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![]() Meergott aus der 'Cosmographia' von Sebastian Münster, Basel um 1600. |
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Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus. (Auszüge) Paracelsus (eigentl. Theophrastus Bombastus von Hohenheim, 1493-1541) Ein jegliches Werk, das Gott geschaffen hat, dessen Wesen und Eigenschaft ist dem Menschen möglich zu ergründen; denn es ist nichts geschaffen, das nicht dem Menschen zu ergründen sei ... Seliger ist’s zu beschreiben die Nymphen denn zu beschreiben die Orden; seliger ist zu beschreiben den Ursprung der Riesen denn zu beschreiben die Hofzucht; seliger ist zu beschreiben Melusinam denn zu beschreiben Reiterei und Artillerei; seliger zu beschreiben die Bergleute unter der Erde denn zu beschreiben Fechten und den Frauen dienen... Also hat Gott diese Kreaturen dem Menschen auch etwa vorgestellt und sie sehen lassen, mit den Menschen wandeln, reden und dergleichen, auf dass dem Menschen im Wissen sei, dass solche Kreaturen in den vier Elementen sind, die da wunderbarlich vor unseren Augen erscheinen. Und damit wir der Dinge einen guten Bericht haben, sind die Wasserleute von Menschen nicht allein mit den Augen gesehen worden, sondern auch mit ihnen vermählet und haben ihnen Kinder geboren ... Die Nymphen erscheinen uns, wir aber ihnen nicht, außer was sie in ihrer Welt von uns sagen, als ein Pilger, der in fernen Landen gewesen wäre ... So sie nun sollen geoffenbaret werden, so geschieht solches mit einem göttlichen Urteil; gleicher Weise als Gott einen Engel zu uns schickt und ihm sein Geschöpf befiehlt, hernach ihn wieder hinwegnimmt. Also werden auch diese Dinge genugsam vor unsere Augen gestellt. Als nämlich die Wasserleute kommen aus ihren Wassern heraus zu uns, lassen sich kennen, handeln und wandeln mit uns, gehen wieder hinweg in ihr Wasser, kommen wieder, alles dem Menschen zu einem Ansehen göttlicher Werke. Nun aber sind sie Menschen, aber allein im Tierischen, ohne die Seele. Daher geschieht es nun, dass sie zum Menschen verheiratet werden, also dass eine Wasserfrau einen Mann aus Adam nimmt, und hält mit ihm Haus, und gebiert. Von den Kindern wisset, dass solches Gebären dem Mann nachschlägt; darum, dass der Vater ein Mensch ist aus Adam, darum wird dem Kind eine Seele eingegossen, und wird gleich einem rechten Menschen, der eine Seele hat und das Ewige. Weiter aber so ist das auch in gutem Wissen, zu ermessen, dass auch solche Frauen Seelen empfangen, indem sie vermählt werden, also dass sie wie andere Frauen vor Gott und durch Gott erlöst sind. Denn das probiert sich in mancherlei Wege, dass sie nicht ewig sind, aber bei den Menschen, so sie verbunden werden, ewig werden, das ist geseelet wie der Mensch. Denn Gott hat sie dermaßen dem Menschen gleich und so ähnlich geschaffen, dass ihm nichts Gleicheres sein mag, und da ein Wunderwerk mit lassen laufen, dass sie keine Seele haben; aber so sie mit dem Menschen in Bündnis kommen, alsdann gibt das Bündnis die Seele [...] Daraus folgt nun, dass sie um den Menschen buhlen, zu ihm sich fleißig und heimlich machen. Zu gleicher Weise, als ein Heide, der um die Taufe bittet und buhlt, auf dass er seine Seele erlange, und lebendig werde in Christo: also stellen sie nach solcher Liebe gegen den Menschen, auf dass sie mit den Menschen in demselbigen Bündnis seien. Denn aller Verstand und Weisheit ist bei ihnen, außer der Seele und ihrer Eigenschaft. Also empfangen sie die Seele, und ihre Kinder auch, in Kraft der adamischen Frucht, und die Freiheit und Macht, so sie gegen Gott hat und trägt. Nicht minder ist zu gedenken von diesen Dingen, was Gott aus ihnen am Letzten machen wird, dieweil sie so nahe