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![]() Wie auf diesem historischen Stich vom Regensburger Dom, wurde das Tauf- und Weihwasser häufig aus altheiligen Brunnen innerhalb der Kirchen geschöpft. Stahlstich um 1840. |
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| Weihwasser in Religion und Volksglauben
Von Reinhard Hünnerkopf. 1. Allgemeines. Das Weihwasser ist ursprünglich heidnischen Kulten entnommen (s. Heiliwag) und dem christlichen anbequemt. Der moderne Katholizismus fasst es als bloßes Symbol auf, aber schon seit dem 4. Jh. wird es im Volke zu magischen Zwecken verwendet1). Das Weihwasser fault nicht2), man kann es in Flaschen und Krügen das ganze Jahr aufbewahren3), nach böhmischem Volksglauben sieben Jahre4). Auch der protestantischen Bevölkerung gilt es in manchen Gegenden als schützendes Mittel5). Es schützt vor allen Dingen vor Behexung (s. a. Fluss § 4); Teufel, Hexen und ähnliche Wesen erkennt man daran, dass sie das Besprengen mit Weihwasser nicht vertragen können6); in der Oberpfalz heißt es, wenn jemand beim Betreten oder Verlassen der Kirche nicht Weihwasser nehme, so tue es der Teufel für ihn und hüpfe und springe dabei vor Freude7). Weiterhin ist es ein symbolisches Mittel der Reinigung8), insbesondere von lässlichen Sünden9); s. a. Fluss § 2. 1) Meyer Aberglaube 189; Stemplinger Aberglaube 75 f. 2. Anwendung. Man besprengt mit Weihwasser Haus und Stall10), sich selbst bei Ein- und Ausgängen11), das Erntefeld12); wenn der Wedel, mit dem der Hausvater am Dreikönigstage die Felder besprengt, recht viel Eiszapfen trägt, so wird ein gutes Erntejahr13); ferner besprengt man den Erntewagen14), die Saat15), das Vieh16); in Böhmen17) verschaffen sich die Hirten dazu Weihwasser aus drei verschiedenen Pfarreien (s. a. Wasserguss); weiterhin den Sterbenden18), den Toten19) und den Sarg20). Das Besprengen des Toten mit Weihwasser feit die Erschienenen gegen alle Furcht vor dem Toten, dem Tode und etwaiger Ansteckung21). In Tirol geschieht es, 'dass keine unreinen Geister in seine Nähe kommen'22), in der Schweiz, 'dass die Seele sich ans kalte Wasser gewöhnen lerne'23). Wenn ein Toter im Haus ist, wehrt das in die Ecke gesprengte Weihwasser den bösen Feind ab24), und in Waldthurn wird, sowie die Leiche draußen ist, das bisher offene Fenster geschlossen und jedes Eckchen der Stube mit Weihwasser ausgesprengt, 'damit die Teufelchen, die bei jedem Sterbenden sich einfinden, vom Platze weichen'25). S. a. Wasser § 4. Gegen Hagel und Unwetter, das man sich von Hexen erregt denkt, sprengt man Weihwasser vors Fenster26). Die Wöchnerin darf sich nicht selber mit Weihwasser besprengen, die Hebamme oder die Leute im Hause müssen es tun, weil die Frau im Kindbett im alten Glauben als unrein galt27). Krankheiten, die von Dämonen verursacht sind, heilt man ebenfalls durch Bespritzen des Kranken mit Weihwasser28), oder die Hausschwelle wird mit Weihwasser besprengt, weil man annimmt, der Kranke sei vom Teufel besessen29). Das neugeborene Kind wird sofort mit Weihwasser bespritzt30); vgl. dazu auch die Wasserweihe der heidnischen Germanen (K. Maurer in Abh. Bayer. Ak. 1. Kl. 15 Abt. 3) und Odins Wasserweihe (Hávamál Str. 158); in Blaubeuren sprengt man Weihwasser ins erste Badewasser31). In vielen katholischen Dörfern Badens läßt man das Kind nicht ohne Besprengung hinaus32); größere Kinder darf man nachts nicht ohne vorherige Weihwasserbesprengung über die Straße bringen33). Das Kind, das den Tag über zu oft fällt, hat am Morgen sein Weihwasser nicht richtig bekommen34). Der heilige Wilfried von York badete sich gewohnheitsgemäß in Weihwasser35). Warzen werden mit Weihwasser gewaschen, gegen Sommersprossen nimmt man Weihwasser aus fremden Kirchen36). Der Landmann um Meßkirch umwickelt gern den vom Arzt bei einer Verrenkung des Pferdes verordneten Verband mit einer im Weihwasser getauchten Schnur37). Ausgegossen wird Weihwasser hinter dem Toten, der zur Tür hinausgetragen wird, dass er nicht wiederkehrt38); man schüttet es vor die Türe gegen Blitzgefahr39). S. Wasser § 4. In Munderkingen gießt der Mesner am Pfingstmontag das übrig gebliebene Weihwasser die Brücke in die Donau hinab; erst von dieser Zeit an badet man in der Donau40). Gegen den Schrättlig schüttet man Weihwasser in ein in der Türschwelle angebrachtes Loch, verschließt es mit einem Zapfen und verwehrt ihm so den Eintritt41). Eingenommen wird Weihwasser bei Krankheiten der Menschen und Tiere42). In Engelswies (Amt Meßkirch) gießt man dem Kind Weihwasser in die Milch, dass es eine weiße Haut bekomme43); der Kuh, die gekälbert hat44), den Kälbern bei den ersten drei Fütterungen45) gibt man Weihwasser in Milch; in der Eifel gab der Bauer seinem zuerst den Pflug aufs Feld ziehenden Tier ein in Weihwasser getauchtes Stück Brot, ebenso dem zuerst auf die Weide gehenden Rindvieh46). Auch ins Butterfass schüttet man Weihwasser47). Das Zahnen des Kindes wird erleichtert, wenn man den Saugpfropfen ins Weihwasser taucht48). Auch den armen Seelen wird bei verschiedenen Gelegenheiten Weihwasser gespendet, um ihre Qualen im Fegfeuer; zu erleichtern49). Über den Gebrauch des Weihwassers am Tage der Wasserweihe s. Heiliwag. 10) Drechsler 2, 249; Manz Sargans 49 f.; Meyer Baden 559; Wuttke 286 § 420. 3. Der Weihwasserkessel hängt vielenorts in jedem Hause bei der Stubentüre50); im Maas- u. Ruhrgebiet steckt man in manchen Häusern einige Reislein vom Palmbusch hinein51). Ein Schälchen mit Weihwasser überm Bett ist in der Gegend von Katscher (Schlesien) für alles gut52). In Westböhmen wirft der Hirt, wenn er am 1. Mai die Herde besprengt hat, das Weihwassertöpfchen mitten unter sie hinein; die Eigentümerin derjenigen Kuh, die hierbei getroffen wurde, musste dem Hirten ein Pfund Butter und ein Seidel Schmalz als Lohn verabreichen53). Bei der Ernte schneidet man zuerst drei Ähren ab und legt sie in den Weihwasserkessel54). Bei Hagelwetter stellt man den Weihwasserkessel auf die Straße, so dass der Hagel hineinfällt, dann bleibt man das ganze Jahr vor Wetterschaden bewahrt55). Wenn das Weihwassergefäß herabfällt, so bedeutet das nahen Todesfall56). 50) John Westböhmen 31; Schramek Böhmerwald 252; Meyer Baden 352. Reinhard Hünnerkopf über Weihwasser im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Bd. 9, Berlin 1927-1942. |
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| Wasser ist mehr als H2O
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