottheiten brachte. Für die Beurteilung der Angabe von Tacitus, Germ. 9, dass nur dem höchsten germanischen Gotte Mercurius (Wodan) das höchste Opfer, der Mensch, falle, muss dies benutzt werden.

Die gewöhnlichen lebenden Opfer, die den Quellgeistern gebracht wurden, waren kleinere Tiere. Das Böcklein, das Horaz seinem bandusischen Quell verheißt, bringen Norweger dem Geiste eines nordwärts stürzenden Wasserfalls, dem Fossegrim und werden dafür von ihm im Geigenspiel unterrichtet.

Vorzüglich werden Hühner geopfert worden sein, wie wir aus späterem Brauche schließen dürfen. Schwarze Hennen sind noch heute in katholischen süddeutschen Ländern die gewöhnlichen lebenden Opferspenden an die Kirchenheiligen, wenn ihre Hilfe in Krankheiten erbeten wird46). An Quellen geopfert kann ich sie zwar nicht aus deutschen Gegenden nachweisen, aber wohl aus dem böhmischen Elbquellenbereich, ferner aus Gnesen, wo man am Johannistage zur Abwendung des Todes dreier Menschen drei weiße Hähne schlachtete und aus Wales, wo an einer Quelle der hl. Thekla der Mann einen Hahn, das Weib eine Henne opfert. In Tale am Harz opferte man der Bode statt des geforderten Menschen ein schwarzes Huhn, indem man es in den Fluss warf.

Über größere Opfer, die bei der Gefahr der Überschwemmung üblich waren, wird später gehandelt werden. Aber hier sei eines abergläubischen Brauches im Böhmerwalde gedacht. Ist ein Kind tot geboren, woran die wilden Weiber schuld sind, so schneidet der Vater einem neugeborenen Kalbe den Kopf ab, wirft ihn von der Brücke über sein Haupt weg ins Wasser und eilt, ohne umzublicken, heim. Dort findet er das Kind lebendig. Durch das Tieropfer kauft der Vater sein Kind von dem Wassermann zurück, bei dem die Seelen der kleinen Kinder gedacht werden.

Freundlich und anmutig sind die Opfer aus der Pflanzenwelt. An dem römischen Brunnenfeste, den Fontinalia (13. Okt.), bekränzte man die putei und warf Blumen in die fontes. Seiner bandusischen Quelle spendete Horaz Wein und Blumen außer des Böckleins Blut. In Attika pflanzte man Veilchen um die Brunnen. In die Quellen des Eurotas und des Alpheios wurden Kränze geworfen.

Bei uns war und ist es nicht anders. Mit der Wintersonnenwende, die den Anfang der Frühlingsgebräuche macht, weil die Sonne nun nicht weiter sinkt, sondern allmählich zu steigen beginnt, können wir anheben.

In einigen Orten des Wasgenwalds legen die Knaben in der Weihnacht Grünes an den Rand des Dorfbrunnens. Am zweiten Ostertage werfen in Hessen die auf den hohlen Stein bei Hilgershausen ziehenden Leute Blumensträuße in den kleinen See. Am Himmelfahrttage fand zu Basel im 14. Jh. der Bannritt um die Felder statt; dabei schmückten sie den Kormarktbrunnen mit Maien. Das geschah alles für Gott den Allmächtigen zu Lob und Ehr, der Frucht zum Schirm und der Gemeinde zu Trost für Ungewitter.

In Rorrington, Pfarre Chirbury in der englischen Grafschaft Shropshire, war eine heilige Quelle, an der ein kirchliches Fest zu Christi Himmelfahrt begangen ward. Die Quelle war mit einer Laube aus grünen Zweigen, Binsen und Blumen geschmückt und ein Maibaum (maypole) war aufgestellt. Das Volk umschritt die Quelle, trank daraus, warf Nadeln hinein, tanzte und jubelte und aß besondere, mit einem Kreuz gezeichnete Würzkuchen. Das sollte alles Glück bringen. Die Grafschaften Shropshire, Worcestershire, Staffordshire, Derbyshire sind überhaupt die Gegenden, in denen die Bekränzung (garland dressing) der Brunnen zu Hause ist. In Irland ist der letzte Sonntag im Juli der Garland Sunday, an dem die Brunnen mit Blumen geputzt werden.

Im südlichen Thüringen werden zu Pfingsten die Brunnen mit jungen Laubbäumen umsteckt und bekränzt, auch ein Maibaum mit Bändern und bunten Tüchern wird aufgerichtet. Bei der Dorflinde wird getanzt. In Mendt im Nassauschen wird am 2. Feiertage zum Gangolfsbrunnen gewallfahrtet und die Kinder bekränzen den Brunnen. Im Fricktal in der Schweiz wird die Pfingsthutte (ein mit Grün besteckter Tragkorb) auf den Hauptbrunnen des Ortes gestellt.

In ganz Hessen und auch im Fuldischen werden die Brunnen zu Johannis bekränzt. In Fulda wird dann auch der neue Brunnenherr gewählt, dem die Wahl durch einen großen Blumenstrauß angezeigt wird. Sein Haus schmückt man mit Maien und er sammelt dann von Haus zu Haus Gaben für einen Trunk der Nachbarn am nächsten Sonntag. In Wolfhagen in Hessen setzt die Magd, welche am Johannismorgen zuerst zum Brunnen geht, demselben einen großen Kranz von Feld- und Wiesenblumen auf. In Treysa wird die Brunnenfigur, das Johannismännchen, bekränzt.

Ohne Angabe des Tages wird berichtet, dass die Schaffhäuser Kinder Kränze und Blumensträuße in den Rhein werfen, indem sie rufen: „Gigampf Wasserstampf47)!“ In den Ilkenborn bei Sievershausen werfen die Kinder außer anderen Gaben auch Blumen.

Hervorhebung verdient endlich der in den Ostseebädern bestehende Brauch der Frauen, bei ihrem letzten Bade der See ein Dankopfer zu bringen. In Swinemünde werfen sie dann einen Kranz in die Wellen. Nehmen diese ihn mit hinaus, so ist es ein Zeichen guten Erfolges der Bäder.

