Über die Wassergeister

von Friedrich Panzer


A. Von den Erscheinungsformen:
a) Menschliche Gestalt. 1. Der männliche, 2. der weibliche Wassergeist.
b) Tiergestalt: 3. In Gestalt eines Pferdes, 4. eines Stieres oder Kalbes, 5. anderer Haus- und wilder Tiere, 6. von Wassertieren.
c) 7. Wassergeister und Wasserpflanzen.
d) 8. Wassergeister und Irrlichter.

B. Die Benennungen
9. der männlichen, 10. der weiblichen Wassergeister

C. Das Familienleben der Wassergeister
11. Familie, Kinder, Geburt. 12. Wohnung. 13. Ehen mit Menschen. 14. Der Wechselbalg. 15. Wassergeister bringen Kinder. 16. Kampf der Nixe.

D. Tätigkeit der Wassergeister unter sich.
17. Allgemeines. 18. Kämmen. 19. Flicken. 20. Waschen. 21. Backen. 22. Schmieden. 23. Singen. 24. Tanzen.

E. Feindliche Einwirkungen der Wassergeister auf den Menschen.
25. Necken. 26. Aufhocken. 27. Spuk in der Mühle. 28. Ertränken. 29. Gefahrzeiten.

F. Kränkungen der Wassergeister durch den Menschen.
30. Schwimmen. 31. Die Tiefe messen. 32. Steine ins Wasser werfen. 33. Herausrufen. 34. Körperliche Verletzung.

G. Freundliche Gesinnung der Wassergeister
35. Wassergeister hilfreich. 36. Wassergeister heilen.

H. 37. Wissen und Wahrsagen der Wassergeister

I. Opfer und Abwehr
38. Opfer. 39. Gegenmittel. 40. Fangen der Wassergeister

K. 41. Wassergeister in dramatischen Spielen

L. Überblick
42. Berührung mit anderen Glaubens- und Erzählungskreisen. 43. Entstehung und Wesen.








A. Erscheinungsformen der Wassergeister

Die Wassergeister treten überwiegend in menschlicher oder doch halbmenschlicher Gestalt auf, daneben erscheint nicht selten Tiergestalt, sei es als Verwandlungsform, sei es als Dauergestalt. Auch die Wasserpflanzen gelten als mit ihnen verbunden oder geradezu ein Teil ihrer Erscheinung. Gelegentlich werden auch die Irrlichter als Epiphanie der Wassergeister gefasst.

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a) Menschliche Erscheinungsformen

1. Der männliche Wassergeist hat im Allgemeinen Menschengestalt, nur vereinzelt heißt es, sein Unterleib sei der eines Fisches1). Der menschengestaltige Wassermann ist klein2) wie ein kleines Kind3), wie ein Kind von drei, fünf, sechs, zwölf Jahren4), wie ein Knabe5), kleiner als Menschen6), wie ein Zwerg von 2-3 Fuß Höhe7), wie ein kleiner oder junger Hahn8); er heißt darum auch gewöhnlich 'Männchen'. Nur vereinzelt heißt er ein mittelgroßer, großer oder erwachsener Mann oder gar riesengroß9); er wird immer größer und größer10). Er sieht alt aus11), greisalt12), heißt auch bucklig13). Seine Augen sind hell funkelnd14) und ihr Blick geht wie ein Stich durchs Herz, sodass eine Frau kränkelt und bald stirbt, die ihm in die Augen geschaut hat15). Die Augen sind schön16), bläulich17), rot18) oder grün19), wie Smaragd20), auch vorquellend21), Glotz- oder Fischaugen22). Sein Mund ist groß23), voller Kröten24). Die Zähne sind spitz, scharf, lang25), von grüner Farbe26). Die Ohren stehen der Quere nach27), den Kopf hat er verkehrt auf28). Miene und Aussehen heißen vereinzelt schön und freundlich29), öfter hässlich, finster und tückisch30); er ist von hinten schöner als von vorne31). Seine Haare sind meist lang, auch zottig, von Farbe überwiegend grün32), vereinzelt blond33), gelb34), brandrot35) und öfters schwarz36). Die Haare sind von Wasserpflanzen durchwachsen37), oder er hat überhaupt statt der Haare Schilfblätter38). Er trägt einen langen, krausen Bart, der in Nordböhmen auch rot heißt39) und dem Alter seines Trägers entsprechend auch weiß40). In Westfalen heißt es, er sei am ganzen Körper behaart wie ein Ziegenbock, seine Kinder sähen aus wie ein Haarklumpen; das kleine Volk, das im Darmssen lebt, heißt deshalb 'die rauen Leute'. Das Motiv wird episiert: Als der Bauer ein Kind dieses Volks, das er aufgenommen, hat scheren lassen, nimmt ihm der Fluch der Wasserfrau das Glück bis ins 3. und 4. Glied41); 'teterrimus et pilosus' heißt der Wassergeister schon bei Thomas Cantipratensis42). Seine Hände sind weich und eiskalt43), haben rote Mohrrübenfinger44), tragen Krallen45); die Hände sehen aus wie die Füße eines Frosches46), sind flossenartig47). Als ein Weib in Mittelbieberich ein Kind mit Schwimmhäuten gebar, sagte man, sie habe Umgang mit dem Wassermann gehabt48). Der Wassermann im Valser Maiensässe hat Ziegenfüße49) wie der tschechische und polnische häufig Pferdefüße (s. unten); das mag der Grund sein, dass der Wassergeist bei Grimm, Sagen Nr. 66 die Beine verdeckt, an denen man ihn erkennt.

Der Wassermann erscheint wohl gelegentlich nackt, mit grünem Körper50), in der Regel aber bekleidet. Ich verzeichne nur die Farben seines Gewandes. Es heißt am öftesten grün51) oder rot52), mehrfach auch grau53) oder gar schwarz54), vereinzelt sind weiß, gelb oder braun. Die Kleidung heißt öfter aus Lappen zusammengesetzt und zerrissen (s. unten). In der Oberpfalz tritt er den Mädchen, die er liebt, im Hemd mit gläsernem Gürtel entgegen, um die den Rücken hinab laufenden Fischschuppen zu verbergen55). Auch Binsenkleider werden ihm zugeschrieben56), er trägt wohl auch einen Sack oder Korb (anscheinend mit Wäsche) auf dem Rücken57). Häufig wird seiner Kopfbedeckung gedacht, die meist als Mütze oder Kappe bezeichnet wird, wieder von grüner oder roter Farbe, wobei hier das Rot stark überwiegt. Vereinzelt heißt es, die Mütze sei hoch und spitz, es ist aber auch von einem Hute die Rede, der groß oder breit oder grün genannt wird.

Sein Element wird der Wassermann auch auf dem Trockenen nie ganz los. Es läuft ihm stets Wasser aus den Haaren58), aus der linken Rocktasche59), der linken Seite60), aus dem linken oder rechten Rockschoß61); sein Gewandsaum ist stets nass62) oder auch seine ganze Gestalte63). Nach wendischem Glauben tropft es ihm immer von den Kleidern, aber wenn er im Wasser ist, ist er ganz trocken und nur die Nähte sind nass64).

Ich stelle zum Schlusse zusammen, wie der Wassermann im polnisch redenden Schlesien gedacht wird65). Er erscheint als kleines Männchen, als kleiner Knabe, achtzehn Jahre alt. Er hat Froschaugen, Pferdeohren, Hörner, Häute an Händen und Füßen, Pferdefüße oder Pferdehufe. Er sieht blass aus, hat grasgrüne Backen. Die Kleidung ist rot, vereinzelt schwarz und rot oder ein schmucker Jägeranzug. Er trägt eine rote Mütze, einmal erscheint er auch mit Glöckchen behangen. Er geht seitwärts, sodass man ihm nicht ins Gesicht sehen kann. Ihm läuft Wasser aus dem linken Ohr, dem Ärmel oder der Mütze, sodass er überall eine Lache hinterlässt. Erstaunlich ist seine Verwandlungsfähigkeit. Er kann sich in Mädchengestalt, in Maus, Frosch, Hasen, Hund, Ziegenbock, Pferdchen, Taube, Baum, Stein, ja selbst Puppe, Uhr, goldenen Wagen, rollende Kugel verwandeln.

2. Der körperlichen Erscheinung weiblicher Wassergeister schenkt die volkstümliche Überlieferung weit geringere Aufmerksamkeit. Öfter wird von der Nixe gesagt, dass sie menschlichen Oberleib mit dem Unterleib eines Fisches66) oder einer Schlange67) verbindet. Es heißt dann aber wohl auch, dass sie im Umgang mit Menschen doch ganz menschliche Gestalt habe68) oder zur Mittagsstunde69) oder jeden siebenten Tag70). Nur auf alemannischem Boden und im Böhmerwald, vereinzelt auch in Schlesien begegnet die Angabe, die weiblichen Wassergeister seien klein, ja winzig klein, wie Kinder, nur bis an den Tisch reichend71). Ihre Augen sind groß und grässlich72) oder klein und wässrig73), Schlitz- oder Fischaugen74), klotzäugig wie Froschaugen75), die Zähne grün76); desgleichen die Haare77), die aber auch gelb78) heißen oder vereinzelt blond, golden und blauschwarz. Eine brandenburgische Seejungfrau fängt sich in langen tiefschwarzen Locken Fische79). Die Haare reichen wohl bis auf die Fersen80) und hüllen den Körper ganz ein81), ein Schilfkranz schmückt das Haar82). Im Allgemeinen wird ihre Erscheinung als schön, ja bezaubernd schön gedacht. Es heißt aber auch, ihr Körper sei meergrün83) oder blau84); sie habe nur ein Nasenloch85), das Gesicht sei hundeartig, die Kinder des Wassermanns hätten überhaupt einen Hundekopf86). Im Böhmerwald sagt man, Nixen schwämmen mit gekreuzten Beinen87). Wenn einmal von ihrer Kleidung gesprochen wird, so heißt sie weiß88), wasserblau89), rot90), die Strümpfe rot91). Ein wasserfarbiger Florschleier umhüllt das Oberpfälzer Wasserfräulein92). Ganz allgemein wird versichert, dass ihr Gewandsaum, ihre Schürze, ihre Niederkleider, ein Gewand- oder Schürzenzipfel, vereinzelt ihre Haare, stets nass seien, sodass sie wohl überall einen feinen Wasserstreifen hinterlassen.

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b) Tiergestaltige Wassergeister

3. Am häufigsten begegnet Rossgestalt93). Nicht bloß in Schlesien zeigt sich immer wieder der Wassermann in Pferdegestalt94); es findet auch sonst sich vielfach, dass der Wassermann in ein Pferd sich wandelt, das, mit einer geweihten Halfter, mit einer Halfter aus geweihter Erlenrinde gefangen, in seiner dämonischen Natur erkennbar wird durch ein Maul aus Holz95) oder dadurch, dass es nichts anderes als den steinernen Barren frisst96), dass man ihm kein Wasser geben darf; als es doch welches erhält, verschwindet es97). Sein Verschwinden ist bedauerlich, weil ein solches Pferd, das eigentlich ein Wassermann ist, eingespannt doppelt soviel arbeitet als ein gewöhnliches Pferd98). Diese Pferde verschwinden beim Eggen, sobald die Furchen sich zu kreuzen beginnen, wie ein anderes dämonisches Wasserpferd, von dem nicht ausdrücklich gesagt ist, dass es ein verwandelter Wassermann sei, beim Anblick des Kruzifixes verschwindet99). Solche Wasserpferde heißen bald Schimmel, bald Rappen, entsteigen einzeln oder zu dreien und vieren, zuweilen nächtlich, den Seen, führen Reiter, die ihnen aufsitzen, ins Wasser, locken Gespanne hinein, fressen die am Ufer weidenden Hirten u. dgl.100). Am Nebelsee zog einst ein geschundenes Ross, sodass er auszubrechen drohte, bis man Geweihtes hineinwarf101). Umgekehrt wird solchen Wasserrossen auch christliche Zucht übertragen: Sie führen Karfreitagsschänder oder wenigstens ihre Gespanne ins Wasser102).

4. Stier- und Kalbsgestalt. Mehrfach finden sich Erzählungen von Stieren, die aus dem Wasser gestiegen sind103), wie in Serbien jeder See seinen 'Hausherrn' in der Gestalt eines großen Stieres besitzt, dem man Goldstücke opfert, bevor man die Schafe wäscht104). Ein Meerdämon in Stiergestalt überwältigte Chlodios Gattin105). Wendisch wird erzählt, dass der Nix sich jeden Mittag einen Bullen ins Wasser hole106). Vom Kampf zweier Stiere, die einem See entstiegen sind, erzählt unter sichtlicher Entstellung älteren Zusammenhangs eine Schweizer Sage107).

Im Osten erscheint der Wassermann vielfach als (weißes) Kalb108), 'das Wasserkalb', das hinkend und ängstlich schreiend durch sein Auftreten einen Wassermord anzeigt109); als schwarzes Kalb mit Pferdekopf und langen Ohren110). In Gestalt einer weißen Kuh erscheint der Wassergeist in Schwaben111). Das Domleschg kennt ein Seeungeheuer in Gestalt eines riesigen Kuhbauchs mit tausend großen Augen, die alle feurig auf einen Punkt zielen (Butatsch cun ilgs); es richtet große Verheerungen an, wenn es sich aus dem Wasser herauswälzt112).

5. Sonstige Haus- und wilde Tiere. Der Wassermann reitet auch auf einem Bock113) oder zeigt sich selbst als schwarzer Bock114), als Bock mit einer Kerze zwischen den Hörnern115), als weißer Bock, der in einem Kahn fährt; wenn man hinschaut, verschwinden Bock und Kahn: also sichtlich eine Nebelerscheinung116). Seltsam erzählt eine tschechische Sage von einem schwarzen Böcklein, das einst eine grüne Hand ins Wasser gezogen und weiß wieder herausgereicht habe; dieser weiße Bock leckte kranke Kühe gesund, verschwand aber unter Hinterlassung eines Wasserflecks, den nur Weihwasser zu beseitigen vermochte117).

In Schweinsgestalt wandelt sich der Wassermann in Polnisch-Schlesien118); es hausen aber auch sonst gespenstige Schweine im Wasser119). Eine böse Frau schwimmt als Schwein, von Ferkeln umgeben, allmählich die Nidda herab120).

Ein zottiger Wasserhund wird im Lechtal gefürchtet. Auch in der Reuß erscheint ein Wassergeist in Hundegestalt121), ebenso in Nordthüringen und natürlich wieder in Polnisch-Schlesien zeigt sich der Wassermann als Hund122); vgl. den Hundekopf des Wassermanns § 2.

In der Magdeburger Börde sitzt der 'Nickelkater' im Wasser und zieht die Kinder hinab123).

Der Blutschink entsteigt dem See am Ausgang des Paznaun in Bärengestalt124). Auch der Hirsch, der auf dem Eise des Klostersees ein fälliges Wasseropfer anzeigt, ist eigentlich ein Wassermann125), wie der große Hase mit roter Blume, der durch den zugefrorenen Teich schwimmt126).

Im Stechlin haust ein böser, purpurroter Riesenhahn127); in Böhmen erscheint ein schwarzer Hahn in naher Beziehung zum Wassermann128). In Mähren wandelt sich der Wassermann in die Gestalt eines Huhns129). Mit dem Wasserhuhn (Rallus aquaticus) muss sich der Müller gutstellen, da es sonst den Mühlenbetrieb stört130).

6. Wassertiere. Natürlich erscheinen auch sonst vielfach die Wassertiere als Verleibungen von Wassergeistern: die Gans131), rote Enten132), Frosch und Kröte133), der Molch134); ahd. nihhus glossiert crocodilus135). Im großen Mohriner See liegt ein Krebs an eine Kette geschlossen; reißt er sich los, so wird die Stadt untergehen136), vgl. die Wasserdrachen (s.d.). In der Mark zieht eine im See hausende Otter die Kinder hinab137), und in einer seltsamen nordböhmischen Variante des Typus KHM. 105 ruft der Wassermann in Ottergestalt einem Brot und Milch essenden Kinde zu: "Brocka a!" und ertränkt es bald darauf138).

Begreiflich erscheint der Wassermann gerne in Fischgestalt139), wie Andvari in Hechtsgestalt im Wasserfall lebte. Eine weitverbreitete Sage weiß vom Fange eines gespenstischen Fisches, der aus dem Wasser angerufen wird und antwortet. Der Fänger muss ihn der Flut zurückgeben und erleidet Schaden oder Tod. Der Fisch wird übereinstimmend als ungewöhnlich groß geschildert, mit Moos bewachsen, wohl auch mit einem Horn oder Menschenkopf. Mehrmals heißt er einäugig, öfter geht diese Eigenschaft erst aus den gewechselten Reden hervor. Berichte aus Sachsen und der Lausitz lassen ihn schwanzlos sein. Beim Tragen wird er immer schwerer und schwerer, eine Eigenschaft, die auch vom gefangenen Wassermann berichtet wird. Nach dem Fange oder beim Heimtragen ertönt eine Stimme aus dem Wasser. Sie ruft den Fisch beim Namen und fragt, wo er sei, worauf er antwortet, z.B. "Einaug, wo bist du?" "In Peterchens Sack"140), oder die Stimme befiehlt, den Fisch zurückzubringen141).

Dass die Libelle als eine Verwandlungsform weiblicher Wassergeister aufgefasst wurde, wird durch ihre Benennung 'Wasserjungfer' erwiesen142); in den volkskundlichen Aufzeichnungen ist mir nirgends eine Bestätigung dafür begegnet.

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c) Wassergeister und Wasserpflanzen

7. Die Wasserlilie spielt häufig in romantisch aufgeputzten Nixengeschichten eine Rolle, deren volkstümlicher Ursprung verdächtig ist. Dass Wasserpflanzen aber wirklich mit Wassergeistern in Beziehung gedacht werden, erweisen Pflanzennamen143): Nix(en)blume für die gelbe Teichrose (Nymphaea lutea) und den Froschbiss (Hydrocharsus morsus ranae), Nixhaar für den Fuchsschwanz (welchen?)144), Schildnixe für Hydropeltis145), Nickelmannshaare für, 'das lange Wassergras'146), schweizerisch Häggemanne für das auch Haldechrut genannte Potamogeton: Wer in dies an der Seehalde wachsende Kraut gerät, muss ertrinken147); oberpfälzisch Wasserdockelein (vgl. Docke = Wasserfrau § 10) für Nymphaea alba oder lutea148); wendisch Wodneho muza porsty (Wassermannsfinger); wodneho muza potaczki (Wassermannskolben); wodneho muza losy (Wassermannshaare) für Typha latifolia et angustifolia149); Nykusowe zele für die Wassernessel150).

In Schlesien heißt es, die Töchter des Wassermanns steckten in den großen Wasserlilien ihre Köpfe hervor151), im Böhmerwald, der Wassermann suche als Teichrose oder Seelilie seine Opfer zu haschen152). Wenn man die roten Knospen der Sträucher am Klodnitzkanal, d.h. die Samenkapseln des Pfefferhütleins abreißt, so erscheint ein Mann mit roter Kappe, der einen ins Wasser zieht153). Eine Weide steht im Eigentum der Wasserlilie154).

Es mag hier verzeichnet sein, dass man in Schwaben die aufgehenden Luftblasen der Quellen dem Atmen der Wassergeister zuschreibt155).

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d) Wassergeister und Irrlichter

8. Begreiflicherweise werden die Wassergeister auch mit den Irrlichtern in Beziehung gesetzt. Der Wassermann zieht die Irrlichter an, sie gehen meist dem Wasser zu156); an der Elster tanzen die Irrlichter mit den Nixen157). Wendisch erscheint der Wassermann selbst als Irrlicht und plagt einen Fischer, der am Karfreitag fischte158), tschechisch erscheint er als feuriges Fass159). Auf dem Bodensee zeigt sich zur Nachtzeit der 'feurige Fischer'; er neckt die Fischer, bis man ihm ein Band oder Seil zuwirft, das er anzündet, mit der Erklärung, er habe Ruhe von seinen höllischen Qualen, solange das Band brennt. Die Spinnerinnen reichen ihm einen Faden zum Fenster hinaus und hören ihn lachen, wenn der Faden recht lang ist160). Auch im Allgäu tauchen feurige Männer aus dem Wasser161). Auf dem Peterssee bei Lich erscheinen abgeschiedene Seelen, die eine schwere Schuld mitgenommen haben, als feurige Flammen162).

