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![]() Die Göttin Ostara in einer romantisierenden Buchillustration von Gehrts, 1884. |
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Ostara
Der angelsächsische Mönch Beda Venerabilis erwähnt in seiner Schrift "De temporum ratione" (cp. 13) eine Göttin Eostra: "Antiqui Anglorum populi - gens mea - apud eos Aprilis Esturmonath (eosturmonath), qui nunc paschalis (pascalis) mensis interpretatur, quondam a dea illorum, quae Eostra (Eostrae, Eostre) vocabatur, et cui in illo festa celebrantur, nomen habuit; a cuius nomine nunc paschale (pascale) tempus cognominant, consueto antiquae observationis vocabulo gaudia novae solennitatis (solemnitatis) vocantes"1). Aus dieser Stelle, der einzigen, bei der eine Eostra belegt ist, aus der Bezeichnung ôstarmânoth für April bei Eginhart2) und aus dem Namen ôstarâ (gen. -ûn) für das christliche Auferstehungsfest folgert J. Grimm eine der Eostra entsprechende deutsche Göttin Ostara, eine Gottheit des strahlenden Morgens und des aufsteigenden Lichts3). Die mythologische Forschung hat sehr verschieden Stellung zu der Existenzberechtigung dieser Göttin Ostara genommen. Gegen sie haben Stellung genommen R.M. Meyer4), Golther5), Weinhold6), Mannhardt7), Rehm8), Wilh. Müller9), H. Kaufmann10) u.a., anerkannt haben sie Wolf11), Panzer12), Neus13), Mogk14), P. Herrmann15), Quitzmann16), Kolbe17), Hocker18), Köhler19), Albers20), Kuhn21) u.a., in neuerer Zeit vor allem Schönbach22) und Kluge23). Gegen Ostara führte man an, daß die Göttin Eostra bereits eine Erfindung Bedas sei, der sie einfach aus dem Eosturmonath abstrahiert habe24), außerdem sei von den sonst überlieferten Monatsnamen kein einziger von einem Götternamen hergenommen25). Für die Glaubwürdigkeit Bedas treten Schönbach26) und Kluge27) ein. Wenn schon eine angelsächsische Eostra auf schwachen Füßen stand, hielt die Forschung erst recht eine deutsche Göttin Ostara nicht für nachweisbar. Mit Ostara seien die von Grimm aufgestellten altdeutschen Göttinnen Hruoda, Ricen und Zisca28) ebenso wie Frau Holle, Berchta u.a.29) zu streichen30). Zudem ist heute erwiesen, daß die Hauptstütze für die Göttin Ostara, das althochdeutsche, angeblich aus dem 9. Jh. stammende Schlummerlied31), eine Fälschung von G. Zappert ist, der es in den fünfziger Jahren des 19. Jh.s erdichtet und mutwillig für echt ausgegeben hatte32). Wohl steht auf Grund der vergleichenden Sprachwissenschaft33) fest, daß aind. usrâ, lit. auzra, gr. éos, lt. aurora 'Morgenröte' urverwandt ist mit germ. austra-, 'Osten', an. austr, as. ahd. ôstar, 'ostwärts', dazu ôstrun, ags. éastro, 'Ostern'34). In der Edda begegnet uns keine Spur von einer Göttin, nur der Zwerg Austri, der nach Simrock35) die Himmelsgegend des Sonnenaufgangs bedeutet. So braucht der Ostermonat nicht nach einer von einer Göttin der Morgenröte zu einer Göttin des Frühlings erweiterten Ostara benannt zu sein36), sondern kann lediglich als Bezeichnung der Himmelsgegend, als der Monat des wieder aufgehenden und wachsenden Morgenlichts37) oder als gute Benennung für den Passahmonat interpretiert werden, weil nach altkirchlichen Bestimmungen Ostern erst nach der Frühlingsgleiche gefeiert werden durfte, d.h. wenn die Sonne wieder zum genauen Ostpunkt zurückgekehrt war38). Daß die Germanen eine Austrô, eine Göttin der Morgenröte, wie die Inder eine Ushas, die Griechen eine Eos und die Römer eine Aurora verehrten, ist durch kein Zeugnis aus dem Heidentum bewiesen39). Und selbst im Falle der Existenz einer germanischen Göttin Ostara wäre von ihr nichts bekannt als der Name und daß ihr zu Ehren im Frühjahr festliche Tage gefeiert wurden40). Als Beweis für die Existenz der Ostara führte man die zahlreichen mit Ostar- zusammengesetzten Orts- und Personennamen an41), die aber nach anderer Interpretation lediglich Lage oder Herkunft in oder von Osten bezeichnen42). Fricke43) hält die Zurückführung des Namens eines Steinblocks in Westfalen 'im Oestern' auf Ostara für möglich, zumal aus derselben Gegend eine Steinplatte mit folgender Runeninschrift stammt: "Dhu gautar osta, ous il sin grosta -" (Du guter Osta, aus