Gleiches wird aus Memel und anderen preußischen und kurischen Badeorten berichtet. Die Opfergaben sind Blumen, Kränze, auch kleine Münzen. Die Badefrauen glauben, eine weiße Frau zuweilen in der See zu sehen, die nach dem Lande hin winke, denn eine der Badenden müsse in jedem Jahre sterben, damit die anderen genesen können.

Eine uralte Opferspende an die Götter sind zubereitete Speisen, von denen die Naturvölker wie die kultivierten glaubten, dass die Unsterblichen sie gern genössen. Heute noch werden in deutschen Ländern den Hausgeistern für die Nacht Speisen auf den Herd gesetzt; auch für die armen Seelen geschieht es. So finden wir denn auch den Wasserelben Speisen dargebracht.

Eine Beichtfrage im Corrector Burchardi c. 57 ist: Hast du Brot oder irgendein Opfer zu den Quellen gebracht oder dort gegessen?

In den Reinhardsbrunnen bei Göttingen warfen die Kinder früher besonders zu Pfingsten Kuchen oder Zwieback und die Mütter oder Mägde sagten den Kleinen dabei, das sei für die ungeborenen Kinder, die in dem Brunnen säßen. Ebenso warfen oder werfen die Kinder Brot und Zwieback außer den Blumen in den Ilkenborn bei Sievershausen. Dem Diemelnix (Diemling) wirft man jährlich Brot und Früchte ins Wasser, ebenso wird in den Neckar Brot geworfen. Die Kinzich bei Hanau muss jährlich einen Laib Brot und ein Mäßchen Salz erhalten, sonst ruft es am Ende des Jahres: „Die Zeit ist um und der Mensch ist noch nicht da!“, worauf, wie wir wissen, bald ein Mensch ertrinken muss.

In den Bauernhöfen um Reichenberg in Böhmen in gutdeutscher Gegend wirft am Gründonnerstage ein Knecht vor Sonnenaufgang, nachdem er sich schweigend im fließenden Wasser gewaschen, ein mit Honig48) bestrichenes Brotstück in den Brunnen, ein anderes in die junge Saat. Anderwärts am Gründonnerstag wird etwas Honig nur in den Brunnen geworfen, damit das Wasser frei von Ungeziefer und immer rein bleibe.

In der Oberpfalz hält man es für schädlich, im Winterhalbjahr aus den offenen Brunnen zu trinken, weil dann die Kröte nicht drinsitze, die im Sommer das Gift aus dem Wasser an sich zieht. Will man dennoch trinken und keinen Schaden nehmen, so werfe man drei Brotkrumen zuvor hinein oder blase dreimal hinunter.

In Oberösterreich werfen am Tage des hl. Nikolaus, ihres Patrons, viele Müller alte Kleider49), Esswaren usw. ins Wasser, um das ganze Jahr über mit dem Wassermann gut zu stehen.

In der Wetterau und in der Oberpfalz wirft man, um die Leiche eines Ertrunkenen zu finden, einen frischen Brotlaib in das Wasser, in Böhmen steckt man außerdem eine geweihte Kerze in ein dem Brote eingeschnittenes Loch. Wo das schwimmende Brot, das als Opfergabe den Wassermann zur Herausgabe des Toten bestimmen soll, stehenbleibt, dort liegt die Leiche.

Im Salzburgischen wurden am hl. Weihnachtabend die Elemente gefüttert: in die Luft streute man Mehl, in die Erde vergrub man etwas Speise und in das Wasser und das Feuer warf man ebenfalls Essbares.

In Mähren legen sie am Heiligen Abend (Weihnachten) von jeder Speise einen Löffel voll auf einen besonderen Teller und schütten nach dem Essen alles in den Hausbrunnen. Der es tut, spricht: „Der Hausvater grüßt dich und lässt dir durch mich sagen: Brünnlein, genieß mit uns das Festmahl, aber dafür gib uns Wasser in Fülle. Wenn in dem Lande Durst herrschen wird, dann treib ihn mit deiner Quelle aus!“ Auch sucht man dabei die Zukunft zu erforschen und spricht: „Brünnlein, Brünnlein, ich bringe dir das Abendmahlchen, sage mir die Wahrheit was geschehen werde.“

Ganz stimmt zu diesem tschechischen Brauche, was von dem Isländer Thorstein Rotnase (raudnefr) erzählt wird, der seinen Hof nahe bei einem Wasserfall hatte. Er opferte dem Geiste des Wasserfalls stets die Reste der Mahlzeit und erkundete dabei die Zukunft. In der Nacht, da er starb, stürzten sich seine Schafherden (20 Großhundert = 2400 Schafe) in den Wasserfall: sie gingen zu ihrem Herren, der nun unter dem Wasser wohnte.

In Luxemburg wird am fünften Sonntag nach Ostern von Skrofelleidenden und Augenkranken bei dem Quirinusbrunnen vor der Stadt getrocknetes Schweinefleisch50) geopfert.

Gregor von Tours berichtet in seiner Schrift De gloria confessorum c. 2 der Wallfahrt zu dem See auf dem Berge Helanus im Gabalitaner Bezirk (Departement de Lozère) und den verschiedenen Opfern, die dem See gespendet wurden und nennt unter anderem Käse, Wachs und Brot. Käseopfer kann ich aus Deutschland nicht nachweisen, wohl aber aus Schottland, wo auf dem Gipfel des Minch-muir in Peeblesshire eine Quelle wegen des hineingeworfenen Käses Cheesewell hieß nach dem Zeugnis von Walter Scott, On the fairies § 6.

Bekannt ist allgemein, dass im alten Italien in Quellen und als heilkräftig geltenden Seen Münzen, Silbergefäße, kleine Götterbilder und Nachbildungen der geheilten Glieder der Gottheit des Ortes geopfert wurden, so gut wie in Tempeln. Funde in Quellen und Seen zeugen gleich den Inschriften dafür. In den römischen Provinzen geschah es ebenso. So sind, um nur einiges aus Deutschland anzuführen, in dem Pyrmonter Brunnen silberne Schmucksachen (Fibeln) und ein silberner Becher mit Inschrift gefunden worden, römische Münzen in der Quelle von Dux in Böhmen, in dem Schwalheimer Mineralbrunnen in der Wetterau, in einem Brunnen zu Waidmannsdorf bei Klagenfurt römische Münzen und eine Fibel. Aus Schweizer Heilquellen, so zu Baden im Aargau, Leuk, aus der Brunnenquellgrotte zu Biel, aus dem Salzbrunnen von Niederbronn im Elsass sind römische Münzen, meist Kupfermünzen der Kaiserzeit, zu Hunderten herausgekommen. Ein Nachspiel war der Bajocco, den die deutschen Maler beim Abschied von Rom in die Fontana Trevi warfen, als Opfer, das ihre Rückkehr verbürgen sollte.