1 Kühnau Sagen 2, 246 Nr. 890; 358 Nr. 967; MschlVk. 10 (1903), 28, 3; Vernaleken Mythen 164 A.; Kuhn u. Schwartz 172 Nr. 197; ZfdA. 5, 378 Nr. 4; Knoop Hinterpommern 90; Pfister Hessen 53; Müller Siebenbürgen 184.
2 Kühnau Sagen 2, 226 Nr. 863; 2, 335 Nr. 937; Gander Niederlausitz 52; Vernaleken Mythen 193 Nr. 22; Kuhn u. Schwartz 92 Nr. 103; 94 Nr. 106; Meiche Sagen 357; 380 Nr. 500.
3 Brandenburgia 25, 165 Nr. 33; Meiche Sagen 388 Nr. 511; Schulenburg Wend. Volkstum 53.
4 Schulenburg 115; Haupt Lausitz 2. 156 Nr. 260; Kühnau Sagen 2, 325 Nr. 929; Jungbauer Böhmerwald 62; Baumgarten Aus der Heimat 2. 81.
5 Sommer Sagen 38.
6 Kühnau Sagen 2, 236 Nr. 873.
7 Vernaleken Mythen 175 Nr. 9.
8 Kuhn u. Schwartz 97 Nr. 111; Brandenburgia 26, 21 Nr. 54.
9 Vernaleken Mythen 162; ZfdMyth. 1, 29 Nr. 5; Schönwerth Oberpfalz 2, 189; Vernaleken Mythen 164 A.
10 Ebd. 193 Nr. 21.
11 Sommer Sagen 38; Vernaleken Mythen 203 Nr. 30; Jungbauer Böhmerwald 51.
12 Drechsler 1, 166; Grabowski SchlesMSg. 2. 5. 6, 10.
13 Vernaleken Mythen 175 Nr. 8.
14 Sommer Sagen 38.
15 ZfdMyth. 1, 29 Nr. 5.
16 Schönwerth Oberpfalz 2, 189.
17 Grimm Sagen Nr. 65.
18 Baumgarten Aus der Heimat 2, 81.
19 Meiche Sagen 357; Köhler Voigtland 476 Nr. 48.
20 Vernaleken Mythen 162.
21 Kühnau Sagen 2, 246 Nr. 890.
22 Drechsler 1, 166.
23 Vernaleken Mythen 162; Schönwerth Oberpfalz 2, 189.
24 Kuhn u. Schwartz 97 Nr. 111; ZfdA. 4, 393.
25 Vernaleken Mythen 162; Kuhn u. Schwartz 172 Nr. 197, 1; Schönwerth Oberpfalz 2, 189.
26 Drechsler 1, 166; Sommer Sagen 38; Grimm Sagen Nr. 52; Vernaleken Mythen 191 Nr. 20.
27 Kühnau Sagen 2, 334 Nr. 936.
28 Ebd. 2, 335 Nr. 937.
29 Sommer Sagen 38.
30 Vernaleken Mythen 164 A.; 183 Nr. 14; Sommer Sagen 38; Haupt Lausitz 1, 46 Nr. 44.
31 Schönwerth Oberpfalz 2, 189.
32 Sommer Sagen 38; Bindewald Sagenbuch 95; Pfister Hessen 53 Nr. 7; Meiche Sagen 357; Vernaleken Mythen 162. 167. 168. 175 Nr. 9; Jungbauer Böhmerwald 58; Germ. 29, 106.
33 Schönwerth Oberpfalz 2, 189.
34 Vernaleken Mythen 169 Nr. 4.
35 Kuhn u. Schwartz 174 Nr. 197, 5.
36 Wolf D. Märchen u. Sagen 199 Nr. 84; ZfdMyth. 1, 29 Nr. 5; Haupt Lausitz 1, 46 Nr. 44.
37 Kühnau Sagen 2, 246 Nr. 890.
38 Vernaleken Mythen 164 A.
39 Taubmann Nordböhmen 48. 52. 54.
40 Vernaleken Mythen 203 Nr. 30.
41 Kuhn Westfalen 1, 46 Nr. 40; 54 Nr. 41a; Grimm Myth. 1, 410.
42 Wolf Beitr. 2, 292.
43 Grimm Sagen Nr. 51; Erk-Böhme 1, 8 Nr. 1 g Str. 9.
44 Brandenburgia 25, 167 Nr. 36.
45 Sommer Sagen 38; Vernaleken Mythen 162; Taubmann Nordböhmen 48. 52. 46) Kühnau Sagen 2, 335 Nr. 937.
47 Grabowski Schles. 10.
48 Birlinger Aus Schwaben 1, 134 Nr. 205.
49 Jecklin Volkstüml. 372.
50 Drechsler 1, 166; Vernaleken Mythen 162.
51 Ebd. 162. 164 A; Germ. 29, 106; Kühnau Sagen 2, 325 Nr. 929; 2, 356 Nr. 964; Sommer Sagen 38; Meiche Sagen 357; Grohmann 167.
52 Drechsler 1, 166; ZfVk. 11. 206; Kühnau Sagen 2, 355 Nr. 963; 226 Nr. 863; Sommer Sagen 38; Kuhn u. Schwartz 175 Nr. 197, 6; Brandenburgia 25, 165 Nr. 33; 151 Nr. 1; Meiche Sagen 380 Nr. 500; Gander Niederlausitz 52; Schulenburg Wend. Volkst.
53; Vernaleken Mythen 183 Nr. 14. 53) Kuhn u. Schwartz 92 Nr. 103; 94 Nr. 106; Brandenburgia 25, 158 Nr. 18; Pfister Hessen 51 Nr. 5; Kühnau Sagen 2, 236 Nr. 873; 241 Nr. 882; Vernaleken Mythen 167; 175 Nr. 8; 183 Nr. 14.
54 Kuhn u. Schwartz 172 Nr. 197, 1; Kühnau Sagen 2, 227 Nr. 864; MschlesVk. 10 (1903), 28 Nr. 1; Jecklin Volkstüml. 372.
55 Schönwerth Oberpfalz 2, 189.
56 Vernaleken Mythen 164 A.
57 Drechsler 2, 168; Kuhn u. Schwartz 175 Nr. 197, 6.
58 Vernaleken Mythen 168. 203 Nr. 30.
59 Ebd. 162.
60 Jungbauer Böhmerwald 52.
61 Vernaleken Mythen 194 Nr. 23; Jungbauer Böhmerwald 57.
62 Sommer Sagen 45 Nr. 39; Kühnau Sagen 2, 257 Nr. 904; 325 Nr. 929; Haupt Lausitz 1, 46 Nr. 44.
63 Schönwerth Oberpfalz 187.
64 Schulenburg 115.
65 Die Belege sämtlich bei Kühnau Sagen II in den ganz besonders zahlreichen Wassersagen aus diesem Gebiet u. MschlesVk. 10, 20 ff.
66 Meier Schwaben 1, 74 Nr. 81; Bechstein Sagenschatz des Thüringer Landes 3, 136 Nr. 72; Schambach u. Müller 66 Nr. 92; Jahn Pommern 7 Nr. 4; Brandenburgia 25, 155 Nr. 2; Gander Niederlausitz 57; 58; Kühnau Sagen 2, 231 Nr. 868; Schulenburg 129.
67 Pfister Hessen 50 Nr. 2. 3; Vernaleken Mythen 200; Panzer Beitrag 1, 173 Nr. 195.
68 Pfister Hessen a.a.O.
69 Schulenburg 128.
70 Schönwerth Oberpfalz 2, 190.
71 Meier 1, 74 Nr. 81; 75 Nr. 52; Alemannia 29. 73; Künzig Baden 46 Nr. 132; Grohmann Sagen 141; Jungbauer Böhmerwald 64, 65; Kühnau Sagen 2, 245 Nr. 887; MschlesVk. 9 (1902), 19 Nr. 2.
72 Grimm Sagen Nr. 60.
73 Witzschel Thüringen 1, 279 Nr. 289.
74 Kühnau Sagen 2. 245 Nr. 887.
75 Lohmeyer Saarbrücken Nr. 57.
76 Panzer Beitrag 1, 173 Nr. 195; Vernaleken Mythen 200; Liebrecht Zur Volk. 357.
77 Eisel Voigtland 30 Nr. 60; Bechstein Sagenschatz des Thüringer Landes 4, 147 Nr. 27.
78 Witzschel Thüringen 1, 285 Nr. 293; Gander Niederlausitz 58.
79 Brandenburgia 25, 155 Nr. 2.
80 Witzschel Thüringen 1, 279 Nr. 289.
81 Schönwerth Oberpfalz 2, 199.
82 Kühnau Sagen 2, 267 Nr. 911.
83 Vernaleken Mythen 200.
84 Meiche Sagen 359.
85 Sommer Sagen 40.
86 Kühnau Sagen 2, 243 Nr. 886.
87 Schramek Böhmerwald 259.
88 Künzig Baden 46 Nr. 132; Schönwerth Oberpfalz 2. 229; Witzschel Thüringen 1, 285 Nr. 293; Brandenburgia 25, 188 Nr. 19.
89 Kühnau Sagen 2, 267 Nr. 911.
90 Kuhn u. Schwartz 11 Nr. 12.
91 Meiche Sagen 375; Haupt Lausitz 1, 46 Nr. 44.
92 Schönwerth Oberpfalz 2, 197.
93 Sepp Sagen 370.
94 Kühnau Sagen 2. 287 Nr. 922, 9; 296 Nr. 924, 4; 301 Nr. 925, 3; 318 Nr. 927, 6; 319 Nr. 927, 7; 322 Nr. 927, 10; Drechsler 2, 167; Grohmann Sagen 165; Vernaleken Mythen 190 Nr. 19.
95 Vernaleken Mythen 185 Nr. 17.
96 Jungbauer Böhmerwald 61.
97 Kühnau Sagen 2, 318 Nr. 927, 6.
98 Wolf Niederl. Sagen 318 Nr. 216; Wolf Dtsch. Märchen u. Sagen 351 Nr. 242; Bartsch Mecklenburg 1. 397 Nr. 550; Haas Pommern 37 Nr. 76; Reusch Samland 28 Nr. 23 (durch Bastzaum gebändigt, frißt weder Heu noch Brot); Meiche Sagen 369; Hauffen Gottschee 82 Nr. 1.
99 Jungbauer Böhmerwald 61.
100 Jahn Pommern 143 Nr. 175; 147 Nr. 179; 152 Nr. 187; Haas Pommern 37 Nr. 77; Brandenburgia 25, 158 Nr. 19; 26, 17 Nr. 47; Kühnau Sagen 2, 256 Nr. 901; 296 Nr. 924, 4; Zingerle Sagen 149 Nr. 241.
101 Zingerle Sagen 154 Nr. 250.
102 Jahn Pommern 156 Nr. 196; Bartsch Mecklenburg 1, 397 Nr. 550.
103 Grimm Myth. 1, 458; ZfdMyth. 1, 353; ZfdA. 6. 126. 127; Weinhold Quellenverehrung 25; Kuhn Westfalen 290 Nr. 335 b; 292 Nr. 335e; Grimm Sagen 1, 65 Nr. 59; Myth. 1, 406; Birlinger Aus Schwaben 1, 130 Nr. 196; Schreiber Sagen aus d. Rheingegenden 2, 146 Nr. 43; Heyl Tirol 698 Nr. 83.
104 ZfVk. 23, 318.
105 Grimm Sagen Nr. 424; ZfdA. 6, 432.
106 Schulenburg 122.
107 Herzog Schweizersagen 2, 55 Nr. 54; vgl. Rochholz Sagen 2, 14 Nr. 246.
108 Drechsler 1, 315.
109 MschlVk. 19 (1908), 17; Kühnau Sagen 1, 503. 618; 2, 352 Nr. 955; Gander Niederlausitz 59; Meiche Sagen 387 Nr. 509; Schulenburg 53; Grohmann Sagen 152.
110 MschlesVk. 10, 26.
111 Birlinger 1, 129 Nr. 194.
112 Jecklin Volkstüml. 308.
113 Kühnau Sagen 2, 354 Nr. 960.
114 Kühnau Sagen 2, 255 Nr. 900.
115 Wolf Dtsch. Märchen u. Sagen 352 Nr. 242.
116 Brandenburgia 26, 23 Nr. 58.
117 Grohmann Sagen 157.
118 Kühnau Sagen 2, 311 Nr. 926, 8.
119 Jahn Pommern 148 Nr. 182; 156 Nr. 195; Weinhold Quellenverehrung 25; vgl. auch was § 6 zum gespenstigen Fisch bemerkt wurde.
120 HessBl. 6, 115.
121 Rochholz Sagen 1, 57 Nr. 48.
122 ZfVk. 12, 68 Nr. 29; Sieber Harzlandsagen 24; Drechsler 2, 167; Kühnau Sagen 2, 254 Nr. 598; 302 Nr. 925, 3; Weinhold Quellenverehrung 25.
123 Kuhn u. Schwartz 426 Nr. 19.
124 Alpenburg Tirol 58 N?. 6.
125 Brandenburgia 26, 24 Nr. 60.
126 Kühnau Sagen 2, 248 Nr. 893; vgl. Weinhold a.a.O. 25.
127 Brandenburgia 26, 17 Nr. 48.
128 Grohmann Sagen 1, 66.
129 Vernaleken Mythen 189.
130 ZfVk. 12, 68 Nr. 31.
131 Kühnau Sagen 2, 555 Nr. 899; Drechsler 2, 167.
132 Kühnau Sagen 2, 281 Nr. 922.
133 Birlinger Aus Schwaben 1, 131 Nr. 198; Hauffen Gottschee 88.
134 Kühnau Sagen 2, 241 Nr. 883.
135 Graff Ahd. Sprachschatz 2, 1018.
136 Brandenburgia 25, 158 Nr. 19.
137 Kuhn u. Schwartz 426 Nr. 19.
138 Kühnau 2, 352 Nr. 956; Forschgn. z. neuer Litgesch. Festschr. f. Heinzel 82 Nr. 2.
139 ZfVk. 5, 123; 11, 203; Kühnau Sagen 2, 354 Nr. 961; Eisel Voigtland 37.
140 Schmitz Eifel 2, 78; Meiche Sagen 381 Nr. 502; tschechisch Grohmann 150; polnisch Kühnau Sagen 2, 308 Nr. 926, 4; 319 Nr. 927, 7; entstellt MschlesVk. 10 (1903), 21 Nr. 8.
141 Kuhn Westfalen 1, 319 Nr. 362; 320 Nr. 364; ZfVk. 11, 204; 12, 68 Nr. 28; Brandenburgia 25, 171 Nr. 44.
142 Daneben gelten die Bezeichnungen Korn-, Haferjungfer, Verfluchte Jungfrau, Drachenhure, Grasmetze: Mannhardt Forschungen 315.
143 Grimm DWb. 1, 405; 2, 1001.
144 DWb. 4, 1, 354; 7, 861.862; Fischer Schwäb. Wb. 4, 2028; Simrock Myth. 498.
145 DWb. 9, 137.
146 Urquell N.F. 1, 179.
147 Schweiz. Idiot. 4, 259; 3, 894.
148 Schmeller Bayr. Wb. 1, 488.
149 Schulenburg Wend. Volksth. 53.
150 Schulenburg 115.
151 Drechsler 2, 167.
152 Jungbauer Böhmerwald 51.
153 Kühnau 2, 287 Nr. 922, 8.
154 Ebd. 2, 263 Nr. 10 = ZfVk. 5, 131 = Firmenich Völkerstimmen 2, 234.
155 Birlinger Aus Schwaben 1, 134 Nr. 204.
156 Schönwerth Oberpfalz 2, 186.
157 Eisel Voigtland 30 Nr. 60.
158 Schulenburg 121.
159 Grohmann 153.
160 Birlinger Aus Schwaben 1, 135 Nr. 206.
161 Reiser Allgäu 1, 234 Nr. 263. 264
162 Wolf Deutsche Märchen u. Sagen 568 Nr. 460.

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B. Benennungen der Wassergeister

9. Der männlich gedachte Wassergeist heißt Wassermann über das ganze Gebiet hin; mhd. wazzerman, danach tschechisch hastrman163) wendisch wódny muž164.), südslavisch (po)vodni, mož (neben tatrman)165.), und da er überwiegend klein gedacht wird, auch Wassermännlein166) und einfach Mannl167); daneben Waterkäerl168), Wassertreter169), Wasserteufel170). Die besonderen Erscheinungsformen des Wassers ergeben die Bezeichnungen Seemann, Mehrzahl Seemänner und Seemenschen, oder Seemännlein171) und Brunnenmann172). Nicht oberdeutsch173), obwohl auch in den oberdeutschen Sagenbüchern aus Nachlässigkeit öfter gebraucht, scheinen die vom Stamme des Sondernamens Nix, ahd. nihhus174) gebildeten Bezeichnungen: Nöcke(n)175), Nix176), Wassernix177), wendisch nyks, nykus, wodny nykus, hodernykus, hodernyks, hadernyks, wodernyks178), Nicker179), Nickert180), flämisch Necker181), Nickel182), Nickelmann183), Nickelkerl184). Da der Wassergeist die Kinder mittels einer Hakenstange ins Wasser zieht, heißt er auch Hake-, Häke-, Hacka-, Hakel-, Häkel-, Häklimann, Hoggema, Häckelkerl, Häggele185), Hakelmärz186); steirisch Bachhaggel187), in Hessen und an der Mosel Krappenmann188). Der sie mit dem Karren holt, heißt Karrenmann189). Vereinzelter stehen Bezeichnungen wie Bachtatscherle190), Bachpatscherle191), Bachpfadli oder Bachpflotdschi192), Flozemann193); Tucherle heißt, der die Vorübergehenden ins Wasser taucht194); der Schreier heißt Hemann195); der Wassermann hourad, d.h. schreit "hou"196), Ohelftmann197). Auf das Aussehen zielen die Benennungen Schlitzöhrchen198), Grünmänner199), Gromannl200), Rotkapp201), wohl auch Hudelmann202). Auf sein blutiges Geschäft zielen da bloudi Mon203), Blutschik204), Blutschik205). Bei Oberplan haust in der Moldau und Teichen der Begelmann, in den Teichen der Iglauer Sprachinsel der Popelmann206), der aus dem Stieberweiher aufsteigende Wassergeist heißt Stiebermann207). Ob (Vetter) Kühleborn208) nicht bloß eine Erfindung von Montanus ist, bleibe dahingestellt.

10. Der weibliche Wassergeist heißt Wassermannin209), Wasserfrau, mhd. wazzervrouwe210), wendisch wodna zona211), und auch hier häufig mit der Verkleinerung Wasserfräulein212), Wasserweib, mhd. wazzerwîp, und Wasserweibchen213), mhd. wazzerminne, -holde, -feine, Wasserjungfer, Waterjumfer214); wendisch wodne jungfry215), Meerfrau, mhd. mervrouwe, nur an der See216), Meerfräulein217), Meerweiblein218), Meerminne, mhd. merminne, ahd. meriminna, meriminni219), mhd. merfeine, -juncfrouwe, -kint, -meit, Seemeerminne220), Seeweiwr221), Seeweibchen222), Seefräulein223), Seejungfer224), Bachfrau225), Bachfräulein226), Bachmaidli227), Brunnenweib228), Brunnenfrau229), Brunnenfräulein230), Wassermuhme231), Püttmoen232), Mümmerle233), Nixe allgemein nord- und mitteldeutsch, auch in oberdeutschen Sammlungen, namentlich in den Überschriften, oft aus Nachlässigkeit gebraucht, im 16. Jh. auch Nixin234), ahd. nicchessa, Wassernixe (desgl.), mhd. wazzernixe235), Nixweibl236), schlesisch Lisse, Wasserlisse, Wasserlixe237), Docke238), Nunne239), Wechselbutten, Wechselbuttenweib240); Wettefräulein241), Gule242), Chlungge243), Häckelfrau244), Häckelmutter245), Häckelweiber246), Elbjungfer247), Seebergjungfer248), Waschfrugens249), Waschfräulein250), Waschwibel251), Waschjungfer252), Bachbarbara253), Mühlibachdame254), Bibern-Mummeli255).

Mhd. merwunder bezeichnet männliche wie weibliche Wassergeister und Wassertiere. Das dämonische Ungetüm im Seelisberger See heißt Elbst255a) (s.d.).