beim Menschen sind, und sind gleich wie die wilden Menschen; als wie man sagt, der Wolf ist ein wilder Hund, der Steinbock ein wilder Geißbock und dergleichen... Nun wie gesagt, die Nymphen gehen aus dem Wasser zu uns; und sitzen am Gestade der Bäche, da sie ihre Wohnung haben; da sie denn gesehen, auch genommen und gefangen werden, und vermählet, wie obsteht ... Aber so diese Dinge nicht durch den Teufel einfallen, so sind sie menschlich, und suchen Bündnis, wie vorgehalten ist; aber sie behalten die Art der Geister mit dem Verschwinden. Als einer, der eine Nymphe hat zum Weibe, der lasse sie zu keinem Wasser kommen, oder beleidige sie nicht auf Wassern ... Nachdem nun genugsam ist vorgehalten, wie sie zum Menschen kommen: so wisset auch weiter von ihrem Hinwegkommen, und vom Wandel bei uns, mit viel dergleichen Historien und Geschichten, so durch sie in viele Wege seltsam beschehen sind. Nämlich so sie bei Menschen vermählet sind und gebären bei ihnen Kinder, wie obsteht, alsdann aber bei den Männern erzürnt werden auf den Wassern, und dergleichen: so fallen sie nur in das Wasser, und niemand findet sie mehr. Nun lasse sich’s der Mann gleich sein, als sei sie ertrunken, denn er sieht sie nimmer. Dabei ist auch zu wissen, dass er sie nicht soll für tot und gestorben halten, wiewohl sie in das Wasser gefallen ist, sondern für lebendig; und dass er auch kein anderes Weib soll nehmen. Denn wo das geschieht, so wird er sein Leben darum geben müssen und nimmermehr an die Welt kommen; denn die Ehe ist nicht geschieden, sondern sie ist noch ganz ... Nun aber dieweil sie in das Wasser fällt, verlässt Mann und Kinder, und doch die Ehe noch ganz ist: so wisset, dass sie der Bündnis und Pflicht halben am jüngsten Tag erscheinen wird; denn es wird die Seele von ihr nicht genommen noch geschieden, sie muss ihr nachgehen und der Pflicht auswarten. Wiewohl sie bleibt eine Wasserfrau und eine Nymphe, so muss sie doch dermaßen sich halten, wie der Seele zusteht, und der Pflicht, die sie getan hat; nur dass sie geschieden sind voneinander, und da ist kein Wiederkommen, es sei denn, dass der Mann ein anderes Weib nehme, und sie komme und ihm den Tod zufüge, wie denn oft geschehen ... Also ist auch eine wahrhafte Historie von der Nymphe in Staufenberg, die sich mit ihrer Schöne in den Weg gesetzt hat und ihren Herrn, den sie sich vornahm, erwartet. Nun ist zwar bei den Theologen solch Ding ein Teufelsgespenst; aber fürwahr nicht bei den rechten Theologen. Was ist in der Schrift größer denn nichts verachten, alle Dinge wohl ermessen, mit zeitigem Verstand und Urteil, und alle Dinge ergründen, und unergründet nichts verwerfen? Da sich denn wohl zeigt, dass sie wenig in den Dingen verstehen, überhobelns mit der Kürze, sagen es seien Teufel, so sie doch den Teufel selbst auch nicht wohl kennen. Das sollt ihr aber wissen, dass Gott solche Mirakel geschehen lässt, nicht dass wir alle dermaßen sollen zu Nymphen weiben, oder bei ihnen wohnen, sondern etwa einer zu einem Anzeigen der seltsamen Werke in göttlichen Kreaturen, und dass wir sehen die Werke seiner Arbeit. So es aber ein Werk vom Teufel wäre, so soll’s verachtet werden; das es aber nicht ist, denn das kann er nicht, allein Gott kann’s. Nun war dieselbige Nymphe eine Wasserfrau, versprach sich demselbigen von Staufenberg, blieb auch bei ihm, so lange bis er ein anderes Eheweib nahm, und sie für eine Teufelin hielt. Da er sie dafür achtete und nahm ein anderes Weib, so brach er ihr folglich das Gelübde: darum sie ihm auf der Hochzeit Wahrzeichen gab durch die Bühne, auf seinem Tisch, bei ihrem Schenkel, und er also am dritten Tag tot war. In solchen Dingen zu urteilen, braucht große Erfahrenheit; denn Gelübde brechen bleibt nicht