Der Brauch ist nicht erloschen, denn der Gläubige, der in den Heiligenstock der Kirchen und Kapellen Opfergeld tut, wirft es auch dankbar in das heilkräftige Wasser. In Frankreich, in der Bretagne, in Wales, Irland, Schottland, auf der Insel Man und den Hebriden werden von Kranken noch heute kleine Münzen in Quellen, Bäche und Seen geopfert. Aus Schweden, Russland, Indien ist Gleiches berichtet. In Estland empfangen die sogenannten Wetterquellen Geldopfer, damit sie keinen Hagel über die Felder schicken. In Norwegen ist es bis in das 18., ja bis in das 19. Jh. üblich gewesen, Münzen in die heiligen Quellen zu werfen, nachdem man zur Genesung daraus getrunken hatte. Selbst die Silbermünzen blieben unangetastet darin liegen, denn man glaubte, Unglück werde den treffen, der sich daran vergreife. So hatte sich in der Haugsquelle bei der Filialkirche Trömborg in Eidsberg ein kleiner Schatz angesammelt, den aber die Schweden 1814 ausraubten. In die St. Olafsquelle bei der Vaalerkirche taten die Kranken bis gegen 1830 Münzen (penge) und anderes Silber. Außer den Münzen wurde auch hier und da ein Kleidungsstück oder wenigstens ein Lappen an der Quelle zurückgelassen. Darüber weiterhin.

Aus Deutschland kenne ich nur zwei Beispiele für volkstümliches Fortleben dieses Geldopfers, und zwar an Wöchnerinnen geheftet. Im Vogtlande glaubt man, dass Geld, das eine Wöchnerin in den Brunnen tut, reichlichen Fluss des Wassers bewirke und im benachbarten Deutsch-Böhmen heißt es, eine Wöchnerin solle beim ersten Ausgange, wenn sie über eine Brücke geht, einige Geldstücke in den Bach werfen, damit ihr der Wassermann das Kind nicht ins Wasser ziehe.

Das Opfer von Kostbarkeiten an die Wassergottheiten hat aber deutscher abergläubischer Brauch bei großen Gefahren festgehalten, die man fürchtete. Als die Quelle der Blau (der Blautopf) in Blaubeuren in Schwaben im Jahr 1614 so stark anschwoll, dass man eine Überschwemmung besorgte, veranstaltete man einen allgemeinen Bettag und zog zu der erzürnten Quelle. Da warf man zwei vergoldete Becher hinein und das Toben des Wassers hörte auf. In der ehemaligen Gruftkirche in München, die bis 1805 in der Gruftgasse stand, wurde nach Münchener Sage alle Tage eine Messe wegen des Walchensees gelesen und alle Jahre ein goldener Ring geweiht, der in den See geworfen ward, damit der Walchensee nicht ausbreche und ganz Bayernland überschwemme. Noch um 1850 erzählte man sich in München, dass die Herzöge von Bayern beim Regierungsantritt an den Walchensee fuhren und in seine tiefste Stelle einen goldenen Ring versenkten, um die Seegeister zu versöhnen und das Land vor Wassergefahr zu bewahren51).

Auch in den Ammersee soll jährlich nach einem hl. Amte ein goldener Ring geworfen worden sein, damit er nicht über Bayernland sich ergieße.

Wenn auf dem Dreisesselberge im Böhmerwalde der See durch hineingeworfene Steine erzürnt wird, beschwichtigt man ihn durch einen goldenen Ring.

Der Lachtelweier unweit Kirchberg im Masmünstertal im Elsass ist eins der bösen Gewässer, die jährlich ein Menschenopfer verschlingen. Die armen Selen der Ertrunkenen gehen bis zum Weltende um. Sie wären alle zu erlösen, wenn jemand einen goldenen Teller in das Wasser würfe. Eine Umgestaltung des ursprünglichen Sinnes des Opfers ist hier durch den katholischen Volksglauben vollzogen.

Es sei endlich erlaubt, an das Opfer des alten Heiden Tiberius zu erinnern, der nach Sveton die goldenen Würfel, mit denen er an der Quelle des Aponus bei Padua über sein Schicksal hatte losen lassen, in die Quelle opferte. Zu Svetons Zeit sah man sie noch darin liegen.

In der Bretagne, in Cornwall, Wales, Schottland, Irland gibt es Quellen, in welche seit ältester Zeit und noch jetzt Nadeln (pins) geworfen werden, und die man daher pinwells genannt hat. Es liegt wohl am nächsten, die Nadeln gleich den Münzen und den Blumen für ein Opfer an den Brunnengeist zu nehmen. Da bei dieser Gabe ein Wunsch ausgesprochen oder gedacht wird52), der gewöhnlich auf Liebe und Heirat geht, so erscheint jene Ansicht bestätigt. Aus der Richtung der Nadelspitze nach der Himmelsgegend, die sie im Wasser nimmt, wird auf die Erfüllung des Wunsches geschlossen. Von der St. Aelianquelle bei Bettws Abergeley in Denbighshire in Wales wird eine Zauberhandlung mit einer in das Wasser geworfenen Nadel und einem Kiesel berichtet.

Man hat auch daran gedacht, dass die Nadel zur Befreiung von einer Krankheit dienen solle, und ein von E. S. Hartland angeführter Bericht des Prof. Rhys bezeugt, dass mit der Nadel die Warze, die man loswerden wollte, durchstochen und dann die Nadel, nachdem man sie gekrümmt, in die Quelle geworfen wurde. Auch ohne die Durchstechung wird das Opfer einer Nadel durch kranke Kinder an die St. Bedaquelle zu Monkton bei Jarrow für das 18. Jahrhundert bezeugt. Die Krümmung der Nadel ist allgemein; in den walisischen Quellen liegen immer crooked pins.