163 Vernaleken Mythen 161, 177; Grohmann 148.
164 Schulenburg Volksth. 53.
165 Mailly Friaul. Sagen 117; Krauß Relig. Brauch 176.
166 Grimm Sagen Nr. 59; Vernaleken Mythen 203 Nr. 30; Baumgarten Aus der Heimat 2, 81; Kühnau Sagen 2, 236 Nr. 873; ZfVk. 7, 443.
167 Heyl Tirol Nr. 62.
168 Müllenhoff Sagen 257 Nr. 346; Erk-Böhme Liederhort 1, 8 Nr. 19 Str. 17.
169 Schönwerth Oberpfalz 2, 184.
170 Wolf Märchen u. Sagen 200 Nr. 85; 193 Nr. 77; 325 Nr 218; Köhler Sagen 159 Nr. 204.
171 Jahn Pommern 141 Nr. 172; Wolf Niederl. Sagen 609 Nr. 510; Vernaleken
Mythen 165 Nr. 2; Zingerle, Sagen 102 Nr. 167; Alemannia 2, 157; Bohnenberger 4 Nr. 1; im Böhmerwald gilt nach Hauffen Forschgn. z. neuer. Litgesch., Festschr. f. Heinzel S. 88 die Bezeichnung
'Seemann' überhaupt für den Wassermann, vgl. Schramek Böhmerwald 259.
172 Schönwerth Oberpfalz 2, 185; Schell Bergische Sagen 535 Nr. 2.
173 Fischer SchwäbWb. verzeichnet allerdings Nickels als
'gelegentlich' vorkommend, doch 'viell. nur Eindringling'; Schweiz. Idiot. 4, 705 gibt einen Beleg für 'Nigg' statt des sonst geltenden 'Haggema'.
174 ZfdA. 32, 163 f.
175 Grimm Sagen Nr. 61; Pfister Hessen 50 Nr. 3; 52 Nr. 6; 53 Nr. 7/8; 171.
176 Sommer Sagen 38 ff.; Eisel Voigtland 30 Nr. 60; 31 Nr. 61; Meiche Sagen 357, 358, 362 u. o.; Wolf D. Märchen u. Sagen 194 Nr. 78; Schmeller BayWb. 1, 1723; als Beiname der Nixe
' i. J. 1327: Germ. 1, 311.
177 Herrlein Spessart 63; Engelien u. Lahn 247; Gander Niederlausitz 52 ff.; Drechsler 2, 165; Bräuner Kuriositäten 32 u. ö.
178 Schulenburg Wend. Volksthum 53; Tetzner Slaven 192, 311.
179 Brandenburgia 25, 158 Nr. 18.
180 Kuhn u. Schwarz 92 Nr. 103; Lohre Märk. Sagen 49 Nr. 80-82.
181 Wolf Niederl. Sagen 320 Nr. 220; 687; D. Märchen u. Sagen 194 Nr. 79.
182 Jahn Pommern 141 Nr. 172; 143 Nr. 174 = Temme Pommern 66 Nr. 38 = Grimm 1, 61 Nr. 55; Lütolf Sagen 511 Nr. 467; Rochholz Sagen 1, 362; Güntert Kalypso 76 A. 124.
183 Kuhn u. Schwartz 172 Nr. 197; 174 Nr. 197, 4; Pröhle Unterharz 7 Nr. 21 u. 23; 104 Nr. 253; Erk-Böhme Liederhort 1, 7.
184 Andree Braunschweig 388.
185 Kuhn u. Schwartz 426 Nr. 19, 236; Schambach u. Müller 65 Nr. 90; Kehrein Nassau 276; Hess. Bl. 16, 11; Firmenich Völkerstimmen 2, 562; Birlinger Aus Schwaben 1, 132 Nr. 200; Meier Schwaben 149; Lütolf Sagen 291 Nr. 229; Rochholz Sagen 2, 207 Nr. 419; Kohlrusch Sagen 237 Nr. 10; Vernaleken Alpensagen 234; Bechstein D. Sagenb. Nr. 728.
186 Bechstein D. Sagenb. 728; Thüringen 1, 33; 34.
187 Weinhold ZfVk. 1, 216; 8, 442; auch der unter der Brücke lauernde Schwingshackl, Zingerle Sagen 155 Nr. 354 mag ursprünglich hierher gehören.
188 Hess. Bl. 11, 54; Zaunert Rheinlandsagen 2, 241.
189 Meier a.a.O.
190 Künzig Baden 31 Nr. 85.
191 Bohnenberger 9 Nr. 1.
192 Rochholz Sagen 2, 38.
193 Stöber Elsaß 2, 225 Nr. 285.
194 Hertz Elsaß 75.
195 Kühnau Sagen 2, 227 Nr. 864; vgl. Germ. 29, 108.
196 Schönwerth Oberpfalz 2, 187.
197 Wuttke 49 § 54.
198 Grimm Sagen Nr. 63 = Witzschel Thüringen 2, 52 Nr. 58.
199 Jungbauer Böhmerwald 60.
200 Kühnau Sagen 2, 245 Nr. 888.
201 Grabowski Oberschles. 3. 5.
202 Birlinger Aus Schwaben 1, 128 Nr. 193.
203 Schönwerth Oberpfalz 2, 187 Nr. 5.
204 Alpenburg Tirol 29 Nr. 6; Zingerle Tirol 7.
205 ZfMyth. 1, 237 Nr. 25; Laistner Sphinx 2, 30 f.
206 Jungbauer Böhmerwald 56. 59.
207 Schönwerth Oberpfalz 2, 187 Nr. 4.
208 Schell Bergische Sagen 535 Nr. 2.
209 Drechsler 2, 165. 166.
210 Müller Siebenbürgen 33 Nr. 51; Alpenburg Tirol 83; Meier Schwaben 1, 75 Nr. 84 u. o.
211 ZfMyth. 3, 111.
212 Kohlrusch Sagen 220; Vernaleken Mythen 196 Nr. 25; Künzig Baden 46 Nr. 133; 47 Nr. 134; Schönwerth Oberpfalz 2, 190; Panzer Beitrag 1, 148 Nr. 166; Hofmann Bad. Franken 14. 15; Bohnenberger 4 Nr. 1; Birlinger Aus Schwaben 1, 189 Nr. 164 u. ö.
213 Graber Kärnten 1 ff.; Alpenburg Tirol 99 Nr. 6; Gradl Sagenbuch des Egergaus 22 Nr. 45/46; Schramek Böhmerwald 259; Kühnau Sagen 2, 236 Nr. 873 u. ö.
214 Jahn Pommern 141 Nr. 172; 153 Nr. 188; Schambach u. Müller 66 Nr. 92; Temme Ostpreußen 244 Nr. 261; Gander Niederlausitz 57; Hebel Pfälz. Sagenbuch 38 Nr. 30; Vernaleken Mythen 199 Nr. 28; Panzer Beitrag 2, 131 u. ö.
215 Schulenburg 128.
216 Müllenhoff Sagen 338 Nr. CDLVI, 1 u. 2.
217 Schönwerth Oberpfalz 2, 190; Alpenburg Tirol 83; Baumgarten Heimat 2, 82; Birlinger Aus Schwaben 1, 190 Nr. 165; Meier Schwaben 1, 75 Nr. 82; Nr. 83.
218 Schnezler Bad. Sagenbuch 2, 627; Hofmann Bad. Franken 15.
219 Wolf Niederl. Sagen 319 Nr. 219; 607 Nr. 507; 609 Nr. 509.
220 Ebd. 608 Nr. 508.
221 Schramek Böhmerwald 259.
222 Schnezler Bad. Sagenbuch 2, 221; Künzig Baden 45 Nr. 131; Meier Schwaben 1, 67 Nr. 78; Alemannia 2, 156. 157; Bohnenberger 4 Nr. 1; Pfister Hessen 50 Nr. 2; Schambach u. Müller 344 Nr. 92, 1; Kuhn Westf. 1, 45 A.
223 Kohlrusch Sagen 220; Alpenburg Tirol 83; Meier Schwaben 1, 68 Nr. 78, 3; Bohnenberger 4 Nr. 1.
224 Kuhn u. Schwartz 11 Nr. 12; Kuhn Märk. Sagen 84 Nr. 83; Brandenburgia 25, 151 Nr. 2; 26, 23 Nr. 58; Jahn Pommern 141 Nr. 172; Eisel Voigtland 30 Nr. 60; 35 Nr. 68; Gander Niederlausitz 58.
225 Müller Siebenbürgen 35 Nr. 54.
226 Hofmann Bad. Franken 16.
227 Rochholz Naturmythen 137.
228 Schell Bergische Sagen 535 Nr. 2.
229 Müller Siebenbürgen 34 Nr. 53.
230 Hofmann Bad. Franken 16.
231 Jahn Pommern 33 Nr. 41; Bartsch Mecklenburg 394 Nr. 545; Mannhardt 2, 207; Forschgn. 297.
232 Jahn a.a.O.
233 Schnezler Bad. Sagenbuch 2, 221.
234 Agricola Sprichw. Nr. 301.
235 Beiname
'diu Nixe' a. 1285 Germ. 1, 311.
236 Bräuner Kuriositäten 33.
237 Grimm Myth. 3, 142; Weinhold ZfVk. 5, 124; MschlesVk. 9 (1902), 19; Kühnau Sagen 2, 231, 247 Nr. 890; Drechsler 2, 165. 166. 168; ZfVk. 11, 202.
238 Witzschel Thüringen 2, 80 Nr. 94; Wolf Beiträge 2, 284.
239 HenneAm Rhyn DVs. 1, 234.
240 Meiche Sagen 360 Nr. 472.
241 Bohnenberger 94.
242 Brandenburgia 25, 161 Nr. 21.
243 Rochholz Sagen 2, 180 Nr. 404.
244 Meyer Baden 10.
245 Künzig Baden 48 Nr. 136.
246 Eisel Voigtland 432; Bechstein Thüringen 2, 175.
247 Grimm Sagen Nr. 60.
248 Vernaleken Mythen 197 Nr. 26.
249 Bartsch Mecklenburg 1 Nr. 260.
250 Birlinger Aus Schwaben 1, 190 Nr. 167.
251 Meyer Baden 176.
252 Bartsch 1 Nr. 271; 2 Nr. 659; Haas Pommern Nr. 70.
253 Meyer Myth. d. Germ. 203.
254 Lütolf Sagen 287 Nr. 226.
255 Ebd. 288 Nr. 227.
255a Kohlrusch Sagen 206 Nr. 5.

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C. Familienleben der Wassergeister

11. Familie, Kinder, Geburt. Sehr verbreitet ist die Vorstellung, dass die Wassergeister familienweise hausten. Mann und Frau treten da und dort zusammen auf; die Töchter erscheinen vom Vater streng, ja grausam behandelt. Die Wasserfräulein zeigen sich gerne zu dreien und heißen besonders in dem verbreiteten Erzählungstyp vom Tanze der Nixen im Dorfe (s.u. § 24) regelmäßig Töchter des Wassermanns.

Als Kinder der Wassergeister gelten nach verbreitetem Glauben die Wechselbälge (s.u. § 14), und ein viel bezeugter Sagentyp berichtet, wie der Wassermann eine irdische Wehmutter herunterholt, damit sie seiner Frau in Kindesnöten beistehe256). Die Geschichte läuft gewöhnlich so aus, dass die Wehfrau, von der Kindbetterin gewarnt, nach glücklicher Entbindung vom Wassermann als Lohn auf Befragen nur soviel verlangt, als ihr zukommt; Goldgier hätte ihr das Leben gekostet. Der Nix heißt sie oft die Stube auskehren und das Kehricht mitnehmen, das oben sich in Gold verwandelt. Meist hat die Frau es unwillig weggeschüttet und merkt erst an dürftigen Resten, was sie verloren hat. Bemerkenswert sind hier etwa diese vereinzelt begegnenden Züge: Der Nix tötet und frisst seine neugeborenen Kinder257). Eine Spindel, auf dem Wasser schwimmend, zeigt an, dass er das Kind, Blut, dass er auch die Frau ermordet hat258). Die Frau heißt ein ausgetauschter oder beim Baden geraubter Mensch259). Die Wehmutter muss die Stube rücklings auskehren oder wird rücklings hinaufgebracht260) oder sie muss, hinaufkommend, gleich eine Weidenrute fassen, dann ist der Wassermann ohnmächtig261). Die Wehmutter wird vom Wassermann auch vom Schiffe herab ins Meer hineingeholt262). Das neugeborene Wasserkind hat einen großen Kopf, eingebogene Nase und aufgeworfene Lippen. Manche Leute sagen, das seien die Kielkröpfe und Wechselbälge263). Das Meerweib gebar ein Kind, das man auf Sylt Seekalb zu nennen pflegt, aber die Mutter meinte, es sei so schön wie ein Engel264). Die Wehmutter erhält statt des Kehrichts auch Stroh oder Laub, auch einmal einen Ring oder ein Wunderknäuel. In einer Harzer Sage wird ihr versprochen, dass in ihrem Heimatorte nie Feuer ausbrechen solle265). Mehrere Fassungen mengen das Motiv von der Kröte ein, bei der ein Mädchen sich als Gevatterin anbietet266). Es gehört in einen anderen Zusammenhang, vgl. Laistner Sphinx 1, 235 ff.

12. Wohnung. Die Wassergeister wohnen in Quellen, Brunnen, Wasserlöchern und -höhlen, Sümpfen, Bächen, Flüssen (bes. ihren Untiefen und Strudeln), in Teichen, Seen und im Meer (s. Meergeist). In einzelnen alemannischen Gegenden lässt man sie als pädagogisches Schreckmittel auch in den Abtritten wohnen267). Für sich und seine Familie hat der Wassermann in der Tiefe eine Wohnung; vgl. die nicorhusa fela (Beowulf 1411). Es heißt öfter, doch kaum ursprünglich und bodenständig, dass die Wohnung ein Palast, ein Kristallpalast sei, strahlend von Gold und Edelsteinen; andere Berichte versichern, es sei eine 'gewöhnliche Bauernstube'268), ein grün angestrichenes Häuschen269). Ihrer zu gedenken geben namentlich die Erzählungstypen von der Wehmutter, von der Befreiung der beim Wassermann gefangen gehaltenen Seelen und der Einkehr der Nixentänzer Anlass (vgl. § 13). Der Phantasieaufwand in der Einzelschilderung ist sehr gering. Es heißt schon viel, wenn einmal gesagt wird, der Fußboden sei mit Fischaugen gepflastert gewesen oder die Tische hätten voll lockender Speisen gestanden, die in Wahrheit doch nur gebratene Schlangen und Kröten gewesen wären. Es herrscht dort eisige Kälte270). Gefällig episiert ist das Wohnungsmotiv in der bei Halberstadt und in der Oberpfalz aufgezeichneten Erzählung, dass einst ein Fischer dem Wassermann mit einer Stange eine Glasscheibe seines Hauses zertrümmert oder ein Loch in den Palast gestoßen habe und der Störenfried vom Wassergeist gezwungen wurde, den Schaden zu bessern271).

Zu der Wohnung führt, nach übereinstimmender Schilderung, eine Treppe hinab, über die der Wassermann auch Menschen einen trockenen Zugang öffnet, indem er mit einer Rute ins Wasser schlägt.

13. Ehen der Wassergeister mit Menschen. Die Wassergeister suchen sich vielfach mit Menschen in ehelicher Gemeinschaft zu verbinden. Die männlichen Wassergeister erreichen solche Ehegemeinschaft nur durch Entführung und Zwang, die weiblichen in wirklichem Liebesbund. Vom Wassermann wird entweder einfach der Glaubenssatz aufgestellt, dass er, wie der am Wörther See, alljährlich ein paar schöne Mädchen in sein Kristallschloss hinabhole272), oder es finden sich epische Ausgestaltungen wechselnder Art: Entführung beim Tanze273), Trauer des abgewiesenen Nöck und früher Tod des nun doch von Sehnsucht geplagten Mädchens274); die Mensch gewesene Frau des 'Donaufürsten' bindet jedes Mal, wenn jemand in der Donau ertrinkt, einen Blumenstrauß und schickt ihn an die Oberfläche, zum Zeichen des Geschehenen275). Im ausgeführten Typ gebiert die Frau dem Wassermann 6 oder 7 Kinder, verlangt endlich wieder einmal auf die Erde, erhält die Erlaubnis, zur Kirche zu gehen, soll aber den Segen nicht abwarten, und wird, als sie das doch tut, in wechselnder Weise bestraft276). Diese Erzählung begegnet auch als volksläufiges Lied in Deutschland und Skandinavien wie bei den Wenden, wobei eine variierende Prägung erscheint, die nur von der widerwilligen Vermählung der Braut mit dem Wassermanne unter Zustimmung der Eltern erzählt277); Agnes Miegels Ballade von der schönen Agnete hat den Stoff wunderbar gestaltet. Dass es auf Menschenlüsternheit des Wassermannes deutet, wenn er gerade Bräute zu sich hinabzieht278), lehrt eine märkische Sage: Der Wassermann, dem der Bräutigam einen Tanz mit der Braut abschlug, droht: "Heut ist sie dein, übers Jahr ist sie mein" und ertränkt das Mädchen das Jahr darauf in der Elbe279).

Die Oberpfalz weiß, dass der Zustand von Mädchen, die der Wassermann geschwängert hat, den Menschen verborgen bleibt und der Vater das Kind bei der Geburt unbemerkt weghole; sie hat auch eine sehr eigenartige epische Ausprägung des Motivs gefunden280).

Weibliche Wassergeister locken Jünglinge, manchmal durch Musik und Gesang281), zu sich in die Tiefe, um sich in ihren Umarmungen Jugend und Schönheit zu holen; die Leichname der Jünglinge erscheinen am 7. Tage, in feine Netze gewickelt, eine Wasserlilie in der Hand, am Ufer282). Gewöhnlicher aber geschieht es, um sie als Gatten bei sich in der Tiefe zu behalten283). Die Sehnsucht des Hinabgezogenen wird wohl durch ein besonderes Wasser gestillt, das er zu trinken erhält283a). Verwicklungen, die zu epischer Ausgestaltung führen, ergeben sich daraus, dass der Liebhaber die Nixe im Stich lässt284) oder dass er verheiratet ist285). Es finden sich Sagen vom Typus der Stauffenberger Geschichte286), häufiger vom Melusinen-Typ287); auch die männliche Umkehr des Agneten-Typs begegnet288). Merkwürdig verlässt ein Wasserweibchen den menschlichen Gatten, als die Magd, ihren Befehl missverstehend, das Feuer auslöscht, statt zu schüren289).

Auch an die Ehe des Königs Vilcinus mit einer sækona, aus der der riesenhafte Vadi entspringt290), ist hier zu erinnern und die Umkehr des Verhältnisses in den Erzählungen von der Überwältigung Theodelinds und der Gattin Chlodios durch Tierungeheuer291); auch Dietrich von Bern sollte eine belua marina zur Mutter gehabt haben292).

14. Wassergeister tauschen Kinder aus. Nicht selten werden die Wassergeister für den Wechselbalg verantwortlich gemacht293), der in der hier zu besprechenden Überlieferung Wasserkind oder Wassermensch294), Wastücker295), Wasserkopf296), Kielkropp297), Kielkropf298), Kuhlkropf299) genannt wird. Die Wechselbälge gelten gewöhnlich als die Kinder der Wassergeister, aber auch als ihre 'alten Leute'300). Übereinstimmend wird dem Wechselbalg ein großer Kopf zugeschrieben, der allein wächst; ein solches Kind lernt nicht gehen noch sprechen, ist sehr hässlich und behaart, kalbartig301) und schreit den ganzen Tag302); es hat einen Kopf wie ein Sester, Augen wie ein Kalb, ist am ganzen Leibe mager und fahl, wälzt sich in seinem Kot und krächzt wie ein Rabe303). Eine Zeitlang soll der unterschobene Balg freilich noch dem geraubten Kinde ähnlich sehen304). Die Wassergeister sind auch schuld, wenn Kinder tot zur Welt kommen305). Sie vollziehen den Austausch in der Wochenstube oder wenn die Mutter mit dem Kinde in der Nähe eines Wassers weilt. Er ist nur möglich, solange die Kinder noch ungetauft sind306), innerhalb der ersten sechs Wochen307), wenn die Mütter zu fest schlafen oder ihre Kinder allein lassen308). Es heißt wohl auch, die Frau habe das Kind beim Wasserschöpfen im Bach gefunden und mit nach Haus genommen309).

Die Wassergeister werden auch den Wöchnerinnen selbst gefährlich310); eine Schar von Nickern hat einst eine Frau, die allein im Kindbett lag, fortgeschleppt311). Es heißt dann, der Nickert hätte den Austausch nicht vollziehen können, wenn die Frau nicht mit dem Neugeborenen über fließendes Wasser gefahren wäre312). Als ein Bauer seinen Kielkropp zum wundertätigen Doktor bringen will, hört er auf der Brücke eine Stimme aus dem Wasser: "Kielkropp, wo wult du hen?", und das Kind antwortet: "Ik wil mi laten wegen, dat ik sal gedegen", worauf der Bauer das Kind ins Wasser wirft mit den Worten: "Kanstu nu spreken, du Undeert, denn go dorhen, wo du't hest leert"313).

Den Austausch zu verhindern, legt die Mutter, wenn sie zur Arbeit geht, dem Kinde das Gesangbuch unter den Kopf oder hält einen Vogel im Zimmer, dann hat der Unhold keine Gewalt über das Kind314), oder sie bindet die Türen der Wochenstube des Nachts mit einem Schurzband zu und lässt das Kind nie nachts allein315). Das Kind fortzuschleppen hindert das 'Wechselbuttenweib', ein 'Wechsel' in der Diele, d.h. der Ort, wo eine neue Lage Bretter angestoßen ist316), oder im Garten stehender blauer Orant317); auch konnte eine entschlossene Mutter den Dämon noch verjagen, doch blieben dem Kinde von seinen roten Fingern vier rote Flecken auf der Stirne318). Auch der Helfgott-Ruf eines Bettlers auf das Niesen eines Neugeborenen konnte den Wassermann im letzten Augenblick noch verscheuchen319).

Den Rücktausch des untergeschobenen Kindes zu bewirken, schlägt man den Wechselbalg mit Ruten oder der Peitsche, dann bringt der Wassergeist das gestohlene Kind zurück320), man spricht dazu: "Nimm dir das Deine und bring mir das Meine."321) Da aber die Nixe dem fremden Kinde alles antut, was man ihrem Kinde tut, so lassen manche Eltern ihre Kinder lieber beim Nix und erweisen den Nixkindern alles Gute, weil sie wissen, dass es ihren Kindern vergolten wird322).

Am Plöckenstein schneidet ein Vater, wenn ein Kind tot geboren oder ausgetauscht ist, einem neugeborenen Kalbe den Kopf ab, stellt sich damit auf eine Brücke, wirft den Kalbskopf über den seinen hinweg ins Wasser und eilt dann, ohne sich umzusehen, nach Haus323). Zuweilen verschwinden die Wechselbälge auch von selbst, wohl gar zum Schornstein hinaus324).

Die Wechselbälge sind sehr stark; einst schob einer einen festgefahrenen beladenen Wagen mit Leichtigkeit weg325).

15. Wassergeister bringen aber auch die Menschenkinder. Dass die Kinder – wie auch die Haustiere – aus Brunnen, Teichen, Seen, Bächen geschöpft werden, entquellend dem mütterlichen Schoß der Erde, ist ein über das ganze Gebiet verbreiteter, fast aus jedem Orte zu belegender Glaubenssatz326). Vereinzelt werden dabei die Wassergeister beteiligt gedacht. Der Wassermann bringt in Schlesien die Kinder und das neugeborene Vieh327), von ihm erhält die Hebamme die neugeborenen Kinder aus dem Brunnen328). Die Wasserjungfer holt die Kinder aus einer Quelle329), in Baden bringt sie die Häckelmutter330). Sie wohnen beim Wassermann in der Bode331), bei der 'großen Wasserfrau' im Teiche und kommen herabgeschwommen, sodass sie von den Leuten aufgefangen werden332). Die Brunnenweiber hüten unter dem Wasser auf einer großen Weide Herden von Kindern, die dann oft vom Storch geholt und in der Gegend umhergetragen werden333). Es mag damit zusammenhängen, wenn in der Mark Seejungfern den kreißenden Frauen Hilfe bringen334), in Helgoland das Meerweibchen sich den Schwangeren zeigt und, falls es ihnen günstig ist, bei der Entbindung beisteht335). An die Stelle der Wassergeister tritt öfter die Weiße Frau oder die Jungfrau Maria336).

16. Kampf der Nixe. Dass Nixen auch unter sich im Streite liegen, erhellt auf unserem Gebiete nur aus einer ziemlich häufig bezeugten Erzählung ungefähr dieses Inhalts: Bei einem Bauern tritt ein fremder Knecht in Dienst, der sich als Lohn nichts ausbedingt, als dass er schließlich einen alten Erbdegen, ein Schwert erhalte, das zweischneidig oder an dem nichts abgehandelt sei, oder dass er täglich Rindfleisch, täglich zwei Pfund Fleisch bekomme. Er braucht das, wie er schließlich aufklärend mitteilt, um, selbst Wassergeist, für den Kampf mit einem anderen Wasserdämon gerüstet zu sein. Nach Beendigung der Dienstzeit führt er den Bauern zum Wasser und springt hinein, während der Bauer an dem Aufsteigen von Milch oder Blut, weißen oder roten Strahlen oder Blasen, bräunlicher oder grüner, schwarzer oder roter Wasserfärbung ermessen soll, ob der Ausgang des Kampfes glücklich oder unglücklich gewesen. Überwiegend ist das Ende unglücklich. Die beiden Wassergeister heißen einmal Vater und Sohn, einmal Brüder. Als Grund der Feindschaft wird gelegentlich angegeben, der eine habe dem anderen die Frau entführt oder vorenthalten337).