deinem Antlitz leuchtet -)44). Hocker45) führt als einziger ein im Kloster Corvey aufbewahrtes altes Lied an, aber ohne weitere Quellenangabe: "Eostar, Eostar, erdhan modor". Für viele Forscher ist allein die Tatsache, daß die Kirche den Namen Ostern für das Passahfest dulden mußte, ein Beweis, wie tiefe Wurzeln der Dienst der Ostara bei unseren Vorfahren geschlagen habe46). Ganz sichergestellt ist nach der bisherigen Forschung nur, daß im ahd. der April ôstarmânoth hieß, was mit unserem nhd. Ostern zusammenhängt, ferner, daß der heidnische Name eines Frühlingsfestes, wie sie überall auf der Welt gefeiert werden, auf das christliche Fest der Auferstehung, für dessen Feier das Konzil von Nicäa den ersten Sonntag nach der Frühlingstagundnachtgleiche als Datum bestimmt hatte, übertragen wurde, nachdem man lange Zeit sich nicht einig war, welchen Namen, Ostern oder Passah47), man wählen sollte, sich aber schließlich in Deutschland und England das Wort Ostern, Easter (ostarun, ags. eastron) durchsetzte gegenüber pasca, das das übrige Europa gebraucht. Aus der Volkssitte und dem Glauben der Neuzeit sowie aus Glaubensvorstellungen, die weit über das germanische Gebiet hinaus verbreitet sind, hat man einen großen Kult der Göttin Ostara konstruiert48). Danach wird sie gefeiert als Göttin des strahlenden Morgens, des aufsteigenden Lichtes49) sowie als Göttin des wiederkehrenden Frühlings50). Ihr Kult erstreckt sich über ganz Niedersachsen, Westfalen und Niederhessen, wahrscheinlich auch über Friesland, Jütland und Seeland51) und auch über Bayern, wie die von Quitzmann aufgeführten Ortsnamen beweisen sollen52). Nach Fricke53) gehört Ostara dem Herthadienst (s.d.), einem Kultus der Naturkräfte zu, und ist besonders in Westfalen sehr bekannt, wo ihr Schweineopfer dargebracht wurden, nach Hoops54) wird sie besonders in Niederdeutschland verehrt, wo ihr der Monat Mai gewidmet ist, Maiblumen55) geopfert und Maibäume errichtet werden56). Ostara erscheint beim Eintritt des Frühlings neben Donar57), ja als Schwester Thors58). Als solche hat sie Anteil an den Osterfeuern59), nach Kuhn und Panzer60) ist sie mit den drei Schicksalsschwestern eng verbunden. Die Gebräuche mit dem Osterwasser und das ihr heilige fließende Wasser61) deuten auf einen Quellenkultus. Die Sitte in Hessen, am 2. Ostertag Blumensträuße in eine Höhle zu tragen und dann kühles Wasser zu schöpfen, gilt als Rest des Ostarakultus62). Kränze aus Tausendschön, Küchenschelle und gelben Lilien, Kräuter und Mechthildenkränze (s.d.) werden ihr dargebracht63), die Birke ist ihr heiliger Baum64), ihre heiligen Tiere sind der Hase65) und das 'Osterkälbchen' oder 'Marienkäferchen', ihre Lieblingsopfer Eier66), auch Opferbrote (Osterfladen) und andere unblutige Opfer werden ihr geweiht67). An ihrem Feste findet ein großes Volksthing statt68). Dem Äußeren nach wird sie beschrieben als ein gleich der Eos sich leicht fortbewegendes, in ein goldschimmerndes Gewand gehülltes Wesen, vielleicht aus dem Meer aufsteigend69), mit gelben Schuhen70), jeden Morgen weckt sie alle lebenden Wesen aus dem Schlummer und naht sich den Häusern der Sterblichen mit schimmernden Schätzen71). Zarte Keime brechen aus ihren Spuren hervor, wenn sie über die Erde dahinwandelt72). Vielleicht ist sie eine besondere Gestalt der Himmelskönigin73). Grimm bringt die Osterspiele mit der Ostara in Zusammenhang74), und manche Züge der 'Palmeselprozession' (s.u. Palmesel) sollen ursprünglich der alten heidnischen Göttin Ostara angehört haben75). Über die einzelnen mit der Ostara in Zusammenhang gebrachten Bräuche wie Osterei, Osterfeuer, Ostergebäcke, Osterfladen, Osterkalb, Osterkerze, Osterkohle, Osterwasser, Osterhase sowie über Ostern selbst s.d. 1) Vgl. Grimm Myth. 1, 240; Golther Myth. 488; Kluge Angelsächs. Lesebuch, 3. Aufl. S. 12; Schönbach Berthold v. R. 9; Fricke Westfalen 7 Vgl. ferner ZfdMyth. 3, 356; Meyer Myth. d. Germanen 423. Lincke in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens Bd. 6, Berlin 1927-1942. Top |
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| Wasser ist mehr als H2O
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