Aus der Bretagne von dem altberühmten Brunnen von Berendon (Barenton im Walde Brezeliande) bezeugt Villemarqué, dass die Kinder in denselben Stecknadeln mit dem Sprüchlein würfen: Ris donc fontaine de Berendon et je te donnerai une épingle.

Erwähnt sei die Meinung von Edward Sidney Hartland, die er in dem Kapitel Sacred wells and trees des 2. Bandes seiner Perseuslegende zu beweisen suchte, dass diese Versenkung einer Nadel ins Wasser gleich dem Einschlagen von Nägeln in Bäume, dem Werfen von Steinen und Holzscheiten auf einen Haufen, dem Hängen von Kleiderstücken und Lappen auf Sträucher und Bäume eine religiöse Zeremonie sei, welche die Vereinigung des Menschen mit dem göttlichen Geiste der Quelle, der Steine, der Bäume bedeuten solle. Ich meine aber, dass die hier zusammengestellten mystischen Handlungen sehr verschiedenen Grund haben und nicht vermischt werden dürfen. Ich vermag in diesen Nadeln nur eine Opfergabe zu sehen, teils um ein Orakelzeichen, teils um Befreiung von einem Leiden zu gewinnen. Durch die gebogene Nadelform wird man an die Fibeln erinnert, die den Nymphen wie anderer Schmuck geopfert wurden.

Weihegaben von Nadeln sind mir in deutschem religiösem Brauche aus Quellen nicht bekannt worden, ebenso wenig solche von Nägeln. Dieselben kommen in bretonischen und englischen Quellen vor. St. Maudez, ein bretonischer Heiliger, heilt die clous aux membres (Furunkel); daher opfert man ihm clous à lattes, Schindelnägel; sie dürfen aber weder gezählt noch gewogen werden. Eine Quelle, zu der deshalb gewallfahrtet wurde, fließt bei der zerstörten Kapelle von Trébry in der Hochbretagne. Hier ist das Nagelopfer ein sympathetisches Mittel: es ist das alte elavo clavum eicere.

In der Grafschaft Kent gibt es nach Brand jene auch bei uns sehr bekannten aussetzenden und auf Fruchtbarkeit oder Teuerung vordeutenden Quellen, deutsch ‚Hungerquellen’ genannt, die dort von dem Nagelopfer Nailbournes heißen. Wahrscheinlich wollte man das Böse, das mit dem Fließen dieser Quellen verbunden war, durch die Nägel festhalten, annageln. Es waltet also hierin derselbe Glaube wie in Rom, wonach Nägel als Heil- und Sühnmittel dienten, zum Festnageln (defigere) von Krankheit und Zauber. In diesem altrömischen Sinne ist das Nageln in Holz und in Stein auch aus deutschen Landen zu erweisen. In dem Kremstal in Oberösterreich ist die Scheunenwand eines Bauernhofes bei Kirchdorf mit Hunderten von Hufnägeln bedeckt, die alle als probates Heilmittel der Zahnschmerzen durch einen bäuerlichen Wundermann eingeschlagen worden sind. Mit Recht hat Dr. Joh. Huemer in Wien, dem wir jene Mitteilung verdanken, an den bekannten Stock im Eisen in Wien erinnert, dessen Benagelung auch aus mystischem Grunde zu erklären ist, wie schon R. Andree gesehen hat. In Immenstadt im Allgäu schlägt man karfreitags vor Sonnenaufgang drei Nägel in eine Buche, um von Zahnweh befreit zu bleiben.

Den benagelten Holzwänden und Baumstämmen stehen gleichbedeutend die Nagelsteine53) zur Seite, die sich westlich von der mittleren und unteren Saale, ungefähr von Apolda bis Zerbst, in ziemlicher Menge in Städten und Dörfern erhalten haben. Es sind gefrittete Sandsteine aus der Braunkohlenformation, deren Hornspalten das Einschlagen erleichtern. Nach der Volksmeinung ist das Benageln nur im Gewitter oder Platzregen möglich, wenn der Stein weich werde. Manche dieser Steine sind mit mehr als hundert oder nach volkstümlicher Schätzung mit Tausenden von Hufnägeln besetzt. Die Benagelung bezweckte die Heilung von Krankheiten. In die sogenannte Speckseite bei Aschersleben, die an der alten Straße von Braunschweig nach Leipzig liegt, musste jeder Rosskammknecht und jeder Handwerksbursch, der zum ersten Mal die Straße zog, einen Nagel einschlagen, gerade wie in den Wiener Stock im Eisen.

Als mystischen Einwurf in Quellen kenne ich, wie schon gesagt, die Nägel aus Deutschland nicht.

Dagegen sind Hufeisen in Quellen und Bächen in Schlesien und dem Vogtlande zu erweisen. In Schlesien wurden sie aus der Umgebung des alten Silingerberges, des Zobten und seines Nachbarn, des Geiersberges, bekannt. Zu Schlaupitz, Kr. Reichenbach, warf man früher Pferdeeisen in den Aspenborn, eine stark eisenhaltige Quelle und im Schwemmlande eines dortigen Baches stieß man etwa einen Meter tief auf mehr als dreißig Hufeisen der verschiedensten Form. Beim Schlemmen des Füllengraben, eines Wasserlaufs, an dem der Nachtreiter mit seinen Hunden oft erscheint, bei Striegelmühle am Zobten, fand man ein Lager von Hufeisen (Am Urquell 2, 189). Auch sonst in Schlesien sollen gleiche Funde gemacht sein. In Hirschberg war es nach mündlicher Mitteilung noch vor 30-40 Jahren Brauch, in die Hausbrunnen Hufeisen und anderes Eisenzeug zu werfen, in der Meinung, das Wasser zu bessern, oder wie in Schlaupitz vom Aspenborn gesagt wird, es zu härten.