ungerochen, sie geschehen wie sie wollen, zu Ehren und Ehrbarkeit, und zu Nutz, vorzukommen anderem Übel und Laster. So sie ein Gespenst gewesen wäre, woher hätte sie Fleisch und Blut genommen? So sie ein Teufel gewesen wäre, wo wären denn die teuflischen Zeichen geblieben, die allemal mitlaufen? Ist es denn ein Geist gewesen, was hat er der Dinge bedurft? Es ist ein Mensch gewesen und eine Nymphe, wie beschrieben ist, eine Frau zu Ehren, und nicht zu Unehren; darum sie die Pflicht und Treue hat wollen gehalten haben. Da es aber nicht geschehen war, da strafte sie den Ehebruch aus göttlicher Verhängnis selbst; denn kein Richter urteilte auf ihr Begehren, weil sie nicht von Adam war. Solchem nach ward ihr von Gott die Strafe, so einem Ehebruch gebührt, zugelassen, und selbst da Richter zu sein, dieweil die Welt sie verwarf als einen Geist oder Teufelin. Solcher Dinge sind viele mehr geschehen, die von Menschen in Verachtung gestellt sind, ist aber übel geschehen, und eine Anzeige großer Torheit. Nicht minder ist mit der Melusina ein trefflich Aufmerken zu haben: denn sie ist nicht der Art gewesen, als sie geachtet worden von den Theologen, sondern eine Nymphe. Aber, das ist wahr, besessen mit dem bösen Geist, den sie von sich gebracht hätte, so sie geblieben wäre bis zum Ende bei ihrem Herrn. Denn dermaßen ist der Beelzebub, dass er die Dinge verwandelt in andere Form, wie er das auch den Hexen tut, sie in Katzen, Werwölfe, Hunde etc. verwandelt; also ist auch ihr geschehen, denn der Hexerei ist sie nicht los gewesen, sie hat ein Teil damit gehabt. Daraus denn gefolget ist eine Superstition, dass sie hat müssen am Samstag ein Wurm sein, welches ihr Gelübde gewesen ist gegen Beelzebub, auf dass er ihr hinter den Mann hälfe. Außerdem ist sie eine Nymphe gewesen mit Fleisch und Blut, fruchtbar und bärhaft, von den Nymphen gekommen zu den Menschen auf Erden, und hat also da gewohnt. Und weiter, wie denn die Superstitio alle Dinge verführt und ärgert, ist sie in der Superstition wieder hinweggefahren von den Ihrigen, in die Orte, da die verführten Leute, die in Superstitionen verzaubert und inkantiert sind, hinkommen; wohl zu achten, sie sei derselbige Wurm geblieben bis zu Ende ihres Lebens, das Gott weiß wie lange währet. Also sind uns diese Dinge Exempel, dabei wir verstehen sollen, was wir auf Erden sind, und mit was seltsamer Art der Beelzebub in allen Winkeln mit uns handle und auf uns stelle, dass in Mitte des Meers ihm nichts verborgen ist, noch in Mitte der Erde, da er sich versäumte. Aber wo wir sind, da ist auch Gott, der erlöst die Seinen an allen Orten. Dass aber deswegen solche Frauen, weil sie nicht aus Adam sind, wollen für Teufel und Gespenster geachtet werden, ist töricht, nämlich dass Gott in seinen Werken für so klein gehalten wird; wie auch dass sie verworfen werden, weil sie Superstitiones haben: so doch der Superstitionen in der Römischen Kirche mehr sind, denn bei allen diesen Frauen und Hexen. So mag es denn wohl sein, dass es ein Exempel sei, so die Superstition einen Menschen zu einem Wurm macht, dass sie ihn auch zu einem Teufel machen kann; das ist, geht es den Nymphen also, so wird es euch in der Römischen Kirche auch also gehen, ihr werdet auch in solche Würmer verwandelt werden, die ihr jetzt hübsch und schön seid, mit großen Diadematen und Geschmucken geziert, welches wird zuletzt in einen Wurm und Drachen geraten, wie die Melusina und andere ihresgleichen. Darum ermesset alle wohl solche Dinge, und seid nicht blind mit sehenden Augen, und stumm mit guten Zungen, dieweil ihr doch nicht stumm noch blind geheißen sein wollt. Aus: Undinenzauber, herausgegeben von F. R. Max, Stuttgart 1991 |
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