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![]() Für die Maya symbolisierte das Schneckengehäuse das Wasser, Leben und Fruchtbarkeit. Der alte Mann in dem Gehäuse stellt vermutlich den Mayagott dar, der die Welt beschützt. Späte Maya-Periode, 700-900 n. Chr., Höhe: 18 cm. The National Museum of Anthropology of Mexico. Foto: Klaus Kramer |
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Popol Vuh das heilige Buch des Quiché-Stammes der Maya
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Anmerkungen zum Popol Vuh Das Popol Vuh ist das heilige Buch des Quiché-Stammes der Maya. Das Werk, das auf alten indianischen Erzählungen basiert, berichtet über die mythische Geschichte des Quiché-Volkes, eines der wichtigsten Maya-Völker in Guatemala. Das Buch wurde nach 1550 mittels des lateinischen Alphabets in der Quiché-Sprache niedergeschrieben und ist heute nur in einer Abschrift aus der Zeit um 1700 erhalten. Die Bezeichnung Popol Vuh bedeutet 'Buch der Matte'. 'Matte' steht hier - wie auch in der aztekischen Sprache - für 'Herrschaft'. Mehr als die Hälfte des Werkes ist den vorspanischen Mythen gewidmet. Das Popol Vuh beginnt mit der Schöpfung der Welt und berichtet des Weiteren über die frühe Geschichte des Quiché-Stammes der Maya. Entsprechend dem indianischen Geschichtsverständnis beginnt der Text des Popol Vuh mit der Schöpfung der Welt, um nach der Schaffung der ersten Menschen in die anfangs legendenhafte Geschichte des Quiché-Volkes und seiner Fürsten überzugehen. kk |
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![]() Die Figur auf diesem Becher der Maya-Kultur stellt Tlaloc, den mittelamerikanischen Gott des Regens dar. In seiner linken Hand führt er den Blitz, in der rechten hält er ein Stück Tauwerk. Der Regengott galt bei den Maya als Bringer der Fruchtbarkeit und Beschützer der Ernten. Späte Maya-Zeit 1450-1521 n. Chr., Höhe: 18,5 cm. The National Museum of Anthropology of Mexico. Foto: Klaus Kramer |
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Der Schöpfungsbericht des Popol Vuh Dies ist der Bericht: Alles schwebte in Schweigen, alles war in tiefer Ruhe, bewegungslos und still und leer war der Himmel. Und dies ist die erste Kunde, die erste Aussage: Es gab noch keinen Menschen, kein Tier; es gab nicht Vogel, Fisch, Krebs, Baum, Stein, Höhle, Schlucht, Gras oder Wald. Einzig und allein der Himmel war da. Noch war das Antlitz der Erde nicht zu sehen. Nur das Meer staute sich, und der Himmel war da. Nichts war miteinander verbunden. Es gab keinen Laut, keine Bewegung unter dem Himmel. Nichts stand aufrecht. Nur das Wasser staute sich, nur das Meer verharrte in Ruhe. Sonst war nichts. Nur Bewegungslosigkeit und Schweigen in Finsternis und Nacht. Einzig und allein der Schöpfer, der Former, der Mächtige und Kukumatz1.), die erzeugen, die hervorbringen, waren über dem unendlichen Wasser, eingehüllt in grüne und blaue Federn; darum sagt man 'grüne Federschlange'. Große Weisheit, große Kunde ist ihr Wesen. Ebenso war wahrhaftig der Himmel da, das 'Herz des Himmels' war da: das ist der Gottesname. Und dessen Wort kam zum Mächtigen und zu Kukumatz in die Finsternis, in die Nacht und sprach mit dem Mächtigen und Kukumatz und sie sprachen, berieten, dachten nach; sie vereinigten ihre Worte, ihren Beschluss. Da tauchte das uranfängliche Licht, da tauchte auch der Mensch in ihren Plänen auf. Da überdachten sie das Aufsprießen, das Werden des Waldes und der Schlinggewächse, die Menschwerdung in Finsternis und Nacht, nach seinem Willen, dem Willen des Herzens des Himmels, dessen Name Hurakan ist. Der Blitz ist das erste Zeichen des Hurakan, ein Blitzstrahl das zweite, das dritte der Donnerschlag. Und diese drei sind das Herz des Himmels. Und es kamen zusammen der Mächtige und Kukumatz, und sie dachten nach über Licht und Leben, wie gesät werden und wie es Licht werden sollte, und wer alles betreuen werde. "Es geschehe! Dieses Wasser weiche und schaffe Platz. Es entstehe die Erde, sie ebne sich. Möge gesät werden. Hell werden möge der Himmel über der Erde. Aber es gibt keinen Ruhm, keinen Glanz für unsere Schöpfung, bevor nicht Menschen gestaltet, Menschen erschaffen werden." So sprachen sie. So sprachen sie, und auf ihr Geheiß entstand die Erde. Ja wahrhaftig, sie trat ins Dasein. 'Erde', sprachen sie, und augenblicklich entstand sie. Wie eine Wolke, wie Nebel war sie bei ihrer Entstehung, zu Beginn ihres stofflichen Daseins. Dann hörte man die Berge aus den Gewässern kommen; alsbald bildeten sich große Gebirge. Nur Wunderkraft verwirklichte ihre Gedanken, dass Berge und Täler sogleich entstanden und auf ihnen Zypressenhaine und Kiefernwälder. Darauf war Kukumatz voll Freude: "Gut war es, dass du herabkamst, Herz des Himmels, Blitzstrahl, Donnerschlag!" "Gut wird sein unser Bau, unsere Schöpfung", so sagten sie. 1. Kukumatz bedeutet 'grüne Federschlange'. Beziehungen zu dem aztekischen Gott Quetzalcoatl, was ebenfalls 'grüne Federschlange' heißt, sind wahrscheinlich. Leonhard Schultze Jena, Popol Vuh. Das heilige Buch der Quiché-Indianer von Guatemala, Stuttgart und Berlin 1944 |
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