Im Vogtlande hat man altertümliche Hufeisen, sogenannte Schwedeneisen, im Quellborn des ausgegangenen Dorfes Rückersdorf gefunden, ferner im Quellschlamm von Tinz bei Gera, bei einem Wallgraben unfern Struth, im Kroatengraben bei Ziekra, ebenso auf sumpfigen Wiesen zwischen Letzendorf und Endschütz und bei Tautenhain.

Sonst kann ich einen entsprechenden Fund nur aus der holländischen Provinz Utrecht nachweisen54). Bei Arbeiten an dem kleinen Fort Nieuwersluis an der Vecht wurde 2 ½ Meter tief der Rest eines Hochmoorwäldchens gefunden und zwischen den Baumstämmen eine große Menge altertümlicher Pferdehufeisen, die nach dem Urteil Sachverständiger von den Hufen abgerissen worden sein mussten.

Man könnte die Hufeisen, die in Brunnen gefunden wurden, als Opfergabe deuten, die reichlichen Wasserfluss von dem göttlichen Wesen erwirken solle. Indessen muss man sich doch wohl daran erinnern, dass die Hufeisen als Glück bringende Talismane gelten, weil sie ein Schutz gegen Truden, Hegen und alle bösen Geister sind55) und deshalb auch an die Türen von Häusern und Kirchen, an Masten und an Grenzsteine angeschlagen wurden und werden. Noch heute sieht man in Hamburg Hufeisen an die Pferdeställe angenagelt, damit sich der böse Geist nicht hineinwage. So mögen denn in der Absicht, die Brunnen gegen feindliche verderbliche Dämonen zu schützen, die Hufeisen in sie versenkt worden sein. Vielleicht wirkte noch eine besondere Beziehung auf die Pferde dabei mit. Von dem Heilborn bei Heilsberg in Thüringen ward erzählt, dass er von dem beinkranken Rosse des hl. Bonifaz ausgescharrt worden sei, das durch das Wasser des entspringenden Borns geheilt wurde. Zum Andenken sei das Hufeisen des Pferdes an die Kirchtür genagelt worden. Zu dem Gangolfsbrunnen bei Neudenau in Baden brachte man früher auch kranke Rosse, wusch sie mit dem Wasser und nagelte ein Hufeisen an die Kapellentür. In den Felsspalten am Rheinfall bei Schaffhausen soll man Hufeisen und Pferdeknochen gefunden haben. Es könnten also wohl die Hufeisen in Quellen und Bächen ein Opfer für die Genesung kranker und die Gesundheit frischer Pferde sein, gleich den Hufeisen und Eisenbildchen bei den bayrischen Leonhardskirchen56).

Dunkler kann die Bedeutung der Steine oder Kiesel sein, die in heilige Quellen gelegt wurden. Aus deutschem Volksgebiet kann ich nur das Jungfernbrünnel am Kahlenberge bei Wien anführen, in das eifrige Lottospieler einen weißen Stein hineinlegen. Nach einem Gebet nehmen sie ihn wieder heraus und stecken ihn zu Hause unter ihr Kopfkissen. Sie sollen dann jede Woche fünf Nummern davon ablesen können, die sicher gezogen werden. Mehr erfahren wir aus Schottland, von der Insel Man und aus Wales. Auf Man, dem zwischen Irland und Schottland gelegenen Eiland, kommen weiße Kiesel in oder neben Quellen häufig vor. Man hat sie auch auf Kirchhöfen einige Fuß unter dem Boden gefunden, ja auch in Grabhügeln der Bronzezeit lagen etwas größere Kiesel um die Urnen. Alle diese Steine gelten als Glück bringend, und die Fischer nehmen daher einen weißen Stein in ihrem Bote auf die Fahrt mit. Bei der St. Runyquelle (Chibbyr Uney) zu Baldwinsdorf in der Pfarre Malew auf Man legen die, die zu arm sind, um Geld zu opfern, drei weiße Kiesel nieder. In den holy pool von Strathfillan in Pertshire in Schottland wurden nach einem Bericht von 1798 neun Steine gelegt und von dem Kranken, nachdem er gebadet, wieder herausgenommen. Er trug sie danach auf den Hügel nebenbei zu den drei Steinhaufen (cairns)57), indem er jeden derselben dreimal umschritt und jedes Mal einen Stein hinwarf. War es ein äußerer Schade, woran der Kranke litt, so ward außerdem die Bekleidung des leidenden Körperteils auf einen der cairns geworfen, sodass man Unterröcke, Jacken, Nachtkappen, Mützen, Schuhe, Handschuhe usw. dort herumliegen sah.

Hier dienen die Steine zu einer Heilungszeremonie. Bei der abergläubischen Gaukelei an der St. Aeliansquelle unfern Bettws Abergeley in Denbighshire in Wales werden außer einer Nadel auch Kiesel verwendet, um einem Feinde zu schaden. Diese Steine werden also zu Weissagung, Heilung und Zauber nach den angeführten Beispielen gebraucht. Sie sind keine bloßen Opfergaben, obschon sie in einzelnen Fällen kleine Münzen ersetzen, sondern mögen Reste eines uralten Steinkultus sein, der sich hier mit dem Quellkult verbunden hat. Jeder Pilger zu der St. Wolfgangskapelle am Abersee im Salzkammergut, in der der hl. Brunnen quillt, nimmt einen Stein mit hinauf, weil es heißt, dass dem Heiligen eine große Kirche gebaut werden solle, sobald Steine genug oben wären. Diese junge Umdeutung fehlt dem entsprechenden böhmischen Brauche bei der Wallfahrtkapelle auf dem Berge Tabor im Jiciner Kreise. Die wallfahrenden Männer nehmen hier von dem Brunnen unten am Berge jeder einen Stein mit hinauf und legen ihn zu dem dort befindlichen Steinhaufen. Der Zusammenhang des keltischen und deutschen Ritus ist deutlich; ob der dem deutschen ganz entsprechende tschechische echt slawisch oder aus dem deutschen entlehnt ist, sei dahingestellt.