256 Ich habe gegen 50 Fassungen notiert. Der Typus ist schon in Luthers Tischreden bezeugt; Grimm Myth. 1, 407; vgl. die ähnlichen Erzählungen in Frankreich Sébillot Folk-Lore 2, 343
257 Grimm Sagen Nr. 305 und 49; Eisel Voigtland 34 Nr. 67
258 Köhler Voigtland 472 Nr. 42
259 Grimm Sagen Nr. 49; Haupt Lausitz 1, 54, Nr. 51.
260 Kühnau Sagen 2, 259, Nr. 907; 308, Nr. 926, 5; Grimm Sagen Nr. 67
261 Kühnau Sagen 2, 253, Nr. 957
262 Müllenhoff Sagen 339, Nr. 453, 3; Lübbing Fries. Sagen 242
263 Bräuner Kuriositäten 34 f.
264 Lübbing a.a.O.
265 Pröhle Harz 2, 166
266 Haupt Lausitz 1, 54 Nr. 51; MschlesVk. 9 (1902), 19 Nr. 1; 10 (1903), 26 Nr. 6; Kühnau Sagen 2, 230 Nr. 868; 233 Nr. 871; 259 Nr. 907; 308 Nr. 926, 5; 316 Nr. 927, 3; 342 Nr. 943; 348 Nr. 952; ZfVk. 5, 124; Schulenburg 124; Meiche Sagen 379 Nr. 499; Eisel Voigtland 38 Nr. 78; Meier Schwaben 1, 69 Nr. 78, 4; Zingerle Sagen Nr. 328
267 Birlinger Aus Schwaben 1, 189 Nr. 163.
268 Vgl. z.B. Sommer Sagen 42 Nr. 36; Grimm Sagen Nr. 52; Nr. 65 gegen Bräuner Kuriositäten 34 ff.
269 MschlesVk. 10 (1903) 26 Nr. 6
270 Jungbauer Böhmerwald 58
271 Kuhn u. Schwartz 173 Nr. 197, 2; ZfdA. 5, 378 Nr. 4; Schönwerth Oberpfalz 2, 181
272 Graber Kärnten 11 Nr. 14
273 Bräuner Kuriositäten 38; Grimm Sagen Nr. 51; Henne-Am Rhyn DVs. 227 Nr. 354
274 Pfister Hessen 53 Nr. 8
275 Vernaleken Mythen 165
276 Pröhle Unterharz 61 Nr. 155; Brandenburgia 25, 168 Nr. 36; Lohre Märk. Sagen 49 Nr. 82; Meiche Sagen 388 Nr. 512; Haupt Lausitz 49 Nr. 47; Kühnau Sagen 2, 260 Nr. 908; Schulenburg 26. 121.
277 Erk-Böhme 1, 1 ff. Nr. 1 u. 2; in den Fassungen 1, 1 a, 1 b fällt der Wassermann der Heimgekehrten als Apfel in den Schoß; vgl. dazu Laistner Sphinx 1, 132 ff.; in der Fassung 1 b hält er die Heimgekehrte an einer Kette: vgl. dazu Bolte-Polívka 3, 324; Böckel Handbuch 45 f.; MschlesVk. 3, 28; Kühnau Sagen 2, 350 Nr. 954; die wendische Überlieferung bei Haupt u. Schmaler 1, 62 ff.
278 Meiche Sagen 357, 387
279 Lohre Märk. Sagen 47 Nr. 80
280 Schönwerth Oberpfalz 2, 190. 177 f.
281 Gradl Egerländer Sagen 33 Nr. 69; Kühnau Sagen 2, 332 Nr. 934
282 Gradl a.a.O.
283 Hebel Pfälz. Sagen 38 Nr. 30; Hofmann Bad. Franken 18; Pfister Hessen 51 Nr. 4; Drechsler 2, 167
283a Kohlrusch Sagen 219 Nr. 15
284 Graber Kärnten 1 Nr. 1; 2 Nr. 2; Grohmann 117
285 Pröhle Unterharz 80 Nr. 188; Eisel Voigtland 38 Nr. 76; Jungbauer Böhmerwald 63
286 Graber Kärnten 4 Nr. 4; Kühnau Sagen a.a.O.
287 Wolf Niederl. Sagen 324 Nr. 224; Hofmann Bad. Franken 17; Bartsch Mecklenburg 1, 398 Nr. 551; Klose Sagenwelt d. Riesengeb. 80 Nr. 4; Kühnau Sagen 2, 231 Nr. 869; Vernaleken Mythen 202 Nr. 29; Schönwerth Oberpfalz 2, 193
288 Sommer Sagen 43 Nr. 38; 92 Nr. 3
289 Jungbauer Böhmerwald 65
290 Þiðrekssaga K. 23, vgl. Rabenschlacht Str. 964 ff.
291 Grimm Sagen Nr. 405 u. 424
292 Grimm Heldensage 464
293 Wuttke 383 § 583 ff.
294 Lyncker Sagen 71 Nr. 111; ZfVk. 6, 54
295 Wucke Werra 1, 47
296 Meiche Sagen 360 Nr. 472
297 Müllenhoff Sagen 314 Nr. 426
298 Sommer Sagen 39
299 Pröhle Unterharz 62 Nr. 156
300 Kuhn u. Schwartz 30
301 Kühnau Sagen 2, 162
302 Vernaleken Mythen 247 Nr. 54
303 Meier Schwaben 1, 70 Nr. 78, 6
304 Wuttke 384 § 584
305 Vernaleken Mythen 247 Nr. 54
306 Kuhn u. Schwartz 92 Nr. 103
307 Sommer Sagen 39; Jungbauer Böhmerwald 53
308 Lyncker Sagen 71 Nr. 111
309 Wolf, D. Märchen u. Sagen 194 Nr. 78
310 Eisel Voigtland 31 Nr. 61
311 Brandenburgia 25, 158 Nr. 18
312 Kuhn u. Schwartz 92 Nr. 103; vgl. Lohre Märk. Sagen 49 Nr. 83
313 Müllenhoff a.a.O.; Pröhle a.a.O. Vgl. Sieber Harzlandsagen 31; Grimm Sagen 1. 74 Nr. 81; Kuhn u. Schwartz 30. Über das Abwiegen des Wechselbalgs vgl. Hess. Bl. 7, 32, wo weitere Belege
314 Brandenburgia 25, 165 Nr. 33
315 Lyncker a.a.O.
316 Meiche Sagen 360 Nr. 472
317 Brandenburgia 25, 158 Nr. 18
318 Brandenburgia 25, 167 Nr. 36
319 Taubmann Nordböhmen 54 Nr. 28
320 Sommer Sagen 42 Nr. 37; Meier a.a.O.; Lohre a.a.O. (dazu Schuhsohlen in die Röhre statt Essen)
321 Vernaleken a.a.O.
322 Sommer Sagen 42 Nr. 37
323 Vernaleken a.a.O.
324 Wolf a.a.O.
325 Kuhn u. Schwartz a.a.O.
326 Dieterich Mutter Erde 18 ff.; Weinhold Quellenverehrung 26
327 Drechsler 2, 166; vgl. John Westböhmen 103, 242
328 Schönwerth Oberpfalz 2, 186
329 Schambach u. Müller 60 Nr. 81
330 Künzig Baden 48 Nr. 136
331 Pröhle Harz 2. 149 Nr. 374
332 Pröhle ZfMyth. 1, 196
333 Schell Bergische Sagen 536 Nr. 2
334 Kuhn Märk. Sagen 84 Nr. 83
335 Müllenhoff Sagen 339 Nr. 453, 4
336 Weinhold Quellenverehrung 26 f.
337 Kuhn Westfalen 1, 42 Nr. 37; 44 Nr. 38; 49 Nr. 40; 50 Nr. 40; Temme Pommern 297 Nr. 252 = Jahn Pommern 144 Nr. 177; Pfister Hessen 52 Nr. 5; Grimm Myth. 1, 410; 3, 143; Sagen Nr. 59; Sommer Sagen 45 Nr. 39; Pröhle Harz 2, 7 Nr. 23; Meiche Sagen 380 Nr. 501; Gander Niederlausitz 54 Nr. 138, 2; eigentümlich entstellt Kühnau Sagen 3, 378 Nr. 1756, 3; Amersbach Grimmelshausen 1, 20; Schnezler Bad. Sagenb. 2, 93; Jungbauer Böhmerwald 62; tschechisch Grohmann 261; wendisch Schulenburg 123

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D. Tätigkeit der Wassergeister unter sich

17. Allgemeines. Die Wassergeister denkt man sich gewöhnlich im oder am Wasser weilend, auf Steinen hockend, auf Bäumen am Flusse sich schaukelnd, auf dem Wehr, auf oder unter der Brücke338) sitzend, oft laut lachend in die Hände klatschend und mit allerlei Stimmen rufend; nicht selten ist auch vom Klagen der Wassergeister die Rede339).

Vereinzelt340) werden den Wassergeistern allerlei Tätigkeiten zugeschrieben. In der Salzach ziehen sie die Schiffe stromauf mit dem Rufe: "Reit ab!"341); im Wesenberger See treiben sie die Fische342). Im Osten mäht der Wassermann Gras343) oder zählt Geld344), die Wasserfrau bettelt in den Häusern345), der Wassermann holt sich Feuer für seine Pfeife346), geht auf den Markt einkaufen347), eine Nixe liest Holz348). Gewisse Tätigkeiten aber werden den Wassergeistern allgemein zugeschrieben und haben vielfach epische Ausgestaltung erfahren.

18. Haarekämmen. Ganz allgemein und schon bei Luther349) heißt es von der Nixe, in Österreich, Böhmen, Sachsen und bei den Wenden, aber auch vom Wassermanne350), sie säßen - am Tage, zur Mittagsstunde, bei heller Sonne oder auch am Abend –am Ufer, auf Steinen, auf Weiden und kämmten sich das Haar; der wendische Nyx kämmt sich die Läuse ab. Von dem benützten Kamme wird gesagt, er sei besonders groß351), blitzend352), golden353), eine Art Rosskamm mit sehr feinen Zähnen354). Alemannisch ersetzt auch das Flechten der Haare das Kämmen355).

19. Wassergeister flicken Schuhe und Kleider. Es mag der Ausdeutung von Wassergeräuschen entsprungen sein, wenn nicht selten die Vorstellung begegnet, die Wassergeister flickten ihre aus zahllosen Lappen zusammengesetzte Lederkleidung356) oder ihre Schuhe. Statt des Flickens begegnet auch ein Zählen der Fleckchen; in einer Lausitzer Fassung heißt es, der Wassermann schlage sich dabei klatschend auf die Beine357). Eine Erzählung wird aus dem Motive in der Weise aufgebaut, dass Vorübergehende den Wassergeist bei seiner Tätigkeit verspotten und dafür bestraft werden, öfter mit einer Wendung, die in einer thüringischen Sage so lautet: die Wassernixe an der Wipper deutete tanzend auf ihre Flicken und rief: "Hier ein Patzen! da ein Patzen." Ein Schäfer schlug sie mit der Peitsche und rief: "... und da ein Patzen!". Er ertrank darauf in einer Wanne, die mit Wasser aus der Wipper gefüllt war358). Eine Sage aus dem deutschen Böhmen lässt den Wassermann im Scheine des Mondes die Stiefel flicken; wenn Wolken ihn verdunkeln, ruft er: "Mund'n schei'ma oda stich ich da na Pfräima (Pfrieme) in Oasch"359). Verquickung mit dem Motive vom Aushängen der Bänder und Wäsche (s. § 20) liegt vor, wenn die Nixe von Woiz lauter handtellergroße Flecklein auf die Gesträuche hängt und Knaben ertränkt, die sie dabei mit bösartigen Versen verspotten360). Schließlich wird der Wassermann ein Schuhflicker von Profession, der für die Menschen Stiefel flickt und fertigt, und die Sage weiß dann von solchen Stiefeln zu erzählen, wie sehr sie geschätzt wurden361).

20. Wassergeister waschen362). Der Wassermann, vor allem aber weibliche Wassergeister, waschen an Flüssen, Bächen, Teichen und Seen. Man sieht die weißen Gestalten, man hört ihr Plätschern und Klopfen, man sieht vor allem die glänzend weiße, wie Spinnweb feine Wäsche am Ufer zum Bleichen ausgelegt oder an die Ufergesträuche zum Trocknen gehängt. Die Wäscherinnen verschwinden, tauchen ins Wasser, wenn Leute in die Nähe kommen. Klärlich sind hier Nebelerscheinungen mythisch apperzipiert; es heißt wohl ausdrücklich, dass das Auslegen dieser Wäsche gutes oder schlechtes Wetter, großes Wasser bedeute362a). Das wird dann phantasiemäßig weitergeführt: Auf dem Wasser steht ein Wäschekorb363), die weißen Jungfrauen waschen sich die Hände im Weiher364), oder die Haare365); die Nixe nimmt Vorübergehenden die Kappe ab, wenn sie zurückkommen, ist sie gewaschen366); die Wäscherin sucht vergebens ein blutiges Tuch reinzuwaschen367); es ist eine Sechswöchnerin, die das Kinderzeug vom Blute des gemordeten Kindes zu reinigen sucht368). Die Wäscherin ist dann wohl erlösungsbedürftig, und man muss ihr nach bekanntem Schema ein "Gott helf"369) oder "Help Gott!", nicht "Gott help!" zurufen370), um sie zu erlösen. Öfter heißt es, die Wäsche sei von den Wassergeistern als Mittel ausgehängt, die Menschen ins Wasser zu locken. Das ergibt Erzählungen von Menschen, die ertränkt wurden, weil sie – trotz warnender Stimmen - die Wäsche der Wassergeister mitgenommen oder verunreinigt haben371). Auch der kecke Zuruf Vorübergehender "Wascht mer ock a Kittl mitte" u.Ä. wird bestraft372). Die Wäscherinnen haben öfter stilisierte Erscheinungszeiten: Sie waschen zur Mittagsstunde oder am Johannistage bzw. in der Johannisnacht als dem Haupttage der Wassergeister (s. § 29)373) oder zur Weihnachtszeit374). In der Lupow darf man nach Sonnenuntergang weder waschen noch Netze spülen, sonst führen sie die Seejungfrauen davon375). Es erblicken auch wohl nur Fronfastenkinder die Wäscherinnen376) oder von mehreren Frauen, die daherkommen, nur eine377).

Nebeldeutung liegt wohl auch vor, wenn Wasserfrauen die erscheinungsverwandte Tätigkeit des Spinnens zugewiesen wird378). Es mögen dabei die spindelartigen Knospen der Wasserrose mit im Spiele sein: In der Neumark zeigen sich kleine Nixen in weißen Gewändern, die mit altmodischen Spindeln spinnen; die sehen den Köpfen der Wassermummeln gleich und tanzen emsig auf dem Wasser379).

21. Wassergeister backen. Eine Geschichte, die sonst von Erd- und Waldgeistern erzählt wird (vgl. oben 1, 755) wird auch dem Wassermanne angedichtet. Am Ufer mähende oder pflügende Bauern hören ein Backgeräusch im Wasser oder sehen einen Rauch daraus aufgehen und rufen dem Wassergeiste zu: "Wenn ihr Kuchen gebacken habt, so lasst uns auch etwas zukommen". Sofort erscheint ein Kuchen und auch wohl eine Kanne Bier; der Wassergeist stellt aber zugleich die anscheinend unlösbare Aufgabe: "Verzehrt alles und lasst alles ganz" oder "ohne zu zerschneiden, ohne das Glas zu berühren". Die Empfänger essen dann vom Kuchen nur das Innere, sodass der Rand ganz bleibt und trinken das Bier mit einem Strohhalm oder Schilfrohr. Der geprellte Wassermann muss mit einem zornigen "Das hat euch der Teufel geraten" abziehen380).

22. Der Wassergeist als Schmied. Kaum dürfte es ursprünglich sein, wenn der Wassermann als Schmied erscheint anstelle des altbezeugten und besser begründeten Bergschmiedes381). Den Wasserschmied kennt die alte Schmiedeheimat Westfalen sowie Pommern382); im Süden weiß man nur, dass Schmieden in Seen versunken seien383). Diese Wasserschmiede fertigen für die Umwohner Eisenwaren und machen sich nach dem System des 'stummen Handels' bezahlt. Sie werden vertrieben durch Nichtbezahlung oder schmutzigen Lohn. Rote eisenhaltige Wasser am Teichrande werden danach als aus der Schmiede kommend bezeichnet. Das Dasein des pommerschen Wasserschmiedes wird seltsam durch ein Regin-Fafnir-Motiv erklärt: von zwei Brüdern glaubte sich der eine, ein gelernter Schmied, vom Bruder im Erbe beeinträchtigt und begab sich deshalb mit Amboss und Schmiedegerät in den See.

23. Gesang der Wassergeister. Dass die weiblichen Wassergeister lieblich singen und durch solchen Gesang Jünglinge anlocken, wird oft erwähnt384). Gelegentlich ist von Musik, Pfeifen, Walzerklängen die Rede385). Vom männlichen Wassergeist finde ich nur einmal, in Südböhmen, Flötenspiel erwähnt, durch das er Kinder in den Teich lockt386), und in Niedersachsen sagt man, das Wassergeräusch sei das Singen des Hakemanns387); ein Lied des Strömkarl aber kennt Deutschland nicht. In der Steiermark sagt man, es gäbe nachmittags ein Unwetter, wenn die Jungfrauen in den Alpenteichen singen388); die Musik des Spielmanns im Wildsee deutet immer auf ein kommendes Unglück389).

24. Tanz der Nixen. Vom Tanze der Nixen im oder am Wasser ist in deutschen Sagen von wirklich volkstümlicher Haltung nicht eben häufig die Rede390). Gleichwohl hat sich die Tanzlust der Nixen in einer Erzählung episiert, welche die schlechthin verbreitetste Wassersage auf deutschem Sprachgebiete überhaupt darstellt (ich habe einige 90 Fassungen notiert). Sie erzählt, wie drei, seltener zwei Wasserfräulein regelmäßig ins Dorf zum Tanze zu kommen pflegten. Sie entfernen sich aber stets so, dass sie zur Mitternachtsstunde zurück sein können. Ihre Tänzer halten sie einst auf, indem sie die Uhr zurückstellen oder ihre Handschuhe verstecken, oder sie verspäten sich von selbst. Ängstlich eilen sie zum Wasser und heißen die sie begleitenden Burschen beobachten, ob das Wasser entweder sofort oder am nächsten Morgen sich weiß oder rot färben werde. Es färbt sich rot, zum Zeichen, dass sie blutiger Strafe verfallen sind. Hier wird also eine Art Ethik des Reiches der Wassergeister aufgestellt, die für ihre Landgänge an bestimmte Zeiten gebunden sind. Und wieder flammt eine blutige Grausamkeit umso verletzender auf, als die tanzenden Wasserfräulein häufig Töchter des Wassermanns heißen, der danach als der Strafende erscheint. An Besonderheiten einzelner Fassungen sei dies angemerkt. Die Wasserjungfern erscheinen gelegentlich am Johannistag zum Tanze391). In den alemannischen Fassungen392) kommen sie öfter nicht zum Tanze, sondern in die Spinnstube, wo sie spinnen helfen. Sie sprechen nie ein Wort393), reiben sich die Hände und sagen dazu "Huhuhu"394). Sie nehmen nicht Speise noch Trank und dulden nicht, dass man sie frage, woher sie wären395). In Hessental, wo die Geschichte auch in der Spinnstube passierte, bleibt man seither nie über Mitternacht auf, damit es einem nicht gehe wie dem 'Meerfräulein im Ungeheuerbrunnen'396). Als jemand die Wasserfräulein aus dem Empfinger See fragte, wer sie wären, haben sie es gesagt, sind aber seitdem weggeblieben397). Die Fräulein aus dem Wildsee sieht man gerne bei Hochzeitstänzen, da sie der Braut Segen bringen. Die Hochzeiterinnen gehen daher drei Tage vor der Vermählung zum See und laden sie ein mit dem Rufe: "Ich habe Hochzeit, komm zum Tanze"398). Nicht selten wird erzählt, die Tänzer hätten die Wasserjungfern zum Ufer begleitet und seien wohl auch von ihnen mit hinabgenommen worden, indem die Jungfern, mit einer Rute ins Wasser schlagend, einen trockenen Zugang öffneten. Unten wurden die Burschen freundlich bewirtet, öfter aber auch nur mit Mühe vor dem Wassermann gerettet, der 'Christenblut' riecht und sie bedroht399). Wenn die Burschen dabei Morast, Kehricht, Laub, Schilf, Stroh erhalten, das alles sich droben in Gold verwandelt, so sind das sichtlich Einwirkungen des Erzählungstypus von der Wehmutter im Wasserreiche, die solchen Lohn mit besserem Fug erhält400).

338 Wolf Beiträge 2, 302
339 Grimm Myth. 412; Wolf Niederl. 321 Nr. 221; Eisel Voigtland 92 Nr. 233; Gradl Egerland 22 Nr. 45; Schönwerth Oberpfalz 2, 186; Vernaleken Mythen 163; Meier Schwaben 1, 74 Nr. 81
340 Von den 'Wassermännlein' der Oberpfalz, die im Gegensatz zum Wassermann nicht im Brunnen und schwarzen Wassern oder Tümpeln, sondern nur im klaren Wasser wohnen sollen, wird bei Schönwerth 2, 179 ff. mancherlei berichtet, das nicht eben volkstümlich klingt. Von besonderer Art sollen die 'Wassertreter' in der Naab sein, harmlose nackte kleine Männlein, die an Vormittagen im Frühjahr von Stein zu Stein hüpfen, ebd. 2, 184. Auch die Berichte von den 'Wasserfral' sind, ebd. 190 f. 197 ff., wenn schon besser, stark mit Erfindung durchsetzt.
341 Freissauf Salzburger Volkssagen 230
342 Mecklenburg 1, 405 Nr. 563
343 Kühnau Sagen 2, 251 Nr. 893, 4; 252 Nr. 893, 6; Schulenburg 58
344 Kühnau 2, 278 Nr. 921, 2
345 Haupt Lausitz 1, 53 Nr. 50
346 MschlesVk. 10 (1903), 23 Nr. 23
347 Ebd. 55 Nr. 10 u. ö.
348 Sommer Sagen 39
349 Klingner 54
350 Vernaleken Mythen 168, 169 Nr. 4; 175 Nr. 8; Meiche Sagen 357 Nr. 467; Köhler Voigtland 476 Nr. 48; Jungbauer Böhmerwald 57; Schulenburg Wend. Volkstum 57, 59
351 Vernaleken Mythen a.a.O.
352 Eisel Voigtland 31 Nr. 62
353 Vernaleken a.a.O.
354 Schönwerth Oberpfalz 2, 197, 199
355 Rochholz Sagen 1, 30 Nr. 18; Künzig Baden 45 Nr. 131
356 Vgl. auch Rochholz Sagen 2, 180 Nr. 404
357 Haupt Lausitz 1, 47 Nr. 44
358 Sommer Sagen 44 Nr. 38; Meiche Sagen 368; Hauffen Forschgn z. neuer. Lit. Gesch., Festg. f. Heinzel 85 Nr. 5; Laube Teplitz 93; Kühnau Sagen 2, 355 Nr. 962; Schulenburg 128
359 Hauffen a.a.O. 84 Nr. 4
360 Kühnau Sagen 2, 244 Nr. 886, 2; verblasst ebenda 2, 239 Nr. 897
361 Grässe Sachsen Nr. 81; Grohmann 153; Jungbauer Böhmerwald 51; Sartori ZfVk. 4, 301 ff.
362 Weinhold Quellenverehrung 21 f.
362a Jungbauer Böhmerwald 66; Haupt Lausitz 46 Nr. 44
363 Kühnau Sagen 2, 236 Nr. 873
364 Schönwerth Oberpfalz 2, 229
365 Stöber Elsaß 2, 172 Nr. 242
366 Kuoni St. Galler Sagen 275 Nr. 416
367 Haas Pommersche Sagen 33 Nr. 68
368 Pröhle Unterharz 77 Nr. 186, 187; vgl. Meier Schwaben 303 Nr. 339
369 Haas a.a.O.
370 Bartsch Mecklenburg 1, 212 Nr. 271
371 Eisel Voigtland 35 Nr. 69; Witzschel Thüringen 2, 80 Nr. 95; Kühnau Sagen 2, 355 Nr. 963
372 Kühnau Sagen 2, 238 Nr. 876; Jungbauer Böhmerwald 57
373 Bartsch Mecklenburg 1, 212 Nr. 270; Haas Pommersche Sagen 33 Nr. 68; 35 Nr. 70
374 Meier Schwaben 1, 75 Nr. 83; vgl. 270 Nr. 302
375 Haas Pommern 39 Nr. 81
376 Kuoni St. Galler Sagen 198 Nr. 352
377 Knoop Posen 22 Nr. 6. 378) Haupt Lausitz 1, 46 Nr. 44
379 Lohre Märk. Sagen 50 Nr. 85; eine eigentümliche epische Weiterführung des Motivs bei Jungbauer Böhmerwald 56
380 Künzig Baden 46 Nr. 133; 47 Nr. 134; Meiche Sagen 380 Nr. 501; 391 Nr. 514; Brandenburgia 25, 165 Nr. 33, 26, 19 Nr. 51; Schulenburg Wend. Volksthum 58; Fragmentarisch Meier Schwaben 1, 75 Nr. 84; Alemannia 29, 73
381 Schwartz Studien 491; Laistner Sphinx 2. 64 ff.
382 Kuhn Westfalen 1, 41 Nr. 36; 47 Nr. 40; 50 Nr. 40 hier vermischt mit dem Typ vom 'Kampf
der Nixen'; Jahn Pommern 155 Nr. 193
383 Sepp Sagen 369; ZfMyth. 2, 346 Nr. 34 aus Tirol.
384 Wolf Niederl. 320 Nr. 220; 323 Nr. 223; 655 Nr. 564; Vläm. Sagen 131; Bartsch Mecklenburg 1, 394 Nr. 545; Zaunert Rheinland 2, 240; Witzschel Thüringen 1, 287 Nr. 293; Eisel Voigtland 31 Nr. 63; Meiche Sagen 372; Gander Niederlausitz 57 Nr. 141; Schulenburg 129; Grohmann Sagen 138, 146; Schramek Böhmerwald 259; Meier Schwaben 1, 72 Nr. 80, 1, 3; 75 Nr. 82; Künzig Baden 46 Nr. 135; Schnezler Bad. Sagen 2, 128; Zingerle Sagen 102 Nr. 168
385 Jahn Pommern 150 Nr. 184; 151 Nr. 185; Meier Schwaben 1, 72 Nr. 80, 1, 3
386 Vernaleken Mythen 175 Nr. 9
387 Schambach u. Müller 342
388 ZfVk. 1, 216
389 Schnezler Bad. Sagen 2, 123
390 Ausführlicher etwa Sommer Sagen 40, vgl. Kiesewetter Faust 389
391 Panzer Beitrag 1, 165 Nr. 192; 174 Nr. 196
392 Auch Schmitt Hettingen 9 Nr. 15
393 Künzig Baden 46 Nr. 132
394 Meiche Sagen 376
395 Schnezler Bad. Sagen 2, 128
396 Birlinger Aus Schwaben 1, 190 Nr. 165
397 Meier Schwaben 1, 74 Nr. 81
398 Schnezler a.a.O.
399 Witzschel Thüringen 2, 80 Nr. 94; Eisel Voigtland 33 Nr. 65; Meiche Sagen 371 Nr. 490; Kühnau Sagen 2, 261 Nr. 909; Schulenburg 27
400 Meier Schwaben 1, 71 Nr. 79; Vernaleken Mythen 183 Nr. 15; Eisel Voigtland 39 Nr. 79. Nr. 80; Kühnau Sagen 2, 245 Nr. 887; 261 Nr. 909; Knoop Posen 20