Mit der Zeremonie an dem heiligen Teiche (holy pool) von Strathfillan verband sich die Niederlegung von Kleidungsstücken auf die Steinhaufen58). Gewöhnlich geschieht es bei den sogenannten Lappenbäumen, den weit verbreiteten Spaltbäumen, durch welche Leidende hindurchkriechen, um sich von Gebresten59) zu befreien. Aber auch bei heilsamen Quellen treffen wir auf den nahen Bäumen und Sträuchern die Lappen und Kleiderteile. Man wird den uralten und weit verbreiteten Brauch, an geweihter Stätte ein Stück des Gewandes niederzulegen oder aufzuhängen, nicht in allen Fällen gleich deuten dürfen. Sicher war es häufig nur ein Dank- oder Bittopfer. Das bezeugt schon Horaz, indem er die nassen Kleider dem mächtigen Meergotte mit einer Votivtafel an der Tempelwand aufhängt (me tabula sacer / votiva paries indicat uvida / suspendisse potenti vestimenta maris deo); ferner Gregor von Tours in der Schilderung der großen Wallfahrt zu dem See auf dem Berge Helanus (De gloria confessorum c. 2), wonach die Landleute leinene Kleider hineinwarfen und Gewandstoffe opferten, während andere Schaffließe, Käse, Wachs, Brot, jeder nach Vermögen, weihend in das Wasser versenkten. Aus der Gegenwart bezeugt es der früher schon erwähnte Brauch vieler Müller an der Ips in Oberösterreich, alte Kleider und Esswaren in den Fluss zu werfen, um vom Wassermann Frieden für das Jahr zu erhalten. Im Erzgebirge sucht man das Leben eines im Zeichen des Wassermanns geborenen Kindes dadurch zu retten, dass man dem Wassermanne ein getragenes Kleid des Kindes in den Fluss oder Teich wirft.

Nicht als Opfer, sondern als mysteriöses Mittel der Heilung dienen die Kleidstücke in vielen anderen Fällen, wo sie an Quellen sich finden. Bei dem Schlosse Crayenhoven in Neder-Hembeck in Flandern steht neben einer Quelle, die Fieber heilt, eine Kapelle. An der Kapellentür sind zahlreiche Strumpfbänder angeheftet, die das Fieber dort festbinden sollen. Ganz gleichen Sinn hat der Gebrauch an der Quelle des hl. Petrus in vinculis in Rosson, Com. de Dosches (Frankreich), aus der Fieberkranke trinken, ein Weidenband (lien d'osier) zu opfern.

Ausführlich wird die Zeremonie der Übertragung der Krankheit auf die Lappen oder Fetzen von der Chibber Undin (foundation well) in der Pfarre Malew auf der Insel Man beschrieben: Die Kranken nahmen einen Mund voll Wasser aus der Quelle und behielten es drin, bis sie zweimal (?) mit dem Laufe der Sonne (sunways) um die Quelle gegangen waren. Dann nahmen sie einen Fetzen von einem Gewandstück, das sie getragen, tauchten ihn in die Quelle oder benetzten ihn mit dem Mundwasser und hingen ihn auf einem nahen Strauche auf. Hiernach wurden Nadeln, Knöpfe, Kügelchen, Kiesel in das Wasser geworfen und gebetet, wobei man die Krankheit nannte, von der man befreit werden wollte. Sobald der Lappen verfault war, verging auch die Krankheit. Nahm jemand einen solchen Lappen von dem Strauche oder Baume weg, so bekam er die Krankheit dessen, der den Fetzen dorthin gelegt hatte.

In den keltischen Teilen Großbritanniens sind die Quellen, an denen zum angegebenen Zweck Lappen (rags) aufgehängt werden, häufig.

Auch aus Norwegen lässt sich der Brauch, ein Kleidungsstück oder wenigstens einen Lumpen an den heiligen Quellen zurückzulassen, bis in neue Zeit nachweisen. An der Haugsquelle bei der Filialkirche Trömborg in Eidsberg fand man noch bis 1882 ab und zu Kleidungsstücke hingeworfen. Für die St. Margrethenquelle bei Urskogkirchen ist der Brauch aus dem 18. Jh. bezeugt.

Auch in Deutschland hat die abergläubische Sitte gelebt. Solche Lappenbrunnen sind der Plünnekenborn bei Braunschweig, von dem es heißt, er sei nur denen heilsam, die etwas an die Sträucher hingen; der Zudelborn im Kerschgraben, Stuhlach gegenüber im Vogtland, der wie jener von den Plünnen, so von den Zudeln (Zotteln, Fetzen) benannt ist, die man noch vor nicht langer Zeit an den Sträuchern daneben hangen sah. Man konnte auch daraus trinken, wenn Ungeziefer drin war, sobald man nur einen alten Lappen aufhing. Das heilige Brünnlein an der Westseite des Braunertsberges, ganz nahe dem Zollern in Schwaben, ward noch vor Kurzem von vielen, die an Zahnweh, Kopfreißen, Läusekrankheit und dem Fluck (Rotlauf) litten, aufgesucht und man sah zahllose Lumpen, Hemden, Tücher, Hauben, Halsbinden, Bänder und dergleichen herumhängen. Zu Basel und zu Sierenz gab es einen Lumpelbrunnen und zu Ürzlikon im Kanton Zürich einen Hudlerbrunnen, ferner zwischen der Birsquelle und der Pierre Pertuis eine Fontaine de chiffel, wie es denn in Frankreich mehr als eine Fontaine au chiffon gibt. An dem Brunnen des hl. Event in La Malhoure in der Niederbretagne, die den Kopfgrind heilt, werden Mützen geopfert; an dem des hl. Quéteu in Penquily gegen Leibweh Bänder.

In Böhmen zieht die Quelle Keltna unterhalb Auhonic viele Kranke zu sich. Sie waschen ihre leidenden Glieder mit Leinenlappen, die in der Quelle eingetaucht sind und legen sie danach auf einen Felsblock nahebei. Dort bleiben dieselben liegen. Beim Weggehen dürfen die Kranken nicht rückwärts schauen. Auch der Brunnen der Panna Lida bei Podmokl ist ein Lappenbrunnen, worin sich die Leidenden waschen und die dabei gebrauchten Linnenstücke auf den Bäumen daneben aufhängen.