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E. Feindliche Einwirkung der Wassergeister auf den Menschen

Schon in § 23, 24 traten planmäßige und gefährliche Einwirkungen von Wassergeistern auf den Menschen hervor. Sie entwickeln sich darüber hinaus in einer Reihe von Typen.

25. Wassergeister necken. Die Wassergeister treiben allerlei Schabernack. Sie necken besonders Weibsleute. Durch den ständigen Zuruf: "Häng dich ock" bringt der Wassermann ein Weib dazu, sich aufzuhängen401). Das Rufen des Wassermanns täuscht häufig die Stimme eines Ertrinkenden vor402); er heißt deshalb der Ohelft-Mann403). Wassergeister setzen den Fischern den Kahn auf einen Baum404). Den Fergen äfft der Wassergeist durch nächtlichen Holüberruf. Er lässt sich auch wirklich übersetzen, der Fährmann darf dann weder sprechen, noch ihn ansehen, wenn er nicht zu Schaden kommen will; der Wassergeist wandelt sich unterwegs wohl in einen Hund oder ein Kalb oder erscheint als altes Weib404a).

26. Wassergeister hocken auf. Manchmal zeigt der Wassergeist Albnatur, indem er Vorübergehenden aufhockt405); er verschwindet dann wohl beim Schrei "Jesus Maria"406). Auch Erlösungsgeschichten knüpfen hier an. Ein brandenburgischer Waternix ruft immer: "Wo stell ick min Pal hen?" und hockt jedem auf, der ihm antwortet, bis einer ihm zuruft: "Stell ihn dorthin, wo du ihn genommen hast"; da ist er erlöst407).

Dass der Wassermann mit vorbeikommenden Menschen ringt, wird namentlich im Osten öfter erzählt408). Ein Mann rang dreimal mit dem Wassermann, zweimal ohne Schaden, das dritte Mal musste er sterben409). Einmal heißt es, der Wassermann habe dabei vergebens den Fuß in die Erde gegraben, ob er nicht etwas feuchten Boden finden könne; dann hätte er gesiegt. Die Wiesen dort sind bis heute wasserlos geblieben410).

27. Spuk in der Mühle. Als Spukgeist in der Mühle zeigt den Wassermann regelmäßig der besonders im Osten unseres Gebietes, aber auch sonst von Schleswig bis nach Franken bezeugte Schwank vom Wassermann und dem Bären. Der Wassermann stört hier den Müller, indem er allnächtlich in der Mühle Fische brät oder sonstigen Unfug treibt: Milch aus dem Stalle holt, am Ofen sich wärmt, das Rad abstellt oder in rasenden Gang setzt, auf besonderem Gange Pferdegraupen mahlt u. dergl., bis er durch das Tier eines zufällig einkehrenden Bärenführers vertrieben wird. Die treuherzige Erkundigung des übel zugerichteten Wassermanns beim Müller nach seiner 'großen Katze', seine endgültige Verscheuchung durch die Auskunft, sie habe inzwischen neun Junge gekriegt, gibt die humorvolle Zuspitzung. In der bekannten mittelhochdeutschen Fassung steht an Stelle des Wassermannes noch ein schretel oder wiht, das ein rotes keppel trägt und sich in einem Bauernhofe nächtlich Fleisch brät, das es an eisernem Spieße getragen bringt411).

28. Die Wassergeister ertränken. Menschen zu ertränken aber ist das grausame Hauptgeschäft insbesondere der männlichen Wassergeister. In naheliegender Ausdeutung der Tatsache, dass Kinder besonders häufig im Wasser verunglücken, heißt es vielfach, der Wassermann habe es vor allem auf Kinder abgesehen; er wird darum gelegentlich auch als Kinderschreck benutzt412). Das Motiv erscheint auch in märchenhafter Wendung: der Nixe wird ein neugeborenes Kind versprochen413).

Gewöhnlich wird nur gesagt, der Wassermann ziehe die Menschen hinein. Die am Wasser Schlafenden werden an den Füßen gepackt und hineingezerrt414); auch der Blick des Wassermanns soll hinabziehen415). Von Tiroler Seen wird, ohne dass ein persönlicher Wassergeist dabei genannt würde, gesagt, sie zögen Schlafende in ihr Wasser416).

Öfter ist von besonderen Vorrichtungen die Rede, deren sich die Wassergeister bei ihren Nachstellungen bedienen. Naturnahe bleibt die Angabe, die Watermöme wickle Schilf und Rohr um die Füße der Badenden417), oder die Leichen der von der Nixe Ertränkten zeigten sich in ein feines Netz gewickelt418). Es ist ein kleiner Schritt von da, den Wassermann mit seinen grünen Haaren hineinziehen419), ein Netz über den Fluss spannen zu lassen (so fein, dass man es mit bloßem Auge nicht sehen kann) oder auszusagen, er gebrauche einen unsichtbaren Strick oder Hamen420). Kinder ziehen die Wassergeister gerne vermittelst einer Stange mit eisernem Haken, einer Fischerscholle, eines Pilgerstabs mit gekrümmter Handhabe in die Wellen und heißen danach Hakemann, Krabbenmann, Häckelweiber, Häckelfrau, Häckelmutter u.ä.421). In Brandenburg, der Lausitz, in Böhmen und Schlesien lockt der Wassermann oft durch bunte Bänder (s. oben 1, 866), Tücher, Wäsche, die er über dem Wasser, am Ufer, an Bäumen, an der Brücke aushängt, misst, zum Kaufe anbietet oder zuwirft422); er wird dann wohl auch Hochzeitsführer mit dem Bänderstab423), stellt einen Maibaum mit bunten Schleifen auf424); ja der Ertrunkene streckt noch bisweilen einen Arm heraus, der einen mit bunten Bändern besteckten Stock hält425). Der 'Donaufürst' erdrosselt Kinder mit einer Korallenkette426). Der schlesische Wassermann lockt auch durch eine silberne Uhr, die über dem Wasser schwebt427); die Nixe stellt Hausschuhe ans Ufer, Mädchen damit in den Fluss zu locken: "Hättst du genommen die Kommoden, wäre es gewesen dir zum Tode"428). Die Wassergeister locken aber auch durch Gesang oder durch Rufen, das dann vielfach geradezu als Vorverkündigung für den nahen Tod eines Menschen erscheint, s. § 29.

Was der Wassergeist mit den Ertränkten tut, wird selten eigens berichtet. Vereinzelt heißt es, er fresse die Menschen429) oder füttere mit den Ertränkten seine Fische430); nach Rollenhagen bricht der Wassermann den Ertrunkenen die Hälse ab431). Dem Blutschink wie der pommerschen Wasserfrau und dem Brabanter Necker wird nachgesagt, sie saugten ihren Opfern das Blut aus432). Übereinstimmend wird berichtet, dass die Leichen der vom Wassermann Ertränkten am ganzen Leibe zerkratzt, zerbissen und blau aussähen. Vereinzelt heißt es, sie zeigten einen blauen Streifen um den Hals433). So zeigen auch Menschen, die dem Zugriffe des Wassermanns eben noch entrinnen konnten, blaue oder schwarze Male, ein Schlag des Wassermanns auf den Rücken hinterlässt den Abdruck einer Männerhand mit besonders großem Daumen434). Nach tschechischem Glauben bezeichnet der Wassermann Menschen, die zum Ertrinken bestimmt sind, wenn sie ihm entgingen, mit einem roten Bändchen; solche Leute ertrinken dann von selbst435).

Dass der Wassermann die Seelen der Ertrunkenen in seiner Stube oder in seinem Palaste in den Wellen, unter umgestürzten Töpfen, die gewöhnlich gut bäuerlich auf dem Ofen stehen, in Käsenäpfen, Gläsern, Flaschen bewahrt, wird aus einem Erzählungstypus deutlich, der besonders häufig in Böhmen, sonst in Schlesien, Niederösterreich, Tirol, auch in Franken begegnet436). Danach kommt ein Mensch, meist ein Mädchen, als Dienerin zum Wassermann und befreit eine oder alle Seelen durch Umwenden der Töpfe oder Öffnen des Verschlusses. Von den Seelen heißt es wohl, sie würden sofort wieder zu Menschen oder entflögen als weiße Tauben. Im Böhmerwald wird, gewiss missverständlich, gesagt, die Töpfe seien mit Wasser gefüllt437). Eine Fassung versichert, in den Töpfen hätten sich die Seelen befunden, die Leiber lagen unter den Bänken, als ob sie schliefen438); eine andere, die Seelen hätten in Gläsern gesteckt, die Leichen in Kristallkasten439). Tirolerisch und tschechisch sind seltsamerweise die strengen Hüter der Seelen die Wasserfräulein; sie verteidigen sie gegen den Wassermann, wenn er einmal eine freigeben will440). Der Gamburger Wassermann zwingt die Kinder, die er mit dem Haken hereingezogen hat, sich unter die Häfen zu ducken, die von den Leuten ins Wasser geworfen sind. Nur samstags mittags zwischen 12 und 1 dürfen sie hervor und miteinander spielen441). Der Wassermann hofft auf den Jüngsten Tag so viele Seelen zu haben wie der liebe Gott442). Der Erzählungstyp als Ganzes ist verwandt dem Märchen von des Teufels rußigem Bruder (KHM. 100; vgl. Bolte-Polívka 2, 423 ff.; 3, 487). Nach einer Böhmerwaldfassung müssen die ertränkten Knaben dem Wassermann die Wohnung reinigen und die Kessel heizen, in denen die Seelen der Verdammten kochen443). Eine schlesische Sage weiß, der Wassermann hielte die Leichen der Ertrunkenen in seinem Hause mit Eis überzogen444). Nach kärntnischer Auffassung arbeiten die Ertrunkenen unter der Erde, das Wasser auf die Erde hinaufzupumpen445). Im Märchen von der Wassernixe (KHM. 79) muss das Mädchen der Nixe verwirrten Flachs spinnen und Wasser in ein hohles Fass schleppen, der Junge einen Baum mit stumpfer Axt umhauen (d.h. also Traumqual dulden); sie bekommen nur hartes Brot zu essen. Dass Ertrunkene keine Ruhe im Wasser haben, wird auch sonst vielfach angenommen, tauchen Wasserleichen doch nach einigen Tagen des Verschwundenseins wieder im Wasser empor. Als ein Fischer einen solchen Auftauchenden fragte, was man für ihn tun könne, antwortete er: "Sechs Johr am Läbe verlore, und sechs Johr im Wasser verfrore"446). Sie nehmen leicht etwas von dem dämonischen Elemente an, das sie umgebracht hat. Sie spuken als Geister am Wasser447), und so spuken auch nicht ertrunkene Tote gerne ebenda448). Ein ertrunkenes Mädchen, am Strande bestattet, hockt Vorübergehenden auf, die sie bei ihrem Namen rufen449). Diese brandenburgische Sage erzählt zugleich, man habe Ertrunkene früher stets am Strande bestattet. Im Aargau errichtete man ihnen am Ufer ein 'Nothaus', aus dessen 'Tagloch' sie herausschauen450). Nach wendischen Berichten hindern Ertrunkene auch dauernd Schifffahrt und Fischfang und melden sich mit dem Spruche 'Wenn du hier bist, brauche ich nicht hier zu sein'451). Ertrunkene ziehen auch, als Nachzehrer, andere nach452).

Auch Menschen, die mit dem Wasser gefrevelt, Selbstmörder, Mütter, die ihr Kind ertränkt haben, spuken wassergeistartig an der Stelle453).

Auch sonst aber sind Seelen nicht Ertrunkener ins Wasser gebannt. Im Ziereiner See auf dem Sonnwendjoch schwimmen viele arme Seelen in der Gestalt großer Fische; wenn sie einst erlöst sein werden, wird der See austrocknen, und man kann dann durch seinen Grund ins Innere des Berges zu großen Schätzen gelangen454). Der Rachelsee duldet deshalb keinen Steinwurf, weil in ihm die Seelen leben, die im Grab keine Ruhe finden455). In den Pillersee in Tirol sind Bauern gebannt, die gefrevelt haben. Sie sind verurteilt, den See von Zeit zu Zeit zum Schwellen zu bringen, wodurch es geschieht, dass die an seinen Ufern Einschlafenden ins Wasser geraten456). In denselben See ist aber auch Pilatus gebannt und leidet darin besonders in der Karwoche entsetzliche Qualen, dass er brüllt wie ein Stier; der Glaube der Unterinntäler sucht ihn aber im Ziereiner und anderen Tiroler Seen457). Bekannter ist seine Verweisung in den nach ihm benannten Schweizer See458).

Feiertags- und Brotfrevler werden öfter vom Wasser ertränkt und üben dann nach ihrem Tode wassergeistartige Funktionen459); Seen sind ja vielfach entstanden, um Brotfrevler zu strafen. Überhaupt bieten die zahllosen Sagen von versunkenen Städten, Dörfern, Klöstern, Höfen, Gespannen manches Hierhergehörige.

29. Gefahrzeiten. Dass Flüsse, Seen, Teiche alljährlich ihr Opfer fordern, ist über ganz Deutschland hin durch ungezählte Berichte bezeugt460). Nur in einem Drittel etwa der von mir gesammelten Belege wird ausdrücklich gesagt, dass der – männliche oder weibliche – Wassergeist es sei, der dies Opfer verlange461). Gelegentlich wird der Mensch nur alle sieben Jahre eingefordert462), umgekehrt werden auch jährlich drei Menschen verlangt463) und 'de Leine fret alle jar teine'464). Wenn der Mohriner See einmal ein Jahr kein Opfer nahm, nimmt er im nächsten Jahr zwei465). Es heißt auch, das Opfer müsse eine männliche Person sein466) oder ein unschuldiges Kind467). In einen Lausitzer See kann man dreimal hineingeraten, ohne umzukommen, das vierte Mal geht man bestimmt unter468).

Wenn einmal allgemein gesagt wird, das Opfer falle stets an einem bestimmten Tage469), so wird als besonders gefährliche Zeit am häufigsten der Johannistag genannt470); in Köln sagt man: "St. Johann well hann 14 dude Mann: siben de klemme, siben de schwemme"471), wie es in Schwaben heißt: "Magdalena will an ihrem Tage (22. Juli) einen Schwimmer und einen Klimmer"472). In der Gegend des Bodensees gilt die aufklärende Regel, am Johannistage müsse der 'Engel' oder St. Johannes einen Schwimmer und einen Klimmer haben, deshalb soll an diesem Tage niemand baden noch auf einen Baum steigen473). Vereinzelter werden genannt: Walpurgis (1. Mai)474), Himmelfahrt475), Pfingsten476), Trinitatis477), Peter und Paul (29. Juni)478), Prokopi (4. Juli)479), Jakobi (25. Juli)480), der schwarze Sonntag (30. Sept.)481), Totensonntag482), die Andreasnacht (30. Nov.)483), die Freitage – an ihnen steht der Eingang in das unterirdische Reich des Wassermanns offen484) –, die Mittagszeit, zu der der Wassermann Geflügel und Menschen erwürgt485), der Abend486). An den Unglückstagen badet man nicht (vgl. Bad oben, 1, 825), fährt und fischt nicht, hält sich dem Wasser fern und geht über keine Brücke. Vor Johanni soll man überhaupt nicht baden487). Es heißt aber auch, der Wassermann herrsche an bestimmten Stellen, wer die beträte müsse versinken488).

Wer als Opfer zu fallen hat, steht schicksalhaft fest, und für diesen Menschen gibt es kein Entrinnen489). Wer berufen ist, ertrinkt, und wenn er nur bis zu den Knien im Wasser stünde490), er ertrinkt in einem Bache491) und selbst in einer Kuhtrappe492). Eine öfter begegnende Erzählung weiß zu sagen, wie ein Mensch, den man mit Gewalt vom Flusse zurückgehalten, in den er sich schon stürzen wollte, gleich darauf durch einen Schluck Wasser oder Bier oder Wein getötet wurde493) oder auf Pferdesrücken stirbt, darauf man ihn gehoben494).

Durch den Wassermann sind besonders Kinder gefährdet, die im 'Wassermann' geboren sind495). Die Mutter solcher Kinder wirft beim Taufgang eine Münze in ein am Wege fließendes Wasser mit den Worten: "Dau haust du das deine, lau mir das Meine"496), oder ein getragenes Kleid des Kindes497). Verbreitet ist die Angabe, dass kurz ehe das Opfer fällt, eine Stimme aus dem Wasser ertöne, die rufe: "Die Stunde ist da, aber der Mensch ist noch nicht da"498); dass es der Wassergeist sei, der dies rufe, wird selten ausdrücklich gesagt499). Die Stimme ruft auch wohl lockend "Nu kumm! nu is Tid!" oder ähnlich500). Es heißt auch wohl, der Wassermann rufe dreimal den Namen des Opfers501), oder eine Stimme aus dem Wasser rufe den Namen502), und wenn das Wasserhuhn in der Bode pfeift, muss einer ertrinken503). Auch Wehgeschrei und Klagen des Wassermanns, Singen der Nixen, Händeklatschen oder Lachen u.Ä. zeigen den bevorstehenden Tod eines Menschen im Wasser an504). Die gleiche Bedeutung hat es, wenn der Wassergeist sich zeigt505); wer ihn erschaut, muss nach 3 Tagen ertrinken506), ebenso der Badende, der neben sich einen Barsch mit goldenen Stacheln sieht507).

401 Kühnau Sagen 2, 344 Nr. 946. 947; 347 Nr. 950
402 Wolf Niederl. 604 Nr. 505; Grohmann 138
403 Wuttke 49 § 54
404 Grimm Sagen 1, 61 Nr. 55 = Temme Pommern 66 Nr. 38 = Jahn Pommern 143 Nr. 174
404a) Kühnau Sagen 2, 236 Nr. 873; ZfVk. 7, 443; Gander Niederlausitz 59 Nr. 147; Brandenburgia 25, 168 Nr. 38; Wolf D. Märchen u. Sagen 354 Nr. 245; Engelien u. Lahn 1, 97 Nr. 63
405 Rochholz Sagen 2, 207 Nr. 419; Stöber Elsaß 1, 24 Nr. 34; Kühnau Sagen 2, 293 Nr. 923, 2; vgl. schwedisch ZfVk. 10, 200
406 Vernaleken Mythen 192 Nr. 20
407 Brandenburgia 25, 158 Nr. 19
408 Kühnau Sagen 2, 245 Nr. 888; 286 Nr. 922, 6; 297 Nr. 924, 5; 299 Nr. 924, 6; 303 Nr. 925, 4; 320 Nr. 927, 8; Grohmann 152; Jungbauer Böhmerwald 59; Brandenburgia 25, 151 Nr. 1
409 MschlesVk. 10 (1903), 20 Nr. 13
410 Meiche Sagen 382 Nr. 503
411 Bolte ZfVk. 33/34, 33 ff. verzeichnet 24 Fassungen aus deutscher Volksüberlieferung, 53 weitere aus skandinavischem, finnischem und slawischem Bereich. Das mittelhochdeutsche Gedicht bei von der Hagen Gesamtabenteuer 3, 261 ff. Nr. 65 und A. Bernt Heinrich von Freiberg 2, 249 ff. Vgl. zu dem Typus Laistner Sphinx 2, 15 ff., auch Bolte-Polivka 2, 528 ff. zu dem verwandten Typ KHM. 114
412 Birlinger Aus Schwaben 1, 189 Nr. 163
413 Peter Österreichisch Schlesien 2, 15; KHM. Nr. 181
414 Bartsch Mecklenburg 1, 40 Nr. 562; Globus 97, 30; Kühnau Sagen 2, 230 Nr. 867
415 Schönwerth Oberpfalz 2, 186
416 ZfMyth. 2, 351 Nr. 45; 4, 201; Zingerle Sagen 143 Nr. 230; 151 Nr. 245; Heyl Tirol 94 Nr. 56
417 Grimm Myth. 3, 143
418 Gradl Egerländer Sagen 33 Nr. 69
419) Urquell N.F. 1, 179; den Übergang bietet Jungbauer Böhmerwald 57: der Wassermann wohnt in den Algen, umwickelt mit diesem seinem 'Haar' die Füße der Badenden und zieht sie hinein.
420 ZfVk. 11, 202; Kühnau Sagen 2, 247 Nr. 890; Kuhn Märk. Sagen 374
421 s.o. § 9 u. 10 nebst den Belegen; ohne Namen vgl. noch ZfMyth. 1, 29 Nr. 5; Schönwerth Oberpfalz 2, 186
422) Brandenburgia 25, 156 Nr. 14; Meiche Sagen 388 Nr. 510; Witzschel Thüringen 1, 281 Nr. 289, 4; Haupt Lausitz 1, 55 Nr. 52; Grimm Sagen Nr. 52; Jungbauer Böhmerwald 52; Vernaleken Mythen 163. 188 Nr. 18. 193; Kühnau Sagen 2, 335 Nr. 937; MschlesVk. 10, 21; 15, 107; tschechisch: Grohmann 154; polnisch: Kühnau Sagen 2, 271 Nr. 916; 283 Nr. 922; 305 Nr. 925, 5; 323 Nr. 927, 11
423 Grabowski Sagen aus Oberschlesien 7 Nr. 7
424 Forschungen z. neuer. Lit.-Gesch., Festschr. f. Heinzel 87
425 Rochholz Sagen 1, 39 zu Nr. 24
426 Vernaleken Mythen 165
427 MschlesVk. 10, 23 Nr. 17
428 Sieber Harzlandsagen 36
429 Kuhn u. Schwartz Nr. 197; Grabowski Oberschlesien Nr. 8; Meier Schwaben 68 Nr. 78, 3
430 Rochholz Sagen 2, 208 Nr. 419
431 Grimm Myth. 1, 411
432 Alpenburg Tirol 59 Nr. 6; Jahn Pommern 153 Nr. 189; Wolf Niederl. 661 Nr. 573; hier auch die merkwürdige Angabe, die Ertrunkenen, welche Jan hießen, blieben im Wasser aufrecht stehen und könnten nie umgelegt werden.
433 Grimm Myth. 3, 143; Künzig Baden 48 Nr. 137; Jungbauer Böhmerwald 253
434 Kühnau 2, 346 Nr. 949; 353 Nr. 958
435 Grohmann Abergl. 12
436 Grimm Sagen Nr. 52; Laube Teplitz 93; MschlesVk. 15, 107; Kühnau Sagen 2, 342 Nr. 943; 349 Nr. 953; 356 Nr. 965; 258 Nr. 906; 277 Nr. 920; Vernaleken Mythen 382. 163. 167. 178; Grohmann 138; Schulenburg 124; Zingerle Tirol 101 Nr. 167; Jungbauer Böhmerwald 52. 58. 59; Zaunert Rheinlandsagen 2, 240
437 Vernaleken Mythen 178; Jungbauer Böhmerwald 52
438 Taubmann Nordböhmen 59 Nr. 31
439 Zingerle Sagen 101 Nr. 167
440 Zingerle a.a.O.; Grohmann 138
441 ZfdMyth. 1, 29 Nr. 5
442 Kühnau Sagen 2, 356 Nr. 965
443 Jungbauer 52
444 Vernaleken Mythen 193 Nr. 22
445 Graber Kärnten 9 Nr. 9446) Rochholz Sagen 1, 38 Nr. 24
446 Rochholz, Sagen 1, 38, Nr 24
447 Knoop Posen 23 Nr. 1; 24 Nr. 3; 25 Nr. 7/8; Gander Niederlausitz 59 Nr. 146; Schell Berg. Sagen 275 Nr. 37 b; vgl. die skandinavischen Draugen Golther Myth. 149
448 z.B. Eisel Voigtland 85 Nr. 220
449 Brandenburgia 25, 166 Nr. 35
450 Rochholz Sagen 1, 39 Nr. 25
451 Schulenburg 117
452 Hess. Bl. 16, 21
453 Hess. Bl. a.a.O.; MschlesVk. 19 (1908), 17; Lütolf 287 Nr. 226; 294 Nr. 233
454 Heyl Tirol 64 Nr. 23
455 Jungbauer Böhmerwald 50
456 Ebd. 94 Nr. 56
457 Heyl Tirol 64 Nr. 24
458 Dübi ZfVk. 17, 56 ff.
459 Bartsch Mecklenburg 1, 411 Nr. 556; 407 Nr. 565; Kühnau Sagen 1, 575 Nr. 609; 3, 374 Nr. 1756, 2
460) Weinhold Quellenverehrung 49 ff.
461 Vgl. z.B. Pröhle Harz 2, 7 Nr. 21; Meiche Sagen 362 Nr. 475; 365 Nr. 482; Kühnau Sagen 2, 253 Nr. 894; Vernaleken Mythen 167; Bartsch Mecklenburg 1, 403 Nr. 558
462 Pröhle Harz 2, 34 Nr. 80; Wucke Werra Nr. 234; Schönwerth Oberpfalz 2, 177
463 Drechsler 2, 168; Lütolf Sagen 107
464 Schambach u. Müller 62 Nr. 84; ähnliche Verse gibt es von französischen Flüssen Sébillot Folk-Lore 2, 238
465 Brandenburgia 25, 158 Nr. 19
466 Knoop Posen 37
467 Grimm Sagen Nr. 62
468 Gander Niederlausitz 57 Nr. 142
469 Eisel Voigtland 31 Nr. 62
470 Stöber Elsaß 146; Künzig Baden 48 Nr. 137; Meier Schwaben 428 f.; Grimm Sagen Nr. 62; Sommer Sagen 39; Meiche Sagen 364; Brandenburgia 25, 151 Nr. 2; Jahn Pommern 147 Nr. 179; Knoop Posen 32 Nr. 6; Schulenburg 116
471 Grimm Myth. 3, 143
472 Meier Schwaben 433 Nr. 132
473 Meier Schwaben 429 Nr. 123
474 Grimm Myth. 1, 409 A. 3
475 Meier Schwaben 400 Nr. 86. 87; Wuttke 78 § 91
476 Pröhle Harz 2, 6 Nr. 20
477 Wuttke 314 § 464
478 John Westböhmen 242; Jungbauer Böhmerwald 51
479 Forschung. f. neuer. Litgesch., Festschr. f.
Heinzel 88
480 Jungbauer 51
481 Drechsler 2, 185
482 Wuttke 49 § 54
483 Meiche Sagen 359
484 Grohmann 160; Vernaleken Mythen 178
485 Grohmann 155
486 Drechsler 2, 168
487 Drechsler 2, 148. 266; Schulenburg 116; Volksth. 53
488 Drechsler 2, 168
489 Wuttke 39 § 42; Brandenburgia 25, 158 Nr. 19
490 Knoop Posen 57
491 Schönwerth Oberpfalz 2, 198
492 Jahn Pommern 152 Nr. 186
493 Kuhn u. Schwartz 80 Nr. 84; Jahn Pommern 154 Nr. 191; Bartsch Mecklenburg 1, 401 Nr. 557; Brandenburgia 25, 169; Gander Niederlausitz 60 Nr. 183; Henne-Am Rhyn 246 Nr. 386; Wolf Niederl. 129
494 Schambach u. Müller 62 Nr. 84
495 John Oberlohma 162; Erzgebirge 49
496 John Westböhmen 114. 235. 242; vgl. Grohmann Aberglaube Nr. 858; Köhler Voigtland 419; vgl. Meyer Myth. d. Germ. 203; Stemplinger Aberglaube 112
497 Wuttke § 105
498 Kuhn u. Schwartz 80 Nr. 84; 271 Nr. 304; Jahn Pommern 152 Nr. 186; 154 Nr. 191; Bartsch Mecklenburg 1, 401 Nr. 557 (Die Stimme ruft hier dreimal, zur Mittagsstunde); Globus 97, 29; Woeste Mark 44; Brandenburgia 25, 169 Nr. 39 (begleitet von Händeklatschen); Lübbing Friesische Sagen 250; oberdeutsch so viel ich sehe nur Schönwerth Oberpfalz 2, 198 u. Jungbauer Böhmerwald 60; ganz ähnlich in Frankreich Sébillot Folk-Lore 2, 344; Liebrecht Gervasius 38; vgl. Laistner Sphinx 2, 364 ff.
499 Jahn Pommern 153 Nr. 189; Knoop Posen 22, 23
500 Jahn Pommern 150 Nr. 183; Gander Niederlausitz 60 Nr. 183; Kuhn Märk. Sagen 83 Nr. 82; Brandenburgia 25, 157 Nr. 2; Sommer Sagen 39; Hess. Bl. 16, 21
501 Sommer a.a.O.
502 Jahn Pommern 151 Nr. 186
503 Kuhn u. Schwartz 426 Nr. 19
504 Kuhn Märk. Sagen 236 Nr. 220; 222 Nr. 207; Brandenburgia 26, 21 Nr. 55; Kuhn u. Schwartz 80 Nr. 84; Eisel Voigtland 252 Nr. 630; Kühnau Sagen 2, 237 Nr. 875; Wolf Beiträge 2, 301; Waibel u. Flamm 2, 290.
505 Kuhn u. Schwartz 175 Nr. 197, 6; Bartsch Mecklenburg 1, 403 Nr. 558; Kühnau Sagen 2, 356 Nr. 965; Schönwerth Oberpfalz 2, 187
506 Temme Pommern 66; Brandenburgia 25, 158 Nr. 19; Kühnau Sagen 2, 238 Nr. 878; vgl. 2, 283 Nr. 922, 3
507 Knoop Posen 37. Erscheinen eines Hirsches auf dem Eis: Brandenburgia 26, 24 Nr. 60

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F. Kränkungen der Wassergeister durch den Menschen

30. Dass Menschen ertränkt werden, ist oft ihre eigene Schuld. Sie haben die Wassergeister gekränkt, indem sie sie verspottet, mutwillig herausfordert, ihre Wäsche beschmutzt haben u. dgl. Manches derart ist im Vorstehenden schon unterlaufen. Es gibt aber eine Reihe von teilweise an sich harmlosen Handlungen, die der Wassergeist nicht dulden mag, so beleidigt ihn vermessenes Überschwimmen seiner Gewässer. Im Norden und Süden wird erzählt, wie Schwimmer, die sich mit einer Wette um Geld vermaßen, dreimal, hundertmal, über ein Gewässer zu schwimmen, beim dritten oder hundertsten Mal vom Wassermann in die Tiefe gezogen wurden508). Dem Hirten, der den Oberblegisee durchschwimmen will, beißt der Wassermann den Kopf ab509); eine andere Fassung der Sage erzählt, der Mutter des im Oberblegisee Ertränkten sei, als sie im Läuggelbach Wasser schöpfte, zur selben Stunde der Kopf ihres Sohnes entgegengeschwommen510). Weitreichende unterirdische Verbindung entfernter Gewässer, häufig auch der Binnengewässer mit dem Meere wird von der Sage vielfältig behauptet und durch den Hinweis auf das Wiederauftauchen von mancherlei Lebewesen und seltsamen Gegenständen, die man in das andere Gewässer geworfen, erhärtet511).

31. Das Wasser lässt seine Tiefe nicht messen. Weit verbreitet ist die Angabe, dass Gewässer, besonders Seen, grundlos seien und keine Bemühung dulden, ihre Tiefe zu messen512). Es heißt gewöhnlich, es hätte, als man dies dennoch mühsam versuchte, eine Stimme aus der Tiefe aufgeklungen, die drohend befahl, von dem Beginnen abzustehen: "Ergründest du mich, so schlünd ich dich!", "Lass mich oder ich fass dich!"513) Wessen die Stimme war, wird gewöhnlich nicht gesagt. Nur vom See des Elsässer Münstertales heißt es, die Wasserjungfer sei aufgetaucht und habe die drohenden Worte gerufen514). Sonst liest man wohl, es sei 'einer' drunten gewesen, der gedroht habe515), ein Geist habe gerufen516), die Stimme von Geistern, die in die Seetiefe gebannt sind517), ein schreckliches Ungeheuer tauchte auf und rief518); im großen Stechlin lebt ein böser purpurroter Riesenhahn, der das Messen nicht duldet519). Dass Unheimliches in der Tiefe wohnt, wird auch dadurch anschaulich gemacht, dass die Messenden statt des an den Strick gebundenen Wagenteils einen Pferdekopf heraufziehen520), neben der Pflugschar ein Segg ans Seil gebunden finden521) oder ein weißes Tuch mit einer nicht lesbaren goldenen Inschrift522).

Es mag hier angemerkt sein, dass Schwarzwälder Seen eine ungerade Zahl in sie eingesenkter Steinchen oder Erbsen in gerade verwandeln u. umgekehrt523).

32. Steine ins Wasser. Viele Seen dulden nicht, dass man einen Stein in ihre Fluten werfe; jeder Steinwurf erzeugt ein furchtbares Ungewitter, und der See überschwemmt dann wohl gar weithin das Land. Von ungezählten Gebirgsseen wird das berichtet524); am bekanntesten sind die einschlägigen Berichte vom Pilatus- und Mummelsee525). Weiterspinnende Phantasie weiß, dass ein weißer Steinhagel einen schwarzen Platzregen erzeugen werde526). Nur vereinzelt wird erzählt, dass ein solcher Steinwurf den dämonischen Seebewohner reize, so den Pilatus, oder im Reiffinger See den dort hausenden Drachen, windisch den Wassermann im Globoki Vrh, der bei einem Steinwurfe auftaucht und sich in der Luft die Hände wäscht, worauf Nebel und Ungewitter heranziehen527), schon Gervasius sagt, dass nach solchem Steinwurf tanquam offensis daemonibus tempestas erumpit528). Es gibt aber auch Erzählungen, nach denen die Wassergeister Menschen ertränken, die mit Steinen nach ihnen geworfen haben529). Eine Tiroler Sage lässt den Wassermann in prächtiger Steigerung nach wiederholter vergeblicher Warnung auftauchen und den Steinwerfer verfolgen; interessant ist hier, dass der Wassermann den Frevler nach längerer Verfolgung endlich auf nasser werdendem Boden unter dem Rufe "Noch nässer noch besser!" einholt und schindet530). Am Mummelsee tragen die Wassermännlein alle hineingeworfenen Steine sorgfältig wieder ans Ufer531). Als einer einen Stein in einen vogtländischen Teich warf, konnte er nicht mehr über den Damm fahren, ohne dass ihm alle vier Räder am Wagen brachen532); doch passiert den Steinwerfern auch, dass sie bald darauf ertrinken. Auch einer, der mit der Flinte auf den Nix zielte, ertrank nach drei Tagen533).

33. Herausrufen der Wassergeister. Wasser und Wassergeister können bei Namen gerufen und herausgefordert werden. In der Tiefe des Vierwaldstätter Sees quillt ein Brunnen; ruft man ihn dreimal mit lauter Stimme, so wallt er mit Macht über das Seewasser her und man muss eiligst fliehen. Der ihn gerufen, überlebt das Jahr nicht534). Am Pilatussee gibt es ein Unwetter, wenn man ruft "Pilatus wirf deinen Schlamm aus"535). Wenn die Quelle in der Gjoadwand bei Berchtesgaden aussetzt, muss man rufen "Gjoad! Gjoad", (oder Jaik! Jaik!) "lass den Schuss los". Dann erscheint sie wieder536). In den Marsbrunnen bei Walldürn ist ein Bauer versunken. Wenn man hineinruft: "Bauer, Bauer mit zwei Paar Ochsen und einem Gaul, Pütterle vor!", so lässt er Schaumblasen aufsteigen537). Auch in Holland ruft man die Wassergeister und führt mit ihnen gereimte Zwiegespräche538). Das Motiv verschmilzt gelegentlich mit dem Rufmotiv aus dem Sagenkreise der wilden Jagd539).

34. Körperliche Verletzung der Wassergeister. Zugespitzt und zu einer beliebten Erzählung episiert besteht Beleidigung und Rache des Wassergeistes darin, dass ein Metzger dem Wassergeist oder der Wasserfrau, die Fleisch einkaufen, die Hand abhaut, mit der sie das gewünschte Stück zu bezeichnen pflegen (wohl weil sie nicht sprechen können)540). Der Frevler ertrinkt bald darauf, und zwar gewöhnlich in einer kleinen Lache. Der Typ begegnet sehr häufig im Osten unseres Gebietes bis nach Halle, Thüringen und dem Vogtland hin, verstümmelt in zwei vereinzelten Fassungen auch in Franken und Schwaben541), und seltsam historisiert in der Schweiz542). Von dem Gelde, das die Wassergeister bezahlen, heißt es gelegentlich, es seien alte durchlöcherte Groschen gewesen, oder es habe sich in Fischschuppen verwandelt543). Verwandt ist die kärntnische Sage, man habe dem Wassermann, der häufig Speise zu betteln kam, einst heiße Nudeln vorgesetzt, sodass er sich Mund und Finger verbrannte544); oder eine wendische, nach der Flößer der Wasserfrau einen brennenden Ast unter die Röcke hielten, als sie sich an ihrem Feuer eine Kröte braten wollte545). Hier schließt dann auch der Typus 'Selbergetan', auf einen Wassergeist gewandt, sich an546).

508 Bräuner Kuriositäten 37; Grimm Sagen Nr. 54. Nr. 57; Knoop Posen 23; Gander Niederlausitz 59 Nr. 146.
509 Rochholz Sagen 2, 207 Nr. 419; Vernaleken Alpensagen 234
510 Lütolf Sagen 237 Nr. 10
511 Belege sehr zahlreich, z.B. Kuhn Westfalen 51 ff.; Sepp Sagen 349 ff.; Reiser Allgäu 1, 231 ff.; Heyl Tirol 159 ff.
512 Grimm Myth. 1, 497
513 Grimm Sagen Nr. 59; Zingerle Sagen 140 Nr. 223; 141 Nr. 224; Heyl Tirol 94; Sepp Sagen 344 Nr. 90; 393. 703; Panzer Beitrag 1, 174 Nr. 196; Jungbauer Böhmerwald 47. 50; Rochholz Sagen 8 Nr. 8. 32; Herzog Schweizer Sagen 27 Nr. 28; Vernaleken Alpensagen 232 Nr. 166; Meier Schwaben 1, 72 Nr. 80, 2, 3; 74 Nr. 81; Waibel u. Flamm 1, 125; Schnetzler Bad. Sagenbuch 1, 438; 2, 121; Hertz Elsaß 75; Vernaleken Mythen 154 Nr. 29; 156 Nr. 31; 167 Nr. 3; 200 Nr. 28; Kuhn Märk. Sagen 63 Nr. 65; Brandenburgia 26, 17 Nr. 46; Bartsch Mecklenburg 1, 404 Nr. 561
514 Hertz Elsaß 76
515ZfdMyth. 1, 450
516 Lyncker Sagen 67 Nr. 104
517 Waibel u. Flamm 2, 153
518 Reiser Allgäu 1, 234 Nr. 262
519 Brandenburgia 26, 17 Nr. 48
520 Bartsch Mecklenburg 1, 404 Nr. 561
521 Lyncker Sagen 67 Nr. 103
522 Bindewald Sagenbuch 27
523 Grimm Sagen 1, 64 Nr. 59; Schreiber Sagen aus den Rheingegenden 2, 149 Nr. 45
524 Vgl. z.B. Grimm Myth. 1, 496 ff.; Liebrecht Gervasius 146 ff.; Sartori ZfVk. 7, 116
525 Cysat 49 Nr. 135; Grimm Sagen Nr. 59
526 Zingerle Sagen 154 Nr. 250
527 ZfVk. 4, 452
528 Grimm Myth. 1, 496
529 Kuhn u. Schwartz 96 Nr. 110; Brandenburgia 26, 21 Nr. 53; Witzschel Thüringen 1, 280 Nr. 289, 3; Schönwerth Oberpfalz 2, 174
530 Zingerle Sagen 152 Nr. 249; vgl. 153 Nr. 249, 2; Heyl Tirol 159 Nr. 62
531 Grimm Sagen a.a.O.
532 Eisel Voigtland 37 Nr. 75
533 Grimm Sagen Nr. 64
534 Rochholz Sagen 1, 42; Kohlrusch Sagen 193 Nr. 16 nach Cysat
535 Wolf Dtsch. Märchen und Sagen 377 Nr. 270
536 Panzer Beitrag 1, 9 Nr. 10
537 Schnetzler Bad. Sagenbuch 2, 627
538 Wolf Dtsch. Märchen u. Sagen 198 Nr. 83; 200 Nr. 85
539 So bei Kuhn Westfalen 1, 33 Nr. 33
540 Bräuner Kuriositäten 33; Kühnau Sagen 2, 242 Nr. 884
541 Vgl. z.B. Kühnau Sagen 2, Nr. 884; 276 Nr. 919; 285 Nr. 922, 5; 330 Nr. 92; 3, 348 Nr. 951; Haupt Lausitz 1, 55 Nr. 53; 56 Nr. 54; Grimm Sagen Nr. 53; Nr 60; Sommer Sagen 40; Eisel Voigtland 36 Nr. 70. Nr. 71; 433 Nachtr.; 18 Nr. 28; Vernaleken Mythen 177 Nr. 10; 194 Nr. 23; Jungbauer Böhmerwald 55; Hofmann Bad. Franken 15; Meier Schwaben 1, 66 Nr. 77
542 Lütolf Sagen 308 Nr. 254. 543) Grimm Sagen Nr. 53; Hofmann a.a.O
544 Graber Kärnten 10 Nr. 12
545 Brandenburgia 25, 165 Nr. 34
546 Kuhn ZfdA. 4, 393

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G. Freundliche Gesinnung der Wassergeister gegen den Menschen

35. Dass W.assergeister sich den Menschen hilfreich erweisen, wird seltener berichtet. Es gibt auch eine Anzahl Erzählungen, in denen die Wassergeister als den Menschen wohlgesinnt und hilfreich gedacht werden. Allgemeiner scheint das von den Tiroler Seefräulein ausgesagt zu werden547). Nur im Osten und verblasst in Schwaben begegnet ein Typ, wonach der Wassermann einem armen Bauern Korn zur Aussaat leiht, die reichen Ertrag bringt, unter der Bedingung, dass das Geliehene zurückgegeben werde548). Verbreiteter ist die Vorstellung, dass Wassergeister nach Heimchenart den Menschen allerlei häusliche Dienste leisten: bei der Arbeit helfen, waschen, weben, Vieh füttern, Kinder pflegen, mähen, roden, insbesondere auch backen; einmal heißt es, nur die Betten hätten sie nicht gemacht549). Es heften sich denn an solche Wassergeister auch die üblichen Hauskoboldgeschichten, so der bekannte Typ 'Ausgelohnt'550) oder der Wassergeist wird vertrieben, wenn man ihm sein Essen nicht recht gibt551), ihm heimtückisch Milch mit Knoblauch vorsetzt, statt mit Zucker: "Melk en look, Flerus verhuist, En't gluk ook"552). Entsprechend haust im wendischen Koboldsee ein Kobold, der die Rolle des Wassermanns spielt554), und in deutsch sprechenden, einst wendischen Gegenden wird der Nix Kobold genannt555) wie im Braunschweigischen die Ausdrücke twarg, unnereersche und nickerkeerls gleichbedeutend gebraucht werden556). Gelegentlich mischt der Typus von den tanzenden Nixen sich ein: Die hilfreichen Seemännlein versehen sich bei der Arbeit in der Zeit, kehren zu spät in den See zurück und werden getötet557).