Am Ende der verschiedenen Verehrungen der Quellen sei der Lichter gedacht, die an ihnen angezündet wurden. Die Kirche eiferte auch gegen diesen Brauch als heidnisch und Karl der Große nahm das Verbot der Beleuchtung von Bäumen und Quellen in das Capitulare von 789 auf. Im 57. Paragraph des Corrector Burchardi wird der Beichtende gefragt, ob er ein Licht oder eine Fackel zur Verehrung an Quellen oder Steinen oder Bäumen angezündet habe

Bis in die Gegenwart haben sich Spuren dieses Kultus erhalten, der wohl durch den kirchlichen Brauch, vor Heiligenbildern auch außerhalb der Gotteshäuser Kerzen anzuzünden, genährt ward. An dem sehr kräftigen Heilebrunnen zu Oberbronn im Elsass steckte man am Weihnachtabend Wachsstümpfchen auf. Noch im 19. Jh. hielten in der Schweiz in manchen Orten des Kantons Zürich und auch sonst die Spinnerinnen ihre Stubeten an dem beleuchteten Dorfbrunnen. In Frankreich zündete man noch in neuer Zeit an heiligen und heilsamen Brunnen Lichter und Fackeln an. So wird an der Quelle des hl. Ujane (Eugene) in Morieux in der H. Bretagne bei der Opferung von Nadeln eine Kerze angezündet.

Auch dem vom Ganges bekannten Brauch, Lämpchen den heiligen Strom hinabschwimmen zu lassen, begegnet man in der Schweiz. Noch im 19. Jahrhundert setzte man am Fastnachtssonntag, wenn der Stadtbach eisfrei war, in Winterthur kleine mit Lichtern besteckte Schifflein auf das Wasser, die zum Ergötzen des Volkes darauf hinabschwammen. In Glarus, dessen Landespatron St. Fridolin ist, lässt die Jugend am Fridolinstage (6. März) kleine Holztröge und Schiffchen mit Lichtern auf Quellen und Bächen schwimmen. Auch anderorten war es in der Schweiz bis vor Kurzem Brauch (hier und da besteht er noch), im Frühlingsmonat, wenn die Wasser offen geworden, an örtlich verschiedenen Tagen Lichter und Lichtstümpfchen, auch wohl Kienspäne und Strohwische auf ein Brett zu befestigen und unter Jubel und Gesang den Dorfbach hinabfließen zu lassen. Gleiches geschieht in Aarau im September nach der Reinigung des Surbaches, wenn er wieder in sein Bett gelassen wird. Dazu singt man:

Füerjô, der Bach brünnt,
D'Surer händ en âzündt,
D'Aarauer händ ne g'lösche,
D'Chüttiger rite-n-ùf de Frösche!

In Böhmen lassen Knaben am Abend des Festes des hl. Johann von Nepomuk (16. Mai) Brettchen mit brennendem Pech die Moldau hinabschwimmen.

Zum Schluss möge die Verehrung der Quellen kurz zusammengefasst werden.

Man nahte sich der heiligen Stätte mit den Zeichen der Ehrerbietung. In Baden bei Wien bestimmte noch im 17. Jahrhundert die Badeordnung, dass der zu strafen sei, der die heiße Quelle nicht mit entblößtem Haupte beim Ein- und Ausgange grüße und segne. Auch galt es für sträflich, das wohltätige Bad nur ein Wasser zu nennen60). Auch für die älteste Zeit werden wir Entblößung des geneigten Hauptes und vielleicht auch der Füße voraussetzen dürfen, dann wohl auch Niederknien an dem Brunnenrande.

Es durfte das Wasser nur vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang für Heiltränke geschöpft werden; es geschah schweigend, wie schon auf dem Gange zu der Quelle Schweigen geboten war. Nach dem Trank oder nach der Waschung ward der Born dreimal umschritten, wohl unter Gebet. Die Opfer versenkte man in das Wasser und sie blieben darin, wenn sie dasselbe nicht verunreinigten. Die Gewandstücke wurden, nachdem sie befeuchtet waren, in der Nähe an einem Baume oder Strauche aufgehängt, wo sie blieben, bis sie zerfielen. Wer solches Opfer gebracht, durfte sich beim Weggehen nicht umschauen.

Die dringende Hilfe suchten, gingen zu der Quelle, wenn es nottat, am liebsten in Norwegen am Donnerstage, dem Tage des Thor, des Quellenschöpfers. Große Wallfahrten geschahen an den heiligsten Zeiten des Jahres, in denen auch das Wasser am heiligsten und kräftigsten war. Dann strömte das Volk zu den berühmtesten Brunnen in Menge zusammen: die Umgebung derselben ward mit Laub geschmückt, die Quelle bekränzt, die Opfer gebracht, dann folgten Tanz und Wettspiele, Schmaus und Trank, wie bei den großen religiösen Festen. Die Beweise dafür haben die Abschnitte dieser Abhandlung gegeben.

27. Weit berühmt war die Quelle S. Keyne in Cornwall wegen der schönen Bäume über ihr: Quiller-Couch 107 f.

28. Müllenhoff, Schl.-Holst. Sagen Nr. 120, 126. Curtze, Volksüberlieferung aus Waldeck S. 268. Bartsch, Mecklenburg S. 1, 486. Knoop, Sagen a. Hinterpommern S. 97. Sagen aus Posen S. 36.

In Norwegen scheint das für das Tränken der Pferde nicht zu gelten. Von mehreren heiligen Quellen heißt es dort, dass der hl. Olaf sein Ross darin getränkt habe; die Bauern tränken an den ersten Feiertagen ihre Pferde in diesen Olafsquellen, wahrscheinlich um sie gesund zu erhalten, vgl. Bang, hell. Kilder S. 3 und dazu S. 4, 7. In dem Heilborn auf Gaarden Becker in Aas wurden auch kranke Pferde gewaschen, ebd. S. 2. Aus Deutschland kenne ich nur ein Beispiel für das Waschen kranker Pferde in einem heiligen Brunnen. Germania XI, 427. lm Übrigen verunreinigt auch das Baden der Rosse die Quellen.

Philos.-histor. Abh. 1898, 1

29. Ob das Poppendorfer Brunnenfest, das in der ehemaligen Reichsstadt Mülhausen i. Th. begangen ward (Rudorff in der Zeitschr. für geschichtliches Rechtswissenschaft XV, 221), zu diesen thüring.-sächs. Brunnenfegen gehört, konnte ich nicht erfahren. Die Frankenhauser Bornfeste sind anders.

30. Meine Abhandlung zur Geschichte des heidnischen Ritus S. 18, 22, 26, 30, 39

31. Bemerkenswert ist der von einigen norwegischen heiligen Quellen nachweisliche Brauch, kleine Holzkreuze dabei aufzustecken. Wer aus der St. Olafsquelle bei Veibust in Borgund trank, um Heilung zu finden, steckte ein kleines Holzkreuz dabei auf. Bei dem zahlreichen Besuch, den sie bis 1720 hatte, sah man zuweilen über hundert solche Kreuzlein (Bang S. 8). An der St. Olafsquelle bei Baerskogen im Aurdal legten selbst nur Vorüberwandernde ein kleines Holzkreuz nieder (Bang S. 4).

32. Christesbrunno in der Würzburger Markbeschreibung A. (8. Jahrh.); das Jesusbörnchen am Hörselberge (Witzschel 11, Nr. 136). Vgl. auch den Jesuswell bei St. Minver in Cornwall: Quiller-Couch, Ancient wells S. 90.

33. Auch in Frankreich gibt es bei zahllosen Kirchen Brunnen. Gegen die Behauptung von Viollet-le-Due, dieselben seien bei dem Kirchenbau und für denselben angelegt, hat sich schon H. Otte, Handbuch der kirchlichen Kunst-Archäologie 1, 362 (5. A.) mit Recht erklärt. Sie sind meist weit älter als die Bauten.

34. Abbildung nach Gailhabands Baukunst in Ottes Handbuch I, 362.

35. Noch vor vierzig Jahren waren diese eisernen Votivglieder und eisernen Tiere (namentlich Pferde und Kühe), als Weihegaben für die geheilten Tiere, im eisenreichen Obersteiermark bei manchen Gnadenkirchen häufig zu finden.

36. Vilmar Hess, Idiotikon 185; Insel, irdenes Wassergefäß, nur in der Obergrafschaft Hinau bekannt.

37. Auch in Frankfurt a. M. ist ein Pfingstborn auf der Pfingstwiese.

38. Schlossar, Kultur- u. Sittenbilder S. 60. Man gedenke des Pfingsttaus, der am Pfingstmorgen auf den Wiesen als Heil- und Schönheitsmittel gesammelt wird: Meine Abhandlung zur Geschichte des heidnischen Ritus S. 40.

39. Eine Augustin fälschlich beigelegte homilia de sacrilegiis herausgegeben von C. P. Caspari, Christiania 1886.

40. ubi fons aut rivus de capite exurget, quicumque ibi oraverit, sciat se fidem et baptismum perdedisse II, 3.

41. Hier scheint der Name ‚Hungerbrunnen’ die Veranlassung gewesen, sowie das bekränzte Brot, das auf dem Denkstein dabei zu erkennen sein soll, um die typische Sage an den Ort zu knüpfen.

42. Preller, Röm. Myth. II, 134 f. E. Curtius, Griech. Quell- und Brunninschriften, 154.

43. Bartsch, Mecklenburg Sagen Nr. 557. U. Jahn. Pommersche S. Nr. 186, 189. Deeke, Lübische Geschichten Nr. 200. Woeste, Volksüberlieferer S. 44. Lyncker, Hess. Sagen Nr. 109.

44. Vereinzelt steht der Bericht bei Deeke Nr. 200, dass der Gerufene gerettet wird.

45. Feilberg, Skaebentroen im Aarbog for danske Kulturhistorien 1897, S. 45 f. bemerkt dazu, dass die türkischen Juden glauben, ein Schwerkranker könne dem Tode entgehen, wenn er den Namen wechselt. Mit dem anderen Namen werde er selbst ein anderer.

46. Vgl. u. a. Panzer, Bayrische Sagen 2, 32. Im Salzburgischen sind diese Hühneropfer bei Gnadenbilderkirchen noch sehr üblich.

47. Aus R. Tanner, Heimatliche Lieder, von Rochholz, Alem. Kinderspiel angeführt.

48. Am Gründonnerstag muss man Honig essen (Böhmen, Lausitz, Schlesien).

49. Darüber unten S. 65 f.

50. Schinken werden auch in der Jobskapelle auf dem Kohlenberge bei Beckerich von solchen, die an Geschwüren leiden, geopfert (Gredt Nr. 885).

51. Der sogenannte Vermählungsring des Dogen von Venedig war eine Opfergabe an die Adria, um sie der Stadt und ihrer Schifffahrt gnädig zu stimmen.

52. Denham, Tracts, edited by James Hardy II. 153 f., London 1895. Gomme, Folklore in Ethnology, S. 81.

53. H. Größler, Altheilige Steine in der Provinz Sachsen, Halle 1896, S. 1-39.

54. Baron Sloet hat darüber gehandelt in den Verslagen en Mededelingen der Akademie van Wetenschappen. Amsterdam 1885, Letterk. 3. R. 2. D. S. 315-343.

55. E. H. Meyer, Germanische Mythologie S. 58 f. 252. Wuttke, Abergl. § 176. Chr. Petersen, Hufeisen und Rosstrappen, Kiel 1865. (Jahrb. f. d. Landesk. d. Herzogt. Schleswig Holstein Lauenb. VIII, 166 ff.).

56. Auch Baron Sloet kommt a. a. 0. S. 318 f. zu einer gleichen Deutung.

57. Über die Steinhaufen mit religiös-monumentaler Bedeutung vgl. u. a. R. Andree, Ethnograph. Parallelen 1878, S. 46 ff.

58. Entsprechendes aus Syrien teilte M. Hartmann mit in Meiner Zeitschr. I, 101.

59. Nyrop, Dania I, 1-31. Gaidoz, Un vieux rite médicale, Paris 1892. Meine Zeitschr. I, 101; II, 81; III, 36. Meine Abhandlung zur Geschichte des heidnischen Ritus S. 37f.

60. Joh. Günther von Andernach, De balneis et aquis medicatis S. 68.

Nach: Abhandlungen der Koeniglichen Akademie der Wissenschaften in Berlin, 1898

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