36. Wassergeister heilen558). Die heilende Kraft des Wassers lässt gelegentlich auch die Wassergeister in Krankheitsnöten suchen. Man kann an Wasser gesunden, in dem der Wassermann weilt559). Das Heidebrünnlein in Böhmen verdankt seine Heilkraft dem Wassermann oder Wasserweib, das in ihm haust560). Der Quell von Haldenstein dankt seine Heilkraft der Quelljungfer, die neben ihm zu sitzen pflegt561); Tiroler Seefräulein verleihen den Wasserpflanzen Heilkräfte und pflanzen auf Wiesen ihrer Umgebung Heilkräuter562). Man erbittet von der Seefrau Wasser gegen Skrofeln562a), ruft den Wassermann mit Zaubersprüchen gegen die Gicht: "Wassermann, ich klage dir, die reißende Gicht, die plagt mir, Wassermann ich trank dir, die reißende Gicht vergang mir", u.Ä. und trinkt dabei Wasser, das stromab geschöpft ist oder gegen den Strom geschöpft und mit dem Strom ausgegossen wird563). Freilich wird Fieber auch durch weibliche Brunnengeister erzeugt564), und wer die weißen Jungfrauen im Tribächli erblickt, wird mit Aussatz geschlagen565).

547 So wenigstens Alpenburg Tirol 83 ff., 98, 100, 101
548 Meiche Sagen 383 Nr. 504; Schulenburg Wend. Volksth. 58. 59; Jungbauer Böhmerwald 65; Alemannia 2, 153
549 Wolf Dtsch. Märchen u. Sagen 349 Nr. 240; vgl. auch 197 Nr. 81; 198 Nr. 82; Eisel Voigtland 37 Nr. 75; Meiche Sagen 389 Nr. 513; Taubmann Nordböhmen 47 Nr. 24; Grohmann 156; Panzer Beitrag 1, 148 Nr. 166; Meier Schwaben 1, 71 Nr. 79; Bohnenberger 4 Nr. 1; Alemannia 2, 153
550 Henne-Am Rhyn 239 Nr. 373; Meier Schwaben 1, 69 Nr. 78, 5; 73 Nr. 80, 3; Birlinger Aus Schwaben 1, 190 Nr. 165; Nr. 167; Grohmann 141 = Rank Böhmerwald 162; Jungbauer Böhmerwald 65
551 Alemannia 2, 156
552 Wolf Niederl. Sagen 318 Nr. 216
553 Schulenburg 26 ff.
554 Schulenburg Wend. Volksth. 57 A. 2
555 Andree Braunschweig 389
556 Bohnenberger 4 Nr. 1
557 Wolf Beiträge 2, 287; Weinhold Quellenverehrung 40
558 Grohmann 146
559 Kühnau Sagen 2, 343
560 Vernaleken Alpensagen 233 Nr. 165
561 Alpenburg Tirol 83
561a ZfVk. 11, 328
562 ZfVk. 7, 171
563 Grohmann 140
564 Rochholz Sagen 1, 56 Nr. 46

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H. Wissen und Wahrsagen der Wassergeister

37. Gewässer lassen Wetter voraussagen und Wachstum. Zahllos sind in Deutschland die 'Hungerbrunnen', 'Hungerpützen'566), deren Fließen Teurung – daher auch 'Teuerbrunnen' genannt567) -, deren Ausbleiben ein gutes Jahr verkündigt, daher sie auch 'Getreidebrunnen', 'Weinbrunnen' genannt werden568). "Wenn die Brunnen im Herbst ausbleiben, so gehen sie nach Korn", d.h. es folgt ein fruchtbares Jahr569). Auch der Wasserstand in Flüssen und Seen gibt Anhalt zur Wetter- und Wachstumsbestimmung; nach dem Rigsee bei Murnau sollen früher alljährlich Leute aus den kornreichen Donaugegenden gekommen sein, um seinen Wasserstand zu prüfen570). Und durch bloßes Wassermessen, unabhängig von bestimmten Brunnen, lässt künftiges Wohlsein oder Verarmen sich feststellen571).

Die Anzeigen erfolgen öfter durch dämonische Gestalten. Auf einem pommerschen See erscheint jedes Mal vor einem Sturme der Feuerkönig in einem leichten Kahne mit feuriger Krone, feuriger Rüstung und glühendem Schwert572). Wenn die Oberpfälzer Mirfral oder die Jungfrauen in den steirischen Alpenteichen singen, gibt es nachmittags ein Gewitter573). Erscheinen des Wassergeistes zeigt einen Wolkenbruch an574). Wenn die wendischen Seejungfrauen aus dem Wasser tauchen, spielen und singen, kommt ein 'Ungestüm'; manche sagen auch, sie tauchten unter, wenn anderes Wetter kommen soll575). Wenn die Seeweiber Wäsche trocknen, ändert sich das Wetter576). Wenn die drei Schwestern im Gießen baden, dann gibt es gutes Heuwetter577). Wenn man die 'zwey Gespenst' im Selisberger See herumschwimmen sieht, kommt böse Zeit578). Einen Schritt weiter geht die Lausitzer Formulierung: Der Wassermann kommt auf den Wochenmarkt Getreide kaufen; bezahlt er es teuer, so gibt es teure Zeit, verkauft er selbst Getreide, und zwar billiger als andere, so fallen die Preise. Dasselbe tut seine Frau mit der Butter579). Ähnlich steht neben dem Geisbrunnen auf dem Freiburger Schlossberg in der Neujahrsnacht ein Männlein, das nicht viele Worte macht und doch viel andeutet. Wird das Jahr gut, so hält er drei Ähren in der einen Hand und drei Trauben in der anderen und nickt freundlich; leere Hände und ein saures Gesicht verkünden ein schlechtes Jahr580). Da der Wassergeist außerdem den künftigen Tod von Menschen ansagt (s.o. § 29), so versteht man, dass ihm auch sonst Wissen um die Zukunft beigelegt wird. Er bleibt noch in seinem Elemente, wenn den Antwerpenern früher eine Seemeerminne das Nahen eines Walfisches anzuzeigen pflegte, indem sie mit halbem Leibe übers Wasser stieg und sang: "Scheppers, werpt de tonnekens uit, De walfisch sal gaen komen"581). Aber auch als die Einwohner von Zevenbergen in Sünden versanken, kam allnächtlich eine Meerminne geflogen, setzte sich auf den Turm der Kirche Sint Lobbetjen und sang: "Zevenbergen sal vergaen, En Lobbetjens toren blyven staen". Ähnliches wird von Schouven und Mueden berichtet582). Eine Wahrsagerin in Ypern beschwor denn auch, ehe sie ihre Prophezeiungen aussprach, stets den Wassergeist mit den Worten: "Kom, Necker, Myn decker, Myn wecker, Myn lotetrecker (Loszieher), Myn g'heim ontdecker, En toon van daeg (und offenbare mir heute), Wat dat ick u Necker vraeg". Dann drehte sie sich dreimal rundum und wusste alles, was man sie fragte. Über ihrer Tür hatte sie ein Schild, darauf stand: "Der Necker allhier sagen kann, was man fragt, sei's Frau ob Mann". Danach wäre zuletzt die Straße Neckerstraße genannt worden583). Aus einem Brunnen bei Jaxthausen kamen vor alten Zeiten Meerfräulein ins Ort und weissagten, es würden bald Männer kommen, die das Messopfer und die katholische Religion abschaffen würden584).

Über Wahrsagen und geheimes Wissen gefangener Wassergeister s. § 40.

Tiergestaltige Wassergeister scheinen auch die Riesenhirsche zu sein, deren Erscheinen jedes Mal den Tod des Herrn oder Patrones des Sees im laufenden Jahre bedeutet585); die Fulda steht still, wenn der Tod des Landesfürsten bevorsteht586).

Plutarch erzählt im Leben Caesars, Kap. 19, dass die heiligen Frauen Ariovist aus dem Anschauen der Flusswirbel und dem Wogen und Rauschen des Wassers die Zukunft gedeutet hätten. Auch die Opfer der Franken an den Po, von denen Agathias erzählt (unten § 38), scheinen zu Orakelzwecken erfolgt; Papst Gregor III. verbietet 731 für die germanischen Provinzen fontium auguria587). Im Nibelungenlied588) erzwingt Hagen von drei Meerfrauen (diu wilden merewip589)), die er in einem Quell badend trifft, durch Wegnahme ihrer Kleider eine Weissagung, die zu glauben er von vorneherein willig ist590), über den Ausgang der Fahrt zu den Hunnen. Die eine, Hadeburg, betrügt ihn mit frohem Bescheid. Als er aber die Kleider zurückgegeben, sagt die Zweite, Sigelind (C: Winnelind), muome (vgl. § 10) der Ersten, ihm die bittre Wahrheit, die nachher am Kaplane sich bewährt. Auf Hagens Begehren belehrt "daz allerwîseste wîp" ihn noch über die Furt und die Zustände im Bayernlande und gibt ihm warnende Weisungen591). Auch die merminne Wächilt (in der Ambraser Hs. Nothilt), die Wittich schirmend auf den Meeresgrund nimmt, erweist ein geheimes Wissen um irdische Dinge592).

565 Grimm Myth. 1, 361; 3, 142
566 Belege z.B. bei Grimm Myth. 1, 491 ff.; Kuhn Westfalen 334 ff.; Sepp Sagen 322 ff.; Rochholz Sagen 1, 39 f.; Kohlrusch Sagen 97 ff.
567 Schönwerth Oberpfalz 2, 172
568 Sepp Sagen 322; Stöber Elsaß 65 Nr. 79
569 Schönwerth a.a.O.
570 Sepp a.a.O.
571 Grimm Myth. 491 f.
572 Temme Pommern 279 Nr. 237
573 Schönwerth Oberpfalz 2, 192; ZfVk. 1, 216
574 Kühnau Sagen 2, 280 Nr. 921, 5
575 Schulenburg 129
576 Schramek Böhmerwald 259
577 Rochholz Sagen 1, 3 Nr. 4
578 Cysat 49 Nr. 134; vgl. auch Lütolf Sagen Nr. 215; Vernaleken Alpensagen Nr. 154
579 Haupt Lausitz 1, 46 Nr. 44
580 Schnetzler Bad. Sagenbuch 1, 369
581 Wolf Niederl. Sagen 609 Nr. 508
582 Ebd. 607 Nr. 507; 656 Nr. 565; 609 Nr. 509
583 Wolf Niederl. Sagen 194 Nr. 79
584 Birlinger Aus Schwaben 1, 134 Nr. 203
585 Lütolf Sagen 281 Nr. 222; vgl. Schmitz Eifelsagen 1, 73
586 Grimm Sagen Nr. 111
587 Weinhold Quellenverehrung 28
588 25. Aventiure, Str. 1833 ff.
589 1574, 3; 1580, 3
590 Str. 1536
591 þidrekssaga K. 364 heißen die siókonor Mutter und Tochter; sie sind vom Rheine hierher gekommen in das Wasser, sich zu erlustigen. Hogni erschlägt beide, als er, sofort, die üble Weissagung bekommen hat.
592) Rabenschlacht Str. 964 ff.

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J. Opfer und Abwehr

38. Dem Unheil zu wehren werden dem Wasser oder den Wassergeistern Opfer dargebracht. Die Sage, nicht selten auch noch der Brauch, kennt Stein-, Speise-, Kleider-, Münz-593) und Tieropfer, die teilweise deutlich als stellvertretende Menschenopfer gekennzeichnet sind; die Sage spricht auch noch von wirklichen Menschenopfern. So häufig gerade die Bekränzung der Brunnen, auch wohl Blumenopfer an Gewässer begegnen, scheinen sie doch als Opfer an persönlich gedachte Wassergeister so wenig irgendwo bezeugt wie das Anzünden von Lichtern. Vielfach haben Heilige die Wassergeister als Empfänger der Opfer ersetzt594).

Diese Opfer sind alt bezeugt. Schon Prokop erzählt im Gotenkrieg 2, 25, die Franken hätten bei ihrem Einfall in Italien im Jahre 539 die Leichen gotischer Weiber und Kinder 'als Erstlingsopfer des Krieges' in den Po geworfen595), nach Agathias Historien 1, 7 opferten die Alemannen den Flüssen Pferde, Stiere und andere Tiere, denen sie den Kopf abschlugen. In den Krimmler Wasserfall wirft jeder Vorübergehende einen Stein, die darin wohnenden Geister sich günstig zu stimmen; bitter büßt, der es versäumt596). Dem Nickelmann in der Bode musste man früher jährlich einen schwarzen Hahn in die Bode werfen, sonst ertrank jemand597) oder ein Huhn, einen Hund oder eine Katze598). Die Enz bei Vaihingen und der Neckar bei Mittelstadt verlangen am Himmelfahrtstag einen Bienenkorb, ein Schaf, einen Laib Brot und einen Menschen als Opfer599). Den hl. Johannes zu versöhnen, dessen Tag ein Wasseropfer fordert, werden drei weiße Hennen unter einer ihm geweihten Eiche geschlachtet600). Der schlesische Müller gibt dem Wassermann, der sich im Mühlbach aufhält, am Weihnachtsabend von den Speisen seines Tisches, damit er ihm im Laufe des Jahres das Wehr nicht durchbreche oder ein anderes Opfer fordere601). In Oberösterreich werfen die Müller am St. Nikolaustag alte Kleidungsstücke, Esswaren und ähnliches ins Wasser, um von dem Wassermännchen für das ganze Jahr Frieden zu erbitten602). Einem mährischen Bauern schenkte der Wassermann das Leben gegen das Versprechen, dass er ihm alle Monate ein schwarz und weiß geflecktes Kalb zum Teiche bringe. Als der Bauer beim dritten Mal ein weißes Kalb mit schwarzer Farbe befleckte, zog ihn der Wassermann in die Tiefe603). Unter den Wenden legen die Leute dem Nix frischgebackenes Brot an den Teich, werfen für ihn Hühner, schwarze Enten und ganze Brote ins Wasser; die Schiffer werfen, um sich vor der Verfolgung der Wasserjungfern zu retten, ein Tier, eine Katze, was sie gerade haben, ins Wasser, dann fressen das die Seejungfern und lassen von ihnen ab; der Dämon im Koboldsee fordert von einer Vorübergehenden ein schwarzes Hühnchen und ein Brot; in alten Zeiten warf man lebendige Schweine, Kälber, Katzen, schwarze Hühner, schwarze Enten, schwarze Taubert und ganze Brote in die Mühlgräben, weil sonst jemand starb; wenn in der Mühle die Räder pfiffen, so warf man einen Brotrand hinein, und hörte es dann noch nicht auf, so musste man etwas Lebendiges hineinwerfen: ein Huhn, eine Taube, ein schlechtes Ferkel, dann war es wieder gut604). Auch Menschenopfer an den Wassergeist kennt die Sage noch: Einem See auf Rügen musste alljährlich605) eine Jungfrau, dem Weißen See in den Vogesen gelegentlich einer Seuche ein unschuldiges Knäblein geopfert werden606). Wird der Wassermann um ein versprochenes Menschenopfer betrogen, so holt er sichs607). Ganz besonders verlangt die Sicherung von Wasserbauten Opfer oder Abwehrmittel. Ein Wehr in der Unstrut hält dadurch jedem Hochwasser stand, dass ein Säugling eingemauert wurde608). Ebenso hat man in einen friesischen Deich ein Kind eingesenkt609). Eine Brücke über die Saale wurde so lange von zwei großen Saalmännern zerstört, bis man ein paar Bruchstücke von der Geißel des hl. Nikolaus einmauerte610). Auch Anlage und Erhaltung von Brunnen bedarf der Sicherung durch Opfer. Pommersche Brunnen überschwemmten mit Wassermengen, auf denen eine weiße Gans, eine weiße Ente, schwamm, so lange das Land, bis man einen schwarzen Bullen, ein schwarzes Kalb, ein Kind hineinstürzte611). Ein Brunnen in West-Friesland hört erst auf, alles zu überschwemmen, nachdem man das Blut eines dreijährigen Kindes hineingemengt hat612). Zu einer Höhle im Harz, in der jährlich ein Mensch ertrinkt, zieht eine Prozession, die ein Kreuz hineinlässt613). Den Salzbrunnen, in dem der Haalgeist haust, der Überschwemmungen verkündigt, sucht eine Prozession am 5. Sonntag nach Ostern613a) auf. Das Pulvermaar in der Eifel wurde von den Umwohnern 'an einem Tage im Frühjahr' betend und singend umzogen. Als sie das einst unterließen, tobte der See, bis ein in der Nähe weidender Schäfer seinen Hut in Ermangelung von Kreuz und Fahne auf den Schäferstab steckte und den See singend und betend umzog614). Als der Blautopf bei Blaubeuren im Jahre 1641 tobte, zog eine Prozession zu ihm, und man warf zur Versöhnung der in der Quelle wohnenden 'Nymphe' zwei vergoldete Becher hinein615). So wirft man auch in den Walchensee, Ammersee und den See am Dreisesselberg Goldringe, um sie zu beschwichtigen616). Auch der Aarauer Stadtbach hat seinen jährlichen Festzug617). Episch ausgeweitet erscheint das Opfermotiv in der oben angezogenen mährischen Sage618).

39. Gegenmittel. Der Abwehr der Wassergeister dienen verschiedene Mittel. Man muss zweimal gebähtes Brot619), nüchtern eine Bähschnitte620), morgens vor dem Ausgehen gebackene Semmelschnitten621), zweimal geweihtes Brot622), zweimal am Tage Brot623), in neun verschiedenen Häusern gebackenes Brot624), Zwieback essen625), neunmal geweihtes Johannisbrot in die Kleider nähen626), etwas Mehlteig in der Tasche tragen627) oder gesegnetes Brot628). Man muss Dorant und Dosten (vgl. oben 2, 350 ff. 367 ff.) bei sich tragen629); der Nix redet da die im Keller Bier zapfende Wöchnerin in Versen an: "Hättst nicht Dorant und Dosten, solltest Bierle nicht kosten". Blauer Orant im Garten stehend, hindert die Nicker, die Wöchnerin wegzutragen630). Ein Edelweiß an der Brust scheucht die Wassergeister in Friaul631). Der Wassermann kann mit dem Baste bestimmter Bäume gefesselt und bewältigt werden632). Die Tschechen bekämpfen den Wassermann mit seiner eigenen Strategie (s. § 28), indem sie ein rotes Band ins Wasser werfen, darein sich der Wassermann, neugierig zugreifend, verwickelt633) und bekommen den in ein Pferd verwandelten Wassermann in ihre Gewalt, indem sie ihm das Leitseil einer Halfter aufwerfen, um das geweihte Erlenrinde gewickelt ist634). Man kann auch einen geweihten Strick benutzen, ihn zu fesseln635). Die Wenden fangen den Wassermann in einem Sacke, den man mit Stichen gerade von sich weg genäht hat636), wehren ihn durch große Holzfeuer ab, die die ganze Nacht hindurch brennen637). Im polnischen Schlesien vertreibt man den Wassermann durch Ohrfeigen mit der linken Hand638) oder indem man mit der linken Hand ein Musikinstrument spielt und Kreuze macht639). Man ist seiner Verfolgung entronnen, wenn es gelingt, über die Wagengeleise zu springen640), oder wenn man 'bestimmte Worte' singt641), flucht642), den Spruch hersagt: "Wassermann plump, Zieh mich nich in Tump, Zieh mich nich ze tief nei, Doß ich nich stecken blei"643); tschechisch ruft man ihm zu: "Leviathan, lass los die christliche Seele"644). Christlichkirchliches mengt auch sonst sich ein oder erscheint für sich - besonders häufig im polnischen Schlesien – als wirksames Abwehrmittel. Man muss gegen den Wassermann einen Kreuzknoten in die Peitsche schlingen und damit vor und hinter dem Wagen ein Kreuz in der Luft beschreiben645); man muss vor dem Baden ein Kreuz, drei Kreuze machen646). Man muss die Muttergottes anrufen und ein Kreuz schlagen647), "Jesu Maria" rufen648), beten649), 'C + M + B' über die Tür schreiben650). Weihwasser brennt ihn wie Feuer651). Ein (geweihter) Rosenkranz652), ein Skapulier653) verscheucht ihn. Ein am Palmsonntag geweihter Zweig vom Pimpernussbaum tötet ihn654). Wer den Johannissegen getrunken hat, ist gefeit655). Aus Merowingerzeit ist schon häufig belegt, dass Heiliges und Heilige gegen Wassergeister schützen656).

40. Fangen der Wassergeister Vereinzelt wird erzählt, dass man einen Wassergeist gefangen habe657) in einem Netz658) oder indem man ihm Essen und Trinken hinstellte und den Trunkenen in ein mit Harz bestrichenes Gewand oder in Pechstiefel steigen ließ659), die Wasserhexe mit einem Milchbrot in eine Flasche lockte660), den zuschauenden Wassermann in ein gespaltenes Holz einklemmte661), der aus den Wellen steigenden Wasserjungfer einen geweihten Rosenkranz662), dem Wassermann einen Baststrick mit drei Knoten, einen Strick mit einer Schlinge, einen Strohhalm überwarf, in den man mit der linken Hand (oben § 39) drei Knoten geknüpft hatte663); Meergeister (s.d.) werden ohne besondere Veranstaltungen gefangen. Die Gefangenen verraten dann, um freizukommen, allerlei Wissen, wie die Kunde um den Erzberg, den sie den Steirern schenken664), während sie das Wissen um das Kreuz in der Nuss und den Karfunkelstein oder die Aufklärung eines unverständlichen Ausspruches ("Kölln oder dill, ick segg jo nich, wo't got faer is, un wenn ji mi ok fillt")665) zurückhalten. Die Erzählungen laufen dann in allerlei andere Typen aus: Teufel in der Kirche, der die Ochsenhaut beschreibt666), Einsiedler und Engel, Dienst der gefangenen Schwanjungfrau u.a. Sie stimmen sehr genau zu dem, was altskandinavische Überlieferung (Landnáma 2, 5; Hálfssaga K. 7) von Fang und Weisheit des marmenill sowie neuere skandinavische Volkssagen erzählen667).

Nach tschechischem Glauben verliert der Wassermann, wenn er sich nach Regen bei Sonnenschein am Teichrande wärmt, seine Kraft, und man kann ihn töten. Wenn die Frösche zu quaken beginnen, gewinnt er seine Kraft zurück. Das Grüne, das auf der Oberfläche der Teiche schwimmt, sind die Häute der getöteten Wassermänner668). Das Ganze überspinnt wohl nur den Glaubenssatz, dass der Wassermann auf dem Lande keine Kraft hat669), wie umgekehrt die geringste Berührung mit seinem Elemente ihn gewaltig macht. "Hätt ich nur die große Zehe ins Wasser eintunken können, so wärest du mein gewesen", sagt der Wassermann zu einem Bauern, der ihn im Ringen besiegt hat670). Ein gefangener Wassermann verschwindet sofort, als man ihm Wasser zu trinken gibt671), wie die Wasserpferde (§ 3). So kann er an jedem Menschen sich rächen, der nur mit der kleinsten Wassermenge in Berührung kommt und sei es im Trinken (§ 29). Dass man keinen Trunk von Wassergeistern annehmen darf, ohne ihnen zu verfallen, wird in Sagen episiert672).

593 Belege hiefür oben in § 29.
594 Zum Ganzen vgl. Weinhold Quellenverehrung 29 ff. 48 ff. mit reichster Belegsammlung.
595 Weinhold Quellenverehrung 48 ff.
596 Freisauff Salzburg 229
597 Kuhn u. Schwartz 172 Nr. 197, 1; 426 Nr. XIX
598 Pröhle Harz 2, 6 Nr. 20
599 Meier Schwaben 400 Nr. 86, 87
600 Knoop Posen 32 Nr. 6
601 Peter Oesterreich. Schlesien 2, 13; Drechsler 1, 40
602 Vernaleken 168 Nr. 3
603 Ebd. 193 Nr. 21
604 Schulenburg 127. 129. 115; Wend. Volksthum 60
605 Jahn Pommern 144 Nr. 176
606 Stöber Elsaß 99 Nr. 137
607 ZfVk. 11. 203
608 Witzschel Thüringen 1, 281 Nr. 289. 5; ähnlich reiche Sagen 384 Nr. 505
609 Lübbing Fries. Sagen 248
610 Sieber Harzlandsagen 38, ähnlich Grimm Sagen Nr. 57
611 Knoop Hinterpommern 11 Nr. 15; 51 Nr. 100; 105 Nr. 220; vgl. 50 Nr. 97
612 Wolf Niederl. Sagen 13 Nr. 8
613 Sieber Harzlandsagen 39; vgl. Ähnliches aus Frankreich: Sébillot Folk-Lore 2, 338.
613a Meier Schwaben 1, 95 Nr. 107
614 Schmitz Eifel 2, 72
615 Birlinger Volksth. 133 Nr. 201
616 Panzer Beitrag 1. 22; 2. 139. 237; Sepp Sagen 363 ff.; Quitzmann 168
617 Rochholz Sagen 1, 20 ff.
618 Vernaleken Mythen 193 Nr. 21
619 Drechsler 2, 167
620 Taubmann Nordböhmen 49, 52
621 Vernaleken Mythen 191 Nr. 20
622 Kühnau Sagen 2, 256
623 Haupt Lausitz 1, 53 Nr. 50
624 Jungbauer Böhmerwald 52
625 Ebd. 60
626 Drechsler 2, 167
627 Mailly Sagen aus Friaul 25 Nr. 30
628 ZfVk. 11, 206, vgl. Germ. 29, 106
629 Grimm Sagen Nr. 65; Sieber Harzlandsagen 29. 30; Köhler Voigtland 472; Meiche Sagen 357 Nr. 469; Eisel Voigtland 31 Nr. 61; Taubmann Nordböhmen 56 Nr. 30; Marzell Pflanzenwelt 108; Laistner Sphinx 1, 341 f.; 2, 245
630 Brandenburgia 25, 158 Nr. 18
631 Mailly a.a.O.
632 Kühnau Sagen 2, 325 Nr. 929
633 Grohmann 12 Nr. 49; vgl. oben 1, 866
634 Vernaleken Mythen 185 Nr. 17
635 Drechsler 2, 167
636 Schulenburg 116,. 125
637 Ebd. 127
638 Kühnau Sagen 2, 303 Nr. 925, 5; MschlesVk. 10 (1903), 57 Nr. 5; ZfVk. 11, 206
639 MschlesVk. 10, 22 Nr. 15. Zur linken Hand vgl. Laistner Sphinx 1, 182 ff.
640 Vernaleken Mythen 168
641 Grohmann 155
642 ZfVk. 12, 68 Nr. 29
643 Vernaleken Mythen 191 Nr. 20
644 Grohmann 154
645 Jahn Pommern 153 Nr. 190
646 Kühnau Sagen 2, 295 Nr. 924, 2; 269 Nr. 914; 287 Nr. 922, 9; Drechsler 2, 167; MschlesVk. 10, 28 Nr. 4; 59 Nr. 91; 15, 106 Nr. 2; Meier Schwaben 503 Nr. 360
647 Pfister Hessen 51 Nr. 4
648 Vernaleken Mythen 192 Nr. 20
649 Kühnau Sagen 2, 320 Nr. 927, 8
650 Graber Kärnten 11 Nr. 12
651 Kühnau Sagen 2, 314 Nr. 925, 14
652 Vernaleken Mythen 189 Nr. 18 c; Kühnau Sagen 2, 323 Nr. 927, 11
653 Kühnau Sagen 2, 283 Nr. 922, 3; 287 Nr. 922, 9; MschlesVk. 10, 20 Nr. 4; 23 Nr. 20
654 Grohmann Abergl. 13. 52; Mannhardt 1, 289
655 Schönwerth Oberpfalz 2, 187 in bemerkenswerter Übereinstimmung mit einer Erzählung Gregors von Tours: Grimm Myth. 1, 412
656 Bernoulli Merowinger 276 ff.
657 ZfVk. 5, 271; Haupt Lausitz 1, 53 Nr. 50
658 Jahn Pommern 154. 192. 155 Nr. 194; Brandenburgia 25, 165 Nr. 33
659 ZfMyth. 1, 25; Mailly Sagen aus Friaul 25 Nr. 29; so fängt man den Waldmenschen Sepp Sagen 465
660 Brandenburgia 26, 19 Nr. 49
661 Schulenburg 116
662 Zingerle Sagen 102, Nr. 168
663 Kühnau Sagen 2, 329 Nr. 931; 341 Nr. 942; MschlesVk. 10 (1903), 32 Nr. 15
664 Schaubach Alpen 3, 244; ZfdMyth. 2, 25, anders ebd. 1, 244
665 Strackerjan 1, 515
666 Baumgarten Aus der Heimat 2, 81 f.
667 Die Stellen bei Golther Myth. 150 f.
668 Grohmann Aberglauben 233
669 Jungbauer Böhmerwald 51. 58; Kühnau Sagen 2, 214 Nr. 851
670 Kühnau 2, 355 Nr. 962; vgl. § 26
671 MschlesVk. 10 (1903), 22 Nr. 15
672 Grimm Sagen 1, 347 Nr. 306; Schnezler BadSagb. 2, 421

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K. Wassergeister in dramatischen Spielen673)

41. Auf der Saale und dem Mansfelder salzigen See werden Wasserkönig, Nixe und Nixen von Burschen in grünen Kleidern und langen Haaren in bewegten Szenen dargestellt674). Über das gesamte Gebiet verbreitet ist das Kinderspiel vom 'Nix in der Grube', bei dem Wassermann, Nix, Brunnenfrau in einem mit Wasser umschütteten Kreise, in einer Grube usw. stehen und von den übrigen Kindern in spottenden Versen aufgefordert werden, eines von ihnen hinabzuziehen oder auch wegen der roten Strümpfe verlacht, wendisch auch mit Unflätigkeit bedroht werden675).

Im 'Maipaar' heißt die männliche Figur, die in den Brunnen gestürzt wird, 'Wassermann'676).

42. Berührung mit anderen Glaubens-, Sagen- und Erzählungskreisen. In den volkstümlichen Erzählungen von den Wassergeistern zeigt sich vielfach eine Vermengung der Wasserdämonen mit anderen Erscheinungen des Volksglaubens. Die Betrachtung der Sagen vom Wasserschmiede, vom Backen und von den Dienstleistungen der Wassergeister. in der Hauswirtschaft oben §§ 21, 22, 35 gab schon zu einschlägigen Bemerkungen Anlass; hier sei nachgetragen, dass auch die rote Kleidung, das rote Käppchen des Wassermannes statt der ihm allein anstehenden grünen Farbe auf eine Vermengung mit den Heinzelmännchen deutet. Berührung mit den Zwergen (vgl. Wasserzwerge) legte schon die zwerghafte Gestalt der W., oben § 1, 2, nahe; in den Wechselbalgsagen standen die beiden Dämonengruppen immer zur Wahl. Es ist darum nicht erstaunlich, wenn gelegentlich auch von einem Auszug der W. erzählt wird677); die Nixen des Vogtlandes zogen, nach bekanntem Schema, aus, als die Menschen anfingen, die Klöße in den Töpfen und die Brote im Ofen zu zählen678). Auch die auf das Motiv "Der große Pan ist tot!" gebauten Geschichten werden öfter von Wassergeistern erzählt679) wie die Typen 'Selbergetan'680) und Rumpelstilzchen681). Wie sonst das Holz- oder Moosweiblein wird wohl auch einmal eine Seefrau vom wilden Jäger verfolgt682). Nahe verwandt sind die weiblichen Wassergeister auch den Wildfrauen des Hochgebirges, denen ähnliche Wohnorte, Gestalt, Tätigkeiten mit Waschen, Backen und häuslicher Dienstleistung bei Menschen zugeschrieben werden683). Ihre Gestalt rückt sie auch den Weißen Frauen nahe684), deren Erlösungsbedürfnis sie dann teilen685). Nur vereinzelt heißt es, die Wassergeister seien verwünschte Menschen686). Die Nixen in der Saale sollen vertauschte Menschenkinder sein, statt deren die Nixe ihre Wechselbälge oben gelassen haben687): eine Folgerung aus dem unter § 14 Behandelten. In Schlesien werden böse Kinder mit der Verwandlung in Lissjungfern bedroht688). Im Ganzen scheint mir gegen Weinhold689) die Erlösungsbedürftigkeit der Wassergeister in Deutschland kein diesem Kreise ursprünglich zugehöriger Zug; dafür tritt er zu selten auf, und die wenigen Erlösungsgeschichten, die erzählt werden690), machen einen hilflosen Eindruck. Mythisch fesselnder sind die Züge des Wasserdämons in der Erscheinung der Frau Holle691): Wohnung im Wasser, Bringen der Kinder, Hinabziehen der Kinder, Verwandlung der bösen in Wechselbälge. Eine ähnliche mythische Verbindung liegt offenbar vor, wenn man im Böhmerwald einem Mädchen, das schlecht spinnt, mit der verwunschenen Frau im Rachelsee droht, ohne dass die Überlieferung sonstige Frau-Hollen-Züge von der Seefrau zu erzählen wüsste692). Dass Hexen, besonders Wetterhexen in die Ungewitter erzeugenden Seen versetzt werden693), versteht sich leicht, ebenso die Beziehung von Wassergeistern zu den ins Wasser versunkenen Glocken694).

43. Entstehung und Wesen. Die hier gebotene Überschau zeigt, dass der Glaube an Wassergeister in ganz Deutschland lebendig ist oder jedenfalls im jüngst vergangenen Jahrhundert, das den verarbeiteten Stoff im Wesentlichen gesammelt hat, lebendig war. Selbst Zeugnisse für fortdauernden Kult der Wassergeister in Gestalt von Opfern begegnen bis in die Gegenwart, und dichterische Phantasie hat aus den Glaubensmotiven eine lange Reihe von Sagen gestaltet, von denen einige ungewöhnlich verbreitet sind.

Die Verteilung der Überlieferung über den deutschen Volksboden ist nicht ganz gleichmäßig. Nicht bloß dass einzelne Glaubensvorstellungen und Erzählungsformen, wie oben schon gelegentlich bemerkt werden konnte, auf bestimmte Gebiete sich einschränken. Die Dichte der Überlieferung im Ganzen nimmt von Osten gegen Westen ab. Die lebendigste und reichste Überlieferung zeigt sich an der östlichen Slawengrenze, die dünnste im mittelrheinischen Gebiet, sodass etwa vom Rheine selbst sich kaum eine echt volkstümliche Wassersage bezeugt findet.

Die deutsche Auffassung der Wassergeister stimmt mit der skandinavischen weitgehend überein, nur dass diese reicher noch erscheint und altertümlicher in der Bewahrung von Glauben und Kult. Aber auch mit der Überlieferung nichtgermanischer Nachbarn zeigt unsere deutsche sich durch zahlreiche Übereinstimmungen verbunden, der der Slawen sowohl als der Romanen. Mit jenen scheint ein besonders lebhafter Austausch auf dem überschauten Felde stattgefunden zu haben. Das Nähere harrt der Untersuchung.

Auch mit der Antike zeigt sich mannigfache Berührung, nur dass Nymphen, Najaden, Nereiden ein freundlicheres Gesicht zeigen. Die Übereinstimmungen scheinen nicht durchweg als das natürliche Ergebnis gleicher Voraussetzungen deutbar. Der Fischleib wie der verlockende Gesang unserer weiblichen Wassergeister dürfte den Sirenen entlehnt sein, denen freilich antik selten, aber schon seit dem 6. nachchristlichen Jahrhundert häufig, ein Fischleib zugeschoben wird. Entlehnung anzunehmen wird nahegelegt durch die Tatsache, dass Fischgestalt wie Gesang auch in deutscher Überlieferung so gut wie ausschließlich den weiblichen Wassergeistern zugeschrieben werden, dass der Gesang als bewegendes Motiv in wirklich volksmäßigen Erzählungen fast nicht, der Fischleib ebenso wenig erscheint (denn der Melusinentyp ist gewiss nicht volkhaft und bodenständig deutsch), der Fischleib aber einer Reihe volkläufiger Erzählungstypen (Tanz der Nixen, Fleisch einkaufen, häusliche Hilfeleistung) völlig widerspricht. Die Sirene war in die Vulgata eingegangen wie in den Physiologus, der deutschen Literatur des Mittelalters ist sie höchst geläufig; ihre Anschauung ward durch die zahllosen fischschwänzigen Sirenen romanischer Plastik, die nicht selten Musikinstrumente in der Hand halten, auch ungelehrten Deutschen früh vermittelt; Lichterweibchen, Kielfiguren, Wetterfahnen, Dachtraufen, Uhrengehäuse u. dergl. haben sie auch in neueren Zeiten volkstümlich gehalten.

Wenn im Übrigen aus unserer Überlieferung zu den verschiedensten Völkern, mit denen das deutsche nie in Kulturaustausch gestanden, Fäden sich zu spinnen scheinen, so liegt das an dem gemein menschlichen Geiste, der ähnliche Vorstellungen aus gleichem Grunde heraushob. Das Wasser musste früheren Zeiten wichtiger noch erscheinen als heute als Nahrung spendende und verkehrfördernde, zugleich aber auch ungebändigt ewig gefahrdrohende Macht. Mit der Atmosphäre über ihm bot es in einer Fülle merkwürdiger Gesichts- und Gehörseindrücke reichen Stoff und Anreiz für die Bildung der oben gesammelten Glaubensvorstellungen und Sagen. Dazu kam als ein sehr Wesentliches die beunruhigende Frage, wer und was den Menschen töte, der ins Wasser gerät, da doch eine Menge von Pflanzen und Tieren in ihm unbeschwert leben. Beobachtungen an Wasserleichen bestimmen einzelne der gegebenen Antworten.

Die mythische Apperzeption der natürlichen Tatsachen musste nach Ort und Zeit verschieden sein. Unsere Überlieferung zeigt denn nicht nur beträchtliche landschaftliche Unterschiede, sondern in der fesselndsten Weise auch Verschiedenheiten, die als geschichtliche Stufen der Mythenbildung überhaupt sich fassen lassen, deren Ablauf die ältere Stufe nie völlig zerstörte, wenn sie die nächste betrat. Urstufe möchte sein, wenn das Wasser in manchen Überlieferungen rein als solches, dämonisch wohl, aber völlig ungestaltet und unpersönlich gefasst erscheint. Weiter begegnen tiergestaltige Wassergeister, durch die Beobachtung der Wassertiere nahe genug gelegt; als Zwischenstufe weiter halb tierisch, halb menschlich gedacht. Zu rein menschlicher Gestalt erhob die Anschauung sich sichtlich spät und selten, denn auch die menschengestaltigen Wassergeister erscheinen zumeist zwergenhaft, seltener riesenmäßig gedacht.

Christlicher Einfluss spielt bei der Bildung der Glaubensvorstellungen eine geringe Rolle. Ob die häufige Angabe vom lauten Klagen der Wassergeister auf Hiob 26, 5 zurückgeht: 'gigantes gemunt sub aquis' und nicht vielmehr als selbständige Ausdeutung von Gehörseindrücken aus dem Wasserbereiche erwuchs, mag dahingestellt bleiben. Am meisten hat Kirchliches sich begreiflicherweise im Abwehrzauber geltend gemacht.

Nachleben germanischer Göttervorstellungen wird in der Volksüberlieferung nirgends erweislich; die Gestalten nordischer Mythologie, Aegir, Ran, ihre Töchter und was sonst sich um sie ordnet, sind Stilisierungen der hier behandelten Glaubensvorstellungen. Die Zeugnisse für unseren Stoff sind überwiegend freilich sehr jung, im weitaus größten Teile erst im letzten Jahrhundert aufgenommen. Die wenigen Zeugnisse aus dem Mittelalter bleiben ein sparsames Wetterleuchten über dunklem Grund. Immerhin zeigen sie eine wissenschaftlich tröstliche Übereinstimmung mit der neueren Überlieferung. Sie verraten ferner, dass der Stoff neben der bäuerlichen, die der neueren Volksüberlieferung geläufig ist, auch heroische und ritterliche Stilisierung erfahren hat, da er früh und immer wieder in die Literatur eingegangen ist. Beziehungen zum Märchen haben wir hin und her zu vermerken gehabt, auch das Volkslied hat sich des Stoffes bemächtigt. Mit sittlichen Gedanken ward er auch in seinen volkstümlichen Formungen vielfach durchdrungen, selbst dem Geisterreiche zwang man z.B. in der Erzählung von den beim Tanze sich versäumenden und bestraften Nixen Ordnung und Ethik auf. Ein widerspruchsloses System ergibt die Gesamtheit der Überlieferung dabei keineswegs; man halte nur etwa die Wechselbalgsagen und die Vorstellung vom Bringen der Menschenkinder durch die Wassergeister zusammen, um zu sehen, welche Widersprüche sich nebeneinander zu behaupten vermochten.

673 Naumann Gemeinschaftskultur 123
674 Sommer Sagen 155 ff.
675 Böhme Kinderlied 576 Nr. 407; 578 Nr. 410; Grimm Sagen Nr. 61; Meyer Baden 51; Pfister Hessen 171; Andree Braunschweig 388; ZfVk. 4, 301; Eisel Voigtland 31 Nr. 63; Schönwerth Oberpfalz 2, 186; Hauffen Forschungen z. Lit. Gesch., Festschr. f. Heinzel 89. 90; Vernaleken Mythen 205; Drechsler 2, 166; Kühnau Sagen 2, 246 Nr. 889. 266 A; Müller Siebenbürgen 34 Nr. 53; Schulenburg Wend. Volksthum 190
676 Mannhardt 1, 429
677 Meiche Sagen 386 Nr. 507
678 Eisel Voigtland 30 Nr. 60
679 Birlinger 1, 131 Nr. 197
680 ZfdA. 4, 393; Kuhn u. Schwartz 97 Nr. 111; Brandenburgia 26, 21 Nr. 54
681 Brandenburgia 18, 24
682 Jahn Pommern 7 Nr. 4
683 ZfVk. 1, 216
684 Vgl. Weinhold Quellenverehrung 19 mit Belegen.
685 Müllenhoff Sagen 340 CDLV; 341 CDLVI
686 Jahn Pommern 142 Nr. 173; Bartsch Mecklenburg 1, 394 N. 56; Panzer Beitrag 1, 84 Nr. 105; Schönwerth Oberpfalz 2, 194, 196; ZfVk. 5, 124; vgl. Wuttke 51 § 56, auch Deeke Lübische Sagen 223 Nr. 116
687 Grimm Sagen 67 Nr. 60
688 ZfVk. 5, 132
689 ZfVk. 5, 123 ff.
690 Meier Schwaben 1, 68 Nr. 78, 3; ähnlich Bohnenberger 4; Vernaleken Mythen 197 Nr. 26; Haupt Lausitz 2, 232 Nr. 328; ZfVk. 5, 124 ff.
691 Grimm Sagen 6 ff. Nr. 4 ff.; Lyncker Sagen 16 Nr. 19; Mannhardt Germ. Mythen 257; vgl. Weinhold Quellenverehrung 18
692 Panzer Beitrag 1, 84 Nr. 105
693 Zingerle Tirol 150 Nr. 244; 151 Nr. 247, 248
694 ZfVk. 7, 118 ff.

Literatur über Wassergeister:
Grimm Myth. 1, 220, 360, 403 ff.; 2, 810; 3, 142 ff.
Simrock Myth. 445 ff.
Meyer Germ. Myth. 130 § 169; Myth. der Germ. 199 ff.
Golther Myth. 145 ff.
Quitzmann 134 f. 167 ff.
Mannhardt Germ. Myth. 721 ff.
Wolf Beiträge 2, 281 ff.
Wuttke 48 ff. § 54 ff.
383 ff. § 583 ff.
Mogk bei Hoops Reallex. 3, 317
Weinhold ZfVk. 5, 121
Drechsler ZfVk. 11, 201 ff.
Henne-Am Rhyn Deutsche Volkssage 221 ff.
Wehrhan Sage 70 ff.; Böckel Volkssage 24 ff.
Ranke Sagen 188 ff.; Karbe Globus 97, 29 ff.
E. Loewecke Über Wassersagenmotive und Wasserdämonen Heidelberg Diss. 1925 (Maschinenschrift).

Friedrich Panzer in: H. Bächtold-Stäubli, Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Bd. 9, Berlin